Sonne: aus, Mond: an oder – die Polarnacht steht in den Startlöchern !

Eben noch haben wir die Nächte durchgemacht, weil die Mitternachtssonne einen bis ultimo auf den Beinen hält, und schon naht wieder die Winterdunkelheit. Ja ja, dieses Vorurteil, dass Norwegen kalt und dunkel ist, kann man zumindest im Winter nicht ganz von der Hand weisen. Während Spitsbergen sich schon Anfang November der Dunkelheit ergeben musste, tickt in Honningsvåg noch die Uhr zum Showdown. Ich finde, dass es immer etwas endzeitliches hat, wenn wir kurz davor sind in die Polarnacht eintauchen. Jeden Tag bleibt die Sonne zwanzig Minuten länger in ihrem Versteck, der letzte Tag ist kaum länger als man gucken kann. 22 Minuten und tschüß. Regelmäßig überlege ich, wie es so ist, wenn man wochenlang darauf wartet, dass sich am Himmel wieder etwas tut, denn ich halte mich für gewöhnlich nur eine knappe Woche in Nordnorwegen auf, wenn es heißt: Licht ausgeknipst. Bei uns in Oslo sind die Tage im Winter zwar auch ziemlich kurz, aber immerhin, es gibt sie noch.

Copyright: Tommy Andreassen / www.nordnorge.com / Vestvågøy

Copyright: Tommy Andreassen / http://www.nordnorge.com / Vestvågøy

 Ja, wie isses denn nun während der Polarnacht? Das, was an ihr einfach fantastisch ist, sind die Nordlichter. Natürlich tanzen sie übers ganze Jahr am Himmel, aber um sie sehen zu können, ist Sonnenlicht nicht unbedingt hilfreich. Während der Polarnacht kann man sie also uneingeschränkt genießen, egal zu welcher Uhrzeit sie sich zeigen, ohne dass sie von der Sonne überstrahlt werden. Das funktioniert nicht nur in der Natur, sondern auch in den Städten. Ok, man sollte sich hierzu nicht unbedingt inmitten der beleuchteten Fußgängerzone aufhalten. Blick von außen auf Städte, über denen die Nordlichter toben, funktioniert am besten. Ganz nebenbei lernt man dadurch auch zu schätzen, was einen so nach der Nordlichtjagd wieder aufwärmt: heiße Duschen, heiße Tees, brennende Kamine und Kuscheldecken.

Polarnacht in Hammerfest, Copyright: insidenorway

Polarnacht in Hammerfest, Copyright: insidenorway

Überhaupt ist die Polarnacht die Zeit zum runterfahren. Kein Wunder, denn die Sonne fehlt eben auch dem Körper. Regelmäßig habe ich während der Polarnacht schon um 14 Uhr nachmittags das Gefühl: Zeit zum Schlafen gehen. Das ist vor allem an den Tagen so, an denen noch nicht mal ein Hauch von Dämmerung über den Horizont kriecht. Eben dann, wenn der Himmel sich in ein dichtes Wolkenkleid hüllt. Ganz anders kommt die Polarnacht daher, wenn sternenklares Wetter herrscht. Dann gibt es wenigstens einen Hauch von Tag, einige Stunden dämmert es und man meint, gleich müsse die Sonne über den Horizont gucken. Aber sie ziert sich und verschwindet wieder ins Dunkel.

Manche Städte gefallen mir ja in der Polarnacht am besten. Tromsø zum Beispiel, dass ich anfangs nur in der Dunkelheit kannte, eingehüllt von Schnee, die Eismeerkathedrale zauberhaft angeleuchtet am Ende der Tromsøbrücke thronend. Tromsøs Beinamen „Tor zum Eismeer“ kann man erst dann so richtig fühlen. Genauso geht es mir mit Hammerfest. Ich finde es einfach zauberhaft, wenn man hoch über der Stadt steht und auf die erleuchteten Häuser und die  schneebedeckten Berge blickt.

Copyright: Shigeru Ohki / www.nordnorge.com / Tromsø

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Beim Nordkapp geht es mir ähnlich. Nicht, dass es im Sommer nicht auch zauberhaft ist, aber im Winter darf man sich hier so richtig der Natur stellen. Von der Nordkappinsel Magerøya sieht man natürlich nicht viel, es sei denn Mond, Schnee und sternenklar haben sich überlegt zu einer zaghaften Beleuchtung zusammen zu finden. Am beleuchteten Globus kämpft man mit dem Wind und der Kälte und freut sich darüber, dass man sich entgegen der Polarforscher jederzeit in die warme Nordkapphalle begeben kann. Amundsen und Co. mussten das an andere Stelle über Monate aushalten, fern jeder warmen Dusche.

Fazit: die Polarnacht sollte sich jeder einmal gönnen, es müssen ja nicht gleich volle drei Monate sein. Wer es tut weiß wie es ist das Sonnenlicht zu schätzen. Wenn es wieder kommt. Im Frühjahr. 🙂

Facettenreiches Norwegen auf der Hurtigrute !

Die Septemberreise hatte wirklich alles zu bieten, was eine unvergessliche Tour ausmacht. Von sommerlichen Temperaturen bis Sturm war alles dabei. Die Nordlichter haben uns gleich viermal beglückt. Und so kamen wir zurück, randvoll mit Erlebnissen. ❤

Buchen kann man bei uns übrigens auch. 🙂

Wo die Rentiere wohnen oder: durch die Finnmark vom Nordkapp nach Hammerfest !

Es ist mal wieder Zeit für das Nordkapp. Diesmal allerdings nur mit kurzer Stippvisite, denn schließlich ist es Sommer und das schreit geradezu nach einer Fahrt durch die Finnmark, denn überall tummeln sie sich, die Rentiere. Da ich wieder einmal auf der Hurtigrute unterwegs bin geht es los in Honningsvåg bis hinunter nach Hammerfest, wo man praktischerweise wieder aufs Schiff steigen kann. Das Nordkapp habe ich zwar schon zum wiederholten male gesehen, aber den Blick auf die Barentssee vom Globus aus, genieße ich dann doch immer wieder. Vor allem wenn man an selbigem morgens um sieben Uhr weilt. Ohne den hochsommerlichen Betrieb. Nur der Wind pfeift einem um die Nase. Glücklicherweise hat auch der heute mal gute Laune und umtanzt das Nordkapp-Plateau nur gemächlich.

Es geht gleich weiter, Richtung Süden. Zunächst über die Nordkapp-Insel Magerøya. Die ist nach wie vor einfach zauberhaft. Jetzt, wo der Schnee endlich aufgegeben hat, zeigt sich die Tundra-Landschaft von ihrer schönsten Seite. Auch wenn hier ja bekanntlich in punkto Bäume nicht soooooo viel los ist, versetzt einen   Magerøya in Entzückung. Moose und Flechten sind wieder zum Vorschein gekommen und machen die schroffe Natur einen Hauch weicher. Ja und überall grasen sie. Die Rentiere. Also eigentlich ist der Begriff „grasen“ durch „moosen“ zu ersetzen, zumal das saftige Moos ganz oben auf der Karte der Rentierlieblingsgerichte steht.

Copyright: insidenorway

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Weiter geht es durch den Nordkapptunnel. Ich gebe ja zu, dass man hier schnelleres Vorankommen gegen Ich-sehe-nichts-von-der-Landschaft tauscht, aber für knapp sieben Kilometer ist das okay. Dafür geht es dahinter gleich mit dem Landschaftsfeuerwerk weiter. Ein kräftiges Stück fährt man am Ufer des Porsangerfjords entlang. Hier reihen sich die Berge aneinander, man genießt den Blick auf das Wasser des Fjords, die karge Flora und natürlich auch auf die Rentiere. Auch hier tummeln sie sich. Ja, sie wissen eben wo man zu den Mahlzeiten gleich den Gratisblick auf norwegische Natur dazu bekommt.

Copyright: insidenorway

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Das Rentier an sich legt sich in dieser Jahreszeit auch ein neues Fellkleid zu. Schon seit März sind die Vierbeiner damit beschäftigt die Winterwolle abzuwerfen und glänzen jetzt mit ihrem kurzen Sommerfell, dass fast nur aus ihrer Unterwolle besteht. Der Rentier-Bikini sozusagen. 😉 Schließlich haben sie aber auch ein anderes Kälteempfinden. Wo uns Menschen die Zähne schlottern, ist das Rentier temperaturmäßig noch im Sommermodus und braucht den Fell-Wintermantel erst, wenn die Temperatur schon wieder unter die Null-Grad-Marke rutscht.

Weiter geht es durch die Kommune Kvalsund, immer vorbei an der herrlichen Bergkulisse. Das Fjordwasser bricht sich in Wellen am Ufer und schäumt sich an die Steinstrände. Auch wenn wir Sommer haben ist von Badetemperatur wohl kaum zu sprechen, es sei denn man ist ein Freund von einstelligen Wassertemperaturen. Für die Harten eben. 😉 Die Kommune Kvalsund reicht bis auf die Insel Kvaløya, auf der auch Hammerfest liegt. Und hier zeigt sich, dass der Norweger in der Namensgebung von Inseln zuweilen Bewährtes gleich zweimal verwendet, denn auch Tromsø befindet sich auf der Insel Kvaløya, nur dass es sich hier um eine andere Insel handelt, die weiter südlich liegt.

Auf „unser“ Kvaløya gelangt man über die Kvalsund Brua, die Hängebrücke, die das Festland mit der Insel verbindet und die bei Sturm gerne mal geschlossen ist, weil sie gar zu arg schaukelt. Inzwischen haben sich auch wieder Sträucher in die Natur verirrt. Immerhin hat man sich ja vom Nordkapp aus gesehen auch schon wieder einen Breitengrad nach Süden vorgearbeitet.

Kvalsund, Copyright: insidenorway

Kvalsund, Copyright: insidenorway

Die Landschaft wird ein wenig weicher und in den Gärten kurz vor Hammerfest, pflanzt der Norweger auch gerne mal den ein oder anderen Baum. Wo sich von selbst nichts tut, muss man eben nachhelfen. Auch die Rentiere finden das prima und spazieren bis an die Häuser um sich an den jungen Trieben zu bedienen. Wer in der Umgebung von Hammerfest also ein übermäßiges Zaunvorkommen bemerkt, kann sich leicht ausrechnen warum. Kein Eintritt für Rentiere! 😀

In Hammerfest wartet das Schiff. Drei Stunden Fahrt haben gezeigt, dass karg unendlich schön sein kann und türkises Wasser nicht nur in der Karibik wohnt. Für den  ansässigen Eisbärenclub bleibt keine Zeit mehr, also: nächstes mal. In Hammerfest. Wo die Schiffe den Hammer (Anker) fest machen. 🙂

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 2

Die Reise auf der Hurtigrute geht weiter. 7. Tag. Kirkenes. Nur zehn Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Ok, Kirkenes ist keine wirkliche Perle, aber das Drumherum macht alles wett. Erstes Muss: das Schneehotel unweit der Stadt. Über Mangel an Winter kann man sich hier nun wirklich nicht beschweren. Bei minus zwanzig Grad kommt man kältemäßig voll auf seine Kosten. Und im Hotel empfindet man die minus vier Grad geradezu als hochsommerlich. Kaum zu glauben, dass das Hotel jede Saison neu aufgebaut wird, nachdem das Tauwetter ihm im Sommer den garaus gemacht hat. Die Zimmer sind zauberhaft gestaltet, jedes hat ein eigenes Thema, lediglich die Betten bestehen nicht aus Eis und der Polarschlafsack hält für die Nacht mollig warm.

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Auf dem Gelände des Hotels gibt es aber noch viel mehr zu sehen. Zum Beispiel: Rentiere. Man muss ein bißchen warten bis sich eins blicken lässt. Aber wenn man sie erspäht gerät man in Entzücken. Perfekt an die Kälte angepasst und einen mit großen Augen anschauend. Gleich gegenüber: die Wohnstube der Huskys. Nicht vergleichbar mit unserer Vorstellung eines gemütlichen Wohnzimmers, aber der Husky an sich wohnt eben gern kältebetont. Schließlich will man sich als Schlittenhund jederzeit im kühlen Schnee wälzen können. Husky-Vergnügen. Der Sucht-Schlittenfahrer bricht dann auch hier zu seiner zweiten Husky-Safari auf. Wiederholungstäter und so. Wer keinen Platz mehr ergattert hat, begnügt sich mit zuschauen.

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Die Alternative winkt am Nachmittag. Das Schneemobil. Mit PS unter dem Allerwertesten ist der zugefrorene Fjord Trumpf. Durch das norwegische Winterwonderland sausen, die Polarluft einatmen, umrahmt von der rauhen arktischen Landschaft. Das Paradies könnte nicht besser sein.

Dann heißt es: südgehend. Am 8. Tag winkt Hammerfest. „Into the Ice“ sollte man auf der Wintertour unbedingt ausprobieren, nicht nur weil man stilecht in Expeditionsausrüstung der 1910er Jahre unterwegs ist, sondern auch weil man den Hauch einer Ahnung bekommt, wie es sich anfühlt einer arktischen Expedition anzugehören. Eben bewegt man sich noch „trittfest“ auf blankem Eis um einen Schritt weiter kniehoch im Schnee zu versinken. Pioniergeist und so. Logisch, dass man am Gipfel die norwegische Flagge hisst. Den Traumblick auf das winterliche Hammerfest gibt es kostenlos dazu.

Copyright: Dietmar Henrich

Copyright: Dietmar Henrich

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Zurück vom Gipfel ist man dankbar für warmen Tee und Suppe im Zelt, obwohl das Feuer in selbigem so einheizt, dass man sich nach fünf Minuten temperaturmäßig in der Karibik wähnt.

Am Abend winkt ein Kulturgenuss. Stopp in Tromsø. Wer sich nordgehend der Huskyschlittenliebe hingegeben hat, bekommt südgehend jetzt die zweite Chance zumindest ein bißchen von der größten Stadt Nordnorwegens zu sehen. Beim Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale sollte man sich von klassischer Musik entzücken lassen. Das Wahrzeichen von Tromsø thront am Ende der Tromsøbrua, der Tromsøbrücke, und ist in seiner abendlichen Beleuchtung einfach wunderhübsch anzuschauen.

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

An Tag 9 ist das Schiff zurück auf den Lofoten. Genauer gesagt in Svolvær. Nun gut, die Ausflugsmöglichkeiten sind im Winter begrenzt, aber ein Spaziergang zur Halbinsel Svinøya lohnt sich auch im Winter. Stockfischgestelle, Fischfabrik und Rorbuer (die alten Fischerhütten) lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Fisch hier ein größeres Thema ist. Dem Stockfisch bin ich ja nicht so außerordentlich zugetan, aber die Atmosphäre auf der Halbinsel nimmt einen gleich gefangen. Wer noch den entzückenden alten Krämerladen besucht unternimmt eine Zeitreise nach Alt-Norwegen.

Svolvær, Copyright: insidenorway

Svolvær, Copyright: insidenorway

An Tag zehn wird der Polarkreis wieder nach Süden überschritten. Das Tageslicht ist zurück, wenn auch erst einmal mit spärlichen drei Stunden, aber immerhin. Zeit für einen Ausstieg in Sandnessjøen. Die Länge des Stopps ist zwar überschaubar, aber für einen Spaziergang am Kai mit ein paar zauberhaften Fotomotiven reicht es. Die Kutter liegen schlafend im eisklaren Wasser vor einer zauberhaften Bergkulisse. Und da die Sonne ja wieder über den Horizont klettert, kann man auf der Weiterfahrt gleich an Deck stehen bleiben um die Bergkette der Sieben Schwestern zu bestaunen. Die sieben Jungfrauen, die vor König Hestmannen flohen, erstarrten hier bei Sonnenaufgang zu Stein. Ja, die Norweger sind eben gekonnt darin die Natur ihres Landes mit Legenden zu bestücken. Und imposant ist die Gebirgskette noch dazu. Der zur Legende zugehörige Torghatten, der berühmte Berg mit dem Loch, verschwindet auf der Wintertour allerdings in der Dunkelheit.

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Der Trondheim-Fan und Frühaufsteher hat an Tag 11 die zweite Gelegenheit durch die Stadt zu ziehen. Wer um halb sieben am morgen die zwanzig Minuten vom Anleger in Trondheims Zentrum läuft, hat sich kalorienmäßig schon das Frühstück verdient. Hilfreich, denn die Coastal Kitchen, die auf dem Schiff serviert wird, kann man nur schwer ignorieren. Am Ende der Reise hat man sich so ziemlich durch alle Spezialitäten gegessen, die Norwegens Küste zu bieten hat. Das Food-Baby wächst. 😉

Amselben Tag stehen noch einmal Kristiansund und Molde auf dem Programm. Beine vertreten, Hafen genießen, den Ausklang der Reise beweinen.

An Tag 12 ist es soweit. Bergen ist in Sicht. Und verbunden damit der Gedanke, dass man doch eben noch 2.500km nördlicher war. Wo man nordgehend noch dachte, dass man sich gemächlich gen Nordkapp bewegt, hat man südgehend das Gefühl, dass streckenmäßig der Turbo eingeschaltet wird. Wer bei der Einfahrt in Bergen am Bug steht, dem raubt der Wind fast den Atem. Aber zu verlockend ist es zu beobachten wie die Stadt immer näher kommt. Und so kann man sich mit Gedanken an die Reise von seinem Schiff verabschieden. Bis man wiederkehrt. Zur nächsten Tour. Auf der Hurtigrute.