Wo ein Nationalkuchen geboren wurde oder: die Vesteråleninsel Hinnøya !

Ok auf den Vesterålen kann man sich unendlich austoben, was Ausflüge in die Natur betrifft. Da ich auf selbiger Inselgruppe bislang noch nicht soviel unterwegs war, habe ich mal mit der Tour von Harstad nach Sortland angefangen. Irgendwo muss man ja beginnen. Damit bewege ich mich auf Hinnøya,  der nicht nur größten Insel der  Vesterålen,  sondern von Norwegen überhaupt. Also wenn man Spitzbergen mal außen vor lässt. Die Insel schmiegt sich nur durch den Raftsund getrennt an die benachbarten Lofoten und kommt mit zwei Fjorden daher, die die Insel nahezu teilen. Im Norden hat sich der Gullesfjord in das Eiland gegraben und im Süden hat es sich der Øksfjord bequem gemacht.

Heute werde ich die Fjordlandschaft im Norden von Hinnøya erkunden, Start in Harstad, mit gut 24.000 Einwohnern die größte Stadt auf der Insel. Lauschig, norwegisch, Holzhausgeprägt. Kaum ist man aus Harstad raus, winkt die Alte Kirche von Trondenes. Von außen zwar kein Prachtbau, aber immerhin die älteste mittelalterliche Steinkirche Nordnorwegens. Und Mittelalterfeeling kommt dort auch auf. Die Sonne scheint durch die alten Bäume des angrenzenden Friedhofs, vor allem in den frühen Morgenstunden zauberhaft. Von dort blickt man auf den Vågsfjord, der eigentlich kein Fjord, sondern nur eine Meerenge ist, Gräber mit Meerblick sozusagen. 😉 Man sollte unbedingt auch den Blick IN die Kirche werfen, da sie mit prachtvoller Ausstattung daher kommt. Ja, nicht jedem sieht man eben die inneren Werte an. 😀

Am frühen Morgen fährt hier auch die südgehende Hurtigrute vorbei. Wenn das Schiffchen passiert, erscheint  es fast wie ein Scherenschnitt vor den Bergen am anderen Ufer und dem glänzenden Wasser des Vågsfjords.

Die MS Nordlys der Hurtigrute passiert die Kirche von Trondenes, Copyright: insidenorway

Die MS Nordlys der Hurtigrute passiert die Kirche von Trondenes, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Gullesfjord. Bevor man den erreicht, liegt der Kvæfjord auf dem Weg und natürlich gleichnamige Ortschaft. Die Norweger nennen ja bekanntlich gerne Ortschaften wie ihre Fjorde. Moment, da war doch was anderes.  Wer je an Festtagen in Norwegen geweilt hat, ist ihm schon einmal begegnet: dem Kvæfjord kake. Eine findige alte Dame hat ihn sich ausgedacht und meinte, dass Baiser und Vanillecreme am besten geeignet sind um das Fasten zu brechen. Wie recht sie hat! Ich schlecke mir regelmäßig die Finger nach dieser Köstlichkeit. Dass die süße Sünde 2002 in den Adelsstand des Nationalkuchens erhoben wurde, gibt ihm bis heute einen Platz auf jeder Festtafel. Köstlich! ❤

 Zurück zu gleichnamigem Fjord. Ganz schön  breit ist er, zumindest bevor er nach Osten abbiegt und er sich in ein engeres Tal zwängen muss. Aber auch wo er noch mächtig strömen darf, fängt er ein mit seiner Ruhe. Überhaupt ist die Landschaft hier auf Hinnøya weich im Gegensatz zu den Lofoten, aber die müssen sich ja mit ihren Felsen auch gegen die rauhe Atlantikwitterung behaupten. Die Vesterålen kommen sanfter daher und nehmen sich klimatisch noch tüchtig was vom Golfstrom mit.

Kvæfjord, Copyright: insidenorway

Kvæfjord, Copyright: insidenorway

Sanft geht es auch weiter im Gullesfjord. Die umliegenden Gipfel rahmen das Wasser ein, die Sommerblumen haben sich mit bunten Farben geschmückt. Postkartenidyll. Und der Fjord hat einen Bewohner. Einen ziemlich mächtigen sogar. Aktuell ist er zwar bewegungsunfähig, aber seine Anwesenheit kann man nicht leugnen. Auf dem Gipfel des Bergkamms wurde ein Troll von der Sonne überrascht und da Trolle ja bei Tageslicht nunmal zu Stein erstarren, liegt er gemütlich mit dem Gesicht nach oben am Rande des Fjords. Stirn, Nase und Kinn sind unschwer zu erkennen. Also Vorsicht, wer sich hier nachts bewegt. 😉

Der liegende Troll, Copyright: insidenorway

Der liegende Troll (Bildmitte), Copyright: insidenorway

Obwohl man hier Stunden verbringen könnte fahren wir weiter, noch ein Stück am Gullesfjord entlang und setzen dann mit der Fähre ans andere Ufer über, Kurs Sortland, das bereits auf der benachbarten Insel, Langøya, liegt. Sortland ist die „blaue Stadt“, wobei mit „blau“ ein konsequentes Kunstprojekt gemeint ist, indem ein Großteil der Häuser blau gestrichen wird.

Den Sortlandsund, den man passieren muss, kann man bequem per Brücke überqueren. Und hier trifft man auch das südgehende Schiff der Hurtigrute wieder. Gegen Mittag fährt es unter der Sortlandbrücke hindurch und wer sich zu diesem Zeitpunkt auf der Brücke befindet, kann den Passagieren auf den Kopf spucken. 😉

Die MS Nordlys der Hurtigrute passiert die Sortland Brücke, Copyright: insidenorway

Die MS Nordlys der Hurtigrute passiert die Sortland Brücke, Copyright: insidenorway

Alles in allem: nachdem man einnmal an den Vesterålen genippt hat, will man das ganze Glas austrinken. Wer mir in der Zukunft also Kvæfjord kake serviert, gemahnt mich, bald wieder zu kommen und die anderen Inseln zu entdecken. Und das ganz kalorienfrei! 😉

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