Sonne: aus, Mond: an oder – die Polarnacht steht in den Startlöchern !

Eben noch haben wir die Nächte durchgemacht, weil die Mitternachtssonne einen bis ultimo auf den Beinen hält, und schon naht wieder die Winterdunkelheit. Ja ja, dieses Vorurteil, dass Norwegen kalt und dunkel ist, kann man zumindest im Winter nicht ganz von der Hand weisen. Während Spitsbergen sich schon Anfang November der Dunkelheit ergeben musste, tickt in Honningsvåg noch die Uhr zum Showdown. Ich finde, dass es immer etwas endzeitliches hat, wenn wir kurz davor sind in die Polarnacht eintauchen. Jeden Tag bleibt die Sonne zwanzig Minuten länger in ihrem Versteck, der letzte Tag ist kaum länger als man gucken kann. 22 Minuten und tschüß. Regelmäßig überlege ich, wie es so ist, wenn man wochenlang darauf wartet, dass sich am Himmel wieder etwas tut, denn ich halte mich für gewöhnlich nur eine knappe Woche in Nordnorwegen auf, wenn es heißt: Licht ausgeknipst. Bei uns in Oslo sind die Tage im Winter zwar auch ziemlich kurz, aber immerhin, es gibt sie noch.

Copyright: Tommy Andreassen / www.nordnorge.com / Vestvågøy

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 Ja, wie isses denn nun während der Polarnacht? Das, was an ihr einfach fantastisch ist, sind die Nordlichter. Natürlich tanzen sie übers ganze Jahr am Himmel, aber um sie sehen zu können, ist Sonnenlicht nicht unbedingt hilfreich. Während der Polarnacht kann man sie also uneingeschränkt genießen, egal zu welcher Uhrzeit sie sich zeigen, ohne dass sie von der Sonne überstrahlt werden. Das funktioniert nicht nur in der Natur, sondern auch in den Städten. Ok, man sollte sich hierzu nicht unbedingt inmitten der beleuchteten Fußgängerzone aufhalten. Blick von außen auf Städte, über denen die Nordlichter toben, funktioniert am besten. Ganz nebenbei lernt man dadurch auch zu schätzen, was einen so nach der Nordlichtjagd wieder aufwärmt: heiße Duschen, heiße Tees, brennende Kamine und Kuscheldecken.

Polarnacht in Hammerfest, Copyright: insidenorway

Polarnacht in Hammerfest, Copyright: insidenorway

Überhaupt ist die Polarnacht die Zeit zum runterfahren. Kein Wunder, denn die Sonne fehlt eben auch dem Körper. Regelmäßig habe ich während der Polarnacht schon um 14 Uhr nachmittags das Gefühl: Zeit zum Schlafen gehen. Das ist vor allem an den Tagen so, an denen noch nicht mal ein Hauch von Dämmerung über den Horizont kriecht. Eben dann, wenn der Himmel sich in ein dichtes Wolkenkleid hüllt. Ganz anders kommt die Polarnacht daher, wenn sternenklares Wetter herrscht. Dann gibt es wenigstens einen Hauch von Tag, einige Stunden dämmert es und man meint, gleich müsse die Sonne über den Horizont gucken. Aber sie ziert sich und verschwindet wieder ins Dunkel.

Manche Städte gefallen mir ja in der Polarnacht am besten. Tromsø zum Beispiel, dass ich anfangs nur in der Dunkelheit kannte, eingehüllt von Schnee, die Eismeerkathedrale zauberhaft angeleuchtet am Ende der Tromsøbrücke thronend. Tromsøs Beinamen „Tor zum Eismeer“ kann man erst dann so richtig fühlen. Genauso geht es mir mit Hammerfest. Ich finde es einfach zauberhaft, wenn man hoch über der Stadt steht und auf die erleuchteten Häuser und die  schneebedeckten Berge blickt.

Copyright: Shigeru Ohki / www.nordnorge.com / Tromsø

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Beim Nordkapp geht es mir ähnlich. Nicht, dass es im Sommer nicht auch zauberhaft ist, aber im Winter darf man sich hier so richtig der Natur stellen. Von der Nordkappinsel Magerøya sieht man natürlich nicht viel, es sei denn Mond, Schnee und sternenklar haben sich überlegt zu einer zaghaften Beleuchtung zusammen zu finden. Am beleuchteten Globus kämpft man mit dem Wind und der Kälte und freut sich darüber, dass man sich entgegen der Polarforscher jederzeit in die warme Nordkapphalle begeben kann. Amundsen und Co. mussten das an andere Stelle über Monate aushalten, fern jeder warmen Dusche.

Fazit: die Polarnacht sollte sich jeder einmal gönnen, es müssen ja nicht gleich volle drei Monate sein. Wer es tut weiß wie es ist das Sonnenlicht zu schätzen. Wenn es wieder kommt. Im Frühjahr. 🙂

Feuerwerk der Farben – Herbst auf der Hurtigrute !

Schon wieder ging die Tour schneller rum, als man gucken konnte. Die MS Trollfjord brachte uns bis zum Nordrand Europas und zurück, inklusive aller Wetterlagen, Nordlichter und Herbstfarbenfeuerwerk. Auch dieses mal haben bei allen die Kameras geglüht und jeder hat die sagenhafte Landschaft voll ausgekostet.  🙂

Schöner wohnen für Vögel oder: am Gjesværstappan is was los…. !

Also früher war ich ja mehr so der Städtefreak. Ein Fünf-Millionen-Einwohnerland hat mich eines besseren belehrt. Gelernter Naturliebhaber. Auf dem wiederholten Weg zum Nordkapp war es jetzt aber mal Zeit, gut fünfzehn Kilometer vor dem Globusplateau links abzubiegen. Schließlich liegt da Gjesvær, des Vogels Paradiesfleckchen.

Ich fahre also bis zu dem kleinen Fischerdörfchen. Die Stockfische empfangen mich am Pier mit Intensivparfum. Schmusig liegt Gjesvær hier am Nordrand Europas, von den ehemals 350 Einwohnern sind allerdings nur noch 130 übrig geblieben. Trotzdem genieße ich die Norwegen-Idylle und das Boot, das uns raus zum Gjesværstappan bringt, wartet auch schon.

Gjesvær, Copyright: insidenorway

Gjesvær, Copyright: insidenorway

Fünfzehn Minuten dauert die Fahrt bis zum Gjesværstappan. Man glaubt kaum, dass man hier so weit im Norden ist. Von der Barentssee bin ich ja wellentechnisch einiges gewohnt, aber netterweise hindern die vorgelagerten Inseln das europäische Nordmeer daran temperamentvoll nach Gjesvær zu schäumen. Die Fischer danken es heute und selbst die Wikinger fischten hier einst die ein oder andere Mahlzeit aus dem Wasser.

Bereits vom Fischerdörfchen aus ist das Vogelparadies zu sehen. Die Inselchen liegen erhaben dort und wir schaukeln ihnen entgegen. Am Bug drängelt es sich, schließlich will jeder die besten Ausblicke auf die größte Seevögelkolonie des Landes erhaschen. Die Gefiederten müssen sich fast wie Promis vorkommen. Schon wieder ein Boot, das an ihren Nistplätzen vorbei zieht und gezückte Kameras bereithält.

Copyright: insidenorway

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So sitzen sie also und beobachten uns. Allen voran die Papageientaucher, die sich dort versammelt haben. Eine Million sind es und sie schnattern in ihrem Papageientaucherisch wild durcheinander mit Adlerisch, Möwisch und allen Sprachen, die die nordische Vogelwelt bietet. Der Papageientaucher an sich flattert eher aufgeregt hin und her, wenn er sein Felsenheim verlässt und umschwirrt auch fleißig unser Boot. Ok, es ist Nistzeit, möglicherweise sind die Papageientauchermamis in Sorge um ihre Küken. Selbstverständlich betreten wir auch die Brutinseln daher nicht. Aber auch vom Ufer lassen die Gefiederten sich herrlich beobachten, etliche Seeadler kreisen über uns und schauen sich unser Boot erhaben aus der Höhe an. Majestätisch. Die Felsen sind zuweilen weiß getüncht, schließlich muss Vogel ja sein Verdautes irgendwo lassen. Gott sei Dank trifft uns keine Vogelbombe aus der Luft.

Copyright: Svetlana Funtusova / www.nordnorge.com / Nordkapp

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Wir umrunden das gesamte Vogelschutzgebiet, erfreuen uns am bunten Vogeltreiben, den Wellen und dem Wind. Man könnte Stunden hier draußen verbringen. Nach neunzig Minuten geht es jedoch zurück nach Gjesvær. Noch einmal Fischerdorf-Idylle atmen und es geht zurück nach Honningsvåg, wo die MS Nordlys auf uns wartet, die uns auf der Hurtigrute weiter nach Kirkenes bringt. Und jedesmal wieder: ich liebe die Fahrt durch die tundra-artige Landschaft. Besonders jetzt im Sommer, wo sich die Rentiere überall tummeln. Zahlenmäßig sind sie den Einwohnern jetzt definitiv überlegen. Da die Moose und Flechten hier jetzt schön saftig sind, ist das Rentierglück in der kurzen Sommerphase perfekt. Natürlich erobern sie die Straßen gleich mit und so muss man immer wieder halten, weil eine Rentierherde genüßlich im Weg steht. Da sie sich durch nichts stören lassen, muss man ab und zu mit längeren Wartezeiten rechnen. 😀 Dafür sind sie einfach wunderhübsch anzuschauen.

Copyright: insidenorway

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Fazit: die Insel Magerøya ist viel mehr als nur das Nordkapp. Die Vogelsafari sollte sich deshalb jeder einmal gönnen. Im Norden Europas. Wo der Gefiederten Paradies ist. 🙂

Wo die Rentiere wohnen oder: durch die Finnmark vom Nordkapp nach Hammerfest !

Es ist mal wieder Zeit für das Nordkapp. Diesmal allerdings nur mit kurzer Stippvisite, denn schließlich ist es Sommer und das schreit geradezu nach einer Fahrt durch die Finnmark, denn überall tummeln sie sich, die Rentiere. Da ich wieder einmal auf der Hurtigrute unterwegs bin geht es los in Honningsvåg bis hinunter nach Hammerfest, wo man praktischerweise wieder aufs Schiff steigen kann. Das Nordkapp habe ich zwar schon zum wiederholten male gesehen, aber den Blick auf die Barentssee vom Globus aus, genieße ich dann doch immer wieder. Vor allem wenn man an selbigem morgens um sieben Uhr weilt. Ohne den hochsommerlichen Betrieb. Nur der Wind pfeift einem um die Nase. Glücklicherweise hat auch der heute mal gute Laune und umtanzt das Nordkapp-Plateau nur gemächlich.

Es geht gleich weiter, Richtung Süden. Zunächst über die Nordkapp-Insel Magerøya. Die ist nach wie vor einfach zauberhaft. Jetzt, wo der Schnee endlich aufgegeben hat, zeigt sich die Tundra-Landschaft von ihrer schönsten Seite. Auch wenn hier ja bekanntlich in punkto Bäume nicht soooooo viel los ist, versetzt einen   Magerøya in Entzückung. Moose und Flechten sind wieder zum Vorschein gekommen und machen die schroffe Natur einen Hauch weicher. Ja und überall grasen sie. Die Rentiere. Also eigentlich ist der Begriff „grasen“ durch „moosen“ zu ersetzen, zumal das saftige Moos ganz oben auf der Karte der Rentierlieblingsgerichte steht.

Copyright: insidenorway

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Weiter geht es durch den Nordkapptunnel. Ich gebe ja zu, dass man hier schnelleres Vorankommen gegen Ich-sehe-nichts-von-der-Landschaft tauscht, aber für knapp sieben Kilometer ist das okay. Dafür geht es dahinter gleich mit dem Landschaftsfeuerwerk weiter. Ein kräftiges Stück fährt man am Ufer des Porsangerfjords entlang. Hier reihen sich die Berge aneinander, man genießt den Blick auf das Wasser des Fjords, die karge Flora und natürlich auch auf die Rentiere. Auch hier tummeln sie sich. Ja, sie wissen eben wo man zu den Mahlzeiten gleich den Gratisblick auf norwegische Natur dazu bekommt.

Copyright: insidenorway

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Das Rentier an sich legt sich in dieser Jahreszeit auch ein neues Fellkleid zu. Schon seit März sind die Vierbeiner damit beschäftigt die Winterwolle abzuwerfen und glänzen jetzt mit ihrem kurzen Sommerfell, dass fast nur aus ihrer Unterwolle besteht. Der Rentier-Bikini sozusagen. 😉 Schließlich haben sie aber auch ein anderes Kälteempfinden. Wo uns Menschen die Zähne schlottern, ist das Rentier temperaturmäßig noch im Sommermodus und braucht den Fell-Wintermantel erst, wenn die Temperatur schon wieder unter die Null-Grad-Marke rutscht.

Weiter geht es durch die Kommune Kvalsund, immer vorbei an der herrlichen Bergkulisse. Das Fjordwasser bricht sich in Wellen am Ufer und schäumt sich an die Steinstrände. Auch wenn wir Sommer haben ist von Badetemperatur wohl kaum zu sprechen, es sei denn man ist ein Freund von einstelligen Wassertemperaturen. Für die Harten eben. 😉 Die Kommune Kvalsund reicht bis auf die Insel Kvaløya, auf der auch Hammerfest liegt. Und hier zeigt sich, dass der Norweger in der Namensgebung von Inseln zuweilen Bewährtes gleich zweimal verwendet, denn auch Tromsø befindet sich auf der Insel Kvaløya, nur dass es sich hier um eine andere Insel handelt, die weiter südlich liegt.

Auf „unser“ Kvaløya gelangt man über die Kvalsund Brua, die Hängebrücke, die das Festland mit der Insel verbindet und die bei Sturm gerne mal geschlossen ist, weil sie gar zu arg schaukelt. Inzwischen haben sich auch wieder Sträucher in die Natur verirrt. Immerhin hat man sich ja vom Nordkapp aus gesehen auch schon wieder einen Breitengrad nach Süden vorgearbeitet.

Kvalsund, Copyright: insidenorway

Kvalsund, Copyright: insidenorway

Die Landschaft wird ein wenig weicher und in den Gärten kurz vor Hammerfest, pflanzt der Norweger auch gerne mal den ein oder anderen Baum. Wo sich von selbst nichts tut, muss man eben nachhelfen. Auch die Rentiere finden das prima und spazieren bis an die Häuser um sich an den jungen Trieben zu bedienen. Wer in der Umgebung von Hammerfest also ein übermäßiges Zaunvorkommen bemerkt, kann sich leicht ausrechnen warum. Kein Eintritt für Rentiere! 😀

In Hammerfest wartet das Schiff. Drei Stunden Fahrt haben gezeigt, dass karg unendlich schön sein kann und türkises Wasser nicht nur in der Karibik wohnt. Für den  ansässigen Eisbärenclub bleibt keine Zeit mehr, also: nächstes mal. In Hammerfest. Wo die Schiffe den Hammer (Anker) fest machen. 🙂

Wenn der Tag lang wird oder: ist es wirklich schon Mitternacht ?

Kaum war man froh, dass die Polarnacht endlich vorbei ist, ist schon wieder alles umgekehrt. Während man im Winter im nördlichsten Norwegen schon um 14 Uhr denkt, dass es 21 Uhr ist und man sich im Dauermüdemodus befindet, strotzt man jetzt vor Energie. Und endlich hat man wieder regelmäßig das Gefühl man ist im Nachmittags-irgendwo und dabei kratzt die Uhr schon fast am neuen Tag. Im Klartext: die innere Uhr zeigt einem die lange Nase.

Spitzbergen toppt in punkto Mitternachtssonne natürlich alles. Satte vier Monate bleibt das Sternchen über dem Horizont, schon Ende April heißt es hier: der Tag ist lang. Und während man gemeinhin denkt, dass nur die Polarnacht schwer gewöhnungsbedürftig ist, wird man spätestens jetzt eines besseren belehrt. Schlaflos in Nordnorwegen ist Programm. Allerdings: nur für die innere Uhr ist das Ganze delikat. Schließlich bekommt man dafür etwas, das alle Unbequemlichkeiten aufwiegt. Wer schon einmal um Mitternacht am Nordkapp gestanden hat, wenn die Sonne am tiefsten steht und das ganze Felsplateau in goldenes Licht taucht, der ist im Norwegenhimmel.

Copyright: Dagny Margrete Øren / www.nordnorge.com / Nordkapp

Copyright: Dagny Margrete Øren / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Eine Nacht am Nordkapp durch zu machen, genau wie die Sonne, dass sollte man unbedingt ausprobieren. Das  Mitternachtsbad fällt hier allerdings flach. Erstens müsste man sich am Seil hinablassen und zweitens hält die Barentssee auch im Hochsommer keine Badetemperaturen bereit.

Allerdings: Aktivitäten gibt es zu nachtschlafender Zeit zu Hauf. Es ist sozusagen alles im 24h-Betrieb. Egal ob einem einfällt um Mitternacht Golf spielen zu gehen, eine Kajak- oder Radtour oder sogar eine Klettertour zu machen. Alles ist offen und selbst ein Guide findet sich mitten in der Nacht. Die Nordnorweger machen in dieser Zeit übrigens auch sehr gerne die Nacht zum Tag und verlagern Alltagstätigkeiten dorthin. Man leidet also nicht unter Halluzinationen, wenn man um Mitternacht den Rasenmäher des Nachbarn hört. Norwegen eben. Nach der Winterdurststrecke will man ja schließlich so viel Sonnenenergie wie möglich tanken, damit die Speicher voll sind wenn es wieder gen Polarnacht geht. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Mitternachtssonne in allen Regionen Nordnorwegens mitnehmen. Warum? Weil es überall anders ist. Auf Spitzbergen ist zwischen Mittag und Mitternacht quasi kein Unterschied wahrzunehmen. Für die extremen Mitternachtssonnen-Anbeter. Am Nordkapp hat man da schon eine Ahnung von Dämmerung. Also natürlich nur insofern, als dass die innere Uhr sich darauf vorbereitet, dass es ja gleich dunkel ist. Nach der Dämmerung eben. Ja und dann klettert die Sonne wieder nach oben. Wie war das noch mit der inneren Uhr?

Mitternachtssonne am Lyngenfjord, Copyright: www.visit-lyngenfjord.com / Visit Lyngenfjord AS / Kåfjord, Lyngen

Mitternachtssonne am Lyngenfjord, Copyright: http://www.visit-lyngenfjord.com / Visit Lyngenfjord AS / Kåfjord, Lyngen

Je weiter man nach Süden vordringt umso kürzer wird natürlich der Mitternachtssonnentag und je extremer wird das Licht. Logo. Schließlich kratzt die Sonne immer näher am Horizont, je näher man am Polarkreis weilt. An selbigem konzentriert sich die Mitternachtssonne dann auch auf wenige Nächte. Wer´s verpasst, hat Pech gehabt, fährt nach Norden oder wartet auf nächstes Jahr.

Allerdings bin ich immer wieder erstaunt, dass es selbst bei uns in Oslo, das bekanntlich deutlich südlich des Polarkreises liegt, am Tag der Sommersonnenwende nur neunzig Minuten lang wirkliche Dunkelheit herrscht.

Wer also das Nah-Sonnenerlebnis will, muss es tun. Nach Norwegen fahren. Zur Zeit der Mitternachtssonne!

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 2 !

Streckenbergfest ist Nordkappfest. Und Windfest. Eben hegt man auf dem dreißig Kilometer langen Weg vom Schiff zum nördlichen Rand Europas noch die Hoffnung, dass so etwas wie Windstille herrscht und schon ist man wieder im schönsten Wetterwirrwarr. Nordkapp eben. Hier macht das Wetter, was es will und ändert seine Laune auch gerne alle zwanzig Minuten. Die Schönheit der Landschaft kann das trotzdem nicht beeinflussen. Man muss wohl nicht sagen, dass das mit dem Frühling auf 71° nördlicher Breite noch nicht SO richtig in Gang gekommen ist. Ok, Bäume sind hier ja sowieso Mangelware, aber auch das Bodengrün hält sich noch unter Schnee bedeckt. Nun ja, dafür kann man aber auch den Nordpol riechen, auch wenn er noch hübsche zweitausend Kilometer entfernt liegt.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Und ja, der Wind. Marke umwerfend. Über den vereisten Boden rutscht man mit seinem eigenen kleinen Windkraftwerk. Bevorzugt auch in die Richtung, in die man gar nicht will. Das Erinnerungsfoto am Globus wird zur Herausforderung. Wo man nicht rutscht, steht man knöchelhoch im Tauwasser. Aber was macht das schon, wenn man quasi eins mit den Naturgewalten ist und schließlich kann man sich zwischendurch in der Nordkapphalle aufwärmen. Ich finde es immer am schönsten jede Sekunde an diesem zauberhaften Ort auszukosten und die Aufwärmphase in den Bus zu verlegen. Nordkapp intensiv sozusagen.

Nun geht es nordgehend südwärts. Dass Kirkenes fast so südlich wie Tromsø liegt, sagte ich ja schon. Und dass die russische Grenze nur zehn Kilometer entfernt ist, kann man auch nicht leugnen, wenn man durch die Stadt spaziert. Kyrillisch ist Programm. Kein Wunder, denn hier herrscht Shopping-Wahn in beide Richtungen. Der Russe kommt wegen der besseren Qualität, der Norweger giert nach Billigware auf der anderen Seite der Grenze. Dem Lieblingsteuerthema Alkohol und Zigaretten wird allerdings ein Strich durch die Rechnung gemacht. Wer selbiges in Russland kauft, muss 24h bleiben. Fünfmal am Tag hin und her fahren um die Einfuhrbeschränkungen auszutricksen bleibt im Ich-würde-gerne-Modus stecken.

Der Geschichtsfreak schaut noch in der Andersgrotta vorbei, ein Luftschutzkeller, in dem die Einwohner während des zweiten Weltkriegs vor dem Bombenterror Schutz suchten. Der traurige Teil der Geschichte von Kirkenes.

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Nach dem Wendepunkt geht es nun wirklich wieder südwärts – reiserutentechnisch. Wenn man Glück hat, erlebt man eine zauberhafte blaue Stunde in Vardø, der östlichsten Gemeinde Norwegens. Natürlich gibt es hier eine Festung, die nördlichste der Welt. Schon wieder ein norwegischer Superlativ. Überall sonst in Vardø ist Leben vom Fischfang Programm und auch die Vogelwelt erfreut sich am Fischreichtum. Brüten ist hier die höchste Vogeldisziplin. Gibt ja auch so herrliche Inseln draußen, die die Gefiederten quasi zu ihrem Grundbesitz erklären können. Und weil die Inseln nicht ausreichen, nistet man sich auch gerne in so ziemlich jeder Hausnische ein, die man zum Vogelheim umfunktionieren kann. Vardø im Vogelglück.

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Nach einer Reihe von Häfen, die man wegen Sturm im Winterhalbjahr auch einmal auslassen muss, ist wieder Stopp in Tromsø. Spät abends mit der Chance aufs Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Dann sind endlich die Lofoten dran. Bevor man allerdings in Svolvær anlegt zwängt sich das Schiff zwischen Lofoten und Vesterålen durch den Raftsund.  Ja das ist ein landschaftliches Fest. Auf zwanzig Kilometer Länge ragen die Berge empor, der niedliche Eingang des engen Trollfjords zieht vorbei und es ist einem völlig egal, ob es draußen windet oder regnet. Man will einfach nur genießen.

Raftsund, Copyright: insidenorway

Raftsund, Copyright: insidenorway

Wer draußen ausgeharrt hat, hat sich in Svolvær das Bierchen in der warmen Stube verdient. Ok, wenn man noch nicht dort war, will man sich zuerst das Städtchen anschauen, nebst zauberhafter Rorbuer-Fischerhäuschen und auch einen Blick auf den aufgehängten Trockenfisch werfen. Aber ich finde, es hat etwas von Lofoten-Gemütlichkeit im „Anker“ einzukehren, gleich hinter der Brücke, über die man auf die Halbinsel Svinøya rüber schlendert. Urig, Fischer-Norwegen-Feeling und ein wärmender Kamin. Da könnte man glatt vergessen, dass man die Uhr im Blick behalten muss um das Ablegen des Schiffs nicht zu verpassen. Spätestens wenn man beim obligatorischen „tuuuuut“ noch beim bezahlen der Zeche ist, weiß man, dass man sich gleich gegenüber eine Rorbu mieten kann. Autsch!

Wer rechtzeitig wieder auf dem Schiff ist, darf am nächsten Tag wieder Naturhighlight-Sightseeing betreiben. Der Torghatten zeigt sich. Der berühmte Berg mit dem Loch im Bauch und der Legende nach ein versteinerter Hut, der von einem Pfeil durchbohrt wurde. Die Norwegen-Saga fasziniert.

Torghatten, Copyright: insidenorway

Torghatten, Copyright: insidenorway

Wer nicht die ganze Strecke bis Bergen zurück fährt, findet den Endpunkt seiner Reise in Trondheim. Umgekehrtes Schiffsschmusen nun am Kai. Diesmal liegt Miss nordgehend nebenan. Zeit für einen Abschiedsbesuch. Und dann heißt es auch Abschied nehmen von 3.500km Norwegenküste. Der Süchtler kommt natürlich wieder. Weil es einfach zu schön ist auf der schönsten Seereise der Welt! ❤ 🙂

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 1

Die norwegische Küste ist ja mit reichlich Reisekilometern bestückt. Da ist es doch äußerst hilfreich, dass Richard With aus Stokmarknes 1893 sein Dampfschiff an der norwegischen Küste entlang schickte und so die Hurtigrute geboren wurde.

Seit 1898 geht es los in Bergen. Die ganze Strecke bis Kirkenes und zurück zu fahren ist natürlich nicht verpflichtend, aber wenn schon, denn schon. Also hurtig den 12-Tage-Vorrat an Klamotten in der Kabine verstauen und da die Schiffe jetzt im Winter erst um 22:30 Uhr in Bergen ablegen, bleibt noch Zeit für die Erkundung der Stadt. Zumindest rudimentär. Für einen Spaziergang zu den zauberhaften Hansehäusern im Hafen reicht es allemal und vom Regen, der in Bergen ja mehr als gelegentlich vorkommt, lässt man sich einfach nicht in seine Unternehmungslust reinreden.

Beim Ablegen weht ein Hauch von Abenteuer ums Schiff. Schließlich sind es ja auch knapp 2.500km, die man bis zum Wendepunkt in Kirkenes zurücklegt. An Deck stehen im eisigen Wind muss sein. Schließlich ist Norwegen „powered by Nature“ und das will man ja auch spüren. Ok, nach spätestens einer halben Stunde ist man ein wandelnder Eiszapfen und freut sich über die muggelige Wärme im Schiff.

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Das Schiff fährt brav durch die Nacht, während man sich zur ersten Ruhe bettet. Und gleich am nächsten Tag erreicht man eines der Städtehighlights von Norwegen: Ålesund. Ich habe ja schon mehrfach über dieses fabelhafte Städtchen berichtet und in den drei Stunden, die das Schiff am Kai liegt, lässt sich hier alles wesentliche besichtigen. Allem voran natürlich die zauberhafte Jugendstil-Architektur. Und den Aussichtsberg Aksla. Und und und.

Um 15 Uhr geht es weiter. Nach Molde. Hier bleibt man meist ein „An-Deck-Steher“, da das Schiff nur dreißig Minuten am Kai liegt. Dafür hat man einen herrlichen Blick auf das Scandic Seilet Hotel, in der Bauweise ein bißchen in Dubai abgeguckt. Gebaut wie ein Segel und so. Und das Lichtermeer der Häuschen von Molde kann sich auch sehen lassen, auch wenn man die Romsdalsalpen im Winter nur erahnen kann. Am Abend läuft man in Kristiansund ein. Für mich eine der schönsten Hafeneinfahrten überhaupt. Auch im Winter oder vielleicht gerade da. Die Lichter kommen immer näher, das Schiff zieht vorbei an Häusern und Hafengeschehen. Herrlich! Den arktischen Wind muss man eben einfach ertragen.

3. Tag. Also das mit dem frühen Vogel ist mir ja normalerweise eher egal, aber an diesem Tag ist Frühstück um 7 Uhr eine echte Option, weil man sich in Trondheim dann so richtig austoben kann. Die Stadt ist ja überhaupt zauberhaft und für mich auch eine der Favoritenstädte.

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Der Dom ist einfach immer wieder imposant und wer den kurzen steilen Weg nicht scheut, erklimmt die stadteigene Festung Kristiansten, traumhafter Blick über Trondheim inklusive. Klar, dass man auch am Kanalhafen vorbei schaut, wo man bei den bunten typischen Lagerhäusern gleich in Verzückung gerät. Norwegisch heimelig. Gleiches in der zauberhaften Altstadt, wo sich die Holzhäuschen dicht an dicht schmiegen und das Auge mit allen Farben erfreuen.

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Nach einigen Häfen, die man genüsslich in der Nacht verschläft, erreicht das Schiff am 4. Tag Bodø. Ich persönlich favorisiere den Ausflug zum Saltstraumen, schließlich ist man nicht jeden Tag an so einem gewaltigen Gezeitenstrom. Im Winter gewinnt der, der die superwarme Jacke im Gepäck hat, denn hier weht zu dem reißenden Strom ein Wind, dass es einem die Haare vom Kopf weht. Powered by Nature eben. Wer sich vom Schnee, der einem wie kleine Messer ins Gesicht schneidet, nicht beeindrucken lässt, genießt den Ausblick auf die Strömung gleich unter Brücke, die über den Saltstraumen führt. Die Angelfreunde, die hier sonst zahlreich anzutreffen sind, halten sich bei diesem Wetter eher mit ihrer Anwesenheit zurück. Wahrscheinlich verharren die Fische sowieso irgendwo im „Winterschlaf“. 😉

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Das mit dem „hell“ hat sich ab hier dann auch erledigt, denn mittlerweile befindet sich das Schiff schon nördlich des Polarkreises. Obwohl: viele denken ja, dass Polarnacht gemeinhin bedeutet, dass der ganze Tag so stockfinster ist wie die Nächte. Aber auch in der Polarnacht kann man tagsüber auf Dämmerung hoffen. Mehr ist allerdings nicht drin. Bei wolkenfreiem Himmel hat man aber immerhin das Gefühl man lebt nicht in völliger Dunkelheit. Dafür bekommt man in dieser Jahreszeit aber auch die spektakuläre Lightshow der Nordlichter dazu, vorausgesetzt natürlich, dass der Himmel gnädig ist und die Wolken woanders hinschickt. Das Schiff hält sich aber so lange in der Nordlichtzone auf, dass es schon mit dem Teufel zugehen muss, wenn man keine zu Gesicht bekommt.

Nächster längerer Stopp ist Tromsø. Davor gibt es zwar noch einen einstündigen Aufenthalt in Svolvær auf den Lofoten, aber das soll aufgrund des längeren Stopps auf dem Rückweg hier mal unter den Tisch fallen. Auf der Winterfahrt gilt es sich in Tromsø zu entscheiden: Trip durch die Stadt oder auf zur Hundeschlitten-Tour. Mein klarer Favorit: die Hundeschlitten-Tour. Das Wahrzeichen von Tromsø, die Eismeerkathedrale, lässt sich auch auf dem Rückweg, wenn das Schiff wieder südgehend ist, noch bestaunen.

Also Hundeschlitten. Warm eingepackt mit allem, was dazu gehört. Vom Schlitten aus genießt man den atemberaubenden Blick auf die eisige Natur und auch wenn es bei der Tour dunkel ist, ist die Atmosphäre einzigartig. Mit der Stirnlampe unter Sternenhimmel auf dem Schnee dahin zu sausen hat was!

Copyright: Janina Graf

Copyright: Janina Graf

Müßig zu erwähnen, dass man am Ende des dreistündigen Ausflugs süchtig ist. Süchtig nach dem Einssein mit der Natur, der Kraft der Huskys, ja sogar süchtig nach der Kälte. Gut, dass man am Wendepunkt in Kirkenes nochmal darf – wenn man einen Platz ergattert. Der Suchtfaktor befällt nämlich so ziemlich jeden.

An Tag 6 erreicht das Schiff Honningsvåg. Das Nordkapp ist nahe. Der Ausflug zum Felsplateau mit dem Globus ist Pflicht. Wenn man schon bis hier gekommen ist, will man schließlich auch gen Nordpol auf die Barentssee schauen. Durch die Polarnacht geht es mit dem Bus weiter nach Norden. Und weil im Winter das letzte Stück der Straße gesperrt ist, fährt man in der Kolonne, so wie es in Norwegen wintertypisch ist. Der Schneepflug vorne weg, alle Busse und Autos hinterher. Wer die Kolonne verpasst muss draußen bleiben.

Am Nordkapp weht – wie sollte es anders sein – der kräftige Winterwind. Nie war man dankbarer für Mütze und Handschuhe. Trotz eisiger Kälte steht man andächtig am gusseisernen Globus und schaut in die eisige Polarnacht hinaus auf die Barentssee. Überwältigend. Wer hier noch Nordlichter erlebt ist im Norwegenhimmel.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

7. Tag. Schon ist der Wendepunkt der Reise erreicht. Bereits jetzt ist man randvoll mit Erlebnissen. Aber auch im zweiten Teil hält die Reise einiges bereit. Doch davon wollen wir Euch das nächste mal erzählen. To be continued…… 🙂

71° Nord oder wo Europa zu Ende ist – das Nordkapp

Eigentlich ist es ja nur ein Schieferplateau, das 300m aus dem Meer herausragt. Und der nördlichste Punkt Europas ist es auch nicht. Aber: wer jemals an diesem Punkt Europas gestanden hat hält andächtig inne, blickt auf den schier unendlichen Horizont und fühlt sich eins mit der Natur. Mal erstrahlt es in der Mitternachtssonne, mal liegt es von Nebel umhüllt, mal in völliger Dunkelheit der Polarnacht. Aber IMMER steckt es einen an mit einer ganz besonderen Mystik. Das Nordkapp.

Ja es ranken sich eine ganze Menge „Fakten“ um diesen nördlichen Punkt in Europa. Nördlichster Punkt des Festlands? Nein! Genauer gesagt liegt das Nordkapp nicht auf dem Festland, sondern auf der Insel Magerøya, aber wir wollen mal nicht so sein. Magerøya bedeutet übersetzt „karges Land“ und das ist auch Programm. Allerdings tut das dem Zauber der Insel keinen Abbruch. Wir sind eben sehr weit im Norden, aber bis zum Nordpol sind es trotzdem immer noch 2.000km! Und wenn man an der gußeisernen Weltkugel steht blickt man nach links und schaut auf die Landzunge Knivskjellodden, die einen Kilometer weiter nördlich ins Meer ragt. Die Ich-bin-der-nördlichste-Punkt-Europas-Konkurrenz schläft eben nicht. Silbermedaille für das Nordkapp.

Nordkapp Lars Helge Jensen

Copyright: Bjarne Riesto / riesto.no / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Die meisten nehmen sich ja überhaupt viel zu wenig Zeit für das kleine Eiland. Wenn man schon mal da ist sollte man auch den Rest von Magerøya erkunden. Außerdem kann man so eventuelle Schlechtwetterlagen freundlich bitten doch in den nächsten 48 Stunden abzuziehen, so dass man ausblicksmäßig am Nordkapp auch auf seine Kosten kommt. Blicken wir also auf Honningsvåg. Schmusiges Fischerdörfchen und Anlaufstätte zahlreicher Kreuzfahrtschiffe und natürlich auch der Hurtigruten, deren Schiffe hier täglich anlegen um die Post vorbei zu bringen und um zahlreichen Passagieren Nordkapp-Feeling zu bescheren.

Genau wie das Nordkapp erfreut sich auch auf Magerøya Honningsvåg eines Titels, der geografisch nicht den Tatsachen entspricht. Seit den 1990er Jahren gilt das Dörfchen als nördlichste Stadt der Welt, obwohl es einige Städte gibt, die noch weiter nördlich liegen. Hier reicht es noch nicht mal zur Silbermedaille. Aber das macht nichts. Honningsvåg ist trotzdem zauberhaft!

Honningsvåg, Copyright: Trym Ivar Bergsmo / www.nordnorge.com / Nordkapp

Honningsvåg, Copyright: Trym Ivar Bergsmo / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Fischerdörfer gibt es in Norwegen ja bekanntlich reichlich. So auch auf Magerøya. Eines davon ist Gjesvær. Heute ungefähr 130 Einwohner zählend ist das Städtchen seit den 1970er Jahren etwa auf ein Drittel seiner Bewohner geschrumpft. Aber: es ist die einzige Siedlung, die sich in der Provinz Finnmark bis in die Wikingerzeit zurückverfolgen lässt. Schon im Jahr 1230 wird sie erwähnt. Dass von den deutschen Besatzungstruppen 1944 alles niedergebrannt wurde wollen wir unter den Tisch fallen lassen.

Fishing village close to North Cape

Gjesvær, Copyright: Bjarne Riesto / riesto.no / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Hat man die Insel Magerøya umrundet, kehrt man zurück zum Nordkapp, entweder weil man hofft, dass das Wetter nun besser ist, oder weil man sich vom Anblick der Ozeanweite nicht lösen kann, oder beides. Auf jeden Fall aber beschließt man, dass es nicht das letzte Mal war, dass man hier gestanden hat, am Nordkapp, am Tor zum Nordpol, am Tor zum Ende der Welt! 🙂 ❤

Auf dem Weg zur Mitternachtssonne oder wo Europa endet

Ja das Nordkapp, da wo man vom nördlichen Rand Europas zu fallen scheint und wo die Sonne in den Sommermonaten nicht untergeht. Aber halt, stopp, noch sind wir nicht dort. Die Reise beginnt vielmehr vierzehn Tage früher, in Bergen. Und auch wenn man auf den Hurtigruten nicht von wirklichem Individualtourismus sprechen kann, packen sie doch einen bunten Reigen der schönsten Ziele Norwegens in die Reiseroute. Und dass das Hotel mitfährt ist ja auch nicht so ganz unpraktisch. Allerdings muss ich zugeben, dass Anfang der 90er Jahre, als ich zum ersten mal auf die Hurtigruten stieß, der Abenteuergedanke noch präsenter war. Postschiff und so. Die Post fährt zwar auch heute noch mit, aber die damals wenig komfortablen Kabinen sind dem Kreuzfahrtfeeling gewichen. Anyway: gestartet wird immer noch in Bergen.

Bergen, Provinz Hordaland

Bergen, Provinz Hordaland

Bergen an sich ist ja schon immer eine Reise wert, ich empfehle ja immer mindestens einen Tag früher anzureisen als man sich einschifft, damit man nicht gleich mit Frust in die Reise startet, weil man das zauberhafte Städtchen aus Zeitmangel auslassen muss. Abends tutet das Schiffchen sich dann seinen Weg in Richtung Nordkapp frei, man darf auch Titanic-like den Schaulustigen am Kai zuwinken. Schippert man dann endlich an der Westküste Norwegens entlang kommt man eigentlich gar nicht mehr ins Bett vor lauter Sonnenuntergängen und norwegischer Natur. Bis man den Polarkreis passiert geht sie ja immerhin noch für ein paar Stunden unter.

Sonnenuntergang auf dem Weg zum Nordkapp

Sonnenuntergang auf dem Weg zum Nordkapp

Gut 400 km nördlich von Bergen und nach etlichen Zwischenstationen folgt Ålesund. Das Vergnügen der „blauen Stunde“ hat man zwar im Sommer nicht, aber man kann eben nicht alles haben. An der Architektur im Jugendstil und dem norwegischen Flair darf man sich aber auch in den Sommermonaten erfreuen. Und da der Geirangerfjord so herrlich nah liegt und es sowieso der bekannteste Fjord Norwegens ist, macht auch so ziemlich jedes Schiff den kleinen Schlenker. Das „Festival der Kreuzfahrtschiffe“ tut aber der Schönheit des Fjords keinen Abbruch. Wasserfälle, Berghänge, die sich über dem Fjord auftun, Norwegen @ its best.

Geirangerfjord

Geirangerfjord

Ab jetzt geht es mit strammen Schritten auf den Polarkreis zu. Nach Trondheim, Rørvik, Brønnøysund und Nesna kommt er dann. 66° 33′ 55″! Ab jetzt geht die Sonne nicht mehr unter und an Schlaf ist eh nicht mehr zu denken, nicht nur weil es um Mitternacht immer noch taghell ist. Die Mitternachtssonne übt eben eine besondere Faszination aus und man kann sich von dem Naturschauspiel eigentlich gar nicht abwenden. Spätestens hier ärgert sich wer zu wenig Speicherkarten für die Kamera eingepackt hat.

Mitternacht

Mitternacht

Bevor man aber den nördlichen Rand Europas sieht, erreicht man erst noch eines der schönsten Fleckchen Norwegens, die Lofoten. Auch wenn sich Lofoten so herrlich nach Mehrzahl anhört, ist es doch Singular, obwohl es sich um nicht weniger als achtzig Inseln handelt. Allein hier könnte man Sommer wie Winter Wochen verbringen, aber auf der Reise zum Nordkapp darf man wenigstens mal dran schnuppern.

Lofoten

Lofoten

Inzwischen befinden wir uns 1.500km nördlich von Bergen und es geht noch weiter. Jetzt folgt die zerklüftete Westküste von Nordnorwegen bis nach Tromsø. Nach vielen Städten mit einer Einwohnereinzahl, die man praktisch an zwei Händen abzählen kann, bekommt man in der größten Stadt von Nordnorwegen sozusagen Metropolen-Feeling. Dass man sich bereits gut 300km nördlich des Polarkreises befindet, merkt man der Stadt dann auch an, inklusive, dass es auch im Sommer manchmal ordentlich kalt sein kann. Der Polarforschungsinteressierte kann sich hier so richtig austoben. Nebenbei steht hier auch die nördlichste Kathedrale des Landes.

Arctic Cathedral, Copyright: CH - Visitnorway.com

Arctic Cathedral Tromsø, Copyright: CH – Visitnorway.com

Und dann, noch einmal gut 500km weiter nördlich und mittlerweile mehr als 2.300km nördlich von Bergen strahlt sie einen an – die Mitternachtssonne am Nordkapp. Im Grunde ist es gar nicht wirklich der nördlichste Punkt Europas, aber man ist schonmal ganz nah dran. Allerdings: das Schieferplateau mit der bekannten Weltkugel eignet sich eben besonders als Aussichtspunkt. Und dem Zauber der am Himmel stehenden Sonne kann sich dann auch kaum einer entziehen. Besonders wenn sie sich ihren Weg durch die Wolken bahnt – atemberaubend. Und irgendwo da hinter ihr befindet sich der Nordpol, ja da fühlt man sich als Besucher ganz schnell ganz unbedeutend umgeben von Naturgewalten.

Nordkapp

Nordkapp

Alles in allem. Die Zeit ist günstig. Deshalb schnell Koffer packen und 2.500km Norwegen in sich aufsaugen. Aber Vorsicht: Ansteckung mit dem Norwegen-Virus garantiert! 😉

Im Flug durch alle Jahreszeiten 2014 – die ganze Schönheit Norwegens in vier Minuten

Wie Ihr wisst bin ich ja ein Oslo-Girl. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch verliebt in den Rest von Norwegen bin. Bei meiner Recherche im Netz bin ich auf diesen fantastischen Film gestoßen, der in gut vier Minuten schafft die ganze Schönheit der Natur einzufangen mit atemberaubenden Luftaufnahmen. Also fliegt mit durch die Jahreszeiten des Jahres 2014 und lasst Euch inspirieren von Fjorden und Nordlichtern! 🙂 ❤