Türchen öffnen auf norwegisch oder: wo geht’s denn hier zum Weihnachtsmarkt?

Adventszeit ist Weihnachtsmarktzeit. Im Allgemeinen verbinde ich das mit hektisch Umherirrenden, die sich zwischen Bratwurst und Glühwein anschicken in überfüllten Geschäften dem Konsum zu frönen. Besinnlich und gemütlich bleibt da schnell auf der Strecke. Ich gebe zu, dass es für mich der Horror schlechthin ist über Weihnachtsmärkte zu bummeln, zumindest, wenn sie sich in Deutschland befinden. Zeit also, Norwegen dem ultimativen Weihnachtsmarktcheck zu unterziehen. Mit Großstädten ist man da ja schnell am Ende. Bedeutet das, dass es hier mit mehr Gemütlichkeit zugeht? Widmen wir uns zunächst der Hauptstadt. Da habe ich natürlich die meisten Gelegenheiten mal schnell ein bisschen Winterweihnachtszauber zu inhalieren. Jedes Jahr versucht man natürlich lichtermässig das Vorjahr zu übertreffen. Gut, dass in Norwegen die Preise für Strom so günstig sind, da kann man voll durchstarten. Das nimmt sich Oslo dieses Jahr besonders zu Herzen. Es scheint, als wenn die Stadt landesweit den ersten Preis für Weihnachtsbeleuchtung gewinnen will. Sehr zur Freude derer, die sich dem Lichterspektakel hingeben. Der Weihnachtsmarkt „Jul i Vinterland“ befindet sich wie jedes Jahr zwischen Nationalteatret und Parlament und wartet diesmal mit einer 1A-Beleuchtung auf. Man verfällt förmlich in den Romantikmodus, wenn man durch die Laubengänge schreitet, die über und über mit tausenden von LED-Leuchten gespickt sind. Ein wahrer Augenschmaus. Da trinken sich Glögg und Co. doch gleich noch einmal so gut.

Copyright: VISITOSLO/Didrick Stenersen http://www.visitnorway.com

Natürlich ist auch das Riesenrad wieder da und man kann in schön exponierter Position auf diejenigen blicken, die ihr sportliches Glück auf der Schlittschuhbahn versuchen. Natürlich sieht das Lichtermeer von oben ganz besonders zauberhaft aus. Zur einen Seite der zu Füssen liegende Weihnachtsmarkt, zur anderen Seite das hell erleuchtete Schloss. So geht Weihnachtsstimmung. Zwar kann man in Oslo nicht davon sprechen, dass man allein auf weiter Flur weilt, wenn man nach der Arbeit ins Vinterland huscht, aber man trampelt sich nicht tot, kann einen Blick auf das werfen, wofür man die ein oder andere Krone ausgeben kann und ist nicht schon nach fünf Minuten so genervt, dass man am liebsten auf die Couch nach Hause möchte.

Beschaulicher geht es auf dem Weihnachtsmarkt im Osloer Folkemuseum zu. Am ersten und zweiten Adventwochenende öffnete er dieses Jahr seine Tore. Ja, im Folkemuseum geht es eben exklusiv zu. Kein dauerhafter Weihnachtsklimbim sondern echte Tradition. Bietet sich ja vor der historischen Kulisse auch an. Hier trägt man traditionell Tracht, die Kids werden zu einem Haufen kleiner Nisse und haben mächtig Spass. Wer will kann sich mit Handwerkskunst eindecken oder einfach nur vom frisch gebackenen weihnachtlichen Brot kosten, das vom Ofen gleich in den Magen wandert. Dazu gibt es Volkstanz, Adventsstunden in der Stabkirche des Museumsgeländes und Adventsgesang. Ja, da kommt Weihnachtsstimmung auf. Die alten Gebäude tun ihr Übriges, dass man sich förmlich in eine andere Zeit zurück versetzt fühlt. Wer ein Stück norwegische Kultur erleben möchte, sollte unbedingt mal hier vorbei schauen.

Paal Mork/Norsk Folkemuseum – visitnorway.com

Schauen wir ein Stück nach Norden, denn da thront die Hauptstadt der Provinz Hordaland – Bergen. Natürlich gibt es auch hier einen Weihnachtsmarkt, hübsch drapiert auf dem Festplassen. Wenn der schon mal so heisst, kann man das Spektakel ja auch dort stattfinden lassen. Das, was es zu kaufen gibt, wiederholt sich natürlich in den meisten Städten, das Spektrum der Weihnachtswaren ist ja schliesslich endlich. Allerdings muss man sagen, dass Bergen den unschlagbaren Vorteil hat, dass es eben von Bergen umgeben ist. Die Häuser schmiegen sich an die Hänge und sind so herrlich gemütlich beleuchtet. Was ein Glück, dass der Norweger an sich per se nicht in ein dunkles Haus kommen mag, wenn er von der Arbeit kommt. Folglich trägt jedes Haus Festbeleuchtung und strahlt sein warmes Licht von den Bergen herab zum Weihnachtsmarkt, der mit seiner eigenen Festbeleuchtung zurück strahlt. Herrlich.

Wer die volle Dröhnung will, kommt am Eröffnungswochenende. Da ist zunächst noch alles dunkel. Keine Lichter, kein festlicher Weihnachtsbaum. Kein beleuchtetes Haus. Am späten Nachmittag versammelt man sich am Festplassen. Die Stadt ist dunkel. Mancher wird sich an diesem Tag fragen, was denn die riesige aufgebaute Leinwand da soll. Dann wird es ganz still. Wie von Zauberhand erscheinen auf der übergrossen Leinwand Weihnachtsliedertexte. Und ehe man sich versieht singen tausende Norweger auf dem Festplassen die ganze Palette weihnachtlichen Liedguts. Da ist es schwer vor Rührung nicht in Tränen auszubrechen. Immer noch brennt kein Licht. Nach einer halben Stunde wird runter gezählt. Is schon Neujahr? Nein, kaum ist der Countdown vorbei, erstrahlt auf einen Schlag die Beleuchtung der riesengrossen Tanne, die auf dem Platz aufgestellt ist, die Hausbewohner an den Hängen beleuchten ihre Häuser und auch sonst gesellt sich auf einmal die gesamte Weihnachtsbeleuchtung hinzu. Mehr Weihnachtsstimmung geht nicht. Von null auf hundert und der Startschuss für die Adventsglückseligkeit. Zauberhaft!

Bergen Tourist Board / Robin Strand – visitBergen.com www.visitnorway.com

Wer Lust auf Süsses hat, schaut in der Pferfferkuchenstadt Pepperkakebyen im Sentralbadet vorbei. Die ist zwar nicht dafür gedacht, dass man sie aufisst, zumindest nicht sofort, aber sie ist herzallerliebst anzuschauen. Kindergärten und Schulen legen sich hier jedes Jahr mächtig ins Zeug um Bergen aus den süssen Köstlichkeiten nachzubauen. Das ist nicht ganz so perfekt wie im Miniaturwunderland, aber Lebkuchen ist ja auch nicht das perfekte Baumaterial. Trotzdem ist die Zuckerstadt jedes Jahr der weihnachtliche Hingucker und man muss sich schwer im Zaum halten das Städtchen nicht an allen Ecken heimlich anzuknabbern.

Copyright: Bergen Tourist Board www.visitnorway.com

Noch ein Stück weiter geht es nach Norden, zu DEM Weihnachtsmarkt, wenn man an Norwegen denkt: Røros. 150 km südöstlich von Trondheim liegt die kleine Stadt, die im Winter regelmässig ganz besonders von sich reden macht. Der Weihnachtsmarkt in Røros konzentriert sich auf ein Wochenende und wartet mit Programm non stop auf. Da weiss man gar nicht, was man zuerst anschauen soll. Die Stadt tut alles um einen in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Und dabei geht es nicht darum, möglichst viel Konsumartikel an den Mann zu bringen. Nein, hier ist stressfreie Weihnachtsglückseligkeit gefragt. Die Stadt hat von je her Handwerkstradition und so kann man hier allerfeinstes norwegisches Handwerk kaufen und das traute Heim mit einem Stück Norwegen ausstatten. „Made in China“ sucht man hier Gott sei Dank vergeblich. Natürlich probiert man sich durch allerhand norwegisches Traditionsessen, mal herzhaft, mal süss, kostet Fischspezialitäten des Landes, mit Liebe gemachte Pasteten und Salamis, aber auch Schokoladen- und Kuchenträume. Nichts für den schon zu engen Hosenbund. Wer will kann die Kalorien jedoch gleich wieder abtrainieren. Da der Norweger ja gerne der Lust an der Natur frönt, gibt es auch ein Wanderprogramm, da ist das schlechte Gewissen nicht allzu gross. Wer mehr der Kategorie „sportlich faul“ zugetan ist, so wie ich, lauscht den Mini Adventskonzerten die das ganze Wochenende über stattfinden. Oder man setzt sich einfach in den Schlitten und lässt sich in romantischer Manier bequem durch die kleinen Gassen ziehen. Warm verpackt unter Schaffell schaut man den Pferdchen zu wie sie vor dem Schlitten trippeln. Die Häuser sind liebevoll beleuchtet und bescheren das ultimative Norwegen-Feeling. Das liegt auch daran, dass in Røros der Begriff „weisse Weihnacht“ noch Programm ist. Die Natur erfreut die Region im Dezember meist mit reichlich Schneepracht. So geht Advent.

Thomas Rasmus Skaug – visitnorway.com

Fazit: wer auf der Suche nach reiner und beschaulicher Adventstimmung ohne Konsumtamtam ist, ist in Norwegen genau richtig. Solltet Ihr also im Winter nach Norwegen reisen wollen, lohnt es sich, seinen Trip in die Adventszeit zu legen, denn der nächste Advent kommt bestimmt!

 

3 Gedanken zu “Türchen öffnen auf norwegisch oder: wo geht’s denn hier zum Weihnachtsmarkt?

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