Mit dem Schneemobil im Schneesturm oder: Kirkenes kann Abenteuer!

Ich war ja lange nicht mehr auf einem Aktivausflug ganz im Norden unterwegs. Dabei ist das in Kirkenes sowas wie ein Pflichtprogramm, wo ja die Stadt nicht gerade durch architektonische Höhenflüge glänzt. Wie sollte sie auch, wo hier im zweiten Weltkrieg so ziemlich alles platt gemacht wurde. Da muss beim Wiederaufbau eben manchmal schön und langsam, praktisch und schnell weichen. Heute soll es also die Schneemobilsafari sein. Die Kälte hat sich in den letzten Wochen hartnäckig gehalten und da der Golfstrom hier in seiner Wirkung schlapp macht, kriecht im Winter regelmässig das Eis bis an die Küstenlinie. Gut für mich, denn heute will ich auf der gefrorenen Pracht mit ordentlich Speed dahinsausen.

Ein paar Kilometer geht es raus aus der Stadt, dorthin, wo die Schneemobile wohnen. Das Wetter hat heute die Angewohnheit alle zwanzig Minuten ein Schneetänzchen zu veranstalten, aber ich habe die vage Hoffnung, dass die Sonne, die jetzt hinter den Wolken hervorguckt, den blauen Himmel weiter vorantreibt und den Schnee bis zum Ende der Tour ins Nirgendwo schickt. Ist doch auch viel schöner, wenn man sieht, wo man denn so hinfährt. Erstmal werde ich aber mit einem Overall ausstaffiert, damit die Kälte nicht allzu sehr in alle Ritzen kriecht. Einen Helm gibt es natürlich auch. Sicherheitsvorschrift und so. Kaum habe ich das Ding auf dem Kopf, frage ich mich wieder, wie man das als Motorradfahrer so als Dauerzustand aushalten kann. Mal abgesehen davon, dass ich so ein Gewicht auf dem Kopf nicht gewohnt bin, wünsche ich mir nach zwei Minuten eine Stricknadel, mit der ich das Gejucke unterbinden kann. Ich bin eben nicht gemacht für Kopfbedeckungen. Auch Mützen könnte ich regelmässig verfluchen. Nachdem wir alle fertig verpackt sind wie Michelinmännchen geht es zur technischen Einweisung. Schneemobile sind Gott sei Dank auch für den Nicht-Techniker schnell begriffen, so dass wir bald darauf durch den Schnee zum Fuhrpark stapfen. Ich habe zusätzlich meine Kamera dabei, denn ich will ein paar gute Schnappschüsse bei der Tour machen.

Und dann geht es auch schon los. Raus auf den zugefrorenen Fjord. Hübsch in einer Reihe fahren wir in zunächst moderatem Tempo durch den Schnee, schliesslich muss man sich mit dem Gefährt erstmal vertraut machen. Im Moment findet in der Provinz Finnmark auch eines der grössten Hundeschlittenrennen statt und die Strecke führt dort vorbei, wo auch wir unsere Spur hinterlassen. Und so fahren wir bald Seite an Seite mit den Hundeschlitten und werfen uns gegenseitig Grüsse zu. Was sich gleichzeitig vor uns auftürmt, finden wir dann gar nicht mehr so toll. Ein hübscher Schneesturm steht in den Startlöchern. Wie war das noch mit dem Wetterwechsel alle zwanzig Minuten? Wie eine Wand stellt sich der Schneefall uns entgegen. Nach zwei Minuten sehen wir aus wie die Schneemänner und meine Kamera bekommt eine Schneehülle, die Fotos nicht besonders zuträglich ist. Immerhin ist der Schnee so pulvrig, dass er nicht gleich in jede Kameraritze kriecht.

Nach sechs Kilometern machen wir Pause im Schneegestöber. Gut, dass wir schöne hohe Stiefel bekommen haben, denn wir waten in meterhoher weisser Pracht. Winter deluxe. Keiner lässt sich die Laune davon verderben, dass die Sonne sich hartnäckig versteckt und wir lauschen dem, was unsere beiden Guides uns über die Region erzählen, herrlich. Danach wollen wir testen, was die Schneemobile an Geschwindigkeit hergeben. Mit ordentlich Karacho geht es weiter. Und wo wir eben noch dachten, wir werden vom Schnee in null Komma nichts eingehüllt, geht es jetzt erst richtig los. Nichts sieht man mehr von unseren Overalls und als wir erneut Pause machen, schüttelt jeder einen hübschen kleinen Schneeberg von sich. Aber wen stört das schon.

Bald ist es schon wieder Zeit um zurück aufs Festland zu fahren, viel zu schnell ging die Zeit um. Auf der Rückfahrt geniessen wir noch einmal den vollen Speed der Schneemobile. So langsam kriecht aber auch die Kälte in uns hoch. Da kommt uns ein heisser Kaffee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu, dem typischen Zelt der Sami, in dem wir das wärmende Feuer geradezu fabelhaft finden. Wir dürfen auch von getrocknetem Rentierfleisch kosten. So lecker, dass ich gleich die ganze Tüte in mich reinschlingen könnte.

Und dann ist der Vormittag auch schon vorbei. Ich gebe zu, dass ich zwar froh bin den Helm wieder los zu sein, aber viel zu schnell ist unser Trip vergangen. Also Leute: wer in Kirkenes vorbei schaut, sollte unbedingt eine Tour mit Barentssafari unternehmen. Das Winterprogramm kann ich uneingeschränkt empfehlen. Wenn in einigen Monaten der arktische Sommer zurück ist, werde ich auch das sommerliche Ausflugsprogramm unter die Lupe nehmen. Bis dahin: enjoy the Winter in Kirkenes!

Hotel im Norwegenhimmel oder: mehr Natur geht nicht !

Ok, für jeden stellt sich ja die Frage: wo im Urlaub übernachten. Also dachte ich mir: warum nicht mal ein paar Hotelhighlights testen. Davon gibt es schließlich einige übers Land verteilt. Ich gebe allerdings zu: gleich zwei meiner Lieblingsübernachtungsplätze liegen in der Provinz Møre og Romsdal. Diese Provinz kann man aber eben nicht NICHT lieben, weil sich hier die Natursehenswürdigkeiten die Hand geben. Einer meiner absoluten Hotellieblinge ist ja das Juvet Landscape, gelegen in der Nähe des Storfjords in der Kommune Norddal. Nun gut, fast jeder stellt die Frage: wie denn hinkommen, wenn ein Hotel so mitten in der Natur liegt. Ja, das war bei mir auch der Fall. Im Flieger lässt sich das Auto prinzipiell eher weniger gut mitnehmen. Und wenn man schon mal da ist, will man ja auch die Naturhighlights der Provinz Møre og Romsdal sehen, die in unmittelbarer Nähe liegen, also Mietwagen? Nun ja, mir gefällt die Anreise per Zug von Oslo bis Åndalsnes und der Transfer, den das Hotel organisiert um einen ins Naturparadies holen. Da wird die Entspannung dann auch durch nichts getrübt.

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Juvet Landscape Hotel, Copyright: Espen Mills/Matlangsnasjonaleturistveger.no/Visitnorway.com

 Naturparadies ist bei diesem Hotel dann auch nicht übertrieben! Bereits wenn man die Zimmer sieht, befindet man sich im Entspannungsmodus. Wie soll das auch anders sein, wenn zwei Wände aus Glas bestehen und man quasi mitten in der Landschaft sitzt. Will ich da noch viel rumfahren oder doch lieber ein paar Tage den Panoramablick in mich aufsaugen. Außerdem kann man vom Hotel problemlos zu Fuß zur ein oder anderen Wanderung starten, wenn man auto-los dort weilt. Und da ich per se kein Freund von Großhotelanlagen bin, ist mir das Juvet Landscape noch dreimal sympathischer. Bei 35 Gästen ist Schluss, denn bei diesem Status ist ausgebucht. Würde ja auch kaum zu diesem Fleckchen Norwegen passen, wenn sich hier tausende von Hotelgästen die Klinke in die Hand geben würden. Frühstück gibt es hotelunüblich erst ab neun, was mir sehr entgegen kommt, denn schließlich will ich im Urlaub nicht um sechs aus dem Bett springen. Und auch dass man sich nach Herzenslust beim Frühstück ein Lunchpaket packen kann ist für mich etwas neues. Mit gleichgesinnten Naturliebhabern sitzt man also unkonventionell an langen Tischen, so dass man jederzeit Kontakte knüpfen kann. Anonym bleibt hier keiner. Kein Problem also sich hier auch alleine für ein paar Tage einzuquartieren. Einsam bleibt man auf jeden Fall nicht. www.juvet.com

Da das Juvet Landscape aber nicht zu den preiswertesten Übernachtungsmöglichkeiten gehört, hab ich mich zusätzlich nach einer günstigen Variante umgeschaut – und die Øverås-Hütten gefunden. Direkt gelegen am Eikesdalsvatnet, der für mich zu den schönsten Seen in der Provinz Møre og Romsdal gehört. Auch hier stehen die Hütten quasi mitten in der Landschaft, fünf an der Zahl, so dass man auch hier nicht von Touristenüberfüllung sprechen kann. Ja, da schlägt das Herz des Naturfans gleich höher. Ok, keine Panorama-Glasfenster und Überluxus, eher gemütlich skandinavisch eingerichtet mit viel Holz und während man sich das Frühstück zubereitet, schaut man mal eben auf den See und die umliegende Bergkulisse. Ja, das hat was von Ich-hab-das-Gefühl-ich-wohne-hier. Man fühlt sich eben nicht so richtig als Hotelgast. Ich finde ja, dass genau das auch einen besonderen Reiz hat.

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Eikesdalsvatnet, Copyright: Birgit Nordmøring

Allerdings finde ich ein Auto hier unverzichtbar, weil in unmittelbarer Nähe einige Landschaftsrouten winken und man sich eben überhaupt ein wenig abseits der Hauptattraktionen der Provinz, eben dem Trollstigen und der Gudbrandsjuvet, bewegen kann. Das übliche kann doch jeder. Allein der nahegelegene Eresfjord könnte zauberhafter nicht sein. Im Sommer kommt man außerdem in den Genuss des Mardalsfossen, einer der höchsten Wasserfälle Europas. Den freien Fall hat man ihm allerdings abgewöhnt, er tut seit fast fünfzig Jahren seinen Dienst als Stromerzeuger und deshalb wurde ihm ein anderer Fließweg zugewiesen. Von Ende Juni bis Ende August darf er sich allerdings an seinem alten Platz in die Tiefe stürzen.  www.overaas-hytteutleie.com

Andere Region, anderes Übernachtungserlebnis. Es geht nach Norden. Auf halber Strecke zwischen Bodø und Narvik liegt der Tranøy fyr. Ich finde, einer der schönsten Leuchttürme in Norwegen. Da das mit dem Beruf des Leuchtturmwärters ja nicht mehr so aktuell ist, hat man kurzerhand ein Hotel draus gemacht. Im Leuchtturm selbst kann man leider nicht übernachten, denn er leuchtet immer noch den Schiffen vor der Küste den Weg. Glücklicherweise gibt es ja die zugehörigen Keeper-Häuser und hier kann man dann auch dem Übernachtungsglück fröhnen. Ich persönlich finde ja schon die Anfahrt einfach traumhaft, denn wie es bei Leuchttürmen so ist, liegt er exponiert auf einem Inselchen, auf das man über eine Brücke gelangt.

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Copyright: Kjell Fredriksen / http://www.hamsuns-rike.no / Hamarøy

Ohne Auto ist man hier allerdings ziemlich aufgeschmissen. Man muss sich dann doch auf die E6 bequemen, den RV81 und den RV665 hinter sich bringen, bis man am Leuchtturm ankommt. Mit Zug etc. ist hier eben nichts mehr zu reißen, in Bodø endet das Streckennetz, nun gut. Die Landschaft ist aber wirklich spektakulär, man blickt auf den Vestfjord und bei gutem Wetter scheinen die Lofoten so nah, dass man meint rüber schwimmen zu können. Die Gästehäuser rund um den Leuchtturm drapieren sich wie ein kleines Dörfchen auf der Insel und die Zimmer sind zauberhaft eingerichtet. Eben für den Freund der typisch norwegischen Wohnkultur. Ich bin ja immer ein Ich-koche-selbst-Freund und mag wenigstens eine eigene Kochplatte. Im ein oder anderen Zimmer gibt es denn auch eine Mini-Küche, wer mag kann aber auch ohne Kochgelegenheit mieten und sich den Fisch im angrenzenden Restaurant schmecken lassen. Schließlich ist man hier ja sozusagen in einer Fisch-Hochburg. Quasi wie fast überall in Norwegen. Dass man sich hier außerdem den Naturaktivitäten hingeben kann, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Über der Region kreisen gerne die Seeadler und allerhand anderes Vogelvolk und wer bislang noch nicht das Kayaking ausprobiert hat, sollte hier unbedingt damit anfangen. www.tranoyfyr.no

Etwas weiter südlich, in Nordskot, liegt eine kleine Anlage von Panorama-Hytten, die ebenfalls zu meinen absoluten Favoriten gehört. Hier sitzt man ganzjährig hinter Panoramaglas und im Winter hat man hier DAS Nordlicht-Erlebnis überhaupt. Ok, auch hier muss man ein Fan von modernen Bauten sein, ähnlich wie im Juvet Landscape gibt es nicht die Rorbuer-Holzhaus-Glückseligkeit, dafür aber teilwiese eine abenteuerliche Bauweise, die über das Wasser hinausragt. Doch von vorne. Während ja „ohne Auto“ in manchen Unterkünften keine Option ist, kann man Manshausen tatsächlich mit den Öffentlichen erreichen. Also ab in den Flieger bis Bodø. Zum Fähranleger muss man dann ein Taxi bemühen, es sei denn, man ist begeistert von Spaziergängen mit Koffer. Während der neunzigminütigen Fährfahrt kann man schon fleißig Landschaft in sich aufsaugen. In Nordskot selbst kann man sich mit den nötigsten Lebensmitteln versorgen, denn obwohl der Ort winzig ist, hält der Supermarkt alles Wichtige bereit. Ich liebe diese Selbstversorger-Variante, weil so viel mehr Zeit bleibt für die Natur-Aktivitäten und man keine Zeit mit Restaurantsuche vertrödelt. Und wer alleine nicht kochen möchte, geht eben ins Haupthaus und nutzt die Gemeinschaftsküche. Da kommt man gleich ins Gespräch mit Norwegen-Fans. Gute Sache. Im Winter kommt man in Manshausen ja in ein echtes Innerer-Schweinehund-Problem. Es ist aber auch so herrlich gemütlich den Nordlichtern vom Bett aus zuzuschauen wie sie über den Himmel tanzen. Ich persönlich neige da ja zu: Ich-will-nicht-rausgehen. Ich bin da mehr der Sommeraktivitäten-Fan. Allem voran natürlich Kayaking. Und das kann man hier zu Genüge. Ansonsten gibt es angeln, wandern, tauchen und klettern. Dem Aktivitätenkatalog kann man sich also nur schwer entziehen. www.manshausen.no

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Copyright: Steve King, happylandingreise

Fazit: Norwegen kann außergewöhnlich – und das richtig gut. Und außergewöhnlich sollte jeder einmal ausprobieren. Ich werde weiter suchen nach außergewöhnlich, denn da geht bestimmt noch mehr. To be continued….. 🙂