Wo Norwegen und Russland sich küssen oder: wie man zu einem Grenzgang der Extraklasse kommt!

Ja ja, wieder einmal war ich in Kirkenes und damit dort, wo Russland ganz nah ist, in Spuckweite sozusagen. Zeit für eine neue Grenzerfahrung. Am offiziellen Übergang von West nach Ost war ich ja durchaus schon öfter, aber den Blick auf Schlagbaum und Hinweistafel, dass hier der Schengen-Raum endet, kann man nicht zu den essentiellen Lebensbegehrlichkeiten zählen. Deshalb habe ich die Flussbootsafari ausprobiert, die einen auf dem Grenzfluss, dem Pasvikelva bis kurz vor Putins Reich bringt. Doch von vorne.

Am Flussufer unweit des Zentrums von Kirkenes geht es los. Vor allem damit, sich erst einmal mit kleidsamen Rettungswesten in leuchtschmeichelorange auszustaffieren, die selbst Models in Michelinmännchen verwandeln. Aber Sicherheit geht ja bekanntlich vor. So suche ich also fröhlich nach allen Strippen die irgendwie, irgendwo runterhängen um alles hübsch in die richtigen Vorrichtungen einzuklinken. Schon jetzt haben alle Teilnehmer einen Heidenspass. Am Steg wartet unser Holzboot „Trifon“, benannt nach einem Mönch, der sich im 16. Jahrhundert in dieser Gegend vor seinen Verfolgern versteckte und der sich nur retten konnte, weil er eine kleine Grotte fand, in die er sich wirkungsvoll verkriechen konnte.

Copyright: insidenorway

Einsteigen bitte. Einzeln klettern wir nun alle in das Boot, was schnell zur Schaukelanlegenheit werden kann. Also werden wir wohlweislich platziert, damit wir nicht schon im Hafen direkt kentern. Rettungswesten sind ja schön und gut, aber wir möchten sie ja nicht unbedingt gleich ausprobieren. Wir sind voll besetzt und sitzen dicht an dicht, aber durchaus komfortabel. Los geht es nun den Fluss entlang und regelmässig machen wir Halt um den Geschichten und Anekdoten zu lauschen, die sich einst hier zugetragen haben und natürlich legen wir auch einen Stopp an der Höhle ein, wo besagter Mönche seinen Verfolgern entkam. Orthodoxe kommen bis heute hierher um dem Ereignis mit Gesängen zu gedenken.

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Von den ehemals reichen Lachsbeständen ist heute nicht mehr viel zu sehen, eher gar nichts mehr. Die Russen befanden, dass ein Kraftwerk hier von unbedingter Notwendigkeit ist und stellten es 1960 hier auf, nur die Lachstreppe haben sie vergessen. Also zog der rosa Fisch sich zurück und beendete die Ströme von Anglern, die jahrelang von überall herkamen um sich mit den Fischlein umfangreich zu bevorraten. Vorbei die Lachsherrlichkeit. Weiter fahren wir auf dem Fluss unter zwei Brücken hindurch und erreichen schliesslich unser Ziel: die Grenze. An dieser Stelle verläuft sie mitten durch den Fluss. Da saust man schnell mal vorbei, wenn man die Grenzsteine am Ufer nicht beachtet. Aber das wäre der weiteren Freizeitgestaltung nur bedingt zuträglich. Obwohl man nichts von ihnen sieht, haben die Russen die Grenze wie ein Luchs im Blick. Und auch die Norweger haben ein Auge auf das Territorium. Big Daddy is watching you. Eigenartiges Gefühl.

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Uns soll das natürlich nicht kümmern, denn schliesslich bleiben wir ganz brav auf der norwegischen Seite und legen mit unserem Boot an. Hier steht das Barentssafari Sommercamp, ein herzallerliebst gebautes Idyll mit samischem Lavvuu, Aussichtsterrasse, Grillplatz und viel Gemütlichkeit. Gebaut ist alles aus sibirischer Kiefer, ein äusserst widerstandsfähiges Bäumchen und hervorragend geeignet um alles daraus herzustellen, was den ungemütlichen Wetterbedingungen hier oben standhalten soll. Wir steigen also aus unserem Boot, bemüht wenig Geschaukel zu verursachen und hangeln uns auf dem Steg zum Ufer. Da er nicht gemacht ist für Extrembelastungen, tippeln wir in hübschem Abstand hinüber, denn wir wollen ja kein unfreiwilliges Fussbad nehmen. Im Camp angekommen ist uns nichts lieber, als die Rettungswesten für eine Weile abzuschmeissen. Herrlich diese Bewegungsfreiheit. Danach bekommen wir eine Lektion über das frühere Leben im Grenzgebiet und auch darüber, warum sich die Grenzlinie hier in so etwas wie einem Zick-Zack-Verlauf austobt. Gebietsverteilungsdeals ziehen so etwas eben manchmal nach sich.

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Von hier ist die Grenze kaum mehr als ein paar Meter entfernt. Und natürlich wollen wir so nah wie möglich dran. Also machen wir uns über einen kleinen Steg auf den Weg. Das blaue Schild, dass hier der Schengen-Raum endet, steht natürlich auch hier. Und dann stehen wir tatsächlich genau zwei Meter von Russland entfernt. Gelb markiert Norwegen, rot-grün Russland. So nah und doch so fern, denn eine Grenzüberschreitung wäre fatal. Die Russen kennen da keinen Spass. So achten wir denn auch penibel darauf, dass wir uns keinen Schritt von gelb nach rot-grün bewegen, nicht mal die Kamera sollte man am ausgestreckten Arm nach Russland halten, will man sich nicht in Begleitung russischer Grenzsoldaten wiederfinden. Und die saftige Geldstrafe würde die Ausflugslaune auch nicht heben. Deshalb verzichten wir auf ein solches Erlebnis und geniessen den Hauch von Russland eben so.

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Nachdem wir die Grenzlinie ausgiebig begutachtet haben und natürlich auch das obligatorische Erinnerungsfoto gemacht worden ist, gibt es etwas zur Stärkung. Kaffee und Multebeeren mit Sahne. Süss und vitaminreich und unheimlich lecker. Mit unserem Kaffee in der Hand halten wir einen Plausch auf der Terrasse, trotzen der Tatsache, dass wir non-stop von den Unsichtbaren beobachtet werden und geniessen den Blick in die herrliche Natur.

Dann ist es Zeit zurück zu fahren. Also wieder rein in die Rettungswesten, die hatten wir doch schon so schön vergessen. Einsteigen die zweite und diesmal sind wir dabei schaukelfrei. Wir lernen eben schnell. Auf dem Rückweg bekommen wir noch eine kleine Dusche als Ausflugszugabe. Der Wind hat aufgefrischt und bläst uns die Wellen hübsch ins Gesicht, wir nehmen es als Beauty-Treatment für den Teint. Nicht lange und wir sind zurück am Ausgangspunkt und alle sind wir uns einig, dass wir noch länger hätten bleiben wollen.

Ich muss sagen: Barentssafari hat mit der Flussbootsafari einen Ausflug im Programm, der ein echter Geheimtipp in Kirkenes ist und der einen so nah an die russische Grenze bringt wie kein anderer. Die fabelhaften Guides tun ihr Übriges dazu. Also Leute: do it!

Zu Barentssafari geht es hier.

 

Auf der Suche nach dem Elch oder: ja wo ist er denn nun?

Gleich vorweg: jetzt bin ich schon so lange in Norwegen und was ist? Keiner von den braunfelligen Gesellen hat mir sein Schaufelgeweih bis jetzt gezeigt. Und dabei halte ich schon so lange Ausschau nach ihnen. Als ich nach Oslo kam, hiess es, dass sich genügend Elche im Umkreis der Hauptstadt tummeln. Zeit also endlich einmal eines der Prachtexemplare in freier Natur zu sehen. Im Idealfall noch mit gezückter Kamera. Aber mein Warten wurde bislang noch nicht belohnt. Woran liegt das? Nun ja, der Elch von Welt ist gesellschaftlichen Verpflichtungen im Allgemeinen ja nicht so zugeneigt, sprich: er lebt lieber zurückgezogen. Und das nicht nur von den Menschen, sondern auch von seinen Artgenossen. Als bekennender Einzelgänger hält er nicht viel von Herdenverhalten, lediglich im Winter lässt er sich ab und zu herab zu einer kleinen Gemeinschaft zusammen zu finden. Den Winter findet er überhaupt prima. Wo wir Menschen vor Kälte schlottern, hat der Elch nur ein müdes Lächeln für Eiseskälte übrig. Minus fünfzig Grad? Wer wird denn da frieren. Bei Hitze allerdings leidet er und zieht sich irgendwo hin zurück, wo er im Schatten abwarten kann, bis die Temperaturen wieder seinem Gusto entsprechen.

Copyright: Torbjørn Martinsen/Visitnorway.com

Dass sie nur selten vor die Kamera zu bekommen sind, liegt auch an der Vorliebe des Elches für dämmriges Licht. Keine gute Voraussetzung ihn zu erspähen, denn die Natur hat ihm netterweise eine Fellfarbe beschert, die es einem nicht leicht macht, ihn vom Dickicht zu unterscheiden. Ausser, wenn er einem direkt vors Auto läuft auf irgendeiner der zahlreichen einsamen Strassen des Landes. Aber das zählt zu den Begegnungen, die man sich lieber nicht wünscht, denn seine enorme Körpergrösse ist nur schwer kompatibel mit zartem Karosserieblech. Seine gewaltigen Schaufeln tun das Übrige dazu.

Die biologische Bezeichnung „Stirnwaffenträger“ kann man dann auch wirklich wörtlich nehmen. Im Gegensatz zu den Rentieren ist aber nur der Elch-Herr mit dem stattlichen Kopfschmuck ausgestattet, die Elch-Dame geniesst ihre häuptliche Bewegungsfreiheit. Ist auch viel praktischer, wenn man sich um die Kälber kümmern kann, ohne dass man zwanzig Kilogramm Gewicht auf dem Kopf mit sich rumschleppen muss. Der Elch-Herr sieht das natürlich ganz anders. Wenn die Brunft beginnt im Herbst muss man ja etwas vorzuweisen haben um die Liebste zu bezirzen. Etwaige Konkurrenten werden natürlich in Zweikämpfen eliminiert. Schliesslich sollen ja die eigenen Gene weitergegeben werden und nicht die irgend eines dahergelaufenen Rivalen. Und weil der Elch auf Nummer sicher geht, begattet er auch gleich mehrere Damen, sozusagen alle, die sich um ihn herum finden. Das war es dann auch schon mit der Elchliebe. Beziehung? Nein! Die Elchdame bringt ihren Nachwuchs lieber in aller Stille an einem geschützten Platz zur Welt. Vater? Unwichtig! Verteidigen kann sie ihren Nachwuchs schliesslich selbst. Sollte man im Dickicht also eine kleine Elchfamilie erspähen, lieber schnell das Weite suchen, wenn man nicht von Hufen niedergetrampelt werden will.

Copyright: Torbjørn Martinsen/Visitnorway.com

Aber wo sieht man ihn denn nun? Auf jeden Fall braucht man eins: Geduld! Das ist ja im Allgemeinen nicht meine Stärke. Für den weniger Geduldigen wie mich gibt es daher die Elchsafari, da wird man immerhin mit dem Auto in die Wildnis gebracht, zu Plätzen, an denen sie sich bevorzugt aufhalten. Eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Im Winter verlassen sie zumindest hin und wieder ihre Deckung, wenn man mit Fressbarem lockt. Das fällt zwar dann nicht ganz in die Kategorie „in freier Wildbahn gesehen“, aber immerhin. Ansonsten heisst es: sich auf die Lauer zu legen. 200.000 Elche streifen laut Schätzungen durch Norwegen. Da könnte man doch meinen, dass das ganz schön viele sind, aber die norwegische Natur macht uns eben einen Strich durch die Rechnung. Zu viele Möglichkeiten sich zu verstecken. Ein einziges Mal hat sich ein Elch in meine Nähe verirrt während meines Jobs als Reiseleiterin. Aber da man bekanntlich im Job nicht immer kann wie man will, war er auch schon wieder verschwunden, als ich Zeit fand nach ihm Ausschau zu halten. Ich muss mich also vorerst mit dem ausgestopften Exemplar im Holmenkollen Skimuseum begnügen. Unbefriedigend. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich ihn noch erspähe, in Gålå, in der Gegend von Lillehammer, in Trysil, in der Telemark, dem Østerdalen, am südlichen Teil der Reichsstrasse 17 oder sonst irgendwo in Norwegen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt! 😉

Für die Elchsafariwütigen geht es hier zum Anbieter

Wo Enten glücklich und Daunenbetten heiss begehrt sind – das Vega-Archipel

Es ist mal wieder Zeit eine neue Region meines Lieblingslandes zu erkunden. Das Vega-Archipel scheint mir dafür hervorragend geeignet, zumal die Helgelandküste sowieso zu meinen Lieblingen gehört. Dieses Jahr glänzt der Sommer ja eher nicht mit sonnentechnischen Höhenflügen, aber ich habe mir einen Tag ausgeguckt, der wohl sowas wie ein Hitzeausnahmezustand ist.

Los geht es in Sandnessjøen. Ich steige also aufs Schnellboot, das mich nach Vega bringt. Wo man in den vergangenen Tagen noch eher im Schiffsbauch gekauert hat, lässt es sich heute prima an Deck aushalten. Die Sonne hat heute ordentlich aufgeheizt und der Fahrtwind ist geradezu eine Wohltat. Aber ich will mich mal nicht beschweren. Vorbei geht es an den Gipfeln der sieben Schwestern, die heute wolkenfrei in voller Pracht erstrahlen. Nachdem sie sich die letzten Monate allzuoft in einer Nebel-Wolken-Hülle verborgen haben, dachte ich schon, sie seien kurzfristig umgezogen. Aber nein, es gibt sie noch. Auf dem Weg zum Archipel passieren wir unzählige kleine Inseln. Die meisten sind lange nicht mehr bewohnt. Aber gelegentlich gibt es noch das ein oder andere Eiland, das immer noch Wohnsitz von ruhebedürftigen Norwegern ist. Der Einsamkeitsliebhaber geht hier seiner Schafzuchtleidenschaft nach und hält sich allerhand Federvieh. Nun ja, für alles andere, was der Norweger zum täglichen Leben braucht, nimmt er das hauseigene Boot um damit zum nächsten Supermarkt an der Küste zu sausen. Als dauerhaftes Lebensmodell nicht meine bevorzugte Variante, aber für einige Zeit abschalten lässt sich hier allemal.

Allein aber nicht einsam, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Vega. So ziemlich alle drängeln sich mittlerweile draussen und lassen sich den Fahrtwind um die Nase wehen. Hat fast etwas von Mittelmeerfeeling heute. Nach einer guten Stunde legen wir auf der Hauptinsel des Vega-Archipels an. So ziemlich jeder Einwohner versichert mir, dass es sich heute um den mit Abstand wärmsten Tag des bisherigen Sommers handelt. Ich glaube das sofort und könnte mich hier gleich in eine gemütliche Hängematte legen, mit herrlichem Blick aufs Meer. Aber erst will ich ja etwas über die Eiderenten erfahren, die hier sozusagen im Vogelparadies leben. Deshalb geht es zunächst ins Museum und ich lerne allerhand über die Tierchen und ihre fabelhaften Daunen. Die Einwohner bereiten den Eiderenten einen heimeligen Nistplatz, wobei die Ente an sich eher die bereits eingewohnte Behausung bevorzugt und die neu gebaute gerne links liegen lässt. Alljährlich kommen sie zur Immobilienbesichtigung auf das Archipel und gucken sich die für sie perfekte Wohnung aus. Ja, als Eiderente ist man eben wählerisch.

Das Nest wird stattlich mit getrockneten Algen ausgepolstert. Sehr praktisch, weil diese sich nicht in den Daunen verfangen und die Reinigung entsprechend leichter fällt, bevor sie weiter verarbeitet werden. Netterweise reisst die Eiderente sich die Daunen selber aus, wenn die Eier ausgebrütet werden und da sie keine Verwendung mehr dafür hat, wenn die Kleinen geschlüpft sind, nimmt sich eben der Mensch der weichen Pracht an. Die Ente dankt es ihm durchaus und schätzt den Schutz des Menschen gegen Nerz, Otter und Rabe, allesamt stets auf der Suche nach einem Ei, das man ausschlürfen kann. Und wo es den Räubern gelingt, sucht die Eiderente das Weite und bevorzugt fortan ein anderes Plätzchen zum Nisten.

Eiderente, Copyright: hannahsfotofantasie

Sind die Kleinen flügge, braucht die Eiderente die Daunen nicht mehr und stellt sie grosszügig zur Verfügung. Mist, dass alles, was nicht hinein gehört, erst einmal mühsam herausgeschüttelt werden muss. Bis sie den Ansprüchen als Daunenbettfüllung genügen, dauert es gut und gerne vierzehn Tage, denn jeder noch so kleine Fremdkörper muss herausgefiltert werden. Mühselig. Aber das erklärt dann auch, warum man für eine fertige Daunendecke ca. 5.500,- Euro hinblättern muss. Auch wenn der Preis Schnappatmung verursacht, muss man sich mit einem Platz auf der Warteliste begnügen, wenn man eine sein Eigen nennen will. Wer die Daunen jedoch einmal in der Hand hatte, unterschreibt jederzeit, dass er noch nie etwas Weicheres gefühlt hat.

Reinigung der Daunen, Copyright: insidenorway

Nach meinem Schnellkurs in Eiderentenwissenschaft, geniesse ich das idyllische Flair der Insel. Die typisch roten Häuser und das warme Sommerwetter verleiten einen dazu sich gleich zwei Wochen hier einzumieten. An Entspannung mangelt es einem hier bestimmt nicht. Ich geniesse also den Blick auf das Wasser und die malerischen Hütten und fast scheint es so, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Den anderen Besuchern, die an diesem Tag auf Vega weilen, geht es offensichtlich ebenso und wir schwärmen uns gegenseitig von möglichen Wander- und Kajak-Touren auf der Insel vor.

Dummerweise vergeht die Zeit viel zu schnell bis der Linienbus auftaucht, der mich nach Gladstad bringt, wo auch schon das Schnellboot nach Brønnøysund wartet. Aber ich geniesse die kurze Fahrt und erfreue mich an der Blütenpracht und der malerischen Bergkulisse auf der Insel. Auf der Fahrt nach Brønnøysund sausen wir wieder durch die zauberhafte Schärenlandschaft der Helgelandküste. Ach, man könnte auch hier noch ewig entlang fahren. Aber jede schöne Tour geht auch mal zu Ende.

Fazit: wer Gelegenheit dazu hat, sollte unbedingt einen Abstecher zum Vega-Archipel unternehmen. Norwegenidyll könnte kaum schöner sein!

Hotel im Norwegenhimmel oder: mehr Natur geht nicht !

Ok, für jeden stellt sich ja die Frage: wo im Urlaub übernachten. Also dachte ich mir: warum nicht mal ein paar Hotelhighlights testen. Davon gibt es schließlich einige übers Land verteilt. Ich gebe allerdings zu: gleich zwei meiner Lieblingsübernachtungsplätze liegen in der Provinz Møre og Romsdal. Diese Provinz kann man aber eben nicht NICHT lieben, weil sich hier die Natursehenswürdigkeiten die Hand geben. Einer meiner absoluten Hotellieblinge ist ja das Juvet Landscape, gelegen in der Nähe des Storfjords in der Kommune Norddal. Nun gut, fast jeder stellt die Frage: wie denn hinkommen, wenn ein Hotel so mitten in der Natur liegt. Ja, das war bei mir auch der Fall. Im Flieger lässt sich das Auto prinzipiell eher weniger gut mitnehmen. Und wenn man schon mal da ist, will man ja auch die Naturhighlights der Provinz Møre og Romsdal sehen, die in unmittelbarer Nähe liegen, also Mietwagen? Nun ja, mir gefällt die Anreise per Zug von Oslo bis Åndalsnes und der Transfer, den das Hotel organisiert um einen ins Naturparadies holen. Da wird die Entspannung dann auch durch nichts getrübt.

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Juvet Landscape Hotel, Copyright: Espen Mills/Matlangsnasjonaleturistveger.no/Visitnorway.com

 Naturparadies ist bei diesem Hotel dann auch nicht übertrieben! Bereits wenn man die Zimmer sieht, befindet man sich im Entspannungsmodus. Wie soll das auch anders sein, wenn zwei Wände aus Glas bestehen und man quasi mitten in der Landschaft sitzt. Will ich da noch viel rumfahren oder doch lieber ein paar Tage den Panoramablick in mich aufsaugen. Außerdem kann man vom Hotel problemlos zu Fuß zur ein oder anderen Wanderung starten, wenn man auto-los dort weilt. Und da ich per se kein Freund von Großhotelanlagen bin, ist mir das Juvet Landscape noch dreimal sympathischer. Bei 35 Gästen ist Schluss, denn bei diesem Status ist ausgebucht. Würde ja auch kaum zu diesem Fleckchen Norwegen passen, wenn sich hier tausende von Hotelgästen die Klinke in die Hand geben würden. Frühstück gibt es hotelunüblich erst ab neun, was mir sehr entgegen kommt, denn schließlich will ich im Urlaub nicht um sechs aus dem Bett springen. Und auch dass man sich nach Herzenslust beim Frühstück ein Lunchpaket packen kann ist für mich etwas neues. Mit gleichgesinnten Naturliebhabern sitzt man also unkonventionell an langen Tischen, so dass man jederzeit Kontakte knüpfen kann. Anonym bleibt hier keiner. Kein Problem also sich hier auch alleine für ein paar Tage einzuquartieren. Einsam bleibt man auf jeden Fall nicht. www.juvet.com

Da das Juvet Landscape aber nicht zu den preiswertesten Übernachtungsmöglichkeiten gehört, hab ich mich zusätzlich nach einer günstigen Variante umgeschaut – und die Øverås-Hütten gefunden. Direkt gelegen am Eikesdalsvatnet, der für mich zu den schönsten Seen in der Provinz Møre og Romsdal gehört. Auch hier stehen die Hütten quasi mitten in der Landschaft, fünf an der Zahl, so dass man auch hier nicht von Touristenüberfüllung sprechen kann. Ja, da schlägt das Herz des Naturfans gleich höher. Ok, keine Panorama-Glasfenster und Überluxus, eher gemütlich skandinavisch eingerichtet mit viel Holz und während man sich das Frühstück zubereitet, schaut man mal eben auf den See und die umliegende Bergkulisse. Ja, das hat was von Ich-hab-das-Gefühl-ich-wohne-hier. Man fühlt sich eben nicht so richtig als Hotelgast. Ich finde ja, dass genau das auch einen besonderen Reiz hat.

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Eikesdalsvatnet, Copyright: Birgit Nordmøring

Allerdings finde ich ein Auto hier unverzichtbar, weil in unmittelbarer Nähe einige Landschaftsrouten winken und man sich eben überhaupt ein wenig abseits der Hauptattraktionen der Provinz, eben dem Trollstigen und der Gudbrandsjuvet, bewegen kann. Das übliche kann doch jeder. Allein der nahegelegene Eresfjord könnte zauberhafter nicht sein. Im Sommer kommt man außerdem in den Genuss des Mardalsfossen, einer der höchsten Wasserfälle Europas. Den freien Fall hat man ihm allerdings abgewöhnt, er tut seit fast fünfzig Jahren seinen Dienst als Stromerzeuger und deshalb wurde ihm ein anderer Fließweg zugewiesen. Von Ende Juni bis Ende August darf er sich allerdings an seinem alten Platz in die Tiefe stürzen.  www.overaas-hytteutleie.com

Andere Region, anderes Übernachtungserlebnis. Es geht nach Norden. Auf halber Strecke zwischen Bodø und Narvik liegt der Tranøy fyr. Ich finde, einer der schönsten Leuchttürme in Norwegen. Da das mit dem Beruf des Leuchtturmwärters ja nicht mehr so aktuell ist, hat man kurzerhand ein Hotel draus gemacht. Im Leuchtturm selbst kann man leider nicht übernachten, denn er leuchtet immer noch den Schiffen vor der Küste den Weg. Glücklicherweise gibt es ja die zugehörigen Keeper-Häuser und hier kann man dann auch dem Übernachtungsglück fröhnen. Ich persönlich finde ja schon die Anfahrt einfach traumhaft, denn wie es bei Leuchttürmen so ist, liegt er exponiert auf einem Inselchen, auf das man über eine Brücke gelangt.

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Copyright: Kjell Fredriksen / http://www.hamsuns-rike.no / Hamarøy

Ohne Auto ist man hier allerdings ziemlich aufgeschmissen. Man muss sich dann doch auf die E6 bequemen, den RV81 und den RV665 hinter sich bringen, bis man am Leuchtturm ankommt. Mit Zug etc. ist hier eben nichts mehr zu reißen, in Bodø endet das Streckennetz, nun gut. Die Landschaft ist aber wirklich spektakulär, man blickt auf den Vestfjord und bei gutem Wetter scheinen die Lofoten so nah, dass man meint rüber schwimmen zu können. Die Gästehäuser rund um den Leuchtturm drapieren sich wie ein kleines Dörfchen auf der Insel und die Zimmer sind zauberhaft eingerichtet. Eben für den Freund der typisch norwegischen Wohnkultur. Ich bin ja immer ein Ich-koche-selbst-Freund und mag wenigstens eine eigene Kochplatte. Im ein oder anderen Zimmer gibt es denn auch eine Mini-Küche, wer mag kann aber auch ohne Kochgelegenheit mieten und sich den Fisch im angrenzenden Restaurant schmecken lassen. Schließlich ist man hier ja sozusagen in einer Fisch-Hochburg. Quasi wie fast überall in Norwegen. Dass man sich hier außerdem den Naturaktivitäten hingeben kann, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Über der Region kreisen gerne die Seeadler und allerhand anderes Vogelvolk und wer bislang noch nicht das Kayaking ausprobiert hat, sollte hier unbedingt damit anfangen. www.tranoyfyr.no

Etwas weiter südlich, in Nordskot, liegt eine kleine Anlage von Panorama-Hytten, die ebenfalls zu meinen absoluten Favoriten gehört. Hier sitzt man ganzjährig hinter Panoramaglas und im Winter hat man hier DAS Nordlicht-Erlebnis überhaupt. Ok, auch hier muss man ein Fan von modernen Bauten sein, ähnlich wie im Juvet Landscape gibt es nicht die Rorbuer-Holzhaus-Glückseligkeit, dafür aber teilwiese eine abenteuerliche Bauweise, die über das Wasser hinausragt. Doch von vorne. Während ja „ohne Auto“ in manchen Unterkünften keine Option ist, kann man Manshausen tatsächlich mit den Öffentlichen erreichen. Also ab in den Flieger bis Bodø. Zum Fähranleger muss man dann ein Taxi bemühen, es sei denn, man ist begeistert von Spaziergängen mit Koffer. Während der neunzigminütigen Fährfahrt kann man schon fleißig Landschaft in sich aufsaugen. In Nordskot selbst kann man sich mit den nötigsten Lebensmitteln versorgen, denn obwohl der Ort winzig ist, hält der Supermarkt alles Wichtige bereit. Ich liebe diese Selbstversorger-Variante, weil so viel mehr Zeit bleibt für die Natur-Aktivitäten und man keine Zeit mit Restaurantsuche vertrödelt. Und wer alleine nicht kochen möchte, geht eben ins Haupthaus und nutzt die Gemeinschaftsküche. Da kommt man gleich ins Gespräch mit Norwegen-Fans. Gute Sache. Im Winter kommt man in Manshausen ja in ein echtes Innerer-Schweinehund-Problem. Es ist aber auch so herrlich gemütlich den Nordlichtern vom Bett aus zuzuschauen wie sie über den Himmel tanzen. Ich persönlich neige da ja zu: Ich-will-nicht-rausgehen. Ich bin da mehr der Sommeraktivitäten-Fan. Allem voran natürlich Kayaking. Und das kann man hier zu Genüge. Ansonsten gibt es angeln, wandern, tauchen und klettern. Dem Aktivitätenkatalog kann man sich also nur schwer entziehen. www.manshausen.no

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Copyright: Steve King, happylandingreise

Fazit: Norwegen kann außergewöhnlich – und das richtig gut. Und außergewöhnlich sollte jeder einmal ausprobieren. Ich werde weiter suchen nach außergewöhnlich, denn da geht bestimmt noch mehr. To be continued….. 🙂