Speed mit Spass oder: in Svolvær rockt die RIB-Safari

Ja, ich gebe zu: seit ich in Bodø das erste mal auf dem Speedboot war, ist das so etwas wie meine Leidenschaft geworden und wann immer ich die Möglichkeit habe, bin ich dabei. Diesmal hatte ich in Svolvær das Vergnügen. Wer auf die Lofoten reist, kommt ja nicht umhin sich in selbige zu verlieben. So ging es auch mir als ich das erste mal dort war. Die schroffe Felslandschaft begeistert mich immer wieder, ebenso wie der hohe Freizeitwert der Region.

Und heute ist mir auch das Wetter hold. Die Sonne strahlt vom Himmel, ein Tag wie geschaffen um mit ordentlich Geschwindigkeit über das Wasser zu jagen. Und ich habe die vage Hoffnung, dass es heute möglich ist, ohne diese lästige Sturmhaube ins Boot zu steigen, die einem, wenn man sie abnimmt, eine perfekte Helmfrisur beschert. Gut, wenn man in Norwegen zu Outdoor-Aktivitäten aufbricht, kommt es nicht darauf an, hinterher noch laufstegtauglich zu sein, aber da ich diesmal während meines Jobs als Reiseleiterin aufs Boot steige, finde ich es doch sehr angenehm, heute mal auf besagte Sturmhaube verzichten zu können. Die kostenlose Fönfrisur bekommt man ja trotzdem. 😀

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In den Overall schmeisse ich mich dennoch, schliesslich erfreut der Fahrtwind zuweilen mit kühlen Temperaturen. Heute sind wir nur fünf Mann im Boot, so dass wir zügig in Svolvær starten. Die MS Polarlys der Hurtigruten liegt uns gleich vor der Nase und es ist wirklich ein imposantes Bild sich gleich vor ihrem Bug auf dem Wasser zu befinden. Da ich von Speedboat-Touren gewöhnt bin, dass es eine feuchte Angelegenheit ist, lasse ich meine grosse Kamera an Land und packe nur das Handy ein. Schliesslich lässt sich das blitzschnell für ein Foto hervorholen und man kann es danach wieder hübsch im Overall verschwinden lassen. Dass ich mich dreissig Minuten später über meine Kamera an Land so richtig ärgere, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zunächst einmal tuckern wir gemächlich los. Kaum ist die Fischerinnenstatue am Hafenausgang in Sicht, geben wir ordentlich Speed. Herrlich. Man möchte vor Genuss die Augen schliessen, aber ich versuche das tunlichst zu vermeiden. Lofotenlandschaftskulisse und so. Alle Landschaftseindrücke in uns aufsaugend sausen wir zum Sandstrand. Das Wasser ist so türkisblau, dass man meinen könnte, man hält sich in der Karibik auf. Allerdings ist die Wassertemperatur nur etwas für die Harten. In zwölf Grad baden? Nein, ich verzichte.

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Wir fahren weiter und erspähen den ersten Seeadler. Jetzt, wo ich keine Kamera dabei habe. Genüsslich fliegt er über uns hinweg und beobachtet uns. Möglicherweise hofft er auf ein Fischleckerli. Kaum haben wir den Motor unseres Bootes ausgeschaltet, gesellt sich der nächste dazu. Und der nächste. Und der nächste. Alle versammeln sich auf einem kleinen Inselfelsen gleich neben uns und verfolgen uns mit Adleraugen. Auf adlerisch tönt es herüber, wann denn nun endlich der Fisch aufgetischt wird. Und tatsächlich. Wir haben Fisch dabei. Also eröffnen wir kurzerhand das Buffet und bald flattern sie betörend nah an unser Boot heran um die Köstlichkeiten aus dem Meer zu fischen. Mir fällt wieder ein, dass ich keine Kamera dabei hab. Grrrrrr! Immerhin gelingt es mir per Handy ein paar Videos zu schiessen. So nah bin ich noch nie an die stolzen Vögel herangekommen. In Ermangelung geeigneter Fotoausrüstung, erfreue ich mich dann heute daran, die Seeadler einfach zu beobachten. Und auch das ist fabelhaft.

Nachdem unser Fisch aufgebraucht ist, fahren wir weiter zur kleinen Inselgruppe Skrova, die sich in den Vestfjord erstreckt. Bei gutem Wetter wie heute blickt man bis zum Festland und auf die Lofotenwand. Sagenhaft!

Auf Skrova ist natürlich eins Hauptthema: die Fischerei. Wie könnte das auch anders sein. Schliesslich handelt es sich hier auch um eine ehemalige Hochburg der Lofotfischerei. Dorsch und Seelachs sind hier jedoch inzwischen nicht mehr Hauptakteur, jetzt ist der Lachs Trumpf. In riesigen Becken wartet er vor der Inselgruppe auf seinen Weg in Kochtopf und Backofen. Ja, so ein Lachsleben endet anders, als er es sich wahrscheinlich vorgestellt hat. Fischkarma. Auf jeden Fall aber trägt er dazu bei, dass so gut wie jeder auf Skrova irgendwie von der Lachszucht lebt, die örtliche Fischfabrik fährt ihn in rauen Mengen per LKW überall dorthin, wo er auf dem Teller landet. Nirgendwo in Norwegen ist die Millionärsdichte so hoch wie auf Skrova. Merke: Lachs scheint reich zu machen, zumindest hier. Wer also noch nach dem passenden Millionärssohn sucht, sollte einen Flirt bei einem Kaffee erwägen. 😉

Zeit nun um zurück nach Svolvær zu fahren, auch diesmal mit ordentlich Speed. Neptun geizt heute mit den Wellen und mein Rücken dankt mir sehr, dass wir nicht alle zwei Meter in ein Seegangloch fallen. Und dann sind wir auch schon wieder am Kai. Wie immer war die Tour viel zu kurz und ich könnte gleich nochmal. Jedenfalls bin ich auf den Lofoten nicht zum letzten mal Speedboot gefahren.

Fazit: dazu lässt sich nichts anderes sagen als AUSPROBIEREN!

Lust auf Abenteuer? Sieben Lofoten Hotspots, an denen Du zum Explorer wirst!

Norwegen an sich kann sich ja schon allein mit seiner Natur brüsten. Aber da geht noch mehr. Selbst Sportmuffel wie ich erwischen sich regelmäßig dabei, dass sie in Norwegen zum Bewegungs- und Aktivitätenguru werden. Und auch wenn alle Teile des Landes ihren Reiz haben, so zählen die Lofoten doch zu meinen Lieblingen. Vor allem, weil man hier in punkto Aktivitäten so richtig aus dem Vollen schöpfen kann.

  1. Seeadlersafari im Trollfjord Im Grunde nimmt man hier gleich zwei Highlights mit: die Seeadler und den Trollfjord. Generell ist es schon mal zauberhaft durch die schroffe Inselwelt mit dem Boot zu fahren, weil man sich einfach nicht sattsehen kann und die Speicherkarte der Kamera glüht. Die Seeadler komplettieren das ganze. Da sie mit Futter angelockt werden, kommt man in den vollen Vogelgenuss und kann sie auch problemlos aufs Bild bannen. Seeadler sieht man natürlich auch außerhalb einer Safari immer mal wieder, aber oft sind sie schon wieder verschwunden, wenn die Kamera schussbereit ist. Da ist es doch viel besser, wenn sie einem sozusagen freiwillig und ausgiebig vor die Linse flattern. Der enge Trollfjord und der sich anschließende Raftsund tun ihr übriges dazu um in den vollen Lofotengenuss zu kommen. www.lofotencharterbat.no
  2. Walsafari in Andenes Nun gut, streng genommen gehört Andenes zu den Vesterålen und nicht zu den Lofoten. Da der Wal an sich aber da herumschwimmt, wo es ihm am besten gefällt, muss man sich diesem Wunsch beugen. Von Andenes macht man sich also auf zu seinen Tummelplätzen. Die beste Zeit ist natürlich der Winter, da sich dann zu den Pottwalen gerne auch mal Orcas und Buckelwale hinzu gesellen. Und wer will nicht sehen, wie sich die riesigen Schwanzflossen aus dem Wasser heben. Und näher als bei einer Walsafari kommt man den Meeresriesen dann auch wirklich nicht. Gut, dass die Schiffe extrem geräuscharm sind und die Wale auch akustisch orten können. So werden die Wale nicht gestört und der Mensch kann sie sich aus nächster Nähe anschauen. Mächtig. www.whalesafari.no
  3. Rudern im Wikingerschiff in Leknes Wem nicht reicht, sich einfach gemütlich im Boot fahren zu lassen, der kann gleich selbst mit anpacken. Schließlich hatten die Wikinger auch keine komfortablen Motorschiffe und mussten sich auf ihre Muskelkraft berufen. Ganz nebenbei lernt man den Komfort der heutigen Zeit noch viel mehr zu schätzen. Man sitzt also ziemlich beengt an seinem zugeteilten Ruder und muss sich bemühen, ziemlich gleichmäßig mit den anderen im Takt zu rudern. Sonst wird das mit dem Vorwärtskommen nichts. Natürlich darf man sich danach ein Wikingermahl schmecken lassen. Rudern macht schließlich hungrig. www.lofotr.no
  4. Mitternachtssafari in Henningsvær Wenn man schonmal auf den Lofoten ist, und das im Sommer, kann man sich auch gleich ein Mitternachtssonnenerlebnis mitnehmen. Also natürlich ist der Zauber der Mitternachtssonne auch an Land großartig, aber noch schöner ist es, sie vom Speedboot aus zu sehen. Von Henningsvær aus geht es kurz vor Mitternacht nach Westen. Auch hier wird man schon allein durch die schroffe Fjordwelt der Inselgruppe verzaubert, wenn sie ins goldene Mitternachtssonnenlicht taucht. Das Schöne am Speedboot: mit ordentlich Geschwindigkeit saust man durch die Fjorde bis auf den offenen Atlantik. Zwischendurch machen die Boote Geschwindigkeitspause und man sieht Seeadler und Puffins über sich kreisen. Und auch Seehunde gesellen sich oft im Wasser dazu. www.lofoten-opplevelser.no
  5. See-Kajak-Tour in Kabelvåg Ich persönlich habe ja im letzten Jahr meine Liebe zum Paddeln entdeckt. Die Lofoten haben fürs kayaking ne Menge zu bieten. Allerdings sollte man etwas Paddelerfahrung mitbringen, da man sich eben doch auf deutlich unruhigerem Wasser bewegt, als wenn man durch den Kanalhafen von Trondheim gleitet. Mit einer Halbtagestour ist man am Anfang gut bedient, denn paddeln geht wirklich auf die Arme. Wer zu den Toppfitten gehört, kann sich natürlich auch an einer Ganztagestour versuchen. Die Guides sind auf jeden Fall sehr hilfreich, zeigen einem nicht nur bei der Paddeltechnik, sondern erzählen nebenbei auch noch von der wunderschönen Lofotennatur, die ja logoscherweise in der Tour inklusive ist. www.lofoten-aktiv.no
  6. Fischer für einen Tag in Nusfjord Fisch ist ja in Norwegen nicht wegzudiskutieren, was liegt da näher, als einmal in den Fischeralltag zu schauen. Mit dem Boot geht es raus zu den Fanggebieten von Dorsch und Co und anpacken muss man auch richtig. Ja, das Fischerleben ist kein Zuckerschlecken. Dafür lernt man an diesem Tag auch seinen eigenen Fang zu bearbeiten. Filettieren, was das Zeug hält. Hat man den eigenen Grill dabei, darf man sich also abends rühmen, „seinen“ Fisch auf dem Teller zu haben und: frischer geht nicht! www.nusfjord.no
  7. Lofoten mit dem Pferd in Gimsøysand Südwestlich von Svolvær geht es los und hier werden wirklich alle Klisschees positiv bedient. Die Pferdchen sind gutmütig und trippeln in aller Ruhe hintereinander her. Zeitlich ist bei den Touren alles drin, wer sich nicht sicher ist, wie lange er durchhält, beginnt erst mal mit der 1 1/2 stündigen Tour. Danach ist man sowieso süchtig. Das Reiten an den Lofotenstränden ist einfach zauberhaft. Nebenbei erfährt man allerhand über die Wikinger, denn die Touren führen an Überresten der Wikingerzeit vorbei. Während der Mitternachtssonnenzeit gibt es natürlich auch Touren um Mitternacht, im Winter reitet man unterm Nordlicht, hübsch mit Stirnlampe ausgestattet. www.hovhestegard.no

Egal, ob man also im Sommer oder im Winter die Lofoten besucht: hier ist immer etwas los. Ausreden für Inaktivität kann man sich also getrost abschminken. 😉 Deshalb auf zu neuen Taten auf der Inselgruppe des Glücks.