Norway in a nutshell® oder: ganz viel Norwegen an einem Tag!

Zeit für etwas Neues. Der Ausflug Norway in a nutshell® wird ja schon seit geraumer Zeit kräftig vermarktet und die Erfinder haben das Ganze flugs als Marke eintragen lassen. Das schreit also geradezu danach, die Tour auch einmal auszuprobieren und zu testen, ob sie hält, was sie verspricht. Vor allem bin ich gespannt, wie reibungslos die Anschlüsse zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln funktionieren, denn schliesslich will man ja nicht unfreiwillig ein Päuschen einlegen und im Leerlauf warten bis es weiter geht.

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Bahnhof Bergen, Copyright: insidenorway

Auf der Tour hat man keinen persönlichen Guide, sondern man bekommt einen bunten Strauss von Vouchern, mit denen man sich selber durch das Programm führt. Starten kann man in Oslo oder Bergen, ich starte am Morgen in Bergen und bin gespannt, was der Tag bietet. Kurz vor 9 Uhr geht es los, am Bergener Bahnhof hat die NSB eine hübsche Absperrung platziert, vor der sich schon der ein oder andere Ausflugswillige platziert hat. Bis man den Zug stürmen kann, hat sich die Schlange der Wartenden bereits um den ganzen Bahnhof gewickelt. Ok, es ist Hochsaison, da kann man natürlich nicht erwarten, dass man alleine auf weiter Flur ist. Ein Kampf um die Plätze bleibt Gott sei Dank aus und alle steigen zivilisiert in den Zug, der uns nach Voss bringen wird. Die Strecke ist quasi dieselbe wie die mit der Bergenbahn, allerdings mit mehr Haltestellen. Viel mehr als die zusätzlichen Haltestellen stören eigentlich die Tunnel, aber die Strecke muss sich ja auch irgendwie durch die Berge schlängeln, schliesslich konnte man sie beim Bau nicht einfach wegräumen. Vorbei geht es am Sørfjord, der wunderschöne Landschaft bereithält, und das Wetter spielt auch noch mit, Norwegenglück!

In Voss findet der erste Verkehrsmittelwechsel statt. Raus aus dem Zug und rein in den Bus, eine ganze Menge davon stehen schon am Busbahnhof gleich am Bahnhof bereit. Wahrscheinlich steigt der ganze Zug hier aus, zumindest fühlt es sich so an. Ob wir alle in die Busse passen? Ja, es passt. Ein komfortables Sitzen sieht zwar anders aus, denn gewöhnliche Linienbusse sind eben nicht für Gewalttouren gemacht, aber die gute Stunde, die man bis Gudvangen braucht, lässt sich hier durchaus aushalten. Und da die Landschaft einfach zauberhaft ist, hat man nach wenigen Minuten den mangelnden Komfort vergessen. Vorbei geht es an Wasserfällen und allerfeinster Fjordlandschaft bis das Highlight naht. Die Fahrt die Stalheimskleiva hinab, eine der steilsten Strassen Nordeuropas. Die teilweise zwanzig Prozent Gefälle sind kein Pappenstiel und die Haarnadelkurven motivieren mich nicht mit dem Busfahrer tauschen zu wollen. Am Strassenrand sind ein paar Wanderer unterwegs, die auf der engen Strasse kaum so viel Abstand zum Bus halten können, dass wir sie nicht unfreiwillig ins Tal hinunter kicken. Der Ausblick ist allerdings atemberaubend, vor allem der auf die beiden Wasserfälle, die sich links und rechts ins Tal ergiessen.

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Copyright: insidenorway

Nicht lange und der Bus ist in Gudvangen angekommen. Praktischerweise hält er unmittelbar vor der Fähre, die mich nach Flåm bringt. Ob der Masse an Touristen, die sich zur Fähre schiebt, sollte man denken, dass man dort um die Frontplätze kämpft um Nærøyfjord und Aurlandsfjord zu bewundern, aber die Konstrukteure der Fähre waren schlau und haben soviel Umlaufdeck geschaffen, dass jeder einen guten Blick auf die Landschaft hat. Und die ist dann auch wirklich fantastisch. Der Nærøyfjord ist der engste in Norwegen und deshalb macht er einen besonders ehrfürchtig. Hoch ragen die Bergwände an ihm auf, faszinierend. Alle stehen ganz gebannt da und geniessen die Aussicht. Allerdings werden die Wolken mehr. Sollte da ein Regenguss kommen? Er kommt pünktlich zum Beginn des Aurlandsfjord und zwar so, dass man meinen könnte, die Welt geht unter. Keine drei Meter Sicht mehr, Zeit also für einen Kaffee in der Schiffscafeteria.

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Copyright: insidenorway

Kurz vor Flåm hat sich der Himmel ausgeregnet oder zumindest schickt er nur noch ein paar Tropfen auf uns herab. Zeit für einen kleinen Rundgang in der 300 Seelengemeinde, die heute von Touristen geradezu überschwemmt wird. Ein Kreuzfahrtschiff ist heute hier und spuckt kontinuierlich Reisende auf die Pier. Von stressfrei ist hier in Flåm heute also keine Rede und ich bin ganz froh, dass die Stunde Aufenthalt hier schnell rum geht bis zur Abfahrt der Flåmbahn. Auch hier gibt es wieder lange Schlangen, aber überall stehen Organisatoren, die einen zum richtigen Waggon weisen, lobenswert. Die Flåmbahn zählt ja zu den historischen Zügen und so kommt sie auch in ihrer Innenausstattung daher. Nostalgisch eben. Die Strecke hält dann auch wirklich, was sie verspricht und schlängelt sich durch das enge Tal mit Ausblicken in die fabelhafte Landschaft. Auf der Hälfte der Strecke müssen wir auf den Gegenzug warten, denn hier ist die Strecke nur eingleisig. Dann gibt es den einzigen Halt. Am Kjosfossen. Der Wasserfall ist gewaltig und keiner lässt es sich nehmen ihn aus der Nähe zu begutachten. Ist ja auch viel schöner ohne Zugfensterscheibe dazwischen. Trotz des extrem trockenen Sommers führt der Kjosfossen viel Wasser, die Gischt spritzt zu uns herüber. Und dann kommt die Show. Musik erklingt und eine rot gekleidete Huldra erscheint. Mal hier und mal dort. Anmutig bewegt sie sich zur Musik und natürlich ist es ein Touristending. Trotzdem ist es bewegend auch wenn ich für gewöhnlich nicht so für Vorführungen dieser Art bin. Hier passt es und ich finde es grossartig. Der 5-Minuten-Stopp geht viel zu schnell rum und schon fährt der Zug weiter in Richtung Myrdal, seinem Endhaltepunkt.

Nach dem Ausstieg hüpft man hübsch aufs gegenüberliegende Gleis um die Rückfahrt nach Bergen anzutreten. Vorbei geht es noch einmal am Sørfjord ehe man wieder den Bahnhof von Bergen erreicht, erschöpft aber glücklich.

Fazit: dieser 9-Stunden-Ausflug lohnt sich auf jeden Fall. Das Umsteigen klappt reibungslos und die Landschaft ist einfach atemberaubend. Mehr Norwegen in einem Tag geht nicht. Also: do it!

Unser kleines Video zum Trip findet Ihr hier

Wo Norwegen und Russland sich küssen oder: wie man zu einem Grenzgang der Extraklasse kommt!

Ja ja, wieder einmal war ich in Kirkenes und damit dort, wo Russland ganz nah ist, in Spuckweite sozusagen. Zeit für eine neue Grenzerfahrung. Am offiziellen Übergang von West nach Ost war ich ja durchaus schon öfter, aber den Blick auf Schlagbaum und Hinweistafel, dass hier der Schengen-Raum endet, kann man nicht zu den essentiellen Lebensbegehrlichkeiten zählen. Deshalb habe ich die Flussbootsafari ausprobiert, die einen auf dem Grenzfluss, dem Pasvikelva bis kurz vor Putins Reich bringt. Doch von vorne.

Am Flussufer unweit des Zentrums von Kirkenes geht es los. Vor allem damit, sich erst einmal mit kleidsamen Rettungswesten in leuchtschmeichelorange auszustaffieren, die selbst Models in Michelinmännchen verwandeln. Aber Sicherheit geht ja bekanntlich vor. So suche ich also fröhlich nach allen Strippen die irgendwie, irgendwo runterhängen um alles hübsch in die richtigen Vorrichtungen einzuklinken. Schon jetzt haben alle Teilnehmer einen Heidenspass. Am Steg wartet unser Holzboot „Trifon“, benannt nach einem Mönch, der sich im 16. Jahrhundert in dieser Gegend vor seinen Verfolgern versteckte und der sich nur retten konnte, weil er eine kleine Grotte fand, in die er sich wirkungsvoll verkriechen konnte.

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Einsteigen bitte. Einzeln klettern wir nun alle in das Boot, was schnell zur Schaukelanlegenheit werden kann. Also werden wir wohlweislich platziert, damit wir nicht schon im Hafen direkt kentern. Rettungswesten sind ja schön und gut, aber wir möchten sie ja nicht unbedingt gleich ausprobieren. Wir sind voll besetzt und sitzen dicht an dicht, aber durchaus komfortabel. Los geht es nun den Fluss entlang und regelmässig machen wir Halt um den Geschichten und Anekdoten zu lauschen, die sich einst hier zugetragen haben und natürlich legen wir auch einen Stopp an der Höhle ein, wo besagter Mönche seinen Verfolgern entkam. Orthodoxe kommen bis heute hierher um dem Ereignis mit Gesängen zu gedenken.

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Von den ehemals reichen Lachsbeständen ist heute nicht mehr viel zu sehen, eher gar nichts mehr. Die Russen befanden, dass ein Kraftwerk hier von unbedingter Notwendigkeit ist und stellten es 1960 hier auf, nur die Lachstreppe haben sie vergessen. Also zog der rosa Fisch sich zurück und beendete die Ströme von Anglern, die jahrelang von überall herkamen um sich mit den Fischlein umfangreich zu bevorraten. Vorbei die Lachsherrlichkeit. Weiter fahren wir auf dem Fluss unter zwei Brücken hindurch und erreichen schliesslich unser Ziel: die Grenze. An dieser Stelle verläuft sie mitten durch den Fluss. Da saust man schnell mal vorbei, wenn man die Grenzsteine am Ufer nicht beachtet. Aber das wäre der weiteren Freizeitgestaltung nur bedingt zuträglich. Obwohl man nichts von ihnen sieht, haben die Russen die Grenze wie ein Luchs im Blick. Und auch die Norweger haben ein Auge auf das Territorium. Big Daddy is watching you. Eigenartiges Gefühl.

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Uns soll das natürlich nicht kümmern, denn schliesslich bleiben wir ganz brav auf der norwegischen Seite und legen mit unserem Boot an. Hier steht das Barentssafari Sommercamp, ein herzallerliebst gebautes Idyll mit samischem Lavvuu, Aussichtsterrasse, Grillplatz und viel Gemütlichkeit. Gebaut ist alles aus sibirischer Kiefer, ein äusserst widerstandsfähiges Bäumchen und hervorragend geeignet um alles daraus herzustellen, was den ungemütlichen Wetterbedingungen hier oben standhalten soll. Wir steigen also aus unserem Boot, bemüht wenig Geschaukel zu verursachen und hangeln uns auf dem Steg zum Ufer. Da er nicht gemacht ist für Extrembelastungen, tippeln wir in hübschem Abstand hinüber, denn wir wollen ja kein unfreiwilliges Fussbad nehmen. Im Camp angekommen ist uns nichts lieber, als die Rettungswesten für eine Weile abzuschmeissen. Herrlich diese Bewegungsfreiheit. Danach bekommen wir eine Lektion über das frühere Leben im Grenzgebiet und auch darüber, warum sich die Grenzlinie hier in so etwas wie einem Zick-Zack-Verlauf austobt. Gebietsverteilungsdeals ziehen so etwas eben manchmal nach sich.

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Von hier ist die Grenze kaum mehr als ein paar Meter entfernt. Und natürlich wollen wir so nah wie möglich dran. Also machen wir uns über einen kleinen Steg auf den Weg. Das blaue Schild, dass hier der Schengen-Raum endet, steht natürlich auch hier. Und dann stehen wir tatsächlich genau zwei Meter von Russland entfernt. Gelb markiert Norwegen, rot-grün Russland. So nah und doch so fern, denn eine Grenzüberschreitung wäre fatal. Die Russen kennen da keinen Spass. So achten wir denn auch penibel darauf, dass wir uns keinen Schritt von gelb nach rot-grün bewegen, nicht mal die Kamera sollte man am ausgestreckten Arm nach Russland halten, will man sich nicht in Begleitung russischer Grenzsoldaten wiederfinden. Und die saftige Geldstrafe würde die Ausflugslaune auch nicht heben. Deshalb verzichten wir auf ein solches Erlebnis und geniessen den Hauch von Russland eben so.

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Nachdem wir die Grenzlinie ausgiebig begutachtet haben und natürlich auch das obligatorische Erinnerungsfoto gemacht worden ist, gibt es etwas zur Stärkung. Kaffee und Multebeeren mit Sahne. Süss und vitaminreich und unheimlich lecker. Mit unserem Kaffee in der Hand halten wir einen Plausch auf der Terrasse, trotzen der Tatsache, dass wir non-stop von den Unsichtbaren beobachtet werden und geniessen den Blick in die herrliche Natur.

Dann ist es Zeit zurück zu fahren. Also wieder rein in die Rettungswesten, die hatten wir doch schon so schön vergessen. Einsteigen die zweite und diesmal sind wir dabei schaukelfrei. Wir lernen eben schnell. Auf dem Rückweg bekommen wir noch eine kleine Dusche als Ausflugszugabe. Der Wind hat aufgefrischt und bläst uns die Wellen hübsch ins Gesicht, wir nehmen es als Beauty-Treatment für den Teint. Nicht lange und wir sind zurück am Ausgangspunkt und alle sind wir uns einig, dass wir noch länger hätten bleiben wollen.

Ich muss sagen: Barentssafari hat mit der Flussbootsafari einen Ausflug im Programm, der ein echter Geheimtipp in Kirkenes ist und der einen so nah an die russische Grenze bringt wie kein anderer. Die fabelhaften Guides tun ihr Übriges dazu. Also Leute: do it!

Zu Barentssafari geht es hier.

 

Hitze bis zum Abwinken oder: ist Oslo neuerdings in Italien?

Wer braucht schon Urlaub in Italien, wenn man eine Hitzewelle auch in Oslo bekommt. Moment mal, Hitzewelle? Also eigentlich habe ich ja Norwegen deshalb zu meinem Aufenthaltsland erklärt, weil sich da der Sommer so fabelhaft aushalten lässt. Im Grunde ist ja Ende Mai generell noch nicht das, was man gemeinhin als Hochsommermonat bezeichnen kann. Nicht so dieses Jahr. Bereits seit zwei Wochen schwitzen wir in Oslo, was das Zeug hält. Der Norweger an sich ist ja eher kühlere Temperaturen gewöhnt, kein Wunder, dass da der ein oder andere ein wenig irritiert ist, wie sich denn 30 Grad in die Hauptstadt verirren können. Und nicht nur in die Hauptstadt, sondern nach ganz Südnorwegen. Seit Wochen berichten die Zeitungen vom heissesten Mai aller Zeiten in Norwegen. Das ist für mich, die ich ja ausserhalb meines Reiseleiterjobs als Fotografin unterwegs bin, besonders erbaulich. Nicht selten kletterte das Thermometer über die 40 Grad in der Sonne und Städte haben ja die Angewohnheit, dass der heisse Asphalt den Schwitzfaktor noch ein Stück in die Höhe treibt. Ideale Bedingen also um Fotos zu machen. Die Norweger jedenfalls haben sich entschieden aus der Not eine Tugend zu machen und sich kurzerhand ihrer Kleidung entledigt. Also nicht vollständig, aber in diesen Tagen sieht man auffällig viele gut trainierte nackte Männeroberkörper die Stadt bevölkern. Und wozu hat Oslo eine Vielzahl von Stränden, an denen man sich gelegentlich im Fjord Abkühlung verschaffen kann. Eigentlich kann man gleich im Fjord sitzen bleiben. Wer Urlaub hat ist König. Scheinbar hat das im Moment jeder, denn die Strände sind voll wie nie. Das hat tatsächlich etwas von Italien-Feeling.

Tjuvholmen; Copyright: insidenorway

Zeit, mich nach langer Zeit mal wieder auf den Oslofjord-Inseln auszutoben. Praktisch ist ausserdem, dass man bei der Überfahrt mit den öffentlichen Fähren den Wind als Grossventilator nutzen kann. Denn Wind ist im Moment ebenfalls spärlich gesät. Aber jeder will wohl zur Zeit auf die Inseln um sich Abkühlung zu verschaffen. Die Schlange am Fähranleger reicht gemeinhin bis zum Rathaus. Anstehen natürlich in der Sonne. Kein Wunder, dass jeder mit seiner Flasche Sonnenschutz hantiert. In jedem Laden sind die Regale mit den Anti-Sonnenbrandmitteln wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und das in Norwegen. Netterweise haben die Fährenbetreiber heute besonders viele schwimmende Transportmittel im Einsatz, so dass es hurtig geht, bis jeder seinen Platz auf dem Schiffchen findet.

Fähre im Oslofjord, Copyright: insidenorway

Ich habe mir heute mal die kleine Insel Lindøya als Ziel ausgeguckt. Bislang war ich meistens auf Hovedøya, der Hauptinsel sozusagen, oder auch Gressholmen, wo der Vögel liebster Platz ist. Auf den restlichen Inseln hat sich vor allem der gut situierte Osloer ein kleines Wochenenddomizil zugelegt. Das verspricht, dass dort weniger Betrieb ist als an den Stränden, wo die Allgemeinheit das kühle Nass geniesst. Lindøya hat ausserdem die schöne Eigenschaft, dass es gleich zwei Fähranleger hat, im Westteil und im Ostteil. Wie geschaffen um die Insel zu durchqueren. Von ausgedehnter Wanderung kann man ob der Winzigkeit der Insel zwar nicht sprechen, aber in der Hitze ist das vollkommen ausreichend. Ich steige also am westlichen Anleger aus und bin gleich verliebt in dieses zauberhafte Eiland. Zur Orientierung stapfe ich erst einmal denen hinterher, die mit kleinem Gepäck bewaffnet ebenfalls aussteigen. Ferienhausidylle. Und es ist wirklich ein Idyll. Kleine Häuschen schmiegen sich an die Hügel der Insel, klein, bunt, niedlich, da lacht einfach das Norwegenherz. Ich überlege kurzfristig mir einen Ferienhausbesitzer zu angeln. Die Vorstellung hier jedes Wochenende der Entspannung zu frönen ist einfach zu schön. Heute muss ich mich aber wohl mit gucken begnügen. Schon nach wenigen Minuten erreiche ich die erste Bucht. Zauberhaft. Die Felsen ragen flach in den Fjord und formen so etwas wie eine private Badewanne. Wassertemperatur? Herrlich. Da das Wasser hier recht flach ist, heizt es sich schnell auf und spendiert Abkühlung der Extraklasse. Kein Wunder, dass eine Gruppe von Schwimmern lustig im Fjord paddelt. Ansonsten lässt man sich auf der Luftmatratze in den sanften Wellen treiben. So geht Urlaubs-Feeling.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Ostteil der Insel. Immer wieder formen die Felsen kleine Buchten, manche mit grobem Sandstrand, manche mit einer Mischung aus kleinen Kieselsteinen und Muschelschalen, allesamt herzallerliebst. Da möchte man gleich eins der Boote mopsen, die da verschlafen an den Stegen liegen liegen und sich auf dem Fjord den Wind um die Nase wehen lassen. Auch Familie Gans macht es so. Gerade sind die kleinen geschlüpft und schon geraume Zeit watschelt eine ganze Familie eifrig schnatternd hinter mir her. Zur Abkühlung hüpfen sie immer wieder in den Fjord und schwimmen eine Weile neben mir her. Aber da ja gelegentlich auch etwas in den Schnabel muss, watscheln sie immer wieder an Land und auf mich zu, in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt. Heute haben sie allerdings Pech. Ich habe nichts dabei, was zum Gänsefutter taugt.

Um zum östlichen Fähranleger zu kommen, geht es nun quer über die Insel. Man kann sich gar nicht satt sehen an den niedlichen Häuschen. Die Grundstücke sind klein und kuscheln sich dicht an dicht, die Häuschen haben mal eine niedliche Veranda, mal einen gemütlichen Grillplatz. Norwegenglückseligkeit. Da vergisst man glatt die Affenhitze. Kann man hier ja auch. Der reine Luxus hier eine Hütte zu besitzen. Am Fähranleger geniesse ich bis das Schiffchen kommt nochmal das herrliche Fjordwasser mit Blick auf die Stadt. Herrlich anzusehen, während die Beine in der wunderbaren Abkühlung wohnen.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Also Leute: ein Besuch der Oslofjord-Inseln ist Pflicht, wenn Ihr die Hauptstadt besucht, denn es ist wie die kleine Flucht in eine kleine Welt der Idylle und des allerliebsten Norwegenglücks. Do it!

Schnee, Sonne, Husky = Glück hoch 3!

Ja, ja, der Winter ist immer noch nicht vorbei. Ich gebe zu, dass es mir letzte Woche ein wenig schwer gefallen ist, mich wieder in das Schneeparadies Nordnorwegen zu begeben. Früüüüüüühling wo bist Du. In Oslo kratzt meine Lieblingsjahreszeit endlich an der Winterhartnäckigkeit. Weg mit der ultradicken Jacke hin zu was leichterem. Aber wenn der Job ruft, ist man in Sachen Wetterbedingungen bekanntlich nicht wählerisch. Umso mehr werden einem Temperaturen um die null Grad versüsst, wenn man den Schnee mit einer Horde Huskys teilen darf. Ich durfte. Diesmal im tief verschneiten Tromsø.

Das Villmarkssenter habe ich ja schon öfter mit meiner Anwesenheit beglückt und zuletzt durfte ich dort im Sommer die neugeborenen kleinen Hündchen streicheln. Zeit um nachzusehen, ob sie sich inzwischen für den Job als Schlittenzieher qualifiziert haben. In den letzten Wochen hält sich an der norwegischen Küste ein hartnäckiges Hoch und die Sonne lacht ungewöhnlich viel vom Himmel herab, ideal also um mit dem Huskyschlitten durch die Landschaft zu sausen. Aber erstmal geht es in die Kinderstube. Die kleinen sind gewachsen, aber immer noch im Flegelalter und jeder, der die Tür zum Gehege öffnet, muss sich ein paar zusätzliche Arme zulegen um die Racker vom Ausbüxen abzuhalten. Schnürsenkel finden sie natürlich auch fabelhaft und es dauert nicht lange bis wir uns im Minutentakt immer wieder die Schuhe zubinden müssen. Ersatzweise nehmen sie aber auch Handschuhe, Kameragurte und was sonst noch im Mäulchen Platz hat, so dass wir uns bald in einer fröhlichen Jagd nach unseren Habseligkeiten wiederfinden. Gut, dass das Gehege nicht allzu gross ist.

Copyright: insidenorway

Nach diesem kleinen Fitnessprogramm geht es zu den Schlitten. Zwei Gruppen gibt es heute, die abwechselnd über die Strecke sausen. Da ich der zweiten Gruppe zugeteilt bin, muss ich auf die Ankunft der ersten warten, was fabelhaft ist, denn die Tierchen dabei zu beobachten, wie sie in der Ferne auftauchen und mit den Schlitten heran preschen , ist wunderbar. Acht Hunde pro Schlitten mit einem Bewegungsdrang, dass sie jeden Sportler vor Neid erblassen lassen. Bald taucht der erste Schlitten auf und kaum haben die Hündchen ein paar Minuten Pause, kommunizieren sie in bester Husky-Manier, laut bellend, wo denn nun die hinteren Schlitten bleiben. Die lassen natürlich nicht lange auf sich warten. Die Kommunikation wird allerdings nicht weniger. Wahrscheinlich sind sie genauso voll Adrenalin, wie ihre menschlichen Mitfahrer, die im Schlitten sitzen. Und damit der Umsteigevorgang auch reibungslos läuft, rammen die Musher auch gleich die Anker tief in den Schnee, denn wer will schon versehentlich aus dem Schlitten fallen, wenn man noch gar nicht ganz eingestiegen ist und der Husky denkt, dass Zeit ist, wieder loszulaufen.

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Auch ich bekomme meinen Schlitten zugeteilt und zügig bin ich reisefertig verpackt mit warmen Decken und der wichtigsten Anweisung: Arme und Beine bleiben IM Schlitten. Der ein oder andere Baum und Strauch an der Strecke ist mit heraushängenden Körperteilen zuweilen nicht kompatibel. Los geht’s. Von null auf hundert, zumindest gefühlt. Husky-Level. Wir gleiten auf den Schneemassen dahin. Herrlich. Die fabelhafte Umgebung von Tromsø gibt es gratis mit dazu. Hundeschlitten fahren macht definitiv süchtig. Zwischenzeitlich haben sich diffuse Wolken vor die Sonne geschoben und zaubern ein ganz besonderes Licht. Überwältigend. Zwischendurch halten wir immer wieder an um in der Landschaft innezuhalten und selbst die Huskys scheinen die fabelhafte Szenerie richtig zu geniessen. Nachdem wir uns sozusagen eingefahren haben, wird die Strecke hügeliger. Schliesslich ist es gleichzeitig auch die Trainingsstrecke für die Hündchen und da müssen ja Schwierigkeitsgrade eingebaut sein. Zuweilen hüpft der Schlitten von Pistenbuckel zu Pistenbuckel und ich frage mich, wie man sich als Musher denn so auf dem Schlitten halten kann.

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Viel zu schnell geht die Zeit vorbei, wie immer wenn es so schön ist. Eigentlich will ich gar nicht aussteigen, auch wenn jetzt ein bisschen die Kälte in mir hoch kriecht. Da kommt mir ein heisser Tee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu am warmen Feuer und hausgemachten Schokoladenkuchen gleich dazu. Hmmmmmm. Aber die Kalorien, die die Hündchen verbraucht haben, müssen ja auch wieder aufgefüllt werden. 😉

Anyway: wer die Umgebung von Tromsø mit dem Hundeschlitten erkunden will, sollte im Tromsø Villmarkssenter vorbei schauen. Das Vergnügen ist zwar nicht ganz billig, aber die Eindrücke nimmt man im Herzen mit nach Hause. Do it!

Zum Tromsø Villmarkssenter geht’s hier.  

Mit dem Schneemobil im Schneesturm oder: Kirkenes kann Abenteuer!

Ich war ja lange nicht mehr auf einem Aktivausflug ganz im Norden unterwegs. Dabei ist das in Kirkenes sowas wie ein Pflichtprogramm, wo ja die Stadt nicht gerade durch architektonische Höhenflüge glänzt. Wie sollte sie auch, wo hier im zweiten Weltkrieg so ziemlich alles platt gemacht wurde. Da muss beim Wiederaufbau eben manchmal schön und langsam, praktisch und schnell weichen. Heute soll es also die Schneemobilsafari sein. Die Kälte hat sich in den letzten Wochen hartnäckig gehalten und da der Golfstrom hier in seiner Wirkung schlapp macht, kriecht im Winter regelmässig das Eis bis an die Küstenlinie. Gut für mich, denn heute will ich auf der gefrorenen Pracht mit ordentlich Speed dahinsausen.

Ein paar Kilometer geht es raus aus der Stadt, dorthin, wo die Schneemobile wohnen. Das Wetter hat heute die Angewohnheit alle zwanzig Minuten ein Schneetänzchen zu veranstalten, aber ich habe die vage Hoffnung, dass die Sonne, die jetzt hinter den Wolken hervorguckt, den blauen Himmel weiter vorantreibt und den Schnee bis zum Ende der Tour ins Nirgendwo schickt. Ist doch auch viel schöner, wenn man sieht, wo man denn so hinfährt. Erstmal werde ich aber mit einem Overall ausstaffiert, damit die Kälte nicht allzu sehr in alle Ritzen kriecht. Einen Helm gibt es natürlich auch. Sicherheitsvorschrift und so. Kaum habe ich das Ding auf dem Kopf, frage ich mich wieder, wie man das als Motorradfahrer so als Dauerzustand aushalten kann. Mal abgesehen davon, dass ich so ein Gewicht auf dem Kopf nicht gewohnt bin, wünsche ich mir nach zwei Minuten eine Stricknadel, mit der ich das Gejucke unterbinden kann. Ich bin eben nicht gemacht für Kopfbedeckungen. Auch Mützen könnte ich regelmässig verfluchen. Nachdem wir alle fertig verpackt sind wie Michelinmännchen geht es zur technischen Einweisung. Schneemobile sind Gott sei Dank auch für den Nicht-Techniker schnell begriffen, so dass wir bald darauf durch den Schnee zum Fuhrpark stapfen. Ich habe zusätzlich meine Kamera dabei, denn ich will ein paar gute Schnappschüsse bei der Tour machen.

Und dann geht es auch schon los. Raus auf den zugefrorenen Fjord. Hübsch in einer Reihe fahren wir in zunächst moderatem Tempo durch den Schnee, schliesslich muss man sich mit dem Gefährt erstmal vertraut machen. Im Moment findet in der Provinz Finnmark auch eines der grössten Hundeschlittenrennen statt und die Strecke führt dort vorbei, wo auch wir unsere Spur hinterlassen. Und so fahren wir bald Seite an Seite mit den Hundeschlitten und werfen uns gegenseitig Grüsse zu. Was sich gleichzeitig vor uns auftürmt, finden wir dann gar nicht mehr so toll. Ein hübscher Schneesturm steht in den Startlöchern. Wie war das noch mit dem Wetterwechsel alle zwanzig Minuten? Wie eine Wand stellt sich der Schneefall uns entgegen. Nach zwei Minuten sehen wir aus wie die Schneemänner und meine Kamera bekommt eine Schneehülle, die Fotos nicht besonders zuträglich ist. Immerhin ist der Schnee so pulvrig, dass er nicht gleich in jede Kameraritze kriecht.

Nach sechs Kilometern machen wir Pause im Schneegestöber. Gut, dass wir schöne hohe Stiefel bekommen haben, denn wir waten in meterhoher weisser Pracht. Winter deluxe. Keiner lässt sich die Laune davon verderben, dass die Sonne sich hartnäckig versteckt und wir lauschen dem, was unsere beiden Guides uns über die Region erzählen, herrlich. Danach wollen wir testen, was die Schneemobile an Geschwindigkeit hergeben. Mit ordentlich Karacho geht es weiter. Und wo wir eben noch dachten, wir werden vom Schnee in null Komma nichts eingehüllt, geht es jetzt erst richtig los. Nichts sieht man mehr von unseren Overalls und als wir erneut Pause machen, schüttelt jeder einen hübschen kleinen Schneeberg von sich. Aber wen stört das schon.

Bald ist es schon wieder Zeit um zurück aufs Festland zu fahren, viel zu schnell ging die Zeit um. Auf der Rückfahrt geniessen wir noch einmal den vollen Speed der Schneemobile. So langsam kriecht aber auch die Kälte in uns hoch. Da kommt uns ein heisser Kaffee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu, dem typischen Zelt der Sami, in dem wir das wärmende Feuer geradezu fabelhaft finden. Wir dürfen auch von getrocknetem Rentierfleisch kosten. So lecker, dass ich gleich die ganze Tüte in mich reinschlingen könnte.

Und dann ist der Vormittag auch schon vorbei. Ich gebe zu, dass ich zwar froh bin den Helm wieder los zu sein, aber viel zu schnell ist unser Trip vergangen. Also Leute: wer in Kirkenes vorbei schaut, sollte unbedingt eine Tour mit Barentssafari unternehmen. Das Winterprogramm kann ich uneingeschränkt empfehlen. Wenn in einigen Monaten der arktische Sommer zurück ist, werde ich auch das sommerliche Ausflugsprogramm unter die Lupe nehmen. Bis dahin: enjoy the Winter in Kirkenes!

Wo die sanften Riesen wohnen oder: wer die Wahl hat, sucht den Wal

Ja, der Wal. Das ist ein Geselle, der zwar gar nicht so selten vorkommt, einen aber zuweilen in den Wahnsinn treiben kann, wenn man nach ihm Ausschau hält. Vor allem, bei den Artgenossen, die sich mit einmal Luft holen zwei Stunden in den Tiefen des Ozeans aufhalten können. Aber was machen sie eigentlich da unten, wo man doch viel lieber hätte, dass sie laufend die Fluke, ihre Schwanzflosse, aus dem Wasser heraus strecken. Nun ja, bevorzugt sind sie auf Nahrungssuche. Allerdings nur in ihren Sommerrevieren, im Winter wird kollektiv gefastet. Zumindest bei den Buckelwalen, die mit 13 Metern Körperlänge ganz ordentliche Kameraden sind. Ok, im Vergleich zu anderen Bartenwalen sind sie eher zierlich. Aber sie müssen schon ordentlich Krill auf einen Schluck aus dem Wasser fischen, damit die Fettreserven im Winterhalbjahr auch reichen, bis die Nulldiät beendet ist. Wie praktisch, dass der Buckelwal dafür so hübsche Barten am Maul hat, also schwimmt er einfach mit offenem selbigem in einen Schwarm von Krill und sammelt alles, was auf einen Happen hinein geht, das Wasser kann ja dann durch die Barten abfliessen. Effektiver kann Fressen nicht funktionieren.

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Der Schwertwal (Orca) interessiert sich für Krill dagegen herzlich wenig. Was handfestes muss her um den Walbody in Topform zu halten. Hering ist sein Lieblingsgericht auf der Speisekarte und davon schwimmen vor Norwegen bekanntlich ja einige rum. Und damit sich die Jagd auch ordentlich lohnt, versammelt er gleich bis zu zwanzig Artgenossen um sich, zum Leidwesen der armen Heringe. Aber wozu hat man als Wal eigentlich den Vorzug eines Atemlochs, aus dem sich so herrlich Luftblasen hervorbringen lassen, mit denen man einen Heringsschwarm einkreisen kann. Und die Fluke erledigt den Rest. Einfach auf die Heringe einschlagen, bis sie betäubt sind. Ok, nett geht anders, aber irgendwoher muss ja der Beiname Killerwal kommen. Wenn kein Hering in Sicht ist, versuchen sie sich auch an kleineren Walen, die sie bis zur Erschöpfung jagen. Überleben ist in der Natur eben alles. Wenn man das Jagdverhalten aber gedanklich bei Seite lässt, sind Schwertwale mit ihrer übergrossen Finne herrlich anzuschauen, vor allem, wenn sie sich im Schwarm tummeln.

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Der König unter den Walen, zumindest, was seine Grösse betrifft, ist der Pottwal. Kein Wunder, dass Kapitän Ahab bei der Begegnung mit Moby Dick den Kürzeren zog. Zwanzig Meter geballte Walanatomie sind eben kein Pappenstiel. Als Pottwal lebt man geschlechtlich getrennt. Die Weibchen schliessen sich mit anderen Weibchen und ihren Kälbern zusammen, während die Männchen ebenfalls lieber unter sich sind. Echte Jungs eben. Nur wenn Paarungszeit ist, scheint dem männlichen Pottwal die Anwesenheit eines Weibchens genehm und wenn schonmal Paarungszeit ist, kann man sich gleich auch einen ganzen Harem halten. Nach vollbrachter Fortpflanzung geht man wieder seiner Wege. Mehr ist nicht drin in Sachen Walliebe. Man widmet sich lieber wieder der Jagd nach Tintenfischen, schliesslich muss ja ordentlich Speck auf die Hüften. Dabei hängt der Pottwal jedes U-Boot ab. Während letzteres sich irgendwann dem Wasserdruck beugen muss, fischt der Pottwal vergnügt in bis zu tausend Meter Tiefe nach seiner Leibspeise.

Copyright: Marten Bril / http://www.visitvesteralen.com / Andøy

Am häufigsten schauen allerdings die relativ kleinen Grindwale, Schweinswale und Zwergwale vorbei. Die schwimmen auch gerne in den gemässigteren Temperaturen, so dass man sie schon weiter südlich antreffen kann als ihre grösseren Artgenossen. Da Grindwale eigentlich zu den Delphinen gehören, kann man sie zuweilen in einer ganzen Schar in Delphinmanier im offenen Meer hüpfen sehen.

Aber wo trifft man den nun die grossen Vertreter. Schliesslich will man sich ja nicht auf den Zufall verlassen. Wer alle sehen will, muss zweimal auf Walsafari gehen. Am besten in Andenes auf den Vesterålen und in Tromsø, denn da herrscht mehrmals im Jahr Walhochsaison. Schwertwale und Buckelwale folgen den Heringen und die halten sich am liebsten zwischen November und März rund um Andenes auf. Mit dem Boot geht es raus vor die Küste, da, wo die Kerlchen sich tummeln. Zwanzig Minuten dauert es, bis man sich im Walparadis befindet und man versuchen kann, die imposanten Fluken mit der Kamera zu erhaschen. Warm eingepackt ist zu dieser Jahreszeit Trumpf, die uns fehlenden Fettschichten gegen die Kälte müssen durch Skiunterwäsche ersetzt werden. Aber wenn man die Kameraden einmal vor der Linse hat, ist von Kälte sowieso nichts mehr zu spüren. Wem es im Winter doch zu kalt ist, der hat von Mai bis September die Chance bei einer Walsafari Pottwale zu sehen, die sich das ganze Jahr über in der Umgebung von Andenes aufhalten. Nur auf die hübschen Orcas muss man dann weitestgehend verzichten.

Anyway, wer Gelegenheit hat, die schönen Riesen in freier Natur zu beobachten, sollte sich dieses Erlebnis gönnen, denn das nimmt man im Herzen mit.

Für alle, die auf Walsafari gehen möchten, gibt es hier die entsprechenden Links:

Walsafari Andenes

Walsafari Tromsø

 

Auf der Suche nach dem Elch oder: ja wo ist er denn nun?

Gleich vorweg: jetzt bin ich schon so lange in Norwegen und was ist? Keiner von den braunfelligen Gesellen hat mir sein Schaufelgeweih bis jetzt gezeigt. Und dabei halte ich schon so lange Ausschau nach ihnen. Als ich nach Oslo kam, hiess es, dass sich genügend Elche im Umkreis der Hauptstadt tummeln. Zeit also endlich einmal eines der Prachtexemplare in freier Natur zu sehen. Im Idealfall noch mit gezückter Kamera. Aber mein Warten wurde bislang noch nicht belohnt. Woran liegt das? Nun ja, der Elch von Welt ist gesellschaftlichen Verpflichtungen im Allgemeinen ja nicht so zugeneigt, sprich: er lebt lieber zurückgezogen. Und das nicht nur von den Menschen, sondern auch von seinen Artgenossen. Als bekennender Einzelgänger hält er nicht viel von Herdenverhalten, lediglich im Winter lässt er sich ab und zu herab zu einer kleinen Gemeinschaft zusammen zu finden. Den Winter findet er überhaupt prima. Wo wir Menschen vor Kälte schlottern, hat der Elch nur ein müdes Lächeln für Eiseskälte übrig. Minus fünfzig Grad? Wer wird denn da frieren. Bei Hitze allerdings leidet er und zieht sich irgendwo hin zurück, wo er im Schatten abwarten kann, bis die Temperaturen wieder seinem Gusto entsprechen.

Copyright: Torbjørn Martinsen/Visitnorway.com

Dass sie nur selten vor die Kamera zu bekommen sind, liegt auch an der Vorliebe des Elches für dämmriges Licht. Keine gute Voraussetzung ihn zu erspähen, denn die Natur hat ihm netterweise eine Fellfarbe beschert, die es einem nicht leicht macht, ihn vom Dickicht zu unterscheiden. Ausser, wenn er einem direkt vors Auto läuft auf irgendeiner der zahlreichen einsamen Strassen des Landes. Aber das zählt zu den Begegnungen, die man sich lieber nicht wünscht, denn seine enorme Körpergrösse ist nur schwer kompatibel mit zartem Karosserieblech. Seine gewaltigen Schaufeln tun das Übrige dazu.

Die biologische Bezeichnung „Stirnwaffenträger“ kann man dann auch wirklich wörtlich nehmen. Im Gegensatz zu den Rentieren ist aber nur der Elch-Herr mit dem stattlichen Kopfschmuck ausgestattet, die Elch-Dame geniesst ihre häuptliche Bewegungsfreiheit. Ist auch viel praktischer, wenn man sich um die Kälber kümmern kann, ohne dass man zwanzig Kilogramm Gewicht auf dem Kopf mit sich rumschleppen muss. Der Elch-Herr sieht das natürlich ganz anders. Wenn die Brunft beginnt im Herbst muss man ja etwas vorzuweisen haben um die Liebste zu bezirzen. Etwaige Konkurrenten werden natürlich in Zweikämpfen eliminiert. Schliesslich sollen ja die eigenen Gene weitergegeben werden und nicht die irgend eines dahergelaufenen Rivalen. Und weil der Elch auf Nummer sicher geht, begattet er auch gleich mehrere Damen, sozusagen alle, die sich um ihn herum finden. Das war es dann auch schon mit der Elchliebe. Beziehung? Nein! Die Elchdame bringt ihren Nachwuchs lieber in aller Stille an einem geschützten Platz zur Welt. Vater? Unwichtig! Verteidigen kann sie ihren Nachwuchs schliesslich selbst. Sollte man im Dickicht also eine kleine Elchfamilie erspähen, lieber schnell das Weite suchen, wenn man nicht von Hufen niedergetrampelt werden will.

Copyright: Torbjørn Martinsen/Visitnorway.com

Aber wo sieht man ihn denn nun? Auf jeden Fall braucht man eins: Geduld! Das ist ja im Allgemeinen nicht meine Stärke. Für den weniger Geduldigen wie mich gibt es daher die Elchsafari, da wird man immerhin mit dem Auto in die Wildnis gebracht, zu Plätzen, an denen sie sich bevorzugt aufhalten. Eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Im Winter verlassen sie zumindest hin und wieder ihre Deckung, wenn man mit Fressbarem lockt. Das fällt zwar dann nicht ganz in die Kategorie „in freier Wildbahn gesehen“, aber immerhin. Ansonsten heisst es: sich auf die Lauer zu legen. 200.000 Elche streifen laut Schätzungen durch Norwegen. Da könnte man doch meinen, dass das ganz schön viele sind, aber die norwegische Natur macht uns eben einen Strich durch die Rechnung. Zu viele Möglichkeiten sich zu verstecken. Ein einziges Mal hat sich ein Elch in meine Nähe verirrt während meines Jobs als Reiseleiterin. Aber da man bekanntlich im Job nicht immer kann wie man will, war er auch schon wieder verschwunden, als ich Zeit fand nach ihm Ausschau zu halten. Ich muss mich also vorerst mit dem ausgestopften Exemplar im Holmenkollen Skimuseum begnügen. Unbefriedigend. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich ihn noch erspähe, in Gålå, in der Gegend von Lillehammer, in Trysil, in der Telemark, dem Østerdalen, am südlichen Teil der Reichsstrasse 17 oder sonst irgendwo in Norwegen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt! 😉

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Die Hauptstadt war schon lange nicht mehr dran oder: auf Herbstfototour in Oslo

Seit ich als Reiseleiterin ständig in ganz Norwegen unterwegs bin, sind meine fotografischen Abenteuer in der Hauptstadt etwas eingerostet. Nein, so geht das nicht weiter. Zehn Tage tourfrei kommen da geradezu gelegen um fotografisch Neues auszuprobieren. Und Oslo hat sich sogar überlegt mit gutem Wetter zu glänzen. Für gewöhnlich bin ich auf Regen abonniert, wenn ich denn mal zu ausgedehnten Fototouren starten will. Diesmal nicht. Erste Station: Bygdøy. Die Museumshalbinsel ist für mich ja einer der Spazierganghotspots der Stadt und das Fotografenherz schlägt hier höher. Wenn man sich auf den Weg zur kleinen Bucht Huk macht, gerät man schon in Entzücken, wenn man am idyllischen Privatstrand vorbei kommt, wo die Boote verschlafen am Steg liegen. Ausserdem leuchten hier jetzt die Bäume in allen Herbstfarben. Das beste Licht gibt es in der goldenen Stunde, also kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Das Sternchen steht dann tief am Himmel, die Schatten sind weich und „goldene Stunde“ kann man hier wörtlich nehmen. Ein optisches Fest. Ich will mich diesmal an Langzeitbelichtungen versuchen, das wollte ich schon lange ausprobieren. Dazu setzt man der Kamera quasi eine Sonnenbrille auf, die den Sensor so weit abdunkelt, dass man problemlos auf Belichtungszeiten von mehreren Minuten kommt. Der Effekt: jedes Wasser wirkt wie glatt gezogen, das Idyllbarometer steht auf höchster Stufe.

Huk, Copyright: insidenorway

Scheinbar ist hier heute Fotografentreff. Ich bin ja eher gewöhnt, dass man etwas komisch angeschaut wird, wenn man tagsüber mit Stativ unterwegs ist. Ja, aber aus der Hand ist bei Langzeitbelichtungen nichts drin. Auch über meinen Fernauslöser bin ich extrem dankbar, denn schon beim Drücken des Auslösers lässt sich eine Aufnahme herrlich verwackeln und man erfreut sich nach einigen Minuten Wartezeit – belichten, rechnen – an einer misslungenen Aufnahme. Nein, das hebt die Laune nicht. Ausserdem kann man mit extrem langen Belichtungszeiten die anderen Spaziergänger wegzaubern, gerade bei Aufnahmen in der Natur empfinde ich das als willkommene Nebenwirkung. Und das liegt einfach daran, dass ein sich bewegendes Objekt sich zu kurz an einem Punkt befindet, damit der Kamerasensor es wahr nimmt. Funktioniert übrigens auch auf grossen Plätzen mitten in der Stadt, die man so einfach leer fegen kann. Sehr praktisch.

Auch am Strand mache ich den Versuch einer Langzeitbelichtung. Eigentlich steht die Sonne dafür zu frontal, aber heute herrscht so herrliche Ebbe, dass die Steine, die sich am Ufer im Wasser tummeln, so entzückend vom Fjordwasser umspült werden. Und probieren geht ja bekanntlich über studieren. Ein paar Norweger haben sich mit Einweggrill am Strand eingerichtet und wahrscheinlich fragen sie sich, was das denn werden soll, als ich mein Stativ aufbaue. Noch ein Vorteil von Langzeitbelichtungen. Man verlässt den Ich-knipse-mal-schnell-Modus und muss sich viel genauer überlegen, was denn jetzt aufs Bild kommen soll. Damit wird auch deutlich, dass es für jeden, der sich nicht für Fotografie interessiert, die Hölle ist, unbeteiligt daneben zu stehen. Wenn man an der Kamera hantiert und alles einrichtet, wundere ich mich immer wie schnell ein paar Stunden drauf gehen, bis man ein paar verschiedene Aufnahmen im Kasten hat. Dafür kann man aber auch nach der Fotoorgie mit aussergewöhnlichen Aufnahmen aufwarten.

Huk, Copyright: insidenorway

Nächste Station Innenstadt. Diesmal ist Tjuvholmen dran. Bekanntlich gibt es ja auch dort genügend Wasser, das den Stadtteil umfliesst. Nach einer guten Aufnahmeposition muss ich etwas suchen. Schliesslich braucht man ja für ein gutes Bild einen passablen Vordergrund um so etwas wie Bildgestaltung zu vollziehen. Ja, da muss man sich schon auf die Steine bemühen, die da vor dem Astrup-Fearnley-Museum herumliegen. Beim Einrichten sehe ich schon die Kamera im Fjord liegen und die Passanten finden es auch belustigend, wie ich da auf den Steinen herumkrieche. Irgendwie befindet man sich bei der Motivgestaltung immer in Bodennähe. Jetzt im Herbst ist eine kleine Isoliermatte extrem hilfreich, wenn man nicht auf den kalten Steinen sitzen oder gefühlt stundenlang in Hockposition verbringen will.

Astrup Fearnley Museum, Copyright: insidenorway

Wo ich einmal dabei bin, will ich auch den Blick auf den Oslofjord als Langzeitbelichtung festhalten. Aber das wird heute nix, da der Bootsteg, den ich mir als  Standort ausgesucht habe, so in Schaukellaune ist, dass kein einziges wirklich scharfes Bild hinzubekommen ist. Pech. Ich versuche mein Glück an der nächsten Station, dem herrlichen Wasserfall am Akerselva, Oslos Stadtfluss. Hier ist immerhin alles fest auf der Erde befestigt, so dass schaukelnde Boote oder Stege hier eher weniger ins Gewicht fallen. An Wasserfällen ist der Langzeitbelichtungseffekt besonders schön, weil das Wasser so weich fliessend erscheint, dass es fast schon wie ein Gemälde wirkt. Da die Gischt heute besonders weit spritzt, ist es gar nicht so einfach, eine Aufnahmeposition zu finden, in der nicht in zwei Sekunden das Objektiv einen hübschen Wasserschleier hat. Aber wer suchet, der findet. Der extrem kalte Wind heute wiegt die Blätter der Bäume hin und her, nicht optimal. Ausserdem verbraucht man in fünf Minuten zehn Packungen Taschentücher, weil die Nase ununterbrochen läuft. Aber zu schön ist der Anblick der Wassermassen, die sich in die Tiefe hinab stürzen. Nach zwei Stunden bin ich dann aber doch durchgefroren und sehne mich nach einem heissen Tee.

Akerselva, Mølleparken, Copyright: insidenorway

Fazit: Ich finde es lohnt sich absolut, Langzeitbelichtungen einmal auszuprobieren. Es bringt eine Menge Spass und schärft den fotografischen Blick. Also ran an die Kamera und ausprobieren! 🙂

 

Leuchtturmfestival oder: wo Romantik den Weg weist

Also seit ich in Norwegen bin, bin ich ja zum bekennenden Leuchtturmfan geworden. Erstens, weil sie so vielfältig sind und zweitens, weil sie so ein romantisches Flair haben. Gut, nicht alle fallen in die Kategorie Superstar, aber eine ganze Menge davon schmiegen sich zauberhaft in die Landschaft oder stehen gleich mitten im Wasser um den Schiffen den Weg zu weisen. Die Zeit der Leuchtturmwärter ist natürlich längst vorbei, die Elektronik hat den Part übernommen. Wenig romantisch, aber dafür praktisch. Dem Zauber der Türmchen tut das jedoch keinen Abbruch und sie stehen überall entlang der Küste und warten darauf fotografiert oder als aussergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit genutzt zu werden. Letzteres steht auch noch auf meiner Backpackliste.

Wer von Süden nach Norwegen kommt, trifft gleich auf eines der Exemplare von der Sorte entzückend. Lindesnes fyr. Er darf sich dann auch mit dem Titel „Südlichster Leuchtturm“ und „Ältester Leuchtturm“ von Norwegen schmücken. Seit mehr als 350 Jahren leuchtet er den Schiffen den Weg, natürlich nicht in der Form, wie er heute zu sehen ist. Das mit dem Gemäuer wurde erst 1822 akut, nachdem das Leuchtfeuer 150 Jahre ein Dasein als offenes Kohlefeuer gefristet hatte und einen wahren Sturm von Beschwerden ausgelöst hatte. Eben nicht wirklich praxistauglich. Dafür zählt der Lindesnes fyr heute zu den grössten Touristenmagneten der Südküste. Auch eine Karriere.

Lindesnes fyr, Copyright: Charlotta Lambert

Fährt man die Westküste hinauf in die Provinz Møre og Romsdal wartet ein weiteres Kleinod: der Ona fyr. Allerdings ist es gar nicht so leicht hinzukommen. Man muss sich erst durch das Insel-Fähren-Wirwarr wurschteln. Von Molde aus hüpft man nach Hollingsholmen und weiter nach Aukra und Småge. Dann erst geht es weiter auf die Mini-Inseln, ja Ona fyr will sich eben nicht so leicht erobern lassen. Aber ist natürlich klar, dass man sich als Leuchtturm auf der äussersten Insel positioniert, sonst macht ja das ganze Dasein keinen Sinn. Besagte Insel Ona kann man mit 25 Einwohnern nicht überlaufen nennen, trotzdem gibt es ein Café, in dem man sich im Schatten des Ona fyr stärken kann. Der Blick aufs Meer und aufs Festland ist atemberaubend. Und nen langen Sandstrand gibt´s auch noch dazu. Ja, das ist Norwegenglückseligkeit.

Ona fyr, Copyright:Øyvind Heen – Visitnorway.com

Drei meiner persönlichen Leuchtturmlieblinge liegen weiter nördlich. Da ich an ihnen alle paar Wochen mit der Hurtigrute vorbei komme, kann ich mich entsprechend oft an ihnen erfreuen. Kjeungskjær fyr tanzt aus der Reihe, weil er nicht nur mitten im Wasser liegt, sondern auch der einzige achteckige Leuchtturm in Norwegen ist. Schon seit einiger Zeit hat man ihn mit dem Titel „Denkmal“ ausstaffiert, was die Norweger aber nicht davon abhält, ihn während der Mitternachtssonnenzeit zu vermieten. Das ganze muss ja auch irgendwie erhalten werden. Dabei ist das Türmchen ein echter Preishit. Gerade mal zweitausend Kronen kostet es, wenn man sich hier mit bis zu acht Personen einnistet. Ok, das Unterhaltungsprogramm ist eher mässig und zum Einkaufen kann man auch nicht mal so eben, aber dafür fährt jeden Tag die Hurtigrute vorbei und man kann ein Winkefestival veranstalten. Für die Mietwütigen geht es hier zum Türmchen.

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Skjeungskjær fyr, Copyright: insidenorway

Noch etwas weiter nördlich, am Beginn der offenen Seestrecke Folda, steht der Buholmråsa fyr. Genau wie der bei Bodø liegende Landegode fyr kommt er in weiss rotem Kleidchen daher, die Häuschen, die ehemals der Bewirtschaftung dienten, schmusen sich  malerisch daneben. Der Buholmråsa fyr ist ein reines Leuchtfeuer, übernachtungstechnisch austoben kann man sich hier nicht. Dafür kann er sich rühmen 17 Seemeilen weit den Weg zu weisen. Wenn ich auf dem Schiff bin, verpasse ich ihn oft, weil er immer beim Abendessen auftaucht. Dafür präsentiert sich der Landegode fyr am Nachmittag. Er markiert die Öffnung zum Vestfjord, im Winter oft eine berüchtigte Schaukelstrecke bis man die Lofoten erreicht hat. Da der gusseiserne Turm direkt nördlich der Insel Landegode liegt, hat er auch gleich ihren Namen übernommen. Das Skagen Hotel in Bodø hat ihn ausserdem als Übernachtungsstätte adoptiert. Wer also fernab allen Trubels nächtigen möchte, findet hier die nötige Ruhe.

An der ganzen Küste verteilt gibt es natürlich noch viel mehr Leuchttürme, 212 insgesamt, von denen nicht alle ein optisches Highlight sind. Wer etwas für gute Fotomotive übrig hat, kann aber auch mit den vermeintlich unscheinbaren Vertretern romantische Aufnahmen fabrizieren. Denn eins haben alle Leuchtfeuer gemeinsam. Sie stehen in einer Landschaft, die romantischer nicht sein könnte. Also auf den Leuchtturm, fertig, los! ❤

Der Vögel König oder: auf der Suche nach dem Seeadler

Ja, der Seeadler. Man sagt ja, dass er ein königlicher Vogel ist. Bei dieser Aussage kann ich nur zustimmen. Als meine Norwegenliebe vor vier Jahren erwachte, hatte ich ihn ja noch nicht so auf dem Schirm. Entweder war er nicht da, wo ich war, oder ich war zu beschäftigt, die Schönheit der norwegischen Natur zu geniessen. So weit, so gut.

Copyright: insidenorway

Jetzt aber kenne ich ihn und ich bin mir noch nicht sicher, was genau mich an ihm so fasziniert. Mit meiner Beziehung zu den Seeadlern ging es jedenfalls los irgendwo im Raftsund. Während ich per Schiff unterwegs war, liess der erste sich herab, seine Kreise  über uns zu ziehen. Majestätisch. Wenn die stolzen Vögel doch nur nicht immer so hoch fliegen würden, so dass man ein Weltraumteleskop braucht um ihnen in die Augen zu schauen. Gut, wenn man ein paar Fischleckerlis in der Hinterhand hat. Da kann auch der standfesteste Seeadler nicht widerstehen, vor allem wenn Brutzeit ist. Die Kleinen wollen ja was Handfestes im Schnabel um gross und stark zu werden. Und gross werden sie tatsächlich. Schliesslich muss man für den Titel „Grösster Greifvogel Mitteleuropas“ was tun. Wo am Anfang nur ein Ei ist, müssen die Eltern bald achtzig Tage lang fleissig auftischen bis der Nachwuchs zu den ersten kurzen Flügen startet. Brutzeit heisst für mich vor allem: Zeit, die Kamera zu zücken. Ende April hocken die Kleinen im Nest und warten gierig darauf, dass ihnen Fressbares in den Schnabel gereicht wird. Also nimmt der Adler an sich dann auch gerne das Fischangebot an, dass man ihm angedeihen lässt. Ist ja auch so praktisch, wenn man die Beute nicht erst erlegen muss. Gegen Aas hat der Seeadler prinzipiell nichts, Hauptsache er wird satt. Man muss sich eben seine Überlebensstrategie suchen. Frischer Fisch gefällt ihm natürlich besser. Deshalb ist es für Fotos gelegentlich hilfreich, wenn man gleich eine Fischkiste auf dem Boot hat. Ok, irgendwie hat es was von Tauben füttern. Jedoch zum Ende der Saison, wenn die Kleinen aus dem Nest geflattert sind, hilft auch kein Winken mit Fisch mehr um ihn dazu zu bewegen, zum Fotoshootings aufzukreuzen. Der Seeadler wahrt seine Selbständigkeit. Wer weiss schon, ob morgen wieder ein Boot mit Frischfisch vorbeifährt. Da muss man schon seine Jagdrevieralternativen in petto haben. Vor allem, wenn man auch mal die Liebste mit einem Fisch verwöhnen will. Wenn Seeadler sich verlieben, schliessen sie den Bund fürs Leben und schwärmen fortan nur noch für den hübschen Schnabel des Partners, seine stimmigen Beine und den prächtigen Fang. Jeder Fisch ist wahrscheinlich wenig amused in solchen Klauen zu landen.

Copyright: insidenorway

Natürlich kann man Seeadler auch prima beobachten ohne sie künstlich anzulocken. Auf einer der zahlreichen Vogelinseln zum Beispiel. Hier heisst es schnell sein,  denn sie pflegen oft genau so schnell zu verschwinden, wie sie auftauchen. Überhaupt sind sie so rasend schnell, dass man manchmal kaum hinterher kommt. Jeder, der schon einmal Seeadler fotografiert hat, wird das kennen. Erst kreisen sie stundenlang, dass man kurz vor dem Tod durch Nackensteifheit ist. Nun ja, der Blick von hoch oben ist ja bekanntlich auch der beste. Ehe man sich versieht, setzen sie zum Sturzflug an um irgendeinen Fisch aus dem Wasser zu angeln, den kein Mensch sieht. Adleraugen eben. Die Sammlung unscharfer Fotos, auf denen nur noch die Federspitzen zu sehen sind, sind dann meist besonders erbaulich. Gut, dass es im Zeitalter der Digitalfotografie möglich ist, solche „Erfolgsfotos“ einfach wegzulöschen. Vor dreissig Jahren hätte man sich an Foto-Entwicklungskosten in Höhe eines Einfamilienhauses erfreut.

Copyright: insidenorway

Wenn man den Seeadler dann aber mal richtig erwischt, erfüllt einen Entzücken. So stolz, so schön, so einzigartig. Als Teenager sind sie noch im stylish braunen Federkleid unterwegs, erst nach fünf Jahren kleiden sie sich mit weissen Kopf- und Schwanzfedern. Das ist dann gleichzeitig auch für die Artgenossen das Zeichen, dass sie jetzt bereit sind für einen Lebenspartner. Das erste Ei will ja schliesslich auf die Welt kommen. Und damit kommt dann auch für mich die Chance nach den neuen frisch  flügge gewordenen Ausschau zu halten und ihren Anblick zu geniessen.

Fazit: wer Gelegenheit hat diese stolzen Tiere zu beobachten, sollte es tun. Ob mit oder ohne Kamera: der Seeadler zeigt uns einen herrlichen Teil der Natur. Also lasst Euch von ihm inspirieren! ❤