Türchen öffnen auf norwegisch oder: wo geht’s denn hier zum Weihnachtsmarkt?

Adventszeit ist Weihnachtsmarktzeit. Im Allgemeinen verbinde ich das mit hektisch Umherirrenden, die sich zwischen Bratwurst und Glühwein anschicken in überfüllten Geschäften dem Konsum zu frönen. Besinnlich und gemütlich bleibt da schnell auf der Strecke. Ich gebe zu, dass es für mich der Horror schlechthin ist über Weihnachtsmärkte zu bummeln, zumindest, wenn sie sich in Deutschland befinden. Zeit also, Norwegen dem ultimativen Weihnachtsmarktcheck zu unterziehen. Mit Großstädten ist man da ja schnell am Ende. Bedeutet das, dass es hier mit mehr Gemütlichkeit zugeht? Widmen wir uns zunächst der Hauptstadt. Da habe ich natürlich die meisten Gelegenheiten mal schnell ein bisschen Winterweihnachtszauber zu inhalieren. Jedes Jahr versucht man natürlich lichtermässig das Vorjahr zu übertreffen. Gut, dass in Norwegen die Preise für Strom so günstig sind, da kann man voll durchstarten. Das nimmt sich Oslo dieses Jahr besonders zu Herzen. Es scheint, als wenn die Stadt landesweit den ersten Preis für Weihnachtsbeleuchtung gewinnen will. Sehr zur Freude derer, die sich dem Lichterspektakel hingeben. Der Weihnachtsmarkt „Jul i Vinterland“ befindet sich wie jedes Jahr zwischen Nationalteatret und Parlament und wartet diesmal mit einer 1A-Beleuchtung auf. Man verfällt förmlich in den Romantikmodus, wenn man durch die Laubengänge schreitet, die über und über mit tausenden von LED-Leuchten gespickt sind. Ein wahrer Augenschmaus. Da trinken sich Glögg und Co. doch gleich noch einmal so gut.

Copyright: VISITOSLO/Didrick Stenersen http://www.visitnorway.com

Natürlich ist auch das Riesenrad wieder da und man kann in schön exponierter Position auf diejenigen blicken, die ihr sportliches Glück auf der Schlittschuhbahn versuchen. Natürlich sieht das Lichtermeer von oben ganz besonders zauberhaft aus. Zur einen Seite der zu Füssen liegende Weihnachtsmarkt, zur anderen Seite das hell erleuchtete Schloss. So geht Weihnachtsstimmung. Zwar kann man in Oslo nicht davon sprechen, dass man allein auf weiter Flur weilt, wenn man nach der Arbeit ins Vinterland huscht, aber man trampelt sich nicht tot, kann einen Blick auf das werfen, wofür man die ein oder andere Krone ausgeben kann und ist nicht schon nach fünf Minuten so genervt, dass man am liebsten auf die Couch nach Hause möchte.

Beschaulicher geht es auf dem Weihnachtsmarkt im Osloer Folkemuseum zu. Am ersten und zweiten Adventwochenende öffnete er dieses Jahr seine Tore. Ja, im Folkemuseum geht es eben exklusiv zu. Kein dauerhafter Weihnachtsklimbim sondern echte Tradition. Bietet sich ja vor der historischen Kulisse auch an. Hier trägt man traditionell Tracht, die Kids werden zu einem Haufen kleiner Nisse und haben mächtig Spass. Wer will kann sich mit Handwerkskunst eindecken oder einfach nur vom frisch gebackenen weihnachtlichen Brot kosten, das vom Ofen gleich in den Magen wandert. Dazu gibt es Volkstanz, Adventsstunden in der Stabkirche des Museumsgeländes und Adventsgesang. Ja, da kommt Weihnachtsstimmung auf. Die alten Gebäude tun ihr Übriges, dass man sich förmlich in eine andere Zeit zurück versetzt fühlt. Wer ein Stück norwegische Kultur erleben möchte, sollte unbedingt mal hier vorbei schauen.

Paal Mork/Norsk Folkemuseum – visitnorway.com

Schauen wir ein Stück nach Norden, denn da thront die Hauptstadt der Provinz Hordaland – Bergen. Natürlich gibt es auch hier einen Weihnachtsmarkt, hübsch drapiert auf dem Festplassen. Wenn der schon mal so heisst, kann man das Spektakel ja auch dort stattfinden lassen. Das, was es zu kaufen gibt, wiederholt sich natürlich in den meisten Städten, das Spektrum der Weihnachtswaren ist ja schliesslich endlich. Allerdings muss man sagen, dass Bergen den unschlagbaren Vorteil hat, dass es eben von Bergen umgeben ist. Die Häuser schmiegen sich an die Hänge und sind so herrlich gemütlich beleuchtet. Was ein Glück, dass der Norweger an sich per se nicht in ein dunkles Haus kommen mag, wenn er von der Arbeit kommt. Folglich trägt jedes Haus Festbeleuchtung und strahlt sein warmes Licht von den Bergen herab zum Weihnachtsmarkt, der mit seiner eigenen Festbeleuchtung zurück strahlt. Herrlich.

Wer die volle Dröhnung will, kommt am Eröffnungswochenende. Da ist zunächst noch alles dunkel. Keine Lichter, kein festlicher Weihnachtsbaum. Kein beleuchtetes Haus. Am späten Nachmittag versammelt man sich am Festplassen. Die Stadt ist dunkel. Mancher wird sich an diesem Tag fragen, was denn die riesige aufgebaute Leinwand da soll. Dann wird es ganz still. Wie von Zauberhand erscheinen auf der übergrossen Leinwand Weihnachtsliedertexte. Und ehe man sich versieht singen tausende Norweger auf dem Festplassen die ganze Palette weihnachtlichen Liedguts. Da ist es schwer vor Rührung nicht in Tränen auszubrechen. Immer noch brennt kein Licht. Nach einer halben Stunde wird runter gezählt. Is schon Neujahr? Nein, kaum ist der Countdown vorbei, erstrahlt auf einen Schlag die Beleuchtung der riesengrossen Tanne, die auf dem Platz aufgestellt ist, die Hausbewohner an den Hängen beleuchten ihre Häuser und auch sonst gesellt sich auf einmal die gesamte Weihnachtsbeleuchtung hinzu. Mehr Weihnachtsstimmung geht nicht. Von null auf hundert und der Startschuss für die Adventsglückseligkeit. Zauberhaft!

Bergen Tourist Board / Robin Strand – visitBergen.com www.visitnorway.com

Wer Lust auf Süsses hat, schaut in der Pferfferkuchenstadt Pepperkakebyen im Sentralbadet vorbei. Die ist zwar nicht dafür gedacht, dass man sie aufisst, zumindest nicht sofort, aber sie ist herzallerliebst anzuschauen. Kindergärten und Schulen legen sich hier jedes Jahr mächtig ins Zeug um Bergen aus den süssen Köstlichkeiten nachzubauen. Das ist nicht ganz so perfekt wie im Miniaturwunderland, aber Lebkuchen ist ja auch nicht das perfekte Baumaterial. Trotzdem ist die Zuckerstadt jedes Jahr der weihnachtliche Hingucker und man muss sich schwer im Zaum halten das Städtchen nicht an allen Ecken heimlich anzuknabbern.

Copyright: Bergen Tourist Board www.visitnorway.com

Noch ein Stück weiter geht es nach Norden, zu DEM Weihnachtsmarkt, wenn man an Norwegen denkt: Røros. 150 km südöstlich von Trondheim liegt die kleine Stadt, die im Winter regelmässig ganz besonders von sich reden macht. Der Weihnachtsmarkt in Røros konzentriert sich auf ein Wochenende und wartet mit Programm non stop auf. Da weiss man gar nicht, was man zuerst anschauen soll. Die Stadt tut alles um einen in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Und dabei geht es nicht darum, möglichst viel Konsumartikel an den Mann zu bringen. Nein, hier ist stressfreie Weihnachtsglückseligkeit gefragt. Die Stadt hat von je her Handwerkstradition und so kann man hier allerfeinstes norwegisches Handwerk kaufen und das traute Heim mit einem Stück Norwegen ausstatten. „Made in China“ sucht man hier Gott sei Dank vergeblich. Natürlich probiert man sich durch allerhand norwegisches Traditionsessen, mal herzhaft, mal süss, kostet Fischspezialitäten des Landes, mit Liebe gemachte Pasteten und Salamis, aber auch Schokoladen- und Kuchenträume. Nichts für den schon zu engen Hosenbund. Wer will kann die Kalorien jedoch gleich wieder abtrainieren. Da der Norweger ja gerne der Lust an der Natur frönt, gibt es auch ein Wanderprogramm, da ist das schlechte Gewissen nicht allzu gross. Wer mehr der Kategorie „sportlich faul“ zugetan ist, so wie ich, lauscht den Mini Adventskonzerten die das ganze Wochenende über stattfinden. Oder man setzt sich einfach in den Schlitten und lässt sich in romantischer Manier bequem durch die kleinen Gassen ziehen. Warm verpackt unter Schaffell schaut man den Pferdchen zu wie sie vor dem Schlitten trippeln. Die Häuser sind liebevoll beleuchtet und bescheren das ultimative Norwegen-Feeling. Das liegt auch daran, dass in Røros der Begriff „weisse Weihnacht“ noch Programm ist. Die Natur erfreut die Region im Dezember meist mit reichlich Schneepracht. So geht Advent.

Thomas Rasmus Skaug – visitnorway.com

Fazit: wer auf der Suche nach reiner und beschaulicher Adventstimmung ohne Konsumtamtam ist, ist in Norwegen genau richtig. Solltet Ihr also im Winter nach Norwegen reisen wollen, lohnt es sich, seinen Trip in die Adventszeit zu legen, denn der nächste Advent kommt bestimmt!

 

Nordlicht & Sterne oder: wie man mächtig Spass auf der Hurtigrute hat!

Elf Tage auf der Hurtigrute und wir hatten eine fulminante Reise. Das lag nicht zuletzt an den Gästen, die die Reise genossen haben. Keiner liess sich von schlechtem Wetter die Laune verderben. Obwohl: soooooo schlecht war das Wetter gar nicht! Das Nordlicht hat uns etwas hängen lassen, aber ein paarmal war es uns hold. Danke an alle Gäste für eine fantastische Tour!!!!!

Feuerwerk der Farben – Herbst auf der Hurtigrute !

Schon wieder ging die Tour schneller rum, als man gucken konnte. Die MS Trollfjord brachte uns bis zum Nordrand Europas und zurück, inklusive aller Wetterlagen, Nordlichter und Herbstfarbenfeuerwerk. Auch dieses mal haben bei allen die Kameras geglüht und jeder hat die sagenhafte Landschaft voll ausgekostet.  🙂

Facettenreiches Norwegen auf der Hurtigrute !

Die Septemberreise hatte wirklich alles zu bieten, was eine unvergessliche Tour ausmacht. Von sommerlichen Temperaturen bis Sturm war alles dabei. Die Nordlichter haben uns gleich viermal beglückt. Und so kamen wir zurück, randvoll mit Erlebnissen. ❤

Buchen kann man bei uns übrigens auch. 🙂

Berge, Bergen, Bergen-Bahn – einmal quer durch Norwegen bitte !

Nachdem ich in Norwegen ja eher immer auf der Nord-Südroute oder umgekehrt unterwegs bin, ist es Zeit die Ost-West-Reiseroute einzuschlagen. Schließlich startet bei uns in Oslo täglich die Bergen-Bahn gen Westküste. Damit auch noch Zeit für ein bißchen Bergen bleibt, finde ich den 8:25 Uhr Zug passend. Immerhin sitzt man sieben Stunden in selbigem und lässt sich durch die norwegische Natur kutschieren. Der letzte Waggon ist dabei ein Glücksgriff, weil man praktisch die ganze Fahrt an der rückwärtigen Fensterscheibe kleben kann und aus den Seitenfenstern in Kurven Blick auf den gesamten Zug hat.

 Kaum ist man aus Oslo raus geht es landschaftlich erstmal gemäßigt weiter. Ok Oslo ist nicht gerade von steil aufragenden Bergen umgeben. Trotzdem ist die Fahrt entlang an Fluss, Wiese und Hügel zauberhaft. Ich persönlich habe ja immer die Neigung bei Zugfahrten spätestens nach Kilometer fünf sanft zu entschlummern. Aber hier muss ich einfach die fabelhafte Landschaft auf mich wirken lassen.

Nach und nach wird es rauher. Eben war ich noch im Oslo-Sommer und eh man sich versieht ist wieder Winter. Aber das macht nichts, da die Fahrt durch die Hardangervidda einfach zum schönsten Teil der Strecke gehört. Die Bahn schiebt sich hoch auf 1.222m und der Schnee hat hier noch alles fest im Griff. Kein Wunder, dass sich hier die besten Skigebiete Norwegens aneinander reihen. Beim Stopp in Geilo ist einem irgendwie klar, warum hier das Mekka der Wintersportler beginnt. Das Tor zur größten Hochebene Europas lässt jedes Ski-Herz höher schlagen.

Copyright: insidenorway

Copyright: insidenorway

Weiter geht es nach Finse, zugleich höchstgelegener Haltepunkt der Strecke und das Gebiet, in dem sich schon Scott und Amundsen für ihre Polarexpedition  übungsmäßig ausgetobt haben. Wie wir wissen hat es Scott leider nichts genutzt. Wer für Polarexpeditionen nicht so viel übrig hat, kann Star-Wars-Feeling genießen. Schließlich wurde ein Teil von „Das Imperium schlägt zurück“ hier gedreht.

Weiter geht es Richtung Voss mit Traumblicken in Täler und auf die schneebedeckten Berge. Lediglich die Tunnel könnte man auf der Strecke gelegentlich verfluchen. Ja, ok, die witterungsbedingte Notwendigkeit selbiger sehe ich ja ein, aber immer wenn man gerade ein Fotomotiv entdeckt hat, schiebt sich gerne zwischen Zug und Landschaft: die Tunnelwand. Also immer in fotografischer Hab-Acht-Stellung bleiben, wenn man am Ende nicht eine hübsche Ansammlung von Tunnelbildern haben will.

Copyright: insidenorway

Copyright: insidenorway

Sobald man sich Bergen nähert, wird´s wieder sommerlicher. Die grünen Wiesen sind zurück und die Bahn fährt nah am Wasser vorbei. Herrlich. Nach sieben Stunden erwartet einen schließlich Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens und eine der schönsten. Nach Ankunft ist der Besuch im Hanseviertel Pflicht. Egal wie oft man schon dort war, der Blick auf die Holzhäuser und den Hafen sind einfach immer wieder zauberhaft. Vor allem, wenn Bergen sich überlegt hat den Besucher mal nicht mit Regen zu beglücken. Das ist ja in der Hauptstadt der Provinz Hordaland leider Programm.

Ich gönne mir noch einen kurzen Abstecher nach Gamlehaugen. Hier wohnt die Königsfamile wenn sie sich in der Stadt aufhält. Wenn ich bedenke, dass der Kronprinz hier während seines Studiums gewohnt hat, könnte ich mir schlechtere Studentenunterkünfte vorstellen.

Gamlehaugen, Copyright: insidenorway

Gamlehaugen, Copyright: insidenorway

Alles in allem: die Bergen-Bahn ist ein toller Einstieg in die Zug-Welt von Norwegen und ich werde weitere Strecken ausprobieren. Genügend davon hält Norwegen ja bereit. Nächster Halt: Dovre-Bahn. 🙂

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 1 !

Nordnorwegen hat lange darauf gewartet. Jetzt ist sie wieder da. Die Sonne. Vorbei das Ich-hab-um-14-Uhr-schon-das-Gefühl-dass-es-19-Uhr-ist-feeling. Bevor das Ganze aber in die umgekehrte Richtung läuft, hat man jetzt im Frühjahr auch im hohen Norden so etwas wie ausgewogene Verhältnisse was Tages- und Nachtlänge angeht. Und so sieht man auch wieder  viel mehr von der Landschaft, während man die norwegische Küste mit der Hurtigrute entlang schippert.

Natürlich geht es wie immer los in Bergen. Auch im Frühjahr muss man sich noch damit begnügen die Stadt nur im Dunkeln zu bestaunen, wenn das Schiff ablegt, es sei denn man hat sich noch ein Bergen-Vorprogramm gegönnt. Und eine Mütze auf dem Kopf tut auch noch ziemlich gut, denn die Temperaturen sind noch nicht SO im Im-T-Shirt-an-Deck-Modus. Aber die Vorfreude auf den ersten langen Stopp am nächsten Tag ist schon da. Ålesund winkt. Obwohl der Halt in DER Jugendstilstadt Norwegens so herrlich mitten im Tag liegt und man Ålesund dadurch ganzjährig im Tageslicht bestaunen kann, verändert sich das Licht doch mit dem Frühlingserwachen. Ein guter Moment um den Aksla, den Hausberg, zu erklimmen. Schließlich hat man von dort die ganze Stadt im Blick samt zugehöriger Inseln.

Ålesund, Copyright: insidenorway

Ålesund, Copyright: insidenorway

Man keucht also hinauf. 414 Stufen. Netterweise wurden bei der Renovierung der Treppenstufen überall Haltepunkte eingebaut, auf denen man sich niederlassen kann. Für die Konditionsschwachen. Den besten Blick hat man natürlich von ganz oben. Die Stadt, die Sunnmøre-Alpen, einfach herrlich. Und auch das Hurtigruten-Schiff sieht man am Kai liegen, wo es brav auf die Rückkehr der Reisenden wartet.

Am Nachmittag geht es dann weiter. Kurs Nord. Kurzer Stopp in Molde und Kristiansund und  schon ist Trondheim in Sicht. Tag drei ist Frühaufstehertag. Schließlich legt man um sechs Uhr morgens bereits an. Nebenan liegt Kollege südgehend. Man kann also auf einen Besichtigungssprung rübergehen. Danach: die Stadt erkunden. Für mich persönlich ist Trondheim ja eine meiner Lieblingsstädte, obwohl sie sich auf der Schwelle zur wärmeren Jahreszeit noch nicht entscheiden kann, ob es noch Winter ist oder bereits Frühjahr. Im Winter bin ich ja gerne mit Spikes unterwegs, einfach um sicher zu gehen, dass auch nach dem Spaziergang noch alle Knochen heil sind. Das kann man im Zwischen-den-Jahreszeiten-Zustand getrost vergessen. Wer auf eisfreiem Kopfsteinpflaster schon mal mit Spikes gegangen ist, weiß, wovon ich rede. Man hüpft also von eisfrei zu eisfrei und wendet beim Rest den berühmten Pinguin-Walk an. 😀

Trondheim, Bakklandet, Copyright: insidenorway

Trondheim, Bakklandet, Copyright: insidenorway

„Nebenbei“ bewundert man Kanalhafen, die Altstadt und den Dom. Alles prima. Zurück auf dem Schiff geht es weiter Richtung Polarkreis. Ja, am vierten Tag ist er schon wieder da. Der kleine Globus, der einsam auf einem Felsen steht. Nicht spektakulär, aber er markiert immerhin, dass man sich ab jetzt in Polargefilden bewegt. Das mit den Frühlingsgefühlen ist dann auch spätestens hier vorbei. Anorak, Mütze und Handschuhe und das alles hübsch bis oben zugeschnürt, holen einen ins Winterfeeling zurück. Ja, es ist eben Nordeuropa. Da die Lofoten in Sicht sind, macht das nichts. Schließlich hat die Inselgruppe ihren besonderen Zauber. Das mit dem Ich-will-es-im-Tageslicht sehen fällt aber noch unter: nein. Dafür winkt für den, der in Stamsund aus- und in Svolvær wieder einsteigt, die Chance auf ein Wikingermahl im Lofotr-Wikingermuseum.

Lofotr-Wikingermuseum, Copyright: insidenorway

Lofotr-Wikingermuseum, Copyright: insidenorway

Es gibt derbe Wikingerkost. Lamm, Gemüse und Brot schmecken sensationell und die Portion ist so groß, dass man hinterher nicht mehr „papp“ sagen kann. Das Ganze spült man runter mit Met, das ja so gar nicht mein Fall ist. Süße Getränke mit 25% Sprit schreien bei mir nach dickem Kopf. Für die Nicht-Metler gibt es dafür Wasser. Aber auch ohne Honigwein erfreut man sich an einem Stück Wikingerleben, singen und tanzen inklusive.

Jetzt ist Tromsø dran. Und wie von zauberhand ist man bereits 350km nördlich des Polarkreises. Und hier ist es dann auf einmal auch wieder Winter. Dafür sind die Berge wieder da. Also sie waren ja auch im Winter da, haben sich aber in der Polarnacht verborgen. Jetzt machen sie der Eismeerkathedrale Konkurrenz, die ja im Winter so ziemlich alle Blicke auf sich zieht. Nicht, dass sie bei Tageslicht weniger zauberhaft ist. Sie thront nun einfach in liebevoller Konkurrenz mit Tromsøs Hausberg am Ende der Tromsøbrücke. Wer sich auf selbigen allerdings von der Gondel schaukeln lassen möchte muss noch warten. Sie liegt immer noch im Winterschlaf.

Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Auch der Rest der Stadt will noch am Winter festhalten.  Das beliebte auf-blankem-Eis-laufen-Thema ist wieder da.  Streuen? Ach, woher denn.  Das verdirbt ja auch den Spaß am publikumswirksamen Armrudern. Allerdings scheinen die Norwegerinnen zuweilen ein zusätzliches Gleichgewichtsorgan zu besitzen. Während ich froh über meine Outdoorschuhe bin, flache Sohlen und so, wagt sich die ein oder andere auf High Heels aufs Eis.

Was kommt jetzt? Das Nordkapp natürlich. Und damit wieder Natur pur, Winter deluxe und – Wind. Nach sechs Tagen hat sich das Schiff zum reisetechnischen Bergfest navigiert. Schließlich geht es zum Wendepunkt Kirkenes ja wieder nach Süden obwohl man eigentlich nordgehend ist. Hurtigruten-Geographie.  Kirkenes hat es sich aber einfach  auf der fast gleichen geografischen Breite wie Tromsø gemütlich gemacht.

Aber vom Nordkapp und dem „Dahinter“ wollen wir Euch im zweiten Teil erzählen. 🙂 ❤

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 2

Die Reise auf der Hurtigrute geht weiter. 7. Tag. Kirkenes. Nur zehn Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Ok, Kirkenes ist keine wirkliche Perle, aber das Drumherum macht alles wett. Erstes Muss: das Schneehotel unweit der Stadt. Über Mangel an Winter kann man sich hier nun wirklich nicht beschweren. Bei minus zwanzig Grad kommt man kältemäßig voll auf seine Kosten. Und im Hotel empfindet man die minus vier Grad geradezu als hochsommerlich. Kaum zu glauben, dass das Hotel jede Saison neu aufgebaut wird, nachdem das Tauwetter ihm im Sommer den garaus gemacht hat. Die Zimmer sind zauberhaft gestaltet, jedes hat ein eigenes Thema, lediglich die Betten bestehen nicht aus Eis und der Polarschlafsack hält für die Nacht mollig warm.

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Auf dem Gelände des Hotels gibt es aber noch viel mehr zu sehen. Zum Beispiel: Rentiere. Man muss ein bißchen warten bis sich eins blicken lässt. Aber wenn man sie erspäht gerät man in Entzücken. Perfekt an die Kälte angepasst und einen mit großen Augen anschauend. Gleich gegenüber: die Wohnstube der Huskys. Nicht vergleichbar mit unserer Vorstellung eines gemütlichen Wohnzimmers, aber der Husky an sich wohnt eben gern kältebetont. Schließlich will man sich als Schlittenhund jederzeit im kühlen Schnee wälzen können. Husky-Vergnügen. Der Sucht-Schlittenfahrer bricht dann auch hier zu seiner zweiten Husky-Safari auf. Wiederholungstäter und so. Wer keinen Platz mehr ergattert hat, begnügt sich mit zuschauen.

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Die Alternative winkt am Nachmittag. Das Schneemobil. Mit PS unter dem Allerwertesten ist der zugefrorene Fjord Trumpf. Durch das norwegische Winterwonderland sausen, die Polarluft einatmen, umrahmt von der rauhen arktischen Landschaft. Das Paradies könnte nicht besser sein.

Dann heißt es: südgehend. Am 8. Tag winkt Hammerfest. „Into the Ice“ sollte man auf der Wintertour unbedingt ausprobieren, nicht nur weil man stilecht in Expeditionsausrüstung der 1910er Jahre unterwegs ist, sondern auch weil man den Hauch einer Ahnung bekommt, wie es sich anfühlt einer arktischen Expedition anzugehören. Eben bewegt man sich noch „trittfest“ auf blankem Eis um einen Schritt weiter kniehoch im Schnee zu versinken. Pioniergeist und so. Logisch, dass man am Gipfel die norwegische Flagge hisst. Den Traumblick auf das winterliche Hammerfest gibt es kostenlos dazu.

Copyright: Dietmar Henrich

Copyright: Dietmar Henrich

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Zurück vom Gipfel ist man dankbar für warmen Tee und Suppe im Zelt, obwohl das Feuer in selbigem so einheizt, dass man sich nach fünf Minuten temperaturmäßig in der Karibik wähnt.

Am Abend winkt ein Kulturgenuss. Stopp in Tromsø. Wer sich nordgehend der Huskyschlittenliebe hingegeben hat, bekommt südgehend jetzt die zweite Chance zumindest ein bißchen von der größten Stadt Nordnorwegens zu sehen. Beim Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale sollte man sich von klassischer Musik entzücken lassen. Das Wahrzeichen von Tromsø thront am Ende der Tromsøbrua, der Tromsøbrücke, und ist in seiner abendlichen Beleuchtung einfach wunderhübsch anzuschauen.

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

An Tag 9 ist das Schiff zurück auf den Lofoten. Genauer gesagt in Svolvær. Nun gut, die Ausflugsmöglichkeiten sind im Winter begrenzt, aber ein Spaziergang zur Halbinsel Svinøya lohnt sich auch im Winter. Stockfischgestelle, Fischfabrik und Rorbuer (die alten Fischerhütten) lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Fisch hier ein größeres Thema ist. Dem Stockfisch bin ich ja nicht so außerordentlich zugetan, aber die Atmosphäre auf der Halbinsel nimmt einen gleich gefangen. Wer noch den entzückenden alten Krämerladen besucht unternimmt eine Zeitreise nach Alt-Norwegen.

Svolvær, Copyright: insidenorway

Svolvær, Copyright: insidenorway

An Tag zehn wird der Polarkreis wieder nach Süden überschritten. Das Tageslicht ist zurück, wenn auch erst einmal mit spärlichen drei Stunden, aber immerhin. Zeit für einen Ausstieg in Sandnessjøen. Die Länge des Stopps ist zwar überschaubar, aber für einen Spaziergang am Kai mit ein paar zauberhaften Fotomotiven reicht es. Die Kutter liegen schlafend im eisklaren Wasser vor einer zauberhaften Bergkulisse. Und da die Sonne ja wieder über den Horizont klettert, kann man auf der Weiterfahrt gleich an Deck stehen bleiben um die Bergkette der Sieben Schwestern zu bestaunen. Die sieben Jungfrauen, die vor König Hestmannen flohen, erstarrten hier bei Sonnenaufgang zu Stein. Ja, die Norweger sind eben gekonnt darin die Natur ihres Landes mit Legenden zu bestücken. Und imposant ist die Gebirgskette noch dazu. Der zur Legende zugehörige Torghatten, der berühmte Berg mit dem Loch, verschwindet auf der Wintertour allerdings in der Dunkelheit.

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Der Trondheim-Fan und Frühaufsteher hat an Tag 11 die zweite Gelegenheit durch die Stadt zu ziehen. Wer um halb sieben am morgen die zwanzig Minuten vom Anleger in Trondheims Zentrum läuft, hat sich kalorienmäßig schon das Frühstück verdient. Hilfreich, denn die Coastal Kitchen, die auf dem Schiff serviert wird, kann man nur schwer ignorieren. Am Ende der Reise hat man sich so ziemlich durch alle Spezialitäten gegessen, die Norwegens Küste zu bieten hat. Das Food-Baby wächst. 😉

Amselben Tag stehen noch einmal Kristiansund und Molde auf dem Programm. Beine vertreten, Hafen genießen, den Ausklang der Reise beweinen.

An Tag 12 ist es soweit. Bergen ist in Sicht. Und verbunden damit der Gedanke, dass man doch eben noch 2.500km nördlicher war. Wo man nordgehend noch dachte, dass man sich gemächlich gen Nordkapp bewegt, hat man südgehend das Gefühl, dass streckenmäßig der Turbo eingeschaltet wird. Wer bei der Einfahrt in Bergen am Bug steht, dem raubt der Wind fast den Atem. Aber zu verlockend ist es zu beobachten wie die Stadt immer näher kommt. Und so kann man sich mit Gedanken an die Reise von seinem Schiff verabschieden. Bis man wiederkehrt. Zur nächsten Tour. Auf der Hurtigrute.

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 1

Die norwegische Küste ist ja mit reichlich Reisekilometern bestückt. Da ist es doch äußerst hilfreich, dass Richard With aus Stokmarknes 1893 sein Dampfschiff an der norwegischen Küste entlang schickte und so die Hurtigrute geboren wurde.

Seit 1898 geht es los in Bergen. Die ganze Strecke bis Kirkenes und zurück zu fahren ist natürlich nicht verpflichtend, aber wenn schon, denn schon. Also hurtig den 12-Tage-Vorrat an Klamotten in der Kabine verstauen und da die Schiffe jetzt im Winter erst um 22:30 Uhr in Bergen ablegen, bleibt noch Zeit für die Erkundung der Stadt. Zumindest rudimentär. Für einen Spaziergang zu den zauberhaften Hansehäusern im Hafen reicht es allemal und vom Regen, der in Bergen ja mehr als gelegentlich vorkommt, lässt man sich einfach nicht in seine Unternehmungslust reinreden.

Beim Ablegen weht ein Hauch von Abenteuer ums Schiff. Schließlich sind es ja auch knapp 2.500km, die man bis zum Wendepunkt in Kirkenes zurücklegt. An Deck stehen im eisigen Wind muss sein. Schließlich ist Norwegen „powered by Nature“ und das will man ja auch spüren. Ok, nach spätestens einer halben Stunde ist man ein wandelnder Eiszapfen und freut sich über die muggelige Wärme im Schiff.

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Das Schiff fährt brav durch die Nacht, während man sich zur ersten Ruhe bettet. Und gleich am nächsten Tag erreicht man eines der Städtehighlights von Norwegen: Ålesund. Ich habe ja schon mehrfach über dieses fabelhafte Städtchen berichtet und in den drei Stunden, die das Schiff am Kai liegt, lässt sich hier alles wesentliche besichtigen. Allem voran natürlich die zauberhafte Jugendstil-Architektur. Und den Aussichtsberg Aksla. Und und und.

Um 15 Uhr geht es weiter. Nach Molde. Hier bleibt man meist ein „An-Deck-Steher“, da das Schiff nur dreißig Minuten am Kai liegt. Dafür hat man einen herrlichen Blick auf das Scandic Seilet Hotel, in der Bauweise ein bißchen in Dubai abgeguckt. Gebaut wie ein Segel und so. Und das Lichtermeer der Häuschen von Molde kann sich auch sehen lassen, auch wenn man die Romsdalsalpen im Winter nur erahnen kann. Am Abend läuft man in Kristiansund ein. Für mich eine der schönsten Hafeneinfahrten überhaupt. Auch im Winter oder vielleicht gerade da. Die Lichter kommen immer näher, das Schiff zieht vorbei an Häusern und Hafengeschehen. Herrlich! Den arktischen Wind muss man eben einfach ertragen.

3. Tag. Also das mit dem frühen Vogel ist mir ja normalerweise eher egal, aber an diesem Tag ist Frühstück um 7 Uhr eine echte Option, weil man sich in Trondheim dann so richtig austoben kann. Die Stadt ist ja überhaupt zauberhaft und für mich auch eine der Favoritenstädte.

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Der Dom ist einfach immer wieder imposant und wer den kurzen steilen Weg nicht scheut, erklimmt die stadteigene Festung Kristiansten, traumhafter Blick über Trondheim inklusive. Klar, dass man auch am Kanalhafen vorbei schaut, wo man bei den bunten typischen Lagerhäusern gleich in Verzückung gerät. Norwegisch heimelig. Gleiches in der zauberhaften Altstadt, wo sich die Holzhäuschen dicht an dicht schmiegen und das Auge mit allen Farben erfreuen.

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Nach einigen Häfen, die man genüsslich in der Nacht verschläft, erreicht das Schiff am 4. Tag Bodø. Ich persönlich favorisiere den Ausflug zum Saltstraumen, schließlich ist man nicht jeden Tag an so einem gewaltigen Gezeitenstrom. Im Winter gewinnt der, der die superwarme Jacke im Gepäck hat, denn hier weht zu dem reißenden Strom ein Wind, dass es einem die Haare vom Kopf weht. Powered by Nature eben. Wer sich vom Schnee, der einem wie kleine Messer ins Gesicht schneidet, nicht beeindrucken lässt, genießt den Ausblick auf die Strömung gleich unter Brücke, die über den Saltstraumen führt. Die Angelfreunde, die hier sonst zahlreich anzutreffen sind, halten sich bei diesem Wetter eher mit ihrer Anwesenheit zurück. Wahrscheinlich verharren die Fische sowieso irgendwo im „Winterschlaf“. 😉

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Das mit dem „hell“ hat sich ab hier dann auch erledigt, denn mittlerweile befindet sich das Schiff schon nördlich des Polarkreises. Obwohl: viele denken ja, dass Polarnacht gemeinhin bedeutet, dass der ganze Tag so stockfinster ist wie die Nächte. Aber auch in der Polarnacht kann man tagsüber auf Dämmerung hoffen. Mehr ist allerdings nicht drin. Bei wolkenfreiem Himmel hat man aber immerhin das Gefühl man lebt nicht in völliger Dunkelheit. Dafür bekommt man in dieser Jahreszeit aber auch die spektakuläre Lightshow der Nordlichter dazu, vorausgesetzt natürlich, dass der Himmel gnädig ist und die Wolken woanders hinschickt. Das Schiff hält sich aber so lange in der Nordlichtzone auf, dass es schon mit dem Teufel zugehen muss, wenn man keine zu Gesicht bekommt.

Nächster längerer Stopp ist Tromsø. Davor gibt es zwar noch einen einstündigen Aufenthalt in Svolvær auf den Lofoten, aber das soll aufgrund des längeren Stopps auf dem Rückweg hier mal unter den Tisch fallen. Auf der Winterfahrt gilt es sich in Tromsø zu entscheiden: Trip durch die Stadt oder auf zur Hundeschlitten-Tour. Mein klarer Favorit: die Hundeschlitten-Tour. Das Wahrzeichen von Tromsø, die Eismeerkathedrale, lässt sich auch auf dem Rückweg, wenn das Schiff wieder südgehend ist, noch bestaunen.

Also Hundeschlitten. Warm eingepackt mit allem, was dazu gehört. Vom Schlitten aus genießt man den atemberaubenden Blick auf die eisige Natur und auch wenn es bei der Tour dunkel ist, ist die Atmosphäre einzigartig. Mit der Stirnlampe unter Sternenhimmel auf dem Schnee dahin zu sausen hat was!

Copyright: Janina Graf

Copyright: Janina Graf

Müßig zu erwähnen, dass man am Ende des dreistündigen Ausflugs süchtig ist. Süchtig nach dem Einssein mit der Natur, der Kraft der Huskys, ja sogar süchtig nach der Kälte. Gut, dass man am Wendepunkt in Kirkenes nochmal darf – wenn man einen Platz ergattert. Der Suchtfaktor befällt nämlich so ziemlich jeden.

An Tag 6 erreicht das Schiff Honningsvåg. Das Nordkapp ist nahe. Der Ausflug zum Felsplateau mit dem Globus ist Pflicht. Wenn man schon bis hier gekommen ist, will man schließlich auch gen Nordpol auf die Barentssee schauen. Durch die Polarnacht geht es mit dem Bus weiter nach Norden. Und weil im Winter das letzte Stück der Straße gesperrt ist, fährt man in der Kolonne, so wie es in Norwegen wintertypisch ist. Der Schneepflug vorne weg, alle Busse und Autos hinterher. Wer die Kolonne verpasst muss draußen bleiben.

Am Nordkapp weht – wie sollte es anders sein – der kräftige Winterwind. Nie war man dankbarer für Mütze und Handschuhe. Trotz eisiger Kälte steht man andächtig am gusseisernen Globus und schaut in die eisige Polarnacht hinaus auf die Barentssee. Überwältigend. Wer hier noch Nordlichter erlebt ist im Norwegenhimmel.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

7. Tag. Schon ist der Wendepunkt der Reise erreicht. Bereits jetzt ist man randvoll mit Erlebnissen. Aber auch im zweiten Teil hält die Reise einiges bereit. Doch davon wollen wir Euch das nächste mal erzählen. To be continued…… 🙂

Fjordidylle? – in Norwegen gibt es auch Städte! Ja ok, die Natur ist immer dabei.

Für manch einen ist die Existenz von Städten in Norwegen eine Überraschung. Denn kaum jemand fährt wegen der Städte dorthin, Oslo vielleicht ausgenommen. Die meisten sind eher durch Fjorde, Angeln, Berge, Wandern oder was man eben sonst so in der Natur macht, motiviert nach Nordeuropa aufzubrechen. Ok, Mitternachtssonne und Polarlichter sind auch ein Thema. Aber es gibt sie tatsächlich. Städte in Norwegen. Und darunter einige wirklich sehenswerte. Bei mir hat sich ja im Laufe der Zeit so etwas wie eine Städte-Highlight-Liste manifestiert. Obwohl es zuweilen schwierig ist alle Städte miteinander zu vergleichen, weil sie so unterschiedlich sind, schon allein der extrem unterschiedlichen geographischen Lage wegen.

Mein Liebling ist und bleibt ja Oslo, weil es sich dort nicht nur wunderbar leben lässt, sondern weil die Hauptstadt an Dynamik nicht zu übertreffen ist, trotz der Größe einen Mega-Gemütlichkeitsfaktor hat, viel Kultur, viel Freizeitvergnügen, eben von allem das meiste in Norwegen. Hauptstadt eben. Jeder fünfte Norweger lebt hier.

Oslo, Copyright: insidenorway

Oslo, Copyright: insidenorway

Aber da gibt es ja noch mehr. Eine meiner Lieblingsstädte ist ja nach wie vor Bergen in der Provinz Hordaland und so ziemlich das größte Regenloch des Landes – obwohl: hatte ich bei meinen Besuchen immer nur Wetterglück oder stimmt das mit der regenreichsten Stadt Europas gar nicht. 😉 Regen hin oder her, die Stadt hat ne Menge zu bieten, von den berühmten Hansehäusern über den Fischmarkt, Aussichtsberge, Hurtigruten, Museen und und und. Und auch das Umland kann sich sehen lassen. Der Hardangerfjord liegt in der Nähe…..ups….doch schon wieder Natur. Ich glaube, genau DAS macht den Reiz der meisten Städte in Norwegen aus. Wenn man vom Trubel genug hat, kann man ruckzuck in der Natur auftanken. Und zwar in Natur der Marke „Atemberaubend“.

Nicht ganz so weit von Oslo liegt ja noch Lillehammer. Irgendwie wird die Stadt gerne vergessen stelle ich fest, die meisten erinnern sich gerade noch, dass da mal olympische Winterspiele waren. 1994. Aber das ist ja schon zwanzig Jahre her. Den Olympia-Park kann man natürlich heute noch besichtigen, im Sommer steht die Anlage ein bißchen traurig herum, nun gut, Skisprungschanzen beeindrucken eben am meisten im schneebedeckten Zustand. Die herrlich bunten Holzhäuser in der Innenstadt sind allerdings zu jeder Jahreszeit ein Highlight und erst recht der 117km lange Mjøsa-See, an dessen Nordufer die Stadt liegt. Merke: schon WIEDER Natur. 😉

Lillehammer

Lillehammer

Wechseln wir an die Westküste. Gut 300km nördlich von Bergen liegt Ålesund, definitiv auch einer meiner Favoriten. Hier gibt es Jugendstil bis zum Abwinken, den Atlantic Sea Park, die Stadt verteilt sich auf mehrere Inseln und nicht zu vergessen: die blaue Stunde. Im Grunde bezeichnet die „blaue Stunde“ nichts anderes, als dass das Blau des Himmels seine spektrale Zusammensetzung ändert. Physikalisch unromantisch und überall auf der Welt vorkommend, aber in Ålesund ist sie eben besonders zauberhaft. Für die Natur-Unersättlichen: der Geirangerfjord liegt vor der Tür.

Noch weiter nördlich liegt Trondheim. Der Stadt ist in unserem Blog ja schon ein eigener Artikel gewidmet. Nidaros-Dom, Stiftsgården (das größte Holzpalais Skandinaviens) und Kanalhafen gehören zum Pflichtprogramm.

Blaue Stunde in Ålesund, Copyright: Per Eide/visitnorway.com

Blaue Stunde in Ålesund, Copyright: Per Eide/visitnorway.com

Noch weiter nach Norden geht es. 350km nördlich des Polarkreises lockt Tromsø. Wahrzeichen ist die Eismeerkathedrale und sie ist auch unübersehbar. Außerdem ist der nördlichste botanische Garten der Welt ein Muss, alles, was in anderen Botanischen Gärten vor Wärme umkommt, erfreut sich hier regen Wachstums. Und dann Polaria, arktisches Aquarium, das einen in die Tierwelt der Arktik entführt, für alle, denen es zu kalt ist selbst im Polarmeer rumzutauchen. 😉

Schluss ist mit Norden allerdings noch nicht. Aber die Städte, die in Richtung Pol jetzt noch ausstehen, können flairmäßig ihre geographische Lage nicht verleugnen. Ich stelle fest, das Stadtfeeling nach Norden ab- und Natur eindeutig zunimmt. In Kirkenes zum Beispiel. Ja die Stadt an sich kann man keine architektonische Perle nennen und norwegisches Bilderbuchflair? Nein, nicht wirklich. Eher Grenzfeeling. Bis Finnland sind es 35km, bis Russland nur 10km. Gut, also wir schwenken wieder in die Naturaktivitäten. Und die sind erstklassig. Schneemobil, Flussboot, Quad, Wander- und Angeltouren, Königskrabbensafari, Eisfischen und Hundeschlitten. Langweilig wird es nicht. Im Sommer kommt die Mitternachtssonne hinzu, im Winter die Polarlichter. Das teilweise städtebauliche Grauen denkt man sich weg. 😉

Königskrabbensafari bei Kirkenes, Copyright: Terje Rakke/Nordic Life - Visitnorway.com

Königskrabbensafari bei Kirkenes, Copyright: Terje Rakke/Nordic Life – Visitnorway.com

Ja und jetzt? Jetzt ist Europa zu Ende. Moment, nein da ist noch was. Etwas, das ganz einsam im Nordpolarmeer liegt, eine Inselgruppe, die wie ich finde zu den norwegischen Highlights gehört. Spitzbergen. Oder Svalbard, wie es in Norwegen heißt. Natürlich gibt es auch hier eine Stadt, mit dem abenteuerlichen Namen Longyearbyen, eine der nördlichsten Städte der Erde. Mit dem Prädikat „Stadt“ ist dann aber auch schon alles über Longyearbyen gesagt, der Bergbaufreak ergötzt sich an den alten Bergbauzechen. Alle anderen ergötzen sich an der Natur. Also das mit dem „Stadt ohne Natur“ scheint in Norwegen nicht zu gehen. 😉 Aber man befindet sich hier ja auch wirklich, wo sich die Polarfüchse nicht nur sprichwörtlich gute Nacht sagen. Ebenso die Eisbären, Svalbard-Rentiere und Svalbard-Gänse.

Longyearbyen, Spitzbergen

Longyearbyen, Spitzbergen

Fazit: Stadt und Land lassen sich in Norwegen eben doch nicht so richtig trennen. Das ist der Zauber des Landes. Der Glamourfaktor nimmt nach Norden immer weiter ab. Und über den Norden da sagte einmal ein Norweger zu mir: Landsbygda er ikkje for sveklingar! (Die Landschaft ist nichts für Weicheier) Das sind wohl wahre Worte und ein Grund über seinen Weichei-Faktor hinauszuwachsen. Die Belohnung: ein erfülltes Norwegen-Herz!

Wo nicht nur Bergen lockt – Hordaland

Die Provinz Hordaland steht in Norwegen ganz oben auf der Städtereise-Speisekarte. Nach Oslo reist der Städteliebhaber bevorzugt nach Bergen. Logo, das Bergen einiges zu bieten hat. Wer ist nicht verzückt den Blick auf die Stadt von einem der Aussichtsberge zu genießen. Die Wahl zwischen Fløyen und dem Berg Ulriken entscheidet sich nur dadurch, ob man mehr der gediegene Bergbahn- oder Gondeltyp ist. Nun ja und auf dem Ulriken ist mehr Ruhe. Wer also gern in kleinen Kabinen auf den Gipfel schaukelt, wählt letzteren Aussichtsberg.

Aussicht vom Berg Ulriken, Copyright: CH - Visitnorway.com

Aussicht vom Berg Ulriken, Copyright: CH – Visitnorway.com

Aber es lohnt sich dann eben auch ein Ticket für einen Fjordkurzurlaub zu buchen, heißt: ab in den Hardangerfjord. Liegt in der Nähe, ist 170km lang und erfreut durch eine der schönsten Obstblüten in ganz Norwegen. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen, alles blüht im Mai bunt durcheinander und im Sommer kann man dann zum Pflücken wiederkommen. Und man braucht die Entscheidung auch erst zu fällen, wenn man bereits in Bergen weilt, da alles unkompliziert gleich vor Ort buchbar ist. Man tuckert also gemütlich per Schiff durch den Fjord und genießt das Blütenmeer der Obstbäume und die Berglandschaft nebst schneebedeckter Gipfel.

Copyright: CH - Visitnorway.com

Copyright: CH – Visitnorway.com

Wem eine Schnupperfahrt zu kurz ist, kann Abhilfe schaffen mit einer Tour auf der norwegischen Landschaftsroute Hardanger. Wenn man schon mal da ist, am besten gleich das Rundum-Besichtigungspaket. Grün, Wasser, Berge, Gletscher, mal aufregend tosend, mal diese unendliche Ruhe ausstrahlend, als wolle die Landschaft sagen: Lieber Besucher, tief durchatmen und neu booten. Ja so ist Norwegen. Ist es ein Wunder, dass auch Edvard Grieg hier die größten Eingebungen für seine Kompositionen fand? Nein. Da man per Schiff auf selbigem festgenagelt ist, macht man das Ganze per Bus oder noch besser mit dem Auto. Da kann man auch gleich an allen Aussichtspunkten halten, so wie es einem gefällt. Und Aussichtspunkte gibt es derer viele. Keine Wunder auf fast 160km Route. Man schaut von dort also in den Fjord oder lässt sich im Sommer vom Sprühregen der Wasserfälle abkühlen. Im Winter verzichtet man ob der Temperaturen. Aber Schnee tut  dem Zauber der Landschaft keinen Abbruch. Im Gegenteil. In der Hardangervidda, der größten Hochebene Europas, kann man dann gleich die Ski unterschnallen.

Blick auf den Hardangerfjord, Copyright: CH - Visitnorway.com

Blick auf den Hardangerfjord, Copyright: CH – Visitnorway.com

Und wer höher hinaus will, macht einfach eine Gletschertour und genießt den Blick von oben, dann ist kalorienmäßig auch gleich das Essen verdient. 😉 Aber das ist nur Nebensache, wenn man hoch oben auf den Bergrücken steht oder über die Gletscher wandert. Wenn die Kondition ein bißchen marode ist, kann man ja auch auf halber Höhe einen der zahlreichen Wege nehmen. Fußtraining light sozusagen. 😉

Der Blick von oben für die fleißigen Fußgänger, Copyright: CH - Visitnorway.com

Der Blick von oben für die fleißigen Fußgänger, Copyright: CH – Visitnorway.com

Für jedes Gemüt ist also etwas dabei. Ob mäßig aktiv oder Sportskanone: Ausreden gibt es nicht. Beim nächsten Besuch in Bergen also: Schiff, Bus, Auto, Füße aktivieren und ein Stück Hordaland lieben lernen!