Wo Norwegen zu Ende ist oder – Grense Jakobselv, Landschaftshighlight in der Finnmark

Immer dasselbe. Wieder mal mit dem Schiff in Kirkenes an der russischen Grenze. Und da es ja immer heisst, dass die Gegend vor allem wegen ihrer Landschaft punktet, erwartet mich heute ein besonderer Landschaftsleckerbissen. Grense Jakobselv, ganz im Norden der Provinz mit Blick auf die Weite der Barentssee. Für gewöhnlich komme ich da nicht hin, aber heute habe ich einen persönlichen Chauffeur, denn eine meiner Freundinnen wohnt direkt in Kirkenes und hält ihren SUV für eine Ausfahrt bereit. Ok, das Wetter hat sich nicht in sein bestes Kleid gewandet, kühl ist es und nebelig. Aber wer wird sich von so etwas abhalten lassen, schliesslich ist es Norwegen und nicht die Karibik.

Wir starten also in Richtung russische Grenze und machen einen kleinen Abstecher zum offiziellen Grenzübergang. Der interessiert uns heute aber wenig, denn man sieht ohnehin nicht mehr als das Schild, dass der Schengen-Raum hier endet. Vor dem Grenzübergang biegen wir deshalb links ab Richtung Norden, quasi immer an der Grenze entlang. Die verläuft auch direkt durch den Fluss. Alle paar Meter steht ein hübscher gelber Grenzstein, auf der anderen Seit des Flusses, der mehr ein Rinnsal ist, die Grenzsteine von Russland. Eins, zwei, drei könnte man drüben sein, ausprobieren kommt teuer. Die Fische im Fluss haben natürlich Sonderrechte. Sie dürfen munter über die Grenze im Fluss hinweg nach Russland schwimmen und zurück. Angeln darf man sie aber nur wenn man norwegischer Staatsbürger ist oder mindestens ein Jahr hier lebt. Die Ausgabe von zwanzig Angelscheinen pro Jahr schreit nicht gerade nach Massenandrang. Wir begnügen uns damit auf der norwegischen Seite zu bleiben. Aber aus dem Auto steigen kann man ja mal. Das tun wir bei den Grenzsoldaten, die am Feuer in einem kleinen Unterstand sitzen.

Sie laden uns auch gleich ein am Feuerchen Platz zu nehmen und wir halten einen kurzen Plausch. Man könnte ja meinen, dass der Job hier oben doch eher stinklangweilig ist. Aber nein. Auf diesem Posten sind nur die besten der norwegischen Armee, man schlägt sich förmlich darum an der russischen Grenze stationiert zu sein und zu den Russen hat man auch ein entspanntes Verhältnis. Soldatenfreuden.

Nach unserem Rendezvous geht es weiter. Die Strassen könnten gelegentlich eine Sanierung gebrauchen. Ein Schlagloch reiht sich an das andere und wir hüpfen fröhlich von einem zum nächsten. Zwischendurch müssen wir den Schneehühnern und Hasen ausweichen, die munter über die Strasse huschen. Der Nebel hängt tief in den Bergen, so dass man meint, man ist auf dem platten Land. Weit gefehlt. Wir passieren das älteste Gebirge Norwegens – wenn man denn etwas davon sehen könnte. Immerhin können wir die zahlreiche Findlinge bewundern, die die letzte Eiszeit hier grosszügig verteilt hat. Riesig sind sie, teilweise von der Grösse eines Einfamilienhauses. Dass Wasser so viel Kraft haben kann dieses ganze Geröll mit sich zu schleifen. Unglaublich. Noch viel unglaublicher ist das, was ich höre, als wir aus dem Auto steigen: absolut nichts. So eine friedliche Stille habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Als wolle einem die Natur sagen, dass man doch einmal innehalten möge um die Ruhe in sich aufzunehmen. Herrlich. Das mit dem Ruhe tanken müssen wir heute verkürzen, denn wir wollen ja noch weiter.

Copyright: insidenorway

Langsam beginnt der Nebel sich zu lichten und man kann ahnen wie atemberaubend es hier erst ist, wenn man freie Sicht hat. Als wir um die letzte Kurve biegen, liegt die Barentssee direkt vor uns. So fantastisch, so karg und gleichzeitig so idyllisch, dass wir völlig gebannt sind. Sogar einen kleinen Sandstrand gibt es hier, aber die Wassertemperatur ist eher von der Kategorie: ungemütlich. Ich nehme ein unfreiwilliges Fussbad, während ich versuche ein paar Unterwasseraufnahmen zu schiessen. Kaaaaaaalt. Ewig könnte man hier sitzen, picknicken und die fabelhafte Ruhe geniessen. Den Blick auf die schroffe Landschaft muss man einfach nur aufsaugen.

Copyright: insidenorway

Den gleichen Weg geht es nun zurück. Siebzig Kilometer bis Kirkenes. Am liebsten würde ich an jeder Ecke aussteigen um in Ruhe zu fotografieren, aber auch als Reiseleiterin habe ich nicht das Privileg, dass mein Schiff auf mich wartet. Wir halten aber noch kurz an der König-Oskar-II.-Kapelle. Die thront hübsch auf einem kleinen Hügel und heisst so, seit selbiger König sie 1873 besucht hat. Zu ihrer Jahrhundertfeier hat man sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Überall sonst bleiben nur kurze Stopps um schnell ein paar Fotos zu schiessen. Eben geniessen im Schnelldurchgang. Der Nebel verzieht sich mittlerweile immer weiter und man bekommt eine leise Ahnung wie das Bergpanorama aussieht, wenn freie Sicht herrscht.  Atemberaubend. Wir fahren vorbei an Seen, wo sich die Boote ans Ufer schmiegen, mehr Idylle geht nicht. Die Lupinen sprenkeln die Wiesen mit lila Farbtupfern, entzückend, auch wenn sie in Norwegen mittlerweile zur Plage geworden sind und man ihrer fast nicht mehr Herr wird.

Nach einer guten Stunde sind wir zurück in Kirkenes und ich befinde, dass es sich absolut lohnt mit ausreichend Zeit noch einmal hierhin zurück zu kehren. Fazit: wer in der Finnmark unterwegs ist, sollte dieses Stückchen Grenznorwegen unbedingt einplanen. Hier erlebt man Natur in ihrer ursprünglichsten Form, die nicht überlaufen ist, bestens geeignet für echte Entschleunigung! Ausprobieren!

Nachstehend ein kleines Video unserer Spritztour.

 

 

Wo Norwegen und Russland sich küssen oder: wie man zu einem Grenzgang der Extraklasse kommt!

Ja ja, wieder einmal war ich in Kirkenes und damit dort, wo Russland ganz nah ist, in Spuckweite sozusagen. Zeit für eine neue Grenzerfahrung. Am offiziellen Übergang von West nach Ost war ich ja durchaus schon öfter, aber den Blick auf Schlagbaum und Hinweistafel, dass hier der Schengen-Raum endet, kann man nicht zu den essentiellen Lebensbegehrlichkeiten zählen. Deshalb habe ich die Flussbootsafari ausprobiert, die einen auf dem Grenzfluss, dem Pasvikelva bis kurz vor Putins Reich bringt. Doch von vorne.

Am Flussufer unweit des Zentrums von Kirkenes geht es los. Vor allem damit, sich erst einmal mit kleidsamen Rettungswesten in leuchtschmeichelorange auszustaffieren, die selbst Models in Michelinmännchen verwandeln. Aber Sicherheit geht ja bekanntlich vor. So suche ich also fröhlich nach allen Strippen die irgendwie, irgendwo runterhängen um alles hübsch in die richtigen Vorrichtungen einzuklinken. Schon jetzt haben alle Teilnehmer einen Heidenspass. Am Steg wartet unser Holzboot „Trifon“, benannt nach einem Mönch, der sich im 16. Jahrhundert in dieser Gegend vor seinen Verfolgern versteckte und der sich nur retten konnte, weil er eine kleine Grotte fand, in die er sich wirkungsvoll verkriechen konnte.

Copyright: insidenorway

Einsteigen bitte. Einzeln klettern wir nun alle in das Boot, was schnell zur Schaukelanlegenheit werden kann. Also werden wir wohlweislich platziert, damit wir nicht schon im Hafen direkt kentern. Rettungswesten sind ja schön und gut, aber wir möchten sie ja nicht unbedingt gleich ausprobieren. Wir sind voll besetzt und sitzen dicht an dicht, aber durchaus komfortabel. Los geht es nun den Fluss entlang und regelmässig machen wir Halt um den Geschichten und Anekdoten zu lauschen, die sich einst hier zugetragen haben und natürlich legen wir auch einen Stopp an der Höhle ein, wo besagter Mönche seinen Verfolgern entkam. Orthodoxe kommen bis heute hierher um dem Ereignis mit Gesängen zu gedenken.

Copyright: insidenorway

Von den ehemals reichen Lachsbeständen ist heute nicht mehr viel zu sehen, eher gar nichts mehr. Die Russen befanden, dass ein Kraftwerk hier von unbedingter Notwendigkeit ist und stellten es 1960 hier auf, nur die Lachstreppe haben sie vergessen. Also zog der rosa Fisch sich zurück und beendete die Ströme von Anglern, die jahrelang von überall herkamen um sich mit den Fischlein umfangreich zu bevorraten. Vorbei die Lachsherrlichkeit. Weiter fahren wir auf dem Fluss unter zwei Brücken hindurch und erreichen schliesslich unser Ziel: die Grenze. An dieser Stelle verläuft sie mitten durch den Fluss. Da saust man schnell mal vorbei, wenn man die Grenzsteine am Ufer nicht beachtet. Aber das wäre der weiteren Freizeitgestaltung nur bedingt zuträglich. Obwohl man nichts von ihnen sieht, haben die Russen die Grenze wie ein Luchs im Blick. Und auch die Norweger haben ein Auge auf das Territorium. Big Daddy is watching you. Eigenartiges Gefühl.

Copyright: insidenorway

Uns soll das natürlich nicht kümmern, denn schliesslich bleiben wir ganz brav auf der norwegischen Seite und legen mit unserem Boot an. Hier steht das Barentssafari Sommercamp, ein herzallerliebst gebautes Idyll mit samischem Lavvuu, Aussichtsterrasse, Grillplatz und viel Gemütlichkeit. Gebaut ist alles aus sibirischer Kiefer, ein äusserst widerstandsfähiges Bäumchen und hervorragend geeignet um alles daraus herzustellen, was den ungemütlichen Wetterbedingungen hier oben standhalten soll. Wir steigen also aus unserem Boot, bemüht wenig Geschaukel zu verursachen und hangeln uns auf dem Steg zum Ufer. Da er nicht gemacht ist für Extrembelastungen, tippeln wir in hübschem Abstand hinüber, denn wir wollen ja kein unfreiwilliges Fussbad nehmen. Im Camp angekommen ist uns nichts lieber, als die Rettungswesten für eine Weile abzuschmeissen. Herrlich diese Bewegungsfreiheit. Danach bekommen wir eine Lektion über das frühere Leben im Grenzgebiet und auch darüber, warum sich die Grenzlinie hier in so etwas wie einem Zick-Zack-Verlauf austobt. Gebietsverteilungsdeals ziehen so etwas eben manchmal nach sich.

Copyright: insidenorway

Von hier ist die Grenze kaum mehr als ein paar Meter entfernt. Und natürlich wollen wir so nah wie möglich dran. Also machen wir uns über einen kleinen Steg auf den Weg. Das blaue Schild, dass hier der Schengen-Raum endet, steht natürlich auch hier. Und dann stehen wir tatsächlich genau zwei Meter von Russland entfernt. Gelb markiert Norwegen, rot-grün Russland. So nah und doch so fern, denn eine Grenzüberschreitung wäre fatal. Die Russen kennen da keinen Spass. So achten wir denn auch penibel darauf, dass wir uns keinen Schritt von gelb nach rot-grün bewegen, nicht mal die Kamera sollte man am ausgestreckten Arm nach Russland halten, will man sich nicht in Begleitung russischer Grenzsoldaten wiederfinden. Und die saftige Geldstrafe würde die Ausflugslaune auch nicht heben. Deshalb verzichten wir auf ein solches Erlebnis und geniessen den Hauch von Russland eben so.

Copyright: insidenorway

Nachdem wir die Grenzlinie ausgiebig begutachtet haben und natürlich auch das obligatorische Erinnerungsfoto gemacht worden ist, gibt es etwas zur Stärkung. Kaffee und Multebeeren mit Sahne. Süss und vitaminreich und unheimlich lecker. Mit unserem Kaffee in der Hand halten wir einen Plausch auf der Terrasse, trotzen der Tatsache, dass wir non-stop von den Unsichtbaren beobachtet werden und geniessen den Blick in die herrliche Natur.

Dann ist es Zeit zurück zu fahren. Also wieder rein in die Rettungswesten, die hatten wir doch schon so schön vergessen. Einsteigen die zweite und diesmal sind wir dabei schaukelfrei. Wir lernen eben schnell. Auf dem Rückweg bekommen wir noch eine kleine Dusche als Ausflugszugabe. Der Wind hat aufgefrischt und bläst uns die Wellen hübsch ins Gesicht, wir nehmen es als Beauty-Treatment für den Teint. Nicht lange und wir sind zurück am Ausgangspunkt und alle sind wir uns einig, dass wir noch länger hätten bleiben wollen.

Ich muss sagen: Barentssafari hat mit der Flussbootsafari einen Ausflug im Programm, der ein echter Geheimtipp in Kirkenes ist und der einen so nah an die russische Grenze bringt wie kein anderer. Die fabelhaften Guides tun ihr Übriges dazu. Also Leute: do it!

Zu Barentssafari geht es hier.

 

Mit dem Schneemobil im Schneesturm oder: Kirkenes kann Abenteuer!

Ich war ja lange nicht mehr auf einem Aktivausflug ganz im Norden unterwegs. Dabei ist das in Kirkenes sowas wie ein Pflichtprogramm, wo ja die Stadt nicht gerade durch architektonische Höhenflüge glänzt. Wie sollte sie auch, wo hier im zweiten Weltkrieg so ziemlich alles platt gemacht wurde. Da muss beim Wiederaufbau eben manchmal schön und langsam, praktisch und schnell weichen. Heute soll es also die Schneemobilsafari sein. Die Kälte hat sich in den letzten Wochen hartnäckig gehalten und da der Golfstrom hier in seiner Wirkung schlapp macht, kriecht im Winter regelmässig das Eis bis an die Küstenlinie. Gut für mich, denn heute will ich auf der gefrorenen Pracht mit ordentlich Speed dahinsausen.

Ein paar Kilometer geht es raus aus der Stadt, dorthin, wo die Schneemobile wohnen. Das Wetter hat heute die Angewohnheit alle zwanzig Minuten ein Schneetänzchen zu veranstalten, aber ich habe die vage Hoffnung, dass die Sonne, die jetzt hinter den Wolken hervorguckt, den blauen Himmel weiter vorantreibt und den Schnee bis zum Ende der Tour ins Nirgendwo schickt. Ist doch auch viel schöner, wenn man sieht, wo man denn so hinfährt. Erstmal werde ich aber mit einem Overall ausstaffiert, damit die Kälte nicht allzu sehr in alle Ritzen kriecht. Einen Helm gibt es natürlich auch. Sicherheitsvorschrift und so. Kaum habe ich das Ding auf dem Kopf, frage ich mich wieder, wie man das als Motorradfahrer so als Dauerzustand aushalten kann. Mal abgesehen davon, dass ich so ein Gewicht auf dem Kopf nicht gewohnt bin, wünsche ich mir nach zwei Minuten eine Stricknadel, mit der ich das Gejucke unterbinden kann. Ich bin eben nicht gemacht für Kopfbedeckungen. Auch Mützen könnte ich regelmässig verfluchen. Nachdem wir alle fertig verpackt sind wie Michelinmännchen geht es zur technischen Einweisung. Schneemobile sind Gott sei Dank auch für den Nicht-Techniker schnell begriffen, so dass wir bald darauf durch den Schnee zum Fuhrpark stapfen. Ich habe zusätzlich meine Kamera dabei, denn ich will ein paar gute Schnappschüsse bei der Tour machen.

Und dann geht es auch schon los. Raus auf den zugefrorenen Fjord. Hübsch in einer Reihe fahren wir in zunächst moderatem Tempo durch den Schnee, schliesslich muss man sich mit dem Gefährt erstmal vertraut machen. Im Moment findet in der Provinz Finnmark auch eines der grössten Hundeschlittenrennen statt und die Strecke führt dort vorbei, wo auch wir unsere Spur hinterlassen. Und so fahren wir bald Seite an Seite mit den Hundeschlitten und werfen uns gegenseitig Grüsse zu. Was sich gleichzeitig vor uns auftürmt, finden wir dann gar nicht mehr so toll. Ein hübscher Schneesturm steht in den Startlöchern. Wie war das noch mit dem Wetterwechsel alle zwanzig Minuten? Wie eine Wand stellt sich der Schneefall uns entgegen. Nach zwei Minuten sehen wir aus wie die Schneemänner und meine Kamera bekommt eine Schneehülle, die Fotos nicht besonders zuträglich ist. Immerhin ist der Schnee so pulvrig, dass er nicht gleich in jede Kameraritze kriecht.

Nach sechs Kilometern machen wir Pause im Schneegestöber. Gut, dass wir schöne hohe Stiefel bekommen haben, denn wir waten in meterhoher weisser Pracht. Winter deluxe. Keiner lässt sich die Laune davon verderben, dass die Sonne sich hartnäckig versteckt und wir lauschen dem, was unsere beiden Guides uns über die Region erzählen, herrlich. Danach wollen wir testen, was die Schneemobile an Geschwindigkeit hergeben. Mit ordentlich Karacho geht es weiter. Und wo wir eben noch dachten, wir werden vom Schnee in null Komma nichts eingehüllt, geht es jetzt erst richtig los. Nichts sieht man mehr von unseren Overalls und als wir erneut Pause machen, schüttelt jeder einen hübschen kleinen Schneeberg von sich. Aber wen stört das schon.

Bald ist es schon wieder Zeit um zurück aufs Festland zu fahren, viel zu schnell ging die Zeit um. Auf der Rückfahrt geniessen wir noch einmal den vollen Speed der Schneemobile. So langsam kriecht aber auch die Kälte in uns hoch. Da kommt uns ein heisser Kaffee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu, dem typischen Zelt der Sami, in dem wir das wärmende Feuer geradezu fabelhaft finden. Wir dürfen auch von getrocknetem Rentierfleisch kosten. So lecker, dass ich gleich die ganze Tüte in mich reinschlingen könnte.

Und dann ist der Vormittag auch schon vorbei. Ich gebe zu, dass ich zwar froh bin den Helm wieder los zu sein, aber viel zu schnell ist unser Trip vergangen. Also Leute: wer in Kirkenes vorbei schaut, sollte unbedingt eine Tour mit Barentssafari unternehmen. Das Winterprogramm kann ich uneingeschränkt empfehlen. Wenn in einigen Monaten der arktische Sommer zurück ist, werde ich auch das sommerliche Ausflugsprogramm unter die Lupe nehmen. Bis dahin: enjoy the Winter in Kirkenes!

Nordlicht & Sterne oder: wie man mächtig Spass auf der Hurtigrute hat!

Elf Tage auf der Hurtigrute und wir hatten eine fulminante Reise. Das lag nicht zuletzt an den Gästen, die die Reise genossen haben. Keiner liess sich von schlechtem Wetter die Laune verderben. Obwohl: soooooo schlecht war das Wetter gar nicht! Das Nordlicht hat uns etwas hängen lassen, aber ein paarmal war es uns hold. Danke an alle Gäste für eine fantastische Tour!!!!!

Schlittenfahrt und Schneehotel oder: ganz im Norden geht es rund !

Schnee bis zum abwinken. Davon gibt es ja bekanntlich in Nordnorwegen genug. Zeit um in Kirkenes mal wieder im Schneehotel vorbei zu schauen. Schließlich ist es im April heldenhaft dahin geschmolzen und erlebte seine Wiedergeburt im Oktober. Ja, zehn Grad und mehr machen einem Schneehotel eben zu schaffen. Umso mehr erfreut es den Besucher, dass es jedes Jahr in neuer Gestaltung daher kommt. Dieses Jahr ist es den Huskys gewidmet. Liegt in Kirkenes ja auch irgendwie nahe, denn in minus zwanzig Grad fühlt sich der Schlittenhund in seinem Temperaturelement. So steht man in der Eingangshalle des Schneehotels auch mittendrin im Hundeschlittenszenario. Die Tierchen erobern in Eis gemeißelt die Bar und drapieren sich um ihren Musher.

img_4017

Copyright: insidenorway

Wie letztes Jahr empfindet man die minus vier Grad im Inneren des Hotels als geradezu hochsommerlich, kein Wunder, es ist ja auch fast zwanzig Grad wärmer hier drin als vor der Tür. Die Zimmer sind auch dieses Jahr zauberhaft gestaltet und warten auf die Übernachtungswilligen. Wer hier sein Haupt zum Schlaf betten will, sollte frühzeitig buchen, denn „ausgebucht“ ist hier die meistgebrauchte Vokabel. Gegen die Kälte gibt es den mollig warmen Polarschlafsack und mit dem Getränkekonsum hält man sich besser vornehm zurück. Hier lernt man den Vorteil von möglichst wenig Toilettengängen pro Nacht zu schätzen, es sei denn man liebt es, sich aus dem warmen Schlafsack in die arktische Kälte zu quälen. Da können schon hundert Meter bis zum Toilettenhäuschen zur Qual werden. 😀

img_4035

Copyright: insidenorway

Ich widme mich heute dem Gelände nebenan, dort wohnen die Huskys. Das wunderschöne Licht der Polarnacht schreit geradezu nach einer Schlittenfahrt. Nach dem Schneegestöber der letzten Tage zaubert die Dämmerung heute rosa Licht an den Himmel und die ganze Umgebung liegt verschlafen im Winterkleid. Schon als wir das Gelände betreten, werden wir von lautem Bellen begrüßt. Von allen Seiten schauen uns die Huskys ungeduldig an, bereit zur Tour aufzubrechen. Ich bin ja jedesmal beeindruckt, welche Stärke die Tierchen entwickeln, sobald sie losgelassen werden. Schließlich ziehen sie nicht nur den Schlitten, sondern auch uns, die wir im Schlitten drin sitzen und uns durch die Landschaft fahren lassen.

img_3877

Copyright: insidenorway

Zu zweit nehmen wir also im Schlitten Platz und natürlich haben wir auch einen Musher dabei. Die Huskys sollen ja wissen, wo sie hin sollen. Nie war ich dankbarer für meine Skihose. Mütze, Jacke und Handschuhe tun ihr Übriges dazu, damit man trotz der Eiseskälte nicht zum Eiszapfen erstarrt. Kaum sitzen wir, geht es auch schon los. Und zwar ziemlich zügig. Zuweilen muss man alles einziehen, damit man bei der Fahrt durchs Gestrüpp nicht unfreiwillig irgendwelche Gliedmaßen verliert. Wir sausen am Fjord entlang durch die eisige Polarnacht. Atemberaubend. Teilweise ist das Wasser zugefroren, bis hier reicht der Einfluss des Golfstroms dann doch nicht. Gut, dass uns der Musher ansagt, wenn Kurven bevorstehen, so braucht man uns nicht wieder in den Schneeverwehungen einzusammeln. Die Hündchen nehmen selbst Steigungen mit der Schlittenlast mühelos, ja da kann man fitnessmäßig noch was lernen. Für Fotos muss man gleich zu Anfang sorgen, sonst zeigt einem der Akku ne lange Nase.

img_0672

Copyright: insidenorway

Viel zu schnell vergeht die Tour und am liebsten würden wir gleich nochmal. Mittlerweile hat sich die Dämmerung schon fast wieder verabschiedet und weicht der Dunkelheit. Polarnacht eben. Der heiße Krähenbeerensaft am Kamin kommt uns nach der Tour gelegen und am Feuer kann man auch gleich die Handyakkus wieder aufwärmen.

Bleibt noch Zeit für einen kurzen Besuch bei den Rentieren, die sich ebenfalls auf dem Gelände tummeln. Aber sie haben heute keine Lust auf Streicheleinheiten und betrachten uns desinteressiert aus der Ferne. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Fazit: wer das Gelände des Schneehotels besucht, kann sich auf einen Tag voller Aktivitäten freuen. Und weil auch wir den Tag unendlich genossen haben, werden wir Ende Januar zurückkehren. An den Nordrand Europas. Wo die Huskys wohnen. 🙂

Feuerwerk der Farben – Herbst auf der Hurtigrute !

Schon wieder ging die Tour schneller rum, als man gucken konnte. Die MS Trollfjord brachte uns bis zum Nordrand Europas und zurück, inklusive aller Wetterlagen, Nordlichter und Herbstfarbenfeuerwerk. Auch dieses mal haben bei allen die Kameras geglüht und jeder hat die sagenhafte Landschaft voll ausgekostet.  🙂

Facettenreiches Norwegen auf der Hurtigrute !

Die Septemberreise hatte wirklich alles zu bieten, was eine unvergessliche Tour ausmacht. Von sommerlichen Temperaturen bis Sturm war alles dabei. Die Nordlichter haben uns gleich viermal beglückt. Und so kamen wir zurück, randvoll mit Erlebnissen. ❤

Buchen kann man bei uns übrigens auch. 🙂

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 2 !

Streckenbergfest ist Nordkappfest. Und Windfest. Eben hegt man auf dem dreißig Kilometer langen Weg vom Schiff zum nördlichen Rand Europas noch die Hoffnung, dass so etwas wie Windstille herrscht und schon ist man wieder im schönsten Wetterwirrwarr. Nordkapp eben. Hier macht das Wetter, was es will und ändert seine Laune auch gerne alle zwanzig Minuten. Die Schönheit der Landschaft kann das trotzdem nicht beeinflussen. Man muss wohl nicht sagen, dass das mit dem Frühling auf 71° nördlicher Breite noch nicht SO richtig in Gang gekommen ist. Ok, Bäume sind hier ja sowieso Mangelware, aber auch das Bodengrün hält sich noch unter Schnee bedeckt. Nun ja, dafür kann man aber auch den Nordpol riechen, auch wenn er noch hübsche zweitausend Kilometer entfernt liegt.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Und ja, der Wind. Marke umwerfend. Über den vereisten Boden rutscht man mit seinem eigenen kleinen Windkraftwerk. Bevorzugt auch in die Richtung, in die man gar nicht will. Das Erinnerungsfoto am Globus wird zur Herausforderung. Wo man nicht rutscht, steht man knöchelhoch im Tauwasser. Aber was macht das schon, wenn man quasi eins mit den Naturgewalten ist und schließlich kann man sich zwischendurch in der Nordkapphalle aufwärmen. Ich finde es immer am schönsten jede Sekunde an diesem zauberhaften Ort auszukosten und die Aufwärmphase in den Bus zu verlegen. Nordkapp intensiv sozusagen.

Nun geht es nordgehend südwärts. Dass Kirkenes fast so südlich wie Tromsø liegt, sagte ich ja schon. Und dass die russische Grenze nur zehn Kilometer entfernt ist, kann man auch nicht leugnen, wenn man durch die Stadt spaziert. Kyrillisch ist Programm. Kein Wunder, denn hier herrscht Shopping-Wahn in beide Richtungen. Der Russe kommt wegen der besseren Qualität, der Norweger giert nach Billigware auf der anderen Seite der Grenze. Dem Lieblingsteuerthema Alkohol und Zigaretten wird allerdings ein Strich durch die Rechnung gemacht. Wer selbiges in Russland kauft, muss 24h bleiben. Fünfmal am Tag hin und her fahren um die Einfuhrbeschränkungen auszutricksen bleibt im Ich-würde-gerne-Modus stecken.

Der Geschichtsfreak schaut noch in der Andersgrotta vorbei, ein Luftschutzkeller, in dem die Einwohner während des zweiten Weltkriegs vor dem Bombenterror Schutz suchten. Der traurige Teil der Geschichte von Kirkenes.

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Nach dem Wendepunkt geht es nun wirklich wieder südwärts – reiserutentechnisch. Wenn man Glück hat, erlebt man eine zauberhafte blaue Stunde in Vardø, der östlichsten Gemeinde Norwegens. Natürlich gibt es hier eine Festung, die nördlichste der Welt. Schon wieder ein norwegischer Superlativ. Überall sonst in Vardø ist Leben vom Fischfang Programm und auch die Vogelwelt erfreut sich am Fischreichtum. Brüten ist hier die höchste Vogeldisziplin. Gibt ja auch so herrliche Inseln draußen, die die Gefiederten quasi zu ihrem Grundbesitz erklären können. Und weil die Inseln nicht ausreichen, nistet man sich auch gerne in so ziemlich jeder Hausnische ein, die man zum Vogelheim umfunktionieren kann. Vardø im Vogelglück.

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Nach einer Reihe von Häfen, die man wegen Sturm im Winterhalbjahr auch einmal auslassen muss, ist wieder Stopp in Tromsø. Spät abends mit der Chance aufs Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Dann sind endlich die Lofoten dran. Bevor man allerdings in Svolvær anlegt zwängt sich das Schiff zwischen Lofoten und Vesterålen durch den Raftsund.  Ja das ist ein landschaftliches Fest. Auf zwanzig Kilometer Länge ragen die Berge empor, der niedliche Eingang des engen Trollfjords zieht vorbei und es ist einem völlig egal, ob es draußen windet oder regnet. Man will einfach nur genießen.

Raftsund, Copyright: insidenorway

Raftsund, Copyright: insidenorway

Wer draußen ausgeharrt hat, hat sich in Svolvær das Bierchen in der warmen Stube verdient. Ok, wenn man noch nicht dort war, will man sich zuerst das Städtchen anschauen, nebst zauberhafter Rorbuer-Fischerhäuschen und auch einen Blick auf den aufgehängten Trockenfisch werfen. Aber ich finde, es hat etwas von Lofoten-Gemütlichkeit im „Anker“ einzukehren, gleich hinter der Brücke, über die man auf die Halbinsel Svinøya rüber schlendert. Urig, Fischer-Norwegen-Feeling und ein wärmender Kamin. Da könnte man glatt vergessen, dass man die Uhr im Blick behalten muss um das Ablegen des Schiffs nicht zu verpassen. Spätestens wenn man beim obligatorischen „tuuuuut“ noch beim bezahlen der Zeche ist, weiß man, dass man sich gleich gegenüber eine Rorbu mieten kann. Autsch!

Wer rechtzeitig wieder auf dem Schiff ist, darf am nächsten Tag wieder Naturhighlight-Sightseeing betreiben. Der Torghatten zeigt sich. Der berühmte Berg mit dem Loch im Bauch und der Legende nach ein versteinerter Hut, der von einem Pfeil durchbohrt wurde. Die Norwegen-Saga fasziniert.

Torghatten, Copyright: insidenorway

Torghatten, Copyright: insidenorway

Wer nicht die ganze Strecke bis Bergen zurück fährt, findet den Endpunkt seiner Reise in Trondheim. Umgekehrtes Schiffsschmusen nun am Kai. Diesmal liegt Miss nordgehend nebenan. Zeit für einen Abschiedsbesuch. Und dann heißt es auch Abschied nehmen von 3.500km Norwegenküste. Der Süchtler kommt natürlich wieder. Weil es einfach zu schön ist auf der schönsten Seereise der Welt! ❤ 🙂

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 2

Die Reise auf der Hurtigrute geht weiter. 7. Tag. Kirkenes. Nur zehn Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Ok, Kirkenes ist keine wirkliche Perle, aber das Drumherum macht alles wett. Erstes Muss: das Schneehotel unweit der Stadt. Über Mangel an Winter kann man sich hier nun wirklich nicht beschweren. Bei minus zwanzig Grad kommt man kältemäßig voll auf seine Kosten. Und im Hotel empfindet man die minus vier Grad geradezu als hochsommerlich. Kaum zu glauben, dass das Hotel jede Saison neu aufgebaut wird, nachdem das Tauwetter ihm im Sommer den garaus gemacht hat. Die Zimmer sind zauberhaft gestaltet, jedes hat ein eigenes Thema, lediglich die Betten bestehen nicht aus Eis und der Polarschlafsack hält für die Nacht mollig warm.

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Snowhotel Kirkenes, Copyright: insidenorway

Auf dem Gelände des Hotels gibt es aber noch viel mehr zu sehen. Zum Beispiel: Rentiere. Man muss ein bißchen warten bis sich eins blicken lässt. Aber wenn man sie erspäht gerät man in Entzücken. Perfekt an die Kälte angepasst und einen mit großen Augen anschauend. Gleich gegenüber: die Wohnstube der Huskys. Nicht vergleichbar mit unserer Vorstellung eines gemütlichen Wohnzimmers, aber der Husky an sich wohnt eben gern kältebetont. Schließlich will man sich als Schlittenhund jederzeit im kühlen Schnee wälzen können. Husky-Vergnügen. Der Sucht-Schlittenfahrer bricht dann auch hier zu seiner zweiten Husky-Safari auf. Wiederholungstäter und so. Wer keinen Platz mehr ergattert hat, begnügt sich mit zuschauen.

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Kirkenes, Copyright: insidenorway

Die Alternative winkt am Nachmittag. Das Schneemobil. Mit PS unter dem Allerwertesten ist der zugefrorene Fjord Trumpf. Durch das norwegische Winterwonderland sausen, die Polarluft einatmen, umrahmt von der rauhen arktischen Landschaft. Das Paradies könnte nicht besser sein.

Dann heißt es: südgehend. Am 8. Tag winkt Hammerfest. „Into the Ice“ sollte man auf der Wintertour unbedingt ausprobieren, nicht nur weil man stilecht in Expeditionsausrüstung der 1910er Jahre unterwegs ist, sondern auch weil man den Hauch einer Ahnung bekommt, wie es sich anfühlt einer arktischen Expedition anzugehören. Eben bewegt man sich noch „trittfest“ auf blankem Eis um einen Schritt weiter kniehoch im Schnee zu versinken. Pioniergeist und so. Logisch, dass man am Gipfel die norwegische Flagge hisst. Den Traumblick auf das winterliche Hammerfest gibt es kostenlos dazu.

Copyright: Dietmar Henrich

Copyright: Dietmar Henrich

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Hammerfest, Copyright: insidenorway

Zurück vom Gipfel ist man dankbar für warmen Tee und Suppe im Zelt, obwohl das Feuer in selbigem so einheizt, dass man sich nach fünf Minuten temperaturmäßig in der Karibik wähnt.

Am Abend winkt ein Kulturgenuss. Stopp in Tromsø. Wer sich nordgehend der Huskyschlittenliebe hingegeben hat, bekommt südgehend jetzt die zweite Chance zumindest ein bißchen von der größten Stadt Nordnorwegens zu sehen. Beim Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale sollte man sich von klassischer Musik entzücken lassen. Das Wahrzeichen von Tromsø thront am Ende der Tromsøbrua, der Tromsøbrücke, und ist in seiner abendlichen Beleuchtung einfach wunderhübsch anzuschauen.

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Tromsø, Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

An Tag 9 ist das Schiff zurück auf den Lofoten. Genauer gesagt in Svolvær. Nun gut, die Ausflugsmöglichkeiten sind im Winter begrenzt, aber ein Spaziergang zur Halbinsel Svinøya lohnt sich auch im Winter. Stockfischgestelle, Fischfabrik und Rorbuer (die alten Fischerhütten) lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Fisch hier ein größeres Thema ist. Dem Stockfisch bin ich ja nicht so außerordentlich zugetan, aber die Atmosphäre auf der Halbinsel nimmt einen gleich gefangen. Wer noch den entzückenden alten Krämerladen besucht unternimmt eine Zeitreise nach Alt-Norwegen.

Svolvær, Copyright: insidenorway

Svolvær, Copyright: insidenorway

An Tag zehn wird der Polarkreis wieder nach Süden überschritten. Das Tageslicht ist zurück, wenn auch erst einmal mit spärlichen drei Stunden, aber immerhin. Zeit für einen Ausstieg in Sandnessjøen. Die Länge des Stopps ist zwar überschaubar, aber für einen Spaziergang am Kai mit ein paar zauberhaften Fotomotiven reicht es. Die Kutter liegen schlafend im eisklaren Wasser vor einer zauberhaften Bergkulisse. Und da die Sonne ja wieder über den Horizont klettert, kann man auf der Weiterfahrt gleich an Deck stehen bleiben um die Bergkette der Sieben Schwestern zu bestaunen. Die sieben Jungfrauen, die vor König Hestmannen flohen, erstarrten hier bei Sonnenaufgang zu Stein. Ja, die Norweger sind eben gekonnt darin die Natur ihres Landes mit Legenden zu bestücken. Und imposant ist die Gebirgskette noch dazu. Der zur Legende zugehörige Torghatten, der berühmte Berg mit dem Loch, verschwindet auf der Wintertour allerdings in der Dunkelheit.

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Die sieben Schwestern, Copyright: insidenorway

Der Trondheim-Fan und Frühaufsteher hat an Tag 11 die zweite Gelegenheit durch die Stadt zu ziehen. Wer um halb sieben am morgen die zwanzig Minuten vom Anleger in Trondheims Zentrum läuft, hat sich kalorienmäßig schon das Frühstück verdient. Hilfreich, denn die Coastal Kitchen, die auf dem Schiff serviert wird, kann man nur schwer ignorieren. Am Ende der Reise hat man sich so ziemlich durch alle Spezialitäten gegessen, die Norwegens Küste zu bieten hat. Das Food-Baby wächst. 😉

Amselben Tag stehen noch einmal Kristiansund und Molde auf dem Programm. Beine vertreten, Hafen genießen, den Ausklang der Reise beweinen.

An Tag 12 ist es soweit. Bergen ist in Sicht. Und verbunden damit der Gedanke, dass man doch eben noch 2.500km nördlicher war. Wo man nordgehend noch dachte, dass man sich gemächlich gen Nordkapp bewegt, hat man südgehend das Gefühl, dass streckenmäßig der Turbo eingeschaltet wird. Wer bei der Einfahrt in Bergen am Bug steht, dem raubt der Wind fast den Atem. Aber zu verlockend ist es zu beobachten wie die Stadt immer näher kommt. Und so kann man sich mit Gedanken an die Reise von seinem Schiff verabschieden. Bis man wiederkehrt. Zur nächsten Tour. Auf der Hurtigrute.

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 1

Die norwegische Küste ist ja mit reichlich Reisekilometern bestückt. Da ist es doch äußerst hilfreich, dass Richard With aus Stokmarknes 1893 sein Dampfschiff an der norwegischen Küste entlang schickte und so die Hurtigrute geboren wurde.

Seit 1898 geht es los in Bergen. Die ganze Strecke bis Kirkenes und zurück zu fahren ist natürlich nicht verpflichtend, aber wenn schon, denn schon. Also hurtig den 12-Tage-Vorrat an Klamotten in der Kabine verstauen und da die Schiffe jetzt im Winter erst um 22:30 Uhr in Bergen ablegen, bleibt noch Zeit für die Erkundung der Stadt. Zumindest rudimentär. Für einen Spaziergang zu den zauberhaften Hansehäusern im Hafen reicht es allemal und vom Regen, der in Bergen ja mehr als gelegentlich vorkommt, lässt man sich einfach nicht in seine Unternehmungslust reinreden.

Beim Ablegen weht ein Hauch von Abenteuer ums Schiff. Schließlich sind es ja auch knapp 2.500km, die man bis zum Wendepunkt in Kirkenes zurücklegt. An Deck stehen im eisigen Wind muss sein. Schließlich ist Norwegen „powered by Nature“ und das will man ja auch spüren. Ok, nach spätestens einer halben Stunde ist man ein wandelnder Eiszapfen und freut sich über die muggelige Wärme im Schiff.

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Das Schiff fährt brav durch die Nacht, während man sich zur ersten Ruhe bettet. Und gleich am nächsten Tag erreicht man eines der Städtehighlights von Norwegen: Ålesund. Ich habe ja schon mehrfach über dieses fabelhafte Städtchen berichtet und in den drei Stunden, die das Schiff am Kai liegt, lässt sich hier alles wesentliche besichtigen. Allem voran natürlich die zauberhafte Jugendstil-Architektur. Und den Aussichtsberg Aksla. Und und und.

Um 15 Uhr geht es weiter. Nach Molde. Hier bleibt man meist ein „An-Deck-Steher“, da das Schiff nur dreißig Minuten am Kai liegt. Dafür hat man einen herrlichen Blick auf das Scandic Seilet Hotel, in der Bauweise ein bißchen in Dubai abgeguckt. Gebaut wie ein Segel und so. Und das Lichtermeer der Häuschen von Molde kann sich auch sehen lassen, auch wenn man die Romsdalsalpen im Winter nur erahnen kann. Am Abend läuft man in Kristiansund ein. Für mich eine der schönsten Hafeneinfahrten überhaupt. Auch im Winter oder vielleicht gerade da. Die Lichter kommen immer näher, das Schiff zieht vorbei an Häusern und Hafengeschehen. Herrlich! Den arktischen Wind muss man eben einfach ertragen.

3. Tag. Also das mit dem frühen Vogel ist mir ja normalerweise eher egal, aber an diesem Tag ist Frühstück um 7 Uhr eine echte Option, weil man sich in Trondheim dann so richtig austoben kann. Die Stadt ist ja überhaupt zauberhaft und für mich auch eine der Favoritenstädte.

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Der Dom ist einfach immer wieder imposant und wer den kurzen steilen Weg nicht scheut, erklimmt die stadteigene Festung Kristiansten, traumhafter Blick über Trondheim inklusive. Klar, dass man auch am Kanalhafen vorbei schaut, wo man bei den bunten typischen Lagerhäusern gleich in Verzückung gerät. Norwegisch heimelig. Gleiches in der zauberhaften Altstadt, wo sich die Holzhäuschen dicht an dicht schmiegen und das Auge mit allen Farben erfreuen.

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Nach einigen Häfen, die man genüsslich in der Nacht verschläft, erreicht das Schiff am 4. Tag Bodø. Ich persönlich favorisiere den Ausflug zum Saltstraumen, schließlich ist man nicht jeden Tag an so einem gewaltigen Gezeitenstrom. Im Winter gewinnt der, der die superwarme Jacke im Gepäck hat, denn hier weht zu dem reißenden Strom ein Wind, dass es einem die Haare vom Kopf weht. Powered by Nature eben. Wer sich vom Schnee, der einem wie kleine Messer ins Gesicht schneidet, nicht beeindrucken lässt, genießt den Ausblick auf die Strömung gleich unter Brücke, die über den Saltstraumen führt. Die Angelfreunde, die hier sonst zahlreich anzutreffen sind, halten sich bei diesem Wetter eher mit ihrer Anwesenheit zurück. Wahrscheinlich verharren die Fische sowieso irgendwo im „Winterschlaf“. 😉

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Das mit dem „hell“ hat sich ab hier dann auch erledigt, denn mittlerweile befindet sich das Schiff schon nördlich des Polarkreises. Obwohl: viele denken ja, dass Polarnacht gemeinhin bedeutet, dass der ganze Tag so stockfinster ist wie die Nächte. Aber auch in der Polarnacht kann man tagsüber auf Dämmerung hoffen. Mehr ist allerdings nicht drin. Bei wolkenfreiem Himmel hat man aber immerhin das Gefühl man lebt nicht in völliger Dunkelheit. Dafür bekommt man in dieser Jahreszeit aber auch die spektakuläre Lightshow der Nordlichter dazu, vorausgesetzt natürlich, dass der Himmel gnädig ist und die Wolken woanders hinschickt. Das Schiff hält sich aber so lange in der Nordlichtzone auf, dass es schon mit dem Teufel zugehen muss, wenn man keine zu Gesicht bekommt.

Nächster längerer Stopp ist Tromsø. Davor gibt es zwar noch einen einstündigen Aufenthalt in Svolvær auf den Lofoten, aber das soll aufgrund des längeren Stopps auf dem Rückweg hier mal unter den Tisch fallen. Auf der Winterfahrt gilt es sich in Tromsø zu entscheiden: Trip durch die Stadt oder auf zur Hundeschlitten-Tour. Mein klarer Favorit: die Hundeschlitten-Tour. Das Wahrzeichen von Tromsø, die Eismeerkathedrale, lässt sich auch auf dem Rückweg, wenn das Schiff wieder südgehend ist, noch bestaunen.

Also Hundeschlitten. Warm eingepackt mit allem, was dazu gehört. Vom Schlitten aus genießt man den atemberaubenden Blick auf die eisige Natur und auch wenn es bei der Tour dunkel ist, ist die Atmosphäre einzigartig. Mit der Stirnlampe unter Sternenhimmel auf dem Schnee dahin zu sausen hat was!

Copyright: Janina Graf

Copyright: Janina Graf

Müßig zu erwähnen, dass man am Ende des dreistündigen Ausflugs süchtig ist. Süchtig nach dem Einssein mit der Natur, der Kraft der Huskys, ja sogar süchtig nach der Kälte. Gut, dass man am Wendepunkt in Kirkenes nochmal darf – wenn man einen Platz ergattert. Der Suchtfaktor befällt nämlich so ziemlich jeden.

An Tag 6 erreicht das Schiff Honningsvåg. Das Nordkapp ist nahe. Der Ausflug zum Felsplateau mit dem Globus ist Pflicht. Wenn man schon bis hier gekommen ist, will man schließlich auch gen Nordpol auf die Barentssee schauen. Durch die Polarnacht geht es mit dem Bus weiter nach Norden. Und weil im Winter das letzte Stück der Straße gesperrt ist, fährt man in der Kolonne, so wie es in Norwegen wintertypisch ist. Der Schneepflug vorne weg, alle Busse und Autos hinterher. Wer die Kolonne verpasst muss draußen bleiben.

Am Nordkapp weht – wie sollte es anders sein – der kräftige Winterwind. Nie war man dankbarer für Mütze und Handschuhe. Trotz eisiger Kälte steht man andächtig am gusseisernen Globus und schaut in die eisige Polarnacht hinaus auf die Barentssee. Überwältigend. Wer hier noch Nordlichter erlebt ist im Norwegenhimmel.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

7. Tag. Schon ist der Wendepunkt der Reise erreicht. Bereits jetzt ist man randvoll mit Erlebnissen. Aber auch im zweiten Teil hält die Reise einiges bereit. Doch davon wollen wir Euch das nächste mal erzählen. To be continued…… 🙂