Der Frühling ist da oder wenn Oslo sich in Blumen hüllt

Wir in Oslo sind ja mit dem Frühling im Vergleich zum übrigen Europa etwas später dran – Norden und so. Aber wenn der Mai gekommen ist badet die Hauptstadt in einem Meer aus Tulpen und Stiefmütterchen. Fast als würde Oslo aus dem Winterschlaf erwachen. Rund um das Rathaus leuchtet es in gelb, rot und lila, im Vigelandpark erwacht der Rosengarten aufs neue, die Bäume haben endlich wieder ihr sattes grün – kurzum Oslove!

Frühling am Rathausplatz, Copyright: insidenorway

Frühling am Rathausplatz, Copyright: insidenorway

Und pünktlich zum Mai nimmt auch der Himmel wieder oslotypische Gestalt an. Wer ein Fan von gigantischen Wolkenformationen ist, sollte jetzt nach Oslo kommen, denn der Himmel ändert sich ca. alle zwanzig Minuten und die Wolken tanzen über der Hauptstadt, von lieblich bis bedrohlich. Nichts schöneres also als frühmorgens mit einem Becher Kaffee auf einer der Bänke am Hafen zu sitzen und das Oslo-Wolken-Feeling zu genießen. Ich bemühe mich ja ab und zu einen Sonnenaufgang fotografisch zu erwischen, denn wenn unser Stern morgens über der Festung Akershus hervorlugt, ist Oslo nochmal so schön. Nur dass man sich dafür bereits um 4:15 Uhr zum Fotoshooting einfinden muss treibt einen Nachtmenschen wie mich in den Wahnsinn. 😉 Da kommt mir der SonnenUNTERGANG um 22:10 Uhr doch deutlich gelegener.

Die Festung Akershus nach Sonnenaufgang, Copyright: insidenorway

Die Festung Akershus nach Sonnenaufgang, Copyright: insidenorway

Aber auch wer frühmorgens noch sein gemütliches Bett bevorzugt kommt voll auf seine Kosten. Vor dem Nobelpreiscenter blühen die Kirschbäume und an allen Ecken spielen Straßenmusiker ihr gesamtes Repertoire. Wer gerne städtisches Treiben beobachtet kann sich eigentlich den ganzen Tag auf dem Rathausplatz aufhalten, denn hier ist immer was los. Auch die Fähren tuckern jetzt wieder im Hochbetrieb über den Fjord und bringen Einheimische und Touristen wieder zu den vielen kleinen Inseln im Oslofjord, sonntags gerne mit Sack und Pack, wenn der Osloer samt Familie mit Kinderwagen und Picknickkorb bewaffnet die Natur rund um seine Stadt genießt.

Kirschblüte am Nobelpreiscenter, Copyright: insidenorway

Kirschblüte am Nobelpreiscenter, Copyright: insidenorway

Und nicht nur der Fährbetrieb ist erwacht. Wer von Schiffen nicht genug bekommen kann, ist beim Auflauf der Giganten genau richtig. Täglich tutet sich ein neuer Kahn den Weg frei und liegt den Tag über majestätisch am Kai unterhalb der Festung, an der Oper und am Colorline-Terminal. Das ganze Spiel wiederholt sich dann abends, wenn alle wieder ablegen. Auf die tägliche morgendliche Notfallübung in vier Sprachen, die ganz Akerbrygge weckt, könnte ich allerdings verzichten. 😉

Copyright: insidenorway

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Wer also jetzt nach Oslo kommt sollte gleich drei Wochen bleiben, denn an jeder Ecke lockt ein neues Fotomotiv, ein neues Blumenarrangement, eine neue Wolkenformation, ein neuer fantastischer Blick über die Stadt. Allein für das Sonnenuntergangthema sollte man an mindestens zehn unterschiedlichen Plätzen in der Stadt seiner romantischen Ader folgen.  Ob im Vigeland-Park, wo die Sonne gleich zweimal untergeht, am Horizont der Stadt und im Spiegel der am Hang liegenden Häuser, oder in Tjuvholmen, an der Oper, und und und….

Anyway: schon ein Kurztrip erfüllt das Norwegenherz mit purem Glück. Und schließlich kann man ja wieder kommen. ❤

 

 

Tjuvholmen oder wo der Oslofjord die Hauptstadt küsst

Auch Oslo und sein Fjord halten immer wieder die Schönheit der norwegischen Natur bereit. Natürlich gibt es hier keine Fjordlandschaft wie in West- und Nordnorwegen, aber die Hauptstadt legt sich mächtig ins Zeug wenn es darum geht ihre Besucher mit Sonnenuntergängen und Wolkenformationen zu fesseln. Und wenn ich manchmal am Vormittag den zugezogenen Himmel verfluche, bahnt sich doch die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke und taucht den Oslofjord in mystisches Licht.

Blick von Tjuvholmen in den Oslofjord, Copyright: insidenorway

Blick von Tjuvholmen in den Oslofjord, Copyright: insidenorway

Die „Diebesinsel“ wie Tjuvholmen wörtlich übersetzt heißt, beschert einem den Blick über den futuristischen Bau des Astrup-Fearnley-Museums, über die im Sommer frequentierten Badestege des Stadtteils bis hin zur Museumshalbsinsel Bygdøy, jetzt im Winter liegt alles unter einer friedlichen Zuckerhaube aus Schnee, was den Anblick jedoch nicht minder schön macht. Im Gegenteil: ich finde gerade jetzt kann man hier den Alltagsstress perfekt hinter sich lassen und einfach Norwegen-Feeling genießen. Bei lauter Verzückung sollte man nur aufpassen, dass man auf den ungesicherten Bootsstegen nicht einen Schritt zuviel macht und ein unvorhergesehenes Eisbad nimmt. 😉

Copyright: insidenorway

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Ansonsten ist man versucht trotz der winterlichen Temperaturen einen Liegestuhl aufzustellen, die Thermoskanne mit heißem Tee bereit zu halten und die minütlich wechselnde Wolken- und Lichtstimmung in sich aufzusaugen. Was machen da schon eiskalte Hände und Füße. Und im Rücken hat man die wunderschöne Architektur von Tjuvholmen, Glas und Holz, entworfen von zwanzig Architekten, die trotz unterschiedlichster Bauten vermocht haben einen harmonischen Stadtteil zu entwerfen. Allerdings enthält man sich heute der Urteilsvollstreckung von allerhand Diebesgesindel, denn das war der ursprüngliche Nutzen der „Diebesinsel“. Namentliche Anspielungen findet man jedoch auch jetzt noch überall in Tjuvholmen.

Copyright: insidenorway

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Entziehen kann sich Tjuvholmen sowieso kein Oslo-Besucher, da jeder, der sich im Hafen der Haupstadt aufhält und an der Promenade in Akerbrygge langschlendert automatisch dort auskommt, wo sich einst Diebe gute Nacht sagten. Also Fotoapparat zücken, zurücklehnen und genießen! 🙂 ❤

Alex auf den Spuren der norwegischen Geschichte im Norsk Folkemuseum

Hatte ich schon einmal gesagt, dass ich Museumsbesuchen bislang nicht wirklich etwas abgewinnen konnte? Oslo scheint dem hartnäckig entgegen zu steuern……..mit Erfolg. Und wenn sich in der norwegischen Hauptstadt schon das größte Museum des Landes befindet, sollte man dort vorbei schauen, wenigstens um mitreden zu können. Das Norsk Folkemuseum verspricht Geschichte zum anfassen durch sieben Jahrhunderte und bereits wenn man mit dem Bus Nr. 50 das Terrain der Museumsinsel Bygdøy erobert, kann man erahnen, dass das Gelände des Museums riesig ist. Ich bin sehr gespannt. Wir befinden uns immer noch im Winter, folglich ist die Kombination mit Freilichtmuseum etwas gewagt, aber ich will es jetzt sehen.

Ich löse also mein Ticket für 90,- kr und mache mich auf zu den Wikingern, denn so beginnt der Rundgang. Die Norweger haben keine Kosten und Mühen gescheut mal eben ein ganzes Wikingerdorf aus Originalfundstücken auf das Gelände zu stellen. Es hat ein bißchen was davon als ginge man durch die Asterix-Comicwelt im realen Leben. Ich finde alles zauberhaft arrangiert, in die meisten Häuser darf man auch hineingehen und stellt fest, dass die Wikinger nicht nur deutlich kleiner waren, sondern der Komfort nach heutigen Maßstäben auch sehr überschaubar war.

Auf den Spuren der Wikinger, Copyright: insidenorway

Auf den Spuren der Wikinger, Copyright: insidenorway

Weiter geht es auf eine Lichtung, auf der die Stabkirche von Gol steht, mehr als siebenhundert Jahre alt, top-erhalten und wirklich ein optischer Leckerbissen, zumal die Sonne so freundlich ist und hinter den spärlich beblätterten Bäumen erstrahlt. Ja DAS sind die Momente, wo ich stundenlang einfach nur entzückt innehalten möchte ob des großartigen Anblicks. Reingehen kann man selbstverständlich auch und wenn man das tut riecht es wunderbar nach Holz und Natur.

Stabkirche von Gol, Copyright: insidenorway

Stabkirche von Gol, Copyright: insidenorway

Jetzt im Winter wirkt das Gelände fast etwas verlassen, was das Besuchserlebnis allerdings nicht schmälert. Im Sommer wird das Norwegen-Feeling dann aber vollkommen durch ein umfangreiches Rahmenprogramm, traditionelle Trachten, Gesänge und vieles mehr. Ich werde das in den Sommermonaten definitiv testen. 🙂

Weiter geht es ins Mittelalter und die frühe Neuzeit. Ich stelle fest, dass auch hier der Komfort sagen wir, überschaubar, war. Schaut man die Häuser von innen an stellt man fest mit wieviel Liebe zum Detail die Norweger dieses Museum aus dem Boden gestampft haben. Das ist wirklich Geschichte zum anfassen und auch für Geschichtsmuffel unterhaltsam. Und immer wieder schmunzel ich über die winzigen Betten, die höchstens eine Körpergröße von 1,50m zulassen.  Geschirr, Kleidung und andere Einrichtungsgegenstände wurden liebevoll zusammengetragen und arrangiert.

Leben der Norweger im MIttelalter, Copyright: insidenorway

Leben der Norweger im MIttelalter, Copyright: insidenorway

Auf dem sich anschließenden Gelände der Neuzeit sind die typisch skandinavischen Holzhäuser so zauberhaft nachgebaut, dass man sich gar nicht satt sehen kann. Auch wenn hier die Innenräume deutlich luxuriöser werden als noch ein paar Jahrhunderte zuvor, denkt man mitunter man befindet sich in Puppenhäusern. Alles ist klein und eng und ich wundere mich wie man soviel Einrichtung in so wenig qm packen kann. Das Bettengrößenproblem bleibt. 😀

Innen wird es allerdings auch deutlich bunter, Möbel, Wände, Tischdecken, alles norwegisch bunt. Den Straßenzug schmückt außerdem ein entzückender Krämerladen, eine Apotheke und eine Bank, alles originalgetreu. Da leuchten selbst bei mir die Augen wie bei einem Kind. Museen mit eingebautem Zeitreisetool findet selbst ein Museums-Muffel wie ich großartig.

Copyright: insidenorway

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Bleibt die Moderne. Und was macht der norwegische Staat? Er stellt einfach mal ein ausgewähltes Gebäude aus Oslo nochmal aufs Museumsgelände um daran das norwegische Leben im 20. Jahrhundert zu zeigen. Drei Stockwerke kann man besichtigen, im Erdgeschoss geht es los mit den 1910er Jahren, weiter im ersten Stock mit den 1950er Jahren und es endet mit den 1980er Jahren im zweiten Stock. Und man stellt fest, dass sich das Leben in Norwegen in diesem Jahrhundert nicht wirklich vom übrigen Europa unterschied, das Bettengrößenproblem ist nicht mehr existent und das Arrangement mit viel Liebe zum Detail ist auch hier fortgeführt.

Copyright: insidenorway

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Nach dem Rundgang auf dem Freilichtgelände kann wer will noch die Ausstellungen besuchen, die sich in den Gebäuden rund um den Eingangshof befinden. Auch hier gibt es noch allerhand zu sehen, Kleidung und Einrichtungsgegenstände der Wohlhabenden, Holzschnitzereien und andere Handwerkskunst.

Fazit: bei einer Oslo-Reise sollte ein Besuch in diesem Museum auf keinen Fall fehlen. Norwegische Museen haben ja in der Regel die angenehme Seite, dass die Ausstellungen eine Größenordnung haben, die es erlaubt die Ausstellung in ein bis zwei Stunden zu bewältigen. Im Norsk Folkemuseum ist das anders. Wer alles besichtigen will sollte einen halben Tag einplanen. Weil das Gelände so abwechslungsreich gestaltet ist vergeht die Zeit wie im Flug. Also Daumen hoch für eins der besten Museen, die ich bislang besucht habe! 🙂

Alex gegen das Wetter – Auf Bibbertour im Ekebergpark Oslo

Manchmal denke ich Oslo will mich förmlich ärgern. Vor allem wenn ich gerade mal wieder eine Foto-Woche anberaumt habe und die Hauptstadt beschließt hartnäckig mit trübem Wetter zu glänzen. Für gewöhnlich lasse ich mich von sowas aber nicht abhalten, denn Oslo ist im Grunde bei jedem Wetter erkundbar. Und ab und zu ist man eben nicht in Museumslaune, die Klassikunternehmung bei schlechtem Wetter.

Copyright: insidenorway

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Ich habe mir natürlich wieder den besten Tag ausgesucht. Temperaturen um die null Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Der Ekeberg-Park erhebt sich im Osten der Stadt und der Ausblick auf Oslo soll fantastisch sein. Grund für Alex das zu testen. Praktischerweise bringt einen die Trikk 18 gemütlich bis vor den Parkeingang und hier drinnen ist es wenigstens mollig warm. An der Haltestelle Ekebergparken reiße ich mich los von der Straßenbahnwärme und mache mich tapfer auf den Weg den Park zu erkunden. Schon der Plan zeigt, dass der Park riesig ist. Bereits nach wenigen Metern zieren eine Reihe von Skulpturen den Weg. Aufgrund der Kälte, die in mir hochkriecht, möchte ich schon nach drei Schritten wieder in die warme Straßenbahn kriechen. Aber nein, wenigstens will ich diesen fabelhaften Ausblick auf mein Oslove sehen und wenn ich danach als wandelnder Eiszapfen durch die Gegend stapfe.

Copyright: insidenorway

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Der Weg dahin ist überschaubar und wenigstens kann man sich da schon mal von teilweise bizarrer Kunst begeistern lassen, die die Parkwege säumt. Wie Ihr vielleicht schon wisst, gibt es bei mir bei Kunst nur zwei Kategorien: gefällt mir und gefällt mir nicht. Hier muss ich wirklich sagen: Daumen hoch.

Copyright: insidenorway

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Hat man die ersten paar hundert Meter hinter sich gebracht öffnet sich der Weg dann auch zu einem kleinen Plateau von dem sich der versprochene Blick auf die Stadt auftut. Und auch wenn der Himmel heute weit von Sonnenschein entfernt ist hält Oslo wenigstens einen imposanten Regenwolkenhimmel parat. Und der Blick, ja was soll ich sagen. Der Blick ist großartig. In einem Schlag erhält man einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Vor allem der Blick auf das Opernhaus und die neu erbauten Gebäude von Bjørvika, liebevoll auch Barcode genannt, ist großartig. Da kann man sogar über die Baustellen hinwegsehen, die sich im Moment im Osten der Stadt auftürmen. Eigentlich könnte man zur Zeit in Oslo auch eine geführte Baustellentour veranstalten, denn davon gibt es hier gerade genau so viele wie Sehenswürdigkeiten. 😉

Ausblick auf die Gebäude von Bjørvika und die Osloer Oper, Copyright: insidenorway

Ausblick auf die Gebäude von Bjørvika und die Osloer Oper, Copyright: insidenorway

Schwenkt man den Blick weiter nach links schmiegt sich hinter dem Verlagsgebäude des „Dagbladet“ das Rathaus und der königliche Wohnsitz ins Häusermeer. Wenn es nicht so verdammt kalt wäre, könnte man hier stundenlang stehen. Dieser Ausblick auf die Stadt ist einer der besten, den ich bis jetzt kenne. Wahrscheinlich ist er sogar noch imposanter, wenn man sich an den höchsten Punkt des Parks begibt, aber aufgrund der Wetterlage muss ich in dieser Hinsicht heute passen. Noch weiter nach links geblickt liegt die Fährlinie nach Kopenhagen vor Anker, direkt vor der Festung Akershus und auch der Blick auf den Stadtteil Akerbrygge ist fantastisch wie der Blick auf den futuristischen Bau des Astrup Fearnley-Museums. Von außen eins meiner Lieblingsgebäude in Oslo. Von innen: naja darüber habe ich ja schon berichtet. 😉

Blick auf die Festung Akershus, Akerbrygge und Tjuvholmen, Copyright: insidenorway.de

Blick auf die Festung Akershus, Akerbrygge und Tjuvholmen, Copyright: insidenorway

Und schaut man noch weiter nach links fällt der Blick auf die kleinen Badeinseln, die den Oslofjord so zauberhaft machen, im Moment aber eher in winterlichem Schlaf liegen. Alles in allem: Zeit für einen Besuch bei gutem Wetter ist schon in meinem Terminplan reserviert. Für heute bin ich allerdings froh, dass die Straßenbahn nach Hause innen so herrliche Sommertemperaturen hat.

Wo die Sonne das Paradies küsst oder Nesoddener Sunset-Freuden

Früher war ich ja mehr Stadt-Girl. Seit meiner Oslove genieße ich aber auch das, was Oslo für mich ausmacht, nämlich unter anderem das bezaubernde Flair, das die Umgebung der Hauptstadt zu bieten hat. Also bin ich in Akerbrygge wieder mal zum Fähranleger gestiefelt, die Kreditkarte in den Ticketautomaten und für 50kr ab mit meiner Lieblingsfähre 601, die zwischen Akerbrygge und Nesodden hin und her pendelt.

Copyright: insidenorway

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Bei -8 Grad verkriecht sich so ziemlich jeder Fährpendler ins warme Innere des Schiffchens. Ich steh natürlich draußen. Gute Fotos und so. Aber was macht es schon wenn einem die Hände fast erfrieren, man dafür aber den Blick auf Oslo und den Oslofjord aufsaugen kann. Und auch in Nesodden kann man an diesem Tag nicht wirklich von tropischer Hitze sprechen. Wenn Oslo nicht gerade beschlossen hat sich unter einer undurchdringbaren Wolkendecke zu verkriechen lohnt sich die Überfahrt nach Nesodden allerdings immer, wenn man länger in Oslo ist, sollte man durchaus mehrere Ausflüge dorthin unternehmen. Erstens, weil man sich dort schier unerschöpflich in der Natur bewegen kann und zweitens, weil die Halbinsel bei jedem Wetter ein anderes Gesicht zeigt. Die Speicherkarte meiner Kamera erfreut sich auf diesen Touren regelmäßig der Datenflut.

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Wer Zeit mitbringt schlendert vom Fähranleger auf einem entzückenden Weg bis zum Hafen nach Oksval, an dem Ausblick auf den Oslofjord kann man sich nicht satt sehen. Im Winter überlege ich gelegentlich, ob es sinnvoll wäre Steigeisen unter die Schuhe zu schnallen oder man nimmt gleich die Schlittschuhe, denn Eis und Schnee halten sich hier gerne hartnäckig. Und während man auf die Fähre zurück nach Akerbrygge wartet dreht man dem Fähranleger einfach den Rücken zu und genießt einen der schönsten Sonnenuntergänge über dem Oslofjord, alle Farben des Regenbogens inbegriffen.

Spätestens jetzt ist jeder in Oslove! ❤ ❤ ❤

Kann man von da den Fjord sehen? Ein Selbstversuch in St. Hanshaugen

Also ich bin einfach mal so frech und sage, dass mir so schnell keiner etwas vormacht, wenn es um die besten Plätze in Oslo geht, aber gelegentlich schaue auch ich mal in den ein oder anderen Reiseführer, schon allein deshalb, weil ich es immer spannend finde zu testen, ob ich die ein oder andere Aussage bestätigen kann. Irgendwie habe ich den Stadtteil St. Hanshaugen immer ein bißchen links liegen lassen. Neulich bin ich aber wieder drüber gestolpert, als mir der Oslo-Reiseführer in die Hände fiel. „Eine der besten Aussichten auf die Stadt und den Fjord“ ist doch mal ne Aussage, die mein Fotografenherz höher schlagen lässt. Man muss dazu sagen, dass das Zentrum von St. Hanshaugen – wie könnte es in Oslo anders sein – ein Park ist. Hübsch angelegt im englischen Stil, im Zentrum das Tårnhuset, ein kleines Turmhaus, am höchsten Punkt des Parks thronend, entzückend.

Bis ich die Aussicht genießen kann, muss ich aber erst einmal zu diesem höchsten Punkt gelangen. Und hier kommt wieder der norwegische Winter ins Spiel. Ich habe mir natürlich einen Tag ausgesucht, dem ein Tag Tauwetter vorausgegangen ist und eine Nacht mit Temperaturen deutlich unter null. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass sich diese zwei Komponenten gepaart mit stark ansteigenden Parkwegen zu einer Schlitterpartie zusammen fügen. Aber egal. Ich will wissen ob die Aussicht dort oben hält, was sie verspricht. Immerhin bewirkt die Fortbewegung im Schneckentempo, dass man sich intensiv anschaut, was um einen herum ist. Das beginnt mit den wunderschönen Häuserzeilen, die um den Park liegen und setzt sich fort mit den teilweise witzigen Skulpturen, die über den Park wachen.

Was mich fototechnisch verzweifeln lässt, ist der zugezogene Himmel an diesem Tag, aber ich tröste mich mit der Hoffnung, dass die Sonne über dem Fjord lacht, wenn ich oben bin. Und wenigstens schlittern alle Norweger, die an diesem Tag in St. Hanshaugen unterwegs sind, genauso wie ich durch den Park. Eine übermotivierte Sportgruppe trotzt dem blanken Eis auf den Wegen und bildet einen geradezu grotesken Gegensatz zu allen anderen Park-Besuchern, die sich dankend an jedem Geländer entlang hangeln. Für die Schinderei werde ich dann aber wirklich belohnt. Am höchsten Punkt angekommen ist der Ausblick auf den in Sonne getauchten Fjord wirklich atemberaubend. Wenn ich auch eine kleine Einschränkung machen muss. Jetzt im Winter kann ich ohne Anwendung des Röntgenblicks durch die kahlen Bäume hindurch auf die Stadt schauen.

Wie das im Sommer aussieht werde ich testen!

Akerbrygge-Girl meets Frogner Architecture

Ich gestehe ja, dass ich seit meiner beginnenden Oslove ein bekennendes Akerbrygge-Girl bin. Holz und Glas verbaut in moderne Architektur und das direkt am Oslofjord sind einfach mein Ding. Aber Oslo hat ja viel mehr Stadtteile zu bieten. Und die könnten gegensätzlicher nicht sein. Oslo steht ja nicht erst seit gestern und als es noch Christiania hieß konnte die Stadt bereits mit Prachtbauten aufwarten. Stichwort: Frogner.

Der Stadtteil Frogner war ursprünglich ein Hof in der Kommune Aker, den sich das wachsende Christiania einverleibt hat, vornehmer ausgedrückt: Frogner wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingemeindet. Und da ich sowieso bei jeder Gelegenheit durch den Frogner-Park schlendere, dachte ich es wäre an der Zeit auch einmal die Straßenzüge aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem beginnenden 20. Jahrhundert zu begutachten. Zumal ich gefühlte tausend mal mit der 12er Trikk, der Straßenbahn, durch den Stadtteil gecruist bin. Warum also nicht mal statt am Vigeland-Park, der in den Frogner-Park integriert ist, am Frogner-Plass aussteigen und durch den Stadtteil schlendern.

Und das tat ich dann auch an einem ziemlich kalten Wintertag im Januar. Und ich muss sagen: wer Oslo besucht, sollte es mir unbedingt gleich tun. Mal abgesehen davon, dass es aufgrund des üppigen Schnees mehr ein Rutschen als ein Schlendern war, kann man sich wirklich an den historischen Häuserzeilen nicht satt sehen. In den ebenfalls dort liegenden Stadtvillen haben viele Botschaften ihr zuhause gefunden. Kein Wunder: hier residiert man wirklich herrschaftlich. Frogner kommt äußerst bunt und trendy daher und außerdem liegen hier auch noch die bekanntesten Volksparks der Stadt.

Alles in allem: hier lacht nicht nur das Norweger-Herz sondern auch das des Oslo-Besuchers!

Alex´ Begegnung mit moderner Kunst und Kunstwerk-Katastrophen

Für meine Leser bin ich ja immer unterwegs um zu testen, was Norwegen und vor allem mein geliebtes Oslo zu bieten hat. Und obwohl ich kein Museumsgänger bin nehme ich mir von Zeit zu Zeit immer mal wieder ein Museum vor und bin definitiv in den meisten Fällen positiv überrascht worden. Also dachte ich mir, dass ich mich doch mal an eines der spektakulärsten Museen der Hauptstadt mache, das Astrup Fearnley Museum. Von außen eines meiner Lieblingsgebäude in Oslo, von innen sagen wir – gewöhnungsbedürftig. Hundert Kronen muss man investieren um das, was allgemein unter moderner Kunst verstanden wird, zu begutachten. Ich nehme mir zuerst die Wechselausstellung vor mit dem festen Vorhaben den ausgestellten Stücken etwas abzugewinnen. Aber Leute: ich muss passen. Nein nein nein, ich werde mit dieser Art von Kunst nicht warm und irgendwie ist mir nicht klar was zwölf auf dem Boden stehende Milchtüten eines norwegischen Milchprodukteherstellers mit Kunstwerken zu tun haben. Ebenso geht es mir bei Stöcken, die in Glasscheiben stecken und einem aus Metall-Leisten zusammengeschweißten Paravent, vor dem Lumpen drapiert wurden. Auch die Andächtigkeit, mit der andere Ausstellungsbesucher vor den Objekten stehen und die Frage interpretieren, was denn der Künstler damit sagen wollte, bringt mich eher zum schmunzeln als zum philosophieren.

Nun ja, es bleibt ja noch die ständige Ausstellung im Nebengebäude, die ich mir natürlich auch noch gebe. Wenn schon denn schon. Aber auch hier wird es nicht besser, zumindest nicht für mein Kunstverständnis. Wer schwache Nerven hat, sollte den ersten Raum überspringen, es sei denn er steht auf durchgeschnittene Tiere, die man von innen betrachten kann oder Schafe, die mit offenem Leib wie Jesus am Kreuz drapiert sind. Nein, sorry da hört es bei mir auf. Weiter geht es wenigstens mal in einen Raum mit großflächigen Gemälden und Kollagen. Dem kann ich noch abgewinnen, dass man dafür eine gewisse Kunstfertigkeit braucht. Als ich aber an einem weiteren Raum vorbei komme, in dem zahllose Farbdosen scheinbar wahllos abgestellt wurden, muss ich schnell auf die Kennzeichnung des Raumes schauen, ob es sich hier um Ausstellung oder Lager handelt. Wie hätte es anders sein können? Natürlich gehört es zur Ausstellung. Ich entscheide mich kurzfristig, dass ich für den Tag genug Kunst besichtigt habe und jetzt irgendetwas sehen muss, was meine Augen als ästhetisch empfinden, wie zum Beispiel das ganze Oslo AUSSERHALB des Museums. 😉

Fazit: für mich persönlich ist ein zweiter Besuch meinem Lebensglück nicht zuträglich. Alle anderen müssen das selbst herausfinden. 🙂