Wo die Sonne das Paradies küsst oder Nesoddener Sunset-Freuden

Früher war ich ja mehr Stadt-Girl. Seit meiner Oslove genieße ich aber auch das, was Oslo für mich ausmacht, nämlich unter anderem das bezaubernde Flair, das die Umgebung der Hauptstadt zu bieten hat. Also bin ich in Akerbrygge wieder mal zum Fähranleger gestiefelt, die Kreditkarte in den Ticketautomaten und für 50kr ab mit meiner Lieblingsfähre 601, die zwischen Akerbrygge und Nesodden hin und her pendelt.

Copyright: insidenorway

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Bei -8 Grad verkriecht sich so ziemlich jeder Fährpendler ins warme Innere des Schiffchens. Ich steh natürlich draußen. Gute Fotos und so. Aber was macht es schon wenn einem die Hände fast erfrieren, man dafür aber den Blick auf Oslo und den Oslofjord aufsaugen kann. Und auch in Nesodden kann man an diesem Tag nicht wirklich von tropischer Hitze sprechen. Wenn Oslo nicht gerade beschlossen hat sich unter einer undurchdringbaren Wolkendecke zu verkriechen lohnt sich die Überfahrt nach Nesodden allerdings immer, wenn man länger in Oslo ist, sollte man durchaus mehrere Ausflüge dorthin unternehmen. Erstens, weil man sich dort schier unerschöpflich in der Natur bewegen kann und zweitens, weil die Halbinsel bei jedem Wetter ein anderes Gesicht zeigt. Die Speicherkarte meiner Kamera erfreut sich auf diesen Touren regelmäßig der Datenflut.

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Wer Zeit mitbringt schlendert vom Fähranleger auf einem entzückenden Weg bis zum Hafen nach Oksval, an dem Ausblick auf den Oslofjord kann man sich nicht satt sehen. Im Winter überlege ich gelegentlich, ob es sinnvoll wäre Steigeisen unter die Schuhe zu schnallen oder man nimmt gleich die Schlittschuhe, denn Eis und Schnee halten sich hier gerne hartnäckig. Und während man auf die Fähre zurück nach Akerbrygge wartet dreht man dem Fähranleger einfach den Rücken zu und genießt einen der schönsten Sonnenuntergänge über dem Oslofjord, alle Farben des Regenbogens inbegriffen.

Spätestens jetzt ist jeder in Oslove! ❤ ❤ ❤

Kann man von da den Fjord sehen? Ein Selbstversuch in St. Hanshaugen

Also ich bin einfach mal so frech und sage, dass mir so schnell keiner etwas vormacht, wenn es um die besten Plätze in Oslo geht, aber gelegentlich schaue auch ich mal in den ein oder anderen Reiseführer, schon allein deshalb, weil ich es immer spannend finde zu testen, ob ich die ein oder andere Aussage bestätigen kann. Irgendwie habe ich den Stadtteil St. Hanshaugen immer ein bißchen links liegen lassen. Neulich bin ich aber wieder drüber gestolpert, als mir der Oslo-Reiseführer in die Hände fiel. „Eine der besten Aussichten auf die Stadt und den Fjord“ ist doch mal ne Aussage, die mein Fotografenherz höher schlagen lässt. Man muss dazu sagen, dass das Zentrum von St. Hanshaugen – wie könnte es in Oslo anders sein – ein Park ist. Hübsch angelegt im englischen Stil, im Zentrum das Tårnhuset, ein kleines Turmhaus, am höchsten Punkt des Parks thronend, entzückend.

Bis ich die Aussicht genießen kann, muss ich aber erst einmal zu diesem höchsten Punkt gelangen. Und hier kommt wieder der norwegische Winter ins Spiel. Ich habe mir natürlich einen Tag ausgesucht, dem ein Tag Tauwetter vorausgegangen ist und eine Nacht mit Temperaturen deutlich unter null. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass sich diese zwei Komponenten gepaart mit stark ansteigenden Parkwegen zu einer Schlitterpartie zusammen fügen. Aber egal. Ich will wissen ob die Aussicht dort oben hält, was sie verspricht. Immerhin bewirkt die Fortbewegung im Schneckentempo, dass man sich intensiv anschaut, was um einen herum ist. Das beginnt mit den wunderschönen Häuserzeilen, die um den Park liegen und setzt sich fort mit den teilweise witzigen Skulpturen, die über den Park wachen.

Was mich fototechnisch verzweifeln lässt, ist der zugezogene Himmel an diesem Tag, aber ich tröste mich mit der Hoffnung, dass die Sonne über dem Fjord lacht, wenn ich oben bin. Und wenigstens schlittern alle Norweger, die an diesem Tag in St. Hanshaugen unterwegs sind, genauso wie ich durch den Park. Eine übermotivierte Sportgruppe trotzt dem blanken Eis auf den Wegen und bildet einen geradezu grotesken Gegensatz zu allen anderen Park-Besuchern, die sich dankend an jedem Geländer entlang hangeln. Für die Schinderei werde ich dann aber wirklich belohnt. Am höchsten Punkt angekommen ist der Ausblick auf den in Sonne getauchten Fjord wirklich atemberaubend. Wenn ich auch eine kleine Einschränkung machen muss. Jetzt im Winter kann ich ohne Anwendung des Röntgenblicks durch die kahlen Bäume hindurch auf die Stadt schauen.

Wie das im Sommer aussieht werde ich testen!

Akerbrygge-Girl meets Frogner Architecture

Ich gestehe ja, dass ich seit meiner beginnenden Oslove ein bekennendes Akerbrygge-Girl bin. Holz und Glas verbaut in moderne Architektur und das direkt am Oslofjord sind einfach mein Ding. Aber Oslo hat ja viel mehr Stadtteile zu bieten. Und die könnten gegensätzlicher nicht sein. Oslo steht ja nicht erst seit gestern und als es noch Christiania hieß konnte die Stadt bereits mit Prachtbauten aufwarten. Stichwort: Frogner.

Der Stadtteil Frogner war ursprünglich ein Hof in der Kommune Aker, den sich das wachsende Christiania einverleibt hat, vornehmer ausgedrückt: Frogner wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingemeindet. Und da ich sowieso bei jeder Gelegenheit durch den Frogner-Park schlendere, dachte ich es wäre an der Zeit auch einmal die Straßenzüge aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem beginnenden 20. Jahrhundert zu begutachten. Zumal ich gefühlte tausend mal mit der 12er Trikk, der Straßenbahn, durch den Stadtteil gecruist bin. Warum also nicht mal statt am Vigeland-Park, der in den Frogner-Park integriert ist, am Frogner-Plass aussteigen und durch den Stadtteil schlendern.

Und das tat ich dann auch an einem ziemlich kalten Wintertag im Januar. Und ich muss sagen: wer Oslo besucht, sollte es mir unbedingt gleich tun. Mal abgesehen davon, dass es aufgrund des üppigen Schnees mehr ein Rutschen als ein Schlendern war, kann man sich wirklich an den historischen Häuserzeilen nicht satt sehen. In den ebenfalls dort liegenden Stadtvillen haben viele Botschaften ihr zuhause gefunden. Kein Wunder: hier residiert man wirklich herrschaftlich. Frogner kommt äußerst bunt und trendy daher und außerdem liegen hier auch noch die bekanntesten Volksparks der Stadt.

Alles in allem: hier lacht nicht nur das Norweger-Herz sondern auch das des Oslo-Besuchers!

Alex´ Begegnung mit moderner Kunst und Kunstwerk-Katastrophen

Für meine Leser bin ich ja immer unterwegs um zu testen, was Norwegen und vor allem mein geliebtes Oslo zu bieten hat. Und obwohl ich kein Museumsgänger bin nehme ich mir von Zeit zu Zeit immer mal wieder ein Museum vor und bin definitiv in den meisten Fällen positiv überrascht worden. Also dachte ich mir, dass ich mich doch mal an eines der spektakulärsten Museen der Hauptstadt mache, das Astrup Fearnley Museum. Von außen eines meiner Lieblingsgebäude in Oslo, von innen sagen wir – gewöhnungsbedürftig. Hundert Kronen muss man investieren um das, was allgemein unter moderner Kunst verstanden wird, zu begutachten. Ich nehme mir zuerst die Wechselausstellung vor mit dem festen Vorhaben den ausgestellten Stücken etwas abzugewinnen. Aber Leute: ich muss passen. Nein nein nein, ich werde mit dieser Art von Kunst nicht warm und irgendwie ist mir nicht klar was zwölf auf dem Boden stehende Milchtüten eines norwegischen Milchprodukteherstellers mit Kunstwerken zu tun haben. Ebenso geht es mir bei Stöcken, die in Glasscheiben stecken und einem aus Metall-Leisten zusammengeschweißten Paravent, vor dem Lumpen drapiert wurden. Auch die Andächtigkeit, mit der andere Ausstellungsbesucher vor den Objekten stehen und die Frage interpretieren, was denn der Künstler damit sagen wollte, bringt mich eher zum schmunzeln als zum philosophieren.

Nun ja, es bleibt ja noch die ständige Ausstellung im Nebengebäude, die ich mir natürlich auch noch gebe. Wenn schon denn schon. Aber auch hier wird es nicht besser, zumindest nicht für mein Kunstverständnis. Wer schwache Nerven hat, sollte den ersten Raum überspringen, es sei denn er steht auf durchgeschnittene Tiere, die man von innen betrachten kann oder Schafe, die mit offenem Leib wie Jesus am Kreuz drapiert sind. Nein, sorry da hört es bei mir auf. Weiter geht es wenigstens mal in einen Raum mit großflächigen Gemälden und Kollagen. Dem kann ich noch abgewinnen, dass man dafür eine gewisse Kunstfertigkeit braucht. Als ich aber an einem weiteren Raum vorbei komme, in dem zahllose Farbdosen scheinbar wahllos abgestellt wurden, muss ich schnell auf die Kennzeichnung des Raumes schauen, ob es sich hier um Ausstellung oder Lager handelt. Wie hätte es anders sein können? Natürlich gehört es zur Ausstellung. Ich entscheide mich kurzfristig, dass ich für den Tag genug Kunst besichtigt habe und jetzt irgendetwas sehen muss, was meine Augen als ästhetisch empfinden, wie zum Beispiel das ganze Oslo AUSSERHALB des Museums. 😉

Fazit: für mich persönlich ist ein zweiter Besuch meinem Lebensglück nicht zuträglich. Alle anderen müssen das selbst herausfinden. 🙂

Ferrytales

Für gewöhnlich bereite ich ja immer jeden auf die horrenden Preise in Norwegen vor. Was aber wirklich zu den Osloer Highlights gehört und preiswert, nämlich für 50 Kronen, zu haben ist, ist die Überfahrt mit der Fähre von Akerbrygge nach Nesodden. Vorzugsweise macht man das an einem Tag mit intensiver Wolkenstimmung, denn dann wird man mit so eindrucksvollen Momenten belohnt wie Ihr auf den Fotos sehen könnt. 🙂

Der Norweger und seine Technik – oder wie man datenmäßig in Norwegen nicht verloren gehen kann

Ich bin ja an sich jemand, den alle kennen mit iPhone, das an der Hand festgewachsen ist, und auch sonst stehe ich bei allem, was mit Technik zu tun hat und was man online erledigen kann, an vorderster Front. Umso hilfloser fühlt man sich, wenn die wunderbare Technik dann doch mal versagt und man sich hoffnungslos auf dem norwegischen Land verfahren hat. Dass genau in DIESEM Moment alle Akkus leer sind und einem versagt ist im Internet Informationen abzurufen brauch ich wohl keinem zu erzählen.

Mir so geschehen vor einiger Zeit außerhalb von Oslo. Was also tun um zum Ziel zu finden? An die nächstbeste Tür klopfen und nach einem schnellen Kartenausdruck aus dem Internet fragen. Und da man ja nicht weiß an wessen Tür man klopft, steigt die Begeisterung nicht gerade ins Unermeßliche, wenn selbige von der 85-jährigen Omi geöffnet wird. Nicht weil ich etwas gegen 85-jährige Omis hätte, aber die Internetkompatibilität der Generation 80+ kenne ich in deutschen Gefilden eher als zurückhaltend informiert was die Nutzung des Internets betrifft.

In Norwegen bekam ich jedoch gleich mal eine Lektion in „technikbegeisterte Bevölkerung“! Nachdem ich vorgetragen hatte, zu welchem Ziel ich denn eine Wegbeschreibung brauche, dauerte es weniger als 60 Sekunden bis Omi stolz den Ausdruck mit der gewünschten Wegbeschreibung rüberreichte.

Und da sind wir auch schon beim Thema, denn mit der Erfindung des Internets ist Norwegen sozusagen aus einem technischen Tiefschlaf erwacht. Ist es ja auch die praktischste Möglichkeit informatorisch große Distanzen zu überbrücken und man verpasst auch am nördlichsten Rand Europas nicht mehr den Anschluss an das Weltgeschehen. Die Norweger haben sich förmlich auf dieses Medium gestürzt und heute nutzen 92% der norwegischen Bevölkerung das WorldWideWeb, Spitze in Europa.

Mit dem Mobilnetz hat man das gleich mal konsequent weiter umgesetzt, so braucht man sich also nicht zu sorgen, dass man irgendwo in Norwegen kein Handynetz hat und verloren gehen könnte, selbst der entlegendste Fjord beschert einem noch Mobilnetzempfang. Und damit das Ganze auch Sinn und Zweck hat, kann man in Norwegen nahezu sein gesamtes Leben via Mobiltelefon und Internet abwickeln. Angefangen von Kündigungen (die übrigens gerne per SMS verschickt werden), Auftragszusagen sowie jedem erdenklichen Service, den Kommunen und Staat seinen Bürgern bietet.

Und mit der „personnummer“, der norwegischen Sozialversicherungsnummer, lässt sich so ziemlich alles per Internet eröffnen, einrichten oder bestätigen. Der Albtraum deutscher Datenschutzbestimmungen sozusagen.

Und da diese wunderbare Sozialversicherungsnummer von so ziemlich jedem leicht rauszufinden ist, wundert es nicht, dass dieser Albtraum eines jeden Deutschen in Norwegen ein wahres Informationsfeuerwerk ist. Denn mit ein paar Klicks kann man bei jedem, der in Norwegen arbeitet, abrufen was er im letzten Jahr verdient hat, wieviel Steuern er gezahlt hat usw.! Übrigens auch von Prominenten, was alljährlich zu hübschen öffentlichen Diskussionen führt.

Und dass die Digitalisierung auch vor dem Einzelhandel nicht Halt gemacht hat, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Selbst in der entlegendsten Imbissbude ist Zahlung per Kreditkarte selbstverständlich. Wenigstens braucht man dann nicht zu verhungern, wenn man einmal ohne Bargeld im norwegischen Nirgendwo steht. Mit leeren Akkus.