Hitze bis zum Abwinken oder: ist Oslo neuerdings in Italien?

Wer braucht schon Urlaub in Italien, wenn man eine Hitzewelle auch in Oslo bekommt. Moment mal, Hitzewelle? Also eigentlich habe ich ja Norwegen deshalb zu meinem Aufenthaltsland erklärt, weil sich da der Sommer so fabelhaft aushalten lässt. Im Grunde ist ja Ende Mai generell noch nicht das, was man gemeinhin als Hochsommermonat bezeichnen kann. Nicht so dieses Jahr. Bereits seit zwei Wochen schwitzen wir in Oslo, was das Zeug hält. Der Norweger an sich ist ja eher kühlere Temperaturen gewöhnt, kein Wunder, dass da der ein oder andere ein wenig irritiert ist, wie sich denn 30 Grad in die Hauptstadt verirren können. Und nicht nur in die Hauptstadt, sondern nach ganz Südnorwegen. Seit Wochen berichten die Zeitungen vom heissesten Mai aller Zeiten in Norwegen. Das ist für mich, die ich ja ausserhalb meines Reiseleiterjobs als Fotografin unterwegs bin, besonders erbaulich. Nicht selten kletterte das Thermometer über die 40 Grad in der Sonne und Städte haben ja die Angewohnheit, dass der heisse Asphalt den Schwitzfaktor noch ein Stück in die Höhe treibt. Ideale Bedingen also um Fotos zu machen. Die Norweger jedenfalls haben sich entschieden aus der Not eine Tugend zu machen und sich kurzerhand ihrer Kleidung entledigt. Also nicht vollständig, aber in diesen Tagen sieht man auffällig viele gut trainierte nackte Männeroberkörper die Stadt bevölkern. Und wozu hat Oslo eine Vielzahl von Stränden, an denen man sich gelegentlich im Fjord Abkühlung verschaffen kann. Eigentlich kann man gleich im Fjord sitzen bleiben. Wer Urlaub hat ist König. Scheinbar hat das im Moment jeder, denn die Strände sind voll wie nie. Das hat tatsächlich etwas von Italien-Feeling.

Tjuvholmen; Copyright: insidenorway

Zeit, mich nach langer Zeit mal wieder auf den Oslofjord-Inseln auszutoben. Praktisch ist ausserdem, dass man bei der Überfahrt mit den öffentlichen Fähren den Wind als Grossventilator nutzen kann. Denn Wind ist im Moment ebenfalls spärlich gesät. Aber jeder will wohl zur Zeit auf die Inseln um sich Abkühlung zu verschaffen. Die Schlange am Fähranleger reicht gemeinhin bis zum Rathaus. Anstehen natürlich in der Sonne. Kein Wunder, dass jeder mit seiner Flasche Sonnenschutz hantiert. In jedem Laden sind die Regale mit den Anti-Sonnenbrandmitteln wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und das in Norwegen. Netterweise haben die Fährenbetreiber heute besonders viele schwimmende Transportmittel im Einsatz, so dass es hurtig geht, bis jeder seinen Platz auf dem Schiffchen findet.

Fähre im Oslofjord, Copyright: insidenorway

Ich habe mir heute mal die kleine Insel Lindøya als Ziel ausgeguckt. Bislang war ich meistens auf Hovedøya, der Hauptinsel sozusagen, oder auch Gressholmen, wo der Vögel liebster Platz ist. Auf den restlichen Inseln hat sich vor allem der gut situierte Osloer ein kleines Wochenenddomizil zugelegt. Das verspricht, dass dort weniger Betrieb ist als an den Stränden, wo die Allgemeinheit das kühle Nass geniesst. Lindøya hat ausserdem die schöne Eigenschaft, dass es gleich zwei Fähranleger hat, im Westteil und im Ostteil. Wie geschaffen um die Insel zu durchqueren. Von ausgedehnter Wanderung kann man ob der Winzigkeit der Insel zwar nicht sprechen, aber in der Hitze ist das vollkommen ausreichend. Ich steige also am westlichen Anleger aus und bin gleich verliebt in dieses zauberhafte Eiland. Zur Orientierung stapfe ich erst einmal denen hinterher, die mit kleinem Gepäck bewaffnet ebenfalls aussteigen. Ferienhausidylle. Und es ist wirklich ein Idyll. Kleine Häuschen schmiegen sich an die Hügel der Insel, klein, bunt, niedlich, da lacht einfach das Norwegenherz. Ich überlege kurzfristig mir einen Ferienhausbesitzer zu angeln. Die Vorstellung hier jedes Wochenende der Entspannung zu frönen ist einfach zu schön. Heute muss ich mich aber wohl mit gucken begnügen. Schon nach wenigen Minuten erreiche ich die erste Bucht. Zauberhaft. Die Felsen ragen flach in den Fjord und formen so etwas wie eine private Badewanne. Wassertemperatur? Herrlich. Da das Wasser hier recht flach ist, heizt es sich schnell auf und spendiert Abkühlung der Extraklasse. Kein Wunder, dass eine Gruppe von Schwimmern lustig im Fjord paddelt. Ansonsten lässt man sich auf der Luftmatratze in den sanften Wellen treiben. So geht Urlaubs-Feeling.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Weiter geht es Richtung Ostteil der Insel. Immer wieder formen die Felsen kleine Buchten, manche mit grobem Sandstrand, manche mit einer Mischung aus kleinen Kieselsteinen und Muschelschalen, allesamt herzallerliebst. Da möchte man gleich eins der Boote mopsen, die da verschlafen an den Stegen liegen liegen und sich auf dem Fjord den Wind um die Nase wehen lassen. Auch Familie Gans macht es so. Gerade sind die kleinen geschlüpft und schon geraume Zeit watschelt eine ganze Familie eifrig schnatternd hinter mir her. Zur Abkühlung hüpfen sie immer wieder in den Fjord und schwimmen eine Weile neben mir her. Aber da ja gelegentlich auch etwas in den Schnabel muss, watscheln sie immer wieder an Land und auf mich zu, in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt. Heute haben sie allerdings Pech. Ich habe nichts dabei, was zum Gänsefutter taugt.

Um zum östlichen Fähranleger zu kommen, geht es nun quer über die Insel. Man kann sich gar nicht satt sehen an den niedlichen Häuschen. Die Grundstücke sind klein und kuscheln sich dicht an dicht, die Häuschen haben mal eine niedliche Veranda, mal einen gemütlichen Grillplatz. Norwegenglückseligkeit. Da vergisst man glatt die Affenhitze. Kann man hier ja auch. Der reine Luxus hier eine Hütte zu besitzen. Am Fähranleger geniesse ich bis das Schiffchen kommt nochmal das herrliche Fjordwasser mit Blick auf die Stadt. Herrlich anzusehen, während die Beine in der wunderbaren Abkühlung wohnen.

Lindøya, Copyright: insidenorway

Also Leute: ein Besuch der Oslofjord-Inseln ist Pflicht, wenn Ihr die Hauptstadt besucht, denn es ist wie die kleine Flucht in eine kleine Welt der Idylle und des allerliebsten Norwegenglücks. Do it!

Das kleine Paradies im Osten – Oslos schmusige Fjordinselchen !

Also den kleinen Zusatz –øya trägt ja in Norwegen so ziemlich jedes Eiland im Namen. Heißt ja auch schließlich Insel und davon gibt es dort ja bekanntlich einige. Warum sollte die Hauptstadt da eine Ausnahme machen. Und bei denen, die im östlichen Teil des Oslofjords liegen, ist man noch nicht mal auf die Fähre angewiesen. Man fährt einfach mit Auto oder Bus dorthin. Ok, wenn man die schmale Brücke nach Ulvøya passiert, fragt man sich ob der Bus überhaupt drüber passt und wenn, ob sie ihn trägt. Die Hängebrücke könnte nicht schmaler gebaut sein. Befindet man sich auf dem kleinen Inselchen so ziemlich genau in der Mitte, der Bus hält ebenfalls da, läuft man einfach gen Süden ans Ufer. Hier wartet der Strand der Insel. Zauberhaft. Und wer denkt, dass Strand nur im Sommer geht, wird gleich eines Besseren belehrt. Ich finde ja immer wieder großartig, wenn sich der gefrorene Oslofjord bis in den Sand schmiegt.

Ulvøya, Copyright: insidenorway

Ulvøya, Copyright: insidenorway

Hier kann man stundenlang stehen und trotzt der Kälte, weil der Anblick einfach zu schön ist. Die Kinder schlittern übers Eis, am Sprungturm  für die Sommerbadegäste sitzen Verliebte. Romantisch. Kein Gedanke ans sommerliche Grillen hier. Zu viel Frieden liegt über dem Ort, den man förmlich Angst hat zu zerstören.

Wer auf Ulvøya fertigromantisiert hat, kann gleich zur nächsten Insel hüpfen. Dazu nimmt man die besagte Brücke zurück und biegt gleich bei der nächsten Abzweigung ein nach Ormøya. Das mit dem -øya sagte ich ja schon. Auf dem großen Parkplatz kann man gleich halten, denn man MUSS einfach an den gegenüberliegenden Badesteg gehen. Vor allem, wenn die Sonne kurz davor ist in den Fjord zu fallen. Selbst die dort gelegene Fabrik hat im goldenen Schein etwas romantisches. Noch viel besser ist der Blick auf die kleinen Badehäuschen, die schon nach dem Frühling lechzen. Ich überlege nach wie vor wie ich an so ein Ding komme, am besten mit zugehöriger Yacht und norwegischem Traumhaus.  😛 Derer gibt es einige auf den Inselchen, auch wenn man quasi sehen kann, was der Nachbar zum Frühstück auf dem Teller hat. Mehr Häuser waren auf soviel Land wirklich nicht unterzubringen. 🙂

Ormøya, Copyright: insidenorway

Ormøya, Copyright: insidenorway

Angeln kann man hier natürlich auch. Also wer den Fisch im Frischezustand 1A haben möchte, hängt ein Würmchen an den Haken und wartet. Da ich ja nicht so der Angler bin, fahre ich lieber mit dem Auto über die Insel, also vielmehr fährt diesmal meine Freundin Silke und mit ihr muss man sich auch nicht wundern, wenn man gelegentlich plötzlich mit dem Auto auf einem Privatgrundstück steht, umgeben von verdutzten Norwegern, die sich fragen, was denn das blaue Auto in ihrer Einfahrt will. Aber: Silke fährt, auch wenn sie nicht weiß, ob man überhaupt am Ende der Straße drehen kann. Immerhin finden wir aber auch zur niedlichen kleinen Kirche, die hoch über der Insel thront. Entzückend.

Weiter geht es nach Malmøya. Das ist keine große Sache, denn man hüpft über eine kleine Brücke gleich von Ormøya dorthin. Und man kann gleich wieder aussteigen, nachdem  man an den aufgereihten Badehäuschen vorbei gefahren ist. Gleich hinter der Brücke kann man sein Auto irgendwo hinquetschen und genießt den Blick von Insel zu Insel. Man kann sozusagen rüberspucken. Obwohl hier alles ein bißchen gedrängt bebaut ist, verfällt man sofort in Gemütlichkeitsgedanken. Die Häuschen, die sich an den Hang schmiegen, die Bootsstege davor. Schwärm!

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Copyright: insidenorway

Alles in allem: wer die Inseln nicht besucht, verpasst was. Und Oslo übt sich damit mal wieder im Ich-hab-nen-riesen-Freizeitwert-Modus. Ja, die Hauptstadt ist eben nicht nur modern-urban, sondern auch ländlich-romantisch. Do it! ❤

 

Der Sommer ist da – ab ans Mittelmeer? Nö! Wir haben doch den Oslofjord

Endlich ist er da, den ganzen Winter haben wir auf ihn gewartet. Auf den Sommer. Und wer will schon ans Mittelmeer, wo wir in Oslo doch ein riesengroßes Wasser-Naherholungsgebiet gleich vor der Tür haben. Und ein paar Inseln noch dazu. Also packt in diesen Tagen der Osloer am Wochenende regelmäßig seinen Picknick-Korb, schnappt sich die Kinder und hisst die Segel an seinem Boot um einfach nur zu genießen. Den Oslofjord, den Blick auf seine Stadt, den Sandstrand. Ja – den Sandstrand. Und davon gibt es einige rund um Oslo. Wer schnell mal mit der Fähre rüberhüpfen will und so schnell wie möglich sein Handtuch am Wasser drapieren möchte, hüpft nach Hovedøya. Aufgrund der Größe der Insel kann man dort auch noch atmen, wenn sich scheinbar ganz Oslo überlegt hat kollektiv die Freizeit zu verbringen.

Hovedøya, Copyright: insidenorway

Hovedøya, Copyright: insidenorway

Wer keine passionierte Wasserratte ist genießt einfach Feld, Wald und Wiesen, schnattert ein wenig mit den Enten oder bedient sich des mitgebrachten Einweg-Grills. Man kann aber auch einen fröhlichen Tag Inselhopping feiern, denn praktischerweise ist im Tagesticket der Öffentlichen die Fährrundfahrt kostenlos inbegriffen. Also nimmt man die Fährlinie 3 und schippert von Hovedøya munter weiter nach Gressholmen, der „kleinen Grasinsel“. Immerhin duldet die Vogelwelt hier die Besucher, auch wenn die gefiederten Freunde das Inselchen für sich beanspruchen, seit der ehemalige Wasserflughafen von Oslo das Feld geräumt hat.

Gressholmen Hafen, Copyright: insidenorway

Gressholmen Hafen, Copyright: insidenorway

Nächste Station: Langøyene. Hier dürfen die Kleider fallen und auch das „Mitnahme-Hotel“ aufgeschlagen werden. Aber wer beim Baden lieber ein Stückchen Reststoff bevorzugt, hat einen der größten Strände der Insel für sich. Und außerdem wird das Wasser im Sommer schnell zum 20 Grad warmen Plantschbecken, flaches Wasser, viel Sand, viel Fjordfreude. Abends wenn die letzte Fähre gen Oslo verschwunden ist liegt man auf der Wiese, Sternenhimmel (Oslo ist da im Sommer zuweilen sehr großzügig), Mittsommerromantikfestival. Kann süchtig machen! 😉 Und die Gänse gesellen sich auch dazu.

Langøyene, Copyright: insidenorway

Langøyene, Copyright: insidenorway

Auf dem Rückweg nach Oslo nimmt man noch die kleinen Inseln mit, wo sich die bunten Ferienhäuschen der Osloer dicht an dicht schmiegen. Ja da möchte man sich gleich eins aussuchen. Natürlich mit nem Segelboot am Steg. Nun ja auch gucken macht glücklich. 😀 Überall strahlen die weißen Segel im Fjord und nebenbei hat man auch noch einen herrlichen Blick auf Oslo.

Blick von Hovedøya auf die Schanze Holmenkollen, Tjuvholmen und Akerbrygge, Copright: insidenorway

Blick von Hovedøya auf Tjuvholmen und Akerbrygge, Copright: insidenorway

Also wer zwischen April und Oktober in der Hauptstadt ist gibt sich die Inseltour, genießt Norwegen-Idylle außerhalb der Stadt und Natur satt. Wer im Winter die Stadt besucht muss wiederkommen. Im Sommer! 🙂

Frühling – Winter – ach wer weiß das schon….

Ja ja, da sitzt man gerade noch mit seinem Becher Kaffee am Parlament und erfreut sich an den Knospen, die bereits auf den Bäumen wachsen, und dann das. Von jetzt auf gleich ist wieder Winter. Und Oslo macht es direkt gründlich und schneit sich so ein, dass sogar jetzt Ende März wegen Schneechaos der Flughafen geschlossen werden muss. Halbe Sachen sind nicht Oslos Ding! Also mir persönlich macht die Kälte ja nix. Während Mitteleuropa schon nach dem Frühling greift, läuft bei uns in Norwegen vor April keine Maßnahme an, die irgendwie nach Frühling riecht. Die Fahrräder bleiben im Schuppen, die Mütze auf dem Kopf und die Gummistiefel sind das modischste Accessoires.

Aber was kann Oslo wie ein High-Fashion-Designer? Wolken drapieren wie Watte, die auf Seidenstoffen dahingleitet und das Fotografenherz höher schlagen lässt. Also wieder mal ab auf die Fähre. Das kommt mir im Rahmen meines Oslo-Experiments (was das genau auf sich hat, wird erst später verraten) erstens finanziell entgegen, zweitens wird einem hier wieder absolut klar, warum man Oslo einfach lieb haben muss.

Copyright: insidenorway

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Die Fähre kommt und man kann schon erahnen, dass da ganz hinten Richtung Nesodden Sonne und Wolken Stoff für gute Fotos bereit halten. Und ganz nebenbei finde ich es eben immer wieder zauberhaft vorbei am Stadtteil Akerbrygge und Tjuvholmen zu beobachten wie das Rathaus immer kleiner wird und der Oslofjord sich vor einem ausbreitet.

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Und ja: ich scheine einen besonderen Tag erwischt zu haben: die Stimmung ist geradezu mystisch. Die Sonne bricht durch die Wolken und formt Wolkenformationen wie in einem Kitschroman. Und ich finde immer wieder bemerkenswert wie wandlungsfähig der Oslofjord ist. Wäre er Topmodel würde er ohne Zweifel in die Riege der Mädchen aufgenommen, die sich auf Hochglanzmagazinen tummeln. Deshalb lohnt es sich auch bei jedem Wetter mit der Fähre überzusetzen. Irgendwo ist immer ein Inselchen, das genau in diesem Moment seine schönste Seite zeigt.

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Und dann das Wasser. Das Wasser hat im Winter eine besondere Farbe. Betörend grau-blau, aber mit dem Wissen, dass man ein Bad lieber nicht ausprobiert! Also Leute: jeder, der mich in Oslo besucht wird gnadenlos zur Pendelfähre Akerbrygge – Nesoddtangen verurteilt. Im Auftrag der Hauptstadt! 😉 Deshalb lasst Euch einfach von Oslo verhaften und ergebt Euch in viel Atmosphäre auf wenig Quadratkilometern! Entkommen ausgeschlossen! ❤ 🙂

Verzückung auf hauptstädtisch – Oslo badet in Farben

Also im Winter könnte ich in Oslo ja manchmal verzweifeln, wenn ich tagelang auf Fotowetter warte und der Himmel sich einfach überlegt hat, dass er seine Wolkendecke hartnäckig verteidigt, damit bloß kein Sonnenstrahl die Hauptstadt berührt. Und dann gibt es die Momente, wo man den ganzen Tag in trübem Wetter durch die Stadt wandert und dann schaut man aus dem Fenster. Und siehe da: da ist sie, die Sonne. Und sie taucht den Fjord in ein Licht, dass man gemeinhin denkt man hat alles gesehen um sterben zu können. So geschehen vor ein paar Tagen. Und wenn das Licht schon Sonnenuntergang verheißt, tut man im Allgemeinen Gutes daran schnell der Osloer Oper aufs Dach zu steigen und einfach zu genießen. Bereits als ich von Akerbrygge schnell in den Osloer Osten gestiefelt bin hatte ich eine Ahnung welch grandiosen Blick mir Oslo in ein paar Minuten bieten würde, denn bereits auf dem Weg zur Oper stand der Fjord in flammendem Sonnenlicht.

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Also ruckizucki rauf aufs Dach der Oper. Und nebenbei bemerkt: kein Modedesigner könnte die Farben besser zusammenstellen als es Mutter Natur tut. Apropos Modedesigner. Selbst die Fashion-Magazines machen sich die unglaublichen Farben des Oslofjords bei Sonnenuntergang zu nutze.

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Ja und was sich dann auftut als ich endlich auf dem Dach der Oper angekommen bin, entbehrt aller Worte. Denn egal ob man Richtung Festung Akershus schaut oder auf die Neubauten des „Barcodes“ von Bjørvika, alles ist getaucht in pastellrosa Licht. Und man möchte stundenlang innehalten und den Anblick genießen. Aber nach zehn Minuten ist es vorbei, die Natur gemahnt uns den kurzen Augenblick bewusst zu erleben und auszukosten! Denn nur in diesen kurzen Highlights wissen wir zu schätzen wie schön es ist, wenn die Sonne im Wasser des Oslofjords versinkt. Und nicht nur da, aber ich bin eben ein Oslo-Girl. 🙂

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Deshalb genug der Worte! Ich lasse die Bilder sprechen, denn auch jetzt habe ich das Gefühl, dass jedes Wort ein Stück vom Zauber nimmt. Also pssst! Schauen! Genießen! 🙂 ❤

Tjuvholmen oder wo der Oslofjord die Hauptstadt küsst

Auch Oslo und sein Fjord halten immer wieder die Schönheit der norwegischen Natur bereit. Natürlich gibt es hier keine Fjordlandschaft wie in West- und Nordnorwegen, aber die Hauptstadt legt sich mächtig ins Zeug wenn es darum geht ihre Besucher mit Sonnenuntergängen und Wolkenformationen zu fesseln. Und wenn ich manchmal am Vormittag den zugezogenen Himmel verfluche, bahnt sich doch die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke und taucht den Oslofjord in mystisches Licht.

Blick von Tjuvholmen in den Oslofjord, Copyright: insidenorway

Blick von Tjuvholmen in den Oslofjord, Copyright: insidenorway

Die „Diebesinsel“ wie Tjuvholmen wörtlich übersetzt heißt, beschert einem den Blick über den futuristischen Bau des Astrup-Fearnley-Museums, über die im Sommer frequentierten Badestege des Stadtteils bis hin zur Museumshalbsinsel Bygdøy, jetzt im Winter liegt alles unter einer friedlichen Zuckerhaube aus Schnee, was den Anblick jedoch nicht minder schön macht. Im Gegenteil: ich finde gerade jetzt kann man hier den Alltagsstress perfekt hinter sich lassen und einfach Norwegen-Feeling genießen. Bei lauter Verzückung sollte man nur aufpassen, dass man auf den ungesicherten Bootsstegen nicht einen Schritt zuviel macht und ein unvorhergesehenes Eisbad nimmt. 😉

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Ansonsten ist man versucht trotz der winterlichen Temperaturen einen Liegestuhl aufzustellen, die Thermoskanne mit heißem Tee bereit zu halten und die minütlich wechselnde Wolken- und Lichtstimmung in sich aufzusaugen. Was machen da schon eiskalte Hände und Füße. Und im Rücken hat man die wunderschöne Architektur von Tjuvholmen, Glas und Holz, entworfen von zwanzig Architekten, die trotz unterschiedlichster Bauten vermocht haben einen harmonischen Stadtteil zu entwerfen. Allerdings enthält man sich heute der Urteilsvollstreckung von allerhand Diebesgesindel, denn das war der ursprüngliche Nutzen der „Diebesinsel“. Namentliche Anspielungen findet man jedoch auch jetzt noch überall in Tjuvholmen.

Copyright: insidenorway

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Entziehen kann sich Tjuvholmen sowieso kein Oslo-Besucher, da jeder, der sich im Hafen der Haupstadt aufhält und an der Promenade in Akerbrygge langschlendert automatisch dort auskommt, wo sich einst Diebe gute Nacht sagten. Also Fotoapparat zücken, zurücklehnen und genießen! 🙂 ❤

Alex gegen das Wetter – Auf Bibbertour im Ekebergpark Oslo

Manchmal denke ich Oslo will mich förmlich ärgern. Vor allem wenn ich gerade mal wieder eine Foto-Woche anberaumt habe und die Hauptstadt beschließt hartnäckig mit trübem Wetter zu glänzen. Für gewöhnlich lasse ich mich von sowas aber nicht abhalten, denn Oslo ist im Grunde bei jedem Wetter erkundbar. Und ab und zu ist man eben nicht in Museumslaune, die Klassikunternehmung bei schlechtem Wetter.

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Ich habe mir natürlich wieder den besten Tag ausgesucht. Temperaturen um die null Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Der Ekeberg-Park erhebt sich im Osten der Stadt und der Ausblick auf Oslo soll fantastisch sein. Grund für Alex das zu testen. Praktischerweise bringt einen die Trikk 18 gemütlich bis vor den Parkeingang und hier drinnen ist es wenigstens mollig warm. An der Haltestelle Ekebergparken reiße ich mich los von der Straßenbahnwärme und mache mich tapfer auf den Weg den Park zu erkunden. Schon der Plan zeigt, dass der Park riesig ist. Bereits nach wenigen Metern zieren eine Reihe von Skulpturen den Weg. Aufgrund der Kälte, die in mir hochkriecht, möchte ich schon nach drei Schritten wieder in die warme Straßenbahn kriechen. Aber nein, wenigstens will ich diesen fabelhaften Ausblick auf mein Oslove sehen und wenn ich danach als wandelnder Eiszapfen durch die Gegend stapfe.

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Der Weg dahin ist überschaubar und wenigstens kann man sich da schon mal von teilweise bizarrer Kunst begeistern lassen, die die Parkwege säumt. Wie Ihr vielleicht schon wisst, gibt es bei mir bei Kunst nur zwei Kategorien: gefällt mir und gefällt mir nicht. Hier muss ich wirklich sagen: Daumen hoch.

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Hat man die ersten paar hundert Meter hinter sich gebracht öffnet sich der Weg dann auch zu einem kleinen Plateau von dem sich der versprochene Blick auf die Stadt auftut. Und auch wenn der Himmel heute weit von Sonnenschein entfernt ist hält Oslo wenigstens einen imposanten Regenwolkenhimmel parat. Und der Blick, ja was soll ich sagen. Der Blick ist großartig. In einem Schlag erhält man einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Vor allem der Blick auf das Opernhaus und die neu erbauten Gebäude von Bjørvika, liebevoll auch Barcode genannt, ist großartig. Da kann man sogar über die Baustellen hinwegsehen, die sich im Moment im Osten der Stadt auftürmen. Eigentlich könnte man zur Zeit in Oslo auch eine geführte Baustellentour veranstalten, denn davon gibt es hier gerade genau so viele wie Sehenswürdigkeiten. 😉

Ausblick auf die Gebäude von Bjørvika und die Osloer Oper, Copyright: insidenorway

Ausblick auf die Gebäude von Bjørvika und die Osloer Oper, Copyright: insidenorway

Schwenkt man den Blick weiter nach links schmiegt sich hinter dem Verlagsgebäude des „Dagbladet“ das Rathaus und der königliche Wohnsitz ins Häusermeer. Wenn es nicht so verdammt kalt wäre, könnte man hier stundenlang stehen. Dieser Ausblick auf die Stadt ist einer der besten, den ich bis jetzt kenne. Wahrscheinlich ist er sogar noch imposanter, wenn man sich an den höchsten Punkt des Parks begibt, aber aufgrund der Wetterlage muss ich in dieser Hinsicht heute passen. Noch weiter nach links geblickt liegt die Fährlinie nach Kopenhagen vor Anker, direkt vor der Festung Akershus und auch der Blick auf den Stadtteil Akerbrygge ist fantastisch wie der Blick auf den futuristischen Bau des Astrup Fearnley-Museums. Von außen eins meiner Lieblingsgebäude in Oslo. Von innen: naja darüber habe ich ja schon berichtet. 😉

Blick auf die Festung Akershus, Akerbrygge und Tjuvholmen, Copyright: insidenorway.de

Blick auf die Festung Akershus, Akerbrygge und Tjuvholmen, Copyright: insidenorway

Und schaut man noch weiter nach links fällt der Blick auf die kleinen Badeinseln, die den Oslofjord so zauberhaft machen, im Moment aber eher in winterlichem Schlaf liegen. Alles in allem: Zeit für einen Besuch bei gutem Wetter ist schon in meinem Terminplan reserviert. Für heute bin ich allerdings froh, dass die Straßenbahn nach Hause innen so herrliche Sommertemperaturen hat.

Wo die Sonne das Paradies küsst oder Nesoddener Sunset-Freuden

Früher war ich ja mehr Stadt-Girl. Seit meiner Oslove genieße ich aber auch das, was Oslo für mich ausmacht, nämlich unter anderem das bezaubernde Flair, das die Umgebung der Hauptstadt zu bieten hat. Also bin ich in Akerbrygge wieder mal zum Fähranleger gestiefelt, die Kreditkarte in den Ticketautomaten und für 50kr ab mit meiner Lieblingsfähre 601, die zwischen Akerbrygge und Nesodden hin und her pendelt.

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Bei -8 Grad verkriecht sich so ziemlich jeder Fährpendler ins warme Innere des Schiffchens. Ich steh natürlich draußen. Gute Fotos und so. Aber was macht es schon wenn einem die Hände fast erfrieren, man dafür aber den Blick auf Oslo und den Oslofjord aufsaugen kann. Und auch in Nesodden kann man an diesem Tag nicht wirklich von tropischer Hitze sprechen. Wenn Oslo nicht gerade beschlossen hat sich unter einer undurchdringbaren Wolkendecke zu verkriechen lohnt sich die Überfahrt nach Nesodden allerdings immer, wenn man länger in Oslo ist, sollte man durchaus mehrere Ausflüge dorthin unternehmen. Erstens, weil man sich dort schier unerschöpflich in der Natur bewegen kann und zweitens, weil die Halbinsel bei jedem Wetter ein anderes Gesicht zeigt. Die Speicherkarte meiner Kamera erfreut sich auf diesen Touren regelmäßig der Datenflut.

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Wer Zeit mitbringt schlendert vom Fähranleger auf einem entzückenden Weg bis zum Hafen nach Oksval, an dem Ausblick auf den Oslofjord kann man sich nicht satt sehen. Im Winter überlege ich gelegentlich, ob es sinnvoll wäre Steigeisen unter die Schuhe zu schnallen oder man nimmt gleich die Schlittschuhe, denn Eis und Schnee halten sich hier gerne hartnäckig. Und während man auf die Fähre zurück nach Akerbrygge wartet dreht man dem Fähranleger einfach den Rücken zu und genießt einen der schönsten Sonnenuntergänge über dem Oslofjord, alle Farben des Regenbogens inbegriffen.

Spätestens jetzt ist jeder in Oslove! ❤ ❤ ❤

Kann man von da den Fjord sehen? Ein Selbstversuch in St. Hanshaugen

Also ich bin einfach mal so frech und sage, dass mir so schnell keiner etwas vormacht, wenn es um die besten Plätze in Oslo geht, aber gelegentlich schaue auch ich mal in den ein oder anderen Reiseführer, schon allein deshalb, weil ich es immer spannend finde zu testen, ob ich die ein oder andere Aussage bestätigen kann. Irgendwie habe ich den Stadtteil St. Hanshaugen immer ein bißchen links liegen lassen. Neulich bin ich aber wieder drüber gestolpert, als mir der Oslo-Reiseführer in die Hände fiel. „Eine der besten Aussichten auf die Stadt und den Fjord“ ist doch mal ne Aussage, die mein Fotografenherz höher schlagen lässt. Man muss dazu sagen, dass das Zentrum von St. Hanshaugen – wie könnte es in Oslo anders sein – ein Park ist. Hübsch angelegt im englischen Stil, im Zentrum das Tårnhuset, ein kleines Turmhaus, am höchsten Punkt des Parks thronend, entzückend.

Bis ich die Aussicht genießen kann, muss ich aber erst einmal zu diesem höchsten Punkt gelangen. Und hier kommt wieder der norwegische Winter ins Spiel. Ich habe mir natürlich einen Tag ausgesucht, dem ein Tag Tauwetter vorausgegangen ist und eine Nacht mit Temperaturen deutlich unter null. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass sich diese zwei Komponenten gepaart mit stark ansteigenden Parkwegen zu einer Schlitterpartie zusammen fügen. Aber egal. Ich will wissen ob die Aussicht dort oben hält, was sie verspricht. Immerhin bewirkt die Fortbewegung im Schneckentempo, dass man sich intensiv anschaut, was um einen herum ist. Das beginnt mit den wunderschönen Häuserzeilen, die um den Park liegen und setzt sich fort mit den teilweise witzigen Skulpturen, die über den Park wachen.

Was mich fototechnisch verzweifeln lässt, ist der zugezogene Himmel an diesem Tag, aber ich tröste mich mit der Hoffnung, dass die Sonne über dem Fjord lacht, wenn ich oben bin. Und wenigstens schlittern alle Norweger, die an diesem Tag in St. Hanshaugen unterwegs sind, genauso wie ich durch den Park. Eine übermotivierte Sportgruppe trotzt dem blanken Eis auf den Wegen und bildet einen geradezu grotesken Gegensatz zu allen anderen Park-Besuchern, die sich dankend an jedem Geländer entlang hangeln. Für die Schinderei werde ich dann aber wirklich belohnt. Am höchsten Punkt angekommen ist der Ausblick auf den in Sonne getauchten Fjord wirklich atemberaubend. Wenn ich auch eine kleine Einschränkung machen muss. Jetzt im Winter kann ich ohne Anwendung des Röntgenblicks durch die kahlen Bäume hindurch auf die Stadt schauen.

Wie das im Sommer aussieht werde ich testen!