Norway in a nutshell® oder: ganz viel Norwegen an einem Tag!

Zeit für etwas Neues. Der Ausflug Norway in a nutshell® wird ja schon seit geraumer Zeit kräftig vermarktet und die Erfinder haben das Ganze flugs als Marke eintragen lassen. Das schreit also geradezu danach, die Tour auch einmal auszuprobieren und zu testen, ob sie hält, was sie verspricht. Vor allem bin ich gespannt, wie reibungslos die Anschlüsse zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln funktionieren, denn schliesslich will man ja nicht unfreiwillig ein Päuschen einlegen und im Leerlauf warten bis es weiter geht.

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Bahnhof Bergen, Copyright: insidenorway

Auf der Tour hat man keinen persönlichen Guide, sondern man bekommt einen bunten Strauss von Vouchern, mit denen man sich selber durch das Programm führt. Starten kann man in Oslo oder Bergen, ich starte am Morgen in Bergen und bin gespannt, was der Tag bietet. Kurz vor 9 Uhr geht es los, am Bergener Bahnhof hat die NSB eine hübsche Absperrung platziert, vor der sich schon der ein oder andere Ausflugswillige platziert hat. Bis man den Zug stürmen kann, hat sich die Schlange der Wartenden bereits um den ganzen Bahnhof gewickelt. Ok, es ist Hochsaison, da kann man natürlich nicht erwarten, dass man alleine auf weiter Flur ist. Ein Kampf um die Plätze bleibt Gott sei Dank aus und alle steigen zivilisiert in den Zug, der uns nach Voss bringen wird. Die Strecke ist quasi dieselbe wie die mit der Bergenbahn, allerdings mit mehr Haltestellen. Viel mehr als die zusätzlichen Haltestellen stören eigentlich die Tunnel, aber die Strecke muss sich ja auch irgendwie durch die Berge schlängeln, schliesslich konnte man sie beim Bau nicht einfach wegräumen. Vorbei geht es am Sørfjord, der wunderschöne Landschaft bereithält, und das Wetter spielt auch noch mit, Norwegenglück!

In Voss findet der erste Verkehrsmittelwechsel statt. Raus aus dem Zug und rein in den Bus, eine ganze Menge davon stehen schon am Busbahnhof gleich am Bahnhof bereit. Wahrscheinlich steigt der ganze Zug hier aus, zumindest fühlt es sich so an. Ob wir alle in die Busse passen? Ja, es passt. Ein komfortables Sitzen sieht zwar anders aus, denn gewöhnliche Linienbusse sind eben nicht für Gewalttouren gemacht, aber die gute Stunde, die man bis Gudvangen braucht, lässt sich hier durchaus aushalten. Und da die Landschaft einfach zauberhaft ist, hat man nach wenigen Minuten den mangelnden Komfort vergessen. Vorbei geht es an Wasserfällen und allerfeinster Fjordlandschaft bis das Highlight naht. Die Fahrt die Stalheimskleiva hinab, eine der steilsten Strassen Nordeuropas. Die teilweise zwanzig Prozent Gefälle sind kein Pappenstiel und die Haarnadelkurven motivieren mich nicht mit dem Busfahrer tauschen zu wollen. Am Strassenrand sind ein paar Wanderer unterwegs, die auf der engen Strasse kaum so viel Abstand zum Bus halten können, dass wir sie nicht unfreiwillig ins Tal hinunter kicken. Der Ausblick ist allerdings atemberaubend, vor allem der auf die beiden Wasserfälle, die sich links und rechts ins Tal ergiessen.

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Copyright: insidenorway

Nicht lange und der Bus ist in Gudvangen angekommen. Praktischerweise hält er unmittelbar vor der Fähre, die mich nach Flåm bringt. Ob der Masse an Touristen, die sich zur Fähre schiebt, sollte man denken, dass man dort um die Frontplätze kämpft um Nærøyfjord und Aurlandsfjord zu bewundern, aber die Konstrukteure der Fähre waren schlau und haben soviel Umlaufdeck geschaffen, dass jeder einen guten Blick auf die Landschaft hat. Und die ist dann auch wirklich fantastisch. Der Nærøyfjord ist der engste in Norwegen und deshalb macht er einen besonders ehrfürchtig. Hoch ragen die Bergwände an ihm auf, faszinierend. Alle stehen ganz gebannt da und geniessen die Aussicht. Allerdings werden die Wolken mehr. Sollte da ein Regenguss kommen? Er kommt pünktlich zum Beginn des Aurlandsfjord und zwar so, dass man meinen könnte, die Welt geht unter. Keine drei Meter Sicht mehr, Zeit also für einen Kaffee in der Schiffscafeteria.

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Copyright: insidenorway

Kurz vor Flåm hat sich der Himmel ausgeregnet oder zumindest schickt er nur noch ein paar Tropfen auf uns herab. Zeit für einen kleinen Rundgang in der 300 Seelengemeinde, die heute von Touristen geradezu überschwemmt wird. Ein Kreuzfahrtschiff ist heute hier und spuckt kontinuierlich Reisende auf die Pier. Von stressfrei ist hier in Flåm heute also keine Rede und ich bin ganz froh, dass die Stunde Aufenthalt hier schnell rum geht bis zur Abfahrt der Flåmbahn. Auch hier gibt es wieder lange Schlangen, aber überall stehen Organisatoren, die einen zum richtigen Waggon weisen, lobenswert. Die Flåmbahn zählt ja zu den historischen Zügen und so kommt sie auch in ihrer Innenausstattung daher. Nostalgisch eben. Die Strecke hält dann auch wirklich, was sie verspricht und schlängelt sich durch das enge Tal mit Ausblicken in die fabelhafte Landschaft. Auf der Hälfte der Strecke müssen wir auf den Gegenzug warten, denn hier ist die Strecke nur eingleisig. Dann gibt es den einzigen Halt. Am Kjosfossen. Der Wasserfall ist gewaltig und keiner lässt es sich nehmen ihn aus der Nähe zu begutachten. Ist ja auch viel schöner ohne Zugfensterscheibe dazwischen. Trotz des extrem trockenen Sommers führt der Kjosfossen viel Wasser, die Gischt spritzt zu uns herüber. Und dann kommt die Show. Musik erklingt und eine rot gekleidete Huldra erscheint. Mal hier und mal dort. Anmutig bewegt sie sich zur Musik und natürlich ist es ein Touristending. Trotzdem ist es bewegend auch wenn ich für gewöhnlich nicht so für Vorführungen dieser Art bin. Hier passt es und ich finde es grossartig. Der 5-Minuten-Stopp geht viel zu schnell rum und schon fährt der Zug weiter in Richtung Myrdal, seinem Endhaltepunkt.

Nach dem Ausstieg hüpft man hübsch aufs gegenüberliegende Gleis um die Rückfahrt nach Bergen anzutreten. Vorbei geht es noch einmal am Sørfjord ehe man wieder den Bahnhof von Bergen erreicht, erschöpft aber glücklich.

Fazit: dieser 9-Stunden-Ausflug lohnt sich auf jeden Fall. Das Umsteigen klappt reibungslos und die Landschaft ist einfach atemberaubend. Mehr Norwegen in einem Tag geht nicht. Also: do it!

Unser kleines Video zum Trip findet Ihr hier

Rund um den Sognefjord oder: 1.000 schöne Dinge auf einen Schlag!

Der Fjorde gibt es in Norwegen ja bekanntlich viele. Einer von ihnen hat sich bei seiner Geburt vorgenommen ein besonders schönes Gewand anzulegen und das ganze gleich auf die umliegende Region zu übertragen. Der Sognefjord. Und damit man als Fjord nicht so einsam ist, hat er sich auch gleich noch einige der schönsten Seitenarme zugelegt, die Norwegen zu bieten hat. Einer ist der Nærøyfjord. Über ihn habe ich ja schon einmal berichtet, aber man kann nicht oft genug über ihn sprechen, weil er einfach ein landschaftliches Kleinod ist. 2,5 Millionen Jahre alt, 17km lang, Steilwände links und rechts, die bis zu 1760m hoch sind. Wer hindurch fährt, ob mit Kajak oder Schiff, schaut ehrfürchtig an den Felsen hinauf. Für Schiffe ist tuten verboten, andernfalls neigt die Natur dazu hier unliebsame Besucher unter einer Steinlawine zu begraben.

Nærøyfjord, Copyright: Øyvind Heen - Visitnorway.com

Nærøyfjord, Copyright: Øyvind Heen – Visitnorway.com

Nächste Seitenarmstation: Fjærlandsfjord. Hier liegt auch der westnorwegische Ort Fjærland, er stand Pate für den Fjordnamen. Gerade mal 300 Einwohner leben hier, ja von Großstadt kann man nicht wirklich sprechen. Und man sollte nicht vermuten, dass sich hier das Mekka antiquarischer Bücher auftut. Mehr als 250.000 davon stehen in schmusigen Antiquariaten. Auch eine Art leerstehende und ungenutzte Gebäude wiederzubeleben.  Wer sich hier büchertechnisch eindeckt, muss sich auch nicht mehr überlegen, wie er die erworbenen Schätze abtransportiert, sondern kann sich der Straße bedienen, die das Dorf seit den achtziger Jahren mit der Außenwelt verbindet. Vorher hieß es: entweder kommt man mit der Fähre oder man bleibt draußen.

Fjærland, Copyright: Øyvind Heen - Visitnorway.com

Fjærland, Copyright: Øyvind Heen – Visitnorway.com

Und wenn man schon mal da ist im Fjærlandsfjord, fährt man an seinem Ende einfach fünf Kilometer weiter und bestaunt Gletscher. Hier haben es sich nämlich gleich mehrere davon gemütlich gemacht und schieben ihre Zunge über die Felslandschaft. Davon ist der Jostedalsbreen der größte, nicht nur von Norwegen, sondern auch gleich von Europa, zumindest wenn man von Festlandgletschern spricht. Entweder schaut man ehrfürchtig auf die Eismassen oder man nimmt gleich die Steigeisen raus und macht sich auf, zugehörige Gletscherspalten zu erkunden. Wissbegierige nehmen gleich das Gletschermuseum (Norsk Bremuseum) mit, man kommt sowieso dran vorbei wenn man sich von Fjærland zu den Gletschern aufmacht. Hier lernt man allerhand über die Entstehung selbiger und warum sie für das Klima so bedeutsam sind. Nebenbei erfreut der Bau auch optisch.

Jostedalsbreen, Copyright: Anders Gjengedal - Visitnorway.com

Jostedalsbreen, Copyright: Anders Gjengedal – Visitnorway.com

Natürlich ist das noch lang nicht alles, womit die Region rund um den Sognefjord erfreut. Da gibt es ja noch die Stabkirchen. Ok, in Norwegen gibt es noch 28 davon, aber immerhin fünf liegen in unmittelbarer Nähe des Sognefjords. Die ältesten, die kleinste, und eine der besterhaltendsten. Also Station machen in Urnes, Borgund, Vik und Undredal und 900 Jahre alte Holzbaukunst bestaunen!

Und immer noch gibt es viel mehr in der Region zu entdecken, das kleine Örtchen Flåm, gleich am Nærøyfjord, die Kommune Balestrand am Nordufer des Sognefjords, Utladalen und Aurlandsdalen, Wasserfälle mit einer Fallhöhe von bis zu 275m und und und……

Also nicht lange überlegen, genug Zeit einpacken und ein großes Stück Norwegen kennenlernen! 🙂