Osterhasen nicht so sehr, Osterküken umso mehr!

In Europa verbindet man das Osterfest ja gemeinhin mit dem Osterhasen. In Norwegen lässt man das Häschen links liegen und konzentriert sich auf die Osterküken sprich Påskekyllinger. Überall sind sie dekoriert zur Zeit, in Geschäften und natürlich auch im wohligen Heim des Norwegers. Hübsch drapiert mit Ostereiern und Weidenkätzchen. Ostereier aus Pappe, gefüllt mit Süßigkeiten bringen in diesen Tagen Kinderaugen zum Leuchten. Überreicht werden sie Karsamstag oder Ostersonntag.

Copyright: insidenorway

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Die Religion spielt natürlich eine zentrale Rolle beim norwegischen Osterfest und gemeinhin wird bereits am Palmsonntag begonnen das Auferstehungsfest zu zelebrieren. Und spätestens ab Gründonnerstag ist alles im Ruhemodus. Aber so richtig! Der gläubige Norweger findet sich Gründonnerstag-Abend, Karfreitag-Morgen und Ostersonntag in der Kirche ein. Analog dieser Tradition sind Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag auch Feiertage.

Und immer wieder gibt es so eine Wetterfrühlingsschwelle zu Ostern. Auch dieses Jahr legt sich zumindest Oslo schwer ins Zeug, was das Wetter betrifft. Die Sonne lacht vom Himmel, auch wenn hier und da ein paar Wölkchen aufziehen, aber ein Hauch von Frühling ist auf der Haut zu spüren. Die Knospen sprießen und die ersten Huflattiche strahlen in gelb. Aber der Norweger liebt es mal wieder speziell! Alles in Europa giert nach Frühling und was macht der Norweger? Er fährt in den SCHNEE! Keiner kann das weiße Zeug im übrigen Europa zu diesem Zeitpunkt noch sehen, aber der Norweger entspannt fünf Tage auf seiner einsamen Hütte irgendwo in Zentralnorwegen, malt Schnee-Engel in die weiße Pracht, schnallt sich die Ski unter und erfreut sich an familiären Schneeballschlachten.

Anders Gjengedal - Visitnorway.com

Österliche Schlittenfahrt in der Provinz Oppland, Copyright: Anders Gjengedal – Visitnorway.com

Nebenbei isst man Orangen und Kvikk Lunsj, sprich Keks-Schokoriegel, und trinkt Kakao aus der Thermoskanne. Und dann ist da ja noch eine österliche Tradition, mit der ich mich aber so gar nicht anfreunden kann: die Krimi-Leidenschaft. Als bekennende Krimi-Hasserin kann ich weder etwas an Milchtüten finden, die mit Krimis bedruckt sind, noch mich erwärmen für die geballte Krimi-Konzentration im Fernsehen. Auch vorlesen von Kriminalromanen am Kamin finde ich nur bedingt überzeugend. 😉 Aber wenigstens mit „Påskenøtter“, der österlichen Quizshow, übrigens heute um 19:30 Uhr auf NRK 1, kann ich mich arrangieren. Ich bin eben mehr Quiz als Krimi. 😉

Also ich persönlich brauche jetzt nicht SO unbedingt noch einmal einen Ausflug in den Schnee und ziehe den Aufenthalt in Oslo vor. Da kann man auch viel besser das erste Bier des Jahres genießen, bei frühlingshaften 10 Grad, unter freiem Himmel! God påske!

Copyright: insidenorway

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Alex auf den Spuren der norwegischen Geschichte im Norsk Folkemuseum

Hatte ich schon einmal gesagt, dass ich Museumsbesuchen bislang nicht wirklich etwas abgewinnen konnte? Oslo scheint dem hartnäckig entgegen zu steuern……..mit Erfolg. Und wenn sich in der norwegischen Hauptstadt schon das größte Museum des Landes befindet, sollte man dort vorbei schauen, wenigstens um mitreden zu können. Das Norsk Folkemuseum verspricht Geschichte zum anfassen durch sieben Jahrhunderte und bereits wenn man mit dem Bus Nr. 50 das Terrain der Museumsinsel Bygdøy erobert, kann man erahnen, dass das Gelände des Museums riesig ist. Ich bin sehr gespannt. Wir befinden uns immer noch im Winter, folglich ist die Kombination mit Freilichtmuseum etwas gewagt, aber ich will es jetzt sehen.

Ich löse also mein Ticket für 90,- kr und mache mich auf zu den Wikingern, denn so beginnt der Rundgang. Die Norweger haben keine Kosten und Mühen gescheut mal eben ein ganzes Wikingerdorf aus Originalfundstücken auf das Gelände zu stellen. Es hat ein bißchen was davon als ginge man durch die Asterix-Comicwelt im realen Leben. Ich finde alles zauberhaft arrangiert, in die meisten Häuser darf man auch hineingehen und stellt fest, dass die Wikinger nicht nur deutlich kleiner waren, sondern der Komfort nach heutigen Maßstäben auch sehr überschaubar war.

Auf den Spuren der Wikinger, Copyright: insidenorway

Auf den Spuren der Wikinger, Copyright: insidenorway

Weiter geht es auf eine Lichtung, auf der die Stabkirche von Gol steht, mehr als siebenhundert Jahre alt, top-erhalten und wirklich ein optischer Leckerbissen, zumal die Sonne so freundlich ist und hinter den spärlich beblätterten Bäumen erstrahlt. Ja DAS sind die Momente, wo ich stundenlang einfach nur entzückt innehalten möchte ob des großartigen Anblicks. Reingehen kann man selbstverständlich auch und wenn man das tut riecht es wunderbar nach Holz und Natur.

Stabkirche von Gol, Copyright: insidenorway

Stabkirche von Gol, Copyright: insidenorway

Jetzt im Winter wirkt das Gelände fast etwas verlassen, was das Besuchserlebnis allerdings nicht schmälert. Im Sommer wird das Norwegen-Feeling dann aber vollkommen durch ein umfangreiches Rahmenprogramm, traditionelle Trachten, Gesänge und vieles mehr. Ich werde das in den Sommermonaten definitiv testen. 🙂

Weiter geht es ins Mittelalter und die frühe Neuzeit. Ich stelle fest, dass auch hier der Komfort sagen wir, überschaubar, war. Schaut man die Häuser von innen an stellt man fest mit wieviel Liebe zum Detail die Norweger dieses Museum aus dem Boden gestampft haben. Das ist wirklich Geschichte zum anfassen und auch für Geschichtsmuffel unterhaltsam. Und immer wieder schmunzel ich über die winzigen Betten, die höchstens eine Körpergröße von 1,50m zulassen.  Geschirr, Kleidung und andere Einrichtungsgegenstände wurden liebevoll zusammengetragen und arrangiert.

Leben der Norweger im MIttelalter, Copyright: insidenorway

Leben der Norweger im MIttelalter, Copyright: insidenorway

Auf dem sich anschließenden Gelände der Neuzeit sind die typisch skandinavischen Holzhäuser so zauberhaft nachgebaut, dass man sich gar nicht satt sehen kann. Auch wenn hier die Innenräume deutlich luxuriöser werden als noch ein paar Jahrhunderte zuvor, denkt man mitunter man befindet sich in Puppenhäusern. Alles ist klein und eng und ich wundere mich wie man soviel Einrichtung in so wenig qm packen kann. Das Bettengrößenproblem bleibt. 😀

Innen wird es allerdings auch deutlich bunter, Möbel, Wände, Tischdecken, alles norwegisch bunt. Den Straßenzug schmückt außerdem ein entzückender Krämerladen, eine Apotheke und eine Bank, alles originalgetreu. Da leuchten selbst bei mir die Augen wie bei einem Kind. Museen mit eingebautem Zeitreisetool findet selbst ein Museums-Muffel wie ich großartig.

Copyright: insidenorway

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Bleibt die Moderne. Und was macht der norwegische Staat? Er stellt einfach mal ein ausgewähltes Gebäude aus Oslo nochmal aufs Museumsgelände um daran das norwegische Leben im 20. Jahrhundert zu zeigen. Drei Stockwerke kann man besichtigen, im Erdgeschoss geht es los mit den 1910er Jahren, weiter im ersten Stock mit den 1950er Jahren und es endet mit den 1980er Jahren im zweiten Stock. Und man stellt fest, dass sich das Leben in Norwegen in diesem Jahrhundert nicht wirklich vom übrigen Europa unterschied, das Bettengrößenproblem ist nicht mehr existent und das Arrangement mit viel Liebe zum Detail ist auch hier fortgeführt.

Copyright: insidenorway

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Nach dem Rundgang auf dem Freilichtgelände kann wer will noch die Ausstellungen besuchen, die sich in den Gebäuden rund um den Eingangshof befinden. Auch hier gibt es noch allerhand zu sehen, Kleidung und Einrichtungsgegenstände der Wohlhabenden, Holzschnitzereien und andere Handwerkskunst.

Fazit: bei einer Oslo-Reise sollte ein Besuch in diesem Museum auf keinen Fall fehlen. Norwegische Museen haben ja in der Regel die angenehme Seite, dass die Ausstellungen eine Größenordnung haben, die es erlaubt die Ausstellung in ein bis zwei Stunden zu bewältigen. Im Norsk Folkemuseum ist das anders. Wer alles besichtigen will sollte einen halben Tag einplanen. Weil das Gelände so abwechslungsreich gestaltet ist vergeht die Zeit wie im Flug. Also Daumen hoch für eins der besten Museen, die ich bislang besucht habe! 🙂

Von Wikingertradition und Weihnachtskitsch – god jul!

Ich bin es ja von jeher gewohnt mich mit dem Fernsehklassiker „Dinner for one“ auf den Silvesterabend einzustimmen. In Norwegen musste ich mich erst daran gewöhnen, dass genau dieser Klassiker hier das Weihnachtsfest einläutet, am Vorabend von Heiligabend, dem lille julaften. Obwohl auch in Norwegen Heiligabend noch als offizieller Arbeitstag gilt, wird bei vielen Norwegern bereits am 23. Dezember auf Chillmodus geschaltet. Schließlich gibt es doch einiges vorzubereiten. Der norwegische Christbaum hat zu meinem Entzücken einen leichten Hauch von Kitsch und wartet mit Lametta, Nationalflaggen und bunten Kugeln auf, weniger entzückend finde ich die Tatsache, dass er meist erst Heiligabend geschmückt wird. Ich gehöre ja zu denjenigen, die spätestens am 27. Dezember den ganzen Weihnachtsdekotand wieder einmotten und erwärme mich mehr für  den „Der-Weihnachtsbaum-steht-schon-in-der-Adventszeit“-Zustand. So weit, so gut.

Nun, was bringt der Norweger denn an Weihnachten so auf den Tisch? Mal abgesehen davon, dass ich sehr erleichtert bin, dass die früher traditionell servierten sechzig (!) Gänge eher nicht in die Neuzeit gefunden haben, ist allerdings auch heute noch die norwegische Weihnachtsspeisentradition eher – sagen wir speziell – für den mitteleuropäischen Gaumen. Wobei es hier erhebliche regionale Unterschiede gibt. Gelaugter Stockfisch kann mich als Weihnachtsmahl eher nicht überzeugen, auch geräucherte Lammrippe zählt nicht unbedingt zu meinen kulinarischen Vorlieben. Mit Schweinerippe kann ich mich am ehesten anfreunden. Dazu isst man Kartoffeln, norwegisches Sauerkraut und Steckrüben. Und was auf keinen Fall fehlen darf: Milchreis mit Mandeln. Und hier machen sich die Norweger einen besonderen Spaß daraus darin eine einzige Mandel zu verstecken. Was ich in Deutschland eher kenne als „Wer-den-Kirschkern-im-Kuchen-findet-darf-spülen“ lockt in Norwegen mit einer Belohnung für den, der die Mandel im Milchreis findet: ein Marzipanschwein. Es erübrigt sich wahrscheinlich zu erwähnen, dass ich Marzipan hasse.

Bleibt die Bescherung. Die beginnt in Norwegen mit einem traditionellen Rundgang um den Weihnachtsbaum. Man fasst sich an den Händen und singt Weihnachtslieder. Und dann darf man sich auch auf die hübsch eingepackten Geschenke stürzen, die stets unter dem Baum gestapelt werden, manchmal so hoch, dass man sich fragt, wo der Baum denn geblieben ist.

Und sonst noch so? Am ersten Weihnachtsfeiertag sind die Kinder dran. Sie feiern Julebukk und ziehen von Haus zu Haus um Süßigkeiten mit Weihnachtsliedern zu ersingen. Die Erwachsenen laden zum Weihnachtsbaumfest ein, bei dem man mit Glühwein um den Weihnachtsbaum tanzt. Schon wieder tanzen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag stößt man auf proppenvolle Kneipen und Restaurants, wo man die Feiertage ausklingen lässt. Und nach den Feiertagen? Da liegt ganz Norwegen in einem gewissen Winterschlaf. Romjulen, oder wie man in Deutschland sagt „zwischen den Jahren“ passiert gelinde gesagt: nichts. Schließlich muss man ja auch Kräfte sammeln für Nyttårsaften (Silvester).

Also dann: God Jul og Godt Nyttår!

 

 

Expecting Christmas – Oslo weihnachtlich geschmückt

Ich habe ja wirklich schon einige Städte im vorweihnachtlichen Gewand gesehen, aber ich finde, dass Oslo in punkto Beleuchtungsdeko wirklich Maßstäbe setzt. Ok Norwegen muss nur verhalten auf Energiekosten achten, also findet man an so ziemlich jeder Straßenecke liebevoll arrangierte Tannenbäume noch und nöcher. Selbst die U-Bahn-Tunnel hat man nicht vergessen mit weihnachtlicher Stimmung zu versorgen. Besonders schön hat sich der Stadtteil Akerbrygge herausgeputzt, er hat es natürlich durch die Lage direkt am Oslofjord leicht sich in ein stimmungsvolles Weihnachtsgewand zu kleiden. Meine Lieblinge sind ja immer wieder die beleuchteten Kugelbäume, die überall in Akerbrygge und im Stadtteil Tjuvholmen aufgestellt sind. Ja…..Oslove….. ❤

Bei den Sami

Hoch im Norden leben sie, die Sami. Sami heißt „Sumpfleute“ und viele bestehen darauf als Sami und nicht als Lappen bezeichnet zu werden. Ich persönlich finde ja, dass man bei diesem Völkchen in eine völlig eigene Welt eintauchen kann. Am meisten fasziniert mich die traditionelle Tracht, die sich besonderer Farbenpracht erfreut und die Rentierwirtschaft, die die Sami halbnomadisch betreiben. Außerdem ist ihr Kunsthandwerk sehr beliebt und auch wichtige Einnahmequelle. Seit 1917 feiern sie am 6. Februar ihren eigenen Nationalfeiertag.