Alex und die Krone

Neulich in Oslo: Die Krone an sich gebührt ja in Norwegen nicht nur dem König, sondern man kann damit auch allerhand käuflich erwerben. Dass das Preisniveau in Norwegen „knapp“ über dem deutschen rangiert, hat fast jeder schon mal gehört, vor allem wenn man sich über die Preise alkoholischer Getränke austauscht. Nun könnte man gemeinhin denken, dass also der klassische Norweger die Taschen voller Kronen trägt, denn den Geldbeutel von tausend auf null Kronen zu schrumpfen bedarf nur einer geringfügigen Einkaufstour. Jedoch tickt Norwegen hier in bezug auf Bargeld völlig anders.

In die Stadt gefahren um eine Backform für traditionellen norwegischen Hochzeitskuchen zu kaufen, dessen Traditionalität den jungen Norwegern allerdings mehr und mehr abhanden zu kommen scheint, erfreue ich mich an einem Kaufpreis von fünfhundert Kronen für achtzehn kreisrunde Alu-Back-Ringe, an denen ich angesichts des Preises noch die Vergoldung suche, als mir die Verkäuferin wie selbstverständlich das Kartenlesegerät zuschiebt. Als ich elegant meine bunten Scheinchen zücke, ernte ich Blicke der Verwunderung und bekomme einen Fortgeschrittenenkurs in norwegischer Kartenlehre. Profis buchen fünfhundert Kronen auf acht verschiedene Karten. Ist doch auch viel praktischer, da man erst am Ende des Monats den Gesamtschock in aller Ruhe genießen kann, den einem die Kartenabrechnung beschert. Schlendert man durch die Stadt setzt sich die Kartentradition überall fort, jeder noch so kleine Betrag freut sich, wenn er sich mit dem Magnetstreifen einer Karte vereinen kann. Außerdem ergibt sich daraus auch der unschätzbare Vorteil, dass einen das Gewicht der Münzen nicht zu Boden reißt, denn überlichweise sammeln sich Zehn- und Zwanzigkronenstücke gerne zu Hauf in der Geldbörse.

Was sich allerdings auch sammelt, ist des Norwegers überdimensionierter Hang zur Hilfsbereitschaft. Hilflos auf der Karl-Johanns-Gata, der Einkaufsstraße Oslos in der Gegend rumgeschaut, dauert es üblicherweise weniger als zehn Sekunden bis man einen norwegischen Personal Shopper sein eigen nennen darf, der einem hilft den gesuchten Shop oder das gesuchte Produkt zu finden. Das gilt ebenso für Fragen nach dem Weg und alles, was man auf der Straße ab und zu fragen muss.

Und das tröstet einen. Auch noch wenn er kommt. Der Schock. Mit der Kartenabrechnung.

 

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