Schnee, Sonne, Husky = Glück hoch 3!

Ja, ja, der Winter ist immer noch nicht vorbei. Ich gebe zu, dass es mir letzte Woche ein wenig schwer gefallen ist, mich wieder in das Schneeparadies Nordnorwegen zu begeben. Früüüüüüühling wo bist Du. In Oslo kratzt meine Lieblingsjahreszeit endlich an der Winterhartnäckigkeit. Weg mit der ultradicken Jacke hin zu was leichterem. Aber wenn der Job ruft, ist man in Sachen Wetterbedingungen bekanntlich nicht wählerisch. Umso mehr werden einem Temperaturen um die null Grad versüsst, wenn man den Schnee mit einer Horde Huskys teilen darf. Ich durfte. Diesmal im tief verschneiten Tromsø.

Das Villmarkssenter habe ich ja schon öfter mit meiner Anwesenheit beglückt und zuletzt durfte ich dort im Sommer die neugeborenen kleinen Hündchen streicheln. Zeit um nachzusehen, ob sie sich inzwischen für den Job als Schlittenzieher qualifiziert haben. In den letzten Wochen hält sich an der norwegischen Küste ein hartnäckiges Hoch und die Sonne lacht ungewöhnlich viel vom Himmel herab, ideal also um mit dem Huskyschlitten durch die Landschaft zu sausen. Aber erstmal geht es in die Kinderstube. Die kleinen sind gewachsen, aber immer noch im Flegelalter und jeder, der die Tür zum Gehege öffnet, muss sich ein paar zusätzliche Arme zulegen um die Racker vom Ausbüxen abzuhalten. Schnürsenkel finden sie natürlich auch fabelhaft und es dauert nicht lange bis wir uns im Minutentakt immer wieder die Schuhe zubinden müssen. Ersatzweise nehmen sie aber auch Handschuhe, Kameragurte und was sonst noch im Mäulchen Platz hat, so dass wir uns bald in einer fröhlichen Jagd nach unseren Habseligkeiten wiederfinden. Gut, dass das Gehege nicht allzu gross ist.

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Nach diesem kleinen Fitnessprogramm geht es zu den Schlitten. Zwei Gruppen gibt es heute, die abwechselnd über die Strecke sausen. Da ich der zweiten Gruppe zugeteilt bin, muss ich auf die Ankunft der ersten warten, was fabelhaft ist, denn die Tierchen dabei zu beobachten, wie sie in der Ferne auftauchen und mit den Schlitten heran preschen , ist wunderbar. Acht Hunde pro Schlitten mit einem Bewegungsdrang, dass sie jeden Sportler vor Neid erblassen lassen. Bald taucht der erste Schlitten auf und kaum haben die Hündchen ein paar Minuten Pause, kommunizieren sie in bester Husky-Manier, laut bellend, wo denn nun die hinteren Schlitten bleiben. Die lassen natürlich nicht lange auf sich warten. Die Kommunikation wird allerdings nicht weniger. Wahrscheinlich sind sie genauso voll Adrenalin, wie ihre menschlichen Mitfahrer, die im Schlitten sitzen. Und damit der Umsteigevorgang auch reibungslos läuft, rammen die Musher auch gleich die Anker tief in den Schnee, denn wer will schon versehentlich aus dem Schlitten fallen, wenn man noch gar nicht ganz eingestiegen ist und der Husky denkt, dass Zeit ist, wieder loszulaufen.

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Auch ich bekomme meinen Schlitten zugeteilt und zügig bin ich reisefertig verpackt mit warmen Decken und der wichtigsten Anweisung: Arme und Beine bleiben IM Schlitten. Der ein oder andere Baum und Strauch an der Strecke ist mit heraushängenden Körperteilen zuweilen nicht kompatibel. Los geht’s. Von null auf hundert, zumindest gefühlt. Husky-Level. Wir gleiten auf den Schneemassen dahin. Herrlich. Die fabelhafte Umgebung von Tromsø gibt es gratis mit dazu. Hundeschlitten fahren macht definitiv süchtig. Zwischenzeitlich haben sich diffuse Wolken vor die Sonne geschoben und zaubern ein ganz besonderes Licht. Überwältigend. Zwischendurch halten wir immer wieder an um in der Landschaft innezuhalten und selbst die Huskys scheinen die fabelhafte Szenerie richtig zu geniessen. Nachdem wir uns sozusagen eingefahren haben, wird die Strecke hügeliger. Schliesslich ist es gleichzeitig auch die Trainingsstrecke für die Hündchen und da müssen ja Schwierigkeitsgrade eingebaut sein. Zuweilen hüpft der Schlitten von Pistenbuckel zu Pistenbuckel und ich frage mich, wie man sich als Musher denn so auf dem Schlitten halten kann.

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Viel zu schnell geht die Zeit vorbei, wie immer wenn es so schön ist. Eigentlich will ich gar nicht aussteigen, auch wenn jetzt ein bisschen die Kälte in mir hoch kriecht. Da kommt mir ein heisser Tee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu am warmen Feuer und hausgemachten Schokoladenkuchen gleich dazu. Hmmmmmm. Aber die Kalorien, die die Hündchen verbraucht haben, müssen ja auch wieder aufgefüllt werden. 😉

Anyway: wer die Umgebung von Tromsø mit dem Hundeschlitten erkunden will, sollte im Tromsø Villmarkssenter vorbei schauen. Das Vergnügen ist zwar nicht ganz billig, aber die Eindrücke nimmt man im Herzen mit nach Hause. Do it!

Zum Tromsø Villmarkssenter geht’s hier.  

Mit dem Schneemobil im Schneesturm oder: Kirkenes kann Abenteuer!

Ich war ja lange nicht mehr auf einem Aktivausflug ganz im Norden unterwegs. Dabei ist das in Kirkenes sowas wie ein Pflichtprogramm, wo ja die Stadt nicht gerade durch architektonische Höhenflüge glänzt. Wie sollte sie auch, wo hier im zweiten Weltkrieg so ziemlich alles platt gemacht wurde. Da muss beim Wiederaufbau eben manchmal schön und langsam, praktisch und schnell weichen. Heute soll es also die Schneemobilsafari sein. Die Kälte hat sich in den letzten Wochen hartnäckig gehalten und da der Golfstrom hier in seiner Wirkung schlapp macht, kriecht im Winter regelmässig das Eis bis an die Küstenlinie. Gut für mich, denn heute will ich auf der gefrorenen Pracht mit ordentlich Speed dahinsausen.

Ein paar Kilometer geht es raus aus der Stadt, dorthin, wo die Schneemobile wohnen. Das Wetter hat heute die Angewohnheit alle zwanzig Minuten ein Schneetänzchen zu veranstalten, aber ich habe die vage Hoffnung, dass die Sonne, die jetzt hinter den Wolken hervorguckt, den blauen Himmel weiter vorantreibt und den Schnee bis zum Ende der Tour ins Nirgendwo schickt. Ist doch auch viel schöner, wenn man sieht, wo man denn so hinfährt. Erstmal werde ich aber mit einem Overall ausstaffiert, damit die Kälte nicht allzu sehr in alle Ritzen kriecht. Einen Helm gibt es natürlich auch. Sicherheitsvorschrift und so. Kaum habe ich das Ding auf dem Kopf, frage ich mich wieder, wie man das als Motorradfahrer so als Dauerzustand aushalten kann. Mal abgesehen davon, dass ich so ein Gewicht auf dem Kopf nicht gewohnt bin, wünsche ich mir nach zwei Minuten eine Stricknadel, mit der ich das Gejucke unterbinden kann. Ich bin eben nicht gemacht für Kopfbedeckungen. Auch Mützen könnte ich regelmässig verfluchen. Nachdem wir alle fertig verpackt sind wie Michelinmännchen geht es zur technischen Einweisung. Schneemobile sind Gott sei Dank auch für den Nicht-Techniker schnell begriffen, so dass wir bald darauf durch den Schnee zum Fuhrpark stapfen. Ich habe zusätzlich meine Kamera dabei, denn ich will ein paar gute Schnappschüsse bei der Tour machen.

Und dann geht es auch schon los. Raus auf den zugefrorenen Fjord. Hübsch in einer Reihe fahren wir in zunächst moderatem Tempo durch den Schnee, schliesslich muss man sich mit dem Gefährt erstmal vertraut machen. Im Moment findet in der Provinz Finnmark auch eines der grössten Hundeschlittenrennen statt und die Strecke führt dort vorbei, wo auch wir unsere Spur hinterlassen. Und so fahren wir bald Seite an Seite mit den Hundeschlitten und werfen uns gegenseitig Grüsse zu. Was sich gleichzeitig vor uns auftürmt, finden wir dann gar nicht mehr so toll. Ein hübscher Schneesturm steht in den Startlöchern. Wie war das noch mit dem Wetterwechsel alle zwanzig Minuten? Wie eine Wand stellt sich der Schneefall uns entgegen. Nach zwei Minuten sehen wir aus wie die Schneemänner und meine Kamera bekommt eine Schneehülle, die Fotos nicht besonders zuträglich ist. Immerhin ist der Schnee so pulvrig, dass er nicht gleich in jede Kameraritze kriecht.

Nach sechs Kilometern machen wir Pause im Schneegestöber. Gut, dass wir schöne hohe Stiefel bekommen haben, denn wir waten in meterhoher weisser Pracht. Winter deluxe. Keiner lässt sich die Laune davon verderben, dass die Sonne sich hartnäckig versteckt und wir lauschen dem, was unsere beiden Guides uns über die Region erzählen, herrlich. Danach wollen wir testen, was die Schneemobile an Geschwindigkeit hergeben. Mit ordentlich Karacho geht es weiter. Und wo wir eben noch dachten, wir werden vom Schnee in null Komma nichts eingehüllt, geht es jetzt erst richtig los. Nichts sieht man mehr von unseren Overalls und als wir erneut Pause machen, schüttelt jeder einen hübschen kleinen Schneeberg von sich. Aber wen stört das schon.

Bald ist es schon wieder Zeit um zurück aufs Festland zu fahren, viel zu schnell ging die Zeit um. Auf der Rückfahrt geniessen wir noch einmal den vollen Speed der Schneemobile. So langsam kriecht aber auch die Kälte in uns hoch. Da kommt uns ein heisser Kaffee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu, dem typischen Zelt der Sami, in dem wir das wärmende Feuer geradezu fabelhaft finden. Wir dürfen auch von getrocknetem Rentierfleisch kosten. So lecker, dass ich gleich die ganze Tüte in mich reinschlingen könnte.

Und dann ist der Vormittag auch schon vorbei. Ich gebe zu, dass ich zwar froh bin den Helm wieder los zu sein, aber viel zu schnell ist unser Trip vergangen. Also Leute: wer in Kirkenes vorbei schaut, sollte unbedingt eine Tour mit Barentssafari unternehmen. Das Winterprogramm kann ich uneingeschränkt empfehlen. Wenn in einigen Monaten der arktische Sommer zurück ist, werde ich auch das sommerliche Ausflugsprogramm unter die Lupe nehmen. Bis dahin: enjoy the Winter in Kirkenes!

Wo die sanften Riesen wohnen oder: wer die Wahl hat, sucht den Wal

Ja, der Wal. Das ist ein Geselle, der zwar gar nicht so selten vorkommt, einen aber zuweilen in den Wahnsinn treiben kann, wenn man nach ihm Ausschau hält. Vor allem, bei den Artgenossen, die sich mit einmal Luft holen zwei Stunden in den Tiefen des Ozeans aufhalten können. Aber was machen sie eigentlich da unten, wo man doch viel lieber hätte, dass sie laufend die Fluke, ihre Schwanzflosse, aus dem Wasser heraus strecken. Nun ja, bevorzugt sind sie auf Nahrungssuche. Allerdings nur in ihren Sommerrevieren, im Winter wird kollektiv gefastet. Zumindest bei den Buckelwalen, die mit 13 Metern Körperlänge ganz ordentliche Kameraden sind. Ok, im Vergleich zu anderen Bartenwalen sind sie eher zierlich. Aber sie müssen schon ordentlich Krill auf einen Schluck aus dem Wasser fischen, damit die Fettreserven im Winterhalbjahr auch reichen, bis die Nulldiät beendet ist. Wie praktisch, dass der Buckelwal dafür so hübsche Barten am Maul hat, also schwimmt er einfach mit offenem selbigem in einen Schwarm von Krill und sammelt alles, was auf einen Happen hinein geht, das Wasser kann ja dann durch die Barten abfliessen. Effektiver kann Fressen nicht funktionieren.

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Der Schwertwal (Orca) interessiert sich für Krill dagegen herzlich wenig. Was handfestes muss her um den Walbody in Topform zu halten. Hering ist sein Lieblingsgericht auf der Speisekarte und davon schwimmen vor Norwegen bekanntlich ja einige rum. Und damit sich die Jagd auch ordentlich lohnt, versammelt er gleich bis zu zwanzig Artgenossen um sich, zum Leidwesen der armen Heringe. Aber wozu hat man als Wal eigentlich den Vorzug eines Atemlochs, aus dem sich so herrlich Luftblasen hervorbringen lassen, mit denen man einen Heringsschwarm einkreisen kann. Und die Fluke erledigt den Rest. Einfach auf die Heringe einschlagen, bis sie betäubt sind. Ok, nett geht anders, aber irgendwoher muss ja der Beiname Killerwal kommen. Wenn kein Hering in Sicht ist, versuchen sie sich auch an kleineren Walen, die sie bis zur Erschöpfung jagen. Überleben ist in der Natur eben alles. Wenn man das Jagdverhalten aber gedanklich bei Seite lässt, sind Schwertwale mit ihrer übergrossen Finne herrlich anzuschauen, vor allem, wenn sie sich im Schwarm tummeln.

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Der König unter den Walen, zumindest, was seine Grösse betrifft, ist der Pottwal. Kein Wunder, dass Kapitän Ahab bei der Begegnung mit Moby Dick den Kürzeren zog. Zwanzig Meter geballte Walanatomie sind eben kein Pappenstiel. Als Pottwal lebt man geschlechtlich getrennt. Die Weibchen schliessen sich mit anderen Weibchen und ihren Kälbern zusammen, während die Männchen ebenfalls lieber unter sich sind. Echte Jungs eben. Nur wenn Paarungszeit ist, scheint dem männlichen Pottwal die Anwesenheit eines Weibchens genehm und wenn schonmal Paarungszeit ist, kann man sich gleich auch einen ganzen Harem halten. Nach vollbrachter Fortpflanzung geht man wieder seiner Wege. Mehr ist nicht drin in Sachen Walliebe. Man widmet sich lieber wieder der Jagd nach Tintenfischen, schliesslich muss ja ordentlich Speck auf die Hüften. Dabei hängt der Pottwal jedes U-Boot ab. Während letzteres sich irgendwann dem Wasserdruck beugen muss, fischt der Pottwal vergnügt in bis zu tausend Meter Tiefe nach seiner Leibspeise.

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Am häufigsten schauen allerdings die relativ kleinen Grindwale, Schweinswale und Zwergwale vorbei. Die schwimmen auch gerne in den gemässigteren Temperaturen, so dass man sie schon weiter südlich antreffen kann als ihre grösseren Artgenossen. Da Grindwale eigentlich zu den Delphinen gehören, kann man sie zuweilen in einer ganzen Schar in Delphinmanier im offenen Meer hüpfen sehen.

Aber wo trifft man den nun die grossen Vertreter. Schliesslich will man sich ja nicht auf den Zufall verlassen. Wer alle sehen will, muss zweimal auf Walsafari gehen. Am besten in Andenes auf den Vesterålen und in Tromsø, denn da herrscht mehrmals im Jahr Walhochsaison. Schwertwale und Buckelwale folgen den Heringen und die halten sich am liebsten zwischen November und März rund um Andenes auf. Mit dem Boot geht es raus vor die Küste, da, wo die Kerlchen sich tummeln. Zwanzig Minuten dauert es, bis man sich im Walparadis befindet und man versuchen kann, die imposanten Fluken mit der Kamera zu erhaschen. Warm eingepackt ist zu dieser Jahreszeit Trumpf, die uns fehlenden Fettschichten gegen die Kälte müssen durch Skiunterwäsche ersetzt werden. Aber wenn man die Kameraden einmal vor der Linse hat, ist von Kälte sowieso nichts mehr zu spüren. Wem es im Winter doch zu kalt ist, der hat von Mai bis September die Chance bei einer Walsafari Pottwale zu sehen, die sich das ganze Jahr über in der Umgebung von Andenes aufhalten. Nur auf die hübschen Orcas muss man dann weitestgehend verzichten.

Anyway, wer Gelegenheit hat, die schönen Riesen in freier Natur zu beobachten, sollte sich dieses Erlebnis gönnen, denn das nimmt man im Herzen mit.

Für alle, die auf Walsafari gehen möchten, gibt es hier die entsprechenden Links:

Walsafari Andenes

Walsafari Tromsø

 

Auf der Suche nach dem Elch oder: ja wo ist er denn nun?

Gleich vorweg: jetzt bin ich schon so lange in Norwegen und was ist? Keiner von den braunfelligen Gesellen hat mir sein Schaufelgeweih bis jetzt gezeigt. Und dabei halte ich schon so lange Ausschau nach ihnen. Als ich nach Oslo kam, hiess es, dass sich genügend Elche im Umkreis der Hauptstadt tummeln. Zeit also endlich einmal eines der Prachtexemplare in freier Natur zu sehen. Im Idealfall noch mit gezückter Kamera. Aber mein Warten wurde bislang noch nicht belohnt. Woran liegt das? Nun ja, der Elch von Welt ist gesellschaftlichen Verpflichtungen im Allgemeinen ja nicht so zugeneigt, sprich: er lebt lieber zurückgezogen. Und das nicht nur von den Menschen, sondern auch von seinen Artgenossen. Als bekennender Einzelgänger hält er nicht viel von Herdenverhalten, lediglich im Winter lässt er sich ab und zu herab zu einer kleinen Gemeinschaft zusammen zu finden. Den Winter findet er überhaupt prima. Wo wir Menschen vor Kälte schlottern, hat der Elch nur ein müdes Lächeln für Eiseskälte übrig. Minus fünfzig Grad? Wer wird denn da frieren. Bei Hitze allerdings leidet er und zieht sich irgendwo hin zurück, wo er im Schatten abwarten kann, bis die Temperaturen wieder seinem Gusto entsprechen.

Copyright: Torbjørn Martinsen/Visitnorway.com

Dass sie nur selten vor die Kamera zu bekommen sind, liegt auch an der Vorliebe des Elches für dämmriges Licht. Keine gute Voraussetzung ihn zu erspähen, denn die Natur hat ihm netterweise eine Fellfarbe beschert, die es einem nicht leicht macht, ihn vom Dickicht zu unterscheiden. Ausser, wenn er einem direkt vors Auto läuft auf irgendeiner der zahlreichen einsamen Strassen des Landes. Aber das zählt zu den Begegnungen, die man sich lieber nicht wünscht, denn seine enorme Körpergrösse ist nur schwer kompatibel mit zartem Karosserieblech. Seine gewaltigen Schaufeln tun das Übrige dazu.

Die biologische Bezeichnung „Stirnwaffenträger“ kann man dann auch wirklich wörtlich nehmen. Im Gegensatz zu den Rentieren ist aber nur der Elch-Herr mit dem stattlichen Kopfschmuck ausgestattet, die Elch-Dame geniesst ihre häuptliche Bewegungsfreiheit. Ist auch viel praktischer, wenn man sich um die Kälber kümmern kann, ohne dass man zwanzig Kilogramm Gewicht auf dem Kopf mit sich rumschleppen muss. Der Elch-Herr sieht das natürlich ganz anders. Wenn die Brunft beginnt im Herbst muss man ja etwas vorzuweisen haben um die Liebste zu bezirzen. Etwaige Konkurrenten werden natürlich in Zweikämpfen eliminiert. Schliesslich sollen ja die eigenen Gene weitergegeben werden und nicht die irgend eines dahergelaufenen Rivalen. Und weil der Elch auf Nummer sicher geht, begattet er auch gleich mehrere Damen, sozusagen alle, die sich um ihn herum finden. Das war es dann auch schon mit der Elchliebe. Beziehung? Nein! Die Elchdame bringt ihren Nachwuchs lieber in aller Stille an einem geschützten Platz zur Welt. Vater? Unwichtig! Verteidigen kann sie ihren Nachwuchs schliesslich selbst. Sollte man im Dickicht also eine kleine Elchfamilie erspähen, lieber schnell das Weite suchen, wenn man nicht von Hufen niedergetrampelt werden will.

Copyright: Torbjørn Martinsen/Visitnorway.com

Aber wo sieht man ihn denn nun? Auf jeden Fall braucht man eins: Geduld! Das ist ja im Allgemeinen nicht meine Stärke. Für den weniger Geduldigen wie mich gibt es daher die Elchsafari, da wird man immerhin mit dem Auto in die Wildnis gebracht, zu Plätzen, an denen sie sich bevorzugt aufhalten. Eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Im Winter verlassen sie zumindest hin und wieder ihre Deckung, wenn man mit Fressbarem lockt. Das fällt zwar dann nicht ganz in die Kategorie „in freier Wildbahn gesehen“, aber immerhin. Ansonsten heisst es: sich auf die Lauer zu legen. 200.000 Elche streifen laut Schätzungen durch Norwegen. Da könnte man doch meinen, dass das ganz schön viele sind, aber die norwegische Natur macht uns eben einen Strich durch die Rechnung. Zu viele Möglichkeiten sich zu verstecken. Ein einziges Mal hat sich ein Elch in meine Nähe verirrt während meines Jobs als Reiseleiterin. Aber da man bekanntlich im Job nicht immer kann wie man will, war er auch schon wieder verschwunden, als ich Zeit fand nach ihm Ausschau zu halten. Ich muss mich also vorerst mit dem ausgestopften Exemplar im Holmenkollen Skimuseum begnügen. Unbefriedigend. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich ihn noch erspähe, in Gålå, in der Gegend von Lillehammer, in Trysil, in der Telemark, dem Østerdalen, am südlichen Teil der Reichsstrasse 17 oder sonst irgendwo in Norwegen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt! 😉

Für die Elchsafariwütigen geht es hier zum Anbieter

Die Hauptstadt war schon lange nicht mehr dran oder: auf Herbstfototour in Oslo

Seit ich als Reiseleiterin ständig in ganz Norwegen unterwegs bin, sind meine fotografischen Abenteuer in der Hauptstadt etwas eingerostet. Nein, so geht das nicht weiter. Zehn Tage tourfrei kommen da geradezu gelegen um fotografisch Neues auszuprobieren. Und Oslo hat sich sogar überlegt mit gutem Wetter zu glänzen. Für gewöhnlich bin ich auf Regen abonniert, wenn ich denn mal zu ausgedehnten Fototouren starten will. Diesmal nicht. Erste Station: Bygdøy. Die Museumshalbinsel ist für mich ja einer der Spazierganghotspots der Stadt und das Fotografenherz schlägt hier höher. Wenn man sich auf den Weg zur kleinen Bucht Huk macht, gerät man schon in Entzücken, wenn man am idyllischen Privatstrand vorbei kommt, wo die Boote verschlafen am Steg liegen. Ausserdem leuchten hier jetzt die Bäume in allen Herbstfarben. Das beste Licht gibt es in der goldenen Stunde, also kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Das Sternchen steht dann tief am Himmel, die Schatten sind weich und „goldene Stunde“ kann man hier wörtlich nehmen. Ein optisches Fest. Ich will mich diesmal an Langzeitbelichtungen versuchen, das wollte ich schon lange ausprobieren. Dazu setzt man der Kamera quasi eine Sonnenbrille auf, die den Sensor so weit abdunkelt, dass man problemlos auf Belichtungszeiten von mehreren Minuten kommt. Der Effekt: jedes Wasser wirkt wie glatt gezogen, das Idyllbarometer steht auf höchster Stufe.

Huk, Copyright: insidenorway

Scheinbar ist hier heute Fotografentreff. Ich bin ja eher gewöhnt, dass man etwas komisch angeschaut wird, wenn man tagsüber mit Stativ unterwegs ist. Ja, aber aus der Hand ist bei Langzeitbelichtungen nichts drin. Auch über meinen Fernauslöser bin ich extrem dankbar, denn schon beim Drücken des Auslösers lässt sich eine Aufnahme herrlich verwackeln und man erfreut sich nach einigen Minuten Wartezeit – belichten, rechnen – an einer misslungenen Aufnahme. Nein, das hebt die Laune nicht. Ausserdem kann man mit extrem langen Belichtungszeiten die anderen Spaziergänger wegzaubern, gerade bei Aufnahmen in der Natur empfinde ich das als willkommene Nebenwirkung. Und das liegt einfach daran, dass ein sich bewegendes Objekt sich zu kurz an einem Punkt befindet, damit der Kamerasensor es wahr nimmt. Funktioniert übrigens auch auf grossen Plätzen mitten in der Stadt, die man so einfach leer fegen kann. Sehr praktisch.

Auch am Strand mache ich den Versuch einer Langzeitbelichtung. Eigentlich steht die Sonne dafür zu frontal, aber heute herrscht so herrliche Ebbe, dass die Steine, die sich am Ufer im Wasser tummeln, so entzückend vom Fjordwasser umspült werden. Und probieren geht ja bekanntlich über studieren. Ein paar Norweger haben sich mit Einweggrill am Strand eingerichtet und wahrscheinlich fragen sie sich, was das denn werden soll, als ich mein Stativ aufbaue. Noch ein Vorteil von Langzeitbelichtungen. Man verlässt den Ich-knipse-mal-schnell-Modus und muss sich viel genauer überlegen, was denn jetzt aufs Bild kommen soll. Damit wird auch deutlich, dass es für jeden, der sich nicht für Fotografie interessiert, die Hölle ist, unbeteiligt daneben zu stehen. Wenn man an der Kamera hantiert und alles einrichtet, wundere ich mich immer wie schnell ein paar Stunden drauf gehen, bis man ein paar verschiedene Aufnahmen im Kasten hat. Dafür kann man aber auch nach der Fotoorgie mit aussergewöhnlichen Aufnahmen aufwarten.

Huk, Copyright: insidenorway

Nächste Station Innenstadt. Diesmal ist Tjuvholmen dran. Bekanntlich gibt es ja auch dort genügend Wasser, das den Stadtteil umfliesst. Nach einer guten Aufnahmeposition muss ich etwas suchen. Schliesslich braucht man ja für ein gutes Bild einen passablen Vordergrund um so etwas wie Bildgestaltung zu vollziehen. Ja, da muss man sich schon auf die Steine bemühen, die da vor dem Astrup-Fearnley-Museum herumliegen. Beim Einrichten sehe ich schon die Kamera im Fjord liegen und die Passanten finden es auch belustigend, wie ich da auf den Steinen herumkrieche. Irgendwie befindet man sich bei der Motivgestaltung immer in Bodennähe. Jetzt im Herbst ist eine kleine Isoliermatte extrem hilfreich, wenn man nicht auf den kalten Steinen sitzen oder gefühlt stundenlang in Hockposition verbringen will.

Astrup Fearnley Museum, Copyright: insidenorway

Wo ich einmal dabei bin, will ich auch den Blick auf den Oslofjord als Langzeitbelichtung festhalten. Aber das wird heute nix, da der Bootsteg, den ich mir als  Standort ausgesucht habe, so in Schaukellaune ist, dass kein einziges wirklich scharfes Bild hinzubekommen ist. Pech. Ich versuche mein Glück an der nächsten Station, dem herrlichen Wasserfall am Akerselva, Oslos Stadtfluss. Hier ist immerhin alles fest auf der Erde befestigt, so dass schaukelnde Boote oder Stege hier eher weniger ins Gewicht fallen. An Wasserfällen ist der Langzeitbelichtungseffekt besonders schön, weil das Wasser so weich fliessend erscheint, dass es fast schon wie ein Gemälde wirkt. Da die Gischt heute besonders weit spritzt, ist es gar nicht so einfach, eine Aufnahmeposition zu finden, in der nicht in zwei Sekunden das Objektiv einen hübschen Wasserschleier hat. Aber wer suchet, der findet. Der extrem kalte Wind heute wiegt die Blätter der Bäume hin und her, nicht optimal. Ausserdem verbraucht man in fünf Minuten zehn Packungen Taschentücher, weil die Nase ununterbrochen läuft. Aber zu schön ist der Anblick der Wassermassen, die sich in die Tiefe hinab stürzen. Nach zwei Stunden bin ich dann aber doch durchgefroren und sehne mich nach einem heissen Tee.

Akerselva, Mølleparken, Copyright: insidenorway

Fazit: Ich finde es lohnt sich absolut, Langzeitbelichtungen einmal auszuprobieren. Es bringt eine Menge Spass und schärft den fotografischen Blick. Also ran an die Kamera und ausprobieren! 🙂

 

Leuchtturmfestival oder: wo Romantik den Weg weist

Also seit ich in Norwegen bin, bin ich ja zum bekennenden Leuchtturmfan geworden. Erstens, weil sie so vielfältig sind und zweitens, weil sie so ein romantisches Flair haben. Gut, nicht alle fallen in die Kategorie Superstar, aber eine ganze Menge davon schmiegen sich zauberhaft in die Landschaft oder stehen gleich mitten im Wasser um den Schiffen den Weg zu weisen. Die Zeit der Leuchtturmwärter ist natürlich längst vorbei, die Elektronik hat den Part übernommen. Wenig romantisch, aber dafür praktisch. Dem Zauber der Türmchen tut das jedoch keinen Abbruch und sie stehen überall entlang der Küste und warten darauf fotografiert oder als aussergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit genutzt zu werden. Letzteres steht auch noch auf meiner Backpackliste.

Wer von Süden nach Norwegen kommt, trifft gleich auf eines der Exemplare von der Sorte entzückend. Lindesnes fyr. Er darf sich dann auch mit dem Titel „Südlichster Leuchtturm“ und „Ältester Leuchtturm“ von Norwegen schmücken. Seit mehr als 350 Jahren leuchtet er den Schiffen den Weg, natürlich nicht in der Form, wie er heute zu sehen ist. Das mit dem Gemäuer wurde erst 1822 akut, nachdem das Leuchtfeuer 150 Jahre ein Dasein als offenes Kohlefeuer gefristet hatte und einen wahren Sturm von Beschwerden ausgelöst hatte. Eben nicht wirklich praxistauglich. Dafür zählt der Lindesnes fyr heute zu den grössten Touristenmagneten der Südküste. Auch eine Karriere.

Lindesnes fyr, Copyright: Charlotta Lambert

Fährt man die Westküste hinauf in die Provinz Møre og Romsdal wartet ein weiteres Kleinod: der Ona fyr. Allerdings ist es gar nicht so leicht hinzukommen. Man muss sich erst durch das Insel-Fähren-Wirwarr wurschteln. Von Molde aus hüpft man nach Hollingsholmen und weiter nach Aukra und Småge. Dann erst geht es weiter auf die Mini-Inseln, ja Ona fyr will sich eben nicht so leicht erobern lassen. Aber ist natürlich klar, dass man sich als Leuchtturm auf der äussersten Insel positioniert, sonst macht ja das ganze Dasein keinen Sinn. Besagte Insel Ona kann man mit 25 Einwohnern nicht überlaufen nennen, trotzdem gibt es ein Café, in dem man sich im Schatten des Ona fyr stärken kann. Der Blick aufs Meer und aufs Festland ist atemberaubend. Und nen langen Sandstrand gibt´s auch noch dazu. Ja, das ist Norwegenglückseligkeit.

Ona fyr, Copyright:Øyvind Heen – Visitnorway.com

Drei meiner persönlichen Leuchtturmlieblinge liegen weiter nördlich. Da ich an ihnen alle paar Wochen mit der Hurtigrute vorbei komme, kann ich mich entsprechend oft an ihnen erfreuen. Kjeungskjær fyr tanzt aus der Reihe, weil er nicht nur mitten im Wasser liegt, sondern auch der einzige achteckige Leuchtturm in Norwegen ist. Schon seit einiger Zeit hat man ihn mit dem Titel „Denkmal“ ausstaffiert, was die Norweger aber nicht davon abhält, ihn während der Mitternachtssonnenzeit zu vermieten. Das ganze muss ja auch irgendwie erhalten werden. Dabei ist das Türmchen ein echter Preishit. Gerade mal zweitausend Kronen kostet es, wenn man sich hier mit bis zu acht Personen einnistet. Ok, das Unterhaltungsprogramm ist eher mässig und zum Einkaufen kann man auch nicht mal so eben, aber dafür fährt jeden Tag die Hurtigrute vorbei und man kann ein Winkefestival veranstalten. Für die Mietwütigen geht es hier zum Türmchen.

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Skjeungskjær fyr, Copyright: insidenorway

Noch etwas weiter nördlich, am Beginn der offenen Seestrecke Folda, steht der Buholmråsa fyr. Genau wie der bei Bodø liegende Landegode fyr kommt er in weiss rotem Kleidchen daher, die Häuschen, die ehemals der Bewirtschaftung dienten, schmusen sich  malerisch daneben. Der Buholmråsa fyr ist ein reines Leuchtfeuer, übernachtungstechnisch austoben kann man sich hier nicht. Dafür kann er sich rühmen 17 Seemeilen weit den Weg zu weisen. Wenn ich auf dem Schiff bin, verpasse ich ihn oft, weil er immer beim Abendessen auftaucht. Dafür präsentiert sich der Landegode fyr am Nachmittag. Er markiert die Öffnung zum Vestfjord, im Winter oft eine berüchtigte Schaukelstrecke bis man die Lofoten erreicht hat. Da der gusseiserne Turm direkt nördlich der Insel Landegode liegt, hat er auch gleich ihren Namen übernommen. Das Skagen Hotel in Bodø hat ihn ausserdem als Übernachtungsstätte adoptiert. Wer also fernab allen Trubels nächtigen möchte, findet hier die nötige Ruhe.

An der ganzen Küste verteilt gibt es natürlich noch viel mehr Leuchttürme, 212 insgesamt, von denen nicht alle ein optisches Highlight sind. Wer etwas für gute Fotomotive übrig hat, kann aber auch mit den vermeintlich unscheinbaren Vertretern romantische Aufnahmen fabrizieren. Denn eins haben alle Leuchtfeuer gemeinsam. Sie stehen in einer Landschaft, die romantischer nicht sein könnte. Also auf den Leuchtturm, fertig, los! ❤

Der Vögel König oder: auf der Suche nach dem Seeadler

Ja, der Seeadler. Man sagt ja, dass er ein königlicher Vogel ist. Bei dieser Aussage kann ich nur zustimmen. Als meine Norwegenliebe vor vier Jahren erwachte, hatte ich ihn ja noch nicht so auf dem Schirm. Entweder war er nicht da, wo ich war, oder ich war zu beschäftigt, die Schönheit der norwegischen Natur zu geniessen. So weit, so gut.

Copyright: insidenorway

Jetzt aber kenne ich ihn und ich bin mir noch nicht sicher, was genau mich an ihm so fasziniert. Mit meiner Beziehung zu den Seeadlern ging es jedenfalls los irgendwo im Raftsund. Während ich per Schiff unterwegs war, liess der erste sich herab, seine Kreise  über uns zu ziehen. Majestätisch. Wenn die stolzen Vögel doch nur nicht immer so hoch fliegen würden, so dass man ein Weltraumteleskop braucht um ihnen in die Augen zu schauen. Gut, wenn man ein paar Fischleckerlis in der Hinterhand hat. Da kann auch der standfesteste Seeadler nicht widerstehen, vor allem wenn Brutzeit ist. Die Kleinen wollen ja was Handfestes im Schnabel um gross und stark zu werden. Und gross werden sie tatsächlich. Schliesslich muss man für den Titel „Grösster Greifvogel Mitteleuropas“ was tun. Wo am Anfang nur ein Ei ist, müssen die Eltern bald achtzig Tage lang fleissig auftischen bis der Nachwuchs zu den ersten kurzen Flügen startet. Brutzeit heisst für mich vor allem: Zeit, die Kamera zu zücken. Ende April hocken die Kleinen im Nest und warten gierig darauf, dass ihnen Fressbares in den Schnabel gereicht wird. Also nimmt der Adler an sich dann auch gerne das Fischangebot an, dass man ihm angedeihen lässt. Ist ja auch so praktisch, wenn man die Beute nicht erst erlegen muss. Gegen Aas hat der Seeadler prinzipiell nichts, Hauptsache er wird satt. Man muss sich eben seine Überlebensstrategie suchen. Frischer Fisch gefällt ihm natürlich besser. Deshalb ist es für Fotos gelegentlich hilfreich, wenn man gleich eine Fischkiste auf dem Boot hat. Ok, irgendwie hat es was von Tauben füttern. Jedoch zum Ende der Saison, wenn die Kleinen aus dem Nest geflattert sind, hilft auch kein Winken mit Fisch mehr um ihn dazu zu bewegen, zum Fotoshootings aufzukreuzen. Der Seeadler wahrt seine Selbständigkeit. Wer weiss schon, ob morgen wieder ein Boot mit Frischfisch vorbeifährt. Da muss man schon seine Jagdrevieralternativen in petto haben. Vor allem, wenn man auch mal die Liebste mit einem Fisch verwöhnen will. Wenn Seeadler sich verlieben, schliessen sie den Bund fürs Leben und schwärmen fortan nur noch für den hübschen Schnabel des Partners, seine stimmigen Beine und den prächtigen Fang. Jeder Fisch ist wahrscheinlich wenig amused in solchen Klauen zu landen.

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Natürlich kann man Seeadler auch prima beobachten ohne sie künstlich anzulocken. Auf einer der zahlreichen Vogelinseln zum Beispiel. Hier heisst es schnell sein,  denn sie pflegen oft genau so schnell zu verschwinden, wie sie auftauchen. Überhaupt sind sie so rasend schnell, dass man manchmal kaum hinterher kommt. Jeder, der schon einmal Seeadler fotografiert hat, wird das kennen. Erst kreisen sie stundenlang, dass man kurz vor dem Tod durch Nackensteifheit ist. Nun ja, der Blick von hoch oben ist ja bekanntlich auch der beste. Ehe man sich versieht, setzen sie zum Sturzflug an um irgendeinen Fisch aus dem Wasser zu angeln, den kein Mensch sieht. Adleraugen eben. Die Sammlung unscharfer Fotos, auf denen nur noch die Federspitzen zu sehen sind, sind dann meist besonders erbaulich. Gut, dass es im Zeitalter der Digitalfotografie möglich ist, solche „Erfolgsfotos“ einfach wegzulöschen. Vor dreissig Jahren hätte man sich an Foto-Entwicklungskosten in Höhe eines Einfamilienhauses erfreut.

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Wenn man den Seeadler dann aber mal richtig erwischt, erfüllt einen Entzücken. So stolz, so schön, so einzigartig. Als Teenager sind sie noch im stylish braunen Federkleid unterwegs, erst nach fünf Jahren kleiden sie sich mit weissen Kopf- und Schwanzfedern. Das ist dann gleichzeitig auch für die Artgenossen das Zeichen, dass sie jetzt bereit sind für einen Lebenspartner. Das erste Ei will ja schliesslich auf die Welt kommen. Und damit kommt dann auch für mich die Chance nach den neuen frisch  flügge gewordenen Ausschau zu halten und ihren Anblick zu geniessen.

Fazit: wer Gelegenheit hat diese stolzen Tiere zu beobachten, sollte es tun. Ob mit oder ohne Kamera: der Seeadler zeigt uns einen herrlichen Teil der Natur. Also lasst Euch von ihm inspirieren! ❤

Speed mit Spass oder: in Svolvær rockt die RIB-Safari

Ja, ich gebe zu: seit ich in Bodø das erste mal auf dem Speedboot war, ist das so etwas wie meine Leidenschaft geworden und wann immer ich die Möglichkeit habe, bin ich dabei. Diesmal hatte ich in Svolvær das Vergnügen. Wer auf die Lofoten reist, kommt ja nicht umhin sich in selbige zu verlieben. So ging es auch mir als ich das erste mal dort war. Die schroffe Felslandschaft begeistert mich immer wieder, ebenso wie der hohe Freizeitwert der Region.

Und heute ist mir auch das Wetter hold. Die Sonne strahlt vom Himmel, ein Tag wie geschaffen um mit ordentlich Geschwindigkeit über das Wasser zu jagen. Und ich habe die vage Hoffnung, dass es heute möglich ist, ohne diese lästige Sturmhaube ins Boot zu steigen, die einem, wenn man sie abnimmt, eine perfekte Helmfrisur beschert. Gut, wenn man in Norwegen zu Outdoor-Aktivitäten aufbricht, kommt es nicht darauf an, hinterher noch laufstegtauglich zu sein, aber da ich diesmal während meines Jobs als Reiseleiterin aufs Boot steige, finde ich es doch sehr angenehm, heute mal auf besagte Sturmhaube verzichten zu können. Die kostenlose Fönfrisur bekommt man ja trotzdem. 😀

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In den Overall schmeisse ich mich dennoch, schliesslich erfreut der Fahrtwind zuweilen mit kühlen Temperaturen. Heute sind wir nur fünf Mann im Boot, so dass wir zügig in Svolvær starten. Die MS Polarlys der Hurtigruten liegt uns gleich vor der Nase und es ist wirklich ein imposantes Bild sich gleich vor ihrem Bug auf dem Wasser zu befinden. Da ich von Speedboat-Touren gewöhnt bin, dass es eine feuchte Angelegenheit ist, lasse ich meine grosse Kamera an Land und packe nur das Handy ein. Schliesslich lässt sich das blitzschnell für ein Foto hervorholen und man kann es danach wieder hübsch im Overall verschwinden lassen. Dass ich mich dreissig Minuten später über meine Kamera an Land so richtig ärgere, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zunächst einmal tuckern wir gemächlich los. Kaum ist die Fischerinnenstatue am Hafenausgang in Sicht, geben wir ordentlich Speed. Herrlich. Man möchte vor Genuss die Augen schliessen, aber ich versuche das tunlichst zu vermeiden. Lofotenlandschaftskulisse und so. Alle Landschaftseindrücke in uns aufsaugend sausen wir zum Sandstrand. Das Wasser ist so türkisblau, dass man meinen könnte, man hält sich in der Karibik auf. Allerdings ist die Wassertemperatur nur etwas für die Harten. In zwölf Grad baden? Nein, ich verzichte.

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Wir fahren weiter und erspähen den ersten Seeadler. Jetzt, wo ich keine Kamera dabei habe. Genüsslich fliegt er über uns hinweg und beobachtet uns. Möglicherweise hofft er auf ein Fischleckerli. Kaum haben wir den Motor unseres Bootes ausgeschaltet, gesellt sich der nächste dazu. Und der nächste. Und der nächste. Alle versammeln sich auf einem kleinen Inselfelsen gleich neben uns und verfolgen uns mit Adleraugen. Auf adlerisch tönt es herüber, wann denn nun endlich der Fisch aufgetischt wird. Und tatsächlich. Wir haben Fisch dabei. Also eröffnen wir kurzerhand das Buffet und bald flattern sie betörend nah an unser Boot heran um die Köstlichkeiten aus dem Meer zu fischen. Mir fällt wieder ein, dass ich keine Kamera dabei hab. Grrrrrr! Immerhin gelingt es mir per Handy ein paar Videos zu schiessen. So nah bin ich noch nie an die stolzen Vögel herangekommen. In Ermangelung geeigneter Fotoausrüstung, erfreue ich mich dann heute daran, die Seeadler einfach zu beobachten. Und auch das ist fabelhaft.

Nachdem unser Fisch aufgebraucht ist, fahren wir weiter zur kleinen Inselgruppe Skrova, die sich in den Vestfjord erstreckt. Bei gutem Wetter wie heute blickt man bis zum Festland und auf die Lofotenwand. Sagenhaft!

Auf Skrova ist natürlich eins Hauptthema: die Fischerei. Wie könnte das auch anders sein. Schliesslich handelt es sich hier auch um eine ehemalige Hochburg der Lofotfischerei. Dorsch und Seelachs sind hier jedoch inzwischen nicht mehr Hauptakteur, jetzt ist der Lachs Trumpf. In riesigen Becken wartet er vor der Inselgruppe auf seinen Weg in Kochtopf und Backofen. Ja, so ein Lachsleben endet anders, als er es sich wahrscheinlich vorgestellt hat. Fischkarma. Auf jeden Fall aber trägt er dazu bei, dass so gut wie jeder auf Skrova irgendwie von der Lachszucht lebt, die örtliche Fischfabrik fährt ihn in rauen Mengen per LKW überall dorthin, wo er auf dem Teller landet. Nirgendwo in Norwegen ist die Millionärsdichte so hoch wie auf Skrova. Merke: Lachs scheint reich zu machen, zumindest hier. Wer also noch nach dem passenden Millionärssohn sucht, sollte einen Flirt bei einem Kaffee erwägen. 😉

Zeit nun um zurück nach Svolvær zu fahren, auch diesmal mit ordentlich Speed. Neptun geizt heute mit den Wellen und mein Rücken dankt mir sehr, dass wir nicht alle zwei Meter in ein Seegangloch fallen. Und dann sind wir auch schon wieder am Kai. Wie immer war die Tour viel zu kurz und ich könnte gleich nochmal. Jedenfalls bin ich auf den Lofoten nicht zum letzten mal Speedboot gefahren.

Fazit: dazu lässt sich nichts anderes sagen als AUSPROBIEREN!

Wo Enten glücklich und Daunenbetten heiss begehrt sind – das Vega-Archipel

Es ist mal wieder Zeit eine neue Region meines Lieblingslandes zu erkunden. Das Vega-Archipel scheint mir dafür hervorragend geeignet, zumal die Helgelandküste sowieso zu meinen Lieblingen gehört. Dieses Jahr glänzt der Sommer ja eher nicht mit sonnentechnischen Höhenflügen, aber ich habe mir einen Tag ausgeguckt, der wohl sowas wie ein Hitzeausnahmezustand ist.

Los geht es in Sandnessjøen. Ich steige also aufs Schnellboot, das mich nach Vega bringt. Wo man in den vergangenen Tagen noch eher im Schiffsbauch gekauert hat, lässt es sich heute prima an Deck aushalten. Die Sonne hat heute ordentlich aufgeheizt und der Fahrtwind ist geradezu eine Wohltat. Aber ich will mich mal nicht beschweren. Vorbei geht es an den Gipfeln der sieben Schwestern, die heute wolkenfrei in voller Pracht erstrahlen. Nachdem sie sich die letzten Monate allzuoft in einer Nebel-Wolken-Hülle verborgen haben, dachte ich schon, sie seien kurzfristig umgezogen. Aber nein, es gibt sie noch. Auf dem Weg zum Archipel passieren wir unzählige kleine Inseln. Die meisten sind lange nicht mehr bewohnt. Aber gelegentlich gibt es noch das ein oder andere Eiland, das immer noch Wohnsitz von ruhebedürftigen Norwegern ist. Der Einsamkeitsliebhaber geht hier seiner Schafzuchtleidenschaft nach und hält sich allerhand Federvieh. Nun ja, für alles andere, was der Norweger zum täglichen Leben braucht, nimmt er das hauseigene Boot um damit zum nächsten Supermarkt an der Küste zu sausen. Als dauerhaftes Lebensmodell nicht meine bevorzugte Variante, aber für einige Zeit abschalten lässt sich hier allemal.

Allein aber nicht einsam, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Vega. So ziemlich alle drängeln sich mittlerweile draussen und lassen sich den Fahrtwind um die Nase wehen. Hat fast etwas von Mittelmeerfeeling heute. Nach einer guten Stunde legen wir auf der Hauptinsel des Vega-Archipels an. So ziemlich jeder Einwohner versichert mir, dass es sich heute um den mit Abstand wärmsten Tag des bisherigen Sommers handelt. Ich glaube das sofort und könnte mich hier gleich in eine gemütliche Hängematte legen, mit herrlichem Blick aufs Meer. Aber erst will ich ja etwas über die Eiderenten erfahren, die hier sozusagen im Vogelparadies leben. Deshalb geht es zunächst ins Museum und ich lerne allerhand über die Tierchen und ihre fabelhaften Daunen. Die Einwohner bereiten den Eiderenten einen heimeligen Nistplatz, wobei die Ente an sich eher die bereits eingewohnte Behausung bevorzugt und die neu gebaute gerne links liegen lässt. Alljährlich kommen sie zur Immobilienbesichtigung auf das Archipel und gucken sich die für sie perfekte Wohnung aus. Ja, als Eiderente ist man eben wählerisch.

Das Nest wird stattlich mit getrockneten Algen ausgepolstert. Sehr praktisch, weil diese sich nicht in den Daunen verfangen und die Reinigung entsprechend leichter fällt, bevor sie weiter verarbeitet werden. Netterweise reisst die Eiderente sich die Daunen selber aus, wenn die Eier ausgebrütet werden und da sie keine Verwendung mehr dafür hat, wenn die Kleinen geschlüpft sind, nimmt sich eben der Mensch der weichen Pracht an. Die Ente dankt es ihm durchaus und schätzt den Schutz des Menschen gegen Nerz, Otter und Rabe, allesamt stets auf der Suche nach einem Ei, das man ausschlürfen kann. Und wo es den Räubern gelingt, sucht die Eiderente das Weite und bevorzugt fortan ein anderes Plätzchen zum Nisten.

Eiderente, Copyright: hannahsfotofantasie

Sind die Kleinen flügge, braucht die Eiderente die Daunen nicht mehr und stellt sie grosszügig zur Verfügung. Mist, dass alles, was nicht hinein gehört, erst einmal mühsam herausgeschüttelt werden muss. Bis sie den Ansprüchen als Daunenbettfüllung genügen, dauert es gut und gerne vierzehn Tage, denn jeder noch so kleine Fremdkörper muss herausgefiltert werden. Mühselig. Aber das erklärt dann auch, warum man für eine fertige Daunendecke ca. 5.500,- Euro hinblättern muss. Auch wenn der Preis Schnappatmung verursacht, muss man sich mit einem Platz auf der Warteliste begnügen, wenn man eine sein Eigen nennen will. Wer die Daunen jedoch einmal in der Hand hatte, unterschreibt jederzeit, dass er noch nie etwas Weicheres gefühlt hat.

Reinigung der Daunen, Copyright: insidenorway

Nach meinem Schnellkurs in Eiderentenwissenschaft, geniesse ich das idyllische Flair der Insel. Die typisch roten Häuser und das warme Sommerwetter verleiten einen dazu sich gleich zwei Wochen hier einzumieten. An Entspannung mangelt es einem hier bestimmt nicht. Ich geniesse also den Blick auf das Wasser und die malerischen Hütten und fast scheint es so, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Den anderen Besuchern, die an diesem Tag auf Vega weilen, geht es offensichtlich ebenso und wir schwärmen uns gegenseitig von möglichen Wander- und Kajak-Touren auf der Insel vor.

Dummerweise vergeht die Zeit viel zu schnell bis der Linienbus auftaucht, der mich nach Gladstad bringt, wo auch schon das Schnellboot nach Brønnøysund wartet. Aber ich geniesse die kurze Fahrt und erfreue mich an der Blütenpracht und der malerischen Bergkulisse auf der Insel. Auf der Fahrt nach Brønnøysund sausen wir wieder durch die zauberhafte Schärenlandschaft der Helgelandküste. Ach, man könnte auch hier noch ewig entlang fahren. Aber jede schöne Tour geht auch mal zu Ende.

Fazit: wer Gelegenheit dazu hat, sollte unbedingt einen Abstecher zum Vega-Archipel unternehmen. Norwegenidyll könnte kaum schöner sein!

Gletscherglück am Polarkreis – am Svartisen trifft Landschaftsfeuerwerk auf Eiszeit

Also in Norwegen tummeln sich ja so einige Gletscher. Der zweitgrößte ist der Svartisen. Grund genug, ihm einen Besuch abzustatten. Von Ørnes aus mache ich mich auf den Weg und bin gespannt, wieviel Eis sich denn da so den Berg hinab wälzt. Die meisten Gletscher sind ja eher von der Sorte rückläufig, da die Erderwärmung ihnen allgemein nicht zuträglich ist.

Nun ja, zunächst mal lege ich ein paar Kilometer mit dem Boot zurück um zum Svartisen zu gelangen. Die Küste ist hier einfach zauberhaft und die ganze Gegend um Ørnes herum gehört sowieso zu meinen liebsten Küstenabschnitten. Ich liebe die lauschigen Inseln, vor denen die kleinen Boote schlafen. Eine gute dreiviertel Stunde sausen wir mit dem Boot Richtung Gletscher. Und siehe da, auf einmal zeigt er sich. Zuerst noch zaghaft hinter der Felskuppe, dann in voller gletscherblauer Pracht. Ok, ich gebe zu, wer in Grönland oder auf Spitzbergen war, wird beim Anblick nur müde lächeln, ob der vergleichsweise lächerlich mickrigen Eismenge. Aber wenn man sich unvoreingenommen an den Svartisen heran arbeitet, erzeugt er schon eine gewisse Ehrfurcht. Jedenfalls finden das bei uns im Boot so ziemlich alle. Die Sonne hat sich netterweise zu uns bequemt und bringt das blaue Eis auf der Gletscherzunge zum strahlen.

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Copyright: insidenorway

Mucksmäuschenstill ist es auf einmal. Ja in so einem Moment ist man eben doch naturandächtig. Nun aber erst einmal mit dem Boot anlegen und näher ran. Schließlich will man das Eis in vollem Umfang geniessen. Ein drei Kilometer langer Wanderweg führt bis an den Gletschersee. Auch hier muss man pausenlos links und rechts gucken, weil man einfach in Verzückung gerät, so schön ist die Landschaft. Und auch, dass ich mich geographisch nördlich des Polarkreises aufhalte, ist temperaturmässig heute eher nicht spürbar. Quasi alle zehn Meter muss man ein Kleidungsstück abwerfen. Warm ist es. Am See angekommen habe ich mich dann des Zwiebellooks komplett entledigt und wäre für einen Kleidungssklaven zu haben, der mir den ganzen Kram abnimmt. Inzwischen hat die Sonne die Wolken ins nirgendwo geschickt und sie scheint, 24 Stunden im Moment. Als geologischer Dummie finde ich ja faszinierend, dass die Sonne den Gletscher nicht einfach in ein paar Stunden wegschmelzt. Aber bei 200m Eisdicke haben sich die Eismoleküle wohl so miteinander verbandelt, dass sie der Sonne trotzen, zumindest der Grossteil.

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Nähe Svartisen, Copyright: insidenorway

Am See angekommen, strahlt es türkis. Das Gletscherwasser, das den See gebildet hat, spielt hier wirklich optisches Farbenfeuerwerk. Deshalb: hinsetzen, herumgucken, geniessen. Eigentlich könnte man hier stundenlang sitzen bleiben. Ja und da ist es wieder: das Bewusstsein, dass Norwegen in punkto Natur bei der Schöpfung der Welt ziemlich gut abgeschnitten hat. Um den See optisch zu überbrücken ist das Fernglas hier Gold wert – oder das Tele-Objektiv. Das lässt einen so richtig in die Struktur des Eises blicken. Das mit den zweihundert Metern Dicke finde ich jetzt noch faszinierender, stellenweise türmt sich das Eis auch auf achthundert Meter auf. Die Gesamtmenge, die da so den Hang hinab fliesst, mag ich mir gar nicht vorstellen. Aber sie ist auch nicht wichtig um diese Naturgewalt eindrucksvoll zu finden. Das Eis, von dem der Svartisen seinen Namen hat aber, nämlich die tiefblaue Farbe der inneren Eisschichten, hält der Gletscher allerdings geheim.

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Copyright: insidenorway

Nach der ausgiebigen Pause am Gletschersee geht es zurück. Eigentlich könnte man sich jetzt bereits zufrieden zurücklehnen und von der gewaltigen Natur zehren, aber die Rückfahrt hält noch ein zusätzliches Bonbon bereit.

Möwen scharen sich heute in rauen Mengen um unser Boot. Die Vögelchen an sich sind ja noch kein so außergewöhnliches Ereignis, denn sie fliegen ja bekanntlich in Scharen überall in Norwegen herum. Heute jedoch locken sie mit ihrem Geschrei den König der Lüfte herbei. Familie Seeadler befindet sich im Moment bei der Brutpflege und Klein-Adler braucht etwas leckeres in den Schnabel. Und wo Möwen sind, ist Nahrung nicht weit. Zeit für Familie Adler nachzuschauen, ob der ein oder andere Fisch drin ist. Und so kreisen sie denn auch galant über uns um nach Seeleckereien Ausschau zu halten.

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Copyright: insidenorway

Die Taktik „kreisen, Sturzflug, Fisch angeln, verschwinden“ ist nicht gerade das, was man sich wünscht um sie fotografisch zu erwischen, aber Fotoshootings stehen eben nicht auf Adlers To-do-Liste. Trotzdem flattern sie uns freundlicherweise ein paarmal eindrucksvoll vor die Linse. Die restliche Zeit geniessen wir mit den Augen diese unglaublich schönen stolzen Vögel. Bleibt auch vielmehr im Herzen! ❤

Nach der der überaus eindrucksvollen Flugshow geht es dann aber im Sauseschritt zurück, wir sind randvoll gefüllt mit Natur der Extraklasse. Fazit: auch wenn der Svartisen-Gletscher sicherlich nicht zu den flächenmässig grössten der Welt gehört, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Zum Staunen, zum Entschleunigen, für das Norwegenglück, um seinen Moment inside Norway zu finden! ❤ 🙂