Der Heiz-Elan des Norwegers oder: Tropenheim, Glück allein….

Von Natur aus bin ich ja ein ziemlicher Hitzeknubbel, aber im Winter pflege auch ich mich für gewöhnlich warm eingepackt draußen aufzuhalten. Wehe ich muss in ein Geschäft, denn dann fängt nach gefühlten dreißig Sekunden der Schweiss an zu fließen. Nun ja, dass kannte ich durchaus auch von Deutschland, aber als ich nach Norwegen kam, lernte ich eine neue Form von Wärme kennen. Die Tropen in Innenräumen. Ja, der Norweger hat es eben gerne warm in seinen heimischen Räumen, und nicht nur da. Auch öffentliche Gebäude und Ladenlokale erfreuen sich innen tropischer Temperaturen. Schließlich ist es ja draußen hin und wieder so kalt, dass man sich über jede temporäre Erwärmung freut und je weiter man gen Norden reist, desto weniger erwärmt sich der Sommer auf ein T-Shirttaugliches Maß. Kurzerhand schafft sich der Norweger also seinen kleinen Privatsommer in seinen vier Wänden, schließlich ist das Thema Heizkosten ja nicht das finanziell drängendste. Geheizt wird mit Strom, denn davon gibt es reichlich. Der Urnorweger hat sich bei Holz und Wasser in der Schöpfungsphase ganz vorne angestellt. Nur wusste er da noch nicht, dass ihm das ein paar tausend Jahre später das muggelige Heim bescheren würde, das mit seiner Wärme des Norwegers Herz erfreut.

Holz war ja dann auch lange Zeit die Hauptquelle der Energieerzeugung, aber irgendjemand kam auf die Idee es doch einmal mit Wasserkraft zu versuchen. Nun ja, wenn etwas im Überfluss in Norwegen vorhanden ist, dann Wasserfälle, die sich überall herunterstürzen, wo man sich herunterstürzen kann. Zum Wohle der Elektrizität werden sie dann auch gelegentlich mal umgeleitet, der Mardalsfossen in der Provinz Møre og Romsdal darf schon geraume Zeit nicht mehr fließen wie es ihm beliebt. Immerhin wird er im Sommer für ein paar Wochen für die Touristen „freigeschaltet“, so dass sie sich an seinem ursprünglichen Fallweg erfreuen können. Unberührte Natur und so. Ja, da ist es wieder. Das alte Problem, natürliche Ressourcen nutzen gegen unberührte Natur erhalten.

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Mardalsfossen, Copyright: Tadas Pakalniskis

Der Norweger ist natürlich äußerst erfreut über soviel Strom im Überfluss. Und Fluss kann man hier wirklich wörtlich nehmen, denn bis heute deckt Norwegen seinen Energiebedarf im Löwenanteil aus eigener Wasserkraft. Das führt dann eben zwangsläufig zu besagtem Privatsommer im trauten Heim und zu einem bis zu achtmal höheren Stromverbrauch im Vergleich zu deutschen Haushalten. Da man auch gerne mal auf zweihundert Quadratmetern wohnt, kann sich jeder vorstellen, was da im Monat so an Strom durchgejagt wird. Aber warm ist ja nicht das einzige Maß aller Dinge. Denn wo Wärme wohnt, sehnt sich der Norweger auch nach Licht. Ist ja auch logisch, wo doch im Winter die Sonne das Land eher spärlich beglückt. Und der Norweger ist da sehr konsequent. Als ich nach Norwegen kam, war ich gewohnt, brav das Licht auszuschalten, wenn ich einen Raum verlasse. Von Freunden erntete ich irritierte Blicke. Licht aus? Ach woher denn, wenn man auch in der Toilette und im Abstellraum Festbeleuchtung haben kann. In der Küche brennt gerne die ganze Nacht über das Licht, dann sieht man wenigstens auch gleich, wo der Kühlschrank ist, wenn man des nachts Appetit auf ein Nugattibrot bekommt. Ja, was wenig kostet, lässt einen zuweilen dazu neigen, damit verschwenderisch umzugehen.

Aber das Stromding geht noch weiter. Als ich zum ersten mal nach Tromsø kam, im Winter, lag die Stadt im Schnee und hielt Winterschlaf. Bis auf die Gehwege. Die präsentierten sich hübsch und schneefrei um die Passanten mit der Möglichkeit unbeschwerten Laufens zu erfreuen. Ok, dachte ich, da hat jemand besonders sorgfältig geräumt. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Norweger gemacht. Wenn man schon Energie im Überfluss hat, ist es doch eine hübsche Winterannehmlichkeit, die Gehwege einfach mit einer Fußbodenheizung zu versehen. So braucht sich keiner mit lästigem Schnee schippen abzumühen und man muss sich auch nicht über so viel gebrochene Knochen beklagen. Ich habe mich dann auch nicht mehr gewundert, als bei uns in Oslo der Bryggetorget im Stadtteil Akerbrygge mit der elektrischen Schneeschmelze beglückt wurde. Praktisch, winterlich, gut. Und was der Norweger für gut befindet, adaptiert er auch gerne für sein zuhause. Der ein oder andere entschied, dass er selbige Annehmlichkeit auch unbedingt für seine private Einfahrt braucht. Winterluxus.

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Beheizte Gehwege in Tromsø, nur die Strasse bleibt schneebedeckt, Copyright: Insidenorway

Inzwischen ist Norwegen am Rande seiner Kapazitäten angekommen. Wo man vor Jahren flugs ein neues Kraftwerk aus dem Boden gestampft hat um den Mehrbedarf zu decken, sagt die Natur jetzt: nö. Mehr Flüsse und Wasserfälle als vorhanden, kann man eben nicht umleiten. In punkto Stromversorgung ist aus staatlich mittlerweile privat geworden und der Norweger muss mit den Unannehmlichkeiten leben, wenn es mal wenig regnet: höhere Strompreise. Und wenn etwas eingedämmt werden soll, denkt der norwegische Staat ja auch gerne mal nach, in seinen Augen Unnötiges, mit einer Luxussteuer zu belegen. Zum Beispiel beheizte Auffahrten. 😉

Aber wenn es eng wird ist der Norweger ganz Wikinger und besinnt sich auf neue Möglichkeiten. War da nicht was mit Holz? Zurück also zur Tradition. Mittlerweile erinnern sich viele Norweger wieder daran, dass sich mit Holz prima heizen lässt und machen sich sogar auf, selbiges zu hacken. Wundert da irgendjemand, dass das meistverkaufte Buch des Jahres 2011 eine Anleitung zum Hacken, Stapeln und verfeuern von Holz war? Nein!

Auf die Tradition! 😉 🙂

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Wintervorrat, Copyright: Maria Helen

Hotel im Norwegenhimmel oder: mehr Natur geht nicht !

Ok, für jeden stellt sich ja die Frage: wo im Urlaub übernachten. Also dachte ich mir: warum nicht mal ein paar Hotelhighlights testen. Davon gibt es schließlich einige übers Land verteilt. Ich gebe allerdings zu: gleich zwei meiner Lieblingsübernachtungsplätze liegen in der Provinz Møre og Romsdal. Diese Provinz kann man aber eben nicht NICHT lieben, weil sich hier die Natursehenswürdigkeiten die Hand geben. Einer meiner absoluten Hotellieblinge ist ja das Juvet Landscape, gelegen in der Nähe des Storfjords in der Kommune Norddal. Nun gut, fast jeder stellt die Frage: wie denn hinkommen, wenn ein Hotel so mitten in der Natur liegt. Ja, das war bei mir auch der Fall. Im Flieger lässt sich das Auto prinzipiell eher weniger gut mitnehmen. Und wenn man schon mal da ist, will man ja auch die Naturhighlights der Provinz Møre og Romsdal sehen, die in unmittelbarer Nähe liegen, also Mietwagen? Nun ja, mir gefällt die Anreise per Zug von Oslo bis Åndalsnes und der Transfer, den das Hotel organisiert um einen ins Naturparadies holen. Da wird die Entspannung dann auch durch nichts getrübt.

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Juvet Landscape Hotel, Copyright: Espen Mills/Matlangsnasjonaleturistveger.no/Visitnorway.com

 Naturparadies ist bei diesem Hotel dann auch nicht übertrieben! Bereits wenn man die Zimmer sieht, befindet man sich im Entspannungsmodus. Wie soll das auch anders sein, wenn zwei Wände aus Glas bestehen und man quasi mitten in der Landschaft sitzt. Will ich da noch viel rumfahren oder doch lieber ein paar Tage den Panoramablick in mich aufsaugen. Außerdem kann man vom Hotel problemlos zu Fuß zur ein oder anderen Wanderung starten, wenn man auto-los dort weilt. Und da ich per se kein Freund von Großhotelanlagen bin, ist mir das Juvet Landscape noch dreimal sympathischer. Bei 35 Gästen ist Schluss, denn bei diesem Status ist ausgebucht. Würde ja auch kaum zu diesem Fleckchen Norwegen passen, wenn sich hier tausende von Hotelgästen die Klinke in die Hand geben würden. Frühstück gibt es hotelunüblich erst ab neun, was mir sehr entgegen kommt, denn schließlich will ich im Urlaub nicht um sechs aus dem Bett springen. Und auch dass man sich nach Herzenslust beim Frühstück ein Lunchpaket packen kann ist für mich etwas neues. Mit gleichgesinnten Naturliebhabern sitzt man also unkonventionell an langen Tischen, so dass man jederzeit Kontakte knüpfen kann. Anonym bleibt hier keiner. Kein Problem also sich hier auch alleine für ein paar Tage einzuquartieren. Einsam bleibt man auf jeden Fall nicht. www.juvet.com

Da das Juvet Landscape aber nicht zu den preiswertesten Übernachtungsmöglichkeiten gehört, hab ich mich zusätzlich nach einer günstigen Variante umgeschaut – und die Øverås-Hütten gefunden. Direkt gelegen am Eikesdalsvatnet, der für mich zu den schönsten Seen in der Provinz Møre og Romsdal gehört. Auch hier stehen die Hütten quasi mitten in der Landschaft, fünf an der Zahl, so dass man auch hier nicht von Touristenüberfüllung sprechen kann. Ja, da schlägt das Herz des Naturfans gleich höher. Ok, keine Panorama-Glasfenster und Überluxus, eher gemütlich skandinavisch eingerichtet mit viel Holz und während man sich das Frühstück zubereitet, schaut man mal eben auf den See und die umliegende Bergkulisse. Ja, das hat was von Ich-hab-das-Gefühl-ich-wohne-hier. Man fühlt sich eben nicht so richtig als Hotelgast. Ich finde ja, dass genau das auch einen besonderen Reiz hat.

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Eikesdalsvatnet, Copyright: Birgit Nordmøring

Allerdings finde ich ein Auto hier unverzichtbar, weil in unmittelbarer Nähe einige Landschaftsrouten winken und man sich eben überhaupt ein wenig abseits der Hauptattraktionen der Provinz, eben dem Trollstigen und der Gudbrandsjuvet, bewegen kann. Das übliche kann doch jeder. Allein der nahegelegene Eresfjord könnte zauberhafter nicht sein. Im Sommer kommt man außerdem in den Genuss des Mardalsfossen, einer der höchsten Wasserfälle Europas. Den freien Fall hat man ihm allerdings abgewöhnt, er tut seit fast fünfzig Jahren seinen Dienst als Stromerzeuger und deshalb wurde ihm ein anderer Fließweg zugewiesen. Von Ende Juni bis Ende August darf er sich allerdings an seinem alten Platz in die Tiefe stürzen.  www.overaas-hytteutleie.com

Andere Region, anderes Übernachtungserlebnis. Es geht nach Norden. Auf halber Strecke zwischen Bodø und Narvik liegt der Tranøy fyr. Ich finde, einer der schönsten Leuchttürme in Norwegen. Da das mit dem Beruf des Leuchtturmwärters ja nicht mehr so aktuell ist, hat man kurzerhand ein Hotel draus gemacht. Im Leuchtturm selbst kann man leider nicht übernachten, denn er leuchtet immer noch den Schiffen vor der Küste den Weg. Glücklicherweise gibt es ja die zugehörigen Keeper-Häuser und hier kann man dann auch dem Übernachtungsglück fröhnen. Ich persönlich finde ja schon die Anfahrt einfach traumhaft, denn wie es bei Leuchttürmen so ist, liegt er exponiert auf einem Inselchen, auf das man über eine Brücke gelangt.

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Copyright: Kjell Fredriksen / http://www.hamsuns-rike.no / Hamarøy

Ohne Auto ist man hier allerdings ziemlich aufgeschmissen. Man muss sich dann doch auf die E6 bequemen, den RV81 und den RV665 hinter sich bringen, bis man am Leuchtturm ankommt. Mit Zug etc. ist hier eben nichts mehr zu reißen, in Bodø endet das Streckennetz, nun gut. Die Landschaft ist aber wirklich spektakulär, man blickt auf den Vestfjord und bei gutem Wetter scheinen die Lofoten so nah, dass man meint rüber schwimmen zu können. Die Gästehäuser rund um den Leuchtturm drapieren sich wie ein kleines Dörfchen auf der Insel und die Zimmer sind zauberhaft eingerichtet. Eben für den Freund der typisch norwegischen Wohnkultur. Ich bin ja immer ein Ich-koche-selbst-Freund und mag wenigstens eine eigene Kochplatte. Im ein oder anderen Zimmer gibt es denn auch eine Mini-Küche, wer mag kann aber auch ohne Kochgelegenheit mieten und sich den Fisch im angrenzenden Restaurant schmecken lassen. Schließlich ist man hier ja sozusagen in einer Fisch-Hochburg. Quasi wie fast überall in Norwegen. Dass man sich hier außerdem den Naturaktivitäten hingeben kann, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Über der Region kreisen gerne die Seeadler und allerhand anderes Vogelvolk und wer bislang noch nicht das Kayaking ausprobiert hat, sollte hier unbedingt damit anfangen. www.tranoyfyr.no

Etwas weiter südlich, in Nordskot, liegt eine kleine Anlage von Panorama-Hytten, die ebenfalls zu meinen absoluten Favoriten gehört. Hier sitzt man ganzjährig hinter Panoramaglas und im Winter hat man hier DAS Nordlicht-Erlebnis überhaupt. Ok, auch hier muss man ein Fan von modernen Bauten sein, ähnlich wie im Juvet Landscape gibt es nicht die Rorbuer-Holzhaus-Glückseligkeit, dafür aber teilwiese eine abenteuerliche Bauweise, die über das Wasser hinausragt. Doch von vorne. Während ja „ohne Auto“ in manchen Unterkünften keine Option ist, kann man Manshausen tatsächlich mit den Öffentlichen erreichen. Also ab in den Flieger bis Bodø. Zum Fähranleger muss man dann ein Taxi bemühen, es sei denn, man ist begeistert von Spaziergängen mit Koffer. Während der neunzigminütigen Fährfahrt kann man schon fleißig Landschaft in sich aufsaugen. In Nordskot selbst kann man sich mit den nötigsten Lebensmitteln versorgen, denn obwohl der Ort winzig ist, hält der Supermarkt alles Wichtige bereit. Ich liebe diese Selbstversorger-Variante, weil so viel mehr Zeit bleibt für die Natur-Aktivitäten und man keine Zeit mit Restaurantsuche vertrödelt. Und wer alleine nicht kochen möchte, geht eben ins Haupthaus und nutzt die Gemeinschaftsküche. Da kommt man gleich ins Gespräch mit Norwegen-Fans. Gute Sache. Im Winter kommt man in Manshausen ja in ein echtes Innerer-Schweinehund-Problem. Es ist aber auch so herrlich gemütlich den Nordlichtern vom Bett aus zuzuschauen wie sie über den Himmel tanzen. Ich persönlich neige da ja zu: Ich-will-nicht-rausgehen. Ich bin da mehr der Sommeraktivitäten-Fan. Allem voran natürlich Kayaking. Und das kann man hier zu Genüge. Ansonsten gibt es angeln, wandern, tauchen und klettern. Dem Aktivitätenkatalog kann man sich also nur schwer entziehen. www.manshausen.no

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Copyright: Steve King, happylandingreise

Fazit: Norwegen kann außergewöhnlich – und das richtig gut. Und außergewöhnlich sollte jeder einmal ausprobieren. Ich werde weiter suchen nach außergewöhnlich, denn da geht bestimmt noch mehr. To be continued….. 🙂

Wo war der Winter im Winter oder: ist Norwegen nach Süden verrutscht?

Da sind wir wieder bei dem Thema: in Norwegen ist es doch immer kalt und dunkel. Gut, dunkel kann man immer noch nicht wegdiskutieren. Beim Thema kalt ist das in diesem Winter schon anders. Der Winterwettergott hat sich scheinbar ein Extra-Programm überlegt. Die Zauberformel heißt: wir machen es mal wärmer als sonst. Ok, bei null bis zehn Grad kann man nicht wirklich von tropischen Temperaturen sprechen, aber in Norwegen irgendwie doch. Da, wo letztes Jahr knackig kaltes norwegisches Winterwetter herrschte, dümpelt dieses Jahr alles im deutlichen Plusbereich dahin. Da könnte man sich ja sagen: schön, dass es nicht so kalt ist. Aber: wir bekamen stattdessen diesen Winter eine gehörige Portion Sturm dazu. Bei zu warm und zuviel Tiefdruck sagte sich jede Woche ein Sturmtief, dass es wieder mal Zeit ist, über das Land hinweg zu fegen. Mal abgesehen davon, dass es nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, bei Orkan quer durch Norwegen zu fliegen, WENN denn etwas flog, nein auch der Schiffsverkehr wurde durch die norwegisch-himmlische Sturmvereinigung ständig in Atem gehalten. Abwettern in irgendwo war die am häufigsten gebrauchte Vokabel in der Schiffahrt. Die Schneemobile blieben in der Garage und die Huskys hatten außergewöhnlich viel Urlaub. Kein Schnee eben.

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Schmuddelwinter in Finnsnes, Copyright: insidenorway

Wahrscheinlich war es dem Schnee zu lästig sich im ganzen Land zu verbreiten und so hat er es sich in Zentralnorwegen und am Nordkapp gemütlich gemacht. Am Nordkapp bevorzugt wieder mit seinem guten Freund Sturm und noch bevorzugter zu den Terminen, an denen ich am Nordkapp war. Somit hatte ich das Vergnügen Honningsvåg besonders intensiv kennen zu lernen, denn immer wenn ich dort ankam, hieß es: die Straße zum Nordkapp ist gesperrt. Grrrrrrr. Beim dritten Versuch keimte die Hoffnung in mir auf, doch diesen Winter den Globus auf dem Felsplateau noch zu sehen, doch während der Fahrt über die Insel Magerøya war Odin schneller, schickte einen 1A-Schneesturm und nach ein paar Kilometern war die Sicht null. Uns noch bis zum Schlagbaum vorzukämpfen, an dem das winterliche Kolonne fahren beginnt, hätten wir uns eigentlich sparen können. Mehr als ein freundliches Lächeln vom Schneepflugfahrer war nicht drin. Alles Retour. Nix Nordkapp.

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Im Schneesturm geht gar nichts mehr, Copyright: insidenorway

Ja so ist das manchmal. Die Norweger nehmen es gelassen, denn ändern kann man sowieso nichts daran. So gehörte also diesen Winter zur bevorzugten Freizeitbeschäftigung, alles, was nicht fest mit dem Boden verankert ist, eben an jenem zu befestigen, denn wer will schon gerne seine Mülltonne dreißig Kilometer weiter aufsammeln oder wieder aus dem Meer fischen.

Dazwischen gab es aber auch die anderen Tage. Zwischenzeitlich verirrten sich trockene minus 25 Grad nach Kirkenes, in Karasjok kratzte der Winter mit minus 48 Grad einmal am Temperaturrekord. Es gab spektakuläre Sonnenauf- und Untergänge. Und: die Nordlichter! Trotz des ganzen Wetterchaos gab es sie reichlich, eigentlich schon bevor der Winter richtig begonnen hatte. Und da Odin und sein Gefolge ein Einsehen hatte, öffnete er immer mal wieder den Wolkenvorhang, damit auch wir unten auf der Erde einen Teil der Lightshow genießen konnten. Leuchtend grün und violett tanzten sie gerne zwischen Tromsø und Skjervøy, die Gegend hat sich als sowas wie ein Nordlicht-Garant etabliert. Außerdem ist man bei der Nordlichtjagd wieder ganz froh über jedes Grad mehr Wärme. Da sie ja eher so tanzen wie SIE wollen und nicht wie WIR wollen, steht man stundenlang draußen, eingepackt bis oben hin, unterbrochen von kurzen Aufwärmpausen unterm Heizstrahler. Aber all das ist eben egal, wenn man in den leuchtend grünen Himmel blickt, da erträgt man die Kälte wie in Trance und tauscht eben mit den Mitbeobachtern heißen Tee aus.

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Nordlichtzauber hinter Tromsø, Copyright: Volker Lang

Fazit: Norwegen ist geografisch immer noch da, wo es hingehört, und hat auch im Winterchaos den unverwechselbaren Zauber und unverwechselbares Licht. Schließlich wäre es ja auch langweilig, wenn immer alles nach Plan läuft. Also auf ins Winterzauberwunderland. Spätestens im nächsten Winter und selbst genießen!

Lust auf Abenteuer? Sieben Lofoten Hotspots, an denen Du zum Explorer wirst!

Norwegen an sich kann sich ja schon allein mit seiner Natur brüsten. Aber da geht noch mehr. Selbst Sportmuffel wie ich erwischen sich regelmäßig dabei, dass sie in Norwegen zum Bewegungs- und Aktivitätenguru werden. Und auch wenn alle Teile des Landes ihren Reiz haben, so zählen die Lofoten doch zu meinen Lieblingen. Vor allem, weil man hier in punkto Aktivitäten so richtig aus dem Vollen schöpfen kann.

  1. Seeadlersafari im Trollfjord Im Grunde nimmt man hier gleich zwei Highlights mit: die Seeadler und den Trollfjord. Generell ist es schon mal zauberhaft durch die schroffe Inselwelt mit dem Boot zu fahren, weil man sich einfach nicht sattsehen kann und die Speicherkarte der Kamera glüht. Die Seeadler komplettieren das ganze. Da sie mit Futter angelockt werden, kommt man in den vollen Vogelgenuss und kann sie auch problemlos aufs Bild bannen. Seeadler sieht man natürlich auch außerhalb einer Safari immer mal wieder, aber oft sind sie schon wieder verschwunden, wenn die Kamera schussbereit ist. Da ist es doch viel besser, wenn sie einem sozusagen freiwillig und ausgiebig vor die Linse flattern. Der enge Trollfjord und der sich anschließende Raftsund tun ihr übriges dazu um in den vollen Lofotengenuss zu kommen. www.lofotencharterbat.no
  2. Walsafari in Andenes Nun gut, streng genommen gehört Andenes zu den Vesterålen und nicht zu den Lofoten. Da der Wal an sich aber da herumschwimmt, wo es ihm am besten gefällt, muss man sich diesem Wunsch beugen. Von Andenes macht man sich also auf zu seinen Tummelplätzen. Die beste Zeit ist natürlich der Winter, da sich dann zu den Pottwalen gerne auch mal Orcas und Buckelwale hinzu gesellen. Und wer will nicht sehen, wie sich die riesigen Schwanzflossen aus dem Wasser heben. Und näher als bei einer Walsafari kommt man den Meeresriesen dann auch wirklich nicht. Gut, dass die Schiffe extrem geräuscharm sind und die Wale auch akustisch orten können. So werden die Wale nicht gestört und der Mensch kann sie sich aus nächster Nähe anschauen. Mächtig. www.whalesafari.no
  3. Rudern im Wikingerschiff in Leknes Wem nicht reicht, sich einfach gemütlich im Boot fahren zu lassen, der kann gleich selbst mit anpacken. Schließlich hatten die Wikinger auch keine komfortablen Motorschiffe und mussten sich auf ihre Muskelkraft berufen. Ganz nebenbei lernt man den Komfort der heutigen Zeit noch viel mehr zu schätzen. Man sitzt also ziemlich beengt an seinem zugeteilten Ruder und muss sich bemühen, ziemlich gleichmäßig mit den anderen im Takt zu rudern. Sonst wird das mit dem Vorwärtskommen nichts. Natürlich darf man sich danach ein Wikingermahl schmecken lassen. Rudern macht schließlich hungrig. www.lofotr.no
  4. Mitternachtssafari in Henningsvær Wenn man schonmal auf den Lofoten ist, und das im Sommer, kann man sich auch gleich ein Mitternachtssonnenerlebnis mitnehmen. Also natürlich ist der Zauber der Mitternachtssonne auch an Land großartig, aber noch schöner ist es, sie vom Speedboot aus zu sehen. Von Henningsvær aus geht es kurz vor Mitternacht nach Westen. Auch hier wird man schon allein durch die schroffe Fjordwelt der Inselgruppe verzaubert, wenn sie ins goldene Mitternachtssonnenlicht taucht. Das Schöne am Speedboot: mit ordentlich Geschwindigkeit saust man durch die Fjorde bis auf den offenen Atlantik. Zwischendurch machen die Boote Geschwindigkeitspause und man sieht Seeadler und Puffins über sich kreisen. Und auch Seehunde gesellen sich oft im Wasser dazu. www.lofoten-opplevelser.no
  5. See-Kajak-Tour in Kabelvåg Ich persönlich habe ja im letzten Jahr meine Liebe zum Paddeln entdeckt. Die Lofoten haben fürs kayaking ne Menge zu bieten. Allerdings sollte man etwas Paddelerfahrung mitbringen, da man sich eben doch auf deutlich unruhigerem Wasser bewegt, als wenn man durch den Kanalhafen von Trondheim gleitet. Mit einer Halbtagestour ist man am Anfang gut bedient, denn paddeln geht wirklich auf die Arme. Wer zu den Toppfitten gehört, kann sich natürlich auch an einer Ganztagestour versuchen. Die Guides sind auf jeden Fall sehr hilfreich, zeigen einem nicht nur bei der Paddeltechnik, sondern erzählen nebenbei auch noch von der wunderschönen Lofotennatur, die ja logoscherweise in der Tour inklusive ist. www.lofoten-aktiv.no
  6. Fischer für einen Tag in Nusfjord Fisch ist ja in Norwegen nicht wegzudiskutieren, was liegt da näher, als einmal in den Fischeralltag zu schauen. Mit dem Boot geht es raus zu den Fanggebieten von Dorsch und Co und anpacken muss man auch richtig. Ja, das Fischerleben ist kein Zuckerschlecken. Dafür lernt man an diesem Tag auch seinen eigenen Fang zu bearbeiten. Filettieren, was das Zeug hält. Hat man den eigenen Grill dabei, darf man sich also abends rühmen, „seinen“ Fisch auf dem Teller zu haben und: frischer geht nicht! www.nusfjord.no
  7. Lofoten mit dem Pferd in Gimsøysand Südwestlich von Svolvær geht es los und hier werden wirklich alle Klisschees positiv bedient. Die Pferdchen sind gutmütig und trippeln in aller Ruhe hintereinander her. Zeitlich ist bei den Touren alles drin, wer sich nicht sicher ist, wie lange er durchhält, beginnt erst mal mit der 1 1/2 stündigen Tour. Danach ist man sowieso süchtig. Das Reiten an den Lofotenstränden ist einfach zauberhaft. Nebenbei erfährt man allerhand über die Wikinger, denn die Touren führen an Überresten der Wikingerzeit vorbei. Während der Mitternachtssonnenzeit gibt es natürlich auch Touren um Mitternacht, im Winter reitet man unterm Nordlicht, hübsch mit Stirnlampe ausgestattet. www.hovhestegard.no

Egal, ob man also im Sommer oder im Winter die Lofoten besucht: hier ist immer etwas los. Ausreden für Inaktivität kann man sich also getrost abschminken. 😉 Deshalb auf zu neuen Taten auf der Inselgruppe des Glücks.

Schlittenfahrt und Schneehotel oder: ganz im Norden geht es rund !

Schnee bis zum abwinken. Davon gibt es ja bekanntlich in Nordnorwegen genug. Zeit um in Kirkenes mal wieder im Schneehotel vorbei zu schauen. Schließlich ist es im April heldenhaft dahin geschmolzen und erlebte seine Wiedergeburt im Oktober. Ja, zehn Grad und mehr machen einem Schneehotel eben zu schaffen. Umso mehr erfreut es den Besucher, dass es jedes Jahr in neuer Gestaltung daher kommt. Dieses Jahr ist es den Huskys gewidmet. Liegt in Kirkenes ja auch irgendwie nahe, denn in minus zwanzig Grad fühlt sich der Schlittenhund in seinem Temperaturelement. So steht man in der Eingangshalle des Schneehotels auch mittendrin im Hundeschlittenszenario. Die Tierchen erobern in Eis gemeißelt die Bar und drapieren sich um ihren Musher.

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Copyright: insidenorway

Wie letztes Jahr empfindet man die minus vier Grad im Inneren des Hotels als geradezu hochsommerlich, kein Wunder, es ist ja auch fast zwanzig Grad wärmer hier drin als vor der Tür. Die Zimmer sind auch dieses Jahr zauberhaft gestaltet und warten auf die Übernachtungswilligen. Wer hier sein Haupt zum Schlaf betten will, sollte frühzeitig buchen, denn „ausgebucht“ ist hier die meistgebrauchte Vokabel. Gegen die Kälte gibt es den mollig warmen Polarschlafsack und mit dem Getränkekonsum hält man sich besser vornehm zurück. Hier lernt man den Vorteil von möglichst wenig Toilettengängen pro Nacht zu schätzen, es sei denn man liebt es, sich aus dem warmen Schlafsack in die arktische Kälte zu quälen. Da können schon hundert Meter bis zum Toilettenhäuschen zur Qual werden. 😀

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Copyright: insidenorway

Ich widme mich heute dem Gelände nebenan, dort wohnen die Huskys. Das wunderschöne Licht der Polarnacht schreit geradezu nach einer Schlittenfahrt. Nach dem Schneegestöber der letzten Tage zaubert die Dämmerung heute rosa Licht an den Himmel und die ganze Umgebung liegt verschlafen im Winterkleid. Schon als wir das Gelände betreten, werden wir von lautem Bellen begrüßt. Von allen Seiten schauen uns die Huskys ungeduldig an, bereit zur Tour aufzubrechen. Ich bin ja jedesmal beeindruckt, welche Stärke die Tierchen entwickeln, sobald sie losgelassen werden. Schließlich ziehen sie nicht nur den Schlitten, sondern auch uns, die wir im Schlitten drin sitzen und uns durch die Landschaft fahren lassen.

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Copyright: insidenorway

Zu zweit nehmen wir also im Schlitten Platz und natürlich haben wir auch einen Musher dabei. Die Huskys sollen ja wissen, wo sie hin sollen. Nie war ich dankbarer für meine Skihose. Mütze, Jacke und Handschuhe tun ihr Übriges dazu, damit man trotz der Eiseskälte nicht zum Eiszapfen erstarrt. Kaum sitzen wir, geht es auch schon los. Und zwar ziemlich zügig. Zuweilen muss man alles einziehen, damit man bei der Fahrt durchs Gestrüpp nicht unfreiwillig irgendwelche Gliedmaßen verliert. Wir sausen am Fjord entlang durch die eisige Polarnacht. Atemberaubend. Teilweise ist das Wasser zugefroren, bis hier reicht der Einfluss des Golfstroms dann doch nicht. Gut, dass uns der Musher ansagt, wenn Kurven bevorstehen, so braucht man uns nicht wieder in den Schneeverwehungen einzusammeln. Die Hündchen nehmen selbst Steigungen mit der Schlittenlast mühelos, ja da kann man fitnessmäßig noch was lernen. Für Fotos muss man gleich zu Anfang sorgen, sonst zeigt einem der Akku ne lange Nase.

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Copyright: insidenorway

Viel zu schnell vergeht die Tour und am liebsten würden wir gleich nochmal. Mittlerweile hat sich die Dämmerung schon fast wieder verabschiedet und weicht der Dunkelheit. Polarnacht eben. Der heiße Krähenbeerensaft am Kamin kommt uns nach der Tour gelegen und am Feuer kann man auch gleich die Handyakkus wieder aufwärmen.

Bleibt noch Zeit für einen kurzen Besuch bei den Rentieren, die sich ebenfalls auf dem Gelände tummeln. Aber sie haben heute keine Lust auf Streicheleinheiten und betrachten uns desinteressiert aus der Ferne. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Fazit: wer das Gelände des Schneehotels besucht, kann sich auf einen Tag voller Aktivitäten freuen. Und weil auch wir den Tag unendlich genossen haben, werden wir Ende Januar zurückkehren. An den Nordrand Europas. Wo die Huskys wohnen. 🙂

God Jul oder: der norwegische Festtagsbraten !

Der Norweger und Weihnachten, ganz speziell das Weihnachtsessen. Ja, jedes Jahr kommt die Diskussion auf, was denn an den Festtagen auf den Tisch kommt. Die norwegischen Weihnachtsleckereien reichen von Lutefisk bis Schafskopf, so dass man sich quasi gar nicht entscheiden kann. 😉

Aber der Reihe nach. Bevor ich nach Norwegen kam, lebte ich ja noch in meiner deutschen Würstchen-mit-Kartoffelsalat-an-Heiligabend-Mentalität. Gut andere Länder, andere Weihnachtsleckereien. Also warum nicht mal ganz vorurteilsfrei auf die Köstlichkeiten einlassen, wo ich sowieso immer ein Fan der Küche anderer Länder war. Schon lange vor Weihnachten findet man in so ziemlich jedem norwegischen Supermarkt zwei Dinge: Lutefisk und Pinnekjøtt. Schon das initiiert den Gedanken, dass die Norweger einen gewissen Hang zu diesen beiden Gerichten an den Festtagen haben. Aber was ist das denn nun genau.

Nun ja, in Norwegen ist ja der Trockenfisch sehr beliebt. Der Dorsch, aus dem er gemacht wird, hängt im Frühjahr zum trocknen draußen, nimmt dabei ungefähr die Konsistenz eines Baseballschlägers an und erlangt einen entscheidenden Vorteil: er ist für gefühlte 300 Jahre haltbar. Zum Verzehr wird er dann wieder in Wasser eingeweicht und wie „normaler“ Fisch zubereitet. Lutefisk gibt sich mit einweichen in Wasser nicht zufrieden. Nein, er fühlt sich in Lauge wohler. Allein das ließ mich schon ahnen wie er schmeckt. Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht bestialischer stinken könnte, wenn der Fisch in der Lauge schwimmt und 24 Stunden ins Land ziehen. Auch zur Freude der Nachbarn. Das ganze wiederholt man einige Male bis der Fisch dann tellerfertig zubereitet werden kann. Ergebnis: Geschmack salzig, Konsistenz gallertartig. Nein der Lutefisk wird nicht mein Freund. Niemals. Ich habe beschlossen mich bis in alle Ewigkeit auf die Beilagen Erbsenpüree und Kartoffeln zu beschränken. 😀

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Lutefisk und Pinnekjøtt

Vielleicht lieber Pinnekjøtt. Schon besser. Lamm bevorzuge ich sowieso eindeutig vor Fisch, auch wenn es sich hier wieder mal um gepökeltes handelt. Bei den Wikingern musste einst eben alles haltbar sein. Kein Kühlschrank und so. Für mich ist es entscheidend wie stark der Pökelgrad ist. Habe ich das Gefühl auf einem Salzfass herum zu kauen: nein! Wenn es zart gepökelt ist, kann ich mich dafür erwärmen, vor allem wenn es richtig zubereitet ist und das Fleisch sozusagen vom Knochen fällt. Gut, wenn man den Wikinger seines Vertrauens hat, der in der Küche den Kochlöffel schwingt, denn die Zubereitung dauert Stunden. 😀

Bleibt die „Königsdisziplin“: Smalahove. Gut, dass man sprachlich nicht immer gleich versteht was auf den Tisch kommt. Da ist auch der Überraschungseffekt gleich viel größer. Wer also in Norwegen weilt und sich fragt, welche Köstlichkeit denn nun bei Smalahove auf ihn wartet, erfreut sich, sein Festmahl im Angesicht eines Schafkopfes einnehmen zu dürfen. Wikinger. 😀 Immerhin wird alles, was im Kopf drin war, vor der Zubereitung entfernt. Aber auch außen gibt es wirkliche Schmankerl, die auch zuerst gegessen werden müssen, weil sie heiß am besten schmecken. Stichwort Augen. Nein, da muss ich passen. Für heißgegarte Schafsaugen kann ich mich wirklich nicht in den norwegisch traditionellen Gourmethimmel aufschwingen. Gleiches gilt für die Ohren: nein! Ok, Zunge finde ich nicht ganz so schlimm, die kenne ich schließlich auch vom Rind, allerdings ist es mir deutlich sympathischer wenn ich die Zunge nicht selbst aus dem Kopf herauslösen muss. Für das restliche Fleisch, das am Schafkopf dran ist, hab ich durchaus etwas übrig, auch wenn ich auf das Gefühl, dass mein Essen mich beobachtet, gut verzichten kann.

Dass man zum Festmahl generell reichlich Aquavit trinkt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Der ein oder andere, der sich in die Festessenwelt Norwegens aufmacht, braucht ihn wohl auch um die Hemmschwelle herab zu setzen.

Dass ich mit meinem „Problem“ nicht alleine da stehe, beweisen auch die Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Oslo. Auch die haben norwegisches Julemat getestet, der ein oder andere wusste wohl auch nicht, was er da isst. Das Videoschmankerl zum Lachen findet Ihr in nachfolgendem Link. Zum Video hier klicken.

Anyway. Auch wenn man dem traditionellen norwegischen Weihnachtsessen nicht so zugetan ist, sollte man Weihnachten in Norwegen feiern wenn man die Gelegenheit dazu hat. Tanzen um den Weihnachtsbaum, die zauberhaft dekorierten Häuser, die Weihnachtsstimmung überhaupt und nicht zuletzt die Norweger selbst bescheren ein stimmungsvolles Fest, das man unbedingt einmal im Land der Fjorde erleben sollte. Wer denkt da noch ans Essen? GOD JUL! 🙂 ❤

Was das Auge nicht sieht oder: wie kommen die Nordlichter aufs Bild !

Ja ja die Nordlichter. Sie sind immer noch sagenumwoben. Wie oft höre ich den Satz: „Die würde ich so gerne mal live sehen.“ Ich gebe zu, das erste Nordlichterlebnis bleibt dauerhaft in Erinnerung. Auch bei mir. An dem Abend, an dem ich sie zum ersten mal sah, hatte ich gar nicht damit gerechnet. Ein Novemberabend bei meiner Freundin Sabine in Farstad. Eigentlich wollten wir nur den Wein aus der Naturkühlung holen, denn wir hatten den überraschenden Wintereinbruch einfach zur natürlichen Schneegetränkekühlung umfunktioniert. Und zeitgleich hatte der Himmel sich überlegt uns mit tanzendem grün zu beglücken. Wie atemberaubend. Minutenlang waberten sie hoch über uns, mal spiralförmig, mal wie gewaltige Vorhänge. Nächste Herausforderung: sie aufs Foto zu bekommen. Ok, das blieb an diesem Abend nur ein frommer Wunsch.

Copyright: Alex Conu/Visitnorway.com

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Spätestens mit den Nordlichtern ist das Argument, dass es in Norwegen ja immer kalt und dunkel ist, entkräftet. Klar sind die Temperaturen im Winter weit entfernt von tropisch und das mit dem dunkel kann man während der Polarnacht auch nicht wirklich widerlegen. Aber: was nutzt einem der Zustand „hell“, wenn einem dafür ein grün leuchtender Himmel entgeht. Und dem besonders Glücklichen zeigen sich die Nordlichter ja auch noch in violett und rot. Das mit der Fotoproblematik bleibt. Und dabei hat die Kamera unserem Auge einiges voraus. Ja, unser Auge ist in der Dunkelheit eben doch kein Hochleistungsgerät. Wo unser Auge nur ein graues Schleierchen sieht, ist bei der Kamera bereits Alarmstufe grün.

Wie bekommt man sie denn nun aufs Bild. Ja, da muss man so ein bißchen rumprobieren. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich beobachte, dass manche versuchen wirkungsvoll den Blitz einzusetzen. Daraus kann nichts werden, es sei denn man begibt sich auf fünf Meter Entfernung zur Atmosphäre um sie mit dem Blitz zu beleuchten. Also weg mit dem Ding. Außerdem zieht man sich so gerne den Zorn der Mitfotografierenden zu, denn die sind in der Regel nie begeistert, wenn sie unfreiwillig im Blitzlichtgewitter stehn. Wer die Nordlichter fotografieren will, muss ein bißchen Ausrüstung mitbringen. Man braucht allerdings keine 10.000-Euro-Kamera, aber manuell einstellbar sollte sie sein. Der Automatikprogramm-Fotograf muss ohne Bilder vom Himmelsspektakel nach Hause fahren.

 Einem Stativ sollte man unbedingt Platz im Koffer machen. Ok, es frisst den Platz für die Winterklamotten auf, aber ohne Stativ hat man ein Problem. Nicht, dass ich nicht auch schon ohne Stativ unterwegs war in meinem Job als Reiseleiterin und ab und zu findet man eine Auflagemöglichkeit für die Kamera. Aber unglücklicherweise haben Nordlichter die Eigenschaft dort zu tanzen, wo sie wollen. gerne genau dort, wo man keine Möglichkeit hat, die Kamera in eine ruhige, stabile Lage zu bringen. Bei der Belichtung experimentiert man ein wenig. Blende so weit auf wie möglich und die Lichtempfindlichkeit des Chips rauf bis zur Grenze, an der die Bilder körnig werden. Ich habe mit 3200 ASA gute Erfahrung gemacht. Kombiniert man mit Blende 2,8, kommt man mit moderaten Belichtungszeiten von 2-4 Sekunden hin, je nachdem wie stark die Nordlichter sich zeigen. Und unbedingt: Autofokus AUS, sonst wundert man sich, warum die Kamera nicht auslöst. Einfach den Fokus auf unendlich stellen und schon fluppt es.

Ich bin ja meist mit dem Schiff unterwegs und da steht man noch vor einer weiteren Herausforderung. Ist man an Land, hat man den unschlagbaren Vorteil, dass Berge und Fjorde sich nicht wegbewegen. Diesen Gefallen tut einem das Schiff nicht. Was tun? Nun, da ist es wieder, das Problem, dass Nordlichter dort erscheinen, wo sie wollen. Zur Seite raus fotografiert, muss man auf den Fotos mit laufenden Lichtern an Land leben. Wenn die Nordlichter allerdings bereit sind, sich am Bug oder am Heck zu versammeln, können auch hier gute Bilder gelingen, denn wenn die Schiffdetails scharf gezogen sind, fällt eine leichte Unschärfe bei den Nordlichtern nicht mehr so arg ins Gewicht.

Copyright: insidenorway

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Fazit: Zähne zusammenbeißen, Ausrüstung schleppen, ausprobieren, dann hat man es nach einiger Zeit raus und freut sich über Bilder vom Licht des Nordens! 🙂 ❤

In der Mitte bitte! Wo der Lachs wohnt und ein Loch im Berg ist: Brønnøysund !

Das kleine Städtchen Brønnøysund hat es sich so ziemlich auf der Mitte der norwegischen Küstenlinie bequem gemacht, wenn man von Norden nach Süden reist oder umgekehrt. Nun ja, der Ort ist vielleicht nicht der Nabel der Welt, dafür hält er aber eine der schönsten Umgebungen bereit: die Region Helgeland. Von Norden kommend passiert man das Vega-Archipel, wo sich die Eiderenten tummeln und nach Süden winkt der Torghatten, der sein Loch im Bauch präsentiert. Wer außerdem wissen möchte, wie der fabelhafte Lachs auf den Teller kommt, kann zusätzlich noch auf einer Lachsfarm vorbei schauen, übrigens die einzige, wo man auch als Nicht-Lachs Zutritt hat.

Dabei ist mir absolut klar, dass man sich im Landschaftsszenario der Helgeland-Saga als Lachs nur wohlfühlen kann, schließlich gehört die Region zu den schönsten in Norwegen. Auch wenn die Fischlein dort als Zuchtlachs ihr Dasein fristen, erwartet sie die gleiche Lebenszeitspanne wie in der freien Natur. Ok, vielleicht mit räumlichen Einschränkungen. Ja und ich gebe zu auch wenn ich weiß, dass der arme Fisch den Lachstod sterben muss um ihn verspeisen zu können, schmeckt er einfach wunderbar, wenn er aus dem Becken gefischt wird und auf dem Grill gart. Die Lachskostprobe, die einem in der Lachszuchtanlage hier gereicht wird, macht definitiv Lust auf mehr.

Copyright: insidenorway

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Brønnøysund selbst ist hübsch anzuschauen mit seiner neu gemachten Promenade und der niedlichen Kirche, aber natürlich ist das Highlight der Torghatten, den man bei gutem Wetter vom Ort aus sehen kann. Vor allem, wenn er im goldenen Abendlicht leuchtet allerliebst.

Deshalb sollte man sich auch unbedingt nicht nur darauf beschränken, das besagte Loch im Berg von außen zu betrachten, sondern man sollte sich auch einmal aufschwingen aus seinem Loch heraus zu schauen. Glücklicherweise auch wieder mal für Fitness-Muffel wie mich leicht zu schaffen. Der Rundweg zählt gerade mal vier Kilometer und stellt auch an Füße und Schuhe keine großen Ansprüche. Also Highheels geeignet ist er nicht, aber das mit dem Geröll, das man ja so gerne auf Wanderruten in Norwegen antrifft, hält sich in Grenzen. Man geht also gemütlich los, zuerst durch Gras- und Sträucherherrlichkeit, später gibt es mehr Steine auf dem Weg, ja so ganz ohne Geröll geht es eben doch nicht. Da man aber nur auf gemütliche 150m ansteigt kann man Rutschfreuden genüßlich entsagen. Nur zwanzig Minuten dauert es bis man den Blick aus dem Loch heraus auf die Schärenlandschaft genießen darf. Es ist übrigens riesig und man könnte ein ganzes Schiff bequem hindurchschieben. Erstaunlich, denn wenn man von Weitem auf den Torghatten blickt, kommt es einem weitaus kleiner vor. Aber das liegt wohl daran, dass Berge gemeinhin die Eigenschaft haben, eine größere Masse Felsgestein in sich zu vereinen und das menschliche Auge ist ja bekanntlich nicht das beste Messgerät.

Copyright: Magnar Solbakk / www.visithelgeland.com / Brønnøy

Copyright: Magnar Solbakk / http://www.visithelgeland.com / Brønnøy

Wenn man sich vom Anblick der Schärenlandschaft losgerissen hat, genießt man die Wiesenlandschaft, die man auf dem Rückweg passiert. Norwegenidyll wie es hübscher nicht sein könnte. Wer sich am Nachmittag zur Wanderung aufgemacht hat, sieht außerdem noch das südgehende Schiff der Hurtigrute vorbei fahren.

Eines meiner persönlichen Highlights winkt bei Sonnenuntergang. Das aber wiederum nur, wenn man aus einiger Entfernung auf den Torghatten blickt. Dann hat man vielleicht das Glück, dass die Sonne genau hinter dem Berg untergeht und ihre Strahlen gleißend durch das Loch scheinen. So als wolle der Torghatten den Stern einfangen und mit aller Kraft festhalten. Aber nach wenigen Minuten ist die Sonne ihm schon wieder entglitten.

Fazit: in der Umgebung von Brønnøysund sollte man ein paar Tage verweilen, entschleunigen, Norwegen genießen. Und vielleicht sieht man dann auch die Gestalten der Helgeland-Saga über den Himmel reiten, aber nur vielleicht. 😉

Sonne: aus, Mond: an oder – die Polarnacht steht in den Startlöchern !

Eben noch haben wir die Nächte durchgemacht, weil die Mitternachtssonne einen bis ultimo auf den Beinen hält, und schon naht wieder die Winterdunkelheit. Ja ja, dieses Vorurteil, dass Norwegen kalt und dunkel ist, kann man zumindest im Winter nicht ganz von der Hand weisen. Während Spitsbergen sich schon Anfang November der Dunkelheit ergeben musste, tickt in Honningsvåg noch die Uhr zum Showdown. Ich finde, dass es immer etwas endzeitliches hat, wenn wir kurz davor sind in die Polarnacht eintauchen. Jeden Tag bleibt die Sonne zwanzig Minuten länger in ihrem Versteck, der letzte Tag ist kaum länger als man gucken kann. 22 Minuten und tschüß. Regelmäßig überlege ich, wie es so ist, wenn man wochenlang darauf wartet, dass sich am Himmel wieder etwas tut, denn ich halte mich für gewöhnlich nur eine knappe Woche in Nordnorwegen auf, wenn es heißt: Licht ausgeknipst. Bei uns in Oslo sind die Tage im Winter zwar auch ziemlich kurz, aber immerhin, es gibt sie noch.

Copyright: Tommy Andreassen / www.nordnorge.com / Vestvågøy

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 Ja, wie isses denn nun während der Polarnacht? Das, was an ihr einfach fantastisch ist, sind die Nordlichter. Natürlich tanzen sie übers ganze Jahr am Himmel, aber um sie sehen zu können, ist Sonnenlicht nicht unbedingt hilfreich. Während der Polarnacht kann man sie also uneingeschränkt genießen, egal zu welcher Uhrzeit sie sich zeigen, ohne dass sie von der Sonne überstrahlt werden. Das funktioniert nicht nur in der Natur, sondern auch in den Städten. Ok, man sollte sich hierzu nicht unbedingt inmitten der beleuchteten Fußgängerzone aufhalten. Blick von außen auf Städte, über denen die Nordlichter toben, funktioniert am besten. Ganz nebenbei lernt man dadurch auch zu schätzen, was einen so nach der Nordlichtjagd wieder aufwärmt: heiße Duschen, heiße Tees, brennende Kamine und Kuscheldecken.

Polarnacht in Hammerfest, Copyright: insidenorway

Polarnacht in Hammerfest, Copyright: insidenorway

Überhaupt ist die Polarnacht die Zeit zum runterfahren. Kein Wunder, denn die Sonne fehlt eben auch dem Körper. Regelmäßig habe ich während der Polarnacht schon um 14 Uhr nachmittags das Gefühl: Zeit zum Schlafen gehen. Das ist vor allem an den Tagen so, an denen noch nicht mal ein Hauch von Dämmerung über den Horizont kriecht. Eben dann, wenn der Himmel sich in ein dichtes Wolkenkleid hüllt. Ganz anders kommt die Polarnacht daher, wenn sternenklares Wetter herrscht. Dann gibt es wenigstens einen Hauch von Tag, einige Stunden dämmert es und man meint, gleich müsse die Sonne über den Horizont gucken. Aber sie ziert sich und verschwindet wieder ins Dunkel.

Manche Städte gefallen mir ja in der Polarnacht am besten. Tromsø zum Beispiel, dass ich anfangs nur in der Dunkelheit kannte, eingehüllt von Schnee, die Eismeerkathedrale zauberhaft angeleuchtet am Ende der Tromsøbrücke thronend. Tromsøs Beinamen „Tor zum Eismeer“ kann man erst dann so richtig fühlen. Genauso geht es mir mit Hammerfest. Ich finde es einfach zauberhaft, wenn man hoch über der Stadt steht und auf die erleuchteten Häuser und die  schneebedeckten Berge blickt.

Copyright: Shigeru Ohki / www.nordnorge.com / Tromsø

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Beim Nordkapp geht es mir ähnlich. Nicht, dass es im Sommer nicht auch zauberhaft ist, aber im Winter darf man sich hier so richtig der Natur stellen. Von der Nordkappinsel Magerøya sieht man natürlich nicht viel, es sei denn Mond, Schnee und sternenklar haben sich überlegt zu einer zaghaften Beleuchtung zusammen zu finden. Am beleuchteten Globus kämpft man mit dem Wind und der Kälte und freut sich darüber, dass man sich entgegen der Polarforscher jederzeit in die warme Nordkapphalle begeben kann. Amundsen und Co. mussten das an andere Stelle über Monate aushalten, fern jeder warmen Dusche.

Fazit: die Polarnacht sollte sich jeder einmal gönnen, es müssen ja nicht gleich volle drei Monate sein. Wer es tut weiß wie es ist das Sonnenlicht zu schätzen. Wenn es wieder kommt. Im Frühjahr. 🙂