Wo Enten glücklich und Daunenbetten heiss begehrt sind – das Vega-Archipel

Es ist mal wieder Zeit eine neue Region meines Lieblingslandes zu erkunden. Das Vega-Archipel scheint mir dafür hervorragend geeignet, zumal die Helgelandküste sowieso zu meinen Lieblingen gehört. Dieses Jahr glänzt der Sommer ja eher nicht mit sonnentechnischen Höhenflügen, aber ich habe mir einen Tag ausgeguckt, der wohl sowas wie ein Hitzeausnahmezustand ist.

Los geht es in Sandnessjøen. Ich steige also aufs Schnellboot, das mich nach Vega bringt. Wo man in den vergangenen Tagen noch eher im Schiffsbauch gekauert hat, lässt es sich heute prima an Deck aushalten. Die Sonne hat heute ordentlich aufgeheizt und der Fahrtwind ist geradezu eine Wohltat. Aber ich will mich mal nicht beschweren. Vorbei geht es an den Gipfeln der sieben Schwestern, die heute wolkenfrei in voller Pracht erstrahlen. Nachdem sie sich die letzten Monate allzuoft in einer Nebel-Wolken-Hülle verborgen haben, dachte ich schon, sie seien kurzfristig umgezogen. Aber nein, es gibt sie noch. Auf dem Weg zum Archipel passieren wir unzählige kleine Inseln. Die meisten sind lange nicht mehr bewohnt. Aber gelegentlich gibt es noch das ein oder andere Eiland, das immer noch Wohnsitz von ruhebedürftigen Norwegern ist. Der Einsamkeitsliebhaber geht hier seiner Schafzuchtleidenschaft nach und hält sich allerhand Federvieh. Nun ja, für alles andere, was der Norweger zum täglichen Leben braucht, nimmt er das hauseigene Boot um damit zum nächsten Supermarkt an der Küste zu sausen. Als dauerhaftes Lebensmodell nicht meine bevorzugte Variante, aber für einige Zeit abschalten lässt sich hier allemal.

Allein aber nicht einsam, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Vega. So ziemlich alle drängeln sich mittlerweile draussen und lassen sich den Fahrtwind um die Nase wehen. Hat fast etwas von Mittelmeerfeeling heute. Nach einer guten Stunde legen wir auf der Hauptinsel des Vega-Archipels an. So ziemlich jeder Einwohner versichert mir, dass es sich heute um den mit Abstand wärmsten Tag des bisherigen Sommers handelt. Ich glaube das sofort und könnte mich hier gleich in eine gemütliche Hängematte legen, mit herrlichem Blick aufs Meer. Aber erst will ich ja etwas über die Eiderenten erfahren, die hier sozusagen im Vogelparadies leben. Deshalb geht es zunächst ins Museum und ich lerne allerhand über die Tierchen und ihre fabelhaften Daunen. Die Einwohner bereiten den Eiderenten einen heimeligen Nistplatz, wobei die Ente an sich eher die bereits eingewohnte Behausung bevorzugt und die neu gebaute gerne links liegen lässt. Alljährlich kommen sie zur Immobilienbesichtigung auf das Archipel und gucken sich die für sie perfekte Wohnung aus. Ja, als Eiderente ist man eben wählerisch.

Das Nest wird stattlich mit getrockneten Algen ausgepolstert. Sehr praktisch, weil diese sich nicht in den Daunen verfangen und die Reinigung entsprechend leichter fällt, bevor sie weiter verarbeitet werden. Netterweise reisst die Eiderente sich die Daunen selber aus, wenn die Eier ausgebrütet werden und da sie keine Verwendung mehr dafür hat, wenn die Kleinen geschlüpft sind, nimmt sich eben der Mensch der weichen Pracht an. Die Ente dankt es ihm durchaus und schätzt den Schutz des Menschen gegen Nerz, Otter und Rabe, allesamt stets auf der Suche nach einem Ei, das man ausschlürfen kann. Und wo es den Räubern gelingt, sucht die Eiderente das Weite und bevorzugt fortan ein anderes Plätzchen zum Nisten.

Eiderente, Copyright: hannahsfotofantasie

Sind die Kleinen flügge, braucht die Eiderente die Daunen nicht mehr und stellt sie grosszügig zur Verfügung. Mist, dass alles, was nicht hinein gehört, erst einmal mühsam herausgeschüttelt werden muss. Bis sie den Ansprüchen als Daunenbettfüllung genügen, dauert es gut und gerne vierzehn Tage, denn jeder noch so kleine Fremdkörper muss herausgefiltert werden. Mühselig. Aber das erklärt dann auch, warum man für eine fertige Daunendecke ca. 5.500,- Euro hinblättern muss. Auch wenn der Preis Schnappatmung verursacht, muss man sich mit einem Platz auf der Warteliste begnügen, wenn man eine sein Eigen nennen will. Wer die Daunen jedoch einmal in der Hand hatte, unterschreibt jederzeit, dass er noch nie etwas Weicheres gefühlt hat.

Reinigung der Daunen, Copyright: insidenorway

Nach meinem Schnellkurs in Eiderentenwissenschaft, geniesse ich das idyllische Flair der Insel. Die typisch roten Häuser und das warme Sommerwetter verleiten einen dazu sich gleich zwei Wochen hier einzumieten. An Entspannung mangelt es einem hier bestimmt nicht. Ich geniesse also den Blick auf das Wasser und die malerischen Hütten und fast scheint es so, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Den anderen Besuchern, die an diesem Tag auf Vega weilen, geht es offensichtlich ebenso und wir schwärmen uns gegenseitig von möglichen Wander- und Kajak-Touren auf der Insel vor.

Dummerweise vergeht die Zeit viel zu schnell bis der Linienbus auftaucht, der mich nach Gladstad bringt, wo auch schon das Schnellboot nach Brønnøysund wartet. Aber ich geniesse die kurze Fahrt und erfreue mich an der Blütenpracht und der malerischen Bergkulisse auf der Insel. Auf der Fahrt nach Brønnøysund sausen wir wieder durch die zauberhafte Schärenlandschaft der Helgelandküste. Ach, man könnte auch hier noch ewig entlang fahren. Aber jede schöne Tour geht auch mal zu Ende.

Fazit: wer Gelegenheit dazu hat, sollte unbedingt einen Abstecher zum Vega-Archipel unternehmen. Norwegenidyll könnte kaum schöner sein!

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