Speed mit Spass oder: in Svolvær rockt die RIB-Safari

Ja, ich gebe zu: seit ich in Bodø das erste mal auf dem Speedboot war, ist das so etwas wie meine Leidenschaft geworden und wann immer ich die Möglichkeit habe, bin ich dabei. Diesmal hatte ich in Svolvær das Vergnügen. Wer auf die Lofoten reist, kommt ja nicht umhin sich in selbige zu verlieben. So ging es auch mir als ich das erste mal dort war. Die schroffe Felslandschaft begeistert mich immer wieder, ebenso wie der hohe Freizeitwert der Region.

Und heute ist mir auch das Wetter hold. Die Sonne strahlt vom Himmel, ein Tag wie geschaffen um mit ordentlich Geschwindigkeit über das Wasser zu jagen. Und ich habe die vage Hoffnung, dass es heute möglich ist, ohne diese lästige Sturmhaube ins Boot zu steigen, die einem, wenn man sie abnimmt, eine perfekte Helmfrisur beschert. Gut, wenn man in Norwegen zu Outdoor-Aktivitäten aufbricht, kommt es nicht darauf an, hinterher noch laufstegtauglich zu sein, aber da ich diesmal während meines Jobs als Reiseleiterin aufs Boot steige, finde ich es doch sehr angenehm, heute mal auf besagte Sturmhaube verzichten zu können. Die kostenlose Fönfrisur bekommt man ja trotzdem. 😀

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In den Overall schmeisse ich mich dennoch, schliesslich erfreut der Fahrtwind zuweilen mit kühlen Temperaturen. Heute sind wir nur fünf Mann im Boot, so dass wir zügig in Svolvær starten. Die MS Polarlys der Hurtigruten liegt uns gleich vor der Nase und es ist wirklich ein imposantes Bild sich gleich vor ihrem Bug auf dem Wasser zu befinden. Da ich von Speedboat-Touren gewöhnt bin, dass es eine feuchte Angelegenheit ist, lasse ich meine grosse Kamera an Land und packe nur das Handy ein. Schliesslich lässt sich das blitzschnell für ein Foto hervorholen und man kann es danach wieder hübsch im Overall verschwinden lassen. Dass ich mich dreissig Minuten später über meine Kamera an Land so richtig ärgere, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zunächst einmal tuckern wir gemächlich los. Kaum ist die Fischerinnenstatue am Hafenausgang in Sicht, geben wir ordentlich Speed. Herrlich. Man möchte vor Genuss die Augen schliessen, aber ich versuche das tunlichst zu vermeiden. Lofotenlandschaftskulisse und so. Alle Landschaftseindrücke in uns aufsaugend sausen wir zum Sandstrand. Das Wasser ist so türkisblau, dass man meinen könnte, man hält sich in der Karibik auf. Allerdings ist die Wassertemperatur nur etwas für die Harten. In zwölf Grad baden? Nein, ich verzichte.

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Wir fahren weiter und erspähen den ersten Seeadler. Jetzt, wo ich keine Kamera dabei habe. Genüsslich fliegt er über uns hinweg und beobachtet uns. Möglicherweise hofft er auf ein Fischleckerli. Kaum haben wir den Motor unseres Bootes ausgeschaltet, gesellt sich der nächste dazu. Und der nächste. Und der nächste. Alle versammeln sich auf einem kleinen Inselfelsen gleich neben uns und verfolgen uns mit Adleraugen. Auf adlerisch tönt es herüber, wann denn nun endlich der Fisch aufgetischt wird. Und tatsächlich. Wir haben Fisch dabei. Also eröffnen wir kurzerhand das Buffet und bald flattern sie betörend nah an unser Boot heran um die Köstlichkeiten aus dem Meer zu fischen. Mir fällt wieder ein, dass ich keine Kamera dabei hab. Grrrrrr! Immerhin gelingt es mir per Handy ein paar Videos zu schiessen. So nah bin ich noch nie an die stolzen Vögel herangekommen. In Ermangelung geeigneter Fotoausrüstung, erfreue ich mich dann heute daran, die Seeadler einfach zu beobachten. Und auch das ist fabelhaft.

Nachdem unser Fisch aufgebraucht ist, fahren wir weiter zur kleinen Inselgruppe Skrova, die sich in den Vestfjord erstreckt. Bei gutem Wetter wie heute blickt man bis zum Festland und auf die Lofotenwand. Sagenhaft!

Auf Skrova ist natürlich eins Hauptthema: die Fischerei. Wie könnte das auch anders sein. Schliesslich handelt es sich hier auch um eine ehemalige Hochburg der Lofotfischerei. Dorsch und Seelachs sind hier jedoch inzwischen nicht mehr Hauptakteur, jetzt ist der Lachs Trumpf. In riesigen Becken wartet er vor der Inselgruppe auf seinen Weg in Kochtopf und Backofen. Ja, so ein Lachsleben endet anders, als er es sich wahrscheinlich vorgestellt hat. Fischkarma. Auf jeden Fall aber trägt er dazu bei, dass so gut wie jeder auf Skrova irgendwie von der Lachszucht lebt, die örtliche Fischfabrik fährt ihn in rauen Mengen per LKW überall dorthin, wo er auf dem Teller landet. Nirgendwo in Norwegen ist die Millionärsdichte so hoch wie auf Skrova. Merke: Lachs scheint reich zu machen, zumindest hier. Wer also noch nach dem passenden Millionärssohn sucht, sollte einen Flirt bei einem Kaffee erwägen. 😉

Zeit nun um zurück nach Svolvær zu fahren, auch diesmal mit ordentlich Speed. Neptun geizt heute mit den Wellen und mein Rücken dankt mir sehr, dass wir nicht alle zwei Meter in ein Seegangloch fallen. Und dann sind wir auch schon wieder am Kai. Wie immer war die Tour viel zu kurz und ich könnte gleich nochmal. Jedenfalls bin ich auf den Lofoten nicht zum letzten mal Speedboot gefahren.

Fazit: dazu lässt sich nichts anderes sagen als AUSPROBIEREN!

Lust auf Abenteuer? Sieben Lofoten Hotspots, an denen Du zum Explorer wirst!

Norwegen an sich kann sich ja schon allein mit seiner Natur brüsten. Aber da geht noch mehr. Selbst Sportmuffel wie ich erwischen sich regelmäßig dabei, dass sie in Norwegen zum Bewegungs- und Aktivitätenguru werden. Und auch wenn alle Teile des Landes ihren Reiz haben, so zählen die Lofoten doch zu meinen Lieblingen. Vor allem, weil man hier in punkto Aktivitäten so richtig aus dem Vollen schöpfen kann.

  1. Seeadlersafari im Trollfjord Im Grunde nimmt man hier gleich zwei Highlights mit: die Seeadler und den Trollfjord. Generell ist es schon mal zauberhaft durch die schroffe Inselwelt mit dem Boot zu fahren, weil man sich einfach nicht sattsehen kann und die Speicherkarte der Kamera glüht. Die Seeadler komplettieren das ganze. Da sie mit Futter angelockt werden, kommt man in den vollen Vogelgenuss und kann sie auch problemlos aufs Bild bannen. Seeadler sieht man natürlich auch außerhalb einer Safari immer mal wieder, aber oft sind sie schon wieder verschwunden, wenn die Kamera schussbereit ist. Da ist es doch viel besser, wenn sie einem sozusagen freiwillig und ausgiebig vor die Linse flattern. Der enge Trollfjord und der sich anschließende Raftsund tun ihr übriges dazu um in den vollen Lofotengenuss zu kommen. www.lofotencharterbat.no
  2. Walsafari in Andenes Nun gut, streng genommen gehört Andenes zu den Vesterålen und nicht zu den Lofoten. Da der Wal an sich aber da herumschwimmt, wo es ihm am besten gefällt, muss man sich diesem Wunsch beugen. Von Andenes macht man sich also auf zu seinen Tummelplätzen. Die beste Zeit ist natürlich der Winter, da sich dann zu den Pottwalen gerne auch mal Orcas und Buckelwale hinzu gesellen. Und wer will nicht sehen, wie sich die riesigen Schwanzflossen aus dem Wasser heben. Und näher als bei einer Walsafari kommt man den Meeresriesen dann auch wirklich nicht. Gut, dass die Schiffe extrem geräuscharm sind und die Wale auch akustisch orten können. So werden die Wale nicht gestört und der Mensch kann sie sich aus nächster Nähe anschauen. Mächtig. www.whalesafari.no
  3. Rudern im Wikingerschiff in Leknes Wem nicht reicht, sich einfach gemütlich im Boot fahren zu lassen, der kann gleich selbst mit anpacken. Schließlich hatten die Wikinger auch keine komfortablen Motorschiffe und mussten sich auf ihre Muskelkraft berufen. Ganz nebenbei lernt man den Komfort der heutigen Zeit noch viel mehr zu schätzen. Man sitzt also ziemlich beengt an seinem zugeteilten Ruder und muss sich bemühen, ziemlich gleichmäßig mit den anderen im Takt zu rudern. Sonst wird das mit dem Vorwärtskommen nichts. Natürlich darf man sich danach ein Wikingermahl schmecken lassen. Rudern macht schließlich hungrig. www.lofotr.no
  4. Mitternachtssafari in Henningsvær Wenn man schonmal auf den Lofoten ist, und das im Sommer, kann man sich auch gleich ein Mitternachtssonnenerlebnis mitnehmen. Also natürlich ist der Zauber der Mitternachtssonne auch an Land großartig, aber noch schöner ist es, sie vom Speedboot aus zu sehen. Von Henningsvær aus geht es kurz vor Mitternacht nach Westen. Auch hier wird man schon allein durch die schroffe Fjordwelt der Inselgruppe verzaubert, wenn sie ins goldene Mitternachtssonnenlicht taucht. Das Schöne am Speedboot: mit ordentlich Geschwindigkeit saust man durch die Fjorde bis auf den offenen Atlantik. Zwischendurch machen die Boote Geschwindigkeitspause und man sieht Seeadler und Puffins über sich kreisen. Und auch Seehunde gesellen sich oft im Wasser dazu. www.lofoten-opplevelser.no
  5. See-Kajak-Tour in Kabelvåg Ich persönlich habe ja im letzten Jahr meine Liebe zum Paddeln entdeckt. Die Lofoten haben fürs kayaking ne Menge zu bieten. Allerdings sollte man etwas Paddelerfahrung mitbringen, da man sich eben doch auf deutlich unruhigerem Wasser bewegt, als wenn man durch den Kanalhafen von Trondheim gleitet. Mit einer Halbtagestour ist man am Anfang gut bedient, denn paddeln geht wirklich auf die Arme. Wer zu den Toppfitten gehört, kann sich natürlich auch an einer Ganztagestour versuchen. Die Guides sind auf jeden Fall sehr hilfreich, zeigen einem nicht nur bei der Paddeltechnik, sondern erzählen nebenbei auch noch von der wunderschönen Lofotennatur, die ja logoscherweise in der Tour inklusive ist. www.lofoten-aktiv.no
  6. Fischer für einen Tag in Nusfjord Fisch ist ja in Norwegen nicht wegzudiskutieren, was liegt da näher, als einmal in den Fischeralltag zu schauen. Mit dem Boot geht es raus zu den Fanggebieten von Dorsch und Co und anpacken muss man auch richtig. Ja, das Fischerleben ist kein Zuckerschlecken. Dafür lernt man an diesem Tag auch seinen eigenen Fang zu bearbeiten. Filettieren, was das Zeug hält. Hat man den eigenen Grill dabei, darf man sich also abends rühmen, „seinen“ Fisch auf dem Teller zu haben und: frischer geht nicht! www.nusfjord.no
  7. Lofoten mit dem Pferd in Gimsøysand Südwestlich von Svolvær geht es los und hier werden wirklich alle Klisschees positiv bedient. Die Pferdchen sind gutmütig und trippeln in aller Ruhe hintereinander her. Zeitlich ist bei den Touren alles drin, wer sich nicht sicher ist, wie lange er durchhält, beginnt erst mal mit der 1 1/2 stündigen Tour. Danach ist man sowieso süchtig. Das Reiten an den Lofotenstränden ist einfach zauberhaft. Nebenbei erfährt man allerhand über die Wikinger, denn die Touren führen an Überresten der Wikingerzeit vorbei. Während der Mitternachtssonnenzeit gibt es natürlich auch Touren um Mitternacht, im Winter reitet man unterm Nordlicht, hübsch mit Stirnlampe ausgestattet. www.hovhestegard.no

Egal, ob man also im Sommer oder im Winter die Lofoten besucht: hier ist immer etwas los. Ausreden für Inaktivität kann man sich also getrost abschminken. 😉 Deshalb auf zu neuen Taten auf der Inselgruppe des Glücks.

Buffet auf dem Wasser oder: wo der Seeadler vor die Linse flattert !

Also den König der Lüfte sieht man ja gelegentlich immer einmal wenn man sich in Norwegen aufhält. Gerne fliegt er außer Reichweite des Teleobjektivs oder ist so schnell wieder verschwunden, dass man nur noch den Schwanzfedern hinterher schauen kann. Ich bin ja ein besondeer Experte dafür, dass meine Kamera immer dann, wenn ein Seeadler in der Nähe auftaucht, hübsch drapiert zuhause liegt. Zeit also für eine Seeadlersafari. Da kommt man nah an die Vögelchen ran und hofft, sie in Nahaufnahme aufs Bild zu bannen.

Start im Raftsund. Ok, der Raftsund an sich ist ja schon ein Naturhighlight, Lofoten und Vesterålen gleich nebenan. Mit dem Boot fahren wir zunächst ein bißchen herum, natürlich mit reichlich Fisch an Bord. Der Seeadler an sich ist schließlich anspruchsvoll und hält nicht viel davon einfach so nah ans Boot heran zu fliegen. Der erste kreist zügig über uns, ist sich aber nicht sicher, ob wir auch entsprechende Leckereien dabei haben. Also fliegt er erstmal genüßlich ein paar Runden in Beobachtungsposition. Kaum ist die Kiste mit dem Fisch offen und verströmt ihr unverwechselbares „Eau de Kabeljeau“ herrscht gleich reger Vogelbetrieb. Mr. Seeadler bleibt erst mal auf Beobachtungsposten und lässt den Scharen von Möwen zunächst den Vortritt. Schließlich stehen Seevögel auch auf Seaadlers Speisekarte. Abwarten und kreisen heißt also die Devise.

Copyright: insidenorway

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Also konzentriere ich mich fototechnisch erst einmal auf die Möwenschar. Ich persönlich liebe ja Möwen und da sie für gewöhnlich bei mir in Oslo gerne wegspazieren, wenn man sich ihnen nähert und auch überall sonnst zügig vorbei fliegen, gleiten sie heute neben unserem Boot. Wie zum Shooting bestellt sozusagen. Ich begebe mich also so ziemlich in die Schußlinie für alles, was Vogel so fallen lässt. Schließlich will man ja gute Fotos machen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es nach nicht mal fünf Minuten ein hübsches „platsch“ macht und meine Hose ein noch hübscheres Muster zeigt. Also schönreden, denn Vogelmist bringt ja für gewöhnlich Glück. 😀

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Inzwischen haben sich mehrere Seeadler in der Luft versammelt. Das Buffet ist dann doch zu reichhaltig, als dass man es links liegen lassen könnte. Und wir halten die Kamera gezückt. Den Möwen wird es zu heiß und sie verziehen sich eine Weile, denn schließlich will keine in den Klauen der Adler landen. Wir werfen also Fisch ins Wasser und einen nach dem anderen greifen die Seeadler blitzschnell hinaus, so dass man mit der Kamera kaum folgen kann. Man freut sich über Schwanzfederbilderbilder oder solche, wo nur noch ein Hauch von Adler durchs Bild huscht. Derjenige mit der größten Speicherkarte ist der Glückspilz. Denn unter den gut 300 Bildern, die ich auf der Tour mache, ist dann doch der ein oder andere Schuß dabei, der den König der Lüfte in seiner vollen Schönheit zeigt. Allesamt haben sie braune Federn am Kopf, wir haben also die Kinderstube der Familie Seeadler angetroffen. Die „Alten“ sitzen wahrscheinlich irgendwo und warten auf den Jagdbericht der Kinder.

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Nach gut zwei Stunden fahren wir zurück Richtung Svolvær. Zeit um noch einmal die herrliche Landschaft zu genießen. Die schroffen Felsen der Lofoten begeistern mich einfach immer wieder. Auch das Wetter ist uns hold und taucht die Natur in wunderbar warmes Licht. Einfach überwältigend. Svolvær erwartet uns im Sonnenuntergang und wir genießen die Einfahrt in den Hafen, wo ein Fischreiher sich im Abendlicht sonnt. Nach dieser Tour lässt sich ein Bierchen im „Anker“ gleich nochmal so gut genießen.

Fazit: diese Seeadlersafari war nicht meine letzte. Den König der Lüfte will ich wieder sehen. Irgendwo. In Norwegen. 🙂

Feuerwerk der Farben – Herbst auf der Hurtigrute !

Schon wieder ging die Tour schneller rum, als man gucken konnte. Die MS Trollfjord brachte uns bis zum Nordrand Europas und zurück, inklusive aller Wetterlagen, Nordlichter und Herbstfarbenfeuerwerk. Auch dieses mal haben bei allen die Kameras geglüht und jeder hat die sagenhafte Landschaft voll ausgekostet.  🙂

Ganz außen oder: wo ein Leuchtturm die Stellung hält – der westlichste Zipfel der Lofoten !

Der ein oder andere denkt vielleicht: wenn man in Reine war hat man das Äußere der Lofoten gesehen. Nö. Ganz draußen ist das Lofotennirgendwo mit den Inseln Værøy und Røst. Und noch weiter draußen liegt ein Leuchtturm auf einem kleinen Inselchen, der den Schiffen den Weg zum Eingang des Vestfjords weist: der Skomvær fyr. Zur einen Seite stellt das Türmchen sich gegen den Atlantik und lässt sich Wind, Orkan, Sonne und alles, was die Lofotenwetterwelt zu bieten hat, gefallen. Zur anderen Seite schaut er aufs Festland, das allerdings satte 100km entfernt ist, jenseits des Vestfjords. Deshalb finde ich die Bezeichnung VestFJORD für den Vestfjord auch – sagen wir speziell. Aber egal ob man das Ganze als Fjord oder offene See bezeichnet: hier geht der Kabeljau in den Kindergarten, nachdem er aus dem Laich geschlüpft ist. Mama Kabeljau pflegt hier alljährlich im Frühjahr ihre ungeborenen Babys abzusetzen.

Moment, nein eigentlich ging es doch um den Leuchtturm. Also er steht am absolut westlichsten Zipfel der Lofoten. Allerdings steht er da auch ziemlich einsam, da sich die gut 550 Einwohner von Røst auf das Inselchen Røstlandet und eine handvoll weitere kleine Inseln zusammengeklaubt haben, wo man per Straße von Insel zu Insel hüpfen kann.

Skomvær Fyr, Copyright: CH - Visitnorway.com

Skomvær Fyr, Copyright: CH – Visitnorway.com

Ja immer diese norwegischen Inselansammlungen. Das ganze Grüppchen heißt Røst, norwegentypisch gehören 365 Inseln, Schären und Holmen dazu und das größte Eiland der Sammlung verbucht für sich den Namen Røstlandet. Und wenn man bedenkt, dass die höchste Erhebung hier gerade mal elf Meter beträgt, malt man sich vielleicht lieber kein Sturmtief aus. Von denen gibt es hier im Winter nämlich einige und die lassen in schöner Regelmäßigkeit die Häuschen erzittern. Dafür sorgt der Golfstrom dafür, dass die Gegend  im Jahresmittel zu den wärmsten Plätzen Norwegens gehört. Ja, man kann eben nicht alles haben. Immerhin die südlich gelegenen zugehörigen Inseln können  mit Erhebungen bis 259m aufwarten und bieten Minimalschutz gegen den strammen Wind.

Natürlich gibt es hier im Nirgendwo auch eines: Vögel. Wie könnte es auch anders sein. Eine der größten Kolonien Europas hat sich hier denn auch angesiedelt. Ist ja auch so herrlich menschenleer hier und man kann nach Herzenslust brüten. Der anspruchsvolle Wanderer macht die Tour nach Ånnhammeren, bei der man sagenhafte zehn Höhenmeter überwinden muss.  😉 Die Adlerhorste, die es hier früher gab, sind aber leider verschwunden.

Wer sich fragt wie man überhaupt hierhin gelangt: wer von Bodø kommt, kann sich das Ganze gleich noch von oben anschauen und den Pendelhelikopter nehmen, der mehrmals in der Woche den Airport von Røst anfliegt. Viel mehr tut sich an dem Flughafen dann auch nicht, die regelmäßige Flugverbindung mit dem Propellerflugzeug ist schon lange Geschichte. Da ich nicht so der Helikopter-Fanatiker bin, vor allem angesichts der Alle-20-Minuten-wechselt-das-Wetter-Sache, bevorzuge ich die Fähre. Da kann man sich von Moskenesøy, also die Insel, auf der Reine liegt, so gemütlich rüberschaukeln lassen. Und blöd gucken, wenn man die Fähre erwischt hat, die nur bis Værøy fährt und dann wieder nach Moskenesøy zurück. Merke: vor der Abfahrt immer hübsch auf den Fährplan schauen. 😉

Copyright: CH - Visitnorway.com

Copyright: CH – Visitnorway.com

Natürlich kann man hier auch umfangreich angeln. Es ist ein Anglerparadies sozusagen. Und da man sich auf Røst quasi im Atlantik befindet, gibt es das Hochseefischereifeeling inklusive Wellen und Wind gleich mit dazu. Und da die Strömungsverhältnisse für den Fisch an sich ein gemütliches Wohnzimmer sind, tummeln sie sich hier entsprechend. Wer im Spätsommer unterwegs ist erfreut sich an Schwärmen von Dorschen, die sich bereits ein stattliches Gewicht angeeignet haben. Wem die See zu rauh ist, der konzentriert sich einfach auf den Heilbutt, der sich netterweise in den flachen und geschützten Schären aufhält. Meeresangeln light sozusagen.

Wer sich eine Selbstversorger-Hütte mietet ist spätestens dann im Norwegen-Paradies, wenn die frisch geangelten auf dem Teller liegen. Da wird selbst der Nicht-Fisch-Esser zum Fisch-Fetischisten.

Alles in allem: auch wenn die Anreise auf den äußersten Zipfel der Lofoten etwas mühsam ist, wer in absoluter Ruhe Norwegenglückseeligkeit genießen will, sollte es tun. Ganz im Westen. Wo Norwegen zu Ende ist. 🙂 ❤

Wenn der Tag lang wird oder: ist es wirklich schon Mitternacht ?

Kaum war man froh, dass die Polarnacht endlich vorbei ist, ist schon wieder alles umgekehrt. Während man im Winter im nördlichsten Norwegen schon um 14 Uhr denkt, dass es 21 Uhr ist und man sich im Dauermüdemodus befindet, strotzt man jetzt vor Energie. Und endlich hat man wieder regelmäßig das Gefühl man ist im Nachmittags-irgendwo und dabei kratzt die Uhr schon fast am neuen Tag. Im Klartext: die innere Uhr zeigt einem die lange Nase.

Spitzbergen toppt in punkto Mitternachtssonne natürlich alles. Satte vier Monate bleibt das Sternchen über dem Horizont, schon Ende April heißt es hier: der Tag ist lang. Und während man gemeinhin denkt, dass nur die Polarnacht schwer gewöhnungsbedürftig ist, wird man spätestens jetzt eines besseren belehrt. Schlaflos in Nordnorwegen ist Programm. Allerdings: nur für die innere Uhr ist das Ganze delikat. Schließlich bekommt man dafür etwas, das alle Unbequemlichkeiten aufwiegt. Wer schon einmal um Mitternacht am Nordkapp gestanden hat, wenn die Sonne am tiefsten steht und das ganze Felsplateau in goldenes Licht taucht, der ist im Norwegenhimmel.

Copyright: Dagny Margrete Øren / www.nordnorge.com / Nordkapp

Copyright: Dagny Margrete Øren / http://www.nordnorge.com / Nordkapp

Eine Nacht am Nordkapp durch zu machen, genau wie die Sonne, dass sollte man unbedingt ausprobieren. Das  Mitternachtsbad fällt hier allerdings flach. Erstens müsste man sich am Seil hinablassen und zweitens hält die Barentssee auch im Hochsommer keine Badetemperaturen bereit.

Allerdings: Aktivitäten gibt es zu nachtschlafender Zeit zu Hauf. Es ist sozusagen alles im 24h-Betrieb. Egal ob einem einfällt um Mitternacht Golf spielen zu gehen, eine Kajak- oder Radtour oder sogar eine Klettertour zu machen. Alles ist offen und selbst ein Guide findet sich mitten in der Nacht. Die Nordnorweger machen in dieser Zeit übrigens auch sehr gerne die Nacht zum Tag und verlagern Alltagstätigkeiten dorthin. Man leidet also nicht unter Halluzinationen, wenn man um Mitternacht den Rasenmäher des Nachbarn hört. Norwegen eben. Nach der Winterdurststrecke will man ja schließlich so viel Sonnenenergie wie möglich tanken, damit die Speicher voll sind wenn es wieder gen Polarnacht geht. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Mitternachtssonne in allen Regionen Nordnorwegens mitnehmen. Warum? Weil es überall anders ist. Auf Spitzbergen ist zwischen Mittag und Mitternacht quasi kein Unterschied wahrzunehmen. Für die extremen Mitternachtssonnen-Anbeter. Am Nordkapp hat man da schon eine Ahnung von Dämmerung. Also natürlich nur insofern, als dass die innere Uhr sich darauf vorbereitet, dass es ja gleich dunkel ist. Nach der Dämmerung eben. Ja und dann klettert die Sonne wieder nach oben. Wie war das noch mit der inneren Uhr?

Mitternachtssonne am Lyngenfjord, Copyright: www.visit-lyngenfjord.com / Visit Lyngenfjord AS / Kåfjord, Lyngen

Mitternachtssonne am Lyngenfjord, Copyright: http://www.visit-lyngenfjord.com / Visit Lyngenfjord AS / Kåfjord, Lyngen

Je weiter man nach Süden vordringt umso kürzer wird natürlich der Mitternachtssonnentag und je extremer wird das Licht. Logo. Schließlich kratzt die Sonne immer näher am Horizont, je näher man am Polarkreis weilt. An selbigem konzentriert sich die Mitternachtssonne dann auch auf wenige Nächte. Wer´s verpasst, hat Pech gehabt, fährt nach Norden oder wartet auf nächstes Jahr.

Allerdings bin ich immer wieder erstaunt, dass es selbst bei uns in Oslo, das bekanntlich deutlich südlich des Polarkreises liegt, am Tag der Sommersonnenwende nur neunzig Minuten lang wirkliche Dunkelheit herrscht.

Wer also das Nah-Sonnenerlebnis will, muss es tun. Nach Norwegen fahren. Zur Zeit der Mitternachtssonne!

Wo die Lofoten das reine Vergnügen bringen – am Reinebringen !

Nun gut, über die Lofoten habe ich ja schon einige male geschrieben, aber sie sind einfach zu zauberhaft, als dass man es nicht immer wieder tun könnte. Die Inselgruppe hat einfach ZU viele Postkartenmotive. Und irgendwie gibt es da alles, wofür Norwegen steht, ok fast alles. Meine Nr. 1: gib mir ein rot-weißes Häuschen und ich gerate in Verzückung. Sprich: die Rorbuer. Die gibt es auf den Lofoten so ziemlich an jeder Ecke und besonders liebe ich sie in Reine. Ja, ich weiß, Reine ist als Fotomotiv vielleicht etwas überstrapaziert, aber: hey, wen wundert das? Kann sich dem Anblick, wie sich die Fischerhütten vor die Berge schmiegen, irgendjemand entziehen? Eher bekommt man vor dieser Kulisse einen Romantik-Overkill. Dass die Mitternachtssonne in den Startlöchern steht, erwähne ich in diesem Zusammenhang am besten nicht. NOCH mehr Romantik!

Copyright: Frithjof Fure - Visitnorway.com

Copyright: Frithjof Fure – Visitnorway.com

Zwangsläufig hängt natürlich der Fisch zum Trocknen bei den Rorbuer gleich nebenan. Nein und ich werde kein Anhänger von Trockenfisch mehr – zumindest nicht in diesem Leben. Im Ernst: ich frage mich wer diese Pseudo-Chips aus Trockenfisch isst. Ok jedem das Seine. Dafür kann ich mich für die Fischlein eben als Fotomotiv begeistern. Ist doch auch was. Und schließlich ist Trockenfisch so etwas wie ein Markenartikel, den die Wikinger bereits vor tausend Jahren erfunden haben, und der in einer Liga mit Champagner und Parma-Schinken spielt. Ja wirklich! Ich nehme den Dorsch dann lieber VOR seinem Trockenmodus.   Wenn er dann noch leicht glasig auf dem Teller liegt, ist er mein Freund.

Natürlich gibt es in der Kommune Moskenes, zu der Reine gehört, auch noch andere Fischerdörfchen.  Hamnøy zum Beispiel. Und Sørvågen. Und das Dörfchen, wo  hundert Einwohner auf einem Buchstaben leben: Å! Ja, richtig gelesen. Der Name des Städtchens besteht tatsächlich nur aus einem Buchstaben und zu allem Überfluss gehört auch noch der größte Teil des Dörfchens einer einzigen Familie. Natürlich ist auch hier Fisch das Hauptthema, nicht nur beruflich, sondern auch museumstechnisch. Und wer wie ich nicht der Ich-esse-Stockfisch-Typ ist, kann ins Stockfisch-Museum gehen, das allerliebst zusammen gestellt ist.

Hamnøy, Alex Conu/Visitnorway.com

Hamnøy, Alex Conu/Visitnorway.com

Und wo hier Fisch schon mal ein Thema ist, sollte man sich unbedingt einen Fischer schnappen. Rein beruflich versteht sich. Für moderates Geld darf man dann nämlich mit rausfahren und ist Fischerlehrling für einen Tag. Dass das eine Menge Spaß bringt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Logisch, dass man das Selbstgefangene mitnehmen darf, fein säuberlich filletiert. Das Gelernte muss schließlich direkt angewendet werden.

Außerdem sollte man darüber hinaus die Lofotenbergwelt nicht nur von unten betrachten, sondern auch von oben. Der Hausberg liegt ja auch direkt vor der Tür. Stichwort: Reinebringen. Allerdings spaziert man nicht mal so eben rauf. Also die Norweger schon. Mal eben in der Mittagspause. Der Touristenwanderer aber sorgt erstens für gutes Schuhwerk und bittet zweitens den Wettergott um gutes Wetter. Zumindest wenn man sich das Ende der Tour so vorstellt, dass man sich abends erschöpft in einem zauberhaften Fischrestaurant einen Dorsch schmecken lässt. Am Anfang geht´s ja noch. Erst ein bißchen Geröll, dann ein bißchen Wald und dann: ein bißchen steil. Sehr steil. Um nicht zusagen: konditionssteil. Ob man den Halteseilen Vertrauen schenken kann bleibt fragwürdig. Man tut es dann doch, da der Weg so bescheiden befestigt ist, dass es keine wirkliche Alternative dazu gibt. Bloß nicht daran denken, dass man denselben Weg auch wieder runter muss. Aber wenn man oben steht: man muss sich bemühen nicht gleich loszuheulen. Weil es einfach SO schön ist.

Tomasz Furmanek/Visitnorway.com

Copyright: Tomasz Furmanek/Visitnorway.com

Also steht man oben und entzückt sich an Rorbuer, Fischerbooten und dem Reinefjord! Irgendwann muss man sich jedoch vom Anblick losreißen und den Rückweg antreten. Steil und so. Es ist doch ein Elend, dass steil runter immer viel schlimmer ist als steil rauf. Deshalb begeistert man sich beim Abstieg auch mehr fürs Rutschen als fürs Gehen, da das Geröll zu weilen gleich mit nachgibt.

Und dann hat man ihn sich schließlich auch verdient. Den Fisch. Auf dem Teller. In Reine. Auf den Lofoten. Ein reines Vergnügen!

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 2 !

Streckenbergfest ist Nordkappfest. Und Windfest. Eben hegt man auf dem dreißig Kilometer langen Weg vom Schiff zum nördlichen Rand Europas noch die Hoffnung, dass so etwas wie Windstille herrscht und schon ist man wieder im schönsten Wetterwirrwarr. Nordkapp eben. Hier macht das Wetter, was es will und ändert seine Laune auch gerne alle zwanzig Minuten. Die Schönheit der Landschaft kann das trotzdem nicht beeinflussen. Man muss wohl nicht sagen, dass das mit dem Frühling auf 71° nördlicher Breite noch nicht SO richtig in Gang gekommen ist. Ok, Bäume sind hier ja sowieso Mangelware, aber auch das Bodengrün hält sich noch unter Schnee bedeckt. Nun ja, dafür kann man aber auch den Nordpol riechen, auch wenn er noch hübsche zweitausend Kilometer entfernt liegt.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Und ja, der Wind. Marke umwerfend. Über den vereisten Boden rutscht man mit seinem eigenen kleinen Windkraftwerk. Bevorzugt auch in die Richtung, in die man gar nicht will. Das Erinnerungsfoto am Globus wird zur Herausforderung. Wo man nicht rutscht, steht man knöchelhoch im Tauwasser. Aber was macht das schon, wenn man quasi eins mit den Naturgewalten ist und schließlich kann man sich zwischendurch in der Nordkapphalle aufwärmen. Ich finde es immer am schönsten jede Sekunde an diesem zauberhaften Ort auszukosten und die Aufwärmphase in den Bus zu verlegen. Nordkapp intensiv sozusagen.

Nun geht es nordgehend südwärts. Dass Kirkenes fast so südlich wie Tromsø liegt, sagte ich ja schon. Und dass die russische Grenze nur zehn Kilometer entfernt ist, kann man auch nicht leugnen, wenn man durch die Stadt spaziert. Kyrillisch ist Programm. Kein Wunder, denn hier herrscht Shopping-Wahn in beide Richtungen. Der Russe kommt wegen der besseren Qualität, der Norweger giert nach Billigware auf der anderen Seite der Grenze. Dem Lieblingsteuerthema Alkohol und Zigaretten wird allerdings ein Strich durch die Rechnung gemacht. Wer selbiges in Russland kauft, muss 24h bleiben. Fünfmal am Tag hin und her fahren um die Einfuhrbeschränkungen auszutricksen bleibt im Ich-würde-gerne-Modus stecken.

Der Geschichtsfreak schaut noch in der Andersgrotta vorbei, ein Luftschutzkeller, in dem die Einwohner während des zweiten Weltkriegs vor dem Bombenterror Schutz suchten. Der traurige Teil der Geschichte von Kirkenes.

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Andersgrotta, Copyright: insidenorway

Nach dem Wendepunkt geht es nun wirklich wieder südwärts – reiserutentechnisch. Wenn man Glück hat, erlebt man eine zauberhafte blaue Stunde in Vardø, der östlichsten Gemeinde Norwegens. Natürlich gibt es hier eine Festung, die nördlichste der Welt. Schon wieder ein norwegischer Superlativ. Überall sonst in Vardø ist Leben vom Fischfang Programm und auch die Vogelwelt erfreut sich am Fischreichtum. Brüten ist hier die höchste Vogeldisziplin. Gibt ja auch so herrliche Inseln draußen, die die Gefiederten quasi zu ihrem Grundbesitz erklären können. Und weil die Inseln nicht ausreichen, nistet man sich auch gerne in so ziemlich jeder Hausnische ein, die man zum Vogelheim umfunktionieren kann. Vardø im Vogelglück.

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Blaue Stunde in Vardø, Copyright: insidenorway

Nach einer Reihe von Häfen, die man wegen Sturm im Winterhalbjahr auch einmal auslassen muss, ist wieder Stopp in Tromsø. Spät abends mit der Chance aufs Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Dann sind endlich die Lofoten dran. Bevor man allerdings in Svolvær anlegt zwängt sich das Schiff zwischen Lofoten und Vesterålen durch den Raftsund.  Ja das ist ein landschaftliches Fest. Auf zwanzig Kilometer Länge ragen die Berge empor, der niedliche Eingang des engen Trollfjords zieht vorbei und es ist einem völlig egal, ob es draußen windet oder regnet. Man will einfach nur genießen.

Raftsund, Copyright: insidenorway

Raftsund, Copyright: insidenorway

Wer draußen ausgeharrt hat, hat sich in Svolvær das Bierchen in der warmen Stube verdient. Ok, wenn man noch nicht dort war, will man sich zuerst das Städtchen anschauen, nebst zauberhafter Rorbuer-Fischerhäuschen und auch einen Blick auf den aufgehängten Trockenfisch werfen. Aber ich finde, es hat etwas von Lofoten-Gemütlichkeit im „Anker“ einzukehren, gleich hinter der Brücke, über die man auf die Halbinsel Svinøya rüber schlendert. Urig, Fischer-Norwegen-Feeling und ein wärmender Kamin. Da könnte man glatt vergessen, dass man die Uhr im Blick behalten muss um das Ablegen des Schiffs nicht zu verpassen. Spätestens wenn man beim obligatorischen „tuuuuut“ noch beim bezahlen der Zeche ist, weiß man, dass man sich gleich gegenüber eine Rorbu mieten kann. Autsch!

Wer rechtzeitig wieder auf dem Schiff ist, darf am nächsten Tag wieder Naturhighlight-Sightseeing betreiben. Der Torghatten zeigt sich. Der berühmte Berg mit dem Loch im Bauch und der Legende nach ein versteinerter Hut, der von einem Pfeil durchbohrt wurde. Die Norwegen-Saga fasziniert.

Torghatten, Copyright: insidenorway

Torghatten, Copyright: insidenorway

Wer nicht die ganze Strecke bis Bergen zurück fährt, findet den Endpunkt seiner Reise in Trondheim. Umgekehrtes Schiffsschmusen nun am Kai. Diesmal liegt Miss nordgehend nebenan. Zeit für einen Abschiedsbesuch. Und dann heißt es auch Abschied nehmen von 3.500km Norwegenküste. Der Süchtler kommt natürlich wieder. Weil es einfach zu schön ist auf der schönsten Seereise der Welt! ❤ 🙂

Spring kiss oder: Die Hurtigrute wird jetzt wieder zur Sonnenrute Teil 1 !

Nordnorwegen hat lange darauf gewartet. Jetzt ist sie wieder da. Die Sonne. Vorbei das Ich-hab-um-14-Uhr-schon-das-Gefühl-dass-es-19-Uhr-ist-feeling. Bevor das Ganze aber in die umgekehrte Richtung läuft, hat man jetzt im Frühjahr auch im hohen Norden so etwas wie ausgewogene Verhältnisse was Tages- und Nachtlänge angeht. Und so sieht man auch wieder  viel mehr von der Landschaft, während man die norwegische Küste mit der Hurtigrute entlang schippert.

Natürlich geht es wie immer los in Bergen. Auch im Frühjahr muss man sich noch damit begnügen die Stadt nur im Dunkeln zu bestaunen, wenn das Schiff ablegt, es sei denn man hat sich noch ein Bergen-Vorprogramm gegönnt. Und eine Mütze auf dem Kopf tut auch noch ziemlich gut, denn die Temperaturen sind noch nicht SO im Im-T-Shirt-an-Deck-Modus. Aber die Vorfreude auf den ersten langen Stopp am nächsten Tag ist schon da. Ålesund winkt. Obwohl der Halt in DER Jugendstilstadt Norwegens so herrlich mitten im Tag liegt und man Ålesund dadurch ganzjährig im Tageslicht bestaunen kann, verändert sich das Licht doch mit dem Frühlingserwachen. Ein guter Moment um den Aksla, den Hausberg, zu erklimmen. Schließlich hat man von dort die ganze Stadt im Blick samt zugehöriger Inseln.

Ålesund, Copyright: insidenorway

Ålesund, Copyright: insidenorway

Man keucht also hinauf. 414 Stufen. Netterweise wurden bei der Renovierung der Treppenstufen überall Haltepunkte eingebaut, auf denen man sich niederlassen kann. Für die Konditionsschwachen. Den besten Blick hat man natürlich von ganz oben. Die Stadt, die Sunnmøre-Alpen, einfach herrlich. Und auch das Hurtigruten-Schiff sieht man am Kai liegen, wo es brav auf die Rückkehr der Reisenden wartet.

Am Nachmittag geht es dann weiter. Kurs Nord. Kurzer Stopp in Molde und Kristiansund und  schon ist Trondheim in Sicht. Tag drei ist Frühaufstehertag. Schließlich legt man um sechs Uhr morgens bereits an. Nebenan liegt Kollege südgehend. Man kann also auf einen Besichtigungssprung rübergehen. Danach: die Stadt erkunden. Für mich persönlich ist Trondheim ja eine meiner Lieblingsstädte, obwohl sie sich auf der Schwelle zur wärmeren Jahreszeit noch nicht entscheiden kann, ob es noch Winter ist oder bereits Frühjahr. Im Winter bin ich ja gerne mit Spikes unterwegs, einfach um sicher zu gehen, dass auch nach dem Spaziergang noch alle Knochen heil sind. Das kann man im Zwischen-den-Jahreszeiten-Zustand getrost vergessen. Wer auf eisfreiem Kopfsteinpflaster schon mal mit Spikes gegangen ist, weiß, wovon ich rede. Man hüpft also von eisfrei zu eisfrei und wendet beim Rest den berühmten Pinguin-Walk an. 😀

Trondheim, Bakklandet, Copyright: insidenorway

Trondheim, Bakklandet, Copyright: insidenorway

„Nebenbei“ bewundert man Kanalhafen, die Altstadt und den Dom. Alles prima. Zurück auf dem Schiff geht es weiter Richtung Polarkreis. Ja, am vierten Tag ist er schon wieder da. Der kleine Globus, der einsam auf einem Felsen steht. Nicht spektakulär, aber er markiert immerhin, dass man sich ab jetzt in Polargefilden bewegt. Das mit den Frühlingsgefühlen ist dann auch spätestens hier vorbei. Anorak, Mütze und Handschuhe und das alles hübsch bis oben zugeschnürt, holen einen ins Winterfeeling zurück. Ja, es ist eben Nordeuropa. Da die Lofoten in Sicht sind, macht das nichts. Schließlich hat die Inselgruppe ihren besonderen Zauber. Das mit dem Ich-will-es-im-Tageslicht sehen fällt aber noch unter: nein. Dafür winkt für den, der in Stamsund aus- und in Svolvær wieder einsteigt, die Chance auf ein Wikingermahl im Lofotr-Wikingermuseum.

Lofotr-Wikingermuseum, Copyright: insidenorway

Lofotr-Wikingermuseum, Copyright: insidenorway

Es gibt derbe Wikingerkost. Lamm, Gemüse und Brot schmecken sensationell und die Portion ist so groß, dass man hinterher nicht mehr „papp“ sagen kann. Das Ganze spült man runter mit Met, das ja so gar nicht mein Fall ist. Süße Getränke mit 25% Sprit schreien bei mir nach dickem Kopf. Für die Nicht-Metler gibt es dafür Wasser. Aber auch ohne Honigwein erfreut man sich an einem Stück Wikingerleben, singen und tanzen inklusive.

Jetzt ist Tromsø dran. Und wie von zauberhand ist man bereits 350km nördlich des Polarkreises. Und hier ist es dann auf einmal auch wieder Winter. Dafür sind die Berge wieder da. Also sie waren ja auch im Winter da, haben sich aber in der Polarnacht verborgen. Jetzt machen sie der Eismeerkathedrale Konkurrenz, die ja im Winter so ziemlich alle Blicke auf sich zieht. Nicht, dass sie bei Tageslicht weniger zauberhaft ist. Sie thront nun einfach in liebevoller Konkurrenz mit Tromsøs Hausberg am Ende der Tromsøbrücke. Wer sich auf selbigen allerdings von der Gondel schaukeln lassen möchte muss noch warten. Sie liegt immer noch im Winterschlaf.

Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Eismeerkathedrale, Copyright: insidenorway

Auch der Rest der Stadt will noch am Winter festhalten.  Das beliebte auf-blankem-Eis-laufen-Thema ist wieder da.  Streuen? Ach, woher denn.  Das verdirbt ja auch den Spaß am publikumswirksamen Armrudern. Allerdings scheinen die Norwegerinnen zuweilen ein zusätzliches Gleichgewichtsorgan zu besitzen. Während ich froh über meine Outdoorschuhe bin, flache Sohlen und so, wagt sich die ein oder andere auf High Heels aufs Eis.

Was kommt jetzt? Das Nordkapp natürlich. Und damit wieder Natur pur, Winter deluxe und – Wind. Nach sechs Tagen hat sich das Schiff zum reisetechnischen Bergfest navigiert. Schließlich geht es zum Wendepunkt Kirkenes ja wieder nach Süden obwohl man eigentlich nordgehend ist. Hurtigruten-Geographie.  Kirkenes hat es sich aber einfach  auf der fast gleichen geografischen Breite wie Tromsø gemütlich gemacht.

Aber vom Nordkapp und dem „Dahinter“ wollen wir Euch im zweiten Teil erzählen. 🙂 ❤

Die Hurtigrute oder wie man hurtig zu viel Norwegen kommt – Teil 1

Die norwegische Küste ist ja mit reichlich Reisekilometern bestückt. Da ist es doch äußerst hilfreich, dass Richard With aus Stokmarknes 1893 sein Dampfschiff an der norwegischen Küste entlang schickte und so die Hurtigrute geboren wurde.

Seit 1898 geht es los in Bergen. Die ganze Strecke bis Kirkenes und zurück zu fahren ist natürlich nicht verpflichtend, aber wenn schon, denn schon. Also hurtig den 12-Tage-Vorrat an Klamotten in der Kabine verstauen und da die Schiffe jetzt im Winter erst um 22:30 Uhr in Bergen ablegen, bleibt noch Zeit für die Erkundung der Stadt. Zumindest rudimentär. Für einen Spaziergang zu den zauberhaften Hansehäusern im Hafen reicht es allemal und vom Regen, der in Bergen ja mehr als gelegentlich vorkommt, lässt man sich einfach nicht in seine Unternehmungslust reinreden.

Beim Ablegen weht ein Hauch von Abenteuer ums Schiff. Schließlich sind es ja auch knapp 2.500km, die man bis zum Wendepunkt in Kirkenes zurücklegt. An Deck stehen im eisigen Wind muss sein. Schließlich ist Norwegen „powered by Nature“ und das will man ja auch spüren. Ok, nach spätestens einer halben Stunde ist man ein wandelnder Eiszapfen und freut sich über die muggelige Wärme im Schiff.

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Auslaufen in Bergen, Copyright: insidenorway

Das Schiff fährt brav durch die Nacht, während man sich zur ersten Ruhe bettet. Und gleich am nächsten Tag erreicht man eines der Städtehighlights von Norwegen: Ålesund. Ich habe ja schon mehrfach über dieses fabelhafte Städtchen berichtet und in den drei Stunden, die das Schiff am Kai liegt, lässt sich hier alles wesentliche besichtigen. Allem voran natürlich die zauberhafte Jugendstil-Architektur. Und den Aussichtsberg Aksla. Und und und.

Um 15 Uhr geht es weiter. Nach Molde. Hier bleibt man meist ein „An-Deck-Steher“, da das Schiff nur dreißig Minuten am Kai liegt. Dafür hat man einen herrlichen Blick auf das Scandic Seilet Hotel, in der Bauweise ein bißchen in Dubai abgeguckt. Gebaut wie ein Segel und so. Und das Lichtermeer der Häuschen von Molde kann sich auch sehen lassen, auch wenn man die Romsdalsalpen im Winter nur erahnen kann. Am Abend läuft man in Kristiansund ein. Für mich eine der schönsten Hafeneinfahrten überhaupt. Auch im Winter oder vielleicht gerade da. Die Lichter kommen immer näher, das Schiff zieht vorbei an Häusern und Hafengeschehen. Herrlich! Den arktischen Wind muss man eben einfach ertragen.

3. Tag. Also das mit dem frühen Vogel ist mir ja normalerweise eher egal, aber an diesem Tag ist Frühstück um 7 Uhr eine echte Option, weil man sich in Trondheim dann so richtig austoben kann. Die Stadt ist ja überhaupt zauberhaft und für mich auch eine der Favoritenstädte.

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Nidaros-Dom, Trondheim, Copyright: insidenorway

Der Dom ist einfach immer wieder imposant und wer den kurzen steilen Weg nicht scheut, erklimmt die stadteigene Festung Kristiansten, traumhafter Blick über Trondheim inklusive. Klar, dass man auch am Kanalhafen vorbei schaut, wo man bei den bunten typischen Lagerhäusern gleich in Verzückung gerät. Norwegisch heimelig. Gleiches in der zauberhaften Altstadt, wo sich die Holzhäuschen dicht an dicht schmiegen und das Auge mit allen Farben erfreuen.

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Trondheim, Altstadt, Copyright: insidenorway

Nach einigen Häfen, die man genüsslich in der Nacht verschläft, erreicht das Schiff am 4. Tag Bodø. Ich persönlich favorisiere den Ausflug zum Saltstraumen, schließlich ist man nicht jeden Tag an so einem gewaltigen Gezeitenstrom. Im Winter gewinnt der, der die superwarme Jacke im Gepäck hat, denn hier weht zu dem reißenden Strom ein Wind, dass es einem die Haare vom Kopf weht. Powered by Nature eben. Wer sich vom Schnee, der einem wie kleine Messer ins Gesicht schneidet, nicht beeindrucken lässt, genießt den Ausblick auf die Strömung gleich unter Brücke, die über den Saltstraumen führt. Die Angelfreunde, die hier sonst zahlreich anzutreffen sind, halten sich bei diesem Wetter eher mit ihrer Anwesenheit zurück. Wahrscheinlich verharren die Fische sowieso irgendwo im „Winterschlaf“. 😉

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Saltstraumen, Copyright: insidenorway

Das mit dem „hell“ hat sich ab hier dann auch erledigt, denn mittlerweile befindet sich das Schiff schon nördlich des Polarkreises. Obwohl: viele denken ja, dass Polarnacht gemeinhin bedeutet, dass der ganze Tag so stockfinster ist wie die Nächte. Aber auch in der Polarnacht kann man tagsüber auf Dämmerung hoffen. Mehr ist allerdings nicht drin. Bei wolkenfreiem Himmel hat man aber immerhin das Gefühl man lebt nicht in völliger Dunkelheit. Dafür bekommt man in dieser Jahreszeit aber auch die spektakuläre Lightshow der Nordlichter dazu, vorausgesetzt natürlich, dass der Himmel gnädig ist und die Wolken woanders hinschickt. Das Schiff hält sich aber so lange in der Nordlichtzone auf, dass es schon mit dem Teufel zugehen muss, wenn man keine zu Gesicht bekommt.

Nächster längerer Stopp ist Tromsø. Davor gibt es zwar noch einen einstündigen Aufenthalt in Svolvær auf den Lofoten, aber das soll aufgrund des längeren Stopps auf dem Rückweg hier mal unter den Tisch fallen. Auf der Winterfahrt gilt es sich in Tromsø zu entscheiden: Trip durch die Stadt oder auf zur Hundeschlitten-Tour. Mein klarer Favorit: die Hundeschlitten-Tour. Das Wahrzeichen von Tromsø, die Eismeerkathedrale, lässt sich auch auf dem Rückweg, wenn das Schiff wieder südgehend ist, noch bestaunen.

Also Hundeschlitten. Warm eingepackt mit allem, was dazu gehört. Vom Schlitten aus genießt man den atemberaubenden Blick auf die eisige Natur und auch wenn es bei der Tour dunkel ist, ist die Atmosphäre einzigartig. Mit der Stirnlampe unter Sternenhimmel auf dem Schnee dahin zu sausen hat was!

Copyright: Janina Graf

Copyright: Janina Graf

Müßig zu erwähnen, dass man am Ende des dreistündigen Ausflugs süchtig ist. Süchtig nach dem Einssein mit der Natur, der Kraft der Huskys, ja sogar süchtig nach der Kälte. Gut, dass man am Wendepunkt in Kirkenes nochmal darf – wenn man einen Platz ergattert. Der Suchtfaktor befällt nämlich so ziemlich jeden.

An Tag 6 erreicht das Schiff Honningsvåg. Das Nordkapp ist nahe. Der Ausflug zum Felsplateau mit dem Globus ist Pflicht. Wenn man schon bis hier gekommen ist, will man schließlich auch gen Nordpol auf die Barentssee schauen. Durch die Polarnacht geht es mit dem Bus weiter nach Norden. Und weil im Winter das letzte Stück der Straße gesperrt ist, fährt man in der Kolonne, so wie es in Norwegen wintertypisch ist. Der Schneepflug vorne weg, alle Busse und Autos hinterher. Wer die Kolonne verpasst muss draußen bleiben.

Am Nordkapp weht – wie sollte es anders sein – der kräftige Winterwind. Nie war man dankbarer für Mütze und Handschuhe. Trotz eisiger Kälte steht man andächtig am gusseisernen Globus und schaut in die eisige Polarnacht hinaus auf die Barentssee. Überwältigend. Wer hier noch Nordlichter erlebt ist im Norwegenhimmel.

Nordkapp, Copyright: insidenorway

Nordkapp, Copyright: insidenorway

7. Tag. Schon ist der Wendepunkt der Reise erreicht. Bereits jetzt ist man randvoll mit Erlebnissen. Aber auch im zweiten Teil hält die Reise einiges bereit. Doch davon wollen wir Euch das nächste mal erzählen. To be continued…… 🙂