Der Vögel König oder: auf der Suche nach dem Seeadler

Ja, der Seeadler. Man sagt ja, dass er ein königlicher Vogel ist. Bei dieser Aussage kann ich nur zustimmen. Als meine Norwegenliebe vor vier Jahren erwachte, hatte ich ihn ja noch nicht so auf dem Schirm. Entweder war er nicht da, wo ich war, oder ich war zu beschäftigt, die Schönheit der norwegischen Natur zu geniessen. So weit, so gut.

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Jetzt aber kenne ich ihn und ich bin mir noch nicht sicher, was genau mich an ihm so fasziniert. Mit meiner Beziehung zu den Seeadlern ging es jedenfalls los irgendwo im Raftsund. Während ich per Schiff unterwegs war, liess der erste sich herab, seine Kreise  über uns zu ziehen. Majestätisch. Wenn die stolzen Vögel doch nur nicht immer so hoch fliegen würden, so dass man ein Weltraumteleskop braucht um ihnen in die Augen zu schauen. Gut, wenn man ein paar Fischleckerlis in der Hinterhand hat. Da kann auch der standfesteste Seeadler nicht widerstehen, vor allem wenn Brutzeit ist. Die Kleinen wollen ja was Handfestes im Schnabel um gross und stark zu werden. Und gross werden sie tatsächlich. Schliesslich muss man für den Titel „Grösster Greifvogel Mitteleuropas“ was tun. Wo am Anfang nur ein Ei ist, müssen die Eltern bald achtzig Tage lang fleissig auftischen bis der Nachwuchs zu den ersten kurzen Flügen startet. Brutzeit heisst für mich vor allem: Zeit, die Kamera zu zücken. Ende April hocken die Kleinen im Nest und warten gierig darauf, dass ihnen Fressbares in den Schnabel gereicht wird. Also nimmt der Adler an sich dann auch gerne das Fischangebot an, dass man ihm angedeihen lässt. Ist ja auch so praktisch, wenn man die Beute nicht erst erlegen muss. Gegen Aas hat der Seeadler prinzipiell nichts, Hauptsache er wird satt. Man muss sich eben seine Überlebensstrategie suchen. Frischer Fisch gefällt ihm natürlich besser. Deshalb ist es für Fotos gelegentlich hilfreich, wenn man gleich eine Fischkiste auf dem Boot hat. Ok, irgendwie hat es was von Tauben füttern. Jedoch zum Ende der Saison, wenn die Kleinen aus dem Nest geflattert sind, hilft auch kein Winken mit Fisch mehr um ihn dazu zu bewegen, zum Fotoshootings aufzukreuzen. Der Seeadler wahrt seine Selbständigkeit. Wer weiss schon, ob morgen wieder ein Boot mit Frischfisch vorbeifährt. Da muss man schon seine Jagdrevieralternativen in petto haben. Vor allem, wenn man auch mal die Liebste mit einem Fisch verwöhnen will. Wenn Seeadler sich verlieben, schliessen sie den Bund fürs Leben und schwärmen fortan nur noch für den hübschen Schnabel des Partners, seine stimmigen Beine und den prächtigen Fang. Jeder Fisch ist wahrscheinlich wenig amused in solchen Klauen zu landen.

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Natürlich kann man Seeadler auch prima beobachten ohne sie künstlich anzulocken. Auf einer der zahlreichen Vogelinseln zum Beispiel. Hier heisst es schnell sein,  denn sie pflegen oft genau so schnell zu verschwinden, wie sie auftauchen. Überhaupt sind sie so rasend schnell, dass man manchmal kaum hinterher kommt. Jeder, der schon einmal Seeadler fotografiert hat, wird das kennen. Erst kreisen sie stundenlang, dass man kurz vor dem Tod durch Nackensteifheit ist. Nun ja, der Blick von hoch oben ist ja bekanntlich auch der beste. Ehe man sich versieht, setzen sie zum Sturzflug an um irgendeinen Fisch aus dem Wasser zu angeln, den kein Mensch sieht. Adleraugen eben. Die Sammlung unscharfer Fotos, auf denen nur noch die Federspitzen zu sehen sind, sind dann meist besonders erbaulich. Gut, dass es im Zeitalter der Digitalfotografie möglich ist, solche „Erfolgsfotos“ einfach wegzulöschen. Vor dreissig Jahren hätte man sich an Foto-Entwicklungskosten in Höhe eines Einfamilienhauses erfreut.

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Wenn man den Seeadler dann aber mal richtig erwischt, erfüllt einen Entzücken. So stolz, so schön, so einzigartig. Als Teenager sind sie noch im stylish braunen Federkleid unterwegs, erst nach fünf Jahren kleiden sie sich mit weissen Kopf- und Schwanzfedern. Das ist dann gleichzeitig auch für die Artgenossen das Zeichen, dass sie jetzt bereit sind für einen Lebenspartner. Das erste Ei will ja schliesslich auf die Welt kommen. Und damit kommt dann auch für mich die Chance nach den neuen frisch  flügge gewordenen Ausschau zu halten und ihren Anblick zu geniessen.

Fazit: wer Gelegenheit hat diese stolzen Tiere zu beobachten, sollte es tun. Ob mit oder ohne Kamera: der Seeadler zeigt uns einen herrlichen Teil der Natur. Also lasst Euch von ihm inspirieren! ❤

Gletscherglück am Polarkreis – am Svartisen trifft Landschaftsfeuerwerk auf Eiszeit

Also in Norwegen tummeln sich ja so einige Gletscher. Der zweitgrößte ist der Svartisen. Grund genug, ihm einen Besuch abzustatten. Von Ørnes aus mache ich mich auf den Weg und bin gespannt, wieviel Eis sich denn da so den Berg hinab wälzt. Die meisten Gletscher sind ja eher von der Sorte rückläufig, da die Erderwärmung ihnen allgemein nicht zuträglich ist.

Nun ja, zunächst mal lege ich ein paar Kilometer mit dem Boot zurück um zum Svartisen zu gelangen. Die Küste ist hier einfach zauberhaft und die ganze Gegend um Ørnes herum gehört sowieso zu meinen liebsten Küstenabschnitten. Ich liebe die lauschigen Inseln, vor denen die kleinen Boote schlafen. Eine gute dreiviertel Stunde sausen wir mit dem Boot Richtung Gletscher. Und siehe da, auf einmal zeigt er sich. Zuerst noch zaghaft hinter der Felskuppe, dann in voller gletscherblauer Pracht. Ok, ich gebe zu, wer in Grönland oder auf Spitzbergen war, wird beim Anblick nur müde lächeln, ob der vergleichsweise lächerlich mickrigen Eismenge. Aber wenn man sich unvoreingenommen an den Svartisen heran arbeitet, erzeugt er schon eine gewisse Ehrfurcht. Jedenfalls finden das bei uns im Boot so ziemlich alle. Die Sonne hat sich netterweise zu uns bequemt und bringt das blaue Eis auf der Gletscherzunge zum strahlen.

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Mucksmäuschenstill ist es auf einmal. Ja in so einem Moment ist man eben doch naturandächtig. Nun aber erst einmal mit dem Boot anlegen und näher ran. Schließlich will man das Eis in vollem Umfang geniessen. Ein drei Kilometer langer Wanderweg führt bis an den Gletschersee. Auch hier muss man pausenlos links und rechts gucken, weil man einfach in Verzückung gerät, so schön ist die Landschaft. Und auch, dass ich mich geographisch nördlich des Polarkreises aufhalte, ist temperaturmässig heute eher nicht spürbar. Quasi alle zehn Meter muss man ein Kleidungsstück abwerfen. Warm ist es. Am See angekommen habe ich mich dann des Zwiebellooks komplett entledigt und wäre für einen Kleidungssklaven zu haben, der mir den ganzen Kram abnimmt. Inzwischen hat die Sonne die Wolken ins nirgendwo geschickt und sie scheint, 24 Stunden im Moment. Als geologischer Dummie finde ich ja faszinierend, dass die Sonne den Gletscher nicht einfach in ein paar Stunden wegschmelzt. Aber bei 200m Eisdicke haben sich die Eismoleküle wohl so miteinander verbandelt, dass sie der Sonne trotzen, zumindest der Grossteil.

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Nähe Svartisen, Copyright: insidenorway

Am See angekommen, strahlt es türkis. Das Gletscherwasser, das den See gebildet hat, spielt hier wirklich optisches Farbenfeuerwerk. Deshalb: hinsetzen, herumgucken, geniessen. Eigentlich könnte man hier stundenlang sitzen bleiben. Ja und da ist es wieder: das Bewusstsein, dass Norwegen in punkto Natur bei der Schöpfung der Welt ziemlich gut abgeschnitten hat. Um den See optisch zu überbrücken ist das Fernglas hier Gold wert – oder das Tele-Objektiv. Das lässt einen so richtig in die Struktur des Eises blicken. Das mit den zweihundert Metern Dicke finde ich jetzt noch faszinierender, stellenweise türmt sich das Eis auch auf achthundert Meter auf. Die Gesamtmenge, die da so den Hang hinab fliesst, mag ich mir gar nicht vorstellen. Aber sie ist auch nicht wichtig um diese Naturgewalt eindrucksvoll zu finden. Das Eis, von dem der Svartisen seinen Namen hat aber, nämlich die tiefblaue Farbe der inneren Eisschichten, hält der Gletscher allerdings geheim.

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Nach der ausgiebigen Pause am Gletschersee geht es zurück. Eigentlich könnte man sich jetzt bereits zufrieden zurücklehnen und von der gewaltigen Natur zehren, aber die Rückfahrt hält noch ein zusätzliches Bonbon bereit.

Möwen scharen sich heute in rauen Mengen um unser Boot. Die Vögelchen an sich sind ja noch kein so außergewöhnliches Ereignis, denn sie fliegen ja bekanntlich in Scharen überall in Norwegen herum. Heute jedoch locken sie mit ihrem Geschrei den König der Lüfte herbei. Familie Seeadler befindet sich im Moment bei der Brutpflege und Klein-Adler braucht etwas leckeres in den Schnabel. Und wo Möwen sind, ist Nahrung nicht weit. Zeit für Familie Adler nachzuschauen, ob der ein oder andere Fisch drin ist. Und so kreisen sie denn auch galant über uns um nach Seeleckereien Ausschau zu halten.

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Die Taktik „kreisen, Sturzflug, Fisch angeln, verschwinden“ ist nicht gerade das, was man sich wünscht um sie fotografisch zu erwischen, aber Fotoshootings stehen eben nicht auf Adlers To-do-Liste. Trotzdem flattern sie uns freundlicherweise ein paarmal eindrucksvoll vor die Linse. Die restliche Zeit geniessen wir mit den Augen diese unglaublich schönen stolzen Vögel. Bleibt auch vielmehr im Herzen! ❤

Nach der der überaus eindrucksvollen Flugshow geht es dann aber im Sauseschritt zurück, wir sind randvoll gefüllt mit Natur der Extraklasse. Fazit: auch wenn der Svartisen-Gletscher sicherlich nicht zu den flächenmässig grössten der Welt gehört, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Zum Staunen, zum Entschleunigen, für das Norwegenglück, um seinen Moment inside Norway zu finden! ❤ 🙂

Buffet auf dem Wasser oder: wo der Seeadler vor die Linse flattert !

Also den König der Lüfte sieht man ja gelegentlich immer einmal wenn man sich in Norwegen aufhält. Gerne fliegt er außer Reichweite des Teleobjektivs oder ist so schnell wieder verschwunden, dass man nur noch den Schwanzfedern hinterher schauen kann. Ich bin ja ein besondeer Experte dafür, dass meine Kamera immer dann, wenn ein Seeadler in der Nähe auftaucht, hübsch drapiert zuhause liegt. Zeit also für eine Seeadlersafari. Da kommt man nah an die Vögelchen ran und hofft, sie in Nahaufnahme aufs Bild zu bannen.

Start im Raftsund. Ok, der Raftsund an sich ist ja schon ein Naturhighlight, Lofoten und Vesterålen gleich nebenan. Mit dem Boot fahren wir zunächst ein bißchen herum, natürlich mit reichlich Fisch an Bord. Der Seeadler an sich ist schließlich anspruchsvoll und hält nicht viel davon einfach so nah ans Boot heran zu fliegen. Der erste kreist zügig über uns, ist sich aber nicht sicher, ob wir auch entsprechende Leckereien dabei haben. Also fliegt er erstmal genüßlich ein paar Runden in Beobachtungsposition. Kaum ist die Kiste mit dem Fisch offen und verströmt ihr unverwechselbares „Eau de Kabeljeau“ herrscht gleich reger Vogelbetrieb. Mr. Seeadler bleibt erst mal auf Beobachtungsposten und lässt den Scharen von Möwen zunächst den Vortritt. Schließlich stehen Seevögel auch auf Seaadlers Speisekarte. Abwarten und kreisen heißt also die Devise.

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Also konzentriere ich mich fototechnisch erst einmal auf die Möwenschar. Ich persönlich liebe ja Möwen und da sie für gewöhnlich bei mir in Oslo gerne wegspazieren, wenn man sich ihnen nähert und auch überall sonnst zügig vorbei fliegen, gleiten sie heute neben unserem Boot. Wie zum Shooting bestellt sozusagen. Ich begebe mich also so ziemlich in die Schußlinie für alles, was Vogel so fallen lässt. Schließlich will man ja gute Fotos machen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es nach nicht mal fünf Minuten ein hübsches „platsch“ macht und meine Hose ein noch hübscheres Muster zeigt. Also schönreden, denn Vogelmist bringt ja für gewöhnlich Glück. 😀

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Inzwischen haben sich mehrere Seeadler in der Luft versammelt. Das Buffet ist dann doch zu reichhaltig, als dass man es links liegen lassen könnte. Und wir halten die Kamera gezückt. Den Möwen wird es zu heiß und sie verziehen sich eine Weile, denn schließlich will keine in den Klauen der Adler landen. Wir werfen also Fisch ins Wasser und einen nach dem anderen greifen die Seeadler blitzschnell hinaus, so dass man mit der Kamera kaum folgen kann. Man freut sich über Schwanzfederbilderbilder oder solche, wo nur noch ein Hauch von Adler durchs Bild huscht. Derjenige mit der größten Speicherkarte ist der Glückspilz. Denn unter den gut 300 Bildern, die ich auf der Tour mache, ist dann doch der ein oder andere Schuß dabei, der den König der Lüfte in seiner vollen Schönheit zeigt. Allesamt haben sie braune Federn am Kopf, wir haben also die Kinderstube der Familie Seeadler angetroffen. Die „Alten“ sitzen wahrscheinlich irgendwo und warten auf den Jagdbericht der Kinder.

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Nach gut zwei Stunden fahren wir zurück Richtung Svolvær. Zeit um noch einmal die herrliche Landschaft zu genießen. Die schroffen Felsen der Lofoten begeistern mich einfach immer wieder. Auch das Wetter ist uns hold und taucht die Natur in wunderbar warmes Licht. Einfach überwältigend. Svolvær erwartet uns im Sonnenuntergang und wir genießen die Einfahrt in den Hafen, wo ein Fischreiher sich im Abendlicht sonnt. Nach dieser Tour lässt sich ein Bierchen im „Anker“ gleich nochmal so gut genießen.

Fazit: diese Seeadlersafari war nicht meine letzte. Den König der Lüfte will ich wieder sehen. Irgendwo. In Norwegen. 🙂

Schöner wohnen für Vögel oder: am Gjesværstappan is was los…. !

Also früher war ich ja mehr so der Städtefreak. Ein Fünf-Millionen-Einwohnerland hat mich eines besseren belehrt. Gelernter Naturliebhaber. Auf dem wiederholten Weg zum Nordkapp war es jetzt aber mal Zeit, gut fünfzehn Kilometer vor dem Globusplateau links abzubiegen. Schließlich liegt da Gjesvær, des Vogels Paradiesfleckchen.

Ich fahre also bis zu dem kleinen Fischerdörfchen. Die Stockfische empfangen mich am Pier mit Intensivparfum. Schmusig liegt Gjesvær hier am Nordrand Europas, von den ehemals 350 Einwohnern sind allerdings nur noch 130 übrig geblieben. Trotzdem genieße ich die Norwegen-Idylle und das Boot, das uns raus zum Gjesværstappan bringt, wartet auch schon.

Gjesvær, Copyright: insidenorway

Gjesvær, Copyright: insidenorway

Fünfzehn Minuten dauert die Fahrt bis zum Gjesværstappan. Man glaubt kaum, dass man hier so weit im Norden ist. Von der Barentssee bin ich ja wellentechnisch einiges gewohnt, aber netterweise hindern die vorgelagerten Inseln das europäische Nordmeer daran temperamentvoll nach Gjesvær zu schäumen. Die Fischer danken es heute und selbst die Wikinger fischten hier einst die ein oder andere Mahlzeit aus dem Wasser.

Bereits vom Fischerdörfchen aus ist das Vogelparadies zu sehen. Die Inselchen liegen erhaben dort und wir schaukeln ihnen entgegen. Am Bug drängelt es sich, schließlich will jeder die besten Ausblicke auf die größte Seevögelkolonie des Landes erhaschen. Die Gefiederten müssen sich fast wie Promis vorkommen. Schon wieder ein Boot, das an ihren Nistplätzen vorbei zieht und gezückte Kameras bereithält.

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So sitzen sie also und beobachten uns. Allen voran die Papageientaucher, die sich dort versammelt haben. Eine Million sind es und sie schnattern in ihrem Papageientaucherisch wild durcheinander mit Adlerisch, Möwisch und allen Sprachen, die die nordische Vogelwelt bietet. Der Papageientaucher an sich flattert eher aufgeregt hin und her, wenn er sein Felsenheim verlässt und umschwirrt auch fleißig unser Boot. Ok, es ist Nistzeit, möglicherweise sind die Papageientauchermamis in Sorge um ihre Küken. Selbstverständlich betreten wir auch die Brutinseln daher nicht. Aber auch vom Ufer lassen die Gefiederten sich herrlich beobachten, etliche Seeadler kreisen über uns und schauen sich unser Boot erhaben aus der Höhe an. Majestätisch. Die Felsen sind zuweilen weiß getüncht, schließlich muss Vogel ja sein Verdautes irgendwo lassen. Gott sei Dank trifft uns keine Vogelbombe aus der Luft.

Copyright: Svetlana Funtusova / www.nordnorge.com / Nordkapp

Copyright: Svetlana Funtusova / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Wir umrunden das gesamte Vogelschutzgebiet, erfreuen uns am bunten Vogeltreiben, den Wellen und dem Wind. Man könnte Stunden hier draußen verbringen. Nach neunzig Minuten geht es jedoch zurück nach Gjesvær. Noch einmal Fischerdorf-Idylle atmen und es geht zurück nach Honningsvåg, wo die MS Nordlys auf uns wartet, die uns auf der Hurtigrute weiter nach Kirkenes bringt. Und jedesmal wieder: ich liebe die Fahrt durch die tundra-artige Landschaft. Besonders jetzt im Sommer, wo sich die Rentiere überall tummeln. Zahlenmäßig sind sie den Einwohnern jetzt definitiv überlegen. Da die Moose und Flechten hier jetzt schön saftig sind, ist das Rentierglück in der kurzen Sommerphase perfekt. Natürlich erobern sie die Straßen gleich mit und so muss man immer wieder halten, weil eine Rentierherde genüßlich im Weg steht. Da sie sich durch nichts stören lassen, muss man ab und zu mit längeren Wartezeiten rechnen. 😀 Dafür sind sie einfach wunderhübsch anzuschauen.

Copyright: insidenorway

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Fazit: die Insel Magerøya ist viel mehr als nur das Nordkapp. Die Vogelsafari sollte sich deshalb jeder einmal gönnen. Im Norden Europas. Wo der Gefiederten Paradies ist. 🙂

Wo der Mond das Wasser regiert und die Nordlichter sich wohlfühlen – rund um Bodø

Ja der Mond hat mit der norwegischen Natur einen besonderen Deal. Genauer gesagt zwischen äußerem Saltfjord und Skjerstadfjord. Denn mit seiner Schwerkraft lässt unser himmlischer Begleiter galant den stärksten Gezeitenstrom der Welt, den Saltstraumen, hin- und herfließen. Nun ja, von galant kann man zeitweilig nicht sprechen, denn es strudelt schon gewaltig, wenn sich das Wasser auf 150 Meter Breite mit aller Kraft seinen Weg durch den 2,5 km langen Sund sucht. Strudel kann der Saltstraumen in Perfektion. Netterweise führt eine Brücke über den Strom und man kann sich gleich aus der Vogelperspektive dem Schauspiel hingeben, wenn die Strudel schäumend an der Wasseroberfläche tanzen. Ich finde es zu dieser Zeit immer deutlich besser von der Brücke oder vom Ufer auf das Gezeitenschauspiel zu blicken, als vom Boot mitten im Strudeltaumel.

Saltstraumen, Copyright: Tommy Andreassen / www.nordnorge.com / Bodø

Saltstraumen, Copyright: Tommy Andreassen / http://www.nordnorge.com / Bodø

Ja bei sowas bin ich eben ein Angsthase, obwohl mir die Mutigen regelmäßig sagen, dass Rafting mitten auf dem Strom riesen Spaß macht. Ok, Strudel von bis zu zehn Meter Durchmesser sind aus nächster Nähe natürlich noch deutlich imposanter und sie gemahnen einen, dass die Natur uns eben immer überlegen ist. Nicht umsonst gibt es auf jeder Rafting-Tour sozusagen Ganzkörperschwimmwesten. Die Fischlein, die sich hier ebenfalls zu Hauf tummeln, lässt der reissende Strom allerdings ziemlich kalt. Sie genießen einfach das herrlich sauerstoffreiche Wasser und sind dann wohl eher weniger begeistert wenn sie am Haken eines Anglers hängen, die hier besonders gerne auf Fischfang gehen.

Copyright: Tore Schöning Olsen / www.nordnorge.com / Bodø

Copyright: Tore Schöning Olsen / http://www.nordnorge.com / Bodø

Weiter geht es mit einem Naturleckerbissen unweit von Bodø. Abfahrt in selbiger Stadt mit der Schnellfähre um 7:20 Uhr. Für mich als notorischen Langschläfer und Spätarbeiter die ideale Abfahrtszeit.  😉 Ok, für das, was einem geboten wird, kann selbst ich mich am frühen morgen aus dem Bett schwingen. Es geht nämlich vor die Küste auf die Inselgruppe Væran. Hier tummelt sich inselmäßig alles, was mit „æ“ geschrieben wird: Givær, Bliksvær, Landegode, Helligvær und Karlsøyvær. Nun ja Landegode fällt etwas aus dem Rahmen. 😉

Die Inseln liegen in Hundertergruppen dreißig Kilometer von Bodø entfernt und bieten so ziemlich alles, was mit Natur zu tun hat. Vom Naturreservat bis zum ältesten, noch erhaltenen typischen Nordland-Fischerdorf, wo heute noch aktiv Fischwirtschaft betrieben wird, die Eiderenten Haustiere sind und die Kühe auf so abgelegenen Wiesen stehen, dass die Bauern mit dem Fischerboot hinaus fahren müssen um sie zu melken. Wer sich in die kleine Inselwelt verliebt – und das ist quasi unvermeidbar – kann gleich in der Fischerhütte übernachten. So ursprünglich. So norwegisch. Und so eine Wohltat für die Seele!

Helligvær, Copyright: Ernst Furuhatt / www.nordnorge.com / Bodø

Helligvær, Copyright: Ernst Furuhatt / http://www.nordnorge.com / Bodø

Das größte Eiland im ganzen Inselchaos ist zweifelsohne Landegode. Das „gute Land“ hält namentlich wirklich, was es verspricht und ich kann mich ruckizucki für einen Spaziergang auf den 802m hohen Rypdalstinden begeistern. Die Wahnsinns-Aussicht legt den Gedanken nahe, dass die Fähre doch einfach ohne mich weiter fahren kann. Ich bleib hier und genieße 360 Grad Norwegen-Panorama! Also man sollte überlegen vor der Überfahrt sein Zelt zu schultern und gleich das rundum-Naturfeeling ausprobieren. Wenn man will, darf man aber auch ins Hotel, das auf der Nordseite der Insel liegt. Mit 1.000kr für das Doppelzimmer zwar eindeutig teurer als zelten, aber jetzt, wo der Winter kommt, bevorzuge ich doch den Komfort eines warmen Bettes.

Blick auf Landegode, Copyright: Ernst Furuhatt / www.nordnorge.com / Bodø

Blick auf Landegode, Copyright: Ernst Furuhatt / http://www.nordnorge.com / Bodø

Bleibt die Stadt Bodø an sich. Ok, ich habe ja schon einmal geschrieben, dass nach Norden der Städte-Glamourfaktor eindeutig abnimmt, dafür aber die Natur der Marke „atemberaubend“ zunimmt. Also die Hauptstadt der Provinz Nordland ist wie ich finde nicht unbedingt die architektonische Perle schlechthin, aber was dort schlichtweg phantastisch ist, ist das magische Licht, dass zuweilen über der Stadt leuchtet. Da bricht die Sonne sich den Weg durch die Wolken und taucht den Himmel in gold, violett und rot. Ja das macht den Nordlichtern Konkurrenz. Und auch die gibt es in  Bodø ziemlich häufig, denn die Stadt liegt bereits im Polarlichtoval, also dem nördlichen Teil unseres Planeten, der bevorzugt vom koronalen Massenauswurf, sprich Sonnenwind,  geküsst wird. Blickt man auf Bodø wenn die Nordlichtvorhänge sich zeigen und sanft zu tanzen beginnen, ist man im Norwegen-Lightshow-Paradies.

Magisches Licht über Bodø, Copyright: Ernst Furuhatt / www.nordnorge.com / Bodø

Magisches Licht über Bodø, Copyright: Ernst Furuhatt / http://www.nordnorge.com / Bodø

Und wer sich fragt, warum in der Fußgängerzone dem Seeadler ein Denkmal gesetzt wurde, braucht nur in den Himmel zu blicken. Die mächtigen Vögel kreisen fast täglich über Bodø und erfreuen das Norwegenherz, wie sie auf ihren Schwingen durch die Luft gleiten. Also nicht zögern, Nordlandreise planen und die wunderbarsten Lichtschauspiele im Herzen mitnehmen! 🙂 ❤