Was das Auge nicht sieht oder: wie kommen die Nordlichter aufs Bild !

Ja ja die Nordlichter. Sie sind immer noch sagenumwoben. Wie oft höre ich den Satz: „Die würde ich so gerne mal live sehen.“ Ich gebe zu, das erste Nordlichterlebnis bleibt dauerhaft in Erinnerung. Auch bei mir. An dem Abend, an dem ich sie zum ersten mal sah, hatte ich gar nicht damit gerechnet. Ein Novemberabend bei meiner Freundin Sabine in Farstad. Eigentlich wollten wir nur den Wein aus der Naturkühlung holen, denn wir hatten den überraschenden Wintereinbruch einfach zur natürlichen Schneegetränkekühlung umfunktioniert. Und zeitgleich hatte der Himmel sich überlegt uns mit tanzendem grün zu beglücken. Wie atemberaubend. Minutenlang waberten sie hoch über uns, mal spiralförmig, mal wie gewaltige Vorhänge. Nächste Herausforderung: sie aufs Foto zu bekommen. Ok, das blieb an diesem Abend nur ein frommer Wunsch.

Copyright: Alex Conu/Visitnorway.com

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Spätestens mit den Nordlichtern ist das Argument, dass es in Norwegen ja immer kalt und dunkel ist, entkräftet. Klar sind die Temperaturen im Winter weit entfernt von tropisch und das mit dem dunkel kann man während der Polarnacht auch nicht wirklich widerlegen. Aber: was nutzt einem der Zustand „hell“, wenn einem dafür ein grün leuchtender Himmel entgeht. Und dem besonders Glücklichen zeigen sich die Nordlichter ja auch noch in violett und rot. Das mit der Fotoproblematik bleibt. Und dabei hat die Kamera unserem Auge einiges voraus. Ja, unser Auge ist in der Dunkelheit eben doch kein Hochleistungsgerät. Wo unser Auge nur ein graues Schleierchen sieht, ist bei der Kamera bereits Alarmstufe grün.

Wie bekommt man sie denn nun aufs Bild. Ja, da muss man so ein bißchen rumprobieren. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich beobachte, dass manche versuchen wirkungsvoll den Blitz einzusetzen. Daraus kann nichts werden, es sei denn man begibt sich auf fünf Meter Entfernung zur Atmosphäre um sie mit dem Blitz zu beleuchten. Also weg mit dem Ding. Außerdem zieht man sich so gerne den Zorn der Mitfotografierenden zu, denn die sind in der Regel nie begeistert, wenn sie unfreiwillig im Blitzlichtgewitter stehn. Wer die Nordlichter fotografieren will, muss ein bißchen Ausrüstung mitbringen. Man braucht allerdings keine 10.000-Euro-Kamera, aber manuell einstellbar sollte sie sein. Der Automatikprogramm-Fotograf muss ohne Bilder vom Himmelsspektakel nach Hause fahren.

 Einem Stativ sollte man unbedingt Platz im Koffer machen. Ok, es frisst den Platz für die Winterklamotten auf, aber ohne Stativ hat man ein Problem. Nicht, dass ich nicht auch schon ohne Stativ unterwegs war in meinem Job als Reiseleiterin und ab und zu findet man eine Auflagemöglichkeit für die Kamera. Aber unglücklicherweise haben Nordlichter die Eigenschaft dort zu tanzen, wo sie wollen. gerne genau dort, wo man keine Möglichkeit hat, die Kamera in eine ruhige, stabile Lage zu bringen. Bei der Belichtung experimentiert man ein wenig. Blende so weit auf wie möglich und die Lichtempfindlichkeit des Chips rauf bis zur Grenze, an der die Bilder körnig werden. Ich habe mit 3200 ASA gute Erfahrung gemacht. Kombiniert man mit Blende 2,8, kommt man mit moderaten Belichtungszeiten von 2-4 Sekunden hin, je nachdem wie stark die Nordlichter sich zeigen. Und unbedingt: Autofokus AUS, sonst wundert man sich, warum die Kamera nicht auslöst. Einfach den Fokus auf unendlich stellen und schon fluppt es.

Ich bin ja meist mit dem Schiff unterwegs und da steht man noch vor einer weiteren Herausforderung. Ist man an Land, hat man den unschlagbaren Vorteil, dass Berge und Fjorde sich nicht wegbewegen. Diesen Gefallen tut einem das Schiff nicht. Was tun? Nun, da ist es wieder, das Problem, dass Nordlichter dort erscheinen, wo sie wollen. Zur Seite raus fotografiert, muss man auf den Fotos mit laufenden Lichtern an Land leben. Wenn die Nordlichter allerdings bereit sind, sich am Bug oder am Heck zu versammeln, können auch hier gute Bilder gelingen, denn wenn die Schiffdetails scharf gezogen sind, fällt eine leichte Unschärfe bei den Nordlichtern nicht mehr so arg ins Gewicht.

Copyright: insidenorway

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Fazit: Zähne zusammenbeißen, Ausrüstung schleppen, ausprobieren, dann hat man es nach einiger Zeit raus und freut sich über Bilder vom Licht des Nordens! 🙂 ❤

3 Gedanken zu “Was das Auge nicht sieht oder: wie kommen die Nordlichter aufs Bild !

  1. Vielen Dank für dennBerichtß ich gehöre zu der Kategorie: die will ich unbedingt mal sehen. Im November fahren wir mit der Kong Harald Richtung Nordkap, und ich hoffe, dass sich die Lichterndann auch zeigen werden 😉

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