Hitze bis zum Abwinken oder: ist Oslo neuerdings in Italien?

Wer braucht schon Urlaub in Italien, wenn man eine Hitzewelle auch in Oslo bekommt. Moment mal, Hitzewelle? Also eigentlich habe ich ja Norwegen deshalb zu meinem Aufenthaltsland erklärt, weil sich da der Sommer so fabelhaft aushalten lässt. Im Grunde ist ja Ende Mai generell noch nicht das, was man gemeinhin als Hochsommermonat bezeichnen kann. Nicht so dieses Jahr. Bereits seit zwei Wochen schwitzen wir in Oslo, was das Zeug hält. Der Norweger an sich ist ja eher kühlere Temperaturen gewöhnt, kein Wunder, dass da der ein oder andere ein wenig irritiert ist, wie sich denn 30 Grad in die Hauptstadt verirren können. Und nicht nur in die Hauptstadt, sondern nach ganz Südnorwegen. Seit Wochen berichten die Zeitungen vom heissesten Mai aller Zeiten in Norwegen. Das ist für mich, die ich ja ausserhalb meines Reiseleiterjobs als Fotografin unterwegs bin, besonders erbaulich. Nicht selten kletterte das Thermometer über die 40 Grad in der Sonne und Städte haben ja die Angewohnheit, dass der heisse Asphalt den Schwitzfaktor noch ein Stück in die Höhe treibt. Ideale Bedingen also um Fotos zu machen. Die Norweger jedenfalls haben sich entschieden aus der Not eine Tugend zu machen und sich kurzerhand ihrer Kleidung entledigt. Also nicht vollständig, aber in diesen Tagen sieht man auffällig viele gut trainierte nackte Männeroberkörper die Stadt bevölkern. Und wozu hat Oslo eine Vielzahl von Stränden, an denen man sich gelegentlich im Fjord Abkühlung verschaffen kann. Eigentlich kann man gleich im Fjord sitzen bleiben. Wer Urlaub hat ist König. Scheinbar hat das im Moment jeder, denn die Strände sind voll wie nie. Das hat tatsächlich etwas von Italien-Feeling.

Tjuvholmen; Copyright: insidenorway

Zeit, mich nach langer Zeit mal wieder auf den Oslofjord-Inseln auszutoben. Praktisch ist ausserdem, dass man bei der Überfahrt mit den öffentlichen Fähren den Wind als Grossventilator nutzen kann. Denn Wind ist im Moment ebenfalls spärlich gesät. Aber jeder will wohl zur Zeit auf die Inseln um sich Abkühlung zu verschaffen. Die Schlange am Fähranleger reicht gemeinhin bis zum Rathaus. Anstehen natürlich in der Sonne. Kein Wunder, dass jeder mit seiner Flasche Sonnenschutz hantiert. In jedem Laden sind die Regale mit den Anti-Sonnenbrandmitteln wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und das in Norwegen. Netterweise haben die Fährenbetreiber heute besonders viele schwimmende Transportmittel im Einsatz, so dass es hurtig geht, bis jeder seinen Platz auf dem Schiffchen findet.

Fähre im Oslofjord, Copyright: insidenorway

Ich habe mir heute mal die kleine Insel Lindøya als Ziel ausgeguckt. Bislang war ich meistens auf Hovedøya, der Hauptinsel sozusagen, oder auch Gressholmen, wo der Vögel liebster Platz ist. Auf den restlichen Inseln hat sich vor allem der gut situierte Osloer ein kleines Wochenenddomizil zugelegt. Das verspricht, dass dort weniger Betrieb ist als an den Stränden, wo die Allgemeinheit das kühle Nass geniesst. Lindøya hat ausserdem die schöne Eigenschaft, dass es gleich zwei Fähranleger hat, im Westteil und im Ostteil. Wie geschaffen um die Insel zu durchqueren. Von ausgedehnter Wanderung kann man ob der Winzigkeit der Insel zwar nicht sprechen, aber in der Hitze ist das vollkommen ausreichend. Ich steige also am westlichen Anleger aus und bin gleich verliebt in dieses zauberhafte Eiland. Zur Orientierung stapfe ich erst einmal denen hinterher, die mit kleinem Gepäck bewaffnet ebenfalls aussteigen. Ferienhausidylle. Und es ist wirklich ein Idyll. Kleine Häuschen schmiegen sich an die Hügel der Insel, klein, bunt, niedlich, da lacht einfach das Norwegenherz. Ich überlege kurzfristig mir einen Ferienhausbesitzer zu angeln. Die Vorstellung hier jedes Wochenende der Entspannung zu frönen ist einfach zu schön. Heute muss ich mich aber wohl mit gucken begnügen. Schon nach wenigen Minuten erreiche ich die erste Bucht. Zauberhaft. Die Felsen ragen flach in den Fjord und formen so etwas wie eine private Badewanne. Wassertemperatur? Herrlich. Da das Wasser hier recht flach ist, heizt es sich schnell auf und spendiert Abkühlung der Extraklasse. Kein Wunder, dass eine Gruppe von Schwimmern lustig im Fjord paddelt. Ansonsten lässt man sich auf der Luftmatratze in den sanften Wellen treiben. So geht Urlaubs-Feeling.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Ostteil der Insel. Immer wieder formen die Felsen kleine Buchten, manche mit grobem Sandstrand, manche mit einer Mischung aus kleinen Kieselsteinen und Muschelschalen, allesamt herzallerliebst. Da möchte man gleich eins der Boote mopsen, die da verschlafen an den Stegen liegen liegen und sich auf dem Fjord den Wind um die Nase wehen lassen. Auch Familie Gans macht es so. Gerade sind die kleinen geschlüpft und schon geraume Zeit watschelt eine ganze Familie eifrig schnatternd hinter mir her. Zur Abkühlung hüpfen sie immer wieder in den Fjord und schwimmen eine Weile neben mir her. Aber da ja gelegentlich auch etwas in den Schnabel muss, watscheln sie immer wieder an Land und auf mich zu, in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt. Heute haben sie allerdings Pech. Ich habe nichts dabei, was zum Gänsefutter taugt.

Um zum östlichen Fähranleger zu kommen, geht es nun quer über die Insel. Man kann sich gar nicht satt sehen an den niedlichen Häuschen. Die Grundstücke sind klein und kuscheln sich dicht an dicht, die Häuschen haben mal eine niedliche Veranda, mal einen gemütlichen Grillplatz. Norwegenglückseligkeit. Da vergisst man glatt die Affenhitze. Kann man hier ja auch. Der reine Luxus hier eine Hütte zu besitzen. Am Fähranleger geniesse ich bis das Schiffchen kommt nochmal das herrliche Fjordwasser mit Blick auf die Stadt. Herrlich anzusehen, während die Beine in der wunderbaren Abkühlung wohnen.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Also Leute: ein Besuch der Oslofjord-Inseln ist Pflicht, wenn Ihr die Hauptstadt besucht, denn es ist wie die kleine Flucht in eine kleine Welt der Idylle und des allerliebsten Norwegenglücks. Do it!

Frühling – Winter – ach wer weiß das schon….

Ja ja, da sitzt man gerade noch mit seinem Becher Kaffee am Parlament und erfreut sich an den Knospen, die bereits auf den Bäumen wachsen, und dann das. Von jetzt auf gleich ist wieder Winter. Und Oslo macht es direkt gründlich und schneit sich so ein, dass sogar jetzt Ende März wegen Schneechaos der Flughafen geschlossen werden muss. Halbe Sachen sind nicht Oslos Ding! Also mir persönlich macht die Kälte ja nix. Während Mitteleuropa schon nach dem Frühling greift, läuft bei uns in Norwegen vor April keine Maßnahme an, die irgendwie nach Frühling riecht. Die Fahrräder bleiben im Schuppen, die Mütze auf dem Kopf und die Gummistiefel sind das modischste Accessoires.

Aber was kann Oslo wie ein High-Fashion-Designer? Wolken drapieren wie Watte, die auf Seidenstoffen dahingleitet und das Fotografenherz höher schlagen lässt. Also wieder mal ab auf die Fähre. Das kommt mir im Rahmen meines Oslo-Experiments (was das genau auf sich hat, wird erst später verraten) erstens finanziell entgegen, zweitens wird einem hier wieder absolut klar, warum man Oslo einfach lieb haben muss.

Copyright: insidenorway

Copyright: insidenorway

Die Fähre kommt und man kann schon erahnen, dass da ganz hinten Richtung Nesodden Sonne und Wolken Stoff für gute Fotos bereit halten. Und ganz nebenbei finde ich es eben immer wieder zauberhaft vorbei am Stadtteil Akerbrygge und Tjuvholmen zu beobachten wie das Rathaus immer kleiner wird und der Oslofjord sich vor einem ausbreitet.

Copyright: insidenorway

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Und ja: ich scheine einen besonderen Tag erwischt zu haben: die Stimmung ist geradezu mystisch. Die Sonne bricht durch die Wolken und formt Wolkenformationen wie in einem Kitschroman. Und ich finde immer wieder bemerkenswert wie wandlungsfähig der Oslofjord ist. Wäre er Topmodel würde er ohne Zweifel in die Riege der Mädchen aufgenommen, die sich auf Hochglanzmagazinen tummeln. Deshalb lohnt es sich auch bei jedem Wetter mit der Fähre überzusetzen. Irgendwo ist immer ein Inselchen, das genau in diesem Moment seine schönste Seite zeigt.

Copyright: insidenorway

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Und dann das Wasser. Das Wasser hat im Winter eine besondere Farbe. Betörend grau-blau, aber mit dem Wissen, dass man ein Bad lieber nicht ausprobiert! Also Leute: jeder, der mich in Oslo besucht wird gnadenlos zur Pendelfähre Akerbrygge – Nesoddtangen verurteilt. Im Auftrag der Hauptstadt! 😉 Deshalb lasst Euch einfach von Oslo verhaften und ergebt Euch in viel Atmosphäre auf wenig Quadratkilometern! Entkommen ausgeschlossen! ❤ 🙂