Die Sache mit der Begrüßung und den Namen

In Norwegen neigt man im Allgemeinen dazu anzunehmen, dass in jedem zweiten Haus eine Familie Friedland wohnt. Steht das doch auf ungewöhnlich vielen Klingelschildern. Und der Deutsche an sich möchte ja gerne immer besonders höflich sein. Schließlich wurde uns das so anerzogen. Dumm nur, wenn man bei einer norwegischen Familie zu Gast ist und den Hausherren freudig mit „Herr Friedland“ begrüßt, weil das eben so am Klingelschild steht. Der verwunderten Blicke kann man sich sicher sein.
Und da sind wir auch schon beim Thema: norwegische und deutsche Umgangsformen sind nicht zwangsläufig kompatibel. Doch zunächst zurück zu „Friedland“. Da der Norweger an sich nicht selten zu faul ist seinen Namen auf seine Klingel zu schreiben, steht dort eben der Name des größten Klingelherstellers „Friedland“. Und so verwundert es nicht, dass in größeren Städten in einem Haus zehn „Friedlands“ wohnen. Und das mit dem „Herr“ als Anrede ist auch so ne Sache. Während man in Deutschland ja in der Regel das förmliche „Sie“ gebraucht, trifft man in Norwegen damit auf Unverständnis. Man duzt sich. Und zwar alle und jeden, egal ob Sachbearbeiter, Bürgermeister oder Staatsminister. Dabei sollte man aussprachetechnisch auf der Hut sein, sonst wird es für den Deutschen richtig böse. Das norwegische „Du: sprich Dü“ sollte man nicht verwechseln mit dem deutschen „Du: sprich Du“, denn letzteres bedeutet im Norwegischen so viel wie Klo. Ja, so lässt sich herrlich Verwirrung stiften und man kann die göttlichsten Blicke ernten.
Übrigens: für die Königsfamilie macht der Norweger dann doch die Ausnahme mit dem „Sie“!
Auch mit den Nachnamen der Norweger lässt sich großartig Verwirrung stiften. Was in Deutschland ja auch immer mehr auf dem Vormarsch ist, nämlich, dass beide Ehepartner ihren Namen behalten, ist in Norwegen absolut üblich. Allein aus taktischen Gründen behält man hier gerne mal seinen eigenen Namen, denn er kann durchaus Türöffner für alles und jedes sein im relativ kleinen Norwegen, denn nicht selten verraten Nachnamen aus welcher Region man kommt. Was in Deutschland ja gerne mal weggeschlampt wird ist der zweite Vorname, sofern man über einen verfügt. Leif Eric und Sverre Magnus möchten aber in Norwegen auch so genannt werden und erfreuen sich nicht an einer eigenmächtig herbeigeführten Verstümmelung ihrer Vornamen. Und der Norweger an sich verwendet den Nachnamen auch gerne in Verbindung mit der Anrede „Du“ wie etwa: „Andreasson kommst Du heute vorbei?“ Der deutsche Besucher fragt sich hier möglicherweise, ob der Mann oder die Frau keinen Vornamen hat.
Reist man allerdings mit diesem Vorwissen nach Norge wird man feststellen, dass man sich daheim bei Norwegern sehr schnell wohlfühlen wird und sich anfängliche Zurückhaltung – Fremde berühren sich nicht übermütig viel – auch schnell in herzliche Verbindlichkeit wandelt!