Viel Tier, wenig Mensch – Norwegen extrem in der Provinz Finnmark

Ganz im Norden, ganz dünn besiedelt, ganz große Provinz, ganz lange Polarnacht, ganz lange Zeit der Mitternachtssonne. In der Provinz Finnmark ist eben alles ganz speziell. Im Moment ist es ganz hell. 24 Stunden am Tag. Aber in knapp zwei Wochen kehrt die Nacht zurück. Ganz zaghaft. Immerhin dauert sie am 30. Juli 45 Minuten. Nach zweieinhalb Monaten Dauertageslicht. Aber Tier und Mensch leben damit. Und zwar auf gemütlich viel Raum. Bei 1,5 Einwohnern pro km² kann man Nachbarschaftsstreitigkeiten getrost vergessen. Wer hier auf Wanderschaft geht, trifft eher auf ein Rentier als auf einen Einwohner.

Copyright: CH - visitnorway.com

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Ja die Tierwelt ist hier überhaupt ein großes Thema. Mit dem Auto unterwegs? Ja dann wartet man eben mal länger, wenn eine Rentierherde ganz gemütlich kreuzt. Wer nicht so Hirschfreund ist, der kann sich aber auch an den hiesigen Vögeln ergötzen. Derer gibt es hier besonders viele. Hier ist man als Vogel eben ungestört und kann nach Herzenslust seine Eier ausbrüten. Und die Winter sind nur verhalten streng. Vogelparadies sozusagen.

Copyright: Asgeir Helgestad/Artic Light AS/visitnorway.com

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Wenn man dann doch einmal ein menschliches Wesen findet, sind es meistens Sami. Ja sie leben hier in rauen Mengen. Also insofern, dass von 70.000 Einwohnern der Provinz 50.000 Sami sind. Und sie leben noch ganz ursprünglich im Einklang mit der Natur. Wer in der Finnmark zu Gast ist erfreut sich an ihren traditionell bunten Trachten, ihrem Umgang mit den Rentieren, ihrem ganzen Lebensstil. Und wer einmal abends an einem Sami-Lagerfeuer gesessen hat, braucht danach kein städtisches Leben mehr. Oder sagen wir vielleicht nur noch reduziert. 😉

Copyright: Terje Rakke/Nordic Life - Visitnorway.com

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Ganz verhalten kann aber auch der Stadtaffine seiner Leidenschaft fröhnen. In Alta zum Beispiel, der größten Stadt der Provinz mit immerhin knapp 20.000 Einwohnern. Aber das ist nur Nebensache. Viel besser ist, dass man von hier aus zu Hundeschlittentouren aufbricht, das unglaublich blaue Licht genießt und sich den Nordlichtern hingibt. Ok, schon wieder mehr Natur als Stadt. Aber immerhin steht in Alta die Nordlyskatedralen (Nordlichtkathedrale). Ich finde ja, dass das Nordlicht hier perfekt in ein Gebäude gefasst wurde. Außen Spirale in den Himmel, innen die wogenden Lichtvorhänge der Nordlichter als LED-Vorhang. Ja, das ist Natur und Architektur in Einklang.

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Den ganz hart gesottenen winkt noch ein besonderes Erlebnis. Allerdings muss man dafür im Winter anreisen. Am 15. Dezember öffnet wieder das Sorrisniva Igloo Hotel. Dann ist es schon wieder 24 Stunden dunkel und man kann sich gemütlich ins Bett kuscheln. Moment, sagte ich gemütlich kuscheln? Alles ist aus Eis hier. Lobby, Restaurant und ja: auch die Zimmer und demzufolge die Betten. Schnatter. Immerhin kuschelt man in Rentierfellen. Es ist eben das ganz andere Übernachtungserlebnis. 😛

Copyright: Terje Rakke/Nordic Life - Visitnorway.com

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Fazit: im Sommer wie im Winter gehört die Provinz Finnmark zu den Norwegen-Highlights. Am nördlichen Rand Europas besinnt man sich zurück auf das Wesentliche. Den Mensch im Einklang mit der Natur. Auszeit vom Alltag, Eindrücke sammeln, die einem niemand nehmen kann! Also hinfahren, Auszeit nehmen, neu booten!

Wo nicht nur Bergen lockt – Hordaland

Die Provinz Hordaland steht in Norwegen ganz oben auf der Städtereise-Speisekarte. Nach Oslo reist der Städteliebhaber bevorzugt nach Bergen. Logo, das Bergen einiges zu bieten hat. Wer ist nicht verzückt den Blick auf die Stadt von einem der Aussichtsberge zu genießen. Die Wahl zwischen Fløyen und dem Berg Ulriken entscheidet sich nur dadurch, ob man mehr der gediegene Bergbahn- oder Gondeltyp ist. Nun ja und auf dem Ulriken ist mehr Ruhe. Wer also gern in kleinen Kabinen auf den Gipfel schaukelt, wählt letzteren Aussichtsberg.

Aussicht vom Berg Ulriken, Copyright: CH - Visitnorway.com

Aussicht vom Berg Ulriken, Copyright: CH – Visitnorway.com

Aber es lohnt sich dann eben auch ein Ticket für einen Fjordkurzurlaub zu buchen, heißt: ab in den Hardangerfjord. Liegt in der Nähe, ist 170km lang und erfreut durch eine der schönsten Obstblüten in ganz Norwegen. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen, alles blüht im Mai bunt durcheinander und im Sommer kann man dann zum Pflücken wiederkommen. Und man braucht die Entscheidung auch erst zu fällen, wenn man bereits in Bergen weilt, da alles unkompliziert gleich vor Ort buchbar ist. Man tuckert also gemütlich per Schiff durch den Fjord und genießt das Blütenmeer der Obstbäume und die Berglandschaft nebst schneebedeckter Gipfel.

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Wem eine Schnupperfahrt zu kurz ist, kann Abhilfe schaffen mit einer Tour auf der norwegischen Landschaftsroute Hardanger. Wenn man schon mal da ist, am besten gleich das Rundum-Besichtigungspaket. Grün, Wasser, Berge, Gletscher, mal aufregend tosend, mal diese unendliche Ruhe ausstrahlend, als wolle die Landschaft sagen: Lieber Besucher, tief durchatmen und neu booten. Ja so ist Norwegen. Ist es ein Wunder, dass auch Edvard Grieg hier die größten Eingebungen für seine Kompositionen fand? Nein. Da man per Schiff auf selbigem festgenagelt ist, macht man das Ganze per Bus oder noch besser mit dem Auto. Da kann man auch gleich an allen Aussichtspunkten halten, so wie es einem gefällt. Und Aussichtspunkte gibt es derer viele. Keine Wunder auf fast 160km Route. Man schaut von dort also in den Fjord oder lässt sich im Sommer vom Sprühregen der Wasserfälle abkühlen. Im Winter verzichtet man ob der Temperaturen. Aber Schnee tut  dem Zauber der Landschaft keinen Abbruch. Im Gegenteil. In der Hardangervidda, der größten Hochebene Europas, kann man dann gleich die Ski unterschnallen.

Blick auf den Hardangerfjord, Copyright: CH - Visitnorway.com

Blick auf den Hardangerfjord, Copyright: CH – Visitnorway.com

Und wer höher hinaus will, macht einfach eine Gletschertour und genießt den Blick von oben, dann ist kalorienmäßig auch gleich das Essen verdient. 😉 Aber das ist nur Nebensache, wenn man hoch oben auf den Bergrücken steht oder über die Gletscher wandert. Wenn die Kondition ein bißchen marode ist, kann man ja auch auf halber Höhe einen der zahlreichen Wege nehmen. Fußtraining light sozusagen. 😉

Der Blick von oben für die fleißigen Fußgänger, Copyright: CH - Visitnorway.com

Der Blick von oben für die fleißigen Fußgänger, Copyright: CH – Visitnorway.com

Für jedes Gemüt ist also etwas dabei. Ob mäßig aktiv oder Sportskanone: Ausreden gibt es nicht. Beim nächsten Besuch in Bergen also: Schiff, Bus, Auto, Füße aktivieren und ein Stück Hordaland lieben lernen!

Lofoten Love Story oder Inselrausch auf Norwegisch

Der Norwegen-Fan kennt sie – die Lofoten. Also eigentlich ja ohne „die“, denn das angehängte -en ist ja nichts anderes als der bestimmte Artikel. Das Norwegische hat eben seine Besonderheiten. Nun ja, trotzdem kann man getrost in der Mehrzahl reden, schließlich handelt es sich ja um mehrere Inseln. Im Moment hält der herrschende Hochsommer mollig warme 12 Grad bereit. Da der Golfstrom hier netterweise vorbei fließt ist das Klima für die Lage nördlich des Polarkreises vergleichsweise milde. Aber wen kümmert ein kühler Sommer außerdem, wenn man dafür eine so zauberhafte Landschaft bekommt?  Zusatzbonus: bis 19. Juli heißt es noch „Tageslänge 24 Stunden“! Der Besucher verzichtet also zweckmäßigerweise in diesen Tagen auf den Schlafmodus und hüpft von Insel zu Insel im Genuss der Mitternachtssonne.

Svolvær, Hauptort der Lofoten auf der Insel Austvågøya

Svolvær, Hauptort der Lofoten auf der Insel Austvågøya

Darüber hinaus bekommt man auf den Lofoten so ziemlich alles, was Naturgewalten zu bieten haben. Nicht umsonst haben sich die 24.000 Bewohner überwiegend auf der östlichen Seite der Inseln niedergelassen. Im Westen müsste man sonst übermäßigem Seegang und Wind standhalten. Das Meer holt sich allerdings, was es bekommen kann, drückt zumindest sein Wasser kräftig zwischen den Inseln hindurch und attackiert zeitweilig mit heftigen Strudeln. Aber trotz der rauen See holen die Einwohner Tonnen von Fisch ans Land. Ist ja auch neben dem Tourismus die Haupteinnahmequelle. Sobald der Dorsch im Netz ist wird er zu Stockfisch verarbeitet. Wenn die Fischlein zum Trocknen draußen hängen, bieten sie tolle Fotomotive, beim Verzehr muss ich passen. 😉

Moskenes, Copyright: Frithjof Fure - Visitnorway.com

Moskenes, Copyright: Frithjof Fure – Visitnorway.com

Wer nicht nur auf dem Weg der Hurtigruten die Lofoten streift und demzufolge unter chronischem Zeitmangel leidet, kann sich hier richtig austoben. Wandern, Biken, Angeln, Kayaking, sozusagen für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und die Polarnacht ist hier verhältnismäßig kurz. Erst am 7. Dezember geht die Sonne endgültig unter und bleibt nur für vier Wochen verschwunden. Es wird auch nicht wesentlich kälter als null Grad. Wieder mal der Golfstrom.

Kühles Winterlicht in Reine

Kühles Winterlicht in Reine

Ja und noch etwas: wer in den Wintermonaten anreist verzichtet zwar auf das Spektakel der Mitternachtssonne, bekommt aber dafür das Farbfestival der Polarlichter. Geradezu unheimlich wenn sie in grün und violett über den Himmel tanzen und etwas, was man im Herzen mitnimmt. Also am besten länger bleiben, damit die Chance am größten ist. Bedenke: bei Wolkenhimmel zeigt einem die Aurora Borealis eine lange Nase. Wer zum Polarlichtjäger werden will sucht sich deshalb Dezember bis Februar als Reisezeit aus, da sind die trockendsten Wintermonate mit den meisten klaren Nächten.

Copyright: Stockshots - Visitnorway.com

Copyright: Stockshots – Visitnorway.com

Anyway. Am besten man plant gleich zwei Reisen auf die Inselgruppe. Erst im Sommer, dann im Winter, oder umgekehrt. Egal wie herum. Wenn man einmal da war, möchte man sowieso nicht mehr von dort weg! 🙂

Jotunheimen – Norwegen kann auch Gebirge

Wo Norwegen schon seine Trolle hat muss es auch ein „Heim der Riesen“ geben. Da sind die Norweger doch gleich mal konsequent. Auf ihre Mystik lassen sie nichts kommen. Wen wundert das auch in einem Land, das sozusagen powered by nature ist. Deshalb nannten sie auch das Gebirge in der Provinz Oppland eben solches: Heim der Riesen – Jotunheimen. Nun ja, bei der Höhe der Bergmassive kann man vielleicht im Vergleich zum Himalaya nicht von Riesen sprechen, aber Jotunheimen hat alles, was ein Gebirge braucht um der Natursucht zu verfallen: Schnee, Gletscher, Wiesen, Wasser, norwegische Wohnidyllen.

Copyright: Øyvind Heen - Visitnorway.com

Copyright: Øyvind Heen – Visitnorway.com

Logisch, dass alles, was man dort so unternehmen kann der norwegischen Natur geschuldet ist. Ich bin ja immer für das rundum-Erlebnis. Norwegen hat praktischerweise das Allemannsretten erfunden. In Kurzform: nimm Dein Zelt, ne Angel und n Bike und los geht´s. Dabei ist es im Grunde egal zu welcher Jahreszeit man sich dort aufhält, im Winter ersetzt man das Bike einfach durch ein Paar Skier oder kämpft sich zu Fuß durch den Schnee, der in den Ebenen gerne mal zwei Meter hoch liegt. Und den Fisch muss man dann eben in einer der zahlreichen Hütten kaufen. Ich meine das ist mir sowieso lieber. Auch im Sommer. Am Haken hängen sie ja immer recht schnell, aber den Weg in die Pfanne möchte ich dann als persönlicher Henker doch nicht verantworten. 😉

Copyright: Terje Rakke/Nordic Life AS - Visitnorway.com

Copyright: Terje Rakke/Nordic Life AS – Visitnorway.com

Romantische Stimmung am Lagerfeuer geht ja schließlich auch ohne Fischpfanne. Aber man muss nicht unbedingt im Zelt übernachten wenn man in Jotunheimen unterwegs ist. Für den „Komfort-Junkie“ gibt es eine ganze Menge Holzhütten, in denen man sich einmieten kann. Gegen das Zelt ist das dazugehörige „Häuschen“ für gewisse Notdurften Luxusaccessoire. Und da selbst die Ebenen des Gebirges oberhalb der Baumgrenze liegen findet man meist so schlecht ein Bäumchen hinter dem man seine Scham verstecken kann. 😉

jotunheimen-174228Glücklicherweise sind die Berggipfel so zaghaft geraten, dass sie selbst für einen Konditionsschwächling wie mich bezwingbar sind. Denn um nichts in der Welt darf man sich den Blick von einem der Gipfel entgehen lassen, auf einem der Felsvorsprünge sitzend die norwegische Luft genießend. Die mitgebrachte Stulle schmeckt hier am besten. Blöd nur, dass man irgendwann wieder den Weg ins Tal antreten muss. Vielleicht doch lieber Zelt? 😉

Aber ganz egal WIE man in Jotunheimen unterwegs ist, ob zu Fuß, per Bike oder mit dem Auto, man in der Natur übernachtet oder in der Hütte, Norwegen beweist hier einmal wieder, dass es wirklich powered by nature ist. Und abends, ja da sieht man dann vielleicht auch einen Troll, am Seeufer, zwischen den Flechten! Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. 🙂

Der Fjord oder wo die Sehnsucht wohnt

Also nüchtern betrachtet ist ein Fjord ja ein schmaler, langgestreckter Meeresarm, der tief ins Landinnere reicht und an drei Seiten von Festland begrenzt ist. Aber wer will schon nüchtern betrachten, wo wahrscheinlich jeder, den man auffordert einen Begriff mit Norwegen zu assoziieren das Wort „Fjord“ nennen wird. Und ja – jeder, der schon einmal am Ufer eines selbigen gestanden hat, nimmt die Erinnerung an das ruhige Wasser, den Spiegel der Berghänge in den sanften Wellen, die steilaufragenden Bergwände, das satte grün und die schneebedeckten Gipfel in seinen Erinnerungen mit nach Hause. Die Natur hat hier Norwegen besonders beglückt, denn die Vielfalt der Fjorde ist schier unendlich.

Lysefjord

Lysefjord

Mal breiten sie sich großzügig aus, mal haben sie sich so eng ins Gebirge gefurcht, dass man nahezu Platzangst bekommt. Im Nærøyfjord in der Provinz Sogn og Fjordane, der sich engster Fjord der Welt nennen darf, macht die Natur jedem Besucher unmißverständlich klar, mit welcher Gewalt die Fjordlandschaft in der Eiszeit entstanden ist. Man hält förmlich den Atem an, wenn man per Schiff passiert, denn 1700m hohe Steilwände, die einen gerade mal 250m breiten Fjord säumen, hinterlassen Ehrfurcht. Und auch was Schiffe so herrlich gerne tun, nämlich kräftig ins Horn blasen, müssen sie sich hier verkneifen, es sei denn man will den Rest des Tages unter einer Steinlawine verbringen, die das Horn ohne weiteres auslösen kann.

Nærøyfjord, Copyright: Øyvind Heen - Visitnorway.com

Nærøyfjord, Copyright: Øyvind Heen – Visitnorway.com

Den Titel „Längster Fjord der Welt“ hat zwar Grönland Norwegen weggeschnappt, aber immerhin kann Norwegen mit dem zweit- und drittlängsten Fjord der Welt aufwarten (Sognefjord und Hardangerfjord). Unberührte Natur ist Programm, die Landschaft befindet sich sozusagen im Zustand zu Wikingerzeiten. Aber es besteht keine Helmpflicht. 😉

Trotzdem darf man davon träumen, wie es war als die Wikinger hier noch die Segel hissten und zu neuen Ufern aufbrachen. Stabkirchen, Nationalparks, alles befindet sich in ganz Norwegen meist in Fjordnähe. Sich an Deck eines Schiffes gemütlich durch die Fjorde fahren lassen gibt einem zwar mehr Zeit für Drinks und Snacks an Bord, der Profi gibt sich aber gleich die Natursupersause. Per Pedes oder mit dem Bike gelangt man zu den schönsten Aussichtspunkten und der Supercrack nimmt gleich das Zelt mit, denn dank des Allemannsretten, des Allmannsrechts, darf man in Norwegen nahezu überall sein mobiles zuhause aufschlagen und nachts in den Sternenhimmel schauen. Tagsüber darf man sich der Beeren und Pilze bedienen, die die Natur bereit hält. Ja so kommt man dem Wikingerleben schon ein Stück näher.

Idylle am Sunnfjord

Idylle am Sunnfjord

Aber egal ob mit dem Schiff oder als Abenteurer, die Ruhe, die die Fjorde ausstrahlen, packt jeden. Praktischerweise hat die Natur selbst dafür gesorgt, denn die seichten Fjordmündungen versagen dem Meer seinen Wellengang erfolgreich ins Fjordwasser zu übertragen.

Also abends am Fjord sitzen, aufs aalglatte Wasser schauen und Norwegen erteilt jedem eine Lektion im runterkommen. Garantiert! 🙂

Auf dem Weg zur Mitternachtssonne oder wo Europa endet

Ja das Nordkapp, da wo man vom nördlichen Rand Europas zu fallen scheint und wo die Sonne in den Sommermonaten nicht untergeht. Aber halt, stopp, noch sind wir nicht dort. Die Reise beginnt vielmehr vierzehn Tage früher, in Bergen. Und auch wenn man auf den Hurtigruten nicht von wirklichem Individualtourismus sprechen kann, packen sie doch einen bunten Reigen der schönsten Ziele Norwegens in die Reiseroute. Und dass das Hotel mitfährt ist ja auch nicht so ganz unpraktisch. Allerdings muss ich zugeben, dass Anfang der 90er Jahre, als ich zum ersten mal auf die Hurtigruten stieß, der Abenteuergedanke noch präsenter war. Postschiff und so. Die Post fährt zwar auch heute noch mit, aber die damals wenig komfortablen Kabinen sind dem Kreuzfahrtfeeling gewichen. Anyway: gestartet wird immer noch in Bergen.

Bergen, Provinz Hordaland

Bergen, Provinz Hordaland

Bergen an sich ist ja schon immer eine Reise wert, ich empfehle ja immer mindestens einen Tag früher anzureisen als man sich einschifft, damit man nicht gleich mit Frust in die Reise startet, weil man das zauberhafte Städtchen aus Zeitmangel auslassen muss. Abends tutet das Schiffchen sich dann seinen Weg in Richtung Nordkapp frei, man darf auch Titanic-like den Schaulustigen am Kai zuwinken. Schippert man dann endlich an der Westküste Norwegens entlang kommt man eigentlich gar nicht mehr ins Bett vor lauter Sonnenuntergängen und norwegischer Natur. Bis man den Polarkreis passiert geht sie ja immerhin noch für ein paar Stunden unter.

Sonnenuntergang auf dem Weg zum Nordkapp

Sonnenuntergang auf dem Weg zum Nordkapp

Gut 400 km nördlich von Bergen und nach etlichen Zwischenstationen folgt Ålesund. Das Vergnügen der „blauen Stunde“ hat man zwar im Sommer nicht, aber man kann eben nicht alles haben. An der Architektur im Jugendstil und dem norwegischen Flair darf man sich aber auch in den Sommermonaten erfreuen. Und da der Geirangerfjord so herrlich nah liegt und es sowieso der bekannteste Fjord Norwegens ist, macht auch so ziemlich jedes Schiff den kleinen Schlenker. Das „Festival der Kreuzfahrtschiffe“ tut aber der Schönheit des Fjords keinen Abbruch. Wasserfälle, Berghänge, die sich über dem Fjord auftun, Norwegen @ its best.

Geirangerfjord

Geirangerfjord

Ab jetzt geht es mit strammen Schritten auf den Polarkreis zu. Nach Trondheim, Rørvik, Brønnøysund und Nesna kommt er dann. 66° 33′ 55″! Ab jetzt geht die Sonne nicht mehr unter und an Schlaf ist eh nicht mehr zu denken, nicht nur weil es um Mitternacht immer noch taghell ist. Die Mitternachtssonne übt eben eine besondere Faszination aus und man kann sich von dem Naturschauspiel eigentlich gar nicht abwenden. Spätestens hier ärgert sich wer zu wenig Speicherkarten für die Kamera eingepackt hat.

Mitternacht

Mitternacht

Bevor man aber den nördlichen Rand Europas sieht, erreicht man erst noch eines der schönsten Fleckchen Norwegens, die Lofoten. Auch wenn sich Lofoten so herrlich nach Mehrzahl anhört, ist es doch Singular, obwohl es sich um nicht weniger als achtzig Inseln handelt. Allein hier könnte man Sommer wie Winter Wochen verbringen, aber auf der Reise zum Nordkapp darf man wenigstens mal dran schnuppern.

Lofoten

Lofoten

Inzwischen befinden wir uns 1.500km nördlich von Bergen und es geht noch weiter. Jetzt folgt die zerklüftete Westküste von Nordnorwegen bis nach Tromsø. Nach vielen Städten mit einer Einwohnereinzahl, die man praktisch an zwei Händen abzählen kann, bekommt man in der größten Stadt von Nordnorwegen sozusagen Metropolen-Feeling. Dass man sich bereits gut 300km nördlich des Polarkreises befindet, merkt man der Stadt dann auch an, inklusive, dass es auch im Sommer manchmal ordentlich kalt sein kann. Der Polarforschungsinteressierte kann sich hier so richtig austoben. Nebenbei steht hier auch die nördlichste Kathedrale des Landes.

Arctic Cathedral, Copyright: CH - Visitnorway.com

Arctic Cathedral Tromsø, Copyright: CH – Visitnorway.com

Und dann, noch einmal gut 500km weiter nördlich und mittlerweile mehr als 2.300km nördlich von Bergen strahlt sie einen an – die Mitternachtssonne am Nordkapp. Im Grunde ist es gar nicht wirklich der nördlichste Punkt Europas, aber man ist schonmal ganz nah dran. Allerdings: das Schieferplateau mit der bekannten Weltkugel eignet sich eben besonders als Aussichtspunkt. Und dem Zauber der am Himmel stehenden Sonne kann sich dann auch kaum einer entziehen. Besonders wenn sie sich ihren Weg durch die Wolken bahnt – atemberaubend. Und irgendwo da hinter ihr befindet sich der Nordpol, ja da fühlt man sich als Besucher ganz schnell ganz unbedeutend umgeben von Naturgewalten.

Nordkapp

Nordkapp

Alles in allem. Die Zeit ist günstig. Deshalb schnell Koffer packen und 2.500km Norwegen in sich aufsaugen. Aber Vorsicht: Ansteckung mit dem Norwegen-Virus garantiert! 😉

Im Flug durch alle Jahreszeiten 2014 – die ganze Schönheit Norwegens in vier Minuten

Wie Ihr wisst bin ich ja ein Oslo-Girl. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch verliebt in den Rest von Norwegen bin. Bei meiner Recherche im Netz bin ich auf diesen fantastischen Film gestoßen, der in gut vier Minuten schafft die ganze Schönheit der Natur einzufangen mit atemberaubenden Luftaufnahmen. Also fliegt mit durch die Jahreszeiten des Jahres 2014 und lasst Euch inspirieren von Fjorden und Nordlichtern! 🙂 ❤

Am Ende der Polarnacht – Spitzbergen erwacht aus dem Winterschlaf

Copyright: Jens Henrik Nybo - Visitnorway.com

Copyright: Jens Henrik Nybo – Visitnorway.com

Früher war ich ja mehr Sommer. Mittlerweile bin ich ein echter Winterfan geworden. Nur das mit der Polarnacht ist immer noch so ne Sache. Für lange Nächte bin ich bis heute nicht zu haben – also zumindest nicht, wenn sie sich auf die Anzahl der Stunden beziehen, in denen die Sonne nicht scheint. Allerdings ist es schon ein Erlebnis, wenn es mittags um zwölf so stockdunkel ist wie wir es eigentlich mehr von Mitternacht gewohnt sind. Auch die Norweger sind nicht wirklich versessen auf die lange Dunkelphase. Aber sie leben damit. Die in Spitzbergen sind am schlimmsten dran. Also eigentlich heißt das ja Svalbard, also kalte Küste, aber der Begriff will sich im deutschsprachigen Raum nicht so recht durchsetzen. Da die Inselgruppe so ziemlich das Nördlichste ist, was Norwegen zu bieten hat, weit draußen im Polarmeer, währt die Polarnacht hier am längsten. Seit 26. Oktober ist die Sonne nicht mehr über dem Horizont erschienen. Seit gestern ist sie wieder da, nach fast vier Monaten völliger Dunkelheit. Erst zaghaft mit einer Tageslänge von einer Stunde, heute am 16. Februar können sich die Spitzbergener bereits an zwei Stunden Tageslänge erfreuen. In zwei Wochen wird die Sonne wieder knappe acht Stunden scheinen.

Copyright: Jens Henrik Nybo - Visitnorway.com

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Was bedeutet, dass jetzt auch wieder die beste Zeit anbricht um die Inselgruppe für sich zu entdecken. Mit geführten Schlittentouren durch die Natur zu sausen ist im März und April ne echte Sensation, noch genug Schnee und schon genug Licht. Im Spitzbergener Hochsommer erwärmt sich die Inselgruppe auf mollig warme 5 Grad plus, Zeit für die Tourismus-Hochsaison. Wer allerdings bei Tourismus an Komfort, ausgebaute Infrastruktur und so denkt sollte urlaubsmäßig 1.000km weiter südlich planen. Außerhalb von Longyearbyen, der größten Kommune von Spitzbergen, sind Arktisausrüstung und Bewaffnung die Schlüsselworte wenn man hier im Outback unterwegs ist, denn freundliche Eisbären sind eher selten und Brücken über Flussläufe oder gar befestigte Straßen sind ebenfalls Mangelware. Deshalb gibt es außerhalb der Kommunen auch eine ganze Reihe Vorschriften zum Eigenschutz, die man unbedingt beachten sollte. Die Liste zum Umgang mit Eisbären erscheint mir so lang wie eine wissenschaftliche Abhandlung, aber auf die Umarmung eines Weißfellriesen bin ich dann auch nicht scharf! Also sollte man sich lieber an die norwegischen Empfehlungen halten.

Dafür wird man dann aber auch belohnt: mit einer der schönsten Naturregionen, die Norwegen zu bieten hat! ❤

Bei den Sami

Hoch im Norden leben sie, die Sami. Sami heißt „Sumpfleute“ und viele bestehen darauf als Sami und nicht als Lappen bezeichnet zu werden. Ich persönlich finde ja, dass man bei diesem Völkchen in eine völlig eigene Welt eintauchen kann. Am meisten fasziniert mich die traditionelle Tracht, die sich besonderer Farbenpracht erfreut und die Rentierwirtschaft, die die Sami halbnomadisch betreiben. Außerdem ist ihr Kunsthandwerk sehr beliebt und auch wichtige Einnahmequelle. Seit 1917 feiern sie am 6. Februar ihren eigenen Nationalfeiertag.