Von zurückhaltendem Luxus und Reichtum

Norwegen, das Land der Natur, der Fjorde, der vollkommenen Ursprünglichkeit, stopp! Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint kennt Norwegen doch seine Statussymbole, die der Norweger an sich ganz still und heimlich für sich beansprucht, ohne Protz, ohne Neid auf andere, weil in Norwegen sowieso jeder quasi dasselbe hat. Es wird gut verdient, also leistet man sich etwas. Dass es quasi nach neun Monaten zwangsgeräumt wird scheint sich jedes norwegische Baby ziemlich zu Herzen zu nehmen, denn erstes Streben ist der Besitz nach einem Eigenheim. Entsprechend rangiert die Eigenheimquote Norwegens zusammen mit Spanien auf Platz eins in Europa. Und auch der Staat legt sich in dieser Hinsicht mächtig ins Zeug und beschert bereits Studenten durch staatlich geförderte Kredite und Supergünstigzinsen den Bau des ersten heimischen Nestes.

Ja und dann ist da noch die Sache mit der Hütte. Auch wenn der Norweger sich dem Luxus durchaus nicht verschließt, so bewahrt er sich ein Stück Bodenständigkeit mit einem am Strand oder auf dem Berg gelegenen Holzkleinod. Und hier genießt er einfach. Die Natur seines Heimatlandes, Angeln, Segeln, Ski fahren oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Und genau hier ist dann auch der Luxus unerheblich. Während dem Mitteleuropäer im Allgemeinen eher unbehaglich ist auf den Komfort des städtischen Lebensstandards zu verzichten, sind viele Norweger genau wild darauf. Kein fließendes Wasser, kein Strom, keine Toilette (die befindet sich draußen als Holz-Einmannzelle) lässt Norwegers Augen leuchten. Wobei das nicht heißt, dass es nicht auch ausgesprochene Luxushütten mit allem schnick und schnack gibt.

Ja und das Auto. Sein Auto hat auch der Norweger in sein Herz geschlossen. Nur die Luxussteuer bereitet ihm zuweilen Schnappatmung, denn je größer der Hubraum, umso mehr bewegt sich diese reizende einmalige Abgabe in Richtung Originalneupreis des Gefährts. Nichtsdestotrotz: der Norweger liebt deutsche Autos, auch wenn sie nicht gerade zu den preiswertesten gehören.

Ein gutes Durchschnittseinkommen (es liegt zur Zeit bei ca. 5.000 Euro) und verhältnismäßig wenig Steuerabgaben (in der Regel 38% inkl. aller Sozialabgaben) bescheren Norwegen einen abgeschlagenen 17. Platz in der europäischen Rangliste der Lohnabgaben, in der Deutschland nach wie vor die Bronzemedaille hält. Das Paradies könnte man meinen aber wieder: stopp! Dafür hält der norwegische Staat einen bunten Reigen von Gebühren bereit, die für alles und jedes erhoben werden, allein die Mehrwertsteuer kann man mit 25% als saftig bezeichnen.

Und wer in Oslo in die Straßenbahn steigt, könnte gemeinhin denken, dass der ein oder andere Lackpinsel selbigen hier und da auftragen könnte, damit der Rost nicht allzu sehr sichtbar ist. Aber Norwegen gewichtet die Verwendung seiner Einnahmen aus der Ölförderung anders. Diese werden im Pensionsfond gebündelt und vermehrt, das Wort „Staatsschulden“ ist ein Fremdwort und kommende Generationen werden in punkto Wohlstandssicherung vom Staat gehegt. Eher WIE das Geld vermehrt wird, bereitet Norwegen Sorgen, denn der Ethikrat wacht aufmerksam über das „wie“.

Kurz und gut: wer in punkto Einkommen, Bildungsstandard und Lebenserwartung auf den vordersten Plätzen der Welt rangiert, dem sei es verziehen in punkto Infrastruktur und Gesundheitswesen leicht daneben zu greifen. Letzteres ist ja wieder mit Geld kompensierbar!

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