Der Vögel König oder: auf der Suche nach dem Seeadler

Ja, der Seeadler. Man sagt ja, dass er ein königlicher Vogel ist. Bei dieser Aussage kann ich nur zustimmen. Als meine Norwegenliebe vor vier Jahren erwachte, hatte ich ihn ja noch nicht so auf dem Schirm. Entweder war er nicht da, wo ich war, oder ich war zu beschäftigt, die Schönheit der norwegischen Natur zu geniessen. So weit, so gut.

Copyright: insidenorway

Jetzt aber kenne ich ihn und ich bin mir noch nicht sicher, was genau mich an ihm so fasziniert. Mit meiner Beziehung zu den Seeadlern ging es jedenfalls los irgendwo im Raftsund. Während ich per Schiff unterwegs war, liess der erste sich herab, seine Kreise  über uns zu ziehen. Majestätisch. Wenn die stolzen Vögel doch nur nicht immer so hoch fliegen würden, so dass man ein Weltraumteleskop braucht um ihnen in die Augen zu schauen. Gut, wenn man ein paar Fischleckerlis in der Hinterhand hat. Da kann auch der standfesteste Seeadler nicht widerstehen, vor allem wenn Brutzeit ist. Die Kleinen wollen ja was Handfestes im Schnabel um gross und stark zu werden. Und gross werden sie tatsächlich. Schliesslich muss man für den Titel „Grösster Greifvogel Mitteleuropas“ was tun. Wo am Anfang nur ein Ei ist, müssen die Eltern bald achtzig Tage lang fleissig auftischen bis der Nachwuchs zu den ersten kurzen Flügen startet. Brutzeit heisst für mich vor allem: Zeit, die Kamera zu zücken. Ende April hocken die Kleinen im Nest und warten gierig darauf, dass ihnen Fressbares in den Schnabel gereicht wird. Also nimmt der Adler an sich dann auch gerne das Fischangebot an, dass man ihm angedeihen lässt. Ist ja auch so praktisch, wenn man die Beute nicht erst erlegen muss. Gegen Aas hat der Seeadler prinzipiell nichts, Hauptsache er wird satt. Man muss sich eben seine Überlebensstrategie suchen. Frischer Fisch gefällt ihm natürlich besser. Deshalb ist es für Fotos gelegentlich hilfreich, wenn man gleich eine Fischkiste auf dem Boot hat. Ok, irgendwie hat es was von Tauben füttern. Jedoch zum Ende der Saison, wenn die Kleinen aus dem Nest geflattert sind, hilft auch kein Winken mit Fisch mehr um ihn dazu zu bewegen, zum Fotoshootings aufzukreuzen. Der Seeadler wahrt seine Selbständigkeit. Wer weiss schon, ob morgen wieder ein Boot mit Frischfisch vorbeifährt. Da muss man schon seine Jagdrevieralternativen in petto haben. Vor allem, wenn man auch mal die Liebste mit einem Fisch verwöhnen will. Wenn Seeadler sich verlieben, schliessen sie den Bund fürs Leben und schwärmen fortan nur noch für den hübschen Schnabel des Partners, seine stimmigen Beine und den prächtigen Fang. Jeder Fisch ist wahrscheinlich wenig amused in solchen Klauen zu landen.

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Natürlich kann man Seeadler auch prima beobachten ohne sie künstlich anzulocken. Auf einer der zahlreichen Vogelinseln zum Beispiel. Hier heisst es schnell sein,  denn sie pflegen oft genau so schnell zu verschwinden, wie sie auftauchen. Überhaupt sind sie so rasend schnell, dass man manchmal kaum hinterher kommt. Jeder, der schon einmal Seeadler fotografiert hat, wird das kennen. Erst kreisen sie stundenlang, dass man kurz vor dem Tod durch Nackensteifheit ist. Nun ja, der Blick von hoch oben ist ja bekanntlich auch der beste. Ehe man sich versieht, setzen sie zum Sturzflug an um irgendeinen Fisch aus dem Wasser zu angeln, den kein Mensch sieht. Adleraugen eben. Die Sammlung unscharfer Fotos, auf denen nur noch die Federspitzen zu sehen sind, sind dann meist besonders erbaulich. Gut, dass es im Zeitalter der Digitalfotografie möglich ist, solche „Erfolgsfotos“ einfach wegzulöschen. Vor dreissig Jahren hätte man sich an Foto-Entwicklungskosten in Höhe eines Einfamilienhauses erfreut.

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Wenn man den Seeadler dann aber mal richtig erwischt, erfüllt einen Entzücken. So stolz, so schön, so einzigartig. Als Teenager sind sie noch im stylish braunen Federkleid unterwegs, erst nach fünf Jahren kleiden sie sich mit weissen Kopf- und Schwanzfedern. Das ist dann gleichzeitig auch für die Artgenossen das Zeichen, dass sie jetzt bereit sind für einen Lebenspartner. Das erste Ei will ja schliesslich auf die Welt kommen. Und damit kommt dann auch für mich die Chance nach den neuen frisch  flügge gewordenen Ausschau zu halten und ihren Anblick zu geniessen.

Fazit: wer Gelegenheit hat diese stolzen Tiere zu beobachten, sollte es tun. Ob mit oder ohne Kamera: der Seeadler zeigt uns einen herrlichen Teil der Natur. Also lasst Euch von ihm inspirieren! ❤

3 Gedanken zu “Der Vögel König oder: auf der Suche nach dem Seeadler

  1. Ein wundervoller und interessanter Beitrag. Ich durfte dieses Schauspiel auch schon einmal erleben, bei einer Fahrt durch den Trollfjord. Das Wetter an diesem Tag War zwar nicht so gut, leichter Nieselregen und fast bis zum Schluss der Fahrt waren es die Möven die sich an den Leckereien erfreut haben, aber dann ließ er sich doch noch blicken…….der Stolz der Lüfte. Es war ein unvergessliches Erlebnis. 2 Fotos sind sogar auch noch was geworden von den vielen anderen Versuchen😉. Ist mir bei meiner ersten Fotosafarie auf den Seeadler nicht anders gegangen mit den vielen unscharfen Fotos. Es war ein super Erlebnis.
    Danke dir für deinen schönen Beitrag.
    Liebe Grüße
    Michael

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