Türchen öffnen auf norwegisch oder: wo geht’s denn hier zum Weihnachtsmarkt?

Adventszeit ist Weihnachtsmarktzeit. Im Allgemeinen verbinde ich das mit hektisch Umherirrenden, die sich zwischen Bratwurst und Glühwein anschicken in überfüllten Geschäften dem Konsum zu frönen. Besinnlich und gemütlich bleibt da schnell auf der Strecke. Ich gebe zu, dass es für mich der Horror schlechthin ist über Weihnachtsmärkte zu bummeln, zumindest, wenn sie sich in Deutschland befinden. Zeit also, Norwegen dem ultimativen Weihnachtsmarktcheck zu unterziehen. Mit Großstädten ist man da ja schnell am Ende. Bedeutet das, dass es hier mit mehr Gemütlichkeit zugeht? Widmen wir uns zunächst der Hauptstadt. Da habe ich natürlich die meisten Gelegenheiten mal schnell ein bisschen Winterweihnachtszauber zu inhalieren. Jedes Jahr versucht man natürlich lichtermässig das Vorjahr zu übertreffen. Gut, dass in Norwegen die Preise für Strom so günstig sind, da kann man voll durchstarten. Das nimmt sich Oslo dieses Jahr besonders zu Herzen. Es scheint, als wenn die Stadt landesweit den ersten Preis für Weihnachtsbeleuchtung gewinnen will. Sehr zur Freude derer, die sich dem Lichterspektakel hingeben. Der Weihnachtsmarkt „Jul i Vinterland“ befindet sich wie jedes Jahr zwischen Nationalteatret und Parlament und wartet diesmal mit einer 1A-Beleuchtung auf. Man verfällt förmlich in den Romantikmodus, wenn man durch die Laubengänge schreitet, die über und über mit tausenden von LED-Leuchten gespickt sind. Ein wahrer Augenschmaus. Da trinken sich Glögg und Co. doch gleich noch einmal so gut.

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Natürlich ist auch das Riesenrad wieder da und man kann in schön exponierter Position auf diejenigen blicken, die ihr sportliches Glück auf der Schlittschuhbahn versuchen. Natürlich sieht das Lichtermeer von oben ganz besonders zauberhaft aus. Zur einen Seite der zu Füssen liegende Weihnachtsmarkt, zur anderen Seite das hell erleuchtete Schloss. So geht Weihnachtsstimmung. Zwar kann man in Oslo nicht davon sprechen, dass man allein auf weiter Flur weilt, wenn man nach der Arbeit ins Vinterland huscht, aber man trampelt sich nicht tot, kann einen Blick auf das werfen, wofür man die ein oder andere Krone ausgeben kann und ist nicht schon nach fünf Minuten so genervt, dass man am liebsten auf die Couch nach Hause möchte.

Beschaulicher geht es auf dem Weihnachtsmarkt im Osloer Folkemuseum zu. Am ersten und zweiten Adventwochenende öffnete er dieses Jahr seine Tore. Ja, im Folkemuseum geht es eben exklusiv zu. Kein dauerhafter Weihnachtsklimbim sondern echte Tradition. Bietet sich ja vor der historischen Kulisse auch an. Hier trägt man traditionell Tracht, die Kids werden zu einem Haufen kleiner Nisse und haben mächtig Spass. Wer will kann sich mit Handwerkskunst eindecken oder einfach nur vom frisch gebackenen weihnachtlichen Brot kosten, das vom Ofen gleich in den Magen wandert. Dazu gibt es Volkstanz, Adventsstunden in der Stabkirche des Museumsgeländes und Adventsgesang. Ja, da kommt Weihnachtsstimmung auf. Die alten Gebäude tun ihr Übriges, dass man sich förmlich in eine andere Zeit zurück versetzt fühlt. Wer ein Stück norwegische Kultur erleben möchte, sollte unbedingt mal hier vorbei schauen.

Paal Mork/Norsk Folkemuseum – visitnorway.com

Schauen wir ein Stück nach Norden, denn da thront die Hauptstadt der Provinz Hordaland – Bergen. Natürlich gibt es auch hier einen Weihnachtsmarkt, hübsch drapiert auf dem Festplassen. Wenn der schon mal so heisst, kann man das Spektakel ja auch dort stattfinden lassen. Das, was es zu kaufen gibt, wiederholt sich natürlich in den meisten Städten, das Spektrum der Weihnachtswaren ist ja schliesslich endlich. Allerdings muss man sagen, dass Bergen den unschlagbaren Vorteil hat, dass es eben von Bergen umgeben ist. Die Häuser schmiegen sich an die Hänge und sind so herrlich gemütlich beleuchtet. Was ein Glück, dass der Norweger an sich per se nicht in ein dunkles Haus kommen mag, wenn er von der Arbeit kommt. Folglich trägt jedes Haus Festbeleuchtung und strahlt sein warmes Licht von den Bergen herab zum Weihnachtsmarkt, der mit seiner eigenen Festbeleuchtung zurück strahlt. Herrlich.

Wer die volle Dröhnung will, kommt am Eröffnungswochenende. Da ist zunächst noch alles dunkel. Keine Lichter, kein festlicher Weihnachtsbaum. Kein beleuchtetes Haus. Am späten Nachmittag versammelt man sich am Festplassen. Die Stadt ist dunkel. Mancher wird sich an diesem Tag fragen, was denn die riesige aufgebaute Leinwand da soll. Dann wird es ganz still. Wie von Zauberhand erscheinen auf der übergrossen Leinwand Weihnachtsliedertexte. Und ehe man sich versieht singen tausende Norweger auf dem Festplassen die ganze Palette weihnachtlichen Liedguts. Da ist es schwer vor Rührung nicht in Tränen auszubrechen. Immer noch brennt kein Licht. Nach einer halben Stunde wird runter gezählt. Is schon Neujahr? Nein, kaum ist der Countdown vorbei, erstrahlt auf einen Schlag die Beleuchtung der riesengrossen Tanne, die auf dem Platz aufgestellt ist, die Hausbewohner an den Hängen beleuchten ihre Häuser und auch sonst gesellt sich auf einmal die gesamte Weihnachtsbeleuchtung hinzu. Mehr Weihnachtsstimmung geht nicht. Von null auf hundert und der Startschuss für die Adventsglückseligkeit. Zauberhaft!

Bergen Tourist Board / Robin Strand – visitBergen.com www.visitnorway.com

Wer Lust auf Süsses hat, schaut in der Pferfferkuchenstadt Pepperkakebyen im Sentralbadet vorbei. Die ist zwar nicht dafür gedacht, dass man sie aufisst, zumindest nicht sofort, aber sie ist herzallerliebst anzuschauen. Kindergärten und Schulen legen sich hier jedes Jahr mächtig ins Zeug um Bergen aus den süssen Köstlichkeiten nachzubauen. Das ist nicht ganz so perfekt wie im Miniaturwunderland, aber Lebkuchen ist ja auch nicht das perfekte Baumaterial. Trotzdem ist die Zuckerstadt jedes Jahr der weihnachtliche Hingucker und man muss sich schwer im Zaum halten das Städtchen nicht an allen Ecken heimlich anzuknabbern.

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Noch ein Stück weiter geht es nach Norden, zu DEM Weihnachtsmarkt, wenn man an Norwegen denkt: Røros. 150 km südöstlich von Trondheim liegt die kleine Stadt, die im Winter regelmässig ganz besonders von sich reden macht. Der Weihnachtsmarkt in Røros konzentriert sich auf ein Wochenende und wartet mit Programm non stop auf. Da weiss man gar nicht, was man zuerst anschauen soll. Die Stadt tut alles um einen in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Und dabei geht es nicht darum, möglichst viel Konsumartikel an den Mann zu bringen. Nein, hier ist stressfreie Weihnachtsglückseligkeit gefragt. Die Stadt hat von je her Handwerkstradition und so kann man hier allerfeinstes norwegisches Handwerk kaufen und das traute Heim mit einem Stück Norwegen ausstatten. „Made in China“ sucht man hier Gott sei Dank vergeblich. Natürlich probiert man sich durch allerhand norwegisches Traditionsessen, mal herzhaft, mal süss, kostet Fischspezialitäten des Landes, mit Liebe gemachte Pasteten und Salamis, aber auch Schokoladen- und Kuchenträume. Nichts für den schon zu engen Hosenbund. Wer will kann die Kalorien jedoch gleich wieder abtrainieren. Da der Norweger ja gerne der Lust an der Natur frönt, gibt es auch ein Wanderprogramm, da ist das schlechte Gewissen nicht allzu gross. Wer mehr der Kategorie „sportlich faul“ zugetan ist, so wie ich, lauscht den Mini Adventskonzerten die das ganze Wochenende über stattfinden. Oder man setzt sich einfach in den Schlitten und lässt sich in romantischer Manier bequem durch die kleinen Gassen ziehen. Warm verpackt unter Schaffell schaut man den Pferdchen zu wie sie vor dem Schlitten trippeln. Die Häuser sind liebevoll beleuchtet und bescheren das ultimative Norwegen-Feeling. Das liegt auch daran, dass in Røros der Begriff „weisse Weihnacht“ noch Programm ist. Die Natur erfreut die Region im Dezember meist mit reichlich Schneepracht. So geht Advent.

Thomas Rasmus Skaug – visitnorway.com

Fazit: wer auf der Suche nach reiner und beschaulicher Adventstimmung ohne Konsumtamtam ist, ist in Norwegen genau richtig. Solltet Ihr also im Winter nach Norwegen reisen wollen, lohnt es sich, seinen Trip in die Adventszeit zu legen, denn der nächste Advent kommt bestimmt!

 

Mit dem Schneemobil im Schneesturm oder: Kirkenes kann Abenteuer!

Ich war ja lange nicht mehr auf einem Aktivausflug ganz im Norden unterwegs. Dabei ist das in Kirkenes sowas wie ein Pflichtprogramm, wo ja die Stadt nicht gerade durch architektonische Höhenflüge glänzt. Wie sollte sie auch, wo hier im zweiten Weltkrieg so ziemlich alles platt gemacht wurde. Da muss beim Wiederaufbau eben manchmal schön und langsam, praktisch und schnell weichen. Heute soll es also die Schneemobilsafari sein. Die Kälte hat sich in den letzten Wochen hartnäckig gehalten und da der Golfstrom hier in seiner Wirkung schlapp macht, kriecht im Winter regelmässig das Eis bis an die Küstenlinie. Gut für mich, denn heute will ich auf der gefrorenen Pracht mit ordentlich Speed dahinsausen.

Ein paar Kilometer geht es raus aus der Stadt, dorthin, wo die Schneemobile wohnen. Das Wetter hat heute die Angewohnheit alle zwanzig Minuten ein Schneetänzchen zu veranstalten, aber ich habe die vage Hoffnung, dass die Sonne, die jetzt hinter den Wolken hervorguckt, den blauen Himmel weiter vorantreibt und den Schnee bis zum Ende der Tour ins Nirgendwo schickt. Ist doch auch viel schöner, wenn man sieht, wo man denn so hinfährt. Erstmal werde ich aber mit einem Overall ausstaffiert, damit die Kälte nicht allzu sehr in alle Ritzen kriecht. Einen Helm gibt es natürlich auch. Sicherheitsvorschrift und so. Kaum habe ich das Ding auf dem Kopf, frage ich mich wieder, wie man das als Motorradfahrer so als Dauerzustand aushalten kann. Mal abgesehen davon, dass ich so ein Gewicht auf dem Kopf nicht gewohnt bin, wünsche ich mir nach zwei Minuten eine Stricknadel, mit der ich das Gejucke unterbinden kann. Ich bin eben nicht gemacht für Kopfbedeckungen. Auch Mützen könnte ich regelmässig verfluchen. Nachdem wir alle fertig verpackt sind wie Michelinmännchen geht es zur technischen Einweisung. Schneemobile sind Gott sei Dank auch für den Nicht-Techniker schnell begriffen, so dass wir bald darauf durch den Schnee zum Fuhrpark stapfen. Ich habe zusätzlich meine Kamera dabei, denn ich will ein paar gute Schnappschüsse bei der Tour machen.

Und dann geht es auch schon los. Raus auf den zugefrorenen Fjord. Hübsch in einer Reihe fahren wir in zunächst moderatem Tempo durch den Schnee, schliesslich muss man sich mit dem Gefährt erstmal vertraut machen. Im Moment findet in der Provinz Finnmark auch eines der grössten Hundeschlittenrennen statt und die Strecke führt dort vorbei, wo auch wir unsere Spur hinterlassen. Und so fahren wir bald Seite an Seite mit den Hundeschlitten und werfen uns gegenseitig Grüsse zu. Was sich gleichzeitig vor uns auftürmt, finden wir dann gar nicht mehr so toll. Ein hübscher Schneesturm steht in den Startlöchern. Wie war das noch mit dem Wetterwechsel alle zwanzig Minuten? Wie eine Wand stellt sich der Schneefall uns entgegen. Nach zwei Minuten sehen wir aus wie die Schneemänner und meine Kamera bekommt eine Schneehülle, die Fotos nicht besonders zuträglich ist. Immerhin ist der Schnee so pulvrig, dass er nicht gleich in jede Kameraritze kriecht.

Nach sechs Kilometern machen wir Pause im Schneegestöber. Gut, dass wir schöne hohe Stiefel bekommen haben, denn wir waten in meterhoher weisser Pracht. Winter deluxe. Keiner lässt sich die Laune davon verderben, dass die Sonne sich hartnäckig versteckt und wir lauschen dem, was unsere beiden Guides uns über die Region erzählen, herrlich. Danach wollen wir testen, was die Schneemobile an Geschwindigkeit hergeben. Mit ordentlich Karacho geht es weiter. Und wo wir eben noch dachten, wir werden vom Schnee in null Komma nichts eingehüllt, geht es jetzt erst richtig los. Nichts sieht man mehr von unseren Overalls und als wir erneut Pause machen, schüttelt jeder einen hübschen kleinen Schneeberg von sich. Aber wen stört das schon.

Bald ist es schon wieder Zeit um zurück aufs Festland zu fahren, viel zu schnell ging die Zeit um. Auf der Rückfahrt geniessen wir noch einmal den vollen Speed der Schneemobile. So langsam kriecht aber auch die Kälte in uns hoch. Da kommt uns ein heisser Kaffee gerade recht. Den gibt es im Lavvuu, dem typischen Zelt der Sami, in dem wir das wärmende Feuer geradezu fabelhaft finden. Wir dürfen auch von getrocknetem Rentierfleisch kosten. So lecker, dass ich gleich die ganze Tüte in mich reinschlingen könnte.

Und dann ist der Vormittag auch schon vorbei. Ich gebe zu, dass ich zwar froh bin den Helm wieder los zu sein, aber viel zu schnell ist unser Trip vergangen. Also Leute: wer in Kirkenes vorbei schaut, sollte unbedingt eine Tour mit Barentssafari unternehmen. Das Winterprogramm kann ich uneingeschränkt empfehlen. Wenn in einigen Monaten der arktische Sommer zurück ist, werde ich auch das sommerliche Ausflugsprogramm unter die Lupe nehmen. Bis dahin: enjoy the Winter in Kirkenes!

Der Heiz-Elan des Norwegers oder: Tropenheim, Glück allein….

Von Natur aus bin ich ja ein ziemlicher Hitzeknubbel, aber im Winter pflege auch ich mich für gewöhnlich warm eingepackt draußen aufzuhalten. Wehe ich muss in ein Geschäft, denn dann fängt nach gefühlten dreißig Sekunden der Schweiss an zu fließen. Nun ja, dass kannte ich durchaus auch von Deutschland, aber als ich nach Norwegen kam, lernte ich eine neue Form von Wärme kennen. Die Tropen in Innenräumen. Ja, der Norweger hat es eben gerne warm in seinen heimischen Räumen, und nicht nur da. Auch öffentliche Gebäude und Ladenlokale erfreuen sich innen tropischer Temperaturen. Schließlich ist es ja draußen hin und wieder so kalt, dass man sich über jede temporäre Erwärmung freut und je weiter man gen Norden reist, desto weniger erwärmt sich der Sommer auf ein T-Shirttaugliches Maß. Kurzerhand schafft sich der Norweger also seinen kleinen Privatsommer in seinen vier Wänden, schließlich ist das Thema Heizkosten ja nicht das finanziell drängendste. Geheizt wird mit Strom, denn davon gibt es reichlich. Der Urnorweger hat sich bei Holz und Wasser in der Schöpfungsphase ganz vorne angestellt. Nur wusste er da noch nicht, dass ihm das ein paar tausend Jahre später das muggelige Heim bescheren würde, das mit seiner Wärme des Norwegers Herz erfreut.

Holz war ja dann auch lange Zeit die Hauptquelle der Energieerzeugung, aber irgendjemand kam auf die Idee es doch einmal mit Wasserkraft zu versuchen. Nun ja, wenn etwas im Überfluss in Norwegen vorhanden ist, dann Wasserfälle, die sich überall herunterstürzen, wo man sich herunterstürzen kann. Zum Wohle der Elektrizität werden sie dann auch gelegentlich mal umgeleitet, der Mardalsfossen in der Provinz Møre og Romsdal darf schon geraume Zeit nicht mehr fließen wie es ihm beliebt. Immerhin wird er im Sommer für ein paar Wochen für die Touristen „freigeschaltet“, so dass sie sich an seinem ursprünglichen Fallweg erfreuen können. Unberührte Natur und so. Ja, da ist es wieder. Das alte Problem, natürliche Ressourcen nutzen gegen unberührte Natur erhalten.

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Mardalsfossen, Copyright: Tadas Pakalniskis

Der Norweger ist natürlich äußerst erfreut über soviel Strom im Überfluss. Und Fluss kann man hier wirklich wörtlich nehmen, denn bis heute deckt Norwegen seinen Energiebedarf im Löwenanteil aus eigener Wasserkraft. Das führt dann eben zwangsläufig zu besagtem Privatsommer im trauten Heim und zu einem bis zu achtmal höheren Stromverbrauch im Vergleich zu deutschen Haushalten. Da man auch gerne mal auf zweihundert Quadratmetern wohnt, kann sich jeder vorstellen, was da im Monat so an Strom durchgejagt wird. Aber warm ist ja nicht das einzige Maß aller Dinge. Denn wo Wärme wohnt, sehnt sich der Norweger auch nach Licht. Ist ja auch logisch, wo doch im Winter die Sonne das Land eher spärlich beglückt. Und der Norweger ist da sehr konsequent. Als ich nach Norwegen kam, war ich gewohnt, brav das Licht auszuschalten, wenn ich einen Raum verlasse. Von Freunden erntete ich irritierte Blicke. Licht aus? Ach woher denn, wenn man auch in der Toilette und im Abstellraum Festbeleuchtung haben kann. In der Küche brennt gerne die ganze Nacht über das Licht, dann sieht man wenigstens auch gleich, wo der Kühlschrank ist, wenn man des nachts Appetit auf ein Nugattibrot bekommt. Ja, was wenig kostet, lässt einen zuweilen dazu neigen, damit verschwenderisch umzugehen.

Aber das Stromding geht noch weiter. Als ich zum ersten mal nach Tromsø kam, im Winter, lag die Stadt im Schnee und hielt Winterschlaf. Bis auf die Gehwege. Die präsentierten sich hübsch und schneefrei um die Passanten mit der Möglichkeit unbeschwerten Laufens zu erfreuen. Ok, dachte ich, da hat jemand besonders sorgfältig geräumt. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Norweger gemacht. Wenn man schon Energie im Überfluss hat, ist es doch eine hübsche Winterannehmlichkeit, die Gehwege einfach mit einer Fußbodenheizung zu versehen. So braucht sich keiner mit lästigem Schnee schippen abzumühen und man muss sich auch nicht über so viel gebrochene Knochen beklagen. Ich habe mich dann auch nicht mehr gewundert, als bei uns in Oslo der Bryggetorget im Stadtteil Akerbrygge mit der elektrischen Schneeschmelze beglückt wurde. Praktisch, winterlich, gut. Und was der Norweger für gut befindet, adaptiert er auch gerne für sein zuhause. Der ein oder andere entschied, dass er selbige Annehmlichkeit auch unbedingt für seine private Einfahrt braucht. Winterluxus.

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Beheizte Gehwege in Tromsø, nur die Strasse bleibt schneebedeckt, Copyright: Insidenorway

Inzwischen ist Norwegen am Rande seiner Kapazitäten angekommen. Wo man vor Jahren flugs ein neues Kraftwerk aus dem Boden gestampft hat um den Mehrbedarf zu decken, sagt die Natur jetzt: nö. Mehr Flüsse und Wasserfälle als vorhanden, kann man eben nicht umleiten. In punkto Stromversorgung ist aus staatlich mittlerweile privat geworden und der Norweger muss mit den Unannehmlichkeiten leben, wenn es mal wenig regnet: höhere Strompreise. Und wenn etwas eingedämmt werden soll, denkt der norwegische Staat ja auch gerne mal nach, in seinen Augen Unnötiges, mit einer Luxussteuer zu belegen. Zum Beispiel beheizte Auffahrten. 😉

Aber wenn es eng wird ist der Norweger ganz Wikinger und besinnt sich auf neue Möglichkeiten. War da nicht was mit Holz? Zurück also zur Tradition. Mittlerweile erinnern sich viele Norweger wieder daran, dass sich mit Holz prima heizen lässt und machen sich sogar auf, selbiges zu hacken. Wundert da irgendjemand, dass das meistverkaufte Buch des Jahres 2011 eine Anleitung zum Hacken, Stapeln und verfeuern von Holz war? Nein!

Auf die Tradition! 😉 🙂

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Wintervorrat, Copyright: Maria Helen

Wo war der Winter im Winter oder: ist Norwegen nach Süden verrutscht?

Da sind wir wieder bei dem Thema: in Norwegen ist es doch immer kalt und dunkel. Gut, dunkel kann man immer noch nicht wegdiskutieren. Beim Thema kalt ist das in diesem Winter schon anders. Der Winterwettergott hat sich scheinbar ein Extra-Programm überlegt. Die Zauberformel heißt: wir machen es mal wärmer als sonst. Ok, bei null bis zehn Grad kann man nicht wirklich von tropischen Temperaturen sprechen, aber in Norwegen irgendwie doch. Da, wo letztes Jahr knackig kaltes norwegisches Winterwetter herrschte, dümpelt dieses Jahr alles im deutlichen Plusbereich dahin. Da könnte man sich ja sagen: schön, dass es nicht so kalt ist. Aber: wir bekamen stattdessen diesen Winter eine gehörige Portion Sturm dazu. Bei zu warm und zuviel Tiefdruck sagte sich jede Woche ein Sturmtief, dass es wieder mal Zeit ist, über das Land hinweg zu fegen. Mal abgesehen davon, dass es nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, bei Orkan quer durch Norwegen zu fliegen, WENN denn etwas flog, nein auch der Schiffsverkehr wurde durch die norwegisch-himmlische Sturmvereinigung ständig in Atem gehalten. Abwettern in irgendwo war die am häufigsten gebrauchte Vokabel in der Schiffahrt. Die Schneemobile blieben in der Garage und die Huskys hatten außergewöhnlich viel Urlaub. Kein Schnee eben.

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Schmuddelwinter in Finnsnes, Copyright: insidenorway

Wahrscheinlich war es dem Schnee zu lästig sich im ganzen Land zu verbreiten und so hat er es sich in Zentralnorwegen und am Nordkapp gemütlich gemacht. Am Nordkapp bevorzugt wieder mit seinem guten Freund Sturm und noch bevorzugter zu den Terminen, an denen ich am Nordkapp war. Somit hatte ich das Vergnügen Honningsvåg besonders intensiv kennen zu lernen, denn immer wenn ich dort ankam, hieß es: die Straße zum Nordkapp ist gesperrt. Grrrrrrr. Beim dritten Versuch keimte die Hoffnung in mir auf, doch diesen Winter den Globus auf dem Felsplateau noch zu sehen, doch während der Fahrt über die Insel Magerøya war Odin schneller, schickte einen 1A-Schneesturm und nach ein paar Kilometern war die Sicht null. Uns noch bis zum Schlagbaum vorzukämpfen, an dem das winterliche Kolonne fahren beginnt, hätten wir uns eigentlich sparen können. Mehr als ein freundliches Lächeln vom Schneepflugfahrer war nicht drin. Alles Retour. Nix Nordkapp.

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Im Schneesturm geht gar nichts mehr, Copyright: insidenorway

Ja so ist das manchmal. Die Norweger nehmen es gelassen, denn ändern kann man sowieso nichts daran. So gehörte also diesen Winter zur bevorzugten Freizeitbeschäftigung, alles, was nicht fest mit dem Boden verankert ist, eben an jenem zu befestigen, denn wer will schon gerne seine Mülltonne dreißig Kilometer weiter aufsammeln oder wieder aus dem Meer fischen.

Dazwischen gab es aber auch die anderen Tage. Zwischenzeitlich verirrten sich trockene minus 25 Grad nach Kirkenes, in Karasjok kratzte der Winter mit minus 48 Grad einmal am Temperaturrekord. Es gab spektakuläre Sonnenauf- und Untergänge. Und: die Nordlichter! Trotz des ganzen Wetterchaos gab es sie reichlich, eigentlich schon bevor der Winter richtig begonnen hatte. Und da Odin und sein Gefolge ein Einsehen hatte, öffnete er immer mal wieder den Wolkenvorhang, damit auch wir unten auf der Erde einen Teil der Lightshow genießen konnten. Leuchtend grün und violett tanzten sie gerne zwischen Tromsø und Skjervøy, die Gegend hat sich als sowas wie ein Nordlicht-Garant etabliert. Außerdem ist man bei der Nordlichtjagd wieder ganz froh über jedes Grad mehr Wärme. Da sie ja eher so tanzen wie SIE wollen und nicht wie WIR wollen, steht man stundenlang draußen, eingepackt bis oben hin, unterbrochen von kurzen Aufwärmpausen unterm Heizstrahler. Aber all das ist eben egal, wenn man in den leuchtend grünen Himmel blickt, da erträgt man die Kälte wie in Trance und tauscht eben mit den Mitbeobachtern heißen Tee aus.

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Nordlichtzauber hinter Tromsø, Copyright: Volker Lang

Fazit: Norwegen ist geografisch immer noch da, wo es hingehört, und hat auch im Winterchaos den unverwechselbaren Zauber und unverwechselbares Licht. Schließlich wäre es ja auch langweilig, wenn immer alles nach Plan läuft. Also auf ins Winterzauberwunderland. Spätestens im nächsten Winter und selbst genießen!

Schlittenfahrt und Schneehotel oder: ganz im Norden geht es rund !

Schnee bis zum abwinken. Davon gibt es ja bekanntlich in Nordnorwegen genug. Zeit um in Kirkenes mal wieder im Schneehotel vorbei zu schauen. Schließlich ist es im April heldenhaft dahin geschmolzen und erlebte seine Wiedergeburt im Oktober. Ja, zehn Grad und mehr machen einem Schneehotel eben zu schaffen. Umso mehr erfreut es den Besucher, dass es jedes Jahr in neuer Gestaltung daher kommt. Dieses Jahr ist es den Huskys gewidmet. Liegt in Kirkenes ja auch irgendwie nahe, denn in minus zwanzig Grad fühlt sich der Schlittenhund in seinem Temperaturelement. So steht man in der Eingangshalle des Schneehotels auch mittendrin im Hundeschlittenszenario. Die Tierchen erobern in Eis gemeißelt die Bar und drapieren sich um ihren Musher.

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Copyright: insidenorway

Wie letztes Jahr empfindet man die minus vier Grad im Inneren des Hotels als geradezu hochsommerlich, kein Wunder, es ist ja auch fast zwanzig Grad wärmer hier drin als vor der Tür. Die Zimmer sind auch dieses Jahr zauberhaft gestaltet und warten auf die Übernachtungswilligen. Wer hier sein Haupt zum Schlaf betten will, sollte frühzeitig buchen, denn „ausgebucht“ ist hier die meistgebrauchte Vokabel. Gegen die Kälte gibt es den mollig warmen Polarschlafsack und mit dem Getränkekonsum hält man sich besser vornehm zurück. Hier lernt man den Vorteil von möglichst wenig Toilettengängen pro Nacht zu schätzen, es sei denn man liebt es, sich aus dem warmen Schlafsack in die arktische Kälte zu quälen. Da können schon hundert Meter bis zum Toilettenhäuschen zur Qual werden. 😀

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Copyright: insidenorway

Ich widme mich heute dem Gelände nebenan, dort wohnen die Huskys. Das wunderschöne Licht der Polarnacht schreit geradezu nach einer Schlittenfahrt. Nach dem Schneegestöber der letzten Tage zaubert die Dämmerung heute rosa Licht an den Himmel und die ganze Umgebung liegt verschlafen im Winterkleid. Schon als wir das Gelände betreten, werden wir von lautem Bellen begrüßt. Von allen Seiten schauen uns die Huskys ungeduldig an, bereit zur Tour aufzubrechen. Ich bin ja jedesmal beeindruckt, welche Stärke die Tierchen entwickeln, sobald sie losgelassen werden. Schließlich ziehen sie nicht nur den Schlitten, sondern auch uns, die wir im Schlitten drin sitzen und uns durch die Landschaft fahren lassen.

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Copyright: insidenorway

Zu zweit nehmen wir also im Schlitten Platz und natürlich haben wir auch einen Musher dabei. Die Huskys sollen ja wissen, wo sie hin sollen. Nie war ich dankbarer für meine Skihose. Mütze, Jacke und Handschuhe tun ihr Übriges dazu, damit man trotz der Eiseskälte nicht zum Eiszapfen erstarrt. Kaum sitzen wir, geht es auch schon los. Und zwar ziemlich zügig. Zuweilen muss man alles einziehen, damit man bei der Fahrt durchs Gestrüpp nicht unfreiwillig irgendwelche Gliedmaßen verliert. Wir sausen am Fjord entlang durch die eisige Polarnacht. Atemberaubend. Teilweise ist das Wasser zugefroren, bis hier reicht der Einfluss des Golfstroms dann doch nicht. Gut, dass uns der Musher ansagt, wenn Kurven bevorstehen, so braucht man uns nicht wieder in den Schneeverwehungen einzusammeln. Die Hündchen nehmen selbst Steigungen mit der Schlittenlast mühelos, ja da kann man fitnessmäßig noch was lernen. Für Fotos muss man gleich zu Anfang sorgen, sonst zeigt einem der Akku ne lange Nase.

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Copyright: insidenorway

Viel zu schnell vergeht die Tour und am liebsten würden wir gleich nochmal. Mittlerweile hat sich die Dämmerung schon fast wieder verabschiedet und weicht der Dunkelheit. Polarnacht eben. Der heiße Krähenbeerensaft am Kamin kommt uns nach der Tour gelegen und am Feuer kann man auch gleich die Handyakkus wieder aufwärmen.

Bleibt noch Zeit für einen kurzen Besuch bei den Rentieren, die sich ebenfalls auf dem Gelände tummeln. Aber sie haben heute keine Lust auf Streicheleinheiten und betrachten uns desinteressiert aus der Ferne. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Fazit: wer das Gelände des Schneehotels besucht, kann sich auf einen Tag voller Aktivitäten freuen. Und weil auch wir den Tag unendlich genossen haben, werden wir Ende Januar zurückkehren. An den Nordrand Europas. Wo die Huskys wohnen. 🙂

Was das Auge nicht sieht oder: wie kommen die Nordlichter aufs Bild !

Ja ja die Nordlichter. Sie sind immer noch sagenumwoben. Wie oft höre ich den Satz: „Die würde ich so gerne mal live sehen.“ Ich gebe zu, das erste Nordlichterlebnis bleibt dauerhaft in Erinnerung. Auch bei mir. An dem Abend, an dem ich sie zum ersten mal sah, hatte ich gar nicht damit gerechnet. Ein Novemberabend bei meiner Freundin Sabine in Farstad. Eigentlich wollten wir nur den Wein aus der Naturkühlung holen, denn wir hatten den überraschenden Wintereinbruch einfach zur natürlichen Schneegetränkekühlung umfunktioniert. Und zeitgleich hatte der Himmel sich überlegt uns mit tanzendem grün zu beglücken. Wie atemberaubend. Minutenlang waberten sie hoch über uns, mal spiralförmig, mal wie gewaltige Vorhänge. Nächste Herausforderung: sie aufs Foto zu bekommen. Ok, das blieb an diesem Abend nur ein frommer Wunsch.

Copyright: Alex Conu/Visitnorway.com

Copyright: Alex Conu/Visitnorway.com

Spätestens mit den Nordlichtern ist das Argument, dass es in Norwegen ja immer kalt und dunkel ist, entkräftet. Klar sind die Temperaturen im Winter weit entfernt von tropisch und das mit dem dunkel kann man während der Polarnacht auch nicht wirklich widerlegen. Aber: was nutzt einem der Zustand „hell“, wenn einem dafür ein grün leuchtender Himmel entgeht. Und dem besonders Glücklichen zeigen sich die Nordlichter ja auch noch in violett und rot. Das mit der Fotoproblematik bleibt. Und dabei hat die Kamera unserem Auge einiges voraus. Ja, unser Auge ist in der Dunkelheit eben doch kein Hochleistungsgerät. Wo unser Auge nur ein graues Schleierchen sieht, ist bei der Kamera bereits Alarmstufe grün.

Wie bekommt man sie denn nun aufs Bild. Ja, da muss man so ein bißchen rumprobieren. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich beobachte, dass manche versuchen wirkungsvoll den Blitz einzusetzen. Daraus kann nichts werden, es sei denn man begibt sich auf fünf Meter Entfernung zur Atmosphäre um sie mit dem Blitz zu beleuchten. Also weg mit dem Ding. Außerdem zieht man sich so gerne den Zorn der Mitfotografierenden zu, denn die sind in der Regel nie begeistert, wenn sie unfreiwillig im Blitzlichtgewitter stehn. Wer die Nordlichter fotografieren will, muss ein bißchen Ausrüstung mitbringen. Man braucht allerdings keine 10.000-Euro-Kamera, aber manuell einstellbar sollte sie sein. Der Automatikprogramm-Fotograf muss ohne Bilder vom Himmelsspektakel nach Hause fahren.

 Einem Stativ sollte man unbedingt Platz im Koffer machen. Ok, es frisst den Platz für die Winterklamotten auf, aber ohne Stativ hat man ein Problem. Nicht, dass ich nicht auch schon ohne Stativ unterwegs war in meinem Job als Reiseleiterin und ab und zu findet man eine Auflagemöglichkeit für die Kamera. Aber unglücklicherweise haben Nordlichter die Eigenschaft dort zu tanzen, wo sie wollen. gerne genau dort, wo man keine Möglichkeit hat, die Kamera in eine ruhige, stabile Lage zu bringen. Bei der Belichtung experimentiert man ein wenig. Blende so weit auf wie möglich und die Lichtempfindlichkeit des Chips rauf bis zur Grenze, an der die Bilder körnig werden. Ich habe mit 3200 ASA gute Erfahrung gemacht. Kombiniert man mit Blende 2,8, kommt man mit moderaten Belichtungszeiten von 2-4 Sekunden hin, je nachdem wie stark die Nordlichter sich zeigen. Und unbedingt: Autofokus AUS, sonst wundert man sich, warum die Kamera nicht auslöst. Einfach den Fokus auf unendlich stellen und schon fluppt es.

Ich bin ja meist mit dem Schiff unterwegs und da steht man noch vor einer weiteren Herausforderung. Ist man an Land, hat man den unschlagbaren Vorteil, dass Berge und Fjorde sich nicht wegbewegen. Diesen Gefallen tut einem das Schiff nicht. Was tun? Nun, da ist es wieder, das Problem, dass Nordlichter dort erscheinen, wo sie wollen. Zur Seite raus fotografiert, muss man auf den Fotos mit laufenden Lichtern an Land leben. Wenn die Nordlichter allerdings bereit sind, sich am Bug oder am Heck zu versammeln, können auch hier gute Bilder gelingen, denn wenn die Schiffdetails scharf gezogen sind, fällt eine leichte Unschärfe bei den Nordlichtern nicht mehr so arg ins Gewicht.

Copyright: insidenorway

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Fazit: Zähne zusammenbeißen, Ausrüstung schleppen, ausprobieren, dann hat man es nach einiger Zeit raus und freut sich über Bilder vom Licht des Nordens! 🙂 ❤

Wenn der Winter Møre og Romsdal überfällt oder wie man auch eine Zwangspause genießt

Ja, es ist doch immer wieder schön wenn man bei der Tourenplanung das Wetter unter den Tisch fallen lässt. Da verschafft einem Norwegen zuweilen einfach mal eine Zwangspause und schneit einen gnadenlos ein. Und das im November! Wo Møre og Romsdal doch sonst erst später mit so reichlich weißer Pracht beglückt wird. Nun ja, am Abend reden wir uns das Ganze noch schön damit, dass es ja wohl nicht die ganze Nacht schneien wird. Nein der Wettergott hat in Norwegen anders geplant. Und über Nacht verwandelt sich die ganze Welt. Die Bäume tragen ein so schweres Schneekleid, dass sie sich auf die Stromleitungen stützen müssen. Kopfkino, wenn eine reißt. Nun ja, sollen wir starten zur nächsten Tour? Wir entscheiden uns einen Tag zu pausieren, morgen ist bestimmt alles weggetaut. Schließlich sagt selbiges auch der Wetterbericht. Blöd nur wenn Wetterbericht und Wettergott sich nicht abgesprochen haben.

Farstad, Copyright: insidenorway

Farstad, Copyright: insidenorway

Immerhin nach Elnesvågen brechen wir auf, denn man kann ja nicht vor dem gähnend leeren Kuhlschrank verharren. Wie schön, dass das temporäre Quartier auf einem Hügel liegt. Wieder mit dem Auto bis zur Haustür kommen und so. Nun ja, es hilft nix. Wir wagen uns also auf die Straßen, obwohl es mehr rutschen als fahren ist. Geräumt? Wozu! Und es schneit weiter. Unaufhörlich! Wie war das noch mit dem Wetterbericht?

Der Weg an sich ist aber zumindest naturmäßig ein Fest. Weihnachtsstimmung kommt auf. Alles still, alles verschneit. Nur ab und zu schleicht sich uns ein Auto auf der Gegenfahrbahn entgegen. Die Seen tragen eine Eisschicht und die Berge haben ihre Gipfel wie in eine dicke Schicht Puderzucker gehüllt. Die Bäume sind kaum zu sehen vor weißer Winterpracht. Und auf halber Strecke ist sogar die Sonne gnädig mit uns und zeigt uns das wahre Winterwonderland.

Elnesvågen, Copyright: insidenorway

Elnesvågen, Copyright: insidenorway

In Elnesvågen müssen wir auch gleich erst einmal eine Fotopause einlegen. Einkäufe? Was war das nochmal? 😉 Die Natur will genossen werden. Wir schlittern also über die eisglatten Straßen und stapfen durch kniehohen Schnee für die besten Fotomomente. Herrlich. Nun ja, die Einkäufe haben wir natürlich noch gemacht und auf dem Rückweg drängt sich die Frage auf, ob wir den Hügel zum Haus mit dem Auto wieder hoch kommen.

Auch beim dritten Anlauf wollen die Reifen einfach nicht greifen. Alles zum Haus hoch schleppen heißt also die Devise. Das Auto bleibt am Fuße des Hügels stehen. Morgen ist ja alles weggetaut. Denken wir noch!

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir das mit dem Wegtauen wohl vergessen können. Wo ist das Auto….! Kurzzeitig überlegen wir, ob wir es als vermisst melden sollen, aber irgendwo unter dem Schnee wird es wohl sein. Also antreten zum Ausgraben.

Copyright: insidenorway

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Demnach gibt es heute ne richtige Zwangspause. Bis auf einen Winterspaziergang brennt der Kamin im Dauerbetrieb. Selbst der Kater von meiner Freundin Sabine verzichtet aufs Mäuse jagen draußen und schmust lieber vor der Wärmepumpe. Ist ja auch viel gemütlicher dort. Wir hoffen indeß weiter auf Tauwetter. Morgen. Hoffentlich! Um zur nächsten Tour aufzubrechen! To be continued…… 🙂