Türchen öffnen auf norwegisch oder: wo geht’s denn hier zum Weihnachtsmarkt?

Adventszeit ist Weihnachtsmarktzeit. Im Allgemeinen verbinde ich das mit hektisch Umherirrenden, die sich zwischen Bratwurst und Glühwein anschicken in überfüllten Geschäften dem Konsum zu frönen. Besinnlich und gemütlich bleibt da schnell auf der Strecke. Ich gebe zu, dass es für mich der Horror schlechthin ist über Weihnachtsmärkte zu bummeln, zumindest, wenn sie sich in Deutschland befinden. Zeit also, Norwegen dem ultimativen Weihnachtsmarktcheck zu unterziehen. Mit Großstädten ist man da ja schnell am Ende. Bedeutet das, dass es hier mit mehr Gemütlichkeit zugeht? Widmen wir uns zunächst der Hauptstadt. Da habe ich natürlich die meisten Gelegenheiten mal schnell ein bisschen Winterweihnachtszauber zu inhalieren. Jedes Jahr versucht man natürlich lichtermässig das Vorjahr zu übertreffen. Gut, dass in Norwegen die Preise für Strom so günstig sind, da kann man voll durchstarten. Das nimmt sich Oslo dieses Jahr besonders zu Herzen. Es scheint, als wenn die Stadt landesweit den ersten Preis für Weihnachtsbeleuchtung gewinnen will. Sehr zur Freude derer, die sich dem Lichterspektakel hingeben. Der Weihnachtsmarkt „Jul i Vinterland“ befindet sich wie jedes Jahr zwischen Nationalteatret und Parlament und wartet diesmal mit einer 1A-Beleuchtung auf. Man verfällt förmlich in den Romantikmodus, wenn man durch die Laubengänge schreitet, die über und über mit tausenden von LED-Leuchten gespickt sind. Ein wahrer Augenschmaus. Da trinken sich Glögg und Co. doch gleich noch einmal so gut.

Copyright: VISITOSLO/Didrick Stenersen http://www.visitnorway.com

Natürlich ist auch das Riesenrad wieder da und man kann in schön exponierter Position auf diejenigen blicken, die ihr sportliches Glück auf der Schlittschuhbahn versuchen. Natürlich sieht das Lichtermeer von oben ganz besonders zauberhaft aus. Zur einen Seite der zu Füssen liegende Weihnachtsmarkt, zur anderen Seite das hell erleuchtete Schloss. So geht Weihnachtsstimmung. Zwar kann man in Oslo nicht davon sprechen, dass man allein auf weiter Flur weilt, wenn man nach der Arbeit ins Vinterland huscht, aber man trampelt sich nicht tot, kann einen Blick auf das werfen, wofür man die ein oder andere Krone ausgeben kann und ist nicht schon nach fünf Minuten so genervt, dass man am liebsten auf die Couch nach Hause möchte.

Beschaulicher geht es auf dem Weihnachtsmarkt im Osloer Folkemuseum zu. Am ersten und zweiten Adventwochenende öffnete er dieses Jahr seine Tore. Ja, im Folkemuseum geht es eben exklusiv zu. Kein dauerhafter Weihnachtsklimbim sondern echte Tradition. Bietet sich ja vor der historischen Kulisse auch an. Hier trägt man traditionell Tracht, die Kids werden zu einem Haufen kleiner Nisse und haben mächtig Spass. Wer will kann sich mit Handwerkskunst eindecken oder einfach nur vom frisch gebackenen weihnachtlichen Brot kosten, das vom Ofen gleich in den Magen wandert. Dazu gibt es Volkstanz, Adventsstunden in der Stabkirche des Museumsgeländes und Adventsgesang. Ja, da kommt Weihnachtsstimmung auf. Die alten Gebäude tun ihr Übriges, dass man sich förmlich in eine andere Zeit zurück versetzt fühlt. Wer ein Stück norwegische Kultur erleben möchte, sollte unbedingt mal hier vorbei schauen.

Paal Mork/Norsk Folkemuseum – visitnorway.com

Schauen wir ein Stück nach Norden, denn da thront die Hauptstadt der Provinz Hordaland – Bergen. Natürlich gibt es auch hier einen Weihnachtsmarkt, hübsch drapiert auf dem Festplassen. Wenn der schon mal so heisst, kann man das Spektakel ja auch dort stattfinden lassen. Das, was es zu kaufen gibt, wiederholt sich natürlich in den meisten Städten, das Spektrum der Weihnachtswaren ist ja schliesslich endlich. Allerdings muss man sagen, dass Bergen den unschlagbaren Vorteil hat, dass es eben von Bergen umgeben ist. Die Häuser schmiegen sich an die Hänge und sind so herrlich gemütlich beleuchtet. Was ein Glück, dass der Norweger an sich per se nicht in ein dunkles Haus kommen mag, wenn er von der Arbeit kommt. Folglich trägt jedes Haus Festbeleuchtung und strahlt sein warmes Licht von den Bergen herab zum Weihnachtsmarkt, der mit seiner eigenen Festbeleuchtung zurück strahlt. Herrlich.

Wer die volle Dröhnung will, kommt am Eröffnungswochenende. Da ist zunächst noch alles dunkel. Keine Lichter, kein festlicher Weihnachtsbaum. Kein beleuchtetes Haus. Am späten Nachmittag versammelt man sich am Festplassen. Die Stadt ist dunkel. Mancher wird sich an diesem Tag fragen, was denn die riesige aufgebaute Leinwand da soll. Dann wird es ganz still. Wie von Zauberhand erscheinen auf der übergrossen Leinwand Weihnachtsliedertexte. Und ehe man sich versieht singen tausende Norweger auf dem Festplassen die ganze Palette weihnachtlichen Liedguts. Da ist es schwer vor Rührung nicht in Tränen auszubrechen. Immer noch brennt kein Licht. Nach einer halben Stunde wird runter gezählt. Is schon Neujahr? Nein, kaum ist der Countdown vorbei, erstrahlt auf einen Schlag die Beleuchtung der riesengrossen Tanne, die auf dem Platz aufgestellt ist, die Hausbewohner an den Hängen beleuchten ihre Häuser und auch sonst gesellt sich auf einmal die gesamte Weihnachtsbeleuchtung hinzu. Mehr Weihnachtsstimmung geht nicht. Von null auf hundert und der Startschuss für die Adventsglückseligkeit. Zauberhaft!

Bergen Tourist Board / Robin Strand – visitBergen.com www.visitnorway.com

Wer Lust auf Süsses hat, schaut in der Pferfferkuchenstadt Pepperkakebyen im Sentralbadet vorbei. Die ist zwar nicht dafür gedacht, dass man sie aufisst, zumindest nicht sofort, aber sie ist herzallerliebst anzuschauen. Kindergärten und Schulen legen sich hier jedes Jahr mächtig ins Zeug um Bergen aus den süssen Köstlichkeiten nachzubauen. Das ist nicht ganz so perfekt wie im Miniaturwunderland, aber Lebkuchen ist ja auch nicht das perfekte Baumaterial. Trotzdem ist die Zuckerstadt jedes Jahr der weihnachtliche Hingucker und man muss sich schwer im Zaum halten das Städtchen nicht an allen Ecken heimlich anzuknabbern.

Copyright: Bergen Tourist Board www.visitnorway.com

Noch ein Stück weiter geht es nach Norden, zu DEM Weihnachtsmarkt, wenn man an Norwegen denkt: Røros. 150 km südöstlich von Trondheim liegt die kleine Stadt, die im Winter regelmässig ganz besonders von sich reden macht. Der Weihnachtsmarkt in Røros konzentriert sich auf ein Wochenende und wartet mit Programm non stop auf. Da weiss man gar nicht, was man zuerst anschauen soll. Die Stadt tut alles um einen in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Und dabei geht es nicht darum, möglichst viel Konsumartikel an den Mann zu bringen. Nein, hier ist stressfreie Weihnachtsglückseligkeit gefragt. Die Stadt hat von je her Handwerkstradition und so kann man hier allerfeinstes norwegisches Handwerk kaufen und das traute Heim mit einem Stück Norwegen ausstatten. „Made in China“ sucht man hier Gott sei Dank vergeblich. Natürlich probiert man sich durch allerhand norwegisches Traditionsessen, mal herzhaft, mal süss, kostet Fischspezialitäten des Landes, mit Liebe gemachte Pasteten und Salamis, aber auch Schokoladen- und Kuchenträume. Nichts für den schon zu engen Hosenbund. Wer will kann die Kalorien jedoch gleich wieder abtrainieren. Da der Norweger ja gerne der Lust an der Natur frönt, gibt es auch ein Wanderprogramm, da ist das schlechte Gewissen nicht allzu gross. Wer mehr der Kategorie „sportlich faul“ zugetan ist, so wie ich, lauscht den Mini Adventskonzerten die das ganze Wochenende über stattfinden. Oder man setzt sich einfach in den Schlitten und lässt sich in romantischer Manier bequem durch die kleinen Gassen ziehen. Warm verpackt unter Schaffell schaut man den Pferdchen zu wie sie vor dem Schlitten trippeln. Die Häuser sind liebevoll beleuchtet und bescheren das ultimative Norwegen-Feeling. Das liegt auch daran, dass in Røros der Begriff „weisse Weihnacht“ noch Programm ist. Die Natur erfreut die Region im Dezember meist mit reichlich Schneepracht. So geht Advent.

Thomas Rasmus Skaug – visitnorway.com

Fazit: wer auf der Suche nach reiner und beschaulicher Adventstimmung ohne Konsumtamtam ist, ist in Norwegen genau richtig. Solltet Ihr also im Winter nach Norwegen reisen wollen, lohnt es sich, seinen Trip in die Adventszeit zu legen, denn der nächste Advent kommt bestimmt!

 

Hitze bis zum Abwinken oder: ist Oslo neuerdings in Italien?

Wer braucht schon Urlaub in Italien, wenn man eine Hitzewelle auch in Oslo bekommt. Moment mal, Hitzewelle? Also eigentlich habe ich ja Norwegen deshalb zu meinem Aufenthaltsland erklärt, weil sich da der Sommer so fabelhaft aushalten lässt. Im Grunde ist ja Ende Mai generell noch nicht das, was man gemeinhin als Hochsommermonat bezeichnen kann. Nicht so dieses Jahr. Bereits seit zwei Wochen schwitzen wir in Oslo, was das Zeug hält. Der Norweger an sich ist ja eher kühlere Temperaturen gewöhnt, kein Wunder, dass da der ein oder andere ein wenig irritiert ist, wie sich denn 30 Grad in die Hauptstadt verirren können. Und nicht nur in die Hauptstadt, sondern nach ganz Südnorwegen. Seit Wochen berichten die Zeitungen vom heissesten Mai aller Zeiten in Norwegen. Das ist für mich, die ich ja ausserhalb meines Reiseleiterjobs als Fotografin unterwegs bin, besonders erbaulich. Nicht selten kletterte das Thermometer über die 40 Grad in der Sonne und Städte haben ja die Angewohnheit, dass der heisse Asphalt den Schwitzfaktor noch ein Stück in die Höhe treibt. Ideale Bedingen also um Fotos zu machen. Die Norweger jedenfalls haben sich entschieden aus der Not eine Tugend zu machen und sich kurzerhand ihrer Kleidung entledigt. Also nicht vollständig, aber in diesen Tagen sieht man auffällig viele gut trainierte nackte Männeroberkörper die Stadt bevölkern. Und wozu hat Oslo eine Vielzahl von Stränden, an denen man sich gelegentlich im Fjord Abkühlung verschaffen kann. Eigentlich kann man gleich im Fjord sitzen bleiben. Wer Urlaub hat ist König. Scheinbar hat das im Moment jeder, denn die Strände sind voll wie nie. Das hat tatsächlich etwas von Italien-Feeling.

Tjuvholmen; Copyright: insidenorway

Zeit, mich nach langer Zeit mal wieder auf den Oslofjord-Inseln auszutoben. Praktisch ist ausserdem, dass man bei der Überfahrt mit den öffentlichen Fähren den Wind als Grossventilator nutzen kann. Denn Wind ist im Moment ebenfalls spärlich gesät. Aber jeder will wohl zur Zeit auf die Inseln um sich Abkühlung zu verschaffen. Die Schlange am Fähranleger reicht gemeinhin bis zum Rathaus. Anstehen natürlich in der Sonne. Kein Wunder, dass jeder mit seiner Flasche Sonnenschutz hantiert. In jedem Laden sind die Regale mit den Anti-Sonnenbrandmitteln wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und das in Norwegen. Netterweise haben die Fährenbetreiber heute besonders viele schwimmende Transportmittel im Einsatz, so dass es hurtig geht, bis jeder seinen Platz auf dem Schiffchen findet.

Fähre im Oslofjord, Copyright: insidenorway

Ich habe mir heute mal die kleine Insel Lindøya als Ziel ausgeguckt. Bislang war ich meistens auf Hovedøya, der Hauptinsel sozusagen, oder auch Gressholmen, wo der Vögel liebster Platz ist. Auf den restlichen Inseln hat sich vor allem der gut situierte Osloer ein kleines Wochenenddomizil zugelegt. Das verspricht, dass dort weniger Betrieb ist als an den Stränden, wo die Allgemeinheit das kühle Nass geniesst. Lindøya hat ausserdem die schöne Eigenschaft, dass es gleich zwei Fähranleger hat, im Westteil und im Ostteil. Wie geschaffen um die Insel zu durchqueren. Von ausgedehnter Wanderung kann man ob der Winzigkeit der Insel zwar nicht sprechen, aber in der Hitze ist das vollkommen ausreichend. Ich steige also am westlichen Anleger aus und bin gleich verliebt in dieses zauberhafte Eiland. Zur Orientierung stapfe ich erst einmal denen hinterher, die mit kleinem Gepäck bewaffnet ebenfalls aussteigen. Ferienhausidylle. Und es ist wirklich ein Idyll. Kleine Häuschen schmiegen sich an die Hügel der Insel, klein, bunt, niedlich, da lacht einfach das Norwegenherz. Ich überlege kurzfristig mir einen Ferienhausbesitzer zu angeln. Die Vorstellung hier jedes Wochenende der Entspannung zu frönen ist einfach zu schön. Heute muss ich mich aber wohl mit gucken begnügen. Schon nach wenigen Minuten erreiche ich die erste Bucht. Zauberhaft. Die Felsen ragen flach in den Fjord und formen so etwas wie eine private Badewanne. Wassertemperatur? Herrlich. Da das Wasser hier recht flach ist, heizt es sich schnell auf und spendiert Abkühlung der Extraklasse. Kein Wunder, dass eine Gruppe von Schwimmern lustig im Fjord paddelt. Ansonsten lässt man sich auf der Luftmatratze in den sanften Wellen treiben. So geht Urlaubs-Feeling.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Ostteil der Insel. Immer wieder formen die Felsen kleine Buchten, manche mit grobem Sandstrand, manche mit einer Mischung aus kleinen Kieselsteinen und Muschelschalen, allesamt herzallerliebst. Da möchte man gleich eins der Boote mopsen, die da verschlafen an den Stegen liegen liegen und sich auf dem Fjord den Wind um die Nase wehen lassen. Auch Familie Gans macht es so. Gerade sind die kleinen geschlüpft und schon geraume Zeit watschelt eine ganze Familie eifrig schnatternd hinter mir her. Zur Abkühlung hüpfen sie immer wieder in den Fjord und schwimmen eine Weile neben mir her. Aber da ja gelegentlich auch etwas in den Schnabel muss, watscheln sie immer wieder an Land und auf mich zu, in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt. Heute haben sie allerdings Pech. Ich habe nichts dabei, was zum Gänsefutter taugt.

Um zum östlichen Fähranleger zu kommen, geht es nun quer über die Insel. Man kann sich gar nicht satt sehen an den niedlichen Häuschen. Die Grundstücke sind klein und kuscheln sich dicht an dicht, die Häuschen haben mal eine niedliche Veranda, mal einen gemütlichen Grillplatz. Norwegenglückseligkeit. Da vergisst man glatt die Affenhitze. Kann man hier ja auch. Der reine Luxus hier eine Hütte zu besitzen. Am Fähranleger geniesse ich bis das Schiffchen kommt nochmal das herrliche Fjordwasser mit Blick auf die Stadt. Herrlich anzusehen, während die Beine in der wunderbaren Abkühlung wohnen.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Also Leute: ein Besuch der Oslofjord-Inseln ist Pflicht, wenn Ihr die Hauptstadt besucht, denn es ist wie die kleine Flucht in eine kleine Welt der Idylle und des allerliebsten Norwegenglücks. Do it!

Die Hauptstadt war schon lange nicht mehr dran oder: auf Herbstfototour in Oslo

Seit ich als Reiseleiterin ständig in ganz Norwegen unterwegs bin, sind meine fotografischen Abenteuer in der Hauptstadt etwas eingerostet. Nein, so geht das nicht weiter. Zehn Tage tourfrei kommen da geradezu gelegen um fotografisch Neues auszuprobieren. Und Oslo hat sich sogar überlegt mit gutem Wetter zu glänzen. Für gewöhnlich bin ich auf Regen abonniert, wenn ich denn mal zu ausgedehnten Fototouren starten will. Diesmal nicht. Erste Station: Bygdøy. Die Museumshalbinsel ist für mich ja einer der Spazierganghotspots der Stadt und das Fotografenherz schlägt hier höher. Wenn man sich auf den Weg zur kleinen Bucht Huk macht, gerät man schon in Entzücken, wenn man am idyllischen Privatstrand vorbei kommt, wo die Boote verschlafen am Steg liegen. Ausserdem leuchten hier jetzt die Bäume in allen Herbstfarben. Das beste Licht gibt es in der goldenen Stunde, also kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Das Sternchen steht dann tief am Himmel, die Schatten sind weich und „goldene Stunde“ kann man hier wörtlich nehmen. Ein optisches Fest. Ich will mich diesmal an Langzeitbelichtungen versuchen, das wollte ich schon lange ausprobieren. Dazu setzt man der Kamera quasi eine Sonnenbrille auf, die den Sensor so weit abdunkelt, dass man problemlos auf Belichtungszeiten von mehreren Minuten kommt. Der Effekt: jedes Wasser wirkt wie glatt gezogen, das Idyllbarometer steht auf höchster Stufe.

Huk, Copyright: insidenorway

Scheinbar ist hier heute Fotografentreff. Ich bin ja eher gewöhnt, dass man etwas komisch angeschaut wird, wenn man tagsüber mit Stativ unterwegs ist. Ja, aber aus der Hand ist bei Langzeitbelichtungen nichts drin. Auch über meinen Fernauslöser bin ich extrem dankbar, denn schon beim Drücken des Auslösers lässt sich eine Aufnahme herrlich verwackeln und man erfreut sich nach einigen Minuten Wartezeit – belichten, rechnen – an einer misslungenen Aufnahme. Nein, das hebt die Laune nicht. Ausserdem kann man mit extrem langen Belichtungszeiten die anderen Spaziergänger wegzaubern, gerade bei Aufnahmen in der Natur empfinde ich das als willkommene Nebenwirkung. Und das liegt einfach daran, dass ein sich bewegendes Objekt sich zu kurz an einem Punkt befindet, damit der Kamerasensor es wahr nimmt. Funktioniert übrigens auch auf grossen Plätzen mitten in der Stadt, die man so einfach leer fegen kann. Sehr praktisch.

Auch am Strand mache ich den Versuch einer Langzeitbelichtung. Eigentlich steht die Sonne dafür zu frontal, aber heute herrscht so herrliche Ebbe, dass die Steine, die sich am Ufer im Wasser tummeln, so entzückend vom Fjordwasser umspült werden. Und probieren geht ja bekanntlich über studieren. Ein paar Norweger haben sich mit Einweggrill am Strand eingerichtet und wahrscheinlich fragen sie sich, was das denn werden soll, als ich mein Stativ aufbaue. Noch ein Vorteil von Langzeitbelichtungen. Man verlässt den Ich-knipse-mal-schnell-Modus und muss sich viel genauer überlegen, was denn jetzt aufs Bild kommen soll. Damit wird auch deutlich, dass es für jeden, der sich nicht für Fotografie interessiert, die Hölle ist, unbeteiligt daneben zu stehen. Wenn man an der Kamera hantiert und alles einrichtet, wundere ich mich immer wie schnell ein paar Stunden drauf gehen, bis man ein paar verschiedene Aufnahmen im Kasten hat. Dafür kann man aber auch nach der Fotoorgie mit aussergewöhnlichen Aufnahmen aufwarten.

Huk, Copyright: insidenorway

Nächste Station Innenstadt. Diesmal ist Tjuvholmen dran. Bekanntlich gibt es ja auch dort genügend Wasser, das den Stadtteil umfliesst. Nach einer guten Aufnahmeposition muss ich etwas suchen. Schliesslich braucht man ja für ein gutes Bild einen passablen Vordergrund um so etwas wie Bildgestaltung zu vollziehen. Ja, da muss man sich schon auf die Steine bemühen, die da vor dem Astrup-Fearnley-Museum herumliegen. Beim Einrichten sehe ich schon die Kamera im Fjord liegen und die Passanten finden es auch belustigend, wie ich da auf den Steinen herumkrieche. Irgendwie befindet man sich bei der Motivgestaltung immer in Bodennähe. Jetzt im Herbst ist eine kleine Isoliermatte extrem hilfreich, wenn man nicht auf den kalten Steinen sitzen oder gefühlt stundenlang in Hockposition verbringen will.

Astrup Fearnley Museum, Copyright: insidenorway

Wo ich einmal dabei bin, will ich auch den Blick auf den Oslofjord als Langzeitbelichtung festhalten. Aber das wird heute nix, da der Bootsteg, den ich mir als  Standort ausgesucht habe, so in Schaukellaune ist, dass kein einziges wirklich scharfes Bild hinzubekommen ist. Pech. Ich versuche mein Glück an der nächsten Station, dem herrlichen Wasserfall am Akerselva, Oslos Stadtfluss. Hier ist immerhin alles fest auf der Erde befestigt, so dass schaukelnde Boote oder Stege hier eher weniger ins Gewicht fallen. An Wasserfällen ist der Langzeitbelichtungseffekt besonders schön, weil das Wasser so weich fliessend erscheint, dass es fast schon wie ein Gemälde wirkt. Da die Gischt heute besonders weit spritzt, ist es gar nicht so einfach, eine Aufnahmeposition zu finden, in der nicht in zwei Sekunden das Objektiv einen hübschen Wasserschleier hat. Aber wer suchet, der findet. Der extrem kalte Wind heute wiegt die Blätter der Bäume hin und her, nicht optimal. Ausserdem verbraucht man in fünf Minuten zehn Packungen Taschentücher, weil die Nase ununterbrochen läuft. Aber zu schön ist der Anblick der Wassermassen, die sich in die Tiefe hinab stürzen. Nach zwei Stunden bin ich dann aber doch durchgefroren und sehne mich nach einem heissen Tee.

Akerselva, Mølleparken, Copyright: insidenorway

Fazit: Ich finde es lohnt sich absolut, Langzeitbelichtungen einmal auszuprobieren. Es bringt eine Menge Spass und schärft den fotografischen Blick. Also ran an die Kamera und ausprobieren! 🙂

 

Feuerwerk der Farben – Herbst auf der Hurtigrute !

Schon wieder ging die Tour schneller rum, als man gucken konnte. Die MS Trollfjord brachte uns bis zum Nordrand Europas und zurück, inklusive aller Wetterlagen, Nordlichter und Herbstfarbenfeuerwerk. Auch dieses mal haben bei allen die Kameras geglüht und jeder hat die sagenhafte Landschaft voll ausgekostet.  🙂

Facettenreiches Norwegen auf der Hurtigrute !

Die Septemberreise hatte wirklich alles zu bieten, was eine unvergessliche Tour ausmacht. Von sommerlichen Temperaturen bis Sturm war alles dabei. Die Nordlichter haben uns gleich viermal beglückt. Und so kamen wir zurück, randvoll mit Erlebnissen. ❤

Buchen kann man bei uns übrigens auch. 🙂

Das kleine Paradies im Osten – Oslos schmusige Fjordinselchen !

Also den kleinen Zusatz –øya trägt ja in Norwegen so ziemlich jedes Eiland im Namen. Heißt ja auch schließlich Insel und davon gibt es dort ja bekanntlich einige. Warum sollte die Hauptstadt da eine Ausnahme machen. Und bei denen, die im östlichen Teil des Oslofjords liegen, ist man noch nicht mal auf die Fähre angewiesen. Man fährt einfach mit Auto oder Bus dorthin. Ok, wenn man die schmale Brücke nach Ulvøya passiert, fragt man sich ob der Bus überhaupt drüber passt und wenn, ob sie ihn trägt. Die Hängebrücke könnte nicht schmaler gebaut sein. Befindet man sich auf dem kleinen Inselchen so ziemlich genau in der Mitte, der Bus hält ebenfalls da, läuft man einfach gen Süden ans Ufer. Hier wartet der Strand der Insel. Zauberhaft. Und wer denkt, dass Strand nur im Sommer geht, wird gleich eines Besseren belehrt. Ich finde ja immer wieder großartig, wenn sich der gefrorene Oslofjord bis in den Sand schmiegt.

Ulvøya, Copyright: insidenorway

Ulvøya, Copyright: insidenorway

Hier kann man stundenlang stehen und trotzt der Kälte, weil der Anblick einfach zu schön ist. Die Kinder schlittern übers Eis, am Sprungturm  für die Sommerbadegäste sitzen Verliebte. Romantisch. Kein Gedanke ans sommerliche Grillen hier. Zu viel Frieden liegt über dem Ort, den man förmlich Angst hat zu zerstören.

Wer auf Ulvøya fertigromantisiert hat, kann gleich zur nächsten Insel hüpfen. Dazu nimmt man die besagte Brücke zurück und biegt gleich bei der nächsten Abzweigung ein nach Ormøya. Das mit dem -øya sagte ich ja schon. Auf dem großen Parkplatz kann man gleich halten, denn man MUSS einfach an den gegenüberliegenden Badesteg gehen. Vor allem, wenn die Sonne kurz davor ist in den Fjord zu fallen. Selbst die dort gelegene Fabrik hat im goldenen Schein etwas romantisches. Noch viel besser ist der Blick auf die kleinen Badehäuschen, die schon nach dem Frühling lechzen. Ich überlege nach wie vor wie ich an so ein Ding komme, am besten mit zugehöriger Yacht und norwegischem Traumhaus.  😛 Derer gibt es einige auf den Inselchen, auch wenn man quasi sehen kann, was der Nachbar zum Frühstück auf dem Teller hat. Mehr Häuser waren auf soviel Land wirklich nicht unterzubringen. 🙂

Ormøya, Copyright: insidenorway

Ormøya, Copyright: insidenorway

Angeln kann man hier natürlich auch. Also wer den Fisch im Frischezustand 1A haben möchte, hängt ein Würmchen an den Haken und wartet. Da ich ja nicht so der Angler bin, fahre ich lieber mit dem Auto über die Insel, also vielmehr fährt diesmal meine Freundin Silke und mit ihr muss man sich auch nicht wundern, wenn man gelegentlich plötzlich mit dem Auto auf einem Privatgrundstück steht, umgeben von verdutzten Norwegern, die sich fragen, was denn das blaue Auto in ihrer Einfahrt will. Aber: Silke fährt, auch wenn sie nicht weiß, ob man überhaupt am Ende der Straße drehen kann. Immerhin finden wir aber auch zur niedlichen kleinen Kirche, die hoch über der Insel thront. Entzückend.

Weiter geht es nach Malmøya. Das ist keine große Sache, denn man hüpft über eine kleine Brücke gleich von Ormøya dorthin. Und man kann gleich wieder aussteigen, nachdem  man an den aufgereihten Badehäuschen vorbei gefahren ist. Gleich hinter der Brücke kann man sein Auto irgendwo hinquetschen und genießt den Blick von Insel zu Insel. Man kann sozusagen rüberspucken. Obwohl hier alles ein bißchen gedrängt bebaut ist, verfällt man sofort in Gemütlichkeitsgedanken. Die Häuschen, die sich an den Hang schmiegen, die Bootsstege davor. Schwärm!

IMG_3665

Copyright: insidenorway

Alles in allem: wer die Inseln nicht besucht, verpasst was. Und Oslo übt sich damit mal wieder im Ich-hab-nen-riesen-Freizeitwert-Modus. Ja, die Hauptstadt ist eben nicht nur modern-urban, sondern auch ländlich-romantisch. Do it! ❤

 

Oslo auf dem Weg zum Frühling oder: Hauptstadtwandel zwischen zwei Jahreszeiten !

Februar. So langsam verabschiedet er sich. Der Winter. Und während er in Nordnorwegen sein Regiment zuletzt abgibt, dürfen wir in Oslo schon am Frühling riechen. Ok, auch bei uns weiß das Wetter noch nicht sooooooooooooo richtig, was es will und wir spielen Pingpong mit: Schnee – kein Schnee – Schnee – kein Schnee. Aber immerhin kann man die Spikes jetzt unter den Schuhen weglassen, Im Winter ist ja die Lieblingsbeschäftigung des Rathausplatzes Fußgänger zum Pinguinwalk aufzufordern. Kopf nach unten gesenkt, leicht nach vorne gebeugt, Trippelschritte. The Oslo walk of shame, aber effizient gegen Knochenbrüche und sonstige Unannehmlichkeiten, auf die man dankend verzichten kann. Überhaupt wird es jetzt wieder Zeit die Hauptstadt zu daten. Ok, ich gebe zu, ich bin in einer gewissen Liebesbeziehung zu ihr, jedoch kann man sich der kaum entziehen wenn Oslo gen Frühling wieder aufzublühen beginnt. Aber NOCH ist es ja nicht ganz so weit. Zumindest hüllen sich die Brunnenfontänen noch in Winterschlaf und der Schnee behält sich außerhalb der Stadt noch vor gegen den Frühling zu rebellieren. Die Marka gehört mir!

Rathausplatz, Copyright: insidenorway

Rathausplatz, Copyright: insidenorway

Ja, ok, im Grüngürtel der Stadt ist immer noch weiß die vorrangige Farbe, aber der Osloer macht was draus. Kein Wunder, dass am Wochenende in Bus und Bahn mehr Skier als Norweger sitzen, wozu hat die Hauptstadt denn auch sonst ihr riesengroßes Langlaufgebiet, Rodelpisten, den Winterpark und – den Holmenkollen. Nun gut, runterfahren ist mehr für Mutige, ok, Kenner, aber zugucken geht auch ohne Skisprungtalent.

 Aber zurück in die Innenstadt. Frühling und so. Schön, dass sich der Norweger an sich in diesen Tagen auch mal bequemt seine Weihnachtsdeko abzumontieren. Zuweilen fragt man sich, besonders in den Stadtteilen Akerbrygge und Tjuvholmen, ob man den Balkonweihnachtslichterglanz nicht gleich als Frühlings-, Sommer- und Wasweißichwasdeko deklarieren sollte, dann kann es wenigstens ganzjährig hängen bleiben. Wo Oslo ja sonst stets über Nacht die Dekobereinigungskönigin ist, waltet man im Postweihnachtsmodus mit norwegischer Gelassenheit. Auch Dekoweihnachtsbäume bleiben gerne bis Mitte Februar stehen.

Akerbrygge, Copyright: insidenorway

Akerbrygge, Copyright: insidenorway

Der frozen Fjord beugt sich den ersten Sonnenstrahlen und die Mini-Eisschollen, die auf ihm treiben, lösen sich in Wohlgefallen auf. Allenfalls eine papierdünne Eishaut bleibt, das letzte Aufbäumen, bevor die Minusgradfraktion in den Sommerurlaub geht. Und parallel zum Eisschwund im Fjord gibt es Eisaufrüstung in der Paradis Gelateria. Für mich persönlich ja ein Segen, dass sie im Winter nie ganz schließt, sondern nur auf Eissparflamme läuft. Jetzt ist es Zeit wieder alle Eisleckereien ins Sortiment zu nehmen. Über das Hüftgoldding reden wir nicht. Und wo wir gerade beim Schlimmfood sind: niemals ins Espressohouse Akerbrygge gehen. Es sei denn man will nur auf die Festung Akershus schauen, einen schnöden Kaffee genießen und ist die Reinkarnation der Disziplin. Alle anderen sollten sich hüten, einen Blick auf den Caramell-Cheesecake zu werfen. Suchtfaktor 100! Selbst, dass er umgerechnet 8€ kostet, kann einen nicht von diesem Teufelsding abhalten.

Caramellcheesecake Espressohouse Akerbrygge, Copyright: insidenorway

Caramellcheesecake Espressohouse Akerbrygge, Copyright: insidenorway

Ja und auch die Touristen werden jetzt wieder mehr und kommen um sich in  die Hauptstadt zu verlieben. In die Architektur, in die Restaurants und ins Nachtleben. In die Sonnenuntergänge im Oslofjord, in die Parks, in die Natur rund um die Stadt – und nicht zuletzt in den Gedanken wieder zu kommen. Entflammt in Oslove! ❤

Der Akerselva – 10km Wanderglück oder der heimliche Naturstar von Oslo

Das Argument „In der Stadt gibt es ja keine Natur“ kann man in Oslo getrost vergessen. Die Hauptstadt überzeugt einen einfach mal so eines Besseren. Einer meiner Lieblingsorte der Stadt ist ja der Fluss Akerselva. Vor allem Sonntag morgens. Der Fluß animiert mich regelmäßig am Wochenende früh aus den Federn zu springen, die Kamera zu zücken und meine Kondition mit einem Fußmarsch zu verbessern. Besonders jetzt im Herbst wenn die Blätter beginnen zu leuchten.

Also auf zum Maridalsvannet, dem größten See Oslos, der an sich schon einen ausführlichen Spaziergang wert und Ausgangspunkt der Wanderung ist. Aber diesmal will ich kein See-Feeling, sondern mich an der Schönheit der Flussnatur laben, vor allem weil ich weiß, dass auf halber Strecke die köstlichsten Waffeln der Stadt winken. Marschiert man durch, braucht man für die Wanderung ca. zwei Stunden, aber das wird der zauberhaften Strecke nicht gerecht. Und diesmal schon gar nicht, da nach regenreichen Tagen die Wasserfälle entlang der Flussstrecke zu imposantem Getöse anschwellen und man in Form von Gischt auch noch die Sonntagmorgendusche ersetzen kann. 😉 Also Zeit einplanen.

Ich starte somit am See und habe nach kurzer Zeit vergessen, dass ich mich überhaupt in einer Stadt befinde. Das Laub leuchtet schon zartgelb, die Daddys schieben stolz ihren Nachwuchs an der Strecke entlang, die Jogger schwingen sich auf zum Frühsport und ich genieße den idyllischen Anblick zusammen mit der Aussicht auf Enten, Äste, die sich tief über den Fluß neigen und die frühherbstliche Morgensonne, die sich ihren Weg durchs Geäst sucht. Deshalb muss ich auch so ungefähr auf jeder zweiten Parkbank mit meinem Coffee to go innehalten und einfach nur die Seele baumeln lassen.

Akerselva, Copyright: insidenorway

Akerselva, Copyright: insidenorway

Und bald schon kommt das Getöse näher. Es ist ja auch unüberhörbar, auch wenn der obere Wasserfall noch der kleinste ist, macht er Krach für zehn. Zwischendurch überquert man den Fluss immer wieder mal und direkt über den Wassermassen stehend gibt man sich fasziniert der Naturgewalt des Wassers hin. Auch die Brücken sind übrigens zauberhaft, aus Holz, mit weißlackierter Aufhängungskonstruktion. Idyllisch. Und natürlich befinden sich an einer auch zahlreiche Liebesschlösser. Romantisch.

Ja und wie ich schon sagte, kommt man nach halber Strecke an Hønse-Lovisas hus vorbei, einem der zauberhaftesten Orte von Oslo wie ich finde. Benannt nach einer literarischen Figur und 1800 gebaut, schmiegt sich das Häuschen mit seinem roten Anstrich an den großen Wasserfall. Zeit für eine Einkehr. Es duftet herrlich nach frischen Waffeln, die mit Rahm und Konfitüre serviert werden. Wenn das Wetter gut ist, sitzt man gleich am Wasser in dem winzigen Garten, mehr Wohlbefinden geht nicht. Gleich gegenüber liegen alte Industriehäuser, die zu Wohnungen umgebaut wurden und mit ihrem Charme jeden entzücken.

Hønse-Lovisas hus, Copyright: insidenorway

Hønse-Lovisas hus, Copyright: insidenorway

Blick von Hønse-Lovisas hus auf die alte Industrielandschaft, Copyright: insidenorway

Blick von Hønse-Lovisas hus auf die alte Industrielandschaft, Copyright: insidenorway

Nachdem ich mir die Waffeln mit einem Kaffee habe schmecken lassen geht es weiter. Der Fluss ist ja noch lange nicht zu Ende. Und ab jetzt bestimmen die alten Industriegebäude auch die Uferlandschaft. Schließlich ist der Fluss ja auch die Wiege der Industrialisierung in der Hauptstadt. Oslo hat hier jedoch eine perfekte Symbiose geschaffen und die Bauten einfach zu Cafés, Galerien, Künstlerherbergen und Kultureinrichtungen umfunktioniert. Das Ergebnis: der Akerselva kommt auf diesem Abschnitt herrlich bunt daher, Backsteinfronten wechseln ab mit Graffiti-Häuserfronten, die selbst bei trübem Wetter ein Leuchten in den Tag bringen. Zwischendurch sollte man unbedingt links und rechts in die Gassen schauen, denn auch hier tun sich zuweilen entzückende Hinterhöfe auf.

Akerselva, Copyright: insidenorway

Akerselva, Copyright: insidenorway

Als ich im Stadtteil Grünerløkka angekommen bin gehe ich wieder an „Deck“, sprich hinauf in den Stadttrubel. Und das ist wirklich so, denn einige Streckenabschnitte sind tiefer gelegen, so dass man förmlich in die Natur „abtaucht“. Deshalb sind nach starken Regenfällen auch manche Uferregionen überflutet.

Für dieses mal ist die Wanderung also beendet. Bis zum nächsten Walk am Naturstar von Oslo. 🙂 ❤

Fjordidylle? – in Norwegen gibt es auch Städte! Ja ok, die Natur ist immer dabei.

Für manch einen ist die Existenz von Städten in Norwegen eine Überraschung. Denn kaum jemand fährt wegen der Städte dorthin, Oslo vielleicht ausgenommen. Die meisten sind eher durch Fjorde, Angeln, Berge, Wandern oder was man eben sonst so in der Natur macht, motiviert nach Nordeuropa aufzubrechen. Ok, Mitternachtssonne und Polarlichter sind auch ein Thema. Aber es gibt sie tatsächlich. Städte in Norwegen. Und darunter einige wirklich sehenswerte. Bei mir hat sich ja im Laufe der Zeit so etwas wie eine Städte-Highlight-Liste manifestiert. Obwohl es zuweilen schwierig ist alle Städte miteinander zu vergleichen, weil sie so unterschiedlich sind, schon allein der extrem unterschiedlichen geographischen Lage wegen.

Mein Liebling ist und bleibt ja Oslo, weil es sich dort nicht nur wunderbar leben lässt, sondern weil die Hauptstadt an Dynamik nicht zu übertreffen ist, trotz der Größe einen Mega-Gemütlichkeitsfaktor hat, viel Kultur, viel Freizeitvergnügen, eben von allem das meiste in Norwegen. Hauptstadt eben. Jeder fünfte Norweger lebt hier.

Oslo, Copyright: insidenorway

Oslo, Copyright: insidenorway

Aber da gibt es ja noch mehr. Eine meiner Lieblingsstädte ist ja nach wie vor Bergen in der Provinz Hordaland und so ziemlich das größte Regenloch des Landes – obwohl: hatte ich bei meinen Besuchen immer nur Wetterglück oder stimmt das mit der regenreichsten Stadt Europas gar nicht. 😉 Regen hin oder her, die Stadt hat ne Menge zu bieten, von den berühmten Hansehäusern über den Fischmarkt, Aussichtsberge, Hurtigruten, Museen und und und. Und auch das Umland kann sich sehen lassen. Der Hardangerfjord liegt in der Nähe…..ups….doch schon wieder Natur. Ich glaube, genau DAS macht den Reiz der meisten Städte in Norwegen aus. Wenn man vom Trubel genug hat, kann man ruckzuck in der Natur auftanken. Und zwar in Natur der Marke „Atemberaubend“.

Nicht ganz so weit von Oslo liegt ja noch Lillehammer. Irgendwie wird die Stadt gerne vergessen stelle ich fest, die meisten erinnern sich gerade noch, dass da mal olympische Winterspiele waren. 1994. Aber das ist ja schon zwanzig Jahre her. Den Olympia-Park kann man natürlich heute noch besichtigen, im Sommer steht die Anlage ein bißchen traurig herum, nun gut, Skisprungschanzen beeindrucken eben am meisten im schneebedeckten Zustand. Die herrlich bunten Holzhäuser in der Innenstadt sind allerdings zu jeder Jahreszeit ein Highlight und erst recht der 117km lange Mjøsa-See, an dessen Nordufer die Stadt liegt. Merke: schon WIEDER Natur. 😉

Lillehammer

Lillehammer

Wechseln wir an die Westküste. Gut 300km nördlich von Bergen liegt Ålesund, definitiv auch einer meiner Favoriten. Hier gibt es Jugendstil bis zum Abwinken, den Atlantic Sea Park, die Stadt verteilt sich auf mehrere Inseln und nicht zu vergessen: die blaue Stunde. Im Grunde bezeichnet die „blaue Stunde“ nichts anderes, als dass das Blau des Himmels seine spektrale Zusammensetzung ändert. Physikalisch unromantisch und überall auf der Welt vorkommend, aber in Ålesund ist sie eben besonders zauberhaft. Für die Natur-Unersättlichen: der Geirangerfjord liegt vor der Tür.

Noch weiter nördlich liegt Trondheim. Der Stadt ist in unserem Blog ja schon ein eigener Artikel gewidmet. Nidaros-Dom, Stiftsgården (das größte Holzpalais Skandinaviens) und Kanalhafen gehören zum Pflichtprogramm.

Blaue Stunde in Ålesund, Copyright: Per Eide/visitnorway.com

Blaue Stunde in Ålesund, Copyright: Per Eide/visitnorway.com

Noch weiter nach Norden geht es. 350km nördlich des Polarkreises lockt Tromsø. Wahrzeichen ist die Eismeerkathedrale und sie ist auch unübersehbar. Außerdem ist der nördlichste botanische Garten der Welt ein Muss, alles, was in anderen Botanischen Gärten vor Wärme umkommt, erfreut sich hier regen Wachstums. Und dann Polaria, arktisches Aquarium, das einen in die Tierwelt der Arktik entführt, für alle, denen es zu kalt ist selbst im Polarmeer rumzutauchen. 😉

Schluss ist mit Norden allerdings noch nicht. Aber die Städte, die in Richtung Pol jetzt noch ausstehen, können flairmäßig ihre geographische Lage nicht verleugnen. Ich stelle fest, das Stadtfeeling nach Norden ab- und Natur eindeutig zunimmt. In Kirkenes zum Beispiel. Ja die Stadt an sich kann man keine architektonische Perle nennen und norwegisches Bilderbuchflair? Nein, nicht wirklich. Eher Grenzfeeling. Bis Finnland sind es 35km, bis Russland nur 10km. Gut, also wir schwenken wieder in die Naturaktivitäten. Und die sind erstklassig. Schneemobil, Flussboot, Quad, Wander- und Angeltouren, Königskrabbensafari, Eisfischen und Hundeschlitten. Langweilig wird es nicht. Im Sommer kommt die Mitternachtssonne hinzu, im Winter die Polarlichter. Das teilweise städtebauliche Grauen denkt man sich weg. 😉

Königskrabbensafari bei Kirkenes, Copyright: Terje Rakke/Nordic Life - Visitnorway.com

Königskrabbensafari bei Kirkenes, Copyright: Terje Rakke/Nordic Life – Visitnorway.com

Ja und jetzt? Jetzt ist Europa zu Ende. Moment, nein da ist noch was. Etwas, das ganz einsam im Nordpolarmeer liegt, eine Inselgruppe, die wie ich finde zu den norwegischen Highlights gehört. Spitzbergen. Oder Svalbard, wie es in Norwegen heißt. Natürlich gibt es auch hier eine Stadt, mit dem abenteuerlichen Namen Longyearbyen, eine der nördlichsten Städte der Erde. Mit dem Prädikat „Stadt“ ist dann aber auch schon alles über Longyearbyen gesagt, der Bergbaufreak ergötzt sich an den alten Bergbauzechen. Alle anderen ergötzen sich an der Natur. Also das mit dem „Stadt ohne Natur“ scheint in Norwegen nicht zu gehen. 😉 Aber man befindet sich hier ja auch wirklich, wo sich die Polarfüchse nicht nur sprichwörtlich gute Nacht sagen. Ebenso die Eisbären, Svalbard-Rentiere und Svalbard-Gänse.

Longyearbyen, Spitzbergen

Longyearbyen, Spitzbergen

Fazit: Stadt und Land lassen sich in Norwegen eben doch nicht so richtig trennen. Das ist der Zauber des Landes. Der Glamourfaktor nimmt nach Norden immer weiter ab. Und über den Norden da sagte einmal ein Norweger zu mir: Landsbygda er ikkje for sveklingar! (Die Landschaft ist nichts für Weicheier) Das sind wohl wahre Worte und ein Grund über seinen Weichei-Faktor hinauszuwachsen. Die Belohnung: ein erfülltes Norwegen-Herz!

Beim König zuhause oder – das ist ja richtig gemütlich

Also der königliche Palast thront ja auf einem Hügel mitten in der Hauptstadt und wann immer man vorbei kommt, tummeln sich Scharen von Touristen um die königliche Residenz. Ist ja auch nicht in jedem Königshaus selbstverständlich, dass man quasi bei den Royals durchs Fenster schauen kann. Und da ja in Norwegen nun mal das Janteloven herrscht, dass sozusagen bedeutet, dass keiner besser ist als der andere, hält sich auch die königliche Familie dran und öffnet alljährlich im Sommer ihr trautes Heim für die, die immer schon mal wissen wollten, wie es denn so ist, zu hause, bei königs.

Det kongelige Slott, Copyright: insidenorway

Det kongelige Slott, Copyright: insidenorway

Und offensichtlich wollen das viele einmal wissen. Jedenfalls wird einem das schlagartig klar, wenn man sich bei der Kioskkette Narvesen brav in die Schlange stellt und ein Ticket lösen will. Ok, der Hauptstrom der Besucher konzentriert sich auf die Führungen in englischer Sprache, da ist wohl vorprogrammiert, dass die Tickets schnell vergriffen sind. Aber Führungen auf Norwegisch? Moment mal, nächster Termin Ende nächster Woche? Offensichtlich stürzt sich auch ganz Norwegen auf die nicht unbeträchtliche Anzahl Tickets, die für jeden Tag ausgegeben werden. Royaler Fankult sozusagen. Tausche 95kr gegen royal feeling.

Copyright: insidenorway

Copyright: insidenorway

Hinterm Schloss geht´s los. Jacken weg, Fotokamera weg, Handy weg, alles darf man in einem der Schließfächer verstauen. Für eine Fotografin wie mich so etwas wie Berufsverbot. 😉 Nun ja, man sieht es der königlichen Familie nach. Noch ein paar Überzieher über die Straßenschuhe und ab in die heiligen Hallen. Die sind dann auch wirklich – ich will sagen – richtig gemütlich. Zwar macht sich überall der royale Glanz bemerkbar, aber das viele Gold paart sich mit heimeligen Sitzgelegenheiten und im Bett der Gästesuite lässt es sich bestimmt herrlich ausschlafen. Ich erwische mich mehrmals bei dem Gedanken zu überlegen, welchen übrig gebliebenen norwegischen Prinzen ich heiraten könnte. Aber Prinzen sind in Norwegen ausverkauft. 😀 So gemütlich „unschlossig“ die Räume der Königswohnung sind, umso prachtvoller ist der Ballsaal, in dem man sich gleich an die Festtafel setzen möchte, die dort aufgestellt ist. Ja, da schwelgt man in Hochzeitserinnerungen von 2001, als sich hier alles versammelte um das frischgebackene Kronprinzenpaar zu feiern.

Ballsaal, Copyright: Jan Haug, De kongelige samlinger

Ballsaal, Copyright: Jan Haug, De kongelige samlinger

Nach wie vor überlege ich ja, wie ich es schaffen kann, im nächsten Jahr am 17. Mai vom Balkon des Schlosses dem Volk zu zu winken.  Während der Führung darf man an diesem Gefühl wenigstens einmal riechen. Ja und über den Blick vom royalen Präsentierteller aus kann man sich auch nicht beschweren. Aber da fällt es mir wieder ein: Prinzen ausverkauft.

Also Leute, der Blick hinter die königlichen Kulissen gehört für mich zum absoluten Oslo-Pflicht-Programm. Wer zwischen dem 23. Juni und 16. August in der Hauptstadt weilt, sollte sich dieses Vergnügen gönnen. Dieses Jahr also leider nicht mehr, aber 2016 kommt bestimmt. Der Royalist darf per Video schon einmal vorschnuppern. 🙂