Von Wikingertradition und Weihnachtskitsch – god jul!

Ich bin es ja von jeher gewohnt mich mit dem Fernsehklassiker „Dinner for one“ auf den Silvesterabend einzustimmen. In Norwegen musste ich mich erst daran gewöhnen, dass genau dieser Klassiker hier das Weihnachtsfest einläutet, am Vorabend von Heiligabend, dem lille julaften. Obwohl auch in Norwegen Heiligabend noch als offizieller Arbeitstag gilt, wird bei vielen Norwegern bereits am 23. Dezember auf Chillmodus geschaltet. Schließlich gibt es doch einiges vorzubereiten. Der norwegische Christbaum hat zu meinem Entzücken einen leichten Hauch von Kitsch und wartet mit Lametta, Nationalflaggen und bunten Kugeln auf, weniger entzückend finde ich die Tatsache, dass er meist erst Heiligabend geschmückt wird. Ich gehöre ja zu denjenigen, die spätestens am 27. Dezember den ganzen Weihnachtsdekotand wieder einmotten und erwärme mich mehr für  den „Der-Weihnachtsbaum-steht-schon-in-der-Adventszeit“-Zustand. So weit, so gut.

Nun, was bringt der Norweger denn an Weihnachten so auf den Tisch? Mal abgesehen davon, dass ich sehr erleichtert bin, dass die früher traditionell servierten sechzig (!) Gänge eher nicht in die Neuzeit gefunden haben, ist allerdings auch heute noch die norwegische Weihnachtsspeisentradition eher – sagen wir speziell – für den mitteleuropäischen Gaumen. Wobei es hier erhebliche regionale Unterschiede gibt. Gelaugter Stockfisch kann mich als Weihnachtsmahl eher nicht überzeugen, auch geräucherte Lammrippe zählt nicht unbedingt zu meinen kulinarischen Vorlieben. Mit Schweinerippe kann ich mich am ehesten anfreunden. Dazu isst man Kartoffeln, norwegisches Sauerkraut und Steckrüben. Und was auf keinen Fall fehlen darf: Milchreis mit Mandeln. Und hier machen sich die Norweger einen besonderen Spaß daraus darin eine einzige Mandel zu verstecken. Was ich in Deutschland eher kenne als „Wer-den-Kirschkern-im-Kuchen-findet-darf-spülen“ lockt in Norwegen mit einer Belohnung für den, der die Mandel im Milchreis findet: ein Marzipanschwein. Es erübrigt sich wahrscheinlich zu erwähnen, dass ich Marzipan hasse.

Bleibt die Bescherung. Die beginnt in Norwegen mit einem traditionellen Rundgang um den Weihnachtsbaum. Man fasst sich an den Händen und singt Weihnachtslieder. Und dann darf man sich auch auf die hübsch eingepackten Geschenke stürzen, die stets unter dem Baum gestapelt werden, manchmal so hoch, dass man sich fragt, wo der Baum denn geblieben ist.

Und sonst noch so? Am ersten Weihnachtsfeiertag sind die Kinder dran. Sie feiern Julebukk und ziehen von Haus zu Haus um Süßigkeiten mit Weihnachtsliedern zu ersingen. Die Erwachsenen laden zum Weihnachtsbaumfest ein, bei dem man mit Glühwein um den Weihnachtsbaum tanzt. Schon wieder tanzen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag stößt man auf proppenvolle Kneipen und Restaurants, wo man die Feiertage ausklingen lässt. Und nach den Feiertagen? Da liegt ganz Norwegen in einem gewissen Winterschlaf. Romjulen, oder wie man in Deutschland sagt „zwischen den Jahren“ passiert gelinde gesagt: nichts. Schließlich muss man ja auch Kräfte sammeln für Nyttårsaften (Silvester).

Also dann: God Jul og Godt Nyttår!

 

 

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