Speed mit Spass oder: in Svolvær rockt die RIB-Safari

Ja, ich gebe zu: seit ich in Bodø das erste mal auf dem Speedboot war, ist das so etwas wie meine Leidenschaft geworden und wann immer ich die Möglichkeit habe, bin ich dabei. Diesmal hatte ich in Svolvær das Vergnügen. Wer auf die Lofoten reist, kommt ja nicht umhin sich in selbige zu verlieben. So ging es auch mir als ich das erste mal dort war. Die schroffe Felslandschaft begeistert mich immer wieder, ebenso wie der hohe Freizeitwert der Region.

Und heute ist mir auch das Wetter hold. Die Sonne strahlt vom Himmel, ein Tag wie geschaffen um mit ordentlich Geschwindigkeit über das Wasser zu jagen. Und ich habe die vage Hoffnung, dass es heute möglich ist, ohne diese lästige Sturmhaube ins Boot zu steigen, die einem, wenn man sie abnimmt, eine perfekte Helmfrisur beschert. Gut, wenn man in Norwegen zu Outdoor-Aktivitäten aufbricht, kommt es nicht darauf an, hinterher noch laufstegtauglich zu sein, aber da ich diesmal während meines Jobs als Reiseleiterin aufs Boot steige, finde ich es doch sehr angenehm, heute mal auf besagte Sturmhaube verzichten zu können. Die kostenlose Fönfrisur bekommt man ja trotzdem. 😀

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In den Overall schmeisse ich mich dennoch, schliesslich erfreut der Fahrtwind zuweilen mit kühlen Temperaturen. Heute sind wir nur fünf Mann im Boot, so dass wir zügig in Svolvær starten. Die MS Polarlys der Hurtigruten liegt uns gleich vor der Nase und es ist wirklich ein imposantes Bild sich gleich vor ihrem Bug auf dem Wasser zu befinden. Da ich von Speedboat-Touren gewöhnt bin, dass es eine feuchte Angelegenheit ist, lasse ich meine grosse Kamera an Land und packe nur das Handy ein. Schliesslich lässt sich das blitzschnell für ein Foto hervorholen und man kann es danach wieder hübsch im Overall verschwinden lassen. Dass ich mich dreissig Minuten später über meine Kamera an Land so richtig ärgere, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zunächst einmal tuckern wir gemächlich los. Kaum ist die Fischerinnenstatue am Hafenausgang in Sicht, geben wir ordentlich Speed. Herrlich. Man möchte vor Genuss die Augen schliessen, aber ich versuche das tunlichst zu vermeiden. Lofotenlandschaftskulisse und so. Alle Landschaftseindrücke in uns aufsaugend sausen wir zum Sandstrand. Das Wasser ist so türkisblau, dass man meinen könnte, man hält sich in der Karibik auf. Allerdings ist die Wassertemperatur nur etwas für die Harten. In zwölf Grad baden? Nein, ich verzichte.

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Wir fahren weiter und erspähen den ersten Seeadler. Jetzt, wo ich keine Kamera dabei habe. Genüsslich fliegt er über uns hinweg und beobachtet uns. Möglicherweise hofft er auf ein Fischleckerli. Kaum haben wir den Motor unseres Bootes ausgeschaltet, gesellt sich der nächste dazu. Und der nächste. Und der nächste. Alle versammeln sich auf einem kleinen Inselfelsen gleich neben uns und verfolgen uns mit Adleraugen. Auf adlerisch tönt es herüber, wann denn nun endlich der Fisch aufgetischt wird. Und tatsächlich. Wir haben Fisch dabei. Also eröffnen wir kurzerhand das Buffet und bald flattern sie betörend nah an unser Boot heran um die Köstlichkeiten aus dem Meer zu fischen. Mir fällt wieder ein, dass ich keine Kamera dabei hab. Grrrrrr! Immerhin gelingt es mir per Handy ein paar Videos zu schiessen. So nah bin ich noch nie an die stolzen Vögel herangekommen. In Ermangelung geeigneter Fotoausrüstung, erfreue ich mich dann heute daran, die Seeadler einfach zu beobachten. Und auch das ist fabelhaft.

Nachdem unser Fisch aufgebraucht ist, fahren wir weiter zur kleinen Inselgruppe Skrova, die sich in den Vestfjord erstreckt. Bei gutem Wetter wie heute blickt man bis zum Festland und auf die Lofotenwand. Sagenhaft!

Auf Skrova ist natürlich eins Hauptthema: die Fischerei. Wie könnte das auch anders sein. Schliesslich handelt es sich hier auch um eine ehemalige Hochburg der Lofotfischerei. Dorsch und Seelachs sind hier jedoch inzwischen nicht mehr Hauptakteur, jetzt ist der Lachs Trumpf. In riesigen Becken wartet er vor der Inselgruppe auf seinen Weg in Kochtopf und Backofen. Ja, so ein Lachsleben endet anders, als er es sich wahrscheinlich vorgestellt hat. Fischkarma. Auf jeden Fall aber trägt er dazu bei, dass so gut wie jeder auf Skrova irgendwie von der Lachszucht lebt, die örtliche Fischfabrik fährt ihn in rauen Mengen per LKW überall dorthin, wo er auf dem Teller landet. Nirgendwo in Norwegen ist die Millionärsdichte so hoch wie auf Skrova. Merke: Lachs scheint reich zu machen, zumindest hier. Wer also noch nach dem passenden Millionärssohn sucht, sollte einen Flirt bei einem Kaffee erwägen. 😉

Zeit nun um zurück nach Svolvær zu fahren, auch diesmal mit ordentlich Speed. Neptun geizt heute mit den Wellen und mein Rücken dankt mir sehr, dass wir nicht alle zwei Meter in ein Seegangloch fallen. Und dann sind wir auch schon wieder am Kai. Wie immer war die Tour viel zu kurz und ich könnte gleich nochmal. Jedenfalls bin ich auf den Lofoten nicht zum letzten mal Speedboot gefahren.

Fazit: dazu lässt sich nichts anderes sagen als AUSPROBIEREN!

Wo Enten glücklich und Daunenbetten heiss begehrt sind – das Vega-Archipel

Es ist mal wieder Zeit eine neue Region meines Lieblingslandes zu erkunden. Das Vega-Archipel scheint mir dafür hervorragend geeignet, zumal die Helgelandküste sowieso zu meinen Lieblingen gehört. Dieses Jahr glänzt der Sommer ja eher nicht mit sonnentechnischen Höhenflügen, aber ich habe mir einen Tag ausgeguckt, der wohl sowas wie ein Hitzeausnahmezustand ist.

Los geht es in Sandnessjøen. Ich steige also aufs Schnellboot, das mich nach Vega bringt. Wo man in den vergangenen Tagen noch eher im Schiffsbauch gekauert hat, lässt es sich heute prima an Deck aushalten. Die Sonne hat heute ordentlich aufgeheizt und der Fahrtwind ist geradezu eine Wohltat. Aber ich will mich mal nicht beschweren. Vorbei geht es an den Gipfeln der sieben Schwestern, die heute wolkenfrei in voller Pracht erstrahlen. Nachdem sie sich die letzten Monate allzuoft in einer Nebel-Wolken-Hülle verborgen haben, dachte ich schon, sie seien kurzfristig umgezogen. Aber nein, es gibt sie noch. Auf dem Weg zum Archipel passieren wir unzählige kleine Inseln. Die meisten sind lange nicht mehr bewohnt. Aber gelegentlich gibt es noch das ein oder andere Eiland, das immer noch Wohnsitz von ruhebedürftigen Norwegern ist. Der Einsamkeitsliebhaber geht hier seiner Schafzuchtleidenschaft nach und hält sich allerhand Federvieh. Nun ja, für alles andere, was der Norweger zum täglichen Leben braucht, nimmt er das hauseigene Boot um damit zum nächsten Supermarkt an der Küste zu sausen. Als dauerhaftes Lebensmodell nicht meine bevorzugte Variante, aber für einige Zeit abschalten lässt sich hier allemal.

Allein aber nicht einsam, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Vega. So ziemlich alle drängeln sich mittlerweile draussen und lassen sich den Fahrtwind um die Nase wehen. Hat fast etwas von Mittelmeerfeeling heute. Nach einer guten Stunde legen wir auf der Hauptinsel des Vega-Archipels an. So ziemlich jeder Einwohner versichert mir, dass es sich heute um den mit Abstand wärmsten Tag des bisherigen Sommers handelt. Ich glaube das sofort und könnte mich hier gleich in eine gemütliche Hängematte legen, mit herrlichem Blick aufs Meer. Aber erst will ich ja etwas über die Eiderenten erfahren, die hier sozusagen im Vogelparadies leben. Deshalb geht es zunächst ins Museum und ich lerne allerhand über die Tierchen und ihre fabelhaften Daunen. Die Einwohner bereiten den Eiderenten einen heimeligen Nistplatz, wobei die Ente an sich eher die bereits eingewohnte Behausung bevorzugt und die neu gebaute gerne links liegen lässt. Alljährlich kommen sie zur Immobilienbesichtigung auf das Archipel und gucken sich die für sie perfekte Wohnung aus. Ja, als Eiderente ist man eben wählerisch.

Das Nest wird stattlich mit getrockneten Algen ausgepolstert. Sehr praktisch, weil diese sich nicht in den Daunen verfangen und die Reinigung entsprechend leichter fällt, bevor sie weiter verarbeitet werden. Netterweise reisst die Eiderente sich die Daunen selber aus, wenn die Eier ausgebrütet werden und da sie keine Verwendung mehr dafür hat, wenn die Kleinen geschlüpft sind, nimmt sich eben der Mensch der weichen Pracht an. Die Ente dankt es ihm durchaus und schätzt den Schutz des Menschen gegen Nerz, Otter und Rabe, allesamt stets auf der Suche nach einem Ei, das man ausschlürfen kann. Und wo es den Räubern gelingt, sucht die Eiderente das Weite und bevorzugt fortan ein anderes Plätzchen zum Nisten.

Eiderente, Copyright: hannahsfotofantasie

Sind die Kleinen flügge, braucht die Eiderente die Daunen nicht mehr und stellt sie grosszügig zur Verfügung. Mist, dass alles, was nicht hinein gehört, erst einmal mühsam herausgeschüttelt werden muss. Bis sie den Ansprüchen als Daunenbettfüllung genügen, dauert es gut und gerne vierzehn Tage, denn jeder noch so kleine Fremdkörper muss herausgefiltert werden. Mühselig. Aber das erklärt dann auch, warum man für eine fertige Daunendecke ca. 5.500,- Euro hinblättern muss. Auch wenn der Preis Schnappatmung verursacht, muss man sich mit einem Platz auf der Warteliste begnügen, wenn man eine sein Eigen nennen will. Wer die Daunen jedoch einmal in der Hand hatte, unterschreibt jederzeit, dass er noch nie etwas Weicheres gefühlt hat.

Reinigung der Daunen, Copyright: insidenorway

Nach meinem Schnellkurs in Eiderentenwissenschaft, geniesse ich das idyllische Flair der Insel. Die typisch roten Häuser und das warme Sommerwetter verleiten einen dazu sich gleich zwei Wochen hier einzumieten. An Entspannung mangelt es einem hier bestimmt nicht. Ich geniesse also den Blick auf das Wasser und die malerischen Hütten und fast scheint es so, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Den anderen Besuchern, die an diesem Tag auf Vega weilen, geht es offensichtlich ebenso und wir schwärmen uns gegenseitig von möglichen Wander- und Kajak-Touren auf der Insel vor.

Dummerweise vergeht die Zeit viel zu schnell bis der Linienbus auftaucht, der mich nach Gladstad bringt, wo auch schon das Schnellboot nach Brønnøysund wartet. Aber ich geniesse die kurze Fahrt und erfreue mich an der Blütenpracht und der malerischen Bergkulisse auf der Insel. Auf der Fahrt nach Brønnøysund sausen wir wieder durch die zauberhafte Schärenlandschaft der Helgelandküste. Ach, man könnte auch hier noch ewig entlang fahren. Aber jede schöne Tour geht auch mal zu Ende.

Fazit: wer Gelegenheit dazu hat, sollte unbedingt einen Abstecher zum Vega-Archipel unternehmen. Norwegenidyll könnte kaum schöner sein!

Gletscherglück am Polarkreis – am Svartisen trifft Landschaftsfeuerwerk auf Eiszeit

Also in Norwegen tummeln sich ja so einige Gletscher. Der zweitgrößte ist der Svartisen. Grund genug, ihm einen Besuch abzustatten. Von Ørnes aus mache ich mich auf den Weg und bin gespannt, wieviel Eis sich denn da so den Berg hinab wälzt. Die meisten Gletscher sind ja eher von der Sorte rückläufig, da die Erderwärmung ihnen allgemein nicht zuträglich ist.

Nun ja, zunächst mal lege ich ein paar Kilometer mit dem Boot zurück um zum Svartisen zu gelangen. Die Küste ist hier einfach zauberhaft und die ganze Gegend um Ørnes herum gehört sowieso zu meinen liebsten Küstenabschnitten. Ich liebe die lauschigen Inseln, vor denen die kleinen Boote schlafen. Eine gute dreiviertel Stunde sausen wir mit dem Boot Richtung Gletscher. Und siehe da, auf einmal zeigt er sich. Zuerst noch zaghaft hinter der Felskuppe, dann in voller gletscherblauer Pracht. Ok, ich gebe zu, wer in Grönland oder auf Spitzbergen war, wird beim Anblick nur müde lächeln, ob der vergleichsweise lächerlich mickrigen Eismenge. Aber wenn man sich unvoreingenommen an den Svartisen heran arbeitet, erzeugt er schon eine gewisse Ehrfurcht. Jedenfalls finden das bei uns im Boot so ziemlich alle. Die Sonne hat sich netterweise zu uns bequemt und bringt das blaue Eis auf der Gletscherzunge zum strahlen.

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Copyright: insidenorway

Mucksmäuschenstill ist es auf einmal. Ja in so einem Moment ist man eben doch naturandächtig. Nun aber erst einmal mit dem Boot anlegen und näher ran. Schließlich will man das Eis in vollem Umfang geniessen. Ein drei Kilometer langer Wanderweg führt bis an den Gletschersee. Auch hier muss man pausenlos links und rechts gucken, weil man einfach in Verzückung gerät, so schön ist die Landschaft. Und auch, dass ich mich geographisch nördlich des Polarkreises aufhalte, ist temperaturmässig heute eher nicht spürbar. Quasi alle zehn Meter muss man ein Kleidungsstück abwerfen. Warm ist es. Am See angekommen habe ich mich dann des Zwiebellooks komplett entledigt und wäre für einen Kleidungssklaven zu haben, der mir den ganzen Kram abnimmt. Inzwischen hat die Sonne die Wolken ins nirgendwo geschickt und sie scheint, 24 Stunden im Moment. Als geologischer Dummie finde ich ja faszinierend, dass die Sonne den Gletscher nicht einfach in ein paar Stunden wegschmelzt. Aber bei 200m Eisdicke haben sich die Eismoleküle wohl so miteinander verbandelt, dass sie der Sonne trotzen, zumindest der Grossteil.

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Nähe Svartisen, Copyright: insidenorway

Am See angekommen, strahlt es türkis. Das Gletscherwasser, das den See gebildet hat, spielt hier wirklich optisches Farbenfeuerwerk. Deshalb: hinsetzen, herumgucken, geniessen. Eigentlich könnte man hier stundenlang sitzen bleiben. Ja und da ist es wieder: das Bewusstsein, dass Norwegen in punkto Natur bei der Schöpfung der Welt ziemlich gut abgeschnitten hat. Um den See optisch zu überbrücken ist das Fernglas hier Gold wert – oder das Tele-Objektiv. Das lässt einen so richtig in die Struktur des Eises blicken. Das mit den zweihundert Metern Dicke finde ich jetzt noch faszinierender, stellenweise türmt sich das Eis auch auf achthundert Meter auf. Die Gesamtmenge, die da so den Hang hinab fliesst, mag ich mir gar nicht vorstellen. Aber sie ist auch nicht wichtig um diese Naturgewalt eindrucksvoll zu finden. Das Eis, von dem der Svartisen seinen Namen hat aber, nämlich die tiefblaue Farbe der inneren Eisschichten, hält der Gletscher allerdings geheim.

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Copyright: insidenorway

Nach der ausgiebigen Pause am Gletschersee geht es zurück. Eigentlich könnte man sich jetzt bereits zufrieden zurücklehnen und von der gewaltigen Natur zehren, aber die Rückfahrt hält noch ein zusätzliches Bonbon bereit.

Möwen scharen sich heute in rauen Mengen um unser Boot. Die Vögelchen an sich sind ja noch kein so außergewöhnliches Ereignis, denn sie fliegen ja bekanntlich in Scharen überall in Norwegen herum. Heute jedoch locken sie mit ihrem Geschrei den König der Lüfte herbei. Familie Seeadler befindet sich im Moment bei der Brutpflege und Klein-Adler braucht etwas leckeres in den Schnabel. Und wo Möwen sind, ist Nahrung nicht weit. Zeit für Familie Adler nachzuschauen, ob der ein oder andere Fisch drin ist. Und so kreisen sie denn auch galant über uns um nach Seeleckereien Ausschau zu halten.

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Copyright: insidenorway

Die Taktik „kreisen, Sturzflug, Fisch angeln, verschwinden“ ist nicht gerade das, was man sich wünscht um sie fotografisch zu erwischen, aber Fotoshootings stehen eben nicht auf Adlers To-do-Liste. Trotzdem flattern sie uns freundlicherweise ein paarmal eindrucksvoll vor die Linse. Die restliche Zeit geniessen wir mit den Augen diese unglaublich schönen stolzen Vögel. Bleibt auch vielmehr im Herzen! ❤

Nach der der überaus eindrucksvollen Flugshow geht es dann aber im Sauseschritt zurück, wir sind randvoll gefüllt mit Natur der Extraklasse. Fazit: auch wenn der Svartisen-Gletscher sicherlich nicht zu den flächenmässig grössten der Welt gehört, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Zum Staunen, zum Entschleunigen, für das Norwegenglück, um seinen Moment inside Norway zu finden! ❤ 🙂

Der 17. Mai – wenn Norwegen sich selbst feiert

Und schon wieder war es gestern so weit. Norwegens Nationalfeiertag stand an. Ich habe mir den Luxus gegönnt ihn gleich in zwei Städten zu feiern. Praktischerweise bin ich wieder mal jobmässig auf der Hurgtigrute unterwegs und das Schiff fährt mich bequem an der Küste entlang. So auch gestern. Nachdem ich letztes Jahr in Honningsvåg so ziemlich die einzige war, die fleißig die norwegische Flagge geschwenkt hat, hatte ich die vage Hoffnung, dass 2017 mehr Nationalfeiertag ist – zumindest da, wo ich mich aufhalte. Wenigstens kann ich so die Oslo-Sehnsucht klein halten, denn für gewöhnlich ist da die ganze Stadt auf den Beinen und man hat zuweilen das Gefühl, dass die norwegische Flagge an diesem Tag zum essentiellen Bekleidungsmodus gehört.

Doch von vorne. Bei uns auf dem Schiff waren jedenfalls die Frühaufsteher gefragt, denn bereits um 6:45 Uhr stand in Harstad der Chor Spalier, der uns mit frühmorgendlichem Gesangsprogramm beglückt hat. Zum Festtag haben alle ihre Tracht, die Bunad, rausgekramt. Dass wir feierlich Norwegens Flagge am Heck gehisst haben, versteht sich von selbst. Kurz durchschnaufen bis Finnsnes. Mittlerweile befinden wir uns mit dem Schiff ja 300km nördlich des Polarkreises und alle schielen natürlich auf den Wetterbericht. Der Norweger ist es gewohnt, dass am Tag, wo er sein Land feiert, eher  bescheidenes Wetter herrscht und er trägt es mit Fassung. Keiner lässt sich von niedrigen Temperaturen diktieren, eine Jacke über die Tracht zu ziehen. Man beißt die Wikingerzähne zusammen. Aber Finnsnes überrascht uns. Die Sonne hat sich überlegt ihre Strahlen zu uns zu lenken.

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Schon beim Anlegen Blaskapellenseligkeit, man könnte meinen das ganze Städtchen hat sich zusammen gerauft um unser Schiff willkommen zu heissen. Mit Schiffsbanner bewaffnet reihen wir uns ein in den Festumzug. Nicht nur viele von der Crew, auch der Großteil der Gäste genießt es durch Finnsnes zu ziehen, zumal den Straßenrand jubelnde Norweger säumen. Auch für mich ein ganz neues Erlebnis, denn in Oslo habe ich bis jetzt eher zu denen gehört, die ebenfalls am Straßenrand Fähnchen schwenkend „hipp hipp hurra“ rufen. Zwischenzeitlich ziehen wir Jacken und darunter befindliche Fleece-Oberteile aus, so warm ist es.  Schließlich sind wir in der Arktis und die ist ja bekannt für T-Shirt-Wetter. 😉 Ablegen um halb zwölf? Das wird heute nichts. Festtag geht vor Pünktlichkeit.

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Nach dem Umzug fahren wir mit halbstündiger Verspätung brav weiter Kurs Nord. Tromsø winkt und wir sind alle gespannt auf das Festtagstreiben hier. Den guten Draht zum Wettergott haben wir allerdings irgendwo auf der Fahrt verloren. Es regnet. Immerhin sind wir so wieder in der 17.-Mai-Wettervertrautheit. Auch hier steht eine Blaskapelle am Kai Spalier und spielt, was das Zeug hält. Den restlichen Platz haben die Tromsøer in Beschlag genommen, sie gieren nach dem Kuchenbuffet, dass bereits im Schiff wartet. An Deck heißt es bald: wegen Überfüllung geschlossen.

Wir hingegen hüpfen gleich in die Stadt, die heute ebenfalls zum bersten voll ist. Auf der Hauptstraße gibt es alles, was das Herz begehrt und viel Kalorien hat, aber wer wird am 17. Mai denn aufs Gewicht achten. Waffeln und Pølser locken an jeder Ecke und natürlich Eiscreme, die heute gefühlt tonnenweise geschleckt wird.

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Im Regen geht es dann auch los zum Kongsbakken. Aufstellen und so. Alle Gruppen sammeln sich hier und lassen sich während des Wartens schon mal nassregnen. Ich wünschte, ich wäre eine Tuba, dann hätte ich eine hübsche Regenhülle. Während ich noch überlege ab jetzt schlecht gelaunt zu sein, geht es auch schon los. Und da mich nach zwei Minuten gleich wieder der Festtagsmodus packt, sind nasse Haare und kalt dann doch ziemlich egal. Auch hier hat sich die ganze Stadt versammelt um dem Zug zuzuwinken. Vom Straßenrand und aus jedem geöffneten Fenster hört man „hurra“. In Tromsø machen wir dann auch die große Runde. Vorbei am Polaria, dem Aquarium der Stadt, wir passieren die Mack-Brauerei und biegen schließlich auf den Marktplatz ein,  auf die Eismeerkathedrale blickend, die am Ende der Tromsøbrücke thront. Ja, so geht 17. Mai.

Nach zwei Umzügen mit winken, rufen und feiern sind wir müde, aber glücklich. Fazit: in zwei Städten den Nationalfeiertag begehen, hat was. Aber auch wer nur in einer Stadt feiert, erlebt etwas besonderes. Ein Volk, das sein Land liebt und das mit Stolz zur Schau trägt. Gratulerer med dagen!

Die Mitternachtssonne kommt zurück oder: war nicht eben noch Polarnacht?

Also dieses Jahr geht der Wechsel von Winter- auf Sommerhalbjahr gefühlt so schnell wie noch nie. Irgendwie war doch eben noch Polarnacht und man war um 14 Uhr bereits so schläfrig, dass man sich ohne Probleme dem Winterschlaf hätte hingeben können. Und in ein paar Tagen soll es schon wieder 24 Stunden hell sein? Wo war das ganze „dazwischen“ um von vollkommen inaktiv auf Sommerturbo umzuschalten. Der späte Winter ist es. Im Januar und Februar war ja von Schnee in ganz Norwegen kaum etwas zu sehen. Er hat sich aufgespart für März und April. Wie großzügig. Jetzt, wo man die weisse Pracht nicht mehr sehen kann, liegt das ganze Land unter einer meterhohen Schneedecke und die bereits verstauten Skihosen und Spikes kann man wieder aus dem Schrank holen. Och neeeee!

Nun ja, es hilft nichts, es sei denn man will frieren oder sich die Knochen auf ungestreuten Strassen brechen. Nichtsdestotrotz: die Mitternachtssonne steht in den Startlöchern und damit die Hoffnung, dass sie den Schnee doch ganz schnell wegschmelzen möge. Svalbard ist natürlich zuerst dran. Ok, ich gönne es der Inselgruppe, schließlich liegt sie auch am längsten im Polarnachtschlaf. Bereits in wenigen Tagen bleibt das Tageslicht für 24 Stunden eingeschaltet. Und da der arktische Sommer hier besonders kurz ist, konzentriert sich alles Aufblühen der Natur und die Vogelbrüterei auf wenige Wochen, wenn die Mitternachtssonne im absoluten Lichtrausch ist. Denn dann steht sie selbst um Mitternacht so am Himmel wie zur Mittagszeit. Zeit für die innere Uhr verrückt zu spielen.

Mitternachtssonne in Kjerringøy, Copyright: Roger Johansen / http://www.nordnorge.com / Bodø

Am Nordrand des Festlands lässt sie sich noch etwas Zeit mit dem Vollmodus, aber auch hier sind die Nächte bereits schon nur noch wenige Stunden lang. Am 11. Mai heisst es dann auch hier: Feuer frei. Von da an arbeitet sich der Dauerhaft-wach-Modus zügig nach Süden. Immer wieder kommt es ja vor, dass der Norwegen-Tourist denkt, die Mitternachtssonne sei eine nächtliche Erscheinung und ist womöglich enttäuscht, dass es sich lediglich darum handelt, dass die Sonne nicht mehr unter den Horizont sinkt. Aber obwohl die Mitternachtssonne für den Norweger im Sommer zum Alltag gehört, ist sie trotzdem auch etwas besonderes. Nach dem langen Winter ist sie der Energiequell, der einen die nächste Polarnacht überstehen lässt. Ein Energievorrat sozusagen. Schon die Rückkehr der Sonne wird ja bereits gefeiert, wenn sie im Frühjahr endlich wieder über den Horizont klettert. Im Sommer feiert der Norweger nicht den konkreten Zeitpunkt, sondern seine überschüssige Aktivität. Es ist wie erwachen aus dem Winterschlaf. Und deshalb schläft der Norweger im Sommer wenig und investiert seine Zeit in alles, was man draussen tun kann.

Vestvagøy, Lofoten, Copyright: Kristin Folsland Olsen / http://www.nordnorge.com / Vestvågøy

Das nennt man in Norwegen wie auch im übrigen Skandinavien Friluftsliv. Also die Norweger frönen der Freude am Draussensein – das meint Friluftsliv – zwar auch in der kalten Jahreszeit, aber im Sommerhalbjahr schalten sie den Turbo ein. Von Beeren pflücken bis angeln, kochen unter freiem Himmel, ausgedehnte Bergtouren, alles, was in der Natur möglich ist, ist Programm. Dabei ist es nicht zu vergleichen mit dem Begriff „Outdoor“, nein, der Norweger hält sich im Sommerhalbjahr wirklich mehr drinnen als draussen auf. Er will nicht nur draussen sporteln, sondern die Natur wirklich erleben. Ganzheitlich. Natürlich geht er trotzdem seiner Arbeit nach, denn ohne Kronen kein Freizeitvergnügen. Aber kaum schlägt die Uhr Feierabend, ist er auch auch schon draussen, macht sein Boot startklar und genießt Fjord und Fjell. Liegt ja schließlich auch alles vor der Haustür. Äußerst praktikabel. Das Schöne daran: es ist förmlich ansteckend. Selbst ich als absoluter Sportmuffel lasse mich regelmässig zu Sport hinreissen, wenn ich dazu die Norwegenlandschaftskulisse bekomme. Aber auch ohne körperliche Ertüchtigung bin ich im Sommer am liebsten draussen, auch da ist Norwegen einfach ansteckend und keiner kann sich diesem Ruf der Natur verweigern.

Fazit: jeder sollte diesem Ruf einmal folgen, aber Vorsicht. Eine Heilung vom Virus gibt es nicht! 🙂 ❤

Nordlicht & Sterne oder: wie man mächtig Spass auf der Hurtigrute hat!

Elf Tage auf der Hurtigrute und wir hatten eine fulminante Reise. Das lag nicht zuletzt an den Gästen, die die Reise genossen haben. Keiner liess sich von schlechtem Wetter die Laune verderben. Obwohl: soooooo schlecht war das Wetter gar nicht! Das Nordlicht hat uns etwas hängen lassen, aber ein paarmal war es uns hold. Danke an alle Gäste für eine fantastische Tour!!!!!

Der Heiz-Elan des Norwegers oder: Tropenheim, Glück allein….

Von Natur aus bin ich ja ein ziemlicher Hitzeknubbel, aber im Winter pflege auch ich mich für gewöhnlich warm eingepackt draußen aufzuhalten. Wehe ich muss in ein Geschäft, denn dann fängt nach gefühlten dreißig Sekunden der Schweiss an zu fließen. Nun ja, dass kannte ich durchaus auch von Deutschland, aber als ich nach Norwegen kam, lernte ich eine neue Form von Wärme kennen. Die Tropen in Innenräumen. Ja, der Norweger hat es eben gerne warm in seinen heimischen Räumen, und nicht nur da. Auch öffentliche Gebäude und Ladenlokale erfreuen sich innen tropischer Temperaturen. Schließlich ist es ja draußen hin und wieder so kalt, dass man sich über jede temporäre Erwärmung freut und je weiter man gen Norden reist, desto weniger erwärmt sich der Sommer auf ein T-Shirttaugliches Maß. Kurzerhand schafft sich der Norweger also seinen kleinen Privatsommer in seinen vier Wänden, schließlich ist das Thema Heizkosten ja nicht das finanziell drängendste. Geheizt wird mit Strom, denn davon gibt es reichlich. Der Urnorweger hat sich bei Holz und Wasser in der Schöpfungsphase ganz vorne angestellt. Nur wusste er da noch nicht, dass ihm das ein paar tausend Jahre später das muggelige Heim bescheren würde, das mit seiner Wärme des Norwegers Herz erfreut.

Holz war ja dann auch lange Zeit die Hauptquelle der Energieerzeugung, aber irgendjemand kam auf die Idee es doch einmal mit Wasserkraft zu versuchen. Nun ja, wenn etwas im Überfluss in Norwegen vorhanden ist, dann Wasserfälle, die sich überall herunterstürzen, wo man sich herunterstürzen kann. Zum Wohle der Elektrizität werden sie dann auch gelegentlich mal umgeleitet, der Mardalsfossen in der Provinz Møre og Romsdal darf schon geraume Zeit nicht mehr fließen wie es ihm beliebt. Immerhin wird er im Sommer für ein paar Wochen für die Touristen „freigeschaltet“, so dass sie sich an seinem ursprünglichen Fallweg erfreuen können. Unberührte Natur und so. Ja, da ist es wieder. Das alte Problem, natürliche Ressourcen nutzen gegen unberührte Natur erhalten.

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Mardalsfossen, Copyright: Tadas Pakalniskis

Der Norweger ist natürlich äußerst erfreut über soviel Strom im Überfluss. Und Fluss kann man hier wirklich wörtlich nehmen, denn bis heute deckt Norwegen seinen Energiebedarf im Löwenanteil aus eigener Wasserkraft. Das führt dann eben zwangsläufig zu besagtem Privatsommer im trauten Heim und zu einem bis zu achtmal höheren Stromverbrauch im Vergleich zu deutschen Haushalten. Da man auch gerne mal auf zweihundert Quadratmetern wohnt, kann sich jeder vorstellen, was da im Monat so an Strom durchgejagt wird. Aber warm ist ja nicht das einzige Maß aller Dinge. Denn wo Wärme wohnt, sehnt sich der Norweger auch nach Licht. Ist ja auch logisch, wo doch im Winter die Sonne das Land eher spärlich beglückt. Und der Norweger ist da sehr konsequent. Als ich nach Norwegen kam, war ich gewohnt, brav das Licht auszuschalten, wenn ich einen Raum verlasse. Von Freunden erntete ich irritierte Blicke. Licht aus? Ach woher denn, wenn man auch in der Toilette und im Abstellraum Festbeleuchtung haben kann. In der Küche brennt gerne die ganze Nacht über das Licht, dann sieht man wenigstens auch gleich, wo der Kühlschrank ist, wenn man des nachts Appetit auf ein Nugattibrot bekommt. Ja, was wenig kostet, lässt einen zuweilen dazu neigen, damit verschwenderisch umzugehen.

Aber das Stromding geht noch weiter. Als ich zum ersten mal nach Tromsø kam, im Winter, lag die Stadt im Schnee und hielt Winterschlaf. Bis auf die Gehwege. Die präsentierten sich hübsch und schneefrei um die Passanten mit der Möglichkeit unbeschwerten Laufens zu erfreuen. Ok, dachte ich, da hat jemand besonders sorgfältig geräumt. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Norweger gemacht. Wenn man schon Energie im Überfluss hat, ist es doch eine hübsche Winterannehmlichkeit, die Gehwege einfach mit einer Fußbodenheizung zu versehen. So braucht sich keiner mit lästigem Schnee schippen abzumühen und man muss sich auch nicht über so viel gebrochene Knochen beklagen. Ich habe mich dann auch nicht mehr gewundert, als bei uns in Oslo der Bryggetorget im Stadtteil Akerbrygge mit der elektrischen Schneeschmelze beglückt wurde. Praktisch, winterlich, gut. Und was der Norweger für gut befindet, adaptiert er auch gerne für sein zuhause. Der ein oder andere entschied, dass er selbige Annehmlichkeit auch unbedingt für seine private Einfahrt braucht. Winterluxus.

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Beheizte Gehwege in Tromsø, nur die Strasse bleibt schneebedeckt, Copyright: Insidenorway

Inzwischen ist Norwegen am Rande seiner Kapazitäten angekommen. Wo man vor Jahren flugs ein neues Kraftwerk aus dem Boden gestampft hat um den Mehrbedarf zu decken, sagt die Natur jetzt: nö. Mehr Flüsse und Wasserfälle als vorhanden, kann man eben nicht umleiten. In punkto Stromversorgung ist aus staatlich mittlerweile privat geworden und der Norweger muss mit den Unannehmlichkeiten leben, wenn es mal wenig regnet: höhere Strompreise. Und wenn etwas eingedämmt werden soll, denkt der norwegische Staat ja auch gerne mal nach, in seinen Augen Unnötiges, mit einer Luxussteuer zu belegen. Zum Beispiel beheizte Auffahrten. 😉

Aber wenn es eng wird ist der Norweger ganz Wikinger und besinnt sich auf neue Möglichkeiten. War da nicht was mit Holz? Zurück also zur Tradition. Mittlerweile erinnern sich viele Norweger wieder daran, dass sich mit Holz prima heizen lässt und machen sich sogar auf, selbiges zu hacken. Wundert da irgendjemand, dass das meistverkaufte Buch des Jahres 2011 eine Anleitung zum Hacken, Stapeln und verfeuern von Holz war? Nein!

Auf die Tradition! 😉 🙂

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Wintervorrat, Copyright: Maria Helen

Hotel im Norwegenhimmel oder: mehr Natur geht nicht !

Ok, für jeden stellt sich ja die Frage: wo im Urlaub übernachten. Also dachte ich mir: warum nicht mal ein paar Hotelhighlights testen. Davon gibt es schließlich einige übers Land verteilt. Ich gebe allerdings zu: gleich zwei meiner Lieblingsübernachtungsplätze liegen in der Provinz Møre og Romsdal. Diese Provinz kann man aber eben nicht NICHT lieben, weil sich hier die Natursehenswürdigkeiten die Hand geben. Einer meiner absoluten Hotellieblinge ist ja das Juvet Landscape, gelegen in der Nähe des Storfjords in der Kommune Norddal. Nun gut, fast jeder stellt die Frage: wie denn hinkommen, wenn ein Hotel so mitten in der Natur liegt. Ja, das war bei mir auch der Fall. Im Flieger lässt sich das Auto prinzipiell eher weniger gut mitnehmen. Und wenn man schon mal da ist, will man ja auch die Naturhighlights der Provinz Møre og Romsdal sehen, die in unmittelbarer Nähe liegen, also Mietwagen? Nun ja, mir gefällt die Anreise per Zug von Oslo bis Åndalsnes und der Transfer, den das Hotel organisiert um einen ins Naturparadies holen. Da wird die Entspannung dann auch durch nichts getrübt.

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Juvet Landscape Hotel, Copyright: Espen Mills/Matlangsnasjonaleturistveger.no/Visitnorway.com

 Naturparadies ist bei diesem Hotel dann auch nicht übertrieben! Bereits wenn man die Zimmer sieht, befindet man sich im Entspannungsmodus. Wie soll das auch anders sein, wenn zwei Wände aus Glas bestehen und man quasi mitten in der Landschaft sitzt. Will ich da noch viel rumfahren oder doch lieber ein paar Tage den Panoramablick in mich aufsaugen. Außerdem kann man vom Hotel problemlos zu Fuß zur ein oder anderen Wanderung starten, wenn man auto-los dort weilt. Und da ich per se kein Freund von Großhotelanlagen bin, ist mir das Juvet Landscape noch dreimal sympathischer. Bei 35 Gästen ist Schluss, denn bei diesem Status ist ausgebucht. Würde ja auch kaum zu diesem Fleckchen Norwegen passen, wenn sich hier tausende von Hotelgästen die Klinke in die Hand geben würden. Frühstück gibt es hotelunüblich erst ab neun, was mir sehr entgegen kommt, denn schließlich will ich im Urlaub nicht um sechs aus dem Bett springen. Und auch dass man sich nach Herzenslust beim Frühstück ein Lunchpaket packen kann ist für mich etwas neues. Mit gleichgesinnten Naturliebhabern sitzt man also unkonventionell an langen Tischen, so dass man jederzeit Kontakte knüpfen kann. Anonym bleibt hier keiner. Kein Problem also sich hier auch alleine für ein paar Tage einzuquartieren. Einsam bleibt man auf jeden Fall nicht. www.juvet.com

Da das Juvet Landscape aber nicht zu den preiswertesten Übernachtungsmöglichkeiten gehört, hab ich mich zusätzlich nach einer günstigen Variante umgeschaut – und die Øverås-Hütten gefunden. Direkt gelegen am Eikesdalsvatnet, der für mich zu den schönsten Seen in der Provinz Møre og Romsdal gehört. Auch hier stehen die Hütten quasi mitten in der Landschaft, fünf an der Zahl, so dass man auch hier nicht von Touristenüberfüllung sprechen kann. Ja, da schlägt das Herz des Naturfans gleich höher. Ok, keine Panorama-Glasfenster und Überluxus, eher gemütlich skandinavisch eingerichtet mit viel Holz und während man sich das Frühstück zubereitet, schaut man mal eben auf den See und die umliegende Bergkulisse. Ja, das hat was von Ich-hab-das-Gefühl-ich-wohne-hier. Man fühlt sich eben nicht so richtig als Hotelgast. Ich finde ja, dass genau das auch einen besonderen Reiz hat.

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Eikesdalsvatnet, Copyright: Birgit Nordmøring

Allerdings finde ich ein Auto hier unverzichtbar, weil in unmittelbarer Nähe einige Landschaftsrouten winken und man sich eben überhaupt ein wenig abseits der Hauptattraktionen der Provinz, eben dem Trollstigen und der Gudbrandsjuvet, bewegen kann. Das übliche kann doch jeder. Allein der nahegelegene Eresfjord könnte zauberhafter nicht sein. Im Sommer kommt man außerdem in den Genuss des Mardalsfossen, einer der höchsten Wasserfälle Europas. Den freien Fall hat man ihm allerdings abgewöhnt, er tut seit fast fünfzig Jahren seinen Dienst als Stromerzeuger und deshalb wurde ihm ein anderer Fließweg zugewiesen. Von Ende Juni bis Ende August darf er sich allerdings an seinem alten Platz in die Tiefe stürzen.  www.overaas-hytteutleie.com

Andere Region, anderes Übernachtungserlebnis. Es geht nach Norden. Auf halber Strecke zwischen Bodø und Narvik liegt der Tranøy fyr. Ich finde, einer der schönsten Leuchttürme in Norwegen. Da das mit dem Beruf des Leuchtturmwärters ja nicht mehr so aktuell ist, hat man kurzerhand ein Hotel draus gemacht. Im Leuchtturm selbst kann man leider nicht übernachten, denn er leuchtet immer noch den Schiffen vor der Küste den Weg. Glücklicherweise gibt es ja die zugehörigen Keeper-Häuser und hier kann man dann auch dem Übernachtungsglück fröhnen. Ich persönlich finde ja schon die Anfahrt einfach traumhaft, denn wie es bei Leuchttürmen so ist, liegt er exponiert auf einem Inselchen, auf das man über eine Brücke gelangt.

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Copyright: Kjell Fredriksen / http://www.hamsuns-rike.no / Hamarøy

Ohne Auto ist man hier allerdings ziemlich aufgeschmissen. Man muss sich dann doch auf die E6 bequemen, den RV81 und den RV665 hinter sich bringen, bis man am Leuchtturm ankommt. Mit Zug etc. ist hier eben nichts mehr zu reißen, in Bodø endet das Streckennetz, nun gut. Die Landschaft ist aber wirklich spektakulär, man blickt auf den Vestfjord und bei gutem Wetter scheinen die Lofoten so nah, dass man meint rüber schwimmen zu können. Die Gästehäuser rund um den Leuchtturm drapieren sich wie ein kleines Dörfchen auf der Insel und die Zimmer sind zauberhaft eingerichtet. Eben für den Freund der typisch norwegischen Wohnkultur. Ich bin ja immer ein Ich-koche-selbst-Freund und mag wenigstens eine eigene Kochplatte. Im ein oder anderen Zimmer gibt es denn auch eine Mini-Küche, wer mag kann aber auch ohne Kochgelegenheit mieten und sich den Fisch im angrenzenden Restaurant schmecken lassen. Schließlich ist man hier ja sozusagen in einer Fisch-Hochburg. Quasi wie fast überall in Norwegen. Dass man sich hier außerdem den Naturaktivitäten hingeben kann, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Über der Region kreisen gerne die Seeadler und allerhand anderes Vogelvolk und wer bislang noch nicht das Kayaking ausprobiert hat, sollte hier unbedingt damit anfangen. www.tranoyfyr.no

Etwas weiter südlich, in Nordskot, liegt eine kleine Anlage von Panorama-Hytten, die ebenfalls zu meinen absoluten Favoriten gehört. Hier sitzt man ganzjährig hinter Panoramaglas und im Winter hat man hier DAS Nordlicht-Erlebnis überhaupt. Ok, auch hier muss man ein Fan von modernen Bauten sein, ähnlich wie im Juvet Landscape gibt es nicht die Rorbuer-Holzhaus-Glückseligkeit, dafür aber teilwiese eine abenteuerliche Bauweise, die über das Wasser hinausragt. Doch von vorne. Während ja „ohne Auto“ in manchen Unterkünften keine Option ist, kann man Manshausen tatsächlich mit den Öffentlichen erreichen. Also ab in den Flieger bis Bodø. Zum Fähranleger muss man dann ein Taxi bemühen, es sei denn, man ist begeistert von Spaziergängen mit Koffer. Während der neunzigminütigen Fährfahrt kann man schon fleißig Landschaft in sich aufsaugen. In Nordskot selbst kann man sich mit den nötigsten Lebensmitteln versorgen, denn obwohl der Ort winzig ist, hält der Supermarkt alles Wichtige bereit. Ich liebe diese Selbstversorger-Variante, weil so viel mehr Zeit bleibt für die Natur-Aktivitäten und man keine Zeit mit Restaurantsuche vertrödelt. Und wer alleine nicht kochen möchte, geht eben ins Haupthaus und nutzt die Gemeinschaftsküche. Da kommt man gleich ins Gespräch mit Norwegen-Fans. Gute Sache. Im Winter kommt man in Manshausen ja in ein echtes Innerer-Schweinehund-Problem. Es ist aber auch so herrlich gemütlich den Nordlichtern vom Bett aus zuzuschauen wie sie über den Himmel tanzen. Ich persönlich neige da ja zu: Ich-will-nicht-rausgehen. Ich bin da mehr der Sommeraktivitäten-Fan. Allem voran natürlich Kayaking. Und das kann man hier zu Genüge. Ansonsten gibt es angeln, wandern, tauchen und klettern. Dem Aktivitätenkatalog kann man sich also nur schwer entziehen. www.manshausen.no

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Copyright: Steve King, happylandingreise

Fazit: Norwegen kann außergewöhnlich – und das richtig gut. Und außergewöhnlich sollte jeder einmal ausprobieren. Ich werde weiter suchen nach außergewöhnlich, denn da geht bestimmt noch mehr. To be continued….. 🙂

Wo war der Winter im Winter oder: ist Norwegen nach Süden verrutscht?

Da sind wir wieder bei dem Thema: in Norwegen ist es doch immer kalt und dunkel. Gut, dunkel kann man immer noch nicht wegdiskutieren. Beim Thema kalt ist das in diesem Winter schon anders. Der Winterwettergott hat sich scheinbar ein Extra-Programm überlegt. Die Zauberformel heißt: wir machen es mal wärmer als sonst. Ok, bei null bis zehn Grad kann man nicht wirklich von tropischen Temperaturen sprechen, aber in Norwegen irgendwie doch. Da, wo letztes Jahr knackig kaltes norwegisches Winterwetter herrschte, dümpelt dieses Jahr alles im deutlichen Plusbereich dahin. Da könnte man sich ja sagen: schön, dass es nicht so kalt ist. Aber: wir bekamen stattdessen diesen Winter eine gehörige Portion Sturm dazu. Bei zu warm und zuviel Tiefdruck sagte sich jede Woche ein Sturmtief, dass es wieder mal Zeit ist, über das Land hinweg zu fegen. Mal abgesehen davon, dass es nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, bei Orkan quer durch Norwegen zu fliegen, WENN denn etwas flog, nein auch der Schiffsverkehr wurde durch die norwegisch-himmlische Sturmvereinigung ständig in Atem gehalten. Abwettern in irgendwo war die am häufigsten gebrauchte Vokabel in der Schiffahrt. Die Schneemobile blieben in der Garage und die Huskys hatten außergewöhnlich viel Urlaub. Kein Schnee eben.

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Schmuddelwinter in Finnsnes, Copyright: insidenorway

Wahrscheinlich war es dem Schnee zu lästig sich im ganzen Land zu verbreiten und so hat er es sich in Zentralnorwegen und am Nordkapp gemütlich gemacht. Am Nordkapp bevorzugt wieder mit seinem guten Freund Sturm und noch bevorzugter zu den Terminen, an denen ich am Nordkapp war. Somit hatte ich das Vergnügen Honningsvåg besonders intensiv kennen zu lernen, denn immer wenn ich dort ankam, hieß es: die Straße zum Nordkapp ist gesperrt. Grrrrrrr. Beim dritten Versuch keimte die Hoffnung in mir auf, doch diesen Winter den Globus auf dem Felsplateau noch zu sehen, doch während der Fahrt über die Insel Magerøya war Odin schneller, schickte einen 1A-Schneesturm und nach ein paar Kilometern war die Sicht null. Uns noch bis zum Schlagbaum vorzukämpfen, an dem das winterliche Kolonne fahren beginnt, hätten wir uns eigentlich sparen können. Mehr als ein freundliches Lächeln vom Schneepflugfahrer war nicht drin. Alles Retour. Nix Nordkapp.

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Im Schneesturm geht gar nichts mehr, Copyright: insidenorway

Ja so ist das manchmal. Die Norweger nehmen es gelassen, denn ändern kann man sowieso nichts daran. So gehörte also diesen Winter zur bevorzugten Freizeitbeschäftigung, alles, was nicht fest mit dem Boden verankert ist, eben an jenem zu befestigen, denn wer will schon gerne seine Mülltonne dreißig Kilometer weiter aufsammeln oder wieder aus dem Meer fischen.

Dazwischen gab es aber auch die anderen Tage. Zwischenzeitlich verirrten sich trockene minus 25 Grad nach Kirkenes, in Karasjok kratzte der Winter mit minus 48 Grad einmal am Temperaturrekord. Es gab spektakuläre Sonnenauf- und Untergänge. Und: die Nordlichter! Trotz des ganzen Wetterchaos gab es sie reichlich, eigentlich schon bevor der Winter richtig begonnen hatte. Und da Odin und sein Gefolge ein Einsehen hatte, öffnete er immer mal wieder den Wolkenvorhang, damit auch wir unten auf der Erde einen Teil der Lightshow genießen konnten. Leuchtend grün und violett tanzten sie gerne zwischen Tromsø und Skjervøy, die Gegend hat sich als sowas wie ein Nordlicht-Garant etabliert. Außerdem ist man bei der Nordlichtjagd wieder ganz froh über jedes Grad mehr Wärme. Da sie ja eher so tanzen wie SIE wollen und nicht wie WIR wollen, steht man stundenlang draußen, eingepackt bis oben hin, unterbrochen von kurzen Aufwärmpausen unterm Heizstrahler. Aber all das ist eben egal, wenn man in den leuchtend grünen Himmel blickt, da erträgt man die Kälte wie in Trance und tauscht eben mit den Mitbeobachtern heißen Tee aus.

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Nordlichtzauber hinter Tromsø, Copyright: Volker Lang

Fazit: Norwegen ist geografisch immer noch da, wo es hingehört, und hat auch im Winterchaos den unverwechselbaren Zauber und unverwechselbares Licht. Schließlich wäre es ja auch langweilig, wenn immer alles nach Plan läuft. Also auf ins Winterzauberwunderland. Spätestens im nächsten Winter und selbst genießen!