Wo die Rentiere wohnen oder: durch die Finnmark vom Nordkapp nach Hammerfest !

Es ist mal wieder Zeit für das Nordkapp. Diesmal allerdings nur mit kurzer Stippvisite, denn schließlich ist es Sommer und das schreit geradezu nach einer Fahrt durch die Finnmark, denn überall tummeln sie sich, die Rentiere. Da ich wieder einmal auf der Hurtigrute unterwegs bin geht es los in Honningsvåg bis hinunter nach Hammerfest, wo man praktischerweise wieder aufs Schiff steigen kann. Das Nordkapp habe ich zwar schon zum wiederholten male gesehen, aber den Blick auf die Barentssee vom Globus aus, genieße ich dann doch immer wieder. Vor allem wenn man an selbigem morgens um sieben Uhr weilt. Ohne den hochsommerlichen Betrieb. Nur der Wind pfeift einem um die Nase. Glücklicherweise hat auch der heute mal gute Laune und umtanzt das Nordkapp-Plateau nur gemächlich.

Es geht gleich weiter, Richtung Süden. Zunächst über die Nordkapp-Insel Magerøya. Die ist nach wie vor einfach zauberhaft. Jetzt, wo der Schnee endlich aufgegeben hat, zeigt sich die Tundra-Landschaft von ihrer schönsten Seite. Auch wenn hier ja bekanntlich in punkto Bäume nicht soooooo viel los ist, versetzt einen   Magerøya in Entzückung. Moose und Flechten sind wieder zum Vorschein gekommen und machen die schroffe Natur einen Hauch weicher. Ja und überall grasen sie. Die Rentiere. Also eigentlich ist der Begriff „grasen“ durch „moosen“ zu ersetzen, zumal das saftige Moos ganz oben auf der Karte der Rentierlieblingsgerichte steht.

Copyright: insidenorway

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Weiter geht es durch den Nordkapptunnel. Ich gebe ja zu, dass man hier schnelleres Vorankommen gegen Ich-sehe-nichts-von-der-Landschaft tauscht, aber für knapp sieben Kilometer ist das okay. Dafür geht es dahinter gleich mit dem Landschaftsfeuerwerk weiter. Ein kräftiges Stück fährt man am Ufer des Porsangerfjords entlang. Hier reihen sich die Berge aneinander, man genießt den Blick auf das Wasser des Fjords, die karge Flora und natürlich auch auf die Rentiere. Auch hier tummeln sie sich. Ja, sie wissen eben wo man zu den Mahlzeiten gleich den Gratisblick auf norwegische Natur dazu bekommt.

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Das Rentier an sich legt sich in dieser Jahreszeit auch ein neues Fellkleid zu. Schon seit März sind die Vierbeiner damit beschäftigt die Winterwolle abzuwerfen und glänzen jetzt mit ihrem kurzen Sommerfell, dass fast nur aus ihrer Unterwolle besteht. Der Rentier-Bikini sozusagen. 😉 Schließlich haben sie aber auch ein anderes Kälteempfinden. Wo uns Menschen die Zähne schlottern, ist das Rentier temperaturmäßig noch im Sommermodus und braucht den Fell-Wintermantel erst, wenn die Temperatur schon wieder unter die Null-Grad-Marke rutscht.

Weiter geht es durch die Kommune Kvalsund, immer vorbei an der herrlichen Bergkulisse. Das Fjordwasser bricht sich in Wellen am Ufer und schäumt sich an die Steinstrände. Auch wenn wir Sommer haben ist von Badetemperatur wohl kaum zu sprechen, es sei denn man ist ein Freund von einstelligen Wassertemperaturen. Für die Harten eben. 😉 Die Kommune Kvalsund reicht bis auf die Insel Kvaløya, auf der auch Hammerfest liegt. Und hier zeigt sich, dass der Norweger in der Namensgebung von Inseln zuweilen Bewährtes gleich zweimal verwendet, denn auch Tromsø befindet sich auf der Insel Kvaløya, nur dass es sich hier um eine andere Insel handelt, die weiter südlich liegt.

Auf „unser“ Kvaløya gelangt man über die Kvalsund Brua, die Hängebrücke, die das Festland mit der Insel verbindet und die bei Sturm gerne mal geschlossen ist, weil sie gar zu arg schaukelt. Inzwischen haben sich auch wieder Sträucher in die Natur verirrt. Immerhin hat man sich ja vom Nordkapp aus gesehen auch schon wieder einen Breitengrad nach Süden vorgearbeitet.

Kvalsund, Copyright: insidenorway

Kvalsund, Copyright: insidenorway

Die Landschaft wird ein wenig weicher und in den Gärten kurz vor Hammerfest, pflanzt der Norweger auch gerne mal den ein oder anderen Baum. Wo sich von selbst nichts tut, muss man eben nachhelfen. Auch die Rentiere finden das prima und spazieren bis an die Häuser um sich an den jungen Trieben zu bedienen. Wer in der Umgebung von Hammerfest also ein übermäßiges Zaunvorkommen bemerkt, kann sich leicht ausrechnen warum. Kein Eintritt für Rentiere! 😀

In Hammerfest wartet das Schiff. Drei Stunden Fahrt haben gezeigt, dass karg unendlich schön sein kann und türkises Wasser nicht nur in der Karibik wohnt. Für den  ansässigen Eisbärenclub bleibt keine Zeit mehr, also: nächstes mal. In Hammerfest. Wo die Schiffe den Hammer (Anker) fest machen. 🙂

Wo Norwegen ein Highlight Feuerwerk feiert – vom Geirangerfjord nach Molde !

Ich war wieder mal unterwegs. Hurtigruten und so. Und was am zweiten Tag auf selbiger Rute winkt, erteilt gleich die Norwegen-Lektion in punkto: Highlights at its best. Los geht es im Geirangerfjord. Ich glaube ich brauche nicht zu erwähnen, dass es einfach fabelhaft ist hier mit dem Schiff entlang zu fahren. Von Ålesund geht es erstmal gemächlich los. Bis man in Geiranger ist und selbigen Fjord durchfährt, steht der Storfjord auf dem Programm. Schon hier: die Landschaft ist zauberhaft, das Fjordufer fasziniert, auch wenn das Wetter anfangs mehr im Ich-will-regnen-Modus ist. Egal. Wer lässt sich von Regentropfen abhalten auf dem Deck zu stehen. Dann ist es soweit. Die Felswände rücken näher, die Sieben Schwestern stürzen sich in Form von Wasserfällen an den Fjordwänden herab und schon ist unser Tenderboot in Sicht. In Geiranger anlegen? Nein,  die Wassertiefe ist für die Ausbootung. Brav  lassen wir uns per Boot nach Geiranger schaukeln. Ok, viel Betrieb dort, ist ja auch Hochsaison. Wir fahren gleich weiter die Adlerstraße entlang. Hochbetrieb hin oder her: der Ausblick von der Plattform am höchsten Punkt ist auch mit Hochbetrieb sensationell. Das Gedränge blendet man einfach aus und richtet den Blick auf den Fjord. So wunderbar ist es hier oben zu stehen, dass man fast vor Rührung die Tränen in den Augen hat.

Geirangerfjord, Copyright: insidenorway

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Weiter geht es zum nächsten Highlight. Die Gudbrandsjuvet. Über die kunstvoll gebaute Plattform, die sich über den Fluß schlängelt, bin ich ja im Winter schon einmal geschlittert. Im Sommer ist es deutlich angenehmer. Da braucht man sich nicht mehr darauf zu konzentrieren, dass alle Knochen heil bleiben und man kann vollends den Blick auf den Valldøla genießen, der sich tosend in die Schlucht ergießt. Faszinierend. Die Schaumkronen tanzen auf dem Wasser und das Grün ist jetzt saftig. Farbenfeuerwerk für die Augen.

Gudbrandsjuvet, Copyright: insidenorway

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Für das Geschmacksfeuerwerk und noch mehr Farbe sorgen die Erdbeeren, die man hier auch gleich kaufen kann. Schließlich befinden wir uns in DER Gegend für den Anbau der hübschen roten Früchtchen. Schon auf der Fahrt hierher wird auf den vorbei ziehenden Erdbeerfeldern fleißig gepflückt. Hat man eine gekostet, giert man nach einem Erdbeer-Abo. Saftig, riesig und süß sind sie. Suchtpotenziel!

Weiter geht die Fahrt durch die zauberhafte Bergwelt von Møre og Romsdal. Hier kann man sich einfach nicht sattsehen. Quasi hinter jeder Ecke winkt ein neues Fotomotiv. Schroffer Fels und kleine Seen sind trotz Regenschauerwetter einfach zu schön, als dass man dem Wettergott zürnen wollte. Nachdem man sich so richtig in den Norwegen-Landschaft-Glücksmodus geschwärmt hat, liegt der Trollstigen vor uns. Ok, auch hier viel Betrieb, aber das Gedrängel auf den Aussichtsplattformen hält sich trotzdem in Grenzen. Und schließlich schaut man ja auch ins Tal, wo sich höchstens die Autos auf dem Trollstigen drängeln. Der Blick reicht weit in das Isterdal, vor dem sich die elf Serpentinen hinabschlängeln. Und immer wieder: diese Pass-Straße ist einfach faszinierend. Umrahmt vom Wasserfall Stigfossen und den Gipfeln von Bischof, König und Königin kann man nur in Entzückung geraten. Spätestens hier kann man sich den Regen damit schön reden, dass der Wasserfall sich dadurch höchst imposant vom Berghang stürzt.

Trollstigen, Copyright: insidenorway

Trollstigen, Copyright: insidenorway

Nachdem ich die Aussicht ausgiebig genossen habe, geht es den Trollstigen hinab. Ja, wer unter Reisekrankheit leidet, könnte hier zu kämpfen haben. Der Pass ist eben schmal und steil. Manövriergeschick-Lektion. Mit dem Gegenverkehr schmust man sich zuweilen eng aneinander. Auf der einen Seite Felswand, auf der anderen Seite Abgrund. In den Kehren macht das besonders Spaß. Irgendwie funktioniert es aber.

Aber noch immer ist der Tripp durch die faszinierende Landschaft nicht zu Ende. Weiter geht es am Isfjord entlang, Kurs Molde. Obwohl die Norwegenglück-Region im Gehirn schon fast voll ist, werden die Speicher weiter gefüllt. Bis zum Überlaufen. Man kann den Blick eben nicht abwenden. Am Abend ist Molde in Sicht und auch die MS Nordlys, auf die ich wieder zusteige. Randvoll mit Glückseeligkeit. Nach einem Glückstag. In der Provinz Møre og Romsdal! 🙂

Mit dem Speedboot durch den Saltstraumen – das Abenteuer ruft !

Auch wenn man wie ich ja eher ein bequemer Mensch ist, sollte man sich ab und zu auf etwas Neues einlassen. Speedboot fahren zum Beispiel. Schließlich stößt man in ganz Norwegen immer wieder auf dieses verlockende Vergnügen. Natürlich auch am Saltstraumen, dem größten Gezeitenstrom der Welt und gelegen in der Nähe von Bodø. Drei Boote warten am Kai und ja – das Wetter ist nicht das herausragendste an diesem Tag. Allerdings: was macht das schon wenn sich wahrscheinlich sowieso die Gischt über uns ergießen wird. Wasser von oben und von unten ist wenigstens konsequent. Bevor wir einsteigen dürfen, bekommen wir allerdings noch eine Lektion in Top-Mode des Speedboot fahrens. Michelin-Männchen-Chic. Wunderbar, dass uns unsere Fahrerin sagt, dass die Overalls nur die erste halbe Stunde das Wasser wirklich draußen halten. Die Farbe neongelb tut ihr übriges dazu. Nun gut, schließlich soll man ja im Wasser zu sehen sein, wenn man außerplanmäßig über Bord geht. Wie man aussieht, wenn man die hübsche Sturmhaube wieder abnimmt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. 😉

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 Nachdem wir alle hübsch verpackt sind, geht es also los. Im Speedboot sitzt man quasi auf seinem Sitz wie auf einem Pferd. Die Anweisung, dass man mit dem Boot arbeiten soll, wenn wir durch die Wellen jagen, weiß mein Rücken später noch sehr zu schätzen.

Es geht also los in moderater Fahrt zunächst einmal raus aus dem Hafen von Bodø. Und gerade denke ich noch, dass es schon nicht sooooo schnell werden wird, gibt unsere Fahrerin Vollgas. Heya!!!!!! Mit siebzig Sachen geht es übers Wasser – im Vergleich zum Auto eigentlich gar nicht so schnell, aber direkt an der Wasseroberfläche ist das ordentlich Stoff. Nie habe ich mich über die schicke Schutzbrille mehr gefreut, denn der Regen sticht wie kleine Nadeln ins Gesicht. Kosmetikbehandlung auf norwegisch.

Bereits nach den ersten Wellen weiß ich, dass morgen ein hübscher Muskelkater auf mich wartet. Egal. Der Spaß ist größer als jeder Muskelkater. Dreißig Kilometer jagen wir hinaus bis wir den Gezeitenstrom erreichen und unter der Saltstraumenbrücke eine kurze Verschnaufpause einlegen. Schließlich will man ja auch Fotos machen. Ich wage hier zum ersten mal mein iPhone aus der wasserdichten Hülle zu nehmen. Bloß nicht ins Wasser fallen lassen. 😛

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Nach der Fotopause geht es auf den Strom. Ran an die Strudel, die dort toben. Und sie sind riesig. Nein hier möchte man lieber keine Bekanntschaft als Schwimmer mit ihnen machen. Vom Boot aus sind sie grandios anzuschauen. Und wer vor der Tour noch über das Wetter gemotzt hat, ist spätestens jetzt Regenfan, denn der Strudeltrubel zusammen mit den Regenwolken ist einfach überwältigend. Eine ganze Weile fahren wir auf dem tobenden Strom umher und genießen. Jetzt sind wir süchtig. Nach dem Wasser, dem Wind und sogar dem Regen. Und wenn wir schon einmal da sind, fahren wir gleich noch auf den offenen Atlantik raus. Hier toben die Wellen richtig und die Vorstellung, dass irgendwo da ein paar tausend Kilometer entfernt Amerika ist, hinter diesem ganzen Wasser: da merkt man wieder wie groß die Natur ist. Ein Seeadler kreist über uns auf der Suche nach Essbarem, aber er dreht zügig ab. Wahrscheinlich ist es ihm bei uns zu zugig. 😉

Copyright: insidenorway

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Nach gut zwei Stunden sitzen wir trotz Overall in hübschen kleinen Pfützen. Von wasserdicht hatte eben niemand gesprochen. 😉 Also geht es mit Speed zurück nach Bodø mit dem Gedanken an eine herrlich warme Dusche. Und der Lust nach mehr. Der Lust Norwegen noch häufiger mit dem Speedboot zu entdecken. Fortsetzung folgt! 🙂

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 2 !

Streckenbergfest ist Nordkappfest. Und Windfest. Eben hegt man auf dem dreißig Kilometer langen Weg vom Schiff zum nördlichen Rand Europas noch die Hoffnung, dass so etwas wie Windstille herrscht und schon ist man wieder im schönsten Wetterwirrwarr. Nordkapp eben. Hier macht das Wetter, was es will und ändert seine Laune auch gerne alle zwanzig Minuten. Die Schönheit der Landschaft kann das trotzdem nicht beeinflussen. Man muss wohl nicht sagen, dass das mit dem Frühling auf 71° nördlicher Breite noch nicht SO richtig in Gang gekommen ist. Ok, Bäume sind hier ja sowieso Mangelware, aber auch das Bodengrün hält sich noch unter Schnee bedeckt. Nun ja, dafür kann man aber auch den Nordpol riechen, auch wenn er noch hübsche zweitausend Kilometer entfernt liegt.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Und ja, der Wind. Marke umwerfend. Über den vereisten Boden rutscht man mit seinem eigenen kleinen Windkraftwerk. Bevorzugt auch in die Richtung, in die man gar nicht will. Das Erinnerungsfoto am Globus wird zur Herausforderung. Wo man nicht rutscht, steht man knöchelhoch im Tauwasser. Aber was macht das schon, wenn man quasi eins mit den Naturgewalten ist und schließlich kann man sich zwischendurch in der Nordkapphalle aufwärmen. Ich finde es immer am schönsten jede Sekunde an diesem zauberhaften Ort auszukosten und die Aufwärmphase in den Bus zu verlegen. Nordkapp intensiv sozusagen.

Nun geht es nordgehend südwärts. Dass Kirkenes fast so südlich wie Tromsø liegt, sagte ich ja schon. Und dass die russische Grenze nur zehn Kilometer entfernt ist, kann man auch nicht leugnen, wenn man durch die Stadt spaziert. Kyrillisch ist Programm. Kein Wunder, denn hier herrscht Shopping-Wahn in beide Richtungen. Der Russe kommt wegen der besseren Qualität, der Norweger giert nach Billigware auf der anderen Seite der Grenze. Dem Lieblingsteuerthema Alkohol und Zigaretten wird allerdings ein Strich durch die Rechnung gemacht. Wer selbiges in Russland kauft, muss 24h bleiben. Fünfmal am Tag hin und her fahren um die Einfuhrbeschränkungen auszutricksen bleibt im Ich-würde-gerne-Modus stecken.

Der Geschichtsfreak schaut noch in der Andersgrotta vorbei, ein Luftschutzkeller, in dem die Einwohner während des zweiten Weltkriegs vor dem Bombenterror Schutz suchten. Der traurige Teil der Geschichte von Kirkenes.

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Nach dem Wendepunkt geht es nun wirklich wieder südwärts – reiserutentechnisch. Wenn man Glück hat, erlebt man eine zauberhafte blaue Stunde in Vardø, der östlichsten Gemeinde Norwegens. Natürlich gibt es hier eine Festung, die nördlichste der Welt. Schon wieder ein norwegischer Superlativ. Überall sonst in Vardø ist Leben vom Fischfang Programm und auch die Vogelwelt erfreut sich am Fischreichtum. Brüten ist hier die höchste Vogeldisziplin. Gibt ja auch so herrliche Inseln draußen, die die Gefiederten quasi zu ihrem Grundbesitz erklären können. Und weil die Inseln nicht ausreichen, nistet man sich auch gerne in so ziemlich jeder Hausnische ein, die man zum Vogelheim umfunktionieren kann. Vardø im Vogelglück.

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Nach einer Reihe von Häfen, die man wegen Sturm im Winterhalbjahr auch einmal auslassen muss, ist wieder Stopp in Tromsø. Spät abends mit der Chance aufs Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Dann sind endlich die Lofoten dran. Bevor man allerdings in Svolvær anlegt zwängt sich das Schiff zwischen Lofoten und Vesterålen durch den Raftsund.  Ja das ist ein landschaftliches Fest. Auf zwanzig Kilometer Länge ragen die Berge empor, der niedliche Eingang des engen Trollfjords zieht vorbei und es ist einem völlig egal, ob es draußen windet oder regnet. Man will einfach nur genießen.

Raftsund, Copyright: insidenorway

Raftsund, Copyright: insidenorway

Wer draußen ausgeharrt hat, hat sich in Svolvær das Bierchen in der warmen Stube verdient. Ok, wenn man noch nicht dort war, will man sich zuerst das Städtchen anschauen, nebst zauberhafter Rorbuer-Fischerhäuschen und auch einen Blick auf den aufgehängten Trockenfisch werfen. Aber ich finde, es hat etwas von Lofoten-Gemütlichkeit im „Anker“ einzukehren, gleich hinter der Brücke, über die man auf die Halbinsel Svinøya rüber schlendert. Urig, Fischer-Norwegen-Feeling und ein wärmender Kamin. Da könnte man glatt vergessen, dass man die Uhr im Blick behalten muss um das Ablegen des Schiffs nicht zu verpassen. Spätestens wenn man beim obligatorischen „tuuuuut“ noch beim bezahlen der Zeche ist, weiß man, dass man sich gleich gegenüber eine Rorbu mieten kann. Autsch!

Wer rechtzeitig wieder auf dem Schiff ist, darf am nächsten Tag wieder Naturhighlight-Sightseeing betreiben. Der Torghatten zeigt sich. Der berühmte Berg mit dem Loch im Bauch und der Legende nach ein versteinerter Hut, der von einem Pfeil durchbohrt wurde. Die Norwegen-Saga fasziniert.

Torghatten, Copyright: insidenorway

Torghatten, Copyright: insidenorway

Wer nicht die ganze Strecke bis Bergen zurück fährt, findet den Endpunkt seiner Reise in Trondheim. Umgekehrtes Schiffsschmusen nun am Kai. Diesmal liegt Miss nordgehend nebenan. Zeit für einen Abschiedsbesuch. Und dann heißt es auch Abschied nehmen von 3.500km Norwegenküste. Der Süchtler kommt natürlich wieder. Weil es einfach zu schön ist auf der schönsten Seereise der Welt! ❤ 🙂

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 1 !

Nordnorwegen hat lange darauf gewartet. Jetzt ist sie wieder da. Die Sonne. Vorbei das Ich-hab-um-14-Uhr-schon-das-Gefühl-dass-es-19-Uhr-ist-feeling. Bevor das Ganze aber in die umgekehrte Richtung läuft, hat man jetzt im Frühjahr auch im hohen Norden so etwas wie ausgewogene Verhältnisse was Tages- und Nachtlänge angeht. Und so sieht man auch wieder  viel mehr von der Landschaft, während man die norwegische Küste mit der Hurtigrute entlang schippert.

Natürlich geht es wie immer los in Bergen. Auch im Frühjahr muss man sich noch damit begnügen die Stadt nur im Dunkeln zu bestaunen, wenn das Schiff ablegt, es sei denn man hat sich noch ein Bergen-Vorprogramm gegönnt. Und eine Mütze auf dem Kopf tut auch noch ziemlich gut, denn die Temperaturen sind noch nicht SO im Im-T-Shirt-an-Deck-Modus. Aber die Vorfreude auf den ersten langen Stopp am nächsten Tag ist schon da. Ålesund winkt. Obwohl der Halt in DER Jugendstilstadt Norwegens so herrlich mitten im Tag liegt und man Ålesund dadurch ganzjährig im Tageslicht bestaunen kann, verändert sich das Licht doch mit dem Frühlingserwachen. Ein guter Moment um den Aksla, den Hausberg, zu erklimmen. Schließlich hat man von dort die ganze Stadt im Blick samt zugehöriger Inseln.

Ålesund, Copyright: insidenorway

Ålesund, Copyright: insidenorway

Man keucht also hinauf. 414 Stufen. Netterweise wurden bei der Renovierung der Treppenstufen überall Haltepunkte eingebaut, auf denen man sich niederlassen kann. Für die Konditionsschwachen. Den besten Blick hat man natürlich von ganz oben. Die Stadt, die Sunnmøre-Alpen, einfach herrlich. Und auch das Hurtigruten-Schiff sieht man am Kai liegen, wo es brav auf die Rückkehr der Reisenden wartet.

Am Nachmittag geht es dann weiter. Kurs Nord. Kurzer Stopp in Molde und Kristiansund und  schon ist Trondheim in Sicht. Tag drei ist Frühaufstehertag. Schließlich legt man um sechs Uhr morgens bereits an. Nebenan liegt Kollege südgehend. Man kann also auf einen Besichtigungssprung rübergehen. Danach: die Stadt erkunden. Für mich persönlich ist Trondheim ja eine meiner Lieblingsstädte, obwohl sie sich auf der Schwelle zur wärmeren Jahreszeit noch nicht entscheiden kann, ob es noch Winter ist oder bereits Frühjahr. Im Winter bin ich ja gerne mit Spikes unterwegs, einfach um sicher zu gehen, dass auch nach dem Spaziergang noch alle Knochen heil sind. Das kann man im Zwischen-den-Jahreszeiten-Zustand getrost vergessen. Wer auf eisfreiem Kopfsteinpflaster schon mal mit Spikes gegangen ist, weiß, wovon ich rede. Man hüpft also von eisfrei zu eisfrei und wendet beim Rest den berühmten Pinguin-Walk an. 😀

Trondheim, Bakklandet, Copyright: insidenorway

Trondheim, Bakklandet, Copyright: insidenorway

„Nebenbei“ bewundert man Kanalhafen, die Altstadt und den Dom. Alles prima. Zurück auf dem Schiff geht es weiter Richtung Polarkreis. Ja, am vierten Tag ist er schon wieder da. Der kleine Globus, der einsam auf einem Felsen steht. Nicht spektakulär, aber er markiert immerhin, dass man sich ab jetzt in Polargefilden bewegt. Das mit den Frühlingsgefühlen ist dann auch spätestens hier vorbei. Anorak, Mütze und Handschuhe und das alles hübsch bis oben zugeschnürt, holen einen ins Winterfeeling zurück. Ja, es ist eben Nordeuropa. Da die Lofoten in Sicht sind, macht das nichts. Schließlich hat die Inselgruppe ihren besonderen Zauber. Das mit dem Ich-will-es-im-Tageslicht sehen fällt aber noch unter: nein. Dafür winkt für den, der in Stamsund aus- und in Svolvær wieder einsteigt, die Chance auf ein Wikingermahl im Lofotr-Wikingermuseum.

Lofotr-Wikingermuseum, Copyright: insidenorway

Lofotr-Wikingermuseum, Copyright: insidenorway

Es gibt derbe Wikingerkost. Lamm, Gemüse und Brot schmecken sensationell und die Portion ist so groß, dass man hinterher nicht mehr „papp“ sagen kann. Das Ganze spült man runter mit Met, das ja so gar nicht mein Fall ist. Süße Getränke mit 25% Sprit schreien bei mir nach dickem Kopf. Für die Nicht-Metler gibt es dafür Wasser. Aber auch ohne Honigwein erfreut man sich an einem Stück Wikingerleben, singen und tanzen inklusive.

Jetzt ist Tromsø dran. Und wie von zauberhand ist man bereits 350km nördlich des Polarkreises. Und hier ist es dann auf einmal auch wieder Winter. Dafür sind die Berge wieder da. Also sie waren ja auch im Winter da, haben sich aber in der Polarnacht verborgen. Jetzt machen sie der Eismeerkathedrale Konkurrenz, die ja im Winter so ziemlich alle Blicke auf sich zieht. Nicht, dass sie bei Tageslicht weniger zauberhaft ist. Sie thront nun einfach in liebevoller Konkurrenz mit Tromsøs Hausberg am Ende der Tromsøbrücke. Wer sich auf selbigen allerdings von der Gondel schaukeln lassen möchte muss noch warten. Sie liegt immer noch im Winterschlaf.

Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Auch der Rest der Stadt will noch am Winter festhalten.  Das beliebte auf-blankem-Eis-laufen-Thema ist wieder da.  Streuen? Ach, woher denn.  Das verdirbt ja auch den Spaß am publikumswirksamen Armrudern. Allerdings scheinen die Norwegerinnen zuweilen ein zusätzliches Gleichgewichtsorgan zu besitzen. Während ich froh über meine Outdoorschuhe bin, flache Sohlen und so, wagt sich die ein oder andere auf High Heels aufs Eis.

Was kommt jetzt? Das Nordkapp natürlich. Und damit wieder Natur pur, Winter deluxe und – Wind. Nach sechs Tagen hat sich das Schiff zum reisetechnischen Bergfest navigiert. Schließlich geht es zum Wendepunkt Kirkenes ja wieder nach Süden obwohl man eigentlich nordgehend ist. Hurtigruten-Geographie.  Kirkenes hat es sich aber einfach  auf der fast gleichen geografischen Breite wie Tromsø gemütlich gemacht.

Aber vom Nordkapp und dem „Dahinter“ wollen wir Euch im zweiten Teil erzählen. 🙂 ❤

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 2

Die Reise auf der Hurtigrute geht weiter. 7. Tag. Kirkenes. Nur zehn Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Ok, Kirkenes ist keine wirkliche Perle, aber das Drumherum macht alles wett. Erstes Muss: das Schneehotel unweit der Stadt. Über Mangel an Winter kann man sich hier nun wirklich nicht beschweren. Bei minus zwanzig Grad kommt man kältemäßig voll auf seine Kosten. Und im Hotel empfindet man die minus vier Grad geradezu als hochsommerlich. Kaum zu glauben, dass das Hotel jede Saison neu aufgebaut wird, nachdem das Tauwetter ihm im Sommer den garaus gemacht hat. Die Zimmer sind zauberhaft gestaltet, jedes hat ein eigenes Thema, lediglich die Betten bestehen nicht aus Eis und der Polarschlafsack hält für die Nacht mollig warm.

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Auf dem Gelände des Hotels gibt es aber noch viel mehr zu sehen. Zum Beispiel: Rentiere. Man muss ein bißchen warten bis sich eins blicken lässt. Aber wenn man sie erspäht gerät man in Entzücken. Perfekt an die Kälte angepasst und einen mit großen Augen anschauend. Gleich gegenüber: die Wohnstube der Huskys. Nicht vergleichbar mit unserer Vorstellung eines gemütlichen Wohnzimmers, aber der Husky an sich wohnt eben gern kältebetont. Schließlich will man sich als Schlittenhund jederzeit im kühlen Schnee wälzen können. Husky-Vergnügen. Der Sucht-Schlittenfahrer bricht dann auch hier zu seiner zweiten Husky-Safari auf. Wiederholungstäter und so. Wer keinen Platz mehr ergattert hat, begnügt sich mit zuschauen.

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Die Alternative winkt am Nachmittag. Das Schneemobil. Mit PS unter dem Allerwertesten ist der zugefrorene Fjord Trumpf. Durch das norwegische Winterwonderland sausen, die Polarluft einatmen, umrahmt von der rauhen arktischen Landschaft. Das Paradies könnte nicht besser sein.

Dann heißt es: südgehend. Am 8. Tag winkt Hammerfest. „Into the Ice“ sollte man auf der Wintertour unbedingt ausprobieren, nicht nur weil man stilecht in Expeditionsausrüstung der 1910er Jahre unterwegs ist, sondern auch weil man den Hauch einer Ahnung bekommt, wie es sich anfühlt einer arktischen Expedition anzugehören. Eben bewegt man sich noch „trittfest“ auf blankem Eis um einen Schritt weiter kniehoch im Schnee zu versinken. Pioniergeist und so. Logisch, dass man am Gipfel die norwegische Flagge hisst. Den Traumblick auf das winterliche Hammerfest gibt es kostenlos dazu.

Copyright: Dietmar Henrich

Copyright: Dietmar Henrich

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Zurück vom Gipfel ist man dankbar für warmen Tee und Suppe im Zelt, obwohl das Feuer in selbigem so einheizt, dass man sich nach fünf Minuten temperaturmäßig in der Karibik wähnt.

Am Abend winkt ein Kulturgenuss. Stopp in Tromsø. Wer sich nordgehend der Huskyschlittenliebe hingegeben hat, bekommt südgehend jetzt die zweite Chance zumindest ein bißchen von der größten Stadt Nordnorwegens zu sehen. Beim Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale sollte man sich von klassischer Musik entzücken lassen. Das Wahrzeichen von Tromsø thront am Ende der Tromsøbrua, der Tromsøbrücke, und ist in seiner abendlichen Beleuchtung einfach wunderhübsch anzuschauen.

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

An Tag 9 ist das Schiff zurück auf den Lofoten. Genauer gesagt in Svolvær. Nun gut, die Ausflugsmöglichkeiten sind im Winter begrenzt, aber ein Spaziergang zur Halbinsel Svinøya lohnt sich auch im Winter. Stockfischgestelle, Fischfabrik und Rorbuer (die alten Fischerhütten) lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Fisch hier ein größeres Thema ist. Dem Stockfisch bin ich ja nicht so außerordentlich zugetan, aber die Atmosphäre auf der Halbinsel nimmt einen gleich gefangen. Wer noch den entzückenden alten Krämerladen besucht unternimmt eine Zeitreise nach Alt-Norwegen.

Svolvær, Copyright: insidenorway

Svolvær, Copyright: insidenorway

An Tag zehn wird der Polarkreis wieder nach Süden überschritten. Das Tageslicht ist zurück, wenn auch erst einmal mit spärlichen drei Stunden, aber immerhin. Zeit für einen Ausstieg in Sandnessjøen. Die Länge des Stopps ist zwar überschaubar, aber für einen Spaziergang am Kai mit ein paar zauberhaften Fotomotiven reicht es. Die Kutter liegen schlafend im eisklaren Wasser vor einer zauberhaften Bergkulisse. Und da die Sonne ja wieder über den Horizont klettert, kann man auf der Weiterfahrt gleich an Deck stehen bleiben um die Bergkette der Sieben Schwestern zu bestaunen. Die sieben Jungfrauen, die vor König Hestmannen flohen, erstarrten hier bei Sonnenaufgang zu Stein. Ja, die Norweger sind eben gekonnt darin die Natur ihres Landes mit Legenden zu bestücken. Und imposant ist die Gebirgskette noch dazu. Der zur Legende zugehörige Torghatten, der berühmte Berg mit dem Loch, verschwindet auf der Wintertour allerdings in der Dunkelheit.

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Der Trondheim-Fan und Frühaufsteher hat an Tag 11 die zweite Gelegenheit durch die Stadt zu ziehen. Wer um halb sieben am morgen die zwanzig Minuten vom Anleger in Trondheims Zentrum läuft, hat sich kalorienmäßig schon das Frühstück verdient. Hilfreich, denn die Coastal Kitchen, die auf dem Schiff serviert wird, kann man nur schwer ignorieren. Am Ende der Reise hat man sich so ziemlich durch alle Spezialitäten gegessen, die Norwegens Küste zu bieten hat. Das Food-Baby wächst. 😉

Amselben Tag stehen noch einmal Kristiansund und Molde auf dem Programm. Beine vertreten, Hafen genießen, den Ausklang der Reise beweinen.

An Tag 12 ist es soweit. Bergen ist in Sicht. Und verbunden damit der Gedanke, dass man doch eben noch 2.500km nördlicher war. Wo man nordgehend noch dachte, dass man sich gemächlich gen Nordkapp bewegt, hat man südgehend das Gefühl, dass streckenmäßig der Turbo eingeschaltet wird. Wer bei der Einfahrt in Bergen am Bug steht, dem raubt der Wind fast den Atem. Aber zu verlockend ist es zu beobachten wie die Stadt immer näher kommt. Und so kann man sich mit Gedanken an die Reise von seinem Schiff verabschieden. Bis man wiederkehrt. Zur nächsten Tour. Auf der Hurtigrute.

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 1

Die norwegische Küste ist ja mit reichlich Reisekilometern bestückt. Da ist es doch äußerst hilfreich, dass Richard With aus Stokmarknes 1893 sein Dampfschiff an der norwegischen Küste entlang schickte und so die Hurtigrute geboren wurde.

Seit 1898 geht es los in Bergen. Die ganze Strecke bis Kirkenes und zurück zu fahren ist natürlich nicht verpflichtend, aber wenn schon, denn schon. Also hurtig den 12-Tage-Vorrat an Klamotten in der Kabine verstauen und da die Schiffe jetzt im Winter erst um 22:30 Uhr in Bergen ablegen, bleibt noch Zeit für die Erkundung der Stadt. Zumindest rudimentär. Für einen Spaziergang zu den zauberhaften Hansehäusern im Hafen reicht es allemal und vom Regen, der in Bergen ja mehr als gelegentlich vorkommt, lässt man sich einfach nicht in seine Unternehmungslust reinreden.

Beim Ablegen weht ein Hauch von Abenteuer ums Schiff. Schließlich sind es ja auch knapp 2.500km, die man bis zum Wendepunkt in Kirkenes zurücklegt. An Deck stehen im eisigen Wind muss sein. Schließlich ist Norwegen „powered by Nature“ und das will man ja auch spüren. Ok, nach spätestens einer halben Stunde ist man ein wandelnder Eiszapfen und freut sich über die muggelige Wärme im Schiff.

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Das Schiff fährt brav durch die Nacht, während man sich zur ersten Ruhe bettet. Und gleich am nächsten Tag erreicht man eines der Städtehighlights von Norwegen: Ålesund. Ich habe ja schon mehrfach über dieses fabelhafte Städtchen berichtet und in den drei Stunden, die das Schiff am Kai liegt, lässt sich hier alles wesentliche besichtigen. Allem voran natürlich die zauberhafte Jugendstil-Architektur. Und den Aussichtsberg Aksla. Und und und.

Um 15 Uhr geht es weiter. Nach Molde. Hier bleibt man meist ein „An-Deck-Steher“, da das Schiff nur dreißig Minuten am Kai liegt. Dafür hat man einen herrlichen Blick auf das Scandic Seilet Hotel, in der Bauweise ein bißchen in Dubai abgeguckt. Gebaut wie ein Segel und so. Und das Lichtermeer der Häuschen von Molde kann sich auch sehen lassen, auch wenn man die Romsdalsalpen im Winter nur erahnen kann. Am Abend läuft man in Kristiansund ein. Für mich eine der schönsten Hafeneinfahrten überhaupt. Auch im Winter oder vielleicht gerade da. Die Lichter kommen immer näher, das Schiff zieht vorbei an Häusern und Hafengeschehen. Herrlich! Den arktischen Wind muss man eben einfach ertragen.

3. Tag. Also das mit dem frühen Vogel ist mir ja normalerweise eher egal, aber an diesem Tag ist Frühstück um 7 Uhr eine echte Option, weil man sich in Trondheim dann so richtig austoben kann. Die Stadt ist ja überhaupt zauberhaft und für mich auch eine der Favoritenstädte.

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Der Dom ist einfach immer wieder imposant und wer den kurzen steilen Weg nicht scheut, erklimmt die stadteigene Festung Kristiansten, traumhafter Blick über Trondheim inklusive. Klar, dass man auch am Kanalhafen vorbei schaut, wo man bei den bunten typischen Lagerhäusern gleich in Verzückung gerät. Norwegisch heimelig. Gleiches in der zauberhaften Altstadt, wo sich die Holzhäuschen dicht an dicht schmiegen und das Auge mit allen Farben erfreuen.

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Nach einigen Häfen, die man genüsslich in der Nacht verschläft, erreicht das Schiff am 4. Tag Bodø. Ich persönlich favorisiere den Ausflug zum Saltstraumen, schließlich ist man nicht jeden Tag an so einem gewaltigen Gezeitenstrom. Im Winter gewinnt der, der die superwarme Jacke im Gepäck hat, denn hier weht zu dem reißenden Strom ein Wind, dass es einem die Haare vom Kopf weht. Powered by Nature eben. Wer sich vom Schnee, der einem wie kleine Messer ins Gesicht schneidet, nicht beeindrucken lässt, genießt den Ausblick auf die Strömung gleich unter Brücke, die über den Saltstraumen führt. Die Angelfreunde, die hier sonst zahlreich anzutreffen sind, halten sich bei diesem Wetter eher mit ihrer Anwesenheit zurück. Wahrscheinlich verharren die Fische sowieso irgendwo im „Winterschlaf“. 😉

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Das mit dem „hell“ hat sich ab hier dann auch erledigt, denn mittlerweile befindet sich das Schiff schon nördlich des Polarkreises. Obwohl: viele denken ja, dass Polarnacht gemeinhin bedeutet, dass der ganze Tag so stockfinster ist wie die Nächte. Aber auch in der Polarnacht kann man tagsüber auf Dämmerung hoffen. Mehr ist allerdings nicht drin. Bei wolkenfreiem Himmel hat man aber immerhin das Gefühl man lebt nicht in völliger Dunkelheit. Dafür bekommt man in dieser Jahreszeit aber auch die spektakuläre Lightshow der Nordlichter dazu, vorausgesetzt natürlich, dass der Himmel gnädig ist und die Wolken woanders hinschickt. Das Schiff hält sich aber so lange in der Nordlichtzone auf, dass es schon mit dem Teufel zugehen muss, wenn man keine zu Gesicht bekommt.

Nächster längerer Stopp ist Tromsø. Davor gibt es zwar noch einen einstündigen Aufenthalt in Svolvær auf den Lofoten, aber das soll aufgrund des längeren Stopps auf dem Rückweg hier mal unter den Tisch fallen. Auf der Winterfahrt gilt es sich in Tromsø zu entscheiden: Trip durch die Stadt oder auf zur Hundeschlitten-Tour. Mein klarer Favorit: die Hundeschlitten-Tour. Das Wahrzeichen von Tromsø, die Eismeerkathedrale, lässt sich auch auf dem Rückweg, wenn das Schiff wieder südgehend ist, noch bestaunen.

Also Hundeschlitten. Warm eingepackt mit allem, was dazu gehört. Vom Schlitten aus genießt man den atemberaubenden Blick auf die eisige Natur und auch wenn es bei der Tour dunkel ist, ist die Atmosphäre einzigartig. Mit der Stirnlampe unter Sternenhimmel auf dem Schnee dahin zu sausen hat was!

Copyright: Janina Graf

Copyright: Janina Graf

Müßig zu erwähnen, dass man am Ende des dreistündigen Ausflugs süchtig ist. Süchtig nach dem Einssein mit der Natur, der Kraft der Huskys, ja sogar süchtig nach der Kälte. Gut, dass man am Wendepunkt in Kirkenes nochmal darf – wenn man einen Platz ergattert. Der Suchtfaktor befällt nämlich so ziemlich jeden.

An Tag 6 erreicht das Schiff Honningsvåg. Das Nordkapp ist nahe. Der Ausflug zum Felsplateau mit dem Globus ist Pflicht. Wenn man schon bis hier gekommen ist, will man schließlich auch gen Nordpol auf die Barentssee schauen. Durch die Polarnacht geht es mit dem Bus weiter nach Norden. Und weil im Winter das letzte Stück der Straße gesperrt ist, fährt man in der Kolonne, so wie es in Norwegen wintertypisch ist. Der Schneepflug vorne weg, alle Busse und Autos hinterher. Wer die Kolonne verpasst muss draußen bleiben.

Am Nordkapp weht – wie sollte es anders sein – der kräftige Winterwind. Nie war man dankbarer für Mütze und Handschuhe. Trotz eisiger Kälte steht man andächtig am gusseisernen Globus und schaut in die eisige Polarnacht hinaus auf die Barentssee. Überwältigend. Wer hier noch Nordlichter erlebt ist im Norwegenhimmel.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

7. Tag. Schon ist der Wendepunkt der Reise erreicht. Bereits jetzt ist man randvoll mit Erlebnissen. Aber auch im zweiten Teil hält die Reise einiges bereit. Doch davon wollen wir Euch das nächste mal erzählen. To be continued…… 🙂

Møre og Romsdal oder ein Reigen von Rundfahrten – Teil 2

Der Schnee hat sich verzogen. Zeit um zu einer neuen Tour aufzubrechen. Also auf nach Ålesund. In einer der schönsten Städte Norwegens kann man schließlich nicht oft genug sein. Und weil es so schön ist haben wir uns vorgenommen mit der Hurtigrute zurückzufahren. Wir brechen also auf von Farstad nach Molde. Abfahrt 7:30 Uhr. Schließlich wollen wir die Fähre von Molde nach Vestnes um 8:45 Uhr erwischen. Und dort auch gleich in den TIMEkspressen steigen. Das Auto verbringt den Tag auf angeschlossenem Parkplatz. Heute mal gemütlich Bus fahren und sich nach Ålesund schaukeln lassen. Der Bus kommt auf die letzte Minute und wir überlegen schon ob wir mit ihm von Molde nach Vestnes schwimmen müssen, wenn die Fähre vor seiner Ankunft abfährt. Aber er taucht auf. Während der Überfahrt gönnen wir uns noch einen Schokoriegel und dann geht es auf durch die norwegische Natur. Sitzen, gucken, genießen! Der Schnee ist tatsächlich weitgehend weggetaut und unser Busfahrer unterhält uns mit Ansagen, welchen Stopp er als nächstes ansteuert.

Copyright: insidenorway

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1 1/2 Stunden später steigen wir aus. Im Regen. Na super. Wir lassen uns aber mal wieder vom norwegischen Wettergott nicht beeinflussen und trotzen seiner Launenhaftigkeit. Schirm? Kann man bei dem Wind getrost vergessen. Also lassen wir uns nass regnen und genießen einfach die Stadt. Na ja, mit gelegentlichem Unterstellen. Den Hausberg von Ålesund, den Aksla, zu erklimmen schenken wir uns heute. Und finden einen fast gleichwertigen Aussichtspunkt. Mitten in der Stadt, am Ålesund-Museum. Das kleine Plateau, das dem Museum angeschlossen ist, bietet einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Und zwischendurch stellt sogar der Wettergott seinen Regen ein und lässt die Jugenstilhäuser erstrahlen. Unerheblich, dass man auf dem Plateau Mühe hat nicht knöchelhoch im Regenwasser zu stehen.

Ålesund, Copyright: insidenorway

Ålesund, Copyright: insidenorway

Ja, die Jugendstil-Architektur ist immer wieder das Schönste in Ålesund. In Norwegen ist man ja kaum gewohnt, dass so viele Häuser aus Stein eine Stadt zieren. Und sie zieren sie wirklich, aber nicht pompös, sondern so herrlich norwegisch gemütlich. Norwegen schafft es eben immer seinen Charakter zu verewigen. Und weil es so schön ist, streifen wir auch noch eine Weile durch die Gassen und erfreuen uns an den Details der Stadt. An der Apotekergata muss man einfach immer wieder vor Entzückung verweilen, weil man hier einen der zauberhaftesten Blicke überhaupt hat. Die Liebenden scheinen das auch so zu empfinden, das „Ein-Liebesschloss-am-Geländer-anbringen“ ist auch hier eingezogen. Romantisch!

Copyright: insidenorway

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Und unser Schiff liegt auch bereits am Kai. Die Midnatsol der Hurtigruten hat angelegt. Nein und man muss nicht gleich die 14-Tage-Luxustour buchen, wenn man einmal mitfahren will. Wir lösen also unser Ticket von Ålesund zurück nach Molde und freuen uns darauf drei Stunden  sanft Heim zu schaukeln. Vorne am Bug beim Ablegen muss sein, obwohl der Wind einen am liebsten über Bord wehen würde. Ein paar Tapfere Reisende schauen sich das Spektakel ebenfalls an. Ja und es ist einfach immer wieder faszinierend, wenn das Schiffchen ablegt. Dazu noch die atemberaubende Fjordlandschaft. Ein Fest. Immerhin eine Stunde bleibt bis es dunkel wird. Und die harre ich auch im eisigen Wind aus. Auf Deck 9 hat man einfach den perfekten Rundblick. Wer wird da schon frieren wenn sich das Schiff gen Sonnenuntergang schiebt. Und schließlich gibt es Winterjacken, Mützen und den Gedanken, dass man nachher ins muggelig warme Schiffsinnere geht.

Copyright: insidenorway

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Drei Stunden später legen wir in Molde an. Natürlich unter lautstarkem Tuten. Für uns ist die Fahrt hier zu Ende, die Midnatsol fährt weiter bis zum Nordkapp. In die Wehmut nicht weiter mitzufahren mischt sich aber schon die Freude auf die nächste Tour. To be continued….. 🙂 ❤

71° Nord oder wo Europa zu Ende ist – das Nordkapp

Eigentlich ist es ja nur ein Schieferplateau, das 300m aus dem Meer herausragt. Und der nördlichste Punkt Europas ist es auch nicht. Aber: wer jemals an diesem Punkt Europas gestanden hat hält andächtig inne, blickt auf den schier unendlichen Horizont und fühlt sich eins mit der Natur. Mal erstrahlt es in der Mitternachtssonne, mal liegt es von Nebel umhüllt, mal in völliger Dunkelheit der Polarnacht. Aber IMMER steckt es einen an mit einer ganz besonderen Mystik. Das Nordkapp.

Ja es ranken sich eine ganze Menge „Fakten“ um diesen nördlichen Punkt in Europa. Nördlichster Punkt des Festlands? Nein! Genauer gesagt liegt das Nordkapp nicht auf dem Festland, sondern auf der Insel Magerøya, aber wir wollen mal nicht so sein. Magerøya bedeutet übersetzt „karges Land“ und das ist auch Programm. Allerdings tut das dem Zauber der Insel keinen Abbruch. Wir sind eben sehr weit im Norden, aber bis zum Nordpol sind es trotzdem immer noch 2.000km! Und wenn man an der gußeisernen Weltkugel steht blickt man nach links und schaut auf die Landzunge Knivskjellodden, die einen Kilometer weiter nördlich ins Meer ragt. Die Ich-bin-der-nördlichste-Punkt-Europas-Konkurrenz schläft eben nicht. Silbermedaille für das Nordkapp.

Nordkapp Lars Helge Jensen

Copyright: Bjarne Riesto / riesto.no / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Die meisten nehmen sich ja überhaupt viel zu wenig Zeit für das kleine Eiland. Wenn man schon mal da ist sollte man auch den Rest von Magerøya erkunden. Außerdem kann man so eventuelle Schlechtwetterlagen freundlich bitten doch in den nächsten 48 Stunden abzuziehen, so dass man ausblicksmäßig am Nordkapp auch auf seine Kosten kommt. Blicken wir also auf Honningsvåg. Schmusiges Fischerdörfchen und Anlaufstätte zahlreicher Kreuzfahrtschiffe und natürlich auch der Hurtigruten, deren Schiffe hier täglich anlegen um die Post vorbei zu bringen und um zahlreichen Passagieren Nordkapp-Feeling zu bescheren.

Genau wie das Nordkapp erfreut sich auch auf Magerøya Honningsvåg eines Titels, der geografisch nicht den Tatsachen entspricht. Seit den 1990er Jahren gilt das Dörfchen als nördlichste Stadt der Welt, obwohl es einige Städte gibt, die noch weiter nördlich liegen. Hier reicht es noch nicht mal zur Silbermedaille. Aber das macht nichts. Honningsvåg ist trotzdem zauberhaft!

Honningsvåg, Copyright: Trym Ivar Bergsmo / www.nordnorge.com / Nordkapp

Honningsvåg, Copyright: Trym Ivar Bergsmo / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Fischerdörfer gibt es in Norwegen ja bekanntlich reichlich. So auch auf Magerøya. Eines davon ist Gjesvær. Heute ungefähr 130 Einwohner zählend ist das Städtchen seit den 1970er Jahren etwa auf ein Drittel seiner Bewohner geschrumpft. Aber: es ist die einzige Siedlung, die sich in der Provinz Finnmark bis in die Wikingerzeit zurückverfolgen lässt. Schon im Jahr 1230 wird sie erwähnt. Dass von den deutschen Besatzungstruppen 1944 alles niedergebrannt wurde wollen wir unter den Tisch fallen lassen.

Fishing village close to North Cape

Gjesvær, Copyright: Bjarne Riesto / riesto.no / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Hat man die Insel Magerøya umrundet, kehrt man zurück zum Nordkapp, entweder weil man hofft, dass das Wetter nun besser ist, oder weil man sich vom Anblick der Ozeanweite nicht lösen kann, oder beides. Auf jeden Fall aber beschließt man, dass es nicht das letzte Mal war, dass man hier gestanden hat, am Nordkapp, am Tor zum Nordpol, am Tor zum Ende der Welt! 🙂 ❤

Auf dem Weg zur Mitternachtssonne oder wo Europa endet

Ja das Nordkapp, da wo man vom nördlichen Rand Europas zu fallen scheint und wo die Sonne in den Sommermonaten nicht untergeht. Aber halt, stopp, noch sind wir nicht dort. Die Reise beginnt vielmehr vierzehn Tage früher, in Bergen. Und auch wenn man auf den Hurtigruten nicht von wirklichem Individualtourismus sprechen kann, packen sie doch einen bunten Reigen der schönsten Ziele Norwegens in die Reiseroute. Und dass das Hotel mitfährt ist ja auch nicht so ganz unpraktisch. Allerdings muss ich zugeben, dass Anfang der 90er Jahre, als ich zum ersten mal auf die Hurtigruten stieß, der Abenteuergedanke noch präsenter war. Postschiff und so. Die Post fährt zwar auch heute noch mit, aber die damals wenig komfortablen Kabinen sind dem Kreuzfahrtfeeling gewichen. Anyway: gestartet wird immer noch in Bergen.

Bergen, Provinz Hordaland

Bergen, Provinz Hordaland

Bergen an sich ist ja schon immer eine Reise wert, ich empfehle ja immer mindestens einen Tag früher anzureisen als man sich einschifft, damit man nicht gleich mit Frust in die Reise startet, weil man das zauberhafte Städtchen aus Zeitmangel auslassen muss. Abends tutet das Schiffchen sich dann seinen Weg in Richtung Nordkapp frei, man darf auch Titanic-like den Schaulustigen am Kai zuwinken. Schippert man dann endlich an der Westküste Norwegens entlang kommt man eigentlich gar nicht mehr ins Bett vor lauter Sonnenuntergängen und norwegischer Natur. Bis man den Polarkreis passiert geht sie ja immerhin noch für ein paar Stunden unter.

Sonnenuntergang auf dem Weg zum Nordkapp

Sonnenuntergang auf dem Weg zum Nordkapp

Gut 400 km nördlich von Bergen und nach etlichen Zwischenstationen folgt Ålesund. Das Vergnügen der „blauen Stunde“ hat man zwar im Sommer nicht, aber man kann eben nicht alles haben. An der Architektur im Jugendstil und dem norwegischen Flair darf man sich aber auch in den Sommermonaten erfreuen. Und da der Geirangerfjord so herrlich nah liegt und es sowieso der bekannteste Fjord Norwegens ist, macht auch so ziemlich jedes Schiff den kleinen Schlenker. Das „Festival der Kreuzfahrtschiffe“ tut aber der Schönheit des Fjords keinen Abbruch. Wasserfälle, Berghänge, die sich über dem Fjord auftun, Norwegen @ its best.

Geirangerfjord

Geirangerfjord

Ab jetzt geht es mit strammen Schritten auf den Polarkreis zu. Nach Trondheim, Rørvik, Brønnøysund und Nesna kommt er dann. 66° 33′ 55″! Ab jetzt geht die Sonne nicht mehr unter und an Schlaf ist eh nicht mehr zu denken, nicht nur weil es um Mitternacht immer noch taghell ist. Die Mitternachtssonne übt eben eine besondere Faszination aus und man kann sich von dem Naturschauspiel eigentlich gar nicht abwenden. Spätestens hier ärgert sich wer zu wenig Speicherkarten für die Kamera eingepackt hat.

Mitternacht

Mitternacht

Bevor man aber den nördlichen Rand Europas sieht, erreicht man erst noch eines der schönsten Fleckchen Norwegens, die Lofoten. Auch wenn sich Lofoten so herrlich nach Mehrzahl anhört, ist es doch Singular, obwohl es sich um nicht weniger als achtzig Inseln handelt. Allein hier könnte man Sommer wie Winter Wochen verbringen, aber auf der Reise zum Nordkapp darf man wenigstens mal dran schnuppern.

Lofoten

Lofoten

Inzwischen befinden wir uns 1.500km nördlich von Bergen und es geht noch weiter. Jetzt folgt die zerklüftete Westküste von Nordnorwegen bis nach Tromsø. Nach vielen Städten mit einer Einwohnereinzahl, die man praktisch an zwei Händen abzählen kann, bekommt man in der größten Stadt von Nordnorwegen sozusagen Metropolen-Feeling. Dass man sich bereits gut 300km nördlich des Polarkreises befindet, merkt man der Stadt dann auch an, inklusive, dass es auch im Sommer manchmal ordentlich kalt sein kann. Der Polarforschungsinteressierte kann sich hier so richtig austoben. Nebenbei steht hier auch die nördlichste Kathedrale des Landes.

Arctic Cathedral, Copyright: CH - Visitnorway.com

Arctic Cathedral Tromsø, Copyright: CH – Visitnorway.com

Und dann, noch einmal gut 500km weiter nördlich und mittlerweile mehr als 2.300km nördlich von Bergen strahlt sie einen an – die Mitternachtssonne am Nordkapp. Im Grunde ist es gar nicht wirklich der nördlichste Punkt Europas, aber man ist schonmal ganz nah dran. Allerdings: das Schieferplateau mit der bekannten Weltkugel eignet sich eben besonders als Aussichtspunkt. Und dem Zauber der am Himmel stehenden Sonne kann sich dann auch kaum einer entziehen. Besonders wenn sie sich ihren Weg durch die Wolken bahnt – atemberaubend. Und irgendwo da hinter ihr befindet sich der Nordpol, ja da fühlt man sich als Besucher ganz schnell ganz unbedeutend umgeben von Naturgewalten.

Nordkapp

Nordkapp

Alles in allem. Die Zeit ist günstig. Deshalb schnell Koffer packen und 2.500km Norwegen in sich aufsaugen. Aber Vorsicht: Ansteckung mit dem Norwegen-Virus garantiert! 😉